Titel: Kommunikation
Autor: Lady Charena (September 2014)
Fandom: Torchwood – Millennium Edition
Wörter: 2345
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Alex Hopkins
Pairing: Jack/Ianto
Rating: AU, ab 12, slash
Beta: T’Len

Summe: Gespräche werden geführt.

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Torchwood: Millennium Edition – Teil 2: Always a Good Day to Die

Kapitel 2.14: Kommunikation


Es würde noch eine Weile dauern, aus dem Raum unter dem Dach des Tourismusinformationsbüros tatsächlich eine Wohnung zu machen. Aber sie hatten es immerhin geschafft, eine Matratze zu finden die nicht roch, als wäre etwas darauf gestorben und sie als erstes Möbelstück nach oben zu bringen.

In der Mitte des Raumes, unter den Dachfenstern und genau dort, wo sich auf dem Boden die Strahlen der Abendsonne entlang zogen, hatten sie sie ausgelegt und es sich darauf bequem gemacht. Das hieß, Ianto hatte Jack zu seinem persönlichen Kopfkissen erklärt und aalte sich.

„Du bist wirklich sicher, dass du dich nicht von Licht ernährst?“, fragte Jack amüsiert.

„Nein. Zum zweiten Mal. Ich bin sicher.“ Ianto drehte den Kopf ein wenig mehr nach links und schloss genießerisch die Augen. „Und jetzt lieg still.“

„Ich kannte da mal eine Ottawabe, die...“

„Keine Storys von deinen Verflossenen, echt nicht, nicht jetzt.“ Ianto gab Jack einen faulen Klaps auf den Oberschenkel.

„Ich habe nicht mit ihr geschlafen“, protestierte Jack.

„Und wieso nicht? War sie nicht dein Typ?“ Der junge Waliser schnaubte amüsiert. Unwahrscheinlich. „Warst du nicht ihr Typ?“ Könnte passieren. Für diese Andeutung erhielt er von Jacks einen Klaps zurück.

Ottawabe stammen von so was Ähnlichem wie Pflanzen ab. Sie vermehren sich durch eine Art von… Ableger. Sie haben keine Verwendung für Sex. Nicht mal zum Spaß. Oder die passende Ausstattung.“ Jack lachte. „Strenggenommen war sie nicht mal eine Sie. Oder ein Er. Sie sind geschlechtslos. Teway hatte sich nur für eine weibliche Identität entschieden, nachdem sie auf ihren Reisen anderen Spezies begegnet ist.“

„Das tut mir aber schrecklich leid. Ich bin sicher, sie haben keine Ahnung, was ihnen da entgeht“, entgegnete Ianto trocken.

Trotz des sarkastischen Tonfalls hellte sich Jacks Miene auf. „Ja, stimmt. Ihr Verlust. Wir hingegen…“ Seine Hand glitt über Iantos Hüfte. „Ich denke doch, dass du dich von Sonnenlicht ernährst“, flüsterte er, den Mund dicht an Iantos Ohr. „Du wächst eindeutig. Da wird ein Teil von dir schon größer.“ Jack presste die Handfläche fester gegen Iantos Schritt.

Mit einem Knurren rollte Ianto sich herum und presste Jacks tiefer in die Matratze, eine kleine Staubwolke aufwirbelnd. Sie mussten beide niesen und begannen zu lachen.

„Du kannst es einfach nicht ertragen, wenn ich mich mal nicht mit dir beschäftige, oder?“, meinte er mit einem Seufzen und sah auf Jack herab.

„Was gibt es faszinierenderes als mich?“ Jack grinste ihn an und hakte den Arm um Iantos Nacken.

Der Waliser schüttelte den Kopf. „Und das wirklich traurige ist, dass er das auch noch tatsächlich glaubt“, verkündete er einem unsichtbaren Publikum.

Jack presste das Gesicht gegen seinen Hals. „Du riechst gut“, murmelte er.

Ianto lachte leise. „Und sie behaupten, Eigenlob stinkt. Ich rieche wie du. Du bist schlimmer wie ein Kater, weißt du das? Überall hinterlässt du Duftmarken.“

Jack zog mit der Zungenspitze eine Linie über die dünne Haut an Iantos Kehle, konnte seinen Puls spüren, schmeckte Salz. „Selber Kater“, meinte er und stützte sich auf die Ellbogen auf. „Dein Geruch ist auch überall an mir, ich erwidere nur den Gefallen.“

„Ich rieche nichts von mir.“ Ianto presste die Nase gegen Jacks Brust und atmete tief ein. „Du bist der mit den futuristischen Pheromonen, die allen den Kopf verdrehen.“

„Das ist deine Schuld.“ Jack grinste und nippte an seinem Kehlkopf.

„Wirklich?“ Ianto rollte mit den Augen. War er überrascht? „Wieso ist es meine? Bitte, erleuchte mich.“

„Die Sache mit den Pheromonen ist weniger futuristisch, als... prähistorisch.“ Jack sah zu ihm auf, plötzlich ernster als zuvor. „Ich weiß das auch nicht so genau, okay? Nur was meine Mutter mir als Kind erzählt hat. Ich war noch nie so lange... mit immer der gleichen Person…“

„…In einer Beziehung?“, ergänzte Ianto.

Jack nickte. „Nicht so lange wie mit dir. Das ist eine genetische Sache mit den Pheromonen. Ich weiß nicht ob meine Vorfahren einer Mode gefolgt sind oder ob es eine normale Mutation war, aber wir hatten das alle.“ Er sah einen Moment weg. „Ich kann mich genau daran erinnern, wie meine Mutter roch.“ Jacks Blick kehrte zurück zu Ianto, er sah in ernste, interessierte blaugraue Augen. „Pheromone sind in meiner Zeit nicht mehr nur für Sex da. Die Pheromone von Babys und Kleinkindern bringen uns dazu, sie zu schützen. Sie können dafür sorgen, dass wir uns in der Nähe einer vertrauten Person wohl fühlen, genau wie sie andere davor warnen können, uns oder jemand, den wir lieben, zu nahe zu kommen.“

„Das alles kannst du riechen?“, fragte Ianto skeptisch.

„Nein, nicht hier und jetzt. In diesem Jahrhundert geben die Menschen noch viel weniger Pheromone von sich und überdecken sie dazu noch mit künstlichen Duftstoffen.“ Jack schnüffelte übertrieben laut an ihm. „Du bist eine Ausnahme, weißt du? Du riechst köstlich. Wie Kaffee und Schokolade und… hmmh, das ist interessant. Ich weiß nicht, was es ist, aber ich mag es.“ Jack grinste. „Siehst du, wie gut wir zusammenpassen? Meine perfekte Nase hat mich zu dem möglicherweise einzigen Menschen auf diesem Planeten geführt, der einen genetischen Geruchsvorsprung hat.“

„Und ich dachte, es war die Tardis, die dich hergebracht hat.“ Ianto wurde rot und zog den Kopf ein wenig ein. Komplimente fielen Jack so leicht wie das Flirten, aber es fiel ihm schwer, sich selbst so zu sehen, wie sein Freund das offenbar tat. „Vielleicht hatten deine Vorfahren auch nur eine Abneigung dagegen, sich zu waschen“, neckte er den anderen Mann, ein wenig verlegen. „Also haben sie es so eingerichtet, dass sie immer gut riechen, selbst ungeduscht.“

„Falls ja, wussten sie nicht was ihnen beim Duschen entgeht.“ Jack biss ihn leicht in die Schulter. „Du schmeckst übrigens auch gut.“ Er presste einen Kuss auf die Stelle. „Und du riechst anders als damals als ich dich gefunden habe.“

„Du hast mich nicht gefunden, du bist auf mich drauf gefallen“, korrigierte Ianto trocken. „Genauer gesagt, du hast dich auf mich geworfen und mich dabei halb zu Tode erschreckt.“

„Wie auch immer...“ Jack legte den Kopf schräg. „Das heißt, deine Körperchemie hat sich verändert. Jemand der die entsprechende Nase hat, kann dich an mir riechen. Und mich an dir. Das würde theoretisch jedem, der es wahrnehmen kann, sagen… dass keiner von uns verfügbar ist.“

„Heißt das, wir sind... geruchstechnisch... verheiratet oder so was?“, fragte Ianto verblüfft. „Man kann riechen, dass wir ein Paar sind?“

„So in etwa.“ Jack sah ihn an. „Aber das könnte höchstens eine Rolle spielen, wenn wir auf jemand treffen, der das riechen kann. Und wie gesagt, das ist in dieser Zeit und an diesem Ort eher selten der Fall.“

„Wow.“ Ianto rollte sich von ihm, auf die Matratze. „Das ist wow. Unerwartet.“ Er sah hinauf zu den Fenstern, hob die Hand gegen das Licht, ließ es durch die Finger fallen.

Jack griff nach seinen Fingern, zog sie zurück auf seine Brust. "Geht es dir gut?", fragte er, den Kopf zur Seite drehend, um ihn anzusehen.

„Es geht mir großartig.“ Ianto setzte sich auf, aber bevor Jack protestieren konnte, kniete sich der Waliser über seine Beine. „Wir sollten deine Theorie mit dem Sonnenlicht noch einmal testen…“, sagte er und begann sein Hemd aufzuknöpfen.


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„Jack? Kann ich dich einen Moment in meinem Büro sprechen?“ Alex trat ihnen in den Weg, als sie aus dem Lift traten. Hopkins musterte die beiden – miteinander flüsternd, lachend, Händchenhaltend wie verliebte Teenager – und beschloss nicht zu fragen, womit sie den Nachmittag verbracht hatten. Er wettete, dass es nicht Papierkram gewesen war. „Allein.“

Ianto gab Jack einen kleinen Schubs, von sich weg. „Geh“, spottete er mit einem Lachen. „Ertrag deine Strafe wie ein Mann.“

Jack grinste. „Komm mich später in meiner Zelle besuchen“, erwiderte er, von Ianto weg und zu Alex tretend.

„Spart euch das Drama für eine Vorstellung von Romeo und Julio“, entgegnete Hopkins trocken. „Ich habe nur kurz etwas mit Jack zu besprechen. Du bekommst ihn unbeschadet zurück, Ianto.“

Der junge Waliser nickte und verschwand in einen der Korridore, die nach unten führten.

Alex durchquerte den Hub, ohne nach zu sehen, ob Harkness sich die Mühe machte, ihm zu folgen. Der Leiter von Torchwood Drei hielt die Tür zu seinem Büro auf und wartete, bis Jack sich bequemte, einzutreten. Wie der Kerl auftrat, konnte man meinen ihm gehöre der Laden. Alex setzte sich hinter seinen Schreibtisch und schob einen Aktenstapel zur Seite.

Jack flegelte sich in den Besucherstuhl davor und streckte die Beine aus. Er wirkte sehr zufrieden mit sich. „Was ist das?“, fragte er, auf eine kleine Metallbox deutend, die neben den Akten lag.

„Ein Puzzle.“ Alex lehnte sich zurück, rieb sich die müden Augen. „Sie ist irgendwann in den Fünfzigern durch den Rift gekommen, aber niemand hat bisher herausgefunden, wie man sie öffnet. Scans zeigen einen Hohlraum im Inneren an. Ab und zu hole ich es aus der Schublade und spiele damit herum.“ Demonstrativ packte er die Box zurück in eine Schreibtischschublade. „Aber deshalb wollte ich nicht mit dir sprechen.“ Hopkins‘ Augen verengten sich leicht. „Ich habe mit Agent Lyons über ihr Verhalten gesprochen. Über das, was zwischen euch auf dem Schießstand vorgefallen ist.“

„Hat sie sich beschwert?“ Im Gegensatz zu Alex zeigte Jack absolut kein Unbehagen über seinen Fehltritt zu sprechen. „Zu meiner Verteidigung, wir wurden unterbrochen, bevor wir überhaupt anfangen konnten. Ich kann nicht danach beurteilt werden, was ich nicht gemacht habe.“

„Es geht hier nicht darum, eure... Performance... zu bewerten.“ Alex sah ihn missbilligend an. „Es interessiert mich persönlich nicht im Geringsten, mit wem du schläfst, Jack - so lange es nicht für Unfrieden im Team sorgt. Ich musste einen meiner besten Agents wie ein ungezogenes Schulmädchen nach Hause schicken, weil ich nicht sicher sein kann, dass ihr beide euch bei der Arbeit wie Erwachsene benehmt. Und damit möglicherweise euer eigenes oder das Leben anderer gefährdet. Ich habe dir schon hundertmal erklärt, dass es diese Regeln und Vorschriften nicht zum Spaß gibt.“

„Dieser Planet mit seinen Verboten und Tabus.“ Jack schüttelte gelangweilt den Kopf. „Sie hat mich angemacht. Ich war interessiert – das ist alles. Ich habe sie zu nichts überredet.“

„Also gibt es in der Zeit, in der du geboren bist, überhaupt keine monogamen Beziehungen mehr?“, fragte Hopkins. „Jeder schläft mit wem er will und wann er will, und niemand denkt sich etwas dabei?“

„Natürlich existieren die weiter. Wenn man das will.“ Jack setzte sich auf, was Alex als Zeichen deutete, dass er das Gespräch ernst zu nehmen begann. „Aber es gibt so viel mehr. Mehrere Personen die in einer Beziehung leben, Familien mit mehreren Eltern, und viele andere Kombinationen. Sexuelle Monogamie ist auf vielen Planeten altmodisch oder unbekannt. Andere Spezies habe andere Vorstellungen von Partnerschaften. Und es ist allgemein anerkannt, dass man mehr als eine Person zur gleichen Zeit lieben kann.“

„Was ist eigentlich mit Ianto?“ Hopkins beugte sich vor, wider Willen interessiert.

„Ich denke, er hat ein Auge auf den Doc geworfen.“ Jack grinste. „Er ist alt genug, sich selbst nach Spielkameraden umzusehen, er braucht meine Hilfe nicht.“

Alex ignorierte den Hinweis auf Doktor Hill. „Dann hat er also kein Problem damit, dass du dich anderweitig amüsierst?“

„Wieso klingt das aus deinem Mund wie etwas Schlechtes?“ Jack zuckte mit den Schultern. „Okay, ich habe seine Reaktion… so nicht erwartet. Und ich hatte nie vor, ihm weh zu tun. Aber wir haben das geklärt.“

„Aber Ianto ist in diesem Jahrhundert geboren, Jack. Und die Moralvorschriften und Tabus und kulturelle Prägungen, mit denen wir aufwachsen bleiben ein Leben lang mit uns, egal wie für aufgeschlossen und tolerant wir uns ansehen. Ich hoffe du bist sicher, dass ihr beide euch auch wirklich bei diesem Thema so einig seid, wie du denkst.“

Ianto weiß, dass ich ihn liebe.“ Jack verschränkte die Arme vor der Brust.

Hopkins sah auf die Uhr. Spät genug für einen Drink und ein paar Stunden Schlaf auf der Couch im Pausenraum. Jack mochte ein Gefangener in diesen Mauern sein, aber seine Aussichten für den Rest des Abends – und vermutlich der Nacht - waren eindeutig besser… Falls der Rift nicht aktiv wurde oder sonst etwas passierte. „Zurück zum Thema. Ich erwarte, dass du und Shanna – dass ihr euch beide wie Erwachsene benehmt, wenn ich euch wieder zusammen einteile. Neal beschwert sich, dass er nur noch die Nachtschicht machen muss. Und er hat Recht. Wir sind zu knapp besetzt für solche Eskapaden.“

„Kein Problem.“ Jack stand auf. „War das alles? Ich habe einen neuen Geruch an Ianto entdeckt und ich will herausfinden, was es ist?“

„Was? Geruch?“ Alex starrte ihn misstrauisch an, nicht sicher ob der andere Mann ihn auf den Arm nahm. „Ja, das war alles.“ Er schüttelte den Kopf und deutete zur Tür. „Verschwinde.“

Das ließ Jack sich nicht zweimal sagen. Er trat zur Tür, und sah noch einmal zurück, bevor er ging. „Sex ist wirklich großartig zum Entspannen. Du solltest es auch mal versuchen. Falls du Tipps brauchst…“

„Wende ich mich bestimmt nicht an dich“, unterbrach ihn Alex. „Raus hier, oder du verbringst die Nacht bei den Weevil in den Vaults und kannst ihnen auf die Nerven gehen.“

Grinsend verließ Jack das Büro und Hopkins sah ihm nach. Verstehen würde er die beiden nie… Er lehnte sich seufzend zurück und zog die unterste Schublade seines Schreibtisches auf, um ihr eine Flasche zu entnehmen. Alex goss eine (medizinische) Dosis Whiskey in einen leeren Kaffeebecher und nahm ihn mit, als er das Licht löschte und sein Büro verließ. Er versetzte den Hub von einer der Arbeitsstationen in der Nähe der Pausenecke in den Nachtmodus und kickte dann die Schuhe von den Füßen, als er sich auf die Couch setzte.

Eine Weile saß Alex Hopkins einfach nur da, starrte in den halbdunklen, höhlenartigen Raum und trank. Dann streckte er sich auf der durchsackenden Couch aus, zog eine – merkwürdigerweise leicht nach Pizza riechende – Decke um die Schultern und fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf.



Ende (tbc)