Titel: Spuren der Vergangenheit
Autor: Lady Charena (März 2018)
Fandom: Torchwood
Storysammlung: 50 Ways I’ll be your Lover
Episode: --
Wörter: 3190
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness, Gwen Cooper-Williams, Toshiko Sato
Pairing: Jack/Ianto
Rating: ab12, slash, AU


Summe:  Jack unternimmt einen Ausflug in die Ruinen des zerstörten Hubs, um nach der Vergangenheit zu suchen. Natürlich begleitet Ianto ihn.


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



„Das ist nicht nur einfach keine gute Idee, es ist eine sagenhaft schlechte Idee.“ Ianto verschränkte die Arme vor der Brust, die Augenbrauen zusammengezogen.

„Eines Tages...“, drang Jacks Stimme dumpf zu ihm. „...erzähle ich dir von ein paar meiner wirklich schlechten Ideen und dann wirst du einsehen, dass die hier nicht dazu gehört.“ Etwas krachte schwer zu Boden und eine Staubwolke wirbelte auf.

„Deine Starrköpfigkeit ist der wahre Grund deiner Unsterblichkeit, richtig?“, murrte Ianto, während Jack hustete, dass es von den Wänden widerhallte. „Wenn du da drin stecken bleibst oder verschüttet wirst, lass ich dich, wo du bist, verstanden?“

„Das habe… ich gehört...“, kam es heiser von Jack. Schmutzstarrende Schuhe, gefolgt von kaum saubereren Hosenbeinen, schoben sich aus einem Loch in der Wand. Endlich tauchte der ganze Jack daraus auf, grau gepudert mit so viel Staub, dass seine Augen wie blaue LEDs aus seinem Gesicht leuchteten. Vielleicht lag es aber auch an der Baulampe, die ihn direkt anstrahlte. Er grinste trotz seines Misserfolges.

Ianto schnalzte tadelnd mit der Zunge, während er seinen Partner musterte. „Können wir jetzt gehen? Ich habe dir gesagt, es gibt keine Möglichkeit, da durch zu kommen. Nicht für jemanden, den größer als eine Ratte ist.“

Jack spuckte Betonstaub aus und betrachtete einen Moment angewidert seine Hand, nachdem er sich damit durch die Haare gefahren war. „Dann versuchen wir es eben an einer anderen Stelle.“

Der Waliser kauerte sich neben ihn auf den von Rissen durchzogenen Boden. „Jack, bitte.  Lass uns nach Hause gehen. Klingt eine heiße Dusche und Pizza auf der Couch nicht besser, als hier am Dreck zu ersticken? Oder verschüttet zu werden.“

„Du isst keine Pizza mehr. Und wir haben noch das ganze Wochenende für Dusche und Couch“, entgegnete Jack. Er legte den Arm um Iantos Schultern. „Okay, ich gebe zu, dass du dir vermutlich etwas anderes vorgestellt hast, als du Gwen überredet hast, mir das Wochenende frei zu geben. Nicht, dass ich sage, es war eine schlechte Idee von dir. Aber ich muss es zumindest versuchen.“

„Ich habe es versucht und ich habe keinen Weg gefunden.“ Ianto seufzte. „Jack, es ist vermutlich nichts mehr da. Es tut mir leid, ich weiß der Hub war lange Zeit dein Zuhause, aber die Explosion...“

Jack tippte auf den Vortex-Manipulator an seinem Handgelenk. „Das hier sagt, es gibt den Bunker noch. Und ich habe die meisten meiner Sachen dort gelassen, als wir zusammengezogen sind. Ein Teil meiner Vergangenheit ist dort.“

„Daran würde ich mich gerne erinnern können.“ Ianto wischte Ziegelsplitter von Jacks Hose, was keinen großen Unterschied machte. „Wie war es damals? Als wir das erste Mal zusammen gezogen sind?“ Er hätte beinahe gesagt: „Als du mit ihm zusammengezogen bist“ aber Jack hörte es nicht gerne, wenn er von sich als Kopie sprach. Und ehrlich gesagt, vergaß Ianto inzwischen die meiste Zeit, wie seine neue Existenz zustande gekommen war.

„Wir leben jetzt zusammen. Es war… so ähnlich.“ Jack rappelte sich hoch und hielt Ianto die Hand hin, um ihn auf die Beine zu ziehen. „Und ich habe dich durchschaut - du versuchst offenbar, mich von einem weiteren Versuch abzuhalten.“

So ähnlich?“, wiederholte der Waliser skeptisch, ohne auf seinen letzten Satz einzugehen. „Nur so ähnlich?“ Er blieb auf dem Boden sitzen. Wenn er Jack davon abhielt, wieder in die Wand zu kriechen, war das in seinen Augen nur ein Bonus. „Was meinst du damit? Haben wir mehr gestritten? Weniger? Hatten wir mehr Sex? Weniger? Hat einer von uns nie Geschirr gespült und der andere immer den Klodeckel offen gelassen? In dem Fall hast du Recht, das ist nämlich noch genauso.“

Wieder Erwarten lachte Jack nicht über seine eher scherzhaft gemeinte Aufzählung an vermeintlichen Verfehlungen. „Ich konnte dir nicht geben, was du brauchtest“, sagte er nach einer unerwartet langen Pause.

Ianto stand auf. „Das glaube ich nicht“, erwiderte der Waliser. „Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.“

Jacks Schultern sackten nach unten. „Du brauchtest Sicherheit. Ich wollte nicht in eine Schublade gesperrt werden.“

Der Waliser lächelte. „Jack, es gibt im ganzen Universum keine Schublade in die du passt.“ Er wurde wieder ernst. „Und niemand weiß besser als wir, dass es keine absolute Sicherheit gibt.“

„Nachdem Grey und Hart so viel Zerstörung in Cardiff angerichtet hatten… Owen und Tosh waren tot… Du hast uns zusammengehalten. Torchwood. Gwen. Mich. Und du hast nichts für dich verlangt.“ Jack sah ihn an. „Nur zu wissen, wo du stehst. Wo wir stehen. In unserer Beziehung.“

Ianto runzelte die Stirn. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich einen Heiratsantrag von dir erwartet habe.“

„Nein, so viel weniger, wie immer.“ Jack umschloss Iantos Gesicht mit den Händen, ohne auf die Schmutzspuren zu achten, die er hinterließ. „Alles, was du von mir hören wolltest, war so etwas simples, wie dass wir ein Paar sind. Und alles, was ich dir sagen konnte, war dass ich Etiketten hasse. Du wolltest...“ Seine Stimme brach, als die Erinnerung daran, wie Ianto in seinen Armen gestorben war, so real vor seinem inneren Auge aufstieg, als wäre es erst gestern passiert. „Du wolltest hören, dass ich dich liebe. Und ich konnte dir nicht einmal das geben.“

„Ich denke, ich war damals in der Lage, zwischen den Zeilen zu lesen.“ Ianto legte seine Hände über Jacks. „Und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich jemals daran gezweifelt habe, dass du mich liebst. Auch ohne Worte.“ Er lächelte. „Und wenn du nicht aussehen würdest wie ein Schutthaufen, würde ich dich jetzt küssen, bis du aufhörst an Dinge zu denken, die vergangen sind.“

„Ich bin sicher, wenn wir genau nachsehen, finden wir die eine oder andere Stelle an mir, die sauber ist.“ Jack lachte, doch ein Zittern schwang darin mit. Er hätte nicht geglaubt – nicht mit all den schlimmen Erinnerungen, die er bereits so lange mit sich herum trug – dass Iantos Tod ihn noch immer so erschüttern konnte. Vor allem mit einem lebenden, atmenden Ianto direkt vor seinen Augen. Vielleicht hatte sein cleverer Waliser Recht. Vielleicht sollte er die Vergangenheit begraben lassen.

Zumindest für heute.

Aber irgendwann mussten sie die Ruinen des Hubs beseitigen. Dieses Kapitel endgültig abschließen. Es gab kein Zurück. Nicht für ihn. Nicht für Ianto. Nicht für die anderen Geister, die noch hier unten ausharren mochten.

„Ich liebe dich, Ianto Jones“, sagte Jack. „Lass uns gehen.“ Er lachte, als Ianto sofort über sein Gesicht rieb, als er ihn freigab. „Willst du heute aussuchen, womit die Pizza belegt ist? Ich nehme alles außer Laverbread.“ Er griff nach seinem Mantel, der über einem umgestürzten Träger lag und kaum Staub abgekommen hatte. „Ohhh, können wir eine mit diesen kleinen Muscheln haben? Cockles? Darauf hätte ich jetzt wirklich Lust.“

Ianto rollte mit den Augen, ging aber bereitwillig auf den Themenwechsel ein. Er schüttelte sich in gespieltem Entsetzen. „Ich weiß nicht, was heute schlechter ist. Deine Witze. Deine Ideen. Oder dein Geschmack.“

Keiner der beiden Männer achtete darauf, dass nur Jacks Schuhe Abdrücke auf dem staubigen Boden hinterließen.


# # #


But you are always here with me
Nobody knows why
Nobody knows how
This feeling begins just like a spark
Tossing and turning inside of your heart
Exploding in the dark

Here With Me - Susie Suh x Robot Koch




Ianto drehte sich auf die Seite, vorsichtig, um Jack nicht zu wecken. Nach stundenlangem hin und her wälzen – was sicherlich auch mit einer großen Pizza, belegt mit extra vielen Herzmuscheln, zu tun hatte – war der andere Mann endlich eingeschlafen. Und der Waliser hatte eine ausreichende Anzahl von Nächten neben Jack verbracht, um sich sicher zu sein, dass er den Schlaf nicht nur vortäuschte.

Nicht, dass einer von ihnen Grund hatte, Schlaf vorzutäuschen, um beispielsweise einer unangenehmen Unterhaltung zu entgehen.

Nach ihrer Rückkehr aus dem Hub war der Rest des Abends in Harmonie verlaufen. Jack hatte seine gewünschte Cockles-Pizza geordert (es war nicht schwer, die in Wales zu bekommen) und den Staub abgewaschen, während sie auf die Lieferung warteten. Ianto hatte Jacks abstrusen Behauptungen, woran ihn der Geschmack der Muscheln erinnere, gelauscht; Tomatensoße von seinen Fingern geleckt, obwohl er sie nicht schmecken konnte und sie sich seltsam in seinem Mund anfühlte. Er erinnerte sich an Essen, an die Konsistenz, den Geschmack, aber Sie hatten sich über das Fernsehprogramm lustig gemacht und wie ein Paar Teenager mit sturmfreier Bude herum gemacht.

Und noch ein wenig mehr, nachdem sie ins Schlafzimmer umgezogen waren.

Es war nicht völlig dunkel, durch das Fenster fiel Licht der Straßenlaternen draußen. Seit Jack den Bunker angesprochen hatte, wurde Ianto bewusst, dass Jack – vielleicht unbewusst, vielleicht absichtlich – das Bett so aufgestellt hatte, dass der Lichtschein quer über dem Bett lag. So wie im Bunker das Licht über die Pritsche (die man kaum Bett nennen mochte) fiel, wenn die Luke zum Büro darüber geöffnet blieb.

Der Waliser hob eine Hand, betrachtete nachdenklich seine Finger, die - wie immer, wenn er sich in körperlicher Nähe zu Jack befand – ein diffuses, goldenes Schimmern umgab. Es pulsierte sanft, fast unmerklich außer man sah ganz genau hin, im Rhythmus seines Herzschlages. Und schien mit jedem Pulsieren in seine Haut zu sinken. Unerklärbar. Und doch unleugbar real.

Jack mochte denken, dass er ihm in der Vergangenheit nicht hatte geben können, was er brauchte – jetzt gab er Ianto mehr, als der sich jemals zu erträumen gewagt hatte. Leben. Er mochte nicht (noch nicht?) in der Lage sein, Pizza zu essen oder Kaffee zu trinken, aber er spürte Wärme, Kälte… Jacks Berührungen. Er musste nicht mehr befürchten, im Boden zu versinken, wenn seine Konzentration nachließ.

Und wie es schien, konnte er dieses unglaubliche Geschenk sogar weitergeben.

Bisher hatte er nur versucht, Jacks Lebensenergie mit Tosh und Owen zu teilen. Was, wenn es bei den anderen nicht klappte? Es wäre grausam, ihnen die Hoffnung zu geben, dass sich an ihrer Existenz, ihrem Zustand, etwas ändern könnte – nur um sie dann zerstört zu sehen.

Aus dem gleichen Grund hatte er auch Jack davon abgehalten, mehr direkteren Kontakt mit den anderen „Phantomen“ im Hub zu suchen.

Er würde mit Tosh sprechen. Aber zuerst würde Ianto dieses Wochenende genießen. Falls Jack es tatsächlich fertig brachte, zwei ganze Tage lang dem Hauptquartier Torchwoods fern zu bleiben. Zeit war immer ein Luxus für ihn gewesen. Jetzt schien er mehr davon zu haben, als er sich hätte je erträumen können. Und wenn der Tod Ianto eines gelehrt hatte, dann auch unerwartete Geschenke anzunehmen und zu genießen.

Ianto rollte sich näher an Jack, ließ seinen Kopf gegen den Oberarm des anderen Mannes  fallen und schloss die Augen. Wie immer war sein Schlaf vollkommen traumlos.


# # #


„So, wie war das romantische Wochenende?“, fragte Tosh lächelnd und gab Ianto einen sanften Stoß in die Seite. „Romantisch?“

„Es war kein romantisches Wochenende, es war ein freies Wochenende“, gab der Waliser lachend zurück. „Und das ist alles, was ich dazu sagen werde.“

„Spielverderber.“ Tosh ließ sich mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden nieder, der bereits von zahlreichen elektronischen Diagrammen, Zeichnungen und Notizen bedeckt war. Sie nutzte ihre neugewonnene Autarkie, um ihre Forschungen voran zu treiben. Das meiste davon ging ehrlich gesagt über Iantos Horizont.

Gwen hatte ihnen einen bisher ungenutzten Raum im Torchwood-Hauptquartier überlassen. Ungenutzt deshalb, weil er direkt unter dem Dach lag und nicht besonders groß war. Eher ein Lager als ein Büro. Aber ideal für ihre Zwecke. Und Jack hatte Gwen das Versprechen abgerungen, sie ungestört dort arbeiten zu lassen. Keine uneingeladenen Besuche. Bisher hielt sie sich sogar daran.

Ianto schob eine in ihre Bestandteile aufgelöste Computertastatur und ein Etui mit Feinwerkzeugen zur Seite, um sich wie Tosh mit untergeschlagenen Beinen neben sie zu setzen. „Ich würde gerne deine Meinung zu etwas hören.“

Tosh sah ihn an, offenbar erstaunt über seinen ernsten Tonfall. „Natürlich.“

Der Waliser zögerte einen Moment, dann krempelte er seinen Ärmel hoch und zeigte ihr seinen Unterarm. Ein blauer Fleck, ungefähr von der Größe und Form einer Himbeere hatte sich auf seiner Haut gebildet.

„Was ist passiert?“, fragte Tosh.

„Mir ist ein Buch auf den Boden gefallen. Als ich mich danach gebückt habe, bin ich an eine Kante angestoßen. Und später ist das hier aufgetaucht.“ Ianto zeichnete mit der Fingerspitze die Konturen der Prellung nach.

„Du kannst Owen fragen, wenn du ganz sicher sein willst, aber ich denke, du hast dir einen blauen Fleck zugezogen.“ Tosh strich eine Haarsträhne aus dem Gesicht zurück.

„Du weißt genau, wovon ich spreche.“ Ianto zog seinen Ärmel herunter. „Ich hatte noch nie einen blauen Fleck, nicht seit… meiner Wiedergeburt, oder wie immer ich das nennen soll.“

Ianto, das ist ein gutes Zeichen. Du wirst immer stabiler. Deine Moleküle sind nicht mehr in der Lage, sich zu trennen.“ Die Computerexpertin schüttelte den Kopf, den Blick auf eine Zeichnung gesenkt. „Ich beneide dich. Ja, ich bin dankbar dafür, am Leben zu sein. Aber wie sehr ich mir wünsche, wieder etwas spüren zu können. Berühren zu können. Zu gehen, ohne mich zu konzentrieren, um nicht im Boden zu versinken oder gar durch die Treppen zu fallen.“

„Du kannst mich spüren.“ Ianto legte die Hand auf Toshs Schulter. Er wusste, es war nur ein schwacher Trost.

Tosh sah ihn an. „Ich wollte damit nicht sagen...“, begann sie mit einem Lächeln und legte ihre Hand über Iantos.

Es fühlte sich an, als wäre ein Stromkreislauf geschlossen worden, aber der Kontakt war vollkommen schmerzfrei. Das goldene Schimmern wand sich um ihre Hände und rann über ihre Schulter, dann ihren Arm entlang, wo es in ihrer Haut zu versinken schien.

Beide beobachteten fasziniert das Schauspiel, bis Tosh schließlich ihre Hand zurück zog. Das Schimmern löste sich auf, hinterließ noch einen Moment lang ein vages Glitzern, wie im Sonnenlicht tanzende Staubkörner, dann erlosch es.

Ianto nahm seine Hand von Toshs Schulter. Er hielt sie einen Moment hoch und meinte dann, sein Tonfall halb entschuldigend, halb erklärend: „Ich hatte wirklich viel Körperkontakt mit Jack, dieses Wochenende...“

Die beiden Freunde sahen sich an und begannen dann zu lachen.

„Ich wette, er ist unheimlich stolz darauf, dich wortwörtlich zum Glühen zu bringen“, brachte Tosh schließlich nach Luft japsend heraus. „Die Reaktion muss auch für Jack neu sein.“

„Als brauche er auf dem Gebiet noch Bestätigung.“ Ianto schnitt eine Grimasse. „Gib mir deine Hände“, meinte er dann und umschloss Toshs Finger.

Das goldene Schimmern begann von neuem, wand sich nun ihre Arme hoch. Toshs Augen leuchteten golden auf, bevor sie sie schloss. Ein Ausdruck von Wonne zeigte sich in ihrem Gesicht und Ianto hörte sie tief einatmen.

Der Waliser selbst spürte von dem Kontakt nur ein leichtes Kribbeln. Am ehesten fühlte es sich so an, als würde er seine Hand langsam durch lauwarmes Wasser bewegen. Da war ein leichter Widerstand, ein Fließen…

Allmählich ließ das Schimmern nach und stoppte. Wie aus eigenem Antrieb öffneten sich Iantos Hände und er ließ sie auf seine Oberschenkel sinken. Tosh verharrte einen Moment reglos, dann verschränkte sie die Arme vor der Brust.

„Das war… neu“, meinte sie schließlich und schlug die Augen auf, die ein wenig glasig wirkten. Tosh blinzelte ein paar Mal als erwache sie aus einem tiefen, kurzen Schlummer.  „Wow. Das passiert immer, wenn Jack dich anfasst?“

„Meistens, ja.“ Ianto sah auf seine Hände als wären sie ihm plötzlich fremd.

Tosh zwinkerte. „Was denkst du, passiert wenn Jack mich direkt berühren würde? Nicht wie beim letzten Mal, als er mich sehen konnte, als du mich und ihn berührt hast? Denkst du, ich könnte so werden wie du?“

„Ich weiß es nicht.“ Ianto wandte sich ihr zu. „Ist Jacks Lebensenergie ansteckend?“

Tosh sah träumerisch auf die um sie herum ausgebreiteten Unterlagen. „Vielleicht ist genau das der Grund für seine Unsterblichkeit. Diese Energie. Energie stirbt nicht. Sie verändert nur ihre Form.“

„Wie erklärt das, was diese Energie mit mir macht?“, fragte Ianto leise. „Oder mit dir?“

Tosh schüttelte stumm den Kopf. Darauf wusste sie keine Antwort.


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„Woher kommt dieser plötzliche Sinneswandel?“ Gwen rührte ihren Kaffee um und sah Jack an, der offenbar völlig davon in Anspruch genommen wurde, das Etikett eines Energydrinks zu studieren, den er im Kühlschrank des Aufenthaltsraumes gefunden hatte.

Sie hatte ihm gerade erzählt, dass Anwen geholfen hatte, die Cupcakes zu dekorieren, die sie mit zur Arbeit gebracht hatte und den Zustand der Küche hinterher zu schildern, als Jack meinte, sie müssten darüber sprechen, was mit den Überresten ihres früheren Hauptquartiers geschehen sollte.

„Du bist seit Jahren hinter mir her, weil ich mich entscheiden soll.“ Jack fluchte, als er den Verschluss der Plastikflasche öffnete und das Getränk überschäumte, Hose und Schuhe durchnässte. Er stellte sie auf einem Tisch ab und sah an sich herunter.

Gwen stellte seufzend ihre Tasse ab und warf ihm eine Rolle Küchenpapier zu. „Hier. Genau, seit Jahren“, nahm sie den Gesprächsfaden wieder auf. „Und du wolltest nie etwas davon wissen.“

Jack rieb an den Flecken an seiner Hose und verteilte dabei Papierkrümel. „Ich war dort. Zusammen mit Ianto.“ Er trat zur Spüle, um sich die Hände zu waschen. „Ja, ich weiß, dass es gefährlich ist, sich in den Trümmern aufzuhalten, du kannst mir glauben, Ianto hat seine Meinung sehr deutlich gemacht.“

„Wieso wart ihr überhaupt dort?“, fragte Gwen. Sie lehnte sich neben Jack gegen einen Schrank.

„Ich wollte sehen, ob ich in mein Büro gelangen kann. In den Bunker.“ Jack gab den Energydrink auf und nahm eine Tasse aus dem Regal. „Er könnte intakt sein.“

„Oh, Jack. Daran habe ich gar nicht gedacht. Deine ganzen Sachen waren da ja drin.“ Gwen sah ihn an. „Du hast nie etwas gesagt.“

Jack goss Kaffee in seine Tasse. „Wir hatten genug damit zu tun, Torchwood wieder aufzubauen. Meine Vergangenheit hatte keinen Vorrang.“

„Und warum gerade jetzt? Was hat sich geändert?“

Ianto.“ Jack wandte sich ihr zu. „Lange Zeit dachte ich, es gibt für mich nur die Gegenwart, das Hier und Jetzt, aber keine Zukunft. Seit Ianto zurückgekommen ist, denke ich, dass es vielleicht auch für mich möglich ist, eine Zukunft zu haben. Vorher sollte ich aber einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen.“ Er ließ fast die Kaffeetasse fallen, als Gwen ihn abrupt umarmte.

„Verdammt, Jack. Willst du mich zum Weinen bringen.“ Sie drückte einen Kuss auf seine Wange und ließ ihn dann wieder los. „Wir brauchen Hilfe von UNIT, das ist dir klar, oder? Genauer gesagt, von ihrem Engineer Corps.“

„Ich wollte nicht vorschlagen, dass wir uns ein paar Schaufeln borgen und uns selbst darum kümmern“, meinte Jack trocken. „Ich war schon einmal in Zement begraben, das reicht mir vollkommen.“

„Idiot.“ Gwen knuffte ihn in den Arm. „Weißt du, was ich als erstes mache? Ich rufe unseren Kontakt bei der Stadtverwaltung an. Sie werden sich freuen, wenn die Absperrungen am Plas verschwinden. Hah. So viel dazu, dass Torchwood dem Tourismus schadet...“ Mit ihrer Tasse gestikulierend verließ Gwen den Raum.

Jack füllte seine Tasse nach, bevor er ihr folgte. Er vermisste wirklich die Zeiten, als Ianto sich noch um solche Dinge kümmerte.



Ende (tbc)