Titel: Teamwork
Autor: Lady Charena (Juni 2014)
Fandom: Torchwood – Millennium Edition
Wörter: 5745
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Alex Hopkins, OCs: Doktor Adam Hill
Pairing: Jack/Ianto
Rating: AU, ab 12, slash
Beta: T’Len

Summe: Eingeschlossen in den „Vaults“ genannten Zellentrakt des Hubs, vertreiben sich Jack und Ianto die Zeit mit Gesprächen, einigen Suchspielen und ein wenig guter, altmodischer Körperertüchtigung.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.





Torchwood: Millennium Edition – Teil 2: Always a Good Day to Die

Kapitel 2.12: Teamwork


„Und da behaupten immer alle, ich wäre derjenige, der unangebrachte Witze macht.“ Jack drehte sich zu seinem Partner um. Seine Nachtsichtigkeit war ganz gut, aber die grünen Leuchtstreifen an der Wand verwandelten Iantos Gesicht in einen kränklich grün-weißen Ballon, der einen halben Meter hinter ihm schwebte. „Soll ich dir eine echt schaurige Geistergeschichte erzählen?“ Jack senkte die Stimme und machte aus „schaurige“ ein Wort mit mindestens zwanzig Silben.

„Lass das. Du klingst wie eine kranke Eule.“ Ianto schnitt eine Grimasse, die selbst im Zwielicht nicht zu übersehen war. „Jack, ich finde das nicht witzig. Da ist wirklich jemand oder etwas - abgesehen von uns - hier.“

„Jemand vom Team?“ Jack starrte ins Dunkel, aber mehr als Umrisse und Schatten konnte er nicht erkennen. Die Belüftungsanlage war verstummt, irgendwo sehr weit weg piepste ein Alarm vor sich hin und Wasser tropfte. Es roch muffig und gleichzeitig stechend organisch. Nichts davon wirkte besonders bedrohlich. Metall klirrte irgendwo. Rascheln und Knarren war kurz zu hören, verstummte dann wieder. Vielleicht ein Weevil, der neugierig geworden war und sich in seiner Zelle bewegte. Er trat neben Ianto, legte die Hand auf seine Schulter.

„Nein.“ Ianto schüttelte den Kopf. „Und es ist auch niemand in die Vaults gekommen, seit ich hier bin. Wir hätten es bemerkt. Also muss es jemand sein, der schon hier unten war.“

„Oder es ist…“ Jack unterbrach sich, als er plötzlich Schritte hörte. Oder hatte Ianto ihn angesteckt? Nein. Tatsächlich Schritte, schlurfend, zögernd. War doch ein Weevil aus seiner Zelle entkommen? Aber hätte der sie dann nicht längst gesehen und angegriffen? Weevil sahen im Dunkeln besser als im Hellen, musste all die Zeit sein, die sie in Abwasserkanälen verbrachten.

„Ich weiß wo Taschenlampen sind“, flüsterte Ianto, dichter zu Jack lehnend. „In einem Metallschrank direkt am Eingang zu den Vaults, in dem auch die Putzmittel und andere Sachen aufbewahrt werden. Dem Eingang von der Garage aus.“

„Der ist in entgegengesetzter Richtung zur Treppe. Dazu müssen wir den Raum komplett durchqueren.“ Jack sah sich um. Abgesehen von den Zellen und einem Wasserschlauch – offenbar der Ursprung des Tropfgeräusches – fand sich nichts Brauchbares in der Nähe. „Halt dich an mir fest, hier.“ Er schloss Iantos Finger fest um sein Handgelenk. „Und bleib hinter mir, okay? Du kannst mir später sagen, dass ich mich nicht wie ein Macho benehmen soll.“

„Keine Angst, ich lasse dir gerne den Vortritt.“ Mit Weevil konfrontiert, bereitete es Ianto absolut keine Schwierigkeiten, seinen männlichen Stolz hinunter zu schlucken. Er hatte bereits genug Wunden an Jack versorgt, um zu wissen, dass ohne Waffe seine Chancen sehr gering waren. Und er würde gerne vermeiden, erneut seine… Unsterblichkeit… testen zu müssen.

„Fünf Sekunden. Und ich verrate es auch niemand.“ Jack drückte kurz Iantos Handgelenk und ging los, den Blick auf sein Ziel gerichtet. Genaugenommen war der Durchgang zum Tunnel der in die Garage führte nur ein etwas dunklerer Fleck in der sie umgebenden Dunkelheit.

Abgesehen von ihren eigenen Schritten war kein anderes Geräusch mehr zu hören, als sie den Raum durchquerten, an den Zellen entlang eilten, ohne stehen zu bleiben und nach den Insassen zu sehen. Es gab eine kurze Verzögerung, als Jack auf den im Boden eingelassenen Abfluss trat und auf dem feuchten Gitter ins Rutschen geriet. Er fing sich rasch wieder und der junge Waliser umging geschickt die Stelle.

Ein paar Momente später schlug ihnen die kühlere Luft des Tunnels entgegen, da der Eingang nicht durch eine massive Tür, sondern durch ein von der Decke kommendes Gittertor verschlossen wurde. Die Außentür in die Garage am Ende des Tunnels war alarmgesichert und aus mehrere Zentimeter dickem Stahl.

Jack streckte die Hand aus und tastete sich an der Wand entlang, bis seine Finger an kaltes Metall stießen. Er fuhr prüfend eine Kante entlang. „Hab ihn.“ Er zog an der Tür, doch die bewegte sich nicht. „Abgeschlossen.“

Ianto ließ Jacks Arm los und zog seinen Schlüsselbund aus der Hosentasche. Die Schlüssel klirrten leise, als er neben den anderen Mann trat und mit der freien Hand nach dem Schloss tastete. Dann klickte es leise und die Metalltür schwang geräuschlos auf. Das Ölen hatte sich gelohnt. Als er den Werkzeugschrank zum ersten Mal geöffnet hatte, rief das ohrenbetäubende Quietschen der Scharniere ein Aufheulen der Weevil in den Zellen hervor.

Ein kurzer Griff dorthin, wo er das zweite Regal von oben vermutete und hinter einer Plastikflasche mit Bleiche in Industriestärke stießen seine Fingerspitzen gegen den gummibezogenen Griff der Taschenlampe. Ianto hielt unwillkürlich den Atem an, als er sie hervorzog, mit der anderen Hand die Bleiche zur Seite rückend. Wenn sie Pech hatten, stand das Ding hier schon so lange, dass die Batterien leer waren. Doch als er auf den Schalter drückte, leuchtete die Taschenlampe auf. Sofort richtete Ianto den Strahl auf den Boden, um ihre Position nicht unnötig zu verraten.

„Was nun?“, fragte Jack leise. „Warten wir auf Verstärkung? Oder sehen wir uns um?“

Am sichersten wären sie vermutlich in der jetzt leeren Zelle gewesen, in der Jack es sich bis vor ein paar Minuten bequem gemacht hatte. Aber sie hatten keine Möglichkeit mit dem Team im Hub über ihnen zu kommunizieren – oder sie zu warnen. Andererseits, vor was auch? Vielleicht war es besser, sich zuerst umzusehen. Vielleicht war es einfach nur ein Kurzschluss und den Rest hatte er sich eingebildet. „Sehen wir uns um.“

Jack griff nach seiner Hand und richtete das Licht auf das Innere des Schranks. Massenweise Plastikflaschen in verschiedenen Größen und Farben. Putzlappen. Ein Kehrset mit einem Besen, der nur noch die Hälfte seiner Borsten besaß. Eimer. Ein Stück Schlauch, zusammengerollt wie eine schlafende Schlange. Und eine Plastikbox ohne Aufschrift, die denen ähnelte, in denen die Waffen der Torchwoodagenten aufbewahrt wurden, wenn sie nicht im Einsatz waren. Aber da sie kein Schloss besaß, sondern nur einen Klickverschluss, erwartete er keine Automatic darin zu finden. Jack zog die Box heraus und klickte sie auf. „Das ist schon besser“, meinte er und nahm die Betäubungspistole heraus. Es war ein plumperes, sicherlich schon älteres, Modell der Druckluftpistole, die zum Abschießen von Betäubungspfeilen verwendet wurde. Allerdings brachte sie wenig ohne besagte Pfeile zum Abschießen.

Er reichte die Waffe an Ianto weiter und nahm den Plastikeinsatz in dem die Waffe gesteckt hatte heraus. Oh, heute war ihr Glückstag. Drei Pfeile, gefüllt mit einer ölig aussehenden gelben Flüssigkeit, rollten über den Boden der Box. Die Spitzen waren durch einen Plastikaufsatz geschützt, also fischte Jack sie heraus und steckte sie in die Brusttasche seines Hemdes.

„Es ist besser als nichts“, meinte Jack leise, als er den skeptischen Blick bemerkte, mit dem Ianto die Waffe betrachtete. „Willst du sie mit Putzmittel in die Flucht schlagen?“ Er nahm die Druckluftpistole aus den Händen seines Partners und lud sie mit einem der Pfeile, den Plastikschutz der Nadel auf den Boden fallen lassend.

„Ich hoffe nur, Weevil-Betäubungsmittel hilft auch, falls wir es mit irgendetwas anderem zu tun haben.“ Er räumte ein paar Flaschen zur Seite und fand eine zweite Taschenlampe und eine kleine Werkzeugkiste. Sie enthielt aber nicht mehr als einen rostigen Schraubendreher und eine staubige Rolle silbernes Gewebeband, wie man es zum Abdichten verwendete.

Wenn sie das hinter sich hatten, würde er mit Alex über eine gründliche Inventur sprechen. Die Ausrüstung in dieser hochgeheimen Alienjäger-Organisation ließ an manchen Stellen schwer zu wünschen übrig – passte aber definitiv zum viktorianischen Flair der Basis. Ianto ließ die Werkzeugkiste wo sie war und reichte Jack die zweite Taschenlampe. Sie flackerte kurz, als Jack sie anknipste, und warf dann einen matten Schein auf die gegenüberliegende Wand.

„Ich nehme, was ich kriegen kann.“ Jacks Stimme hallte leicht von den Betonwänden des Tunnels, als er sich von Ianto entfernte.

„Als wüsste ich das nicht längst“, murmelt der junge Waliser. Ein wenig verlegen über seine eigene bissige Bemerkung – die Jack vermutlich überhaupt nicht gehört hatte – durchstöberte er weiter den Schrank, in der Hoffnung noch etwas zu finden, das sich als Waffe verwenden ließ. Aber ohne Erfolg.

„Buh“, machte Jack hinter ihm und Ianto konnte gerade noch vermeiden, sich den Kopf an der Oberkante des Schrankes anzuschlagen. „Die Tür zur Garage ist sicher verschlossen. Aber ich habe etwas gehört, das wie ein Motor klingt.“

Ianto schloss den Schrank und lehnte sich dagegen, den Strahl der Taschenlampe auf seine Schuhe gerichtet damit er den anderen Mann nicht blendete. Er schloss die Augen um sich besser auf den Plan der unterirdischen Basis zu konzentrieren, den er sich längst eingeprägt hatte. „Wir sind ein Level unter dem Raum mit den Kryokammern. Der Raum hat bestimmt einen Notfallgenerator, der unabhängig vom Rest des Hubs läuft.“ Er hatte den unheimlichen Raum mit seinen bis zur höhlenähnlichen Decke reichenden Reihen an silbernen Stahltüren nur einmal zusammen mit Adam betreten, aber die Erinnerung an ihre von den Wänden wiederhallende Schritte und die eisige Kälte, die sich in seinem Inneren festzusetzen schien, kam ungebeten zurück. Der Arzt hatte ihm erklärt, dass hinter einigen der Stahltüren frühere Torchwood-Agenten ihre letzte Ruhe gefunden hatten. Dieser Gedanke verfolgte Ianto in der Nacht bis in den Schlaf – offenbar ließ Torchwood nicht einmal im Tod seine Mitarbeiter frei.

Der junge Waliser öffnete die Augen. „Wir sollten uns vielleicht die Zellen ansehen, nur um sicher zu sein, dass sie wirklich alle noch geschlossen sind.“

Das Klirren von Metall auf Stein ließ sie aufhorchen. Das Geräusch hallte noch einen Moment nach, dann war es wieder still.

„Gute Idee.“ Trotz des schlechten Lichts war das Funkeln in Jacks Augen nicht zu übersehen.

Seufzend löste sich Ianto von dem Schrank und folgte Jack aus der relativen Sicherheit der kleinen Nische im Tunnel zurück in den Raum mit den Zellen. Er könnte jetzt in ihrem Quartier sitzen, in Ruhe zu Mittag essen und dabei lesen. Stattdessen schlich er mit einem Mann durch die Vaults, dessen Abenteuerlust die von Indiana Jones weit in den Schatten stellte.

Sie hatten den Raum fast durchquert, Ianto konnte die Zelle sehen, in der Jack gesessen hatte und das Plastiktablett mit Essen, das ihn überhaupt erst hierher geführt hatte. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, aber er wusste, dass seither kaum zwanzig Minuten vergangen waren.

Er wollte gerade darüber eine Bemerkung zu Jack machen, als Ianto eine Bewegung in den Schatten wahrnahm. Es war wirklich nicht mehr als das, eher eine Ahnung als eine Wahrnehmung. Der junge Waliser drehte instinktiv den Kopf und Jack musste das gesehen haben, denn im nächsten Moment rammte sie etwas. Jack bekam aber an seiner Stelle die volle Wucht des Aufpralls ab, er war im gleichen Augenblick zu und damit vor ihn getreten. Iantos Taschenlampe klapperte auf dem Boden, trudelte weg, leuchtete aber weiter, wenn auch in die entgegengesetzte Richtung.

Ianto, der auf dem Boden gelandet war, rappelte sich herum und rutschte rückwärts weg. Das tiefe Grollen eines Weevils vibrierte in der Luft um sie herum, schickte einen eiskalten Schauer an Iantos Wirbelsäule entlang. Bisher hatte er es mit den Alien nur dann zu tun gehabt, wenn sich dickes Plexiglas zwischen ihnen befand oder der Weevil betäubt war. Selbst das eine Mal, als er Adam geholfen hatte, einem Neuankömmling Blut abzunehmen, und der Weevil aufgewacht und ihn am Arm verletzte hatte, konnte er das Ganze mit einiger Distanz sehen.

Jack lag unter dem grollenden Weevil, Ianto konnte nur seine Beine und einen Arm sehen. Und Jacks Hand mit der Taschenlampe, mit der er dem Weevil auf den Schädel drosch. Es lenkte das Alien lang genug ab, dass Jack sich von ihm befreien konnte. Er rappelte sich auf, zog Ianto auf die Beine und zerrte ihn zwei Schritte weiter. Eine Sekunde später prallte Ianto unsanft gegen den Rahmen der Zelle, fiel rückwärts und landete auf etwas Weichem. Jack schlug mit der flachen Hand auf das Gerät über das man den Code zum Öffnen und Schließen der Zelle eingab und duckte sich unter der herabgleitenden Tür in den Raum.

Durch das zerkratzte Plexiglas starrten sie die fremdartigen Augen des Alien an. Dann wandte sich der Weevil ab und verschwand im Dunkel. Jack wartete noch eine Minute ab, dann drehte er sich um und streckte Ianto die Hand entgegen. „Bist du okay?“, fragte er.

Der junge Waliser nickte. „Es hat mir einen Moment den Atem verschlagen, als ich auf den Boden geprallt bin, aber es ist mir nichts passiert.“ Er ließ sich auf die Beine helfen. „Beim zweiten Mal hat dein Mittagessen glücklicherweise meinen Aufprall gedämpft“, meinte er mit einem kurzen, etwas zittrigen Lachen.

Jack wandte den Blick wieder zur Plexiglasfront, ließ aber die Hand auf Iantos Schulter liegen. „Wo ist der hergekommen?“, fragte er. „Die Zellen waren doch alle verschlossen.“

„Ja.“ Ianto schluckte gegen den Knoten in seinem Hals an. „Alle Lichter an den Türen waren grün. Das bedeutet dass die Schlösser aktiviert sind.“

„Denkst du, der Rift hat einen direkt mitten im Hub abgesetzt?“ Jack presste die Stirn und Nase gegen das Glas um mehr zu sehen, was aber nichts brachte.

„Alex denkt nicht, dass sie durch den Rift kommen.“ Ianto rieb unbewusst an einem Fleck an seiner Hose, den er sich bei seinem Sturz zugezogen hatte. „Nicht genug Riftstrahlung an ihnen messbar, erinnerst du dich?“

„Ich verlasse mich darauf, dass du dir die Dinge merkst, die ich vergesse.“ Jack warf ihm ein kurzes Grinsen zu.

„Und was machst du, wenn ich mal nicht bei dir sein sollte?“ Der junge Waliser starrte ebenfalls hinaus ins Dunkel jenseits der Zelle. Nur ein paar Schritte entfernt, aber trotzdem unerreichbar, lag da seine Taschenlampe.

Jack erwiderte nichts. Er schob die Betäubungswaffe in den Bund seiner Jeans. „Er war verdammt schnell. Ich kam nicht einmal dazu, den Abzug zu drücken – aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es ein ernstgemeinter Angriff war.“ Er zuckte mit den Schultern. „Er hätte mir mühelos die Kehle durchbeißen können, aber ich habe nicht mal einen Kratzer abbekommen.“

Sich abrupt erschöpft fühlend, setzte sich Ianto auf den Betonblock, der als Bett diente. „Er?“, wiederholte er. „Woran hast du das erkannt?“ Der junge Waliser hob die Hand. „Warte. Ich denke ich will das nicht wissen.“

„Du meinst, ob er sich gefreut hat, mich zu sehen?“ Jack grinste, ihn über die Schulter hinweg ansehend. „Größe und Gewicht“, fügte er hinzu. „Natürlich kann es auch eine besonders große und kräftige Weevil-Dame gewesen sein. Nicht, dass ich irgendwelche Vorurteile dagegen hege.“

Ianto rollte mit den Augen. „Was machen wir jetzt? Bleiben wir hier sitzen, bis die anderen uns retten?“

Bevor Jack eine Chance auf eine Antwort hatte, ertönte eine Sirene, gefolgt von scharfem, metallischem Knallen, als Eisengitter vor die Ausgänge glitten. Das Signal verstummte abrupt wieder.

„Was war das?“, fragte Jack.

„Lockdown.“ Ianto vergaß seine Müdigkeit und stand auf, um neben Jack zu treten. Aber außer den grünen Glühstreifen an der Wand und dem einsamen Lichtpunkt der Taschenlampe war nichts zu sehen. „Du hörst Alex wirklich nur die halbe Zeit zu, oder?“, meinte er, als der andere Mann ihn fragend ansah. „Es ist Teil des Sicherungssystems. In bestimmten Fällen – zum Beispiel sollte ein gefährlicher Stoff: ein Gas oder eine Flüssigkeit, im Hub freigesetzt werden oder jemand eine feindliche Übernahme versuchen – löst das System eine totale Abschottung des Hubs aus. Niemand kann rein, niemand kann raus. Die Gefahr wird auf den Hub beschränkt und die Leute in Cardiff sind sicher.“

„Was ist mit den Leuten im Hub?“ Jack runzelte die Stirn. „Bist du sicher, dass ich dabei war, als Alex das gesagt hat? Er unterhält sich mehr mit dir. Mir gibt er nur Befehle. Und hält Strafpredigten.“

„Du warst dabei, aber ich glaube, du warst zu abgelenkt davon, dich mit Pizza voll zu stopfen“, erwiderte Ianto trocken.

„Ich bin ein Sklave meines Magens.“ Jack warf einen sehnsuchtsvollen Blick auf das Tablett auf dem Boden, das Iantos Sturz abgefangen hatte. Aber vielleicht war ja das eine oder andere verschont geblieben, das Geschirrtuch verdeckte den Schaden…

„Was immer du dir einredest.“ Ianto rieb sich übers Gesicht. „Um auf deine Frage zurück zu kommen: Mit den Leuten im Hub passiert genau das gleich wie mit uns jetzt. Wir finden einen Weg, uns selbst zu helfen, oder wir verbringen den Rest unseres Lebens, egal wie lange das sein wird, in diesen Mauern.“

„Es gibt nicht viel, was wir tun können, so lange wir in dieser Zelle sitzen.“ Jack klopfte gegen das Glas. „Wie kommen wir hier raus?“

„Dreh dich um und mach die Augen zu“, forderte Ianto ihn auf.

„Haben wir dafür Zeit?“, fragte Jack grinsend. „Ich bin spontanen Quickies nun wirklich nicht abgeneigt, aber…“

„Halt die Klappe, Jack und tu es einfach.“ Ianto wartete, bis Jack ihm den Rücken zuwandte. Dann fuhr er mit den Fingern am Türrahmen entlang, bis sein Fingernagel an einer winzigen Einkerbung hängenblieb. Mit einiger Mühe zog er ein sehr dünnes Kabel aus der Öffnung und biss es durch. Die Zellentür glitt auf und Ianto spuckte einen Plastikfetzen der Kabelummantelung aus, der sich zwischen seinen Zähnen verfangen hatte. Er sollte wirklich anfangen ein Taschenmesser oder eine Schere mit sich herum zu tragen, das konnte nicht gut für den Zahnschmelz sein. „Du darfst dich wieder umdrehen.“

Jack sah ihn an, dann die offene Tür. „Wie hast du das gemacht?“

„Das darf ich dir nicht sagen.“ Ianto spähte ins Dunkel. „Alex hat mir für Notfälle gezeigt, wie man aus einer Zelle rauskommt.“

„Und wieso darf ich das nicht wissen?“ Jack zog die Betäubungspistole und entsicherte sie.

„Weil es eher unwahrscheinlich ist, dass du zufällig in einer Zelle landest. Und der Effekt ist hin, wenn du weißt, wie man da wieder rauskommt.“ Ianto bückte sich und hob das Geschirrtuch auf. Zerquetschte Sandwiches wurden von einer undichten Milchpackung durchtränkt und mischten sich mit zwei gemantschten Bananen. Er kippte alles vom Tablett auf das Tuch, fasste die vier Ecken und knotete sie zu einem Paket zusammen.

„Wir unterhalten uns noch ausführlicher darüber, dass du mit Alex Geheimnisse vor mir hast.“ Neugierig sah Jack ihm zu. „Wieso packst du Proviant ein? Ich glaube nicht, dass wir das noch essen werden.“

„Vielleicht können wir es als Köder für den Weevil verwenden.“ Ianto hielt das Tuchpaket hoch, darauf achtend, dass er sich damit nicht bekleckerte. „Außer du stellst dich zur Verfügung?“

„Passe.“ Jack hob die Waffe. „Ich sichere dich und du rennst rüber und holst die Taschenlampe. Wir müssen unbedingt mehr sehen.“

„Brillant“, murmelte der junge Waliser. „Jetzt bin ich also der Köder.“ Ianto setzte das Päckchen mit dem ruinierten Lunch auf den Boden, holte tief Luft und rannte dann so schnell er konnte zur Taschenlampe, hob sie auf und kehrte zu Jack zurück.

„Gut gemacht.“ Jack sagte das ganz ohne Sarkasmus und nahm die Taschenlampe in die andere Hand. „Sehen wir uns hier gründlich um.“

„Ist es zu spät um mich für Tor 2 zu entscheiden?“ Trotz des gemurmelten Protests folgte Ianto seinem Partner, das tropfende Geschirrtuchpaket am ausgestreckten Arm haltend.

Sie gingen wieder an den – glücklicherweise immer noch verschlossenen – Zellen entlang.

Es war unheimlich still. Keiner der Weevil in den Räumen gab auch nur einen Laut von sich. Sie kauerten in den Ecken, so weit von der Tür entfernt wie möglich. Das war ungewöhnlich. Genau wie der Weevil, der sie angegriffen hatte, nicht mehr als dieses tiefe, vibrierende Grollen von sich gegeben hatte.

Ianto konnte nur seine und Jacks Schritte und das Rauschen von Blut in seinen Ohren hören. Falls der Notstromgenerator in der Kühlkammer noch lief, konnte man es vom vorderen Teil der Vaults nicht hören, nur im Tunnel zur Garage. Gab es hier nicht irgendwo ein Funkgerät oder ein Interkom, wie in ihrem Quartier, um mit dem Hauptraum zu kommunizieren? Er war sich nicht sicher, ob das nur für die Archive der Fall war.

Und dann war da noch ein anderes Geräusch, inzwischen leider vertraut. Das gleiche tiefe, vibrierende Grollen, das jedes einzelne Haar an seinem Körper aufrichtete. Ianto stoppte unwillkürlich. Es stieg an und ebbte ab und… hallte wider. Das Grollen kam aus einem Tunnel oder einem Abwasserrohr, nicht aus den Vaults. Die Decke war zu hoch um den Hall zu erzeugen. Er streckte die Hand aus und zupfte an Jacks Hemd.

„Gibt es irgendwelche Abwasserrohre oder Belüftungsrohre in der Wand?“, fragte Jack leise, sich zu ihm umwendend. Er war zum gleichen Schluss gekommen.

„Ich glaube ich habe einen stillgelegten Abwassertunnel gesehen.“ Ianto sah sich um. „Aber nicht hier. Hinter dem Knick im Gang, kurz vor der Treppe. Die Zelle, in der dieser Kokon war, liegt direkt daneben.“ Er versuchte sich zu erinnern, wann er das letzte Mal dort gewesen war, aber der Bereich war seit diesem Zwischenfall abgesperrt, also gab es keinen Grund, sich dort länger aufzuhalten. Oder überhaupt.

„Dann gehen wir wohl besser nachsehen.“ Jack warf ihm einen Blick zu. „Nimm du die Taschenlampe. Ich denke meine Augen haben sich an die Dunkelheit gewöhnt. Ich sehe inzwischen ganz gut und so habe ich eine Hand frei.“

„Okay.“ Ianto nahm die Taschenlampe und folgte dem anderen Mann dorthin, wo der Raum einen Knick machte und in einen Seitentrakt mündete. Der Schein der Lampe glitt über mehr graue Wände und einen Fußboden, der geradezu um Reinigung bettelte. Die Luft war trocken, und schien beim Atmen einen metallischen Film in seinem Mund zu hinterlassen. Irgendwo rostete etwas schon sehr lange vor sich hin. Ohne aktives Belüftungssystem konnte man es deutlich riechen.

„Sieh dir das an“, flüsterte Jack. Er dirigierte Iantos Hand nach rechts und unten, so dass die Taschenlampe ein Loch in der Wand beleuchtete. Nein, nicht einfach ein Loch. Ein Rohr, breit und hoch genug für einen Mann – oder Weevil – um sich robbend vorwärts zu bewegen klaffte dort. Zerbrochene Reste eines verrosteten Absperrgitters bedeckten den Boden davor. „Da ist er rein gekommen.“

„Wir müssen es unbedingt irgendwie verschließen, bevor noch mehr von ihnen durch kommen.“ Ianto sah sich um. Nur womit? Es gab nur zwei leere Zellen, beide versiegelt. Von dem ursprünglichen Abdeckgitter waren nur noch rostige Teile übrig. Es war regelrecht zerbröselt. Wieso gab es keinen Wartungs- und Instandhaltungsplan für eine so wichtige Einrichtung? Aber da konnte er auch gleich fragen, wieso sie mitten im Hauptraum ein Gezeitenbecken hatten oder sich siebzig Meter unter der Erde aufhielten, es ein U-Boot-Dock aus dem Zweiten Weltkrieg gab oder sie einen unsichtbaren Eingang in einem Wasserturm benutzten.

„Wir können eines der Gitter vor den Belüftungsrohren am anderen Ende des Raumes abmontieren und es hier befestigen.“ Jack trat näher an das Loch. „Die Angeln sehen so aus als wären sie noch okay. Und die Öffnungen sind ungefähr gleich groß.“

„Die Größe passt. Wir müssen es nur einhängen und irgendwie verriegeln.“ Ianto nickte und der Schein der Taschenlampe hüpfte mit der Bewegung. „Aber die Belüftungsgitter sind festgeschraubt. Es wird schwer sein, sie aus der Wand zu bekommen.“

„Da war ein Schraubendreher in dem Schrank mit den Taschenlampen. Der hilft sicher.“ Jack sah ihn an. „Der Schrank war innerhalb des Raumes, ist also durch den Lockdown nicht abgeschnitten.“ Er reichte Ianto die Betäubungspistole. „Jemand muss hier Wache halten.“

„Beeil dich.“ Ianto richtete die Waffe auf die Öffnung an der Wand. Er schob das Tuchpaket, das er hatte weglegen müssen, um die Druckluftpistole zu nehmen, mit dem Fuß zur Seite. Es fehlte noch, dass er in einem kritischen Moment darüber stolperte und sich mit einer slapstickreifen Vorstellung selbst betäubte. Nun, in dem Fall bekam er zumindest nicht mehr mit, was der Weevil mit ihm anstellte.

„Schieß einfach auf alles was sich bewegt. Bin wieder da bevor du merkst, dass ich weg bin.“ Jack drehte sich um und verschwand in der Dunkelheit und plötzlich war die Stille sehr laut.

Ianto konnte seinen eigenen Herzschlag hören und spürte einen dünnen Feuchtigkeitsfilm auf seiner Stirn. Hinter ihm klirrte Metall gegen Stein, er hörte ein dumpfes Pochen, das von Jacks Schuhe auf dem Betonboden stammen musste.

Eine Ewigkeit verging. Ianto hatte fünfhundertvier Herzschläge gezählt, als er hinter sich eine Bewegung wahrnahm. Er wirbelte herum und richtete die Taschenlampe auf das, was auch immer da kam.

Jack hielt die Hand vor die Augen. „Nicht schießen.“ Er grinste trotz der ernsten Situation und hob die Werkzeugbox hoch. „Ich hatte Erfolg.“

„Teil-Erfolg“, korrigierte Ianto und ließ die Betäubungspistole sinken. „Können wir damit…“

Der Weevil schoss ohne jede Vorwarnung aus dem Loch wie ein Korken aus einer Champagnerflasche, die geschüttelt worden war. Er landete auf dem Boden, prallte gegen die gegenüberliegende Wand und rappelte sich auf.

Die paar Sekunden hatten Jack genügt um seine Überraschung zu überwinden und die Pistole aus Iantos Hand zu nehmen. Er feuerte den Betäubungspfeil direkt in die Brust des Alien, doch nichts passierte.

Der Weevil knurrte und entblößte seine Zähne. Krallen kratzten über den Boden, als er einen Schritt auf die beiden Männer zu machte, die instinktiv in verschiedene Richtungen getreten waren, um zwei Ziele statt einem Ziel zu bieten.

Jack lud hastig einen weiteren Pfeil in die Waffe und hob sie, um zu feuern. Aber die Aufmerksamkeit des Weevil galt nicht ihm, sondern Ianto. „Hey, du hässliches Ding.“ Er pfiff. „Hierher Fido. Ich bin der mit der Waffe. Lust auf ein Tänzchen?“

Ianto hob das Tuchpaket auf und schleuderte es dem Weevil an den Kopf. Das Alien knurrte und schlug danach. Jack nutzte die Gelegenheit, da ihm der Weevil den Rücken zuwandte, nahm den letzten Betäubungspfeil, zog mit den Zähnen die Schutzkappe ab und rammte die Nadel in den Nacken des Weevil. Und nur zur Sicherheit feuerte er auch den anderen Pfeil aus der Druckluftpistole, der zwischen den Schulterblättern sein Ziel fand.

Der Weevil gab ein fast menschlich klingendes Seufzen von sich, drehte sich halb zu Jack um, der zurückgesprungen war – und sackte in sich zusammen.

Jack und Ianto sahen sich an, vergewisserten sich, dass sie beide noch standen, dann packten sie je einen Arm des Alien und schleppten es in die nächstgelegene Zelle. Ianto verriegelte die Tür. „Das war knapp“, sagte er atemlos.

„Du hast gut reagiert.“ Die Betäubungspistole klapperte auf den Boden. Jack schnitt eine Grimasse und Iantos Blick fiel auf den Blutfaden, der sich über Jacks Fingerspitze schlängelte und auf den Boden tropfte.

„Und du bist verletzt.“ Irgendwie hatte Ianto es geschafft, die Taschenlampe in der Hand zu behalten und richtete sie auf Jacks Arm.

„Ich denke mein Arm ist gebrochen.“ Jack umfasste mit der rechten Hand sein linkes Handgelenk und hob ihn so hoch, um die Blutung zu stillen. „Er hat mich nur gestreift, als er aus dem Rohr kam, aber ich denke, ich brauche einen Moment, bevor wir weitermachen können.“

Ianto warf einen Blick auf den Weevil, der sich nicht rührte und trat dann zu Jack, seinen Arm kritisch musternd. „Setz dich hierher“, sagte er. „Und lehn dich gegen die Wand. Ich werde den Arm verbinden.“

Jack folgte seiner Aufforderung, den Kopf gesenkt. Überraschung verdrängte den Schmerz für einen Moment aus seiner Miene, als er dabei zusah, wie Ianto einen Schuh abstreifte und seine Socke auszog, bevor er nach der Werkzeugbox griff und das Klebeband herausholte. „Ist das für eine neues Heimwerkerprojekt?“, fragte er. Verdammt, tat sein Arm weh. Jetzt, da das Adrenalin des Kampfes abflaute, konnte er die Schmerzen nicht mehr unterdrücken.

Der junge Waliser machte kurzen Prozess mit Jacks Ärmel – das Hemd war ohnehin nicht mehr zu retten – und riss ihn auf. Dort wo der Knochen gebrochen war, hatte er die Haut durchdrungen und aus der gezackten Wunde sickerte Blut. Er faltete die Socke so zusammen, dass die hoffentlich sauberste Stelle oben war und presste sie gegen die Wunde. „Halt das fest“, sagte er.

Jack presste mit einer Grimasse die Socke auf die blutende Stelle. „Im Ernst? Deine Socke?“

Ianto rieb den Staub von der Klebebandrolle und riss es mit den Zähnen an. Der bittere, chemische Geschmack des Klebstoffs füllte seinen Mund und er musste ausspucken, bevor er den Streifen abriss und um Jacks Arm wickelte, die Socke festklebend.

„Glaub mir, das ist das Sauberste, dass ich hier unten finden werde“, erwiderte er. „Ich habe die Socken gewechselt, bevor ich hier runter kam. Außerdem ist es nur für ein paar Minuten, dann sollte die Wunde sich geschlossen haben und die Blutung von selbst stoppen.“

Jack grinste und lehnte sich zurück, eine Hand über den Notverband. „Okay, aber nimm das nächste Mal deine Unterhose.“

„Warum?“ Ianto zog die Augenbrauen skeptisch hoch. „Ich kann dir versichern, dass das definitiv nicht hygienischer ist.“

„Nein, aber dann bekomme ich mehr nackte Tatsachen zu sehen als nur deine zugegeben sehr sexy Zehen.“ Jack schloss die Augen.

Ianto starrte auf seinen nackten Fuß. Knochig war eher das Wort, das ihm in den Sinn kam. Er schlüpfte hastig wieder in seinen Schuh, wer wusste, wann sie wieder rennen mussten… Und ließ sich neben Jack auf den Boden sinken. „Ich hoffe das ist der Blutverlust, der aus dir spricht.“

Jack ließ den Kopf gegen seine Schulter rollen. „Uh-oh. Das bist alles du.“ Ein Schauder lief durch ihn. „Oh, jetzt weiß ich wieder, warum ich es bevorzuge für diesen Teil bewusstlos zu sein“, murmelte er. „Ich kann spüren, wie sich der Knochen bewegt und wieder zusammen setzt...“ Er brach ab, schnitt eine weitere Grimasse. „Sprich mit mir, lenk mich ab.“

„Worüber willst du reden? Die Wetteraussichten fürs Wochenende?“ Ianto kämmte mit den Fingern durch Jacks schweißnasses Haar.

„Ich verstehe“, sagte Jack in die „Stille hinein. Du bist immer noch wütend auf mich wegen Shanna und ich bekomme dafür die Schweigestrafe.“

„Ich glaube nicht, dass das ein guter Moment für so eine Unterhaltung ist, Jack.“ Der junge Waliser sah sich um. „Da könnten noch mehr Weevil auf uns lauern, und wir haben keine Betäubungspfeile mehr.“

„Hasst du mich?“ Es war schwer zu sagen, wen von den beiden diese Frage mehr überraschte.

„Bist du sicher, es hat dich nicht am Kopf erwischt?“ Ianto küsste ihn auf die Schläfe. „Wenn ich dich hassen würde, wäre es als würde ich einen Teil von mir selbst hassen. Und jetzt halt den Mund und konzentriere dich darauf, zu heilen. Ich bin noch mindestens zehn Selbstverteidigungstrainingsstunden davon entfernt, mit einem Weevil klar zu kommen.“

Jack lachte leise, das Gesicht gegen Iantos Schulter gedreht. „Du wärst weiter, wenn wir nicht immer andere Dinge auf diesen praktischen Matten machen würden.“

„Sie könnten weniger praktisch und dafür bequemer sein, wenn du mich fragst.“ Die Absurdität dieses Gesprächs in dieser Situation brachte ihn ebenfalls zum Lachen.

Das Knistern von Statik durchbrach die Stille. Das klang nach einem nicht mehr ganz neuen Lautsprecher…

„Jack? Ianto? Ich weiß nicht, ob ihr mich hören könnt – der Lockdown lässt sich erst nach einer Stunde aufheben. Ihr müsst so lange durchhalten.“ Eine Reihe Rückkopplungsgeräusche schloss sich an, dann verstummte Alex‘ Stimme. Das statische Knistern hallte noch einen Moment nach.

„Eine Stunde?“ Jack bewegte vorsichtig seinen verletzten Arm. Der Schmerz hatte abgenommen, aber er war definitiv noch nicht wieder einsatzbereit. Wie oft hatte er sich in seinem Leben schon Knochen gebrochen? Wenigstens musste er sich hier nicht der Behandlung durch einen Fusionslaser unterziehen, der die Knochen wieder zusammenschweißte. Reduzierte die Heilungszeit auf einen halben Tag, aber man fühlte sich trotz Schmerzmittel hinterher als wäre man von einem Hausdach gefallen. „Irgendeine Vorstellung, was wir so lange tun?“

„Nicht das, was wir sonst tun, keine Chance. Nicht so lange du verletzt bist und hier möglicherweise noch ein Weevil rumschleicht.“ Ianto warf einen Blick über die Schulter auf die Zelle mit dem betäubten Alien. Dann berührte er vorsichtig die provisorische Druckbandage an Jacks Oberarm. „Ich dachte nicht, dass das wirklich funktioniert“, gestand er. „Das habe ich in einem Film gesehen.“

Wortlos griff Jack mit der unverletzten Hand nach Iantos Gesicht, drehte es zu sich herum und küsste ihn.


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Adam zog die Augenbrauen hoch, als er mit einer Verbandsschere das Klebeband durchschnitt und die Socke von Jacks Arm entfernte. „Interessante Methode, Ianto. Wie bist du auf die Idee gekommen?“

Ianto saß auf einem Hocker in der Nähe der Untersuchungsliege, auf der Jack sich zähneknirschend an die Weisung, still zu sitzen, hielt. Sein Arm fühlte sich vollkommen okay an, und er wäre lieber mit Franks und Alex unten in den Vaults gewesen. Der junge Waliser drehte eine Wasserflasche in den Händen.

Adam Hill hatte darauf bestanden, die beiden zuerst zu untersuchen. Ianto hatte die Gelegenheit ergriffen, das Blut von seinen Händen zu waschen.

„Er hat es in einem Film gesehen“, kam es von Jack, bevor Ianto die Chance zu einer Antwort hatte. „Er ist der Clevere von uns beiden. Ich bin die Schönheit.“

Der Arzt nahm den Blick von Jacks Arm, an dem noch Blut klebte, aber keine Spur einer Wunde zu sehen war. „Das war gar keine schlechte Idee“, meinte er mit einem Nicken zu Ianto. „Der Druck auf die Blutgefäße hat vermutlich dazu beigetragen, dass die Wunde schneller heilte. Ansonsten wäre der Blutverlust höher gewesen und du würdest das definitiv noch merken“, wandte er sich wieder an Jack. „Soweit ich feststellen kann, bist du wieder ganz der Alte, Jack. Ihr könnt in euer Quartier zurückgehen. Ich verordne euch eine heiße Dusche, saubere Kleidung, Mittagessen und Ruhe.“

Jack hüpfte von der Behandlungsliege und Ianto gesellte sich zu ihm. Adams „Verordnung“ klang genau richtig. Er hatte das Gefühl, seine Kleidung klebe förmlich an ihm.

„Sie haben keine weiteren Weevil gefunden, oder?“, fragte Jack, an den Resten seines Ärmels zupfend.

„Bisher nicht.“ Alex zog die Handschuhe aus und warf sie in den Mülleimer, in dem schon Iantos blutgetränkte Socke lag. Er war nicht davon ausgegangen, dass der junge Waliser sie zurück wollte. „Sieht so aus als hättet ihr gleich den Ersten erwischt.“

„Und der Stromausfall?“, fragte Ianto, seine Wasserflasche an Jack weiterreichend.

„Eine zerstörte Stromleitung in der Rohrleitung, durch die der Weevil geklettert ist und im Abwasserkanal, durch den sie da rein gekommen sind. Sie haben eine Kettenreaktion ausgelöst, und der Generator hat sich abgeschaltet.“ Hill zuckte mit den Schultern. „Ich bin Arzt, kein Elektriker, aber Caden wird das System überprüfen müssen. So etwas hätte nicht den halben Hub lahmlegen dürfen.“ Er deutete zur Tür. „Verschwindet schon, ihr beide habt für heute genug getan.“

Jack grinste und griff nach Iantos Handgelenk. „Dieses Mal gehst du vor.“

Adam sah sie fragend an, doch Ianto schüttelte nur den Kopf und zog Jack hinter sich her die Treppe hoch.

Oben angekommen sah Jack seinen Partner an. „Hey, wir sind ein gutes Team. Setzen wir die Arbeit unter der Dusche fort?“

„Der beste Vorschlag des Tages“, erwiderte Ianto mit einem erleichterten Seufzen.



Ende