Titel: Der Ring
Autor: Lady Charena (Dezember 2016)
Fandom: Torchwood 50 Ways
Episode: Season 2
Wörter: 2024
Charaktere: Dai (OMCat), Jack Harkness, Ianto Jones
Pairing: Jack/Ianto
Rating: A/R, pg12
Beta: T‘Len

Summe: Als Jack frühmorgens nach Hause kommt, begrüßt ihn Dai.

Anmerkung: Da ich weiß, dass es schon eine Weile her ist, dass ich „Der Konkurrent“ geschrieben habe, zur Erinnerung: In dieser Story trägt Ianto einen Ring am Daumen, der Jacks Neugier weckt. Aber als sich Iantos neuer „Begleiter“ als Kater herausstellt, gerät der Ring in Vergessenheit. Nun, hier ist die Erklärung was es damit auf sich hat.

Vorgängerstorys: „Der Konkurrent“, „Ein Abend zu Dritt“, „Dating Mr. Jones… and his Cat“ (Storysammlung Weihnachten mit der Familie), „Cat-Napped?“, „Frühstück mit Katze“ und „Good Morning, Sunshine“.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



Er gab sich jede Mühe, leise zu sein. Achtete darauf, dass sein Schlüsselbund nicht gegen die Tür knallte und drückte sie sachte hinter sich ins Schloss. Es war okay, das Licht im Flur einzuschalten, der Schein der Deckenlampe reichte nicht so weit, dass es jemand im Schlafzimmer störte. Auch wenn die Tür einen Spalt breit offen stand. Offenbar war Ianto zu müde gewesen, um darauf zu achten, sie zu schließen. Der Kampf gegen Katzenhaare auf dem Kissen war ohnehin aussichtslos.

Jack verstaute den Schlüsselbund wieder in seiner Manteltasche, legte die Papiertüte mit noch warmen Gebäck ab, die er auf dem Heimweg in einer bereits geöffneten Bäckerei besorgt hatte – sie würden sich heute die Zeit nehmen, gemeinsam ausgiebig zu frühstücken, das hatten sie sich verdient – und fluchte stumm, als er an seinen Schnürsenkeln herum pfriemelte, die sich ausgerechnet jetzt in wilde Knoten flüchteten. Es half auch nicht, dass sie mit Wasser vollgesogen waren. Kurz bevor er sich dafür entschied, mit seinem Taschenmesser nachzuhelfen, bekam er den letzten Knoten auf und Jack kickte aufatmend die Schuhe von den Füßen. Stellte sie natürlich ordentlich auf die dafür vorgesehene Schmutzfangmatte und schlüpfte aus seinem ebenfalls feuchten Mantel.

Einen Blick in den Spiegel werfend, kämmte sich Jack durch die Haare. Sollte er zuerst duschen und sich dann für ein, zwei Stunden auf die Couch legen? Andererseits war da die Möglichkeit, Ianto später zu einer gemeinsamen Dusche zu verführen…

Der Rift befand sich in den Ausläufern einer volatilen Phase und das ganze Team am Ende seiner Kräfte. Deshalb hatte Jack sie am frühen Nachmittag nach Hause geschickt und die Nacht alleine im Hub verbracht. Ianto war am längsten geblieben, entschlossen das er auch mit ein paar Stunden Schlaf auf der alten Couch auskam, bis Jack ihn daran erinnerte, dass Dai ihn sicherlich vermisste. Gegen drei Uhr morgens war der letzte Alarm über die Monitore geschrillt, bevor die Vorhersagewerte deutlich absackten und eine Pause versprachen. Nach zwei Stunden vergeblicher Suche nach dem Grund des letzten Alarms, im Regen, gab Jack auf. Er stellte das Sicherheitssystem des Hubs auf seinen Wriststrap um, so dass eventuelle weitere Alarme direkt an ihn gemeldet wurden und beschloss, sich an seinen eigenen Rat zu halten. In Iantos Bett – oder auf seiner Couch, wenn er ihn nicht wecken wollte – fand Jack ohnehin leichter Schlaf, als in dem kahlen Bunker unter seinem Büro.

Apropos Mitbewohner… Jack sah sich um. Es wunderte ihn, dass Dai nicht schon längst vor ihm stand und seinem Missfallen über seine Ankunft kundtat. Nun, ihr Verhältnis hatte sich gebessert, aber der Kater ließ ihn nach wie vor gerne wissen, wer hier das Revier markierte. Doch Dai war nicht in Sicht. Bestimmt hatte er die offene Tür ausgenutzt und sich auf Iantos Bettdecke zusammen geringelt oder benutzte Jacks Kissen für andere, nicht-Schlaf-bezogene Aktivitäten…

Zuerst würde er etwas Trinken. Jack schnappte sich die Tüte vom Bäcker und nahm sie mit in die Küche. Der Geruch nach Butter und Zucker erinnerte ihn daran, wie lange seine letzte richtige Mahlzeit zurücklag. Jetzt noch eine Tasse Kaffee… Jack öffnete den Schrank und holte seinen Lieblingskaffeebecher, als etwas sein Bein rammte. Das war kein dezentes Anstupsen. Ein vorwurfsvolles „Mau!“ driftete zu ihm hoch.

Jack sah nach unten und fand smaragdgrüne Augen mit schrägen Pupillen auf sich fixiert.  Dais Ohren waren gespitzt, wie er da perfekt still neben ihm auf dem Boden saß, die Pfötchen ordentlich aufgestellt, wie bei einer ägyptischen Katzenstatuette. Nur von Zeit zu Zeit zuckte seine Schwanzspitze, als führe sie ein Eigenleben. Jack nickte ihm mit einem Lächeln zu. „Guten Morgen.“ Er stellte den Becher in die Maschine und presste auf die entsprechende Taste. Knirschend setzte sich das Mahlwerk in Betrieb.

Dai zuckte mit den Ohren und Jack hätte geschworen, dass seine Miene Missbilligung über so viel Lärm am frühen Morgen ausdrückte.

Während der Kaffee durchlief und allein der Geruch seine Lebensgeister weckte, faltete Jack die Tüte auf und teilte eines der Croissants in zwei Hälften.

Das Knistern des Papiers veranlasste Dai aufzustehen und einen Schritt näher zu ihm zu machen. Er gab ein erwartungsvolles „Mau!“ von sich.

Jack schüttelte den Kopf. „Es tut mir leid“, meinte er. „Sie hatten keinen Mäusetoast.“ Nicht, dass Dai schon einmal eine Maus erlegt hätte. Vermutlich hatte er noch nicht einmal eine gesehen, immerhin verbrachte fast sein ganzes Leben in Iantos Wohnung.

Als hätte er seine Worte verstanden, nieste Dai, gähnte – - verächtlich, so als wäre es weit unter seiner Würde, um Futter zu betteln, wie es es Jack vorkam - und wandte sich von ihm ab. Sein Schwanz pendelte langsam hin und her, während der Kater zuerst seinen Futter- und dann denn Wassernapf grünlich inspizierte. Hier gab es nichts zu fressen – beide Näpfe wurden von einem Automaten gefüllt, der an einer Zeitschaltuhr hing, so dass Dai nicht darben musste, wenn Ianto es nicht schaffte, nach Hause zu kommen.

Jack nippte mit einem zufriedenen Seufzen an seinem Becher mit dem noch sehr heißen Kaffee, während Dai desinteressiert ein paar ziemliche Schlucke aus seinem Wassernapf nahm. Dann schlenderte er an Jack vorbei – nicht ohne ein wachsames Auge auf möglicherweise heruntergefallene Krümel und Stückchen zu halten – und verschwand aus der Küche. Vermutlich um seinen Platz in Iantos Bett zu verteidigen. Man konnte schließlich nie wissen…

Nachdem er seinen improvisierten Imbiss beendet hatte, faltete Jack die Tüte zu und legte sie – hoffentlich katzensicher – auf die Kaffeemaschine. Dai hielt sich in der Regel davon fern, genau wie von allen elektrischen Geräten.

Er streifte die Hosenträger ab und streckte sich, als er leise die Tür zum Schlafzimmer weiter aufdrückte. Durch die nachlässig geschlossenen Vorhänge fiel ein Lichtstrahl der Straßenbeleuchtung draußen.

Ianto lag auf der Hälfte des Bettes, die für gewöhnlich Jack vorbehalten war, Arme und Beine von sich gestreckt. Er war nackt bis auf eine Socke am linken Fuß und schien einfach nur ins Bett gefallen und eingeschlafen zu sein. Sein Gesicht war in Jacks Kissen gepresst und die Haare an seinem Hinterkopf standen hoch, gaben seinen verletzlichen Nacken frei. Eine Hand baumelte über die Bettkante, die Finger leicht gekrümmt.

Jack verspürte eine Woge Zärtlichkeit für den jungen Mann, die ihn mit ihrer Intensität überraschte. Er hatte die Beziehung zu Ianto gesucht, vorangetrieben, mehr in sie investiert – emotionell – als er seit langer Zeit riskiert hatte. Torchwood und seine Unsterblichkeit machten es denkbar schwer, mehr als oberflächliche Beziehungen zu führen. Das machte es umso bedeutender, dass er in Ianto jemand gefunden hatte, dem er seine Geheimnisse anvertrauen konnte, ohne dass Ianto sich von ihm abwandte. Es war keine einfache Last zu tragen…

Dai stakste auf der freien Seite des Bettes herum und machte einen Satz auf den Boden, als er Jack bemerkte. Der Kater tauchte unter dem Bett hindurch und schnupperte an Iantos Fingern, als müsse er sich vergewissern, zu wem sie gehörten. Dann schien er irgendetwas auf dem Boden entdeckt zu haben. Etwas blitzte silbern auf, als Dai es mit der Nase anstupste.

Neugierig geworden trat Jack näher, was Dai mit Ohrenanlegen und einem verärgerten Fauchen quittierte, bevor er sein neues Spielzeug im Stich ließ und sich unter das Bett zurückzog. Jack bückte sich und fand Iantos Ring. Er musste von seinem Finger, genauer gesagt, dem Daumen, gerutscht sein. Zuerst wollte er das Schmuckstück einfach auf die Ablage neben dem Bett legen, wo Ianto ihn sicher finden würde, wenn er wach war.

Dann stoppte er und nahm den Ring mit, als er das Bett umrundete und sich auf die freie Seite setzte. Jack schaltete die Lampe über dem Kopfende an, vergewisserte sich das Ianto weiter schlief und drehte den Ring im Licht. Ehrlich gesagt war er schon seit langem neugierig, wieso Ianto ihn trug. Von wem er stammte. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Ianto den Ring einfach so als Schmuck gekauft hatte und trug. Die Gelegenheit, danach zu fragen, hatte sich nie ergeben.

Auf der Innenseite fand sich eine Inschrift. Zwei Worte. Ein paar Zahlen. Ein Datum? Jack kniff die Augen zusammen und versuchte die Gravur zu entziffern. Es war ein Datum. Und die beiden Worte… zwei Namen, um genau zu sein.

„Was machst du?“, murmelte Ianto hinter ihm verschlafen.

Jack warf ihm über die Schulter einen Blick zu und lächelte, als er seinen zerknautscht wirkenden Liebhaber sah. „Nichts. Schlaf weiter.“ Er beugte sich vor, um die Lampe auszuschalten, doch Ianto setzte sich bereits auf, blinzelte, und verschränkte die Arme vor der nackten Brust.

„Ist das mein Ring?“, fragte der junge Waliser gähnend.

„Er lag vor dem Bett auf dem Boden, ich habe ihn gefunden… eigentlich war es Dai, der ihn gefunden hat.“ Jack drehte sich zu ihm um und hielt ihm den Ring hin.

Doch Ianto machte keine Anstalten, ihn entgegen zu nehmen. Er rieb sich übers Gesicht, begann dann automatisch Dai zu streicheln. Der Kater war aufs Bett gesprungen, als er Iantos Stimme hörte. „Also du plötzlich verschwunden warst...“, begann der junge Waliser leise. „Fühlte ich mich verlassen.“

Ianto...“ Jack rückte näher. Er war nicht auf dieses Thema vorbereitet gewesen.

„Bitte“, unterbrach ihn Ianto. „Lass es mich erklären.“ Er griff nach dem Laken, zog es um sich, bevor er sich Jack ganz zuwandte. „Ich musste mich damit auseinander setzen, wie oft ich bereits verlassen worden war. Von meinen Eltern. Von Lisa. Ich weiß, sie hatten keine Wahl, aber das änderte nichts daran, was ich fühlte.“ Ianto zog die Knie an, schlang die Arme darum. Er deutete mit dem Kinn auf den Ring, der immer noch in Jacks Handfläche lag.

Dai grub die Krallen auf Höhe von Iantos Schienbeine ins Laken und versuchte daran hoch zu klettern, doch keiner der beiden Männer schenkte ihm im Moment Aufmerksamkeit.

„Was ich fühle“, korrigierte Ianto sich selbst. „Das ist der Ehering meines Vaters. Meine Schwester hat den Ring meiner Mutter. Sie hat ihn im Nachlass meines Vaters gefunden. Beide Ringe, in einer Keksdose mit alten Familienfotos. Vor ein paar Jahren hat sie mir Kopien davon geschickt, zusammen mit dem Ring meines Vaters.“ Er hob die Schultern. „Ich weiß nicht genau, warum ich angefangen habe, ihn zu tragen. Vielleicht um mich daran zu erinnern, nie wieder jemand so nahe an mich heran zu lassen, dass er eine Chance bekam, mich zu verlassen.“ Ianto sah dem Kater nach, der beleidigt ans Bettende stolzierte, um sich dort zu einem Kringel zu formen und sie zu beobachten. Ein amüsiertes Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht.

„Ich kann dir nicht versprechen, dass dich nie wieder jemand verlassen wird“, erwiderte Jack nach einer kleinen Pause. „Ich kann nicht einmal versprechen, dass ich nicht wieder von einem Moment auf den anderen verschwinde.“ Der Doctor mochte seine Gegenwart unerträglich finden, aber Jack wusste, wenn der Timelord seine Hilfe benötigte, würde er alles stehen und liegen lassen und ihm folgen. Wenn es sein musste, noch einmal bis ans Ende des Universums und ans Ende der Zeit.

Ianto nickte. „Womit wir wieder bei der alten Erkenntnis sind, dass wir die Zeit nutzen müssen, die wir haben.“ Er schlug das Laken zurück und begrub fast Dai darunter, der mit einem wütenden Fauchen vom Bett sprang. „Ich bin nicht mehr müde.“

Der Kater gab es auf, die Aufmerksamkeit seiner Menschen gewinnen zu wollen und stakste aus dem Schlafzimmer. Er nieste. Außerdem hatte er den Anstieg von Pheromonen in der Luft gerochen. Da ging er doch lieber nachsehen, ob sein Futternapf inzwischen gefüllt war.

Ende