Titel: Something‘s… Fishy at the Hub
Autor: Lady Charena (Mai 2015)
Fandom: Torchwood – Millennium Edition
Wörter: 3317
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Alex Hopkins, Originalcharakter: Dr. Adam Hill, Neal Franks, Caden und ein namenloser Blowfish.
Pairing: Jack/Ianto
Rating: AU, ab12, slash, hurt/comfort
Beta: T’Len

Summe: Der gefangene Blowfish sorgt für Ärger.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.





Torchwood: Millennium Edition – Teil 2: Always a Good Day to Die

Kapitel 2.18: Something‘s…
Fishy at the Hub


Als der Alarm losging, Sirenen heulten und die automatischen Schlösser einrasteten, rettete Caden seine neuen Turnschuhe – und die darin steckenden Zehen – nur durch einen instinktiven Satz nach hinten, als das schwere Rolltor direkt vor seiner Nase den Eingang verschloss.

Er stolperte und landete auf seinem Hinterteil. Mit weiten Augen starrte der junge Computertechniker auf die Warnlampen, die orangefarbene Schatten auf sein Gesicht warfen. Er fischte die In-Ear-Kopfhörer seines iPods aus den Ohren und wischte sich die Reste des Donuts von seiner Jacke, den er bei seinem Sturz verloren hatte. Caden rappelte sich auf und fluchte frustriert, als er vergeblich den manuellen Türöffner betätigte. Der Hub befand sich im Lockdown. Warum hatte er nur den Abstecher zur Bäckerei gemacht? Wegen eines fettigen, geschmacklosen Donuts saß er nutzlos jetzt hier draußen, anstatt sich an seiner Arbeitsstation zu befinden. Er zog sein Handy aus der Tasche, doch so tief unter der Erde war der Empfang nicht immer gewährleistet – außerdem gab es Störungen durch den Riftmanipulator – und er erhielt kein Signal. Caden rüttelte an der Antenne und steckte das Mobiltelefon zurück in seine Jacke. Er könnte versuchen, zurück nach draußen zu gelangen, oder…

Entschlossen schwang Caden seine Laptoptasche herum und öffnete die Klappe, um seinen Laptop hervor zu ziehen. Er machte es sich mit verschränkten Beinen auf dem Boden neben dem Rolltor bequem und schaltete den tragbaren Computer an. Zumindest konnte er sich ins Sicherheitssystem einklinken und sehen, was vor sich ging.

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Im Hub selbst war der Lärm ohrenbetäubend.

Jack war es gerade gelungen, Ianto in der Küchennische alleine zu erwischen.

Nicht, dass ihn Publikum störte… Der Waliser nannte das sein „Straßenköter-Verhalten“, wobei er ihm nie erklärt hatte, was er damit meinte. Immerhin konnte Jack sich nicht erinnern, dass er je in der Öffentlichkeit an Iantos Genitalien oder seinem Hintern geschnüffelt oder sich in seinen eigenen Exkrementen gewälzt hätte.

Als er aus den Vaults zurückkehrte – Alex hatte ihn zum morgendlichen Füttern der Weevil verdonnert – sah er Ianto auf der Plattform, die dem Hub als Küche diente. Jack wartete, bis er Wasser in das stählerne Spülbecken rauschen hörte und nutzte das Geräusch und die Tatsache, dass Ianto ihm den Rücken zuwandte, während er in einem Schrank nach etwas suchte, um ungesehen und ungehört die Stufen hoch zu gehen. Und als Ianto bis zu den Ellbogen in heißem Wasser und Seifenschaum steckte – laut Doktor Hill waren schmutzige Tassen sein Kryptonit (noch eine Anspielung, der Jack irgendwann auf den Grund gehen würde) – schlug er zu. Keramik klirrte und Ianto gab ein absolut bezauberndes und durch und durch unmännliches Quietschen von sich, als Jack unvermittelt hinter ihm auftauchte, die Arme um seine Taille schlang und ihn in den Nacken biss.

„Verdammt, Jack.“ Seifenschaum spritzte, als Ianto sich aus Jacks Griff zu befreien versuchte und sich schließlich umdrehte. „Du hast solches Glück, dass ich keine Waffe trage“, meinte er und hinterließ nasse Abdrücke auf Jacks blauem Hemd, als er ihn gegen den Brustkorb boxte.

„Du hast solches Glück, dass ich kein Weevil bin“, erwiderte Jack grinsend und küsste ihn, bis Ianto zu vergessen begann, warum er so empört war…

Und das war der Moment, in dem der Alarm zu schrillen begann.

Ianto stieß Jack von sich und trat ans Geländer, um in den Hub hinab zu sehen. Jack trat neben ihn, als das Rolltor sich schloss. Adam Hill und Alex Hopkins kamen aus Hopkins‘ Büro.

„Das ist ein interner Alarm.“ Alex eilte an die nächstgelegene Arbeitsstation und aktivierte einen Bildschirm. „Ausgelöst in den Vaults. Jack! Du warst doch eben noch da unten.“ Er wechselte durch mehrere Kameraansichten.

„Da war auch alles okay.“ Jack packte Iantos Gürtel und zog ihn hinter sich her, brachte ihn dabei fast ins Stolpern. „Ich habe die Weevil gefüttert, Franks hat sich um den Blowfish gekümmert“, meinte er, während sie sich zu den beiden anderen Männern gesellten. „Er hat wieder mit meinem Geruch angefangen, also meinte Franks…“

„Agent verletzt.“ Alex hatte die Worte kaum ausgesprochen, auf den Bildschirm zeigend – wo Neal Franks zu sehen war, reglos auf dem Boden – als Dr. Hill sich bereits in Bewegung setzte. Er öffnete einen Spind und holte einen Notfallkoffer heraus.

Hopkins durchquerte den Hauptraum des Hubs mit weiten Schritten und tippte seinen Code in das elektronische Schloss des Waffensafes, in dem sich eine kleine Anzahl von Schusswaffen, Messern und anderen Mitteln zur Verteidigung befanden. Bis zur Waffenkammer und zurück dauerte es zu lange, das Sicherheitssystem des Raumes war überdies komplexer. Er reichte eine Pistole an den Arzt weiter, der den Koffer in die andere Hand wechselte und die Waffe entsicherte.

Alex wandte sich Jack zu, sah ihn einen langen Moment an und überließ ihm dann die zweite. Außer mit der Webley hatte Jack in den vergangenen Monaten mit den verschiedensten Waffen geübt.

Wortlos hielt der Leiter von Torchwood Drei eine weitere Ianto hin. Der junge Waliser zögerte.

Adam Hill beugte sich in den Safe und nahm eine plumpe Waffe mit viereckigem Lauf und grellgelben Warnaufklebern heraus.

Der Arzt legte sie in Iantos Hand. „Elektroschocker. Nicht-tödlich“, sagte er knapp.

Hopkins nickte und steckte die zweite Waffe in seinen Gürtel. „Es gibt einen Noteinstieg direkt in die Vaults“, sagte er und zog seinen Schlüsselbund aus der Tasche. Die anderen folgten ihm auf die andere Seite des Raumes. Hier war eine viereckige Metallplatte in den Boden eingelassen. Offenbar einer der wenigen nicht elektronisch gesicherten Tunneleingänge. Mit einem seltsam geformten Schlüssel entriegelte Alex die Falltür.

Mit einem Knirschen, Ächzen und schließlich metallischem Quietschen der Angeln öffnete sie sich und gab den Blick auf einen viereckigen Schacht voller Dunkelheit frei.

Ianto hatte zufällig eine kleine Taschenlampe, die er manchmal bei der Arbeit in der Bibliothek einsetzt, in der Gesäßtasche seiner Jeans. Er zog sie hervor, knipste sie probeweise an und reichte sie an Alex weiter.

Mit einem Nicken leuchtete Hopkins in den Schacht, fand die oberste der Metallstreben in der Wand, die als Stufen dienten, und begann nach unten zu klettern. Jack folgte ihm sofort.

Adam legte die Hand kurz auf Iantos Unterarm. „Bleib in meiner Nähe. Wenn wir Franks rasch wegbringen müssen, dann geht das am besten zu zweit. Und wenn ich ihn vor Ort versorgen muss, dann brauche ich jemand, der mir den Rücken freihält. Okay?“

Angespannt nickte der junge Waliser. „Okay.“

Der Arzt warf ihm ein flüchtiges Lächeln zu und kletterte in den Schacht. Der Koffer war an einem Gurt befestigt, den er sich über die Schulter geworfen hatte. Der Schacht war so eng, dass das Plastik des Koffers trocken über die Schachtwände kratzte.

Ianto holte tief Luft und kletterte ihm nach ins Dunkel.

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Nichts zu sehen und nur die Schritte der vor ihm gehenden Männer zu hören, ließ den Weg nach unten länger erscheinen, als er vermutlich war. Kalte Luft schlug ihnen entgegen, trocken aber muffig. Ianto erstarrte, als plötzlich etwas sein Bein berührte. Dann wurde ihm bewusst, dass es Adams Hand war, die seinen Knöchel gepackt hatte, um ihn zu stoppen. Sie waren am Ende des Schachts angekommen und er klammerte sich an die dünnen Metallstreben, bis der Arzt unter ihm Platz gemacht hatte.

Sie drängten sich in einer winzigen, viereckigen Kammer aus rohen Ziegelsteinen, definitiv zu klein, dass sich vier erwachsene Männer bequem darin aufhalten konnten. Der Plastikkoffer bohrte sich in Iantos Seite, als er von der letzten Strebe auf den Boden trat. Das Licht der Taschenlampe reichte nicht weit, so dass Ianto kaum mehr als die Umrisse seiner Begleiter und die Wände sehen konnte, aber er hörte das Klirren von Schlüsseln, also gab es wohl hier auch eine Tür, die Alex öffnen konnte.

Einen Moment später fiel ein dünner Lichtstrahl in die Kammer.

„Soweit ich sehen kann, ist alles frei“, sagte Alex leise. „Jack, du gehst nach rechts. Ich nehme links. Doc – du und Ianto, ihr kümmert euch um Franks. Klar?“

Drei leise „Klar!“ echoten durch den Raum. Dann wurde der Lichtstrahl breiter und plötzlich verschwand der Druck des Koffers gegen Iantos Körper, als Alex die Kammer verließ und Adam nachrückte. Jacks Hand streifte im Dunkeln seine in wortloser Versicherung, dann folgte er dem Leiter von Torchwood Drei.

Doktor Hill wandte sich ihm zu. „Wir müssen geradeaus und dann nach rechts. Franks liegt direkt vor der Zelle, in der wir den Blowfish untergebracht haben. Aber ich wette du hast den Grundriss eh besser im Kopf als ich.“ Im Licht, dass in die Kammer fiel, konnte Ianto sein schiefes Grinsen sehen. „Bereit?“

Ianto deutete eine Verbeugung an. „Direkt hinter dir, Doc“, sagte er trocken.

„Gut.“ Adam rückte den Koffer zurecht, hielt seine Waffe etwa auf Höhe seines Nabels und stieß die Tür weiter auf, um in den Raum zu treten.

Ianto folgte ihm. Sein Herz hämmerte in seinem Brustkorb, er hatte einen mineralischen Geschmack im Mund und seine Finger schmerzten, weil er den Griff des Elektroschockers so fest umklammerte. Er sah sich um, während er gleichzeitig Adam im Auge zu behalten versuchte – aber da war niemand oder nichts. Nur mattbeleuchtete Reihen an Zellen aus Plexiglas und Metall und Beton. Am anderen Ende der Vaults verschwand gerade Jack hinter einer Säule, dort machte der Raum einen Knick und führte in den Bereich, in dem die als Forschungsobjekte gedachten Weevil untergebracht waren. Alex konnte er nicht sehen.

Hill kniete bereits neben Franks, tastete nach dem Puls des Torchwood-Agenten. „Ianto.“

Er eilte zu ihm, nahm den Notfallkoffer von Adams Schulter und öffnete ihn. Ohne auf eine Anweisung zu warten, nahm er ein Stethoskop aus einem Seitenfach und reichte es dem Arzt weiter. „Was ist mit ihm?“, fragte er, sich wieder umblickend. „Ich sehe kein Blut, keine Wunden.“

Der Arzt lauschte Franks Herztönen. „An seinem Bein“, sagte er. „Oberhalb des Knöchels. Sein Herz schlägt langsam, aber regelmäßig.“ Seine Hand schoss vor, packte Iantos. „Vorsichtig.“ Adam zog einen Handschuh über und nahm ein Tuch aus dem Koffer. Er wickelte das zusammengefaltete Tuch um etwas, dass aus Franks Bein ragte, direkt oberhalb seines rechten Knöchels. Es sah aus wie ein überdimensionaler Bienenstachel, hell und dunkel gemustert wie bei einem Stachelschwein, aber so dick wie ein Bleistift, wobei es sich nach oben verdickte und dort fast doppelt so breit war, wie an der Base, wo es im Bein des Agenten verschwand. „Ich vermute, dass es Gift ist. Wir müssen ihn so schnell wie möglich in die Krankenstation bringen, damit ich sein Blut analysieren kann. Aber das geht nicht über den Tunnel. Wir müssen den Aufzug in Gang bringen.“

„Darum kümmere ich mich.“ Es war Cadens Stimme und sie kam durch das Intercom-System. „Hey Leute. Ich bin auch da. Tut mir leid, aber ihr könnt mich im Moment nur hören, nicht antworten.“

Alex tauchte neben ihnen auf. „Was ist mit ihm?“, fragte er angespannt.

„Ich denke, er wurde vergiftet. Zumindest betäubt“, antwortete der Arzt ohne aufzusehen. Er hatte seine Waffe auf den Boden gelegt, um beide Hände frei zu haben. „Er lebt.“

„Es muss der Blowfish gewesen sein. Das Tablett mit seinem Essen steht noch unberührt auf dem Boden.“ Hopkins musterte den Agenten auf dem Boden. „Ich frage mich, wie er Franks dazu gebracht hat, die Zelle zu öffnen.“

„Darüber können wir uns Gedanken machen, nachdem ich ihn versorgt habe“, beschied Hill. Seine Brillengläser reflektierten das Licht, als er aufsah. „Und das sollte besser früher als später sein.“

Als wäre das ein Stichwort gewesen, kam knirschend und rumpelnd der Aufzug auf ihrem Level an.

„Warte.“ Alex hob seine Waffe. „Zuerst müssen wir wissen, wo der Blowfish ist.“

Der Arzt tastete nach Neals Puls. „Sein Zustand verschlechtert sich. Siehst du seine Lippen? Die bläuliche Verfärbung? Sein Blut transportiert zu wenig Sauerstoff. Ich denke, er hat einen anaphylaktischen Schock erlitten.“ Er nahm einen Epinephrin-Injektor aus dem Koffer und setzte die Spritze direkt durch die Jeans in Neal Franks Oberschenkel. Dann nahm er erneut den Puls. „Zwei Minuten, Alex. Mehr kann ich nicht verantworten. Ianto, ich brauche den Lichtstift.“ Der junge Waliser fischte die einem Kugelschreiber täuschend ähnlich sehende Taschenlampe aus dem Notfallkoffer und reichte ihn Adam weiter, der die Pupillen seines Patienten prüften.

Als Ianto sich umdrehte, meinte er für einen Moment eine Bewegung in den Schatten hinter ihnen zu sehen, aus den Augenwinkeln. Bevor er Alex darauf aufmerksam machen konnte, hallte Jacks Stimme durch den düsteren Zellentrakt.

„Hinter euch. Alex!“

Alle drei Männer, die sich um den verletzten Agenten versammelt hatten, drehten sich um.

Der Blowfish trat aus dem Schatten. Und was er in den Händen hielt, musste Franks Waffe sein. Sein Gesicht kräuselte sich, als er Ianto sah – ein Gesichtsausdruck, den der junge Waliser als Verachtung interpretierte. „Der Fremde. Du stinkst bis hierher, Halbaffe.“ Er richtete die Pistole auf Ianto. In der rauen Stimme des Blowfish schwang merkwürdigerweise Gelächter mit. „Wenn ich dich töte, Fremder, tue ich Torchwood dann einen Gefallen…?“

Ianto richtete sich auf und hob beide Hände, um zu zeigen, dass er unbewaffnet war. Er hatte den Elektroschocker in den Notfallkoffer gelegt. Jetzt stand er zwischen dem Blowfish und verdeckte mit seinem Körper teilweise Adam Hill, der seinerseits versuchte, seinen Patienten abzuschirmen.

„Ich bin der Leiter dieser Einrichtung und wenn Sie etwas zu sagen haben, dann sprechen Sie mit mir“, sagte Alex, die Waffe in beiden Händen haltend, zielte er auf den Außerirdischen. „Ianto. Geh mir aus der Schusslinie.“

Der Blowfish ignorierte ihn. Die Finnen auf seinem Kopf bewegten sich. Sein Blick folgte Ianto, der einen Schritt zur Seite trat. Genau wie der Lauf seiner Waffe. „Wo ist der andere?“, fragte er. „Ich kann ihn riechen. Vielleicht sollte ich einen von euch als Geisel mitnehmen und in eine Zelle sperren, damit meine Freunde Experimente an ihm durchführen kann.“ Er lachte rau. „Vielleicht kommt er aus seinem Versteck, wenn ich dich erschieße, Fremder.“

„Niemand geht hier irgendwohin“, erwiderte Alex ruhig. „Der Alarm hat einen Lockdown ausgelöst. Wir sind vollkommen abgeriegelt für die nächsten paar Stunden.“

„Wirklich.“ Der Außerirdische lachte erneut. „Wir werden sehen.“ Seine Waffe blieb direkt auf Ianto gerichtet. „Ich sollte dich auf jeden Fall erschießen, meine Nase ist…“

Ein Schuss hallte durch Zellentrakt, schnitt ihm das Wort ab.

Etwas warmes, glibbriges traf Iantos Gesicht und seinen Brustkorb.

Der Blowfish schlug der Länge nach auf dem Boden auf.

Jack tauchte hinter ihm auf und stieß ihn mit dem Fuß an, die Waffe lose an seiner Seite. „Was?“, meinte er. „Ich hatte nicht vor, zu warten, bis er einen von euch erschießt.“

Adam Hill löste sich als erster aus der Schreckstarre. „Hilf mir Franks in die Krankenstation zu bringen“, wandte er sich an Alex. „Jetzt!“

Der Leiter von Torchwood Drei steckte seine Waffe weg und schob die Arme unter Franks Achseln, um Hill, der Neals Beine hochhob, dabei zu helfen, ihn zum Lift zu schaffen. Die Tür öffnete sich, als Adam auf den Knopf drückte – offenbar hatte Caden wie versprochen die Lifts unter Kontrolle.

Ianto machte automatisch einen Schritt vorwärts, um ihnen zu helfen – rutschte aus und landete auf seinem Hinterteil.

„Bist du okay?“, fragte Jack. „Du bist nicht verletzt?“

Benommen schüttelte Ianto den Kopf und starrte auf seine Hände, die eine grünliche, schmierige Flüssigkeit bedeckte. Die gleiche Flüssigkeit durchtränkte sein Sweatshirt und tropfte aus seinen Haaren. In seinen Ohren echote ein schrilles Pfeifen. Er schloss die Augen und sah wieder, wie sich die Stirn des Blowfish wölbte und dann explodierte, als die Kugel austrat und ein Loch dorthin riss, wo sich eben noch ein Gesicht befunden hatte.

Ianto?“

Er sah auf und hoch zu Alex. „Bist du nicht mit Adam weg?“

Caden hat im Lift für mich übernommen und geht Adam zur Hand.“ Hopkins schnitt eine Grimasse und fischte etwas aus Iantos Haaren, das er auf den Boden fallen ließ, wo es mit einem dumpfen Platschen aufschlug. Dann wischte er die Hand an seiner Hose ab, bevor er sie dem jungen Waliser hinhielt. „Geh nach oben und mach dich sauber“, schlug er dann vor und seine Stimme nahm einen sanfteren Klang an. „Hey. Es ist vorbei und es gibt hier nichts mehr zu tun. Du kannst gehen. Hilf Adam mit Neal, wenn du dich gut genug fühlst und etwas tun willst.“

Ianto nickte automatisch. „Sein Kopf ist explodiert“, murmelte er und versuchte um Hopkins herum zur Leiche des Blowfish zu sehen.

Alex nahm sein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger und drehte seinen Kopf zurück. „Es ist kein angenehmer Anblick und glaub mir, man gewöhnt sich nie wirklich daran.“

„Das ist sein Blut in meinem Gesicht. Und sein… Gehirn.“ Iantos Gesicht, ohnehin blass, nahm einen grünlichen Schimmer an. Er rappelte sich ohne Alex‘ Hilfe hoch, machte ein paar Schritte zur Seite und übergab sich. Jack verlor das Interesse an der Leiche und folgte ihm, um mit der Hand über seinen Rücken zu reiben.

Nach einem Moment richtete er sich auf, als das Würgen nachließ, und sah sich nach etwas um, mit dem er sich den Mund abwischen konnte. Jack kramte erfolglos in seinen Taschen. Schließlich hielt er Ianto eine Ecke seines T-Shirts hin, die er aus seiner Hose zog.

„Spinnst du? Ich muss das Zeug waschen“, empörte sich Ianto und Jack grinste.

„Geht es dir wieder besser?“, fragte er.

„Du meinst, abgesehen davon dass ich vor Scham im Erdboden versinken möchte?“, murmelte Ianto, seine eigenen Worte ignorierend, als er sich den Mund am Ärmel abwischte. Dem rechten, der nicht mit Blowfish-Blut befleckt war. Richtig. Das Ding war ohnehin reif für die Verbrennungsanlage.

Jack hielt eine Hand vors Gesicht, wie ein Schauspieler, der sich auf eine Rolle konzentriert. „Warte“, meinte er. „Warte. Gleich. Mir wird sicher auch übel. Bestimmt… Nein. Tut mir leid. Das nächste Mal.“ Jack sah ihn durch die Finger hindurch an und grinste.

Ianto rempelte ihn mit dem Ellbogen an. „Hör auf damit. Das ist nicht komisch.“ In seinen Mundwinkeln zuckte es, fast schon ein Lächeln. Wenn auch widerwillig.

Alex kam mit einer Flasche Wasser und ein paar Papiertüchern aus dem Notfallkoffer zurück. „Glaub mir, eine Menge Leute nehmen den Anblick ihrer ersten Leiche wesentlich schlechter auf. Besonders bei so einer Form von Tod“, setzte er hinzu.

Der junge Waliser nahm einen Schluck aus der Wasserflasche und spülte den Mund aus, dann trank er etwas davon. Sein Magen krampfte sich zusammen, aber er bekam ihn unter Kontrolle. Jack wischte ihm Blowfish-Blut aus dem Gesicht.

„Verschwindet von hier“, sagte Alex, er deutete mit dem Kopf in Richtung Lift. „Wir unterhalten uns später noch darüber, Jack, dass du ohne meinen Befehl geschossen hast.“

„Das nächste Mal warte ich, versprochen“, erwiderte Jack trocken. Er legte den Arm um Ianto und führte ihn in Richtung Lift. „Wenn du uns jetzt entschuldigst… Ianto und ich wurden vorhin unterbrochen.

Als sich die Lifttür geschlossen hatte, griff Jack nach Iantos Sweatshirt und zog es ihm schwungvoll über den Kopf. Das T-Shirt, das er darunter trug, war ebenfalls ruiniert und Ianto schnitt eine Grimasse, zog es ebenfalls aus.

Jack grinste. „Ich wollte dich immer schon mal nackt im Aufzug haben.“ Er knöpfte sein Hemd auf und legte es um Iantos Schultern.

„Ich bin nicht nackt.“ Ianto zog fröstelnd das Hemd enger um sich. Er fröstelte, entweder als Reaktion auf die Geschehnisse im Zellentrakt oder die kalte Luft, die in die Liftkabine drang, als sich die Tür öffnete.

„Ich arbeite daran.“ Jack hakte den Arm um Iantos Taille.

„Flirtest du mit mir? Wirklich? Du machst mich an, während ich versuche, mich nicht zu übergeben“, sagte Ianto, ein Lächeln unterdrückend. „Während ich mit… Blut und… anderen unappetitlichen Dingen beschmiert bin?“

„Es hilft, oder?“ Jack sah ihn an, als sie in den Korridor einbogen, der zu ihrem noch-Quartier führte.

„Frag mich in fünf Minuten noch einmal.“


Ende (tbc)