Titel: Home Sweet Home
Autor: Lady Charena (August 2014)
Fandom: Torchwood – Millennium Edition
Wörter: 3977
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Alex Hopkins, OCs: Doktor Adam Hill
Pairing: Jack/Ianto
Rating: AU, ab 12, slash
Beta: T’Len

Summe: Nach dem Weevil-Zwischenfall in den Vaults ist erst einmal eine Pause für Jack und Ianto angesagt. Alex plant eine Veränderung und Doktor Hill erlebt ein kleines Missverständnis.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.





Torchwood: Millennium Edition – Teil 2: Always a Good Day to Die

Kapitel 2.13: Home Sweet Home


Ianto war gerade dabei, sich die Haare das zweite Mal zu shampoonieren, als ein kalter Luftzug über seinen nackten Rücken strich. Er drehte die Dusche auf und spülte den Schaum ab. „Hast du deine Meinung geändert?“, fragte er, sich Jack zuwendend als er die Duschkabine öffnete.

„Hast du?“ Jack hielt ein Kondom hoch, drehte die goldglitzernde Verpackung zwischen zwei Fingern.

Statt zu antworten schob Ianto die Tür weiter auf und trat einen Schritt zurück. Als Jack neben ihn in die schmale Kabine glitt, nahm der Waliser eine Tube wasserfestes Gleitgel von dem eingebauten Regal für Shampoo und Duschgel.

„Hey, das habe ich gesucht.“

Grinsend griff Jack danach, aber Iantos andere Hand – flach gegen seinen Brustkorb – stoppte ihn. „Nicht so schnell, Cowboy.“

„Cowboy?“, echote Jack lachend. Er versuchte den Arm um Iantos Taille zu schlingen, um ihn an sich zu ziehen, doch der jüngere Mann wich ihm aus, soweit der begrenzte Raum ihm dazu Möglichkeit bot.

Ianto pflückte das Kondom aus seinen Fingern. „Gesicht zur Wand“, sagte er.

Der Tag wurde besser und besser, dachte Jack, als Ianto einen Kuss gegen die Stelle an seinem Arm presste, an der er verletzt worden war.


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Jack betastete seine Nase und grinste. Ianto warf ihm von der Seite einen Blick zu und sah hastig wieder weg, während Röte in seinen Nacken stieg. Er küsste den Waliser auf die Schläfe und fuhr damit fort, sich die Haare trocken zu reiben.

Es war das erste Mal gewesen, dass sie Sex hatten, seit Ianto von der Sache mit Shanna erfahren hatte. Nicht, dass er sich nicht amüsiert hätte, aber es war ihm auch bewusst gewesen, dass es dabei mehr um Ianto als um ihn gegangen war. Ianto stellte seinen Besitzanspruch auf ihn klar.

Zwar hatte der Waliser nicht protestiert, als er ihre Betten wieder zusammenschob und aneinander befestigte, aber als er das erste Mal danach die Hand in Iantos Pyjama schob, hatte der sich weggedreht. Meistens driftete sie in der Nacht wieder aufeinander zu, und selten wachten sie auf, ohne aneinander gepresst zu sein – vor allem wenn einer von ihnen träumte.

Er setzte sich auf die Bettkante und verspürte ein leichtes Ziehen an einer gewissen Körperstelle. Jacks Grinsen verbreiterte sich. Er sah zu Ianto hoch, der jetzt vor ihm stand.

Der junge Waliser fuhr sich durch die Haare und Verlegenheit stand auf sein Gesicht geschrieben. „Ich wollte nicht…“, begann er.

Jack sprang auf und legte die Hand auf Iantos Schulter, schnitt ihm das Wort mit einem Kuss ab. „Keine Entschuldigung.“ Er drehte sie herum und zog Ianto mit sich aufs Bett. „Im Gegenteil. Wir sollten das sofort wiederholen.“

Sie rollten in die Mitte des Bettes und Ianto drückte ihn in die Matratze, als die Tür aufging.

„Whoa!“ Adam Hill blieb auf der Türschwelle stehen und hielt sich eine Hand vor die Augen – durch die Finger blickend. „Könnt ihr das einen Moment unterlassen und in Alex‘ Büro kommen? Nachdem ihr angezogen seid, natürlich.“

Ianto lief rot an und rollte sich von Jack, nach der Decke greifend, um sie über sich zu ziehen. Er gab dem anderen Mann einen Stoß mit dem Ellbogen, als Jack sich nicht schnell genug zur Seite bewegte und Ianto die Decke nicht sofort unter ihm hervorziehen konnte.

Jack verschränkte die Arme im Nacken. „Nicht so schüchtern, Ianto“, sagte er, den Arzt direkt anstarrend. „Er hat uns beide schon so oft nackt gesehen, dass er uns eigentlich schon längst einen Blick darauf schuldet, was er da unter seinem weißen Kittel versteckt.“

Ianto gab eine Art ersticktes Stöhnen von sich und zog die Decke über sein Gesicht.

„Oder vielleicht sind diese vielen, sogenannten medizinischen Untersuchungen nur ein Vorwand, um uns aus unserer Kleidung zu bekommen“, fuhr Jack amüsiert fort.

Adam schüttelte den Kopf. Er wirkte zu Jacks Enttäuschung eher belustigt als verlegen. „Es gibt Pizza“, erwiderte er nur.

„Wir sind in zehn Minuten oben“, versprach Ianto, den Kopf unter der Decke wie eine Schildkröte aus dem schützenden Panzer heraus streckend.

„Zwanzig“, wandte Jack ein, an einer Ecke davon zupfend. „Wir waren noch nicht fertig.“

„Ich habe Hunger“, protestierte der junge Waliser.

„Okay, klärt das unter euch.“ Adam trat einen Schritt zurück, in den Korridor und schloss die Tür.

„Wo willst du hin?“ Jack griff nach Ianto, der an die Bettkante rollte und aufstand.

„Hast du nicht zugehört?“ Ianto faltete die Decke ordentlich und legte sie über das Bettende. Er öffnete den Schrank und griff nach einem T-Shirt und sauberer Unterwäsche. „Wir sollen in Alex‘ Büro kommen.“

„Ich finde wir haben heute genug für Torchwood getan.“ Jack hielt seinen Arm hoch. „Ich war Kauspielzeug für einen Weevil, falls du es schon vergessen hast.“

Der Waliser knöpfte seine Jeans zu und warf einen Blick auf seinen Partner. „Es war übrigens der andere Arm.“

„Bist du sicher?“ Jack betrachtete abwechselnd prüfend seine Arme.

„Ganz sicher.“ Ianto schloss einen Moment die Augen und schauderte sichtlich. Er konnte die gezackte Wunde ganz deutlich vor sich sehen. „Ich war dabei.“

„Ich schulde dir eine Socke.“ Jack stand auf und schlang die Arme um Ianto, das Kinn auf seine Schulter stützend.

„Soll ich es auf deine Rechnung setzen?“ Ianto nahm ein sauberes T-Shirt aus Jacks Hälfte des Schrankes und drehte sich um. Er streckte die Hand aus und berührte Jacks Oberarm dort, wo sich die Wunde befunden hatte. „Als wir da unten fest saßen war ich zum ersten Mal froh über dieses… diese Sache. Du hättest den Arm verlieren können. Oder sterben.“

„Hey, warum denkst du noch daran?“ Jack legte beide Hände um das Gesicht des jüngeren Mannes, musterte ihn eindringlich. „Wenn du anfängst darüber nach zu grübeln, dann kannst du nicht mehr damit aufhören. Und das treibt dich am Ende in den Wahnsinn.“

„Sprichst du deshalb nicht über deine Vergangenheit mit der Time Agency?“ Alex hatte das Thema schon einige Male angeschnitten.

„Deshalb und weil sie mir dort als erstes beigebracht haben, dass man nicht über Dinge redet, die den Zeitablauf beeinflussen können.“ Er küsste Ianto und griff dann widerwillig nach dem T-Shirt, um es sich über den Kopf zu streifen. „Torchwood könnte sehr gut der Ursprung der Time Agency sein.“

„Im Ernst?“, fragte Ianto skeptisch, ein Sweatshirt über das T-Shirt ziehend. Er fror schon wieder.

„Es ist eine Theorie, an der ich arbeite.“ Jack zuckte mit den Schultern. „Wo sind meine Hosenträger?“

„Du verzichtest auf Unterwäsche, aber nicht auf Hosenträger?“ Der Waliser zog frische Socken und seine blauorangen Sneaker an, während Jack sich den Rest seiner Kleidung eher nachlässig überwarf.

„Man muss Prioritäten setzen.“ Jack grinste. „Fertig? Ich erinnere mich nämlich sehr genau daran, dass Adam etwas von Pizza gesagt hat.“


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Adam Hill sah übertrieben erstaunt auf seine Armbanduhr, schüttelte sie dann und hielt sie sich ans Ohr. „Ich hätte euch nicht so schnell hier erwartet“, bemerkte er trocken.

„Ich dachte, ich füttere Ianto, bevor ich ihn wieder ins Bett zerre. Er ist netter zu mir, wenn er nicht hungrig ist.“ Jack zog einen der beiden Besucherstühle ein Stück vor und wartete, bis sein Partner Platz genommen hatte, bevor er sich in den anderen Stuhl lümmelte. „Aber ich sehe nichts zu essen. War der Weevil auch hier und hat die Pizza gefressen?“

„Schön dass du schon Witze darüber machen kannst.“ Alex Hopkins sah von den Plänen auf, die seinen Schreibtisch bedeckten. „Ist dein Arm wieder in Ordnung?“

„So gut wie neu.“ Jack warf einen neugierigen Blick auf die Blaupausen. „Ist das der Zellentrakt?“

Alex ignorierte ihn. „Ianto? Bist du okay?“ Er musterte den jungen Waliser, der sich wie so oft zurücklehnte und seinem Partner die Show überließ. „Du wurdest nicht verletzt?“

Ianto schüttelte den Kopf. „Ich habe keinen Kratzer abbekommen. Es muss Jacks Geruch sein, der sie anlockt.“

„Pheromone, Baby, Pheromone.“ Jack warf ihm ein Grinsen zu. „Die sind einfach universell unwiderstehlich.“

„Wir können uns die Pläne später gemeinsam ansehen“, lenkte Alex die Unterhaltung zurück auf das Thema an Hand. „Der Generator arbeitet wieder. Caden ist dabei, eine Diagnose der Computersysteme laufen zu lassen, um heraus zu finden, ob ihnen der Stromausfall geschadet hat. Wir haben den Tunnel durch den der Weevil gekommen ist versiegelt.“

„Der Zustand dieses Trakts ist nicht der beste“, gab Ianto zu bedenken.

„Ich habe leider weder das Budget, noch das Personal, um ihn Instandsetzen zu lassen.“ Alex lehnte sich in seinen Stuhl zurück und rieb sich die Schläfe. „In London sind sie nicht besonders daran interessiert, solange uns dieses Gemäuer nicht über dem Kopf zusammen sackt.“ Er seufzte. „Genug davon. Eure Pizza wird im Backofen in der Küchennische warmgehalten. Kommt zurück in mein Büro, wenn ihr gegessen habt, okay?“ Er wechselte einen Blick mit dem Arzt, der schweigend neben ihm stand. „Wir haben etwas mit euch zu besprechen.“

„Gute Nachrichten oder schlechte Nachrichten?“, fragte Ianto.

„Es ist eine gute Nachricht, würde ich sagen“, versicherte ihm Adam Hill mit einem Lächeln. Er nahm seine Brille ab und polierte sie an seinem Kittel. „Und Jack, deine Theorie mit den Pheromonen sollten wir uns bei Gelegenheit mal näher ansehen.“

„Es ist keine Theorie.“ Jack stand auf und legte den Arm um Iantos Taille. „Was denkst du, wie ich ihn dazu bringe, bei mir zu bleiben“, setzte er mit einem Augenzwinkern dazu.

Der Waliser rollte seinerseits mit den Augen und gab ihm einen Stoß mit dem Ellbogen in die Seite. „Wenn du damit fertig bist, dich wie ein Gockel aufzuführen, können wir dann endlich essen?“

„Wie ein… was?“, fragte Jack, als Ianto ihn aus dem Büro zog.


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„Ich muss mich korrigieren.“ Ianto riss eine Handvoll Papiertücher von der Rolle und hielt sie Jack vor die Nase. „Du bist nicht nur ein Gockel, sondern auch ein Schwein.“ Wenn das so weiter ging, hatten sie bald einen ganzen sprichwörtlichen Bauernhof beieinander.

Jack klimperte mit den Wimpern – was aber eher so aussah als hätte er Sand in die Augen bekommen. „Du sagst immer die nettesten Dinge zu mir“, erwiderte er um einen Mund voll halbgekauter Pizza herum.

Ianto wischte Tomatensoße von den Fingern. „Ich hätte nicht geglaubt, dass ich das mal sagen würde, aber ich kann Pizza langsam nicht mehr sehen.“ Er starrte das Stück in seiner Hand an, als könnte er es mit purer Willenskraft in etwas anderes verwandeln.

„Willst du dann in Zukunft beim Essen die Augen zumachen?“ Jack grinste und leckte sich die Lippen.

„Arbeite ruhig an deiner Karriere als Komiker weiter.“ Mit einem Seufzen griff Ianto nach seinem Wasserglas.

„Du kannst doch kochen.“ Jack stopfte ein halbes Stück Pizza auf einmal in den Mund. „Dumhägendumbumbja.“

„Ich spreche diese Sprache nicht“, entgegnete der jüngere Mann trocken.

„Du hast etwas für uns zu Essen gekocht, als wir in Mrs. Donovans Bed-and-Breakfast waren.“

„Fertiggerichte in der Mikrowelle aufzutauen ist nicht das gleiche wie Kochen.“ Ianto trug seinen Teller zum Spülbecken und ließ Wasser darüber laufen. „Ich würde wirklich gerne wissen, was diese gute Neuigkeit sein soll.“

„Fragen wir Alex.“ Jack wischte sich Hände und Gesicht ab und stand auf, die zusammengeknüllten Papiertücher in die Richtung seines Freundes werfend.

Ianto duckte sich zur Seite. „Jetzt schon?“, spottete er. „Es ist ja noch Pizza übrig.“

„Ich muss auf meine Figur achten.“ Jack schwang grinsend die Hüften. „In Form bleiben.“

„Für den nächsten Weevil?“ Ianto trocknete sich die Hände ab. „Oder hoffst du auf eine Rolle in einem Musical?“

„Für den nächsten Ausflug mit dir unter die Dusche.“

Der junge Waliser verfärbte sich rosa. „Wenn du nicht aufhörst, darüber zu reden, kannst du dir die Mühe sparen, dann dusche ich nur noch alleine.“

„Leere Drohungen.“ Jack trat hinter ihn, presste Ianto gegen das Spülbecken, küsste seinen Nacken.

„Oh mein… Schon wieder?“ Hill schüttelte den Kopf. „Könnt ihr nicht mal für fünf Minuten die Finger voneinander lassen? Vermutlich muss ich dankbar sein, dass ihr dieses Mal noch angezogen seid. Nur zur Erinnerung, ein paar von uns arbeiten hier.“

„Bedauerlicherweise.“ Jack ließ Ianto grinsend los, als der ihm auf den Fuß trat. „Ich versuche schon eine ganze Weile, Ianto davon zu überzeugen, dass es enorm an Wäsche spart, wenn man nackt isst.“

„Das kommt darauf an, wie manierlich man isst.“ Ianto trat einen Schritt zur Seite. „Wir waren eigentlich gerade auf dem Weg zurück in Alex‘ Büro.“

„Vielleicht sollte ich mal wieder euren Hormonspiegel prüfen.“ Der Arzt musterte die beiden. „So habe ich mich nicht mal in den Flitterwochen benommen.“

Jacks Kopf ruckte herum. „Du bist verheiratet?“

Ein Schatten glitt über Adam Hills Gesicht. „Nicht mehr. Ich bin geschieden“, entgegnete er knapp. „Kommt mit, Alex wartet.“ Ohne auf sie zu warten, verließ er die Küchennische.

„Bei der nächsten Gelegenheit musst du ihn nach seiner Frau fragen“, flüsterte Jack seinem Partner zu.

„Wieso?“, wisperte Ianto zurück.

„Weil er dich mag und mit dir redet. Flirte mit ihm, wenn es nötig ist.“

„Nicht wieso ich, sondern: Wieso soll ich ihn danach fragen? Das geht uns nichts an.“ Ianto folgte dem Arzt.

„Hey, ich habe nie behauptet, nicht neugierig zu sein.“ Jack schob die Hände in die Taschen seiner Jeans und schlenderte betont langsam in Richtung von Alex‘ Büro.


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Alex Hopkins massierte sich die Schläfen, als Jack und Ianto wieder in den Raum traten. Er hatte die beiden nicht ganz ohne Hintergedanken zum Essen in die Küchennische geschickt. Der Lockdown war automatisch vom System nach London gemeldet worden und Yvonne Hartmann hatte eine Telefonkonferenz anberaumt.

Wie zu erwarten war das Gespräch wenig erfreulich ausgefallen. Die Direktorin zeigte kaum Interesse daran, dass der Ausfall des Generators mit dem allgemein desolaten Zustand des Hubs zusammenhing. Sie sah die Lösung des Problems eher darin, die Weevil endgültig auszurotten – bis auf ein paar Exemplare, die in einem Labor landen würden.

Als er sich dagegen aussprach, schlug Yvonne vor, ihm ein Team nach Cardiff zu schicken, dass sich dieses Problems annehmen würde. Und das konnte er auf keinen Fall zulassen. Er ließ Jack und Ianto weitaus mehr Freiheiten, als Direktorin Hartmann ahnte. Zum Beispiel wusste sie nicht, dass sich die beiden beinahe ungehindert innerhalb des Hubs bewegen konnten.

Und wenn sie erst wüsste, was er heute vorhatte…

„Okay, hier sind wir.“ Jack musterte den Leiter von Torchwood Drei in der Hoffnung, einen Hinweis in seiner Miene zu entdecken, der ihm verriet, um was es hier ging.

Alex räusperte sich und schob ein paar Unterlagen zur Seite, bevor er einen Blick mit Doktor Hill wechselte. Der Arzt nickte.

„Okay. Wir denken, dass es an der Zeit ist, eure Wohnsituation zu ändern“, sagte Hopkins.

„Wirklich?“ Jacks Augen verengten sich leicht mit Misstrauen - so wie sein Griff um Iantos Taille. „Ich bestehe aber auf einer Doppelzelle. Mit Doppelbett.“

„Ich dachte eher an etwas mit ein wenig mehr Licht. Sonnenlicht.“ Hopkins lehnte sich zurück. „Es wäre auch ein bisschen mehr Platz.“

„Bitte, Alex.“ Ianto legte die Hand auf Jacks Mund, als der zu einer neuen Bemerkung ansetzte. „Sag es uns einfach.“

„Über dem Tourismusbüro ist eine Wohnung. Nun, es ist eigentlich nur ein Raum unter dem Dach.“ Er sah den jungen Waliser an. „Du erinnerst dich, Ianto, du hast mich gefragt, ob die Tür im Nebenzimmer nach draußen führt. Sie führt nirgendwohin, es befindet sich dahinter nur eine Treppe, die nach oben führt. Das heißt, man kann den Raum nur über das Tourismusbüro betreten. Es gibt ein Fenster in Richtung Bucht und zwei kleine Fenster im Dach, die für mehr Licht sorgen.“

Adam fuhr fort, als hätten sie dieses Gespräch vorher geübt. „Es hat seit mindestens dreißig Jahren niemand dort gewohnt oder sich auch nur für länger als ein paar Minuten aufgehalten, aber wir waren oben und haben uns gründlich umgesehen. Die Wände sind trocken und das Dach ist dicht. Sogar der Staub hält sich in Grenzen.“ Er lächelte. „Und es ist etwas privater. Dann muss sich der Rest von uns nicht immer euer Geturtel ansehen.“

„Ist das ein Trick?“, fragte Jack und Ianto sah ihn überrascht an, weil er auf einmal so ernst klang. „Und was erwartet Torchwood dafür von uns? Mehr Tests? Oder nur Informationen? Über den Doctor? Oder vielleicht darüber welche Restaurants im 51sten Jahrhundert gerade IN sind?“

Alex stand auf. „Keine Bedingungen, Jack“, sagte er ruhig. Er trat um den Schreibtisch herum und vor sie. „Ich gebe dir – euch beiden – mein Wort. Es sind keine Bedingungen an dieses Angebot geknüpft und Torchwood weiß nichts davon.“ Hopkins schnitt eine Grimasse. „Und wenn meine Vorgesetzten davon erfahren sollten, bin ich vermutlich mehr als meinen Job los.“ Er sah Jack in die Augen. „Mir gefällt schon länger nicht mehr, in welche Richtung sich Torchwood entwickelt. Wir haben uns vom Schützen und Bewahren entfernt und sind dazu übergegangen, nur noch Profit aus dem zu schlagen, was wir entdecken. Ich denke, eure Ankunft hier ist der Anfang von etwas Neuem.“

Alex nickte Ianto zu und kehrte an seinen Platz hinter dem Schreibtisch zurück. „Ihr könnt dorthin umziehen, sobald wir ein paar Möbel besorgt haben. Caden muss erst das Sicherheitsprogramm noch so programmieren, dass ihr freien Zutritt habt, dann können wir eine Besichtigungstour unternehmen.“

„Ianto, du machst am besten eine Liste von dem, was ihr alles braucht. Wir können uns im Lager umsehen. Ich habe gelesen, dass bis in die Fünfziger Agenten direkt hier im Hub lebten. Es sollte sich was Brauchbares finden lassen, zumindest für den Anfang“, meinte Adam. „Ist alles okay?“ Er musterte die beiden.

Ianto wechselte einen Blick mit Jack. „Das kommt alles ziemlich überraschend.“

„Für euch, ja. Adam und ich planen das schon eine Weile.“ Hopkins zuckte mit den Schultern. „Ihr beide seid jetzt fast ein Jahr hier und ich denke wir können einander soweit vertrauen.“

„Ihr beide hättet heute während des Lockdowns durch den Tunnel in die Abwasserkanäle und schließlich nach draußen verschwinden können“, setzte Hill hinzu.

Jack wandte sich seinem Partner zu. „Ianto. Du hast mich wieder nicht daran erinnert, dass wir fliehen.“

„Entschuldigung“, erwiderte der Waliser trocken. „Ich war zu beschäftigt damit, dem Weevil auszuweichen und mit meinen Socken zu spielen.“

„Kommt nicht wieder vor.“ Jack hob die Schultern. „War es das?“

„Das war es.“ Alex runzelte die Stirn. „Von meiner Seite aus. Gibt es noch etwas, dass du mir sagen willst?“

Jack schüttelte den Kopf.

„Gut, dann gehst du am besten wieder an die Arbeit“, erwiderte der Leiter von T3 irritiert. „Der Schrott sortiert sich nicht von selbst weiter. Und falls du wieder etwas Interessantes findest…“

„Liefere ich es ab oder ich lande wieder in einer Zelle“, beendete Jack den Satz. „Das habe ich doch schon mal gehört.“ Er sah Ianto an. „Kommst du mit?“

„Wenn es okay ist, würde ich gerne noch einen Moment mit Ianto sprechen“, sagte Adam Hill. „Ich könnte kurz deine Hilfe in der MedBay brauchen“, wandte er sich an den jungen Waliser.

„Kein Problem.“ Ianto legte die Hand auf Jacks Arm. „Ich finde dich später.“

„Vergiss nicht, ihn zu fragen“, wisperte er Ianto zu, als er das Büro verließ.

„Danke, Alex. Von uns beiden“, wandte sich Ianto an Hopkins, bevor er und Adam sich ebenfalls zum Gehen wandten.


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„Was kann ich tun?“, fragte der junge Waliser ein paar Minuten später und sah den Arzt erwartungsvoll an.

Adam schob ein paar Unterlagen auf seinem übervollen Schreibtisch hin und her. „Die Überraschung scheint uns nicht so gelungen zu sein“, bemerkte er.

„Es ist eine großartige Überraschung.“ Ianto lehnte sich gegen einen Schrank, die Arme vor der Brust verschränkt. „Aber nach diesem Tag…“

„Jeder Tag mit Torchwood ist ‚so ein Tag‘, richtig?“ Hill lachte leise. „Okay, ich will dich nicht lange aufhalten. Ich wollte fragen, ob du mir morgen bei der monatlichen Inventur helfen kannst?“

„Natürlich, das mache ich doch immer.“ Ianto legte den Kopf schief. „Ist sonst noch etwas?“ Das hätte der Arzt ihm auch oben im Büro sagen können.

„Ähem, ja.“ Adam wandte sich ihm zu. „Ich wollte fragen, wie es dir geht.“

„Gut. Wie gesagt, der Weevil war mehr an Jack interessiert als an mir.“ Ianto lächelte. „Mein Glück. Ich hätte es nie geschafft, ihn mit drei Betäubungspfeilen außer Gefecht zu setzen. Manchmal vergesse ich, dass er Erfahrung in solchen Dingen hat.“

„Dann ist alles okay zwischen euch beiden? Generell gesprochen.“ Der Arzt sah ihn an. „Die Sache mit Shanna…“

„Wir arbeiten daran.“ Ianto zuckte mit den Schultern. Was sollte er mehr dazu sagen?

„Gut.“ Adam räusperte sich. „Ich…“ Er wandte sich ab und kramte in einer Schublade seines Schreibtisches. „Ich hatte da noch etwas für dich. Ein Geschenk. Nur eine Kleinigkeit.“ Er zog eine Papiertüte hervor und hielt sie dem jungen Waliser hin. „Du hast erwähnt, dass du einen neuen brauchst und ich habe beim Einkaufen zufällig daran gedacht…“

Ianto öffnete die Tüte und zog einen Gürtel hervor. Er schluckte. „Adam, ich… Danke, der ist toll.“ Das Leder war kühl zwischen seinen Fingern und ein nicht unangenehmer Geruch stieg davon auf. Definitiv nicht wie sein billiger Plastikgürtel, der mehr schlecht als recht Leder imitieren sollte und der sein Leben aushauchte, als Jack ihm vor einer Weile einen wirklich guten Trick zeigen wollte, wie man seine gefesselten Beine befreien konnte. „Nur… nur damit wir uns nicht missverstehen, Adam. Ich kann das nicht annehmen, wenn… Ich meine, ich bin mit Jack zusammen. Trotz der Sache mit Agent Lyons. Ich bin nicht interessiert an jemand anderem, ich meine…“ Er brach ab, hob die Schultern.

Adam Hill wurde rot. „So… so war das nicht gemeint“, erwiderte er verlegen und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. Er nahm seine Brille ab, polierte die Gläser wieder an seinem Kittel. „Das ist kein Versuch, dich anzumachen. Ich meine, ich bin nicht… so… an dir interessiert. Und jeder Idiot kann sehen, dass du Jack liebst.“ Er räusperte sich, setzte seine Brille wieder auf. „Es ist… und das ist möglicherweise noch peinlicher… du erinnerst mich an meinen jüngeren Bruder. Das ist alles.“

Jetzt war Ianto an der Reihe, zu erröten. „Oh.“ Das kam nur davon, weil Jack ihn immer damit aufzog und hinter jeder freundlichen Geste Hintergedanken vermutete und jedes freundliche Wort als Flirten auslegte. „Es tut mir leid, ich wollte nicht…“ Er lächelte. „Vergiss einfach, was ich gesagt habe, ja?“ Er rollte den Gürtel auf und verstaute ihn wieder in der Tasche. „Wohnt dein Bruder auch in Cardiff?“

„Er ist nicht mehr am Leben.“ Adam verschränkte die Arme vor der Brust. „Er ist vor vielen Jahren an Leukämie gestorben. Er war besessen von Büchern, konnte schon mit drei Jahren lesen. Als er starb, hatte ich bereits mit dem Studium begonnen. Und ich… wusste nach seinem Tod nicht mehr, wie ich später selbst solche Patienten behandeln solle. Deshalb bin ich in die Forschung gegangen. In einer Militäreinrichtung, auf die Weise bin ich am Ende bei Torchwood gelandet.“

„Das tut mir leid.“ Ianto bemerkte, dass er den Kordelgriff der Einkaufstüte um seine Finger gewickelt hatte und diese abschnürte. „Dass dein Bruder gestorben ist. Es klingt als hättet ihr euch gut verstanden.“

„Das haben wir.“ Adam lächelte und legte die Hand auf Iantos Schulter, drückte sie kurz. „Sieh den Gürtel als kleines Dankeschön für deine gute Arbeit an. Ich habe viel mehr Zeit für Experimente und Tests, seit du mir einen Teil des Routinekrams abnimmst.“

„Danke. Ich arbeite auch gerne hier“, antwortete Ianto. „Ich gehe dann besser mal und sehe zu, dass Jack nicht wieder irgendwelchen Unfug treibt. Nicht, dass er wieder in einer Zelle landet.“

„Ja, gute Idee.“ Doktor Hill lachte leise. „Einmal pro Tag reicht wirklich.“

„Wir sehen uns morgen zur Inventur.“ Ianto ging die Stufen zum Haupthub hoch. Das erzählte er Jack besser nicht, oder der Spott würde niemals enden…

Ende (tbc)