Titel: Dai allein zu Haus‘

Autor: Lady Charena (Januar 2018)

Fandom: Torchwood 50 Ways

Episode: Season 2

Wörter: 1788

Charaktere: Dai (OMCat), Jack Harkness, Ianto Jones

Pairing: Jack/Ianto

Rating: A/R, pg

Beta: T‘Len



Summe: Jack und Ianto fahren zu einer Konferenz nach London und Dai hat die Wohnung für sich alleine.



Vorgängerstorys: „Der Konkurrent“, „Ein Abend zu Dritt“, „Dating Mr. Jones… and his Cat“ (Storysammlung Weihnachten mit der Familie), „Cat-Napped?“, „Frühstück mit Katze“,  „Good Morning, Sunshine“, „Der Ring“ und „It‘s a big big world“.



Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.











„Du wirst doch wohl nicht immer noch beleidigt sein.“ Ianto seufzte, als Dai ungnädig den Kopf weg zog.



Er hätte schwören können, dass der Kater sehr wohl wusste, was vor sich ging.



„Es sind doch nur zwei Tage, du wirst gar nicht merken, dass wir weg waren.“



Großartig, jetzt rechtfertigte er sich schon vor seinem Haustier.



„Sonntagabend sind wir wieder da.“



Am Freitag fand eine Konferenz mit UNIT in London statt und Jack hatte beschlossen, dass sie sich ein freies Wochenende im Anschluss gönnen konnten. Inklusive Übernachtungen in einem Luxushotel mit Spa, Eintrittskarten für eine Filmpremiere und einer Einladung zu einem romantischen Abendessen.



Wie hätte er da nein sagen können? Zumal Jack bereits Gwens und Toshs Unterstützung gesichert hatten und selbst Owen grummelnd meinte, sie würden es auch mal ein Wochenende lang ohne sie schaffen. Um sich anschließend bitter darüber zu beschweren, wie er es aushalten sollte, dass ihm niemand halbstündlich Kaffee servieren würde.



Er seufzte noch einmal, hob dann den Kater aus der Reisetasche, die er gerade packen wollte und setzte ihn auf den Boden. „Keine Sorge, du wirst nicht verhungern. Tosh hat versprochen, nach dir zu sehen. Du magst Tosh.“



Dai grollte, schüttelte sich und marschierte steifbeinig ins Wohnzimmer.



„Besten Dank für das Gespräch“, murmelte Ianto und wischte Katzenhaare aus der Tasche.



Im Wohnzimmer saß Jack auf der Couch, einen Laptop vor sich aufgeklappt, um seine Reservierungen nochmals zu prüfen, die gepackte Reisetasche neben sich auf dem Boden.



Dai tauchte unter dem Couchtisch durch und schnupperte vorsichtig an der Tasche mit den abgestoßenen Kanten. Das alte Leder roch nach unbekannten Dingen und ein paar davon ließen Dais Fell zu Berge stehen. Mit einem warnenden Fauchen, ohne damit ein Reaktion von Jack zu bewirken, wand sich Dai darum herum und wandte sich – nachdem er Jack, zweifellos der Verursacher dieser Sache, einen misstrauischen Blick zugeworfen hatte – in die Küche, um seinen Futternapf zu inspizieren.



Die Enttäuschungen nahmen wirklich kein Ende. Nicht ein Krümel Futter im Napf! Dai machte einen Satz auf die Fensterbank und ließ sich gekränkt auf seinem Kissen nieder.





# # #





„Nein, kein Problem, Gwen. Ich bin nicht in Eile. Wir nehmen heute Abend den Zug nach London, ich habe keine Lust im Stau zu stehen, weil ausgerechnet heute irgendwo ein Unfall passiert. Du weißt, wie Jack ist, wenn er anfängt sich zu langweilen.“ Ianto lachte, als Gwen fragte, ob Jack sich im Zug nicht langweilen würde. „Er hat mir versprochen, sich zu benehmen, wenn wir in der Öffentlichkeit sind. Und wenn er nicht will, dass ich vorzeitig abreise, hält er sich besser daran.“ Er wechselte das Handy ans andere Ohr, während er auf Gwens Antwort lauschte, griff mit der nun freien Hand nach der Tasche mit seinem Waschzeug. „Natürlich kannst du nach Dai sehen, wenn du willst.“ Iantos Stimme – anders als sein Gesichtsausdruck – verriet nicht, dass ihm die Idee weniger gefiel.



Nicht, dass er Gwen nicht vertraute… aber er kannte ihre Schwächen. Sie würde sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, sich seine Wohnung ganz gründlich anzusehen. Vor allem da sie vor einer Weile mitbekommen hatte, dass Jack zwar nicht bei ihm eingezogen war – nun, nicht wirklich und nicht offiziell, sondern nur so ein bisschen – aber doch sehr viel Zeit hier verbrachte.



„Du kannst dich ja mit Tosh abstimmen. Sie will auch nach Dai sehen.“ Ianto verließ das Badezimmer. „Falls zu viel zu tun sein sollte, mach dir keine Gedanken, es sind ja nicht mal zwei Tage, die übersteht Dai schon. Und lasst euch auf keinen Fall von seiner Bettelei um Futter erweichen. Er bekommt genau so viel wie er braucht über den Futterautomat. Dai wird langsam fett.“ Ianto schüttelte den Kopf, als Gwen protestierte. „Das ist die traurige Wahrheit. Er ist einfach ein reiner Stubentiger. Ja, ich sage Jack, dass er dich anrufen soll. Bevor wir losfahren. Ja, werden wir haben. Danke, Gwen. Bye.“ Er schob das Handy in die Tasche seiner Jeans, als er die Verbindung beendete.



Der Waliser trat zum Bett, auf dem er seine Tasche zum Packen abgestellt hatte. „Dai!?!“



Iantos strenge Stimme ließ den sich wohlig über die auf dem Bett ausgebreitete Kleidung wälzenden Kater wie mit der Nadel gestochen auffahren und sein Glück unter dem Bett suchen.



„Du... von allen... Ungezogenheiten“, schimpfte Ianto, sich die Bescherung ansehend. „Wage es ja nicht, du... du...“



„Kater?“, schlug Jack vor, der in der Tür stand und vergeblich versuchte, ein breites Grinsen zu verbergen.



„Er hat alles vollgehaart. Ich verstehe nicht, wo all die Katzenhaare herkommen? Sammelt er sie heimlich irgendwo für eine günstige Gelegenheit?“ Unglücklich hob Ianto sein Jackett hoch und schüttelte es vorsichtig. Er hatte es gerade in die spezielle Anzugtasche packen wollen, die er für solche Gelegenheiten gekauft hatte, als das Handy klingelte. Ein paar Härchen segelten davon, der Rest klebte hartnäckig fest. „Ich brauche Stunden, um das alles zu entfernen. Und am Ende gibt es noch Falten.“



„Pack einfach einen anderen Anzug ein“, schlug Jack vor. „Du hast genug. Und der da war ohnehin nicht mein Lieblingsanzug.“



Ianto warf ihm einen Blick über die Schulter zu. „Es ist ein Geschäftsanzug. Wir sind geschäftlich in London“, stellte er klar.



„Aber auch privat.“ Jack trat neben ihn. „Und egal was du trägst, sie werden mich alle beneiden.“



„Wenn ich in einer dieser UNIT-Uniformen stecken würde, müsste ich mich auch beneiden.“ Der Waliser schüttelte den Kopf. „Und wenn ich paranoid wäre, würde ich denken, du hast Dai zu diesem Unfug angestiftet.“ Er wandte sich ab, ging zum Kleiderschrank, der offen stand und musterte mit einem Stirnrunzeln seine Garderobe.



Jack schnaubte amüsiert. „Als ob er auf mich hört.“ Er sah zu Boden, wo die Spitze eines Katzenschwanzes zu sehen war und grinste. Dann folgte er Ianto, stellte sich hinter seinen Geliebten und griff um ihm herum nach dem Ärmel eines Nadelstreifen-Jacketts. „Mir gefällt der hier viel besser.“



„Ich weiß. Aber der ist zu auffällig für das Meeting – ich bin schließlich nur als dein Assistent dort – und nicht elegant genug für ein schickes Restaurant.“ Ianto schob Jacks Hand weg und wählte einen schlichten, anthrazitfarbenen Anzug aus, der für das Meeting mit UNIT geeigneter war. Jetzt musste er nur noch die passende Krawatte dazu finden.



Jack lachte und küsste ihn in den Nacken. „Du kennst meine Meinung.“



„Ja. Dein Lieblingsanzug ist der, in dem ich geboren wurde. Das würde nun wirklich die Konferenz sprengen.“ Ianto warf ihm einen Blick über die Schulter zu. „Lass mich zu Ende packen und dann koche ich uns noch etwas zu essen. Ich habe keine Lust auf eines dieser labbrigen Sandwiches, die man im Zug kaufen kann, nur weil du auf der Fahrt plötzlich Hunger bekommst.“



Jack grinste. „Wir fahren nach London, nicht in die äußere Mongolei. Ich bin sicher, wir können auch im Hotel essen.“



„Das kannst du machen.“ Ianto wandte sich wieder dem Schrank zu und zog den Krawattenhalter vor, um seine Wahl zu treffen. „Ich will unbedingt gleich das Spa testen. Hast du die Bilder im Internet gesehen? Wie groß allein der Salzwasser-Pool ist?“



„Okay, ich habe verstanden. Du packst - ich sehe, was ich in der Küche anrichten kann.“ Jack gab Ianto einen Klaps auf den Hintern und machte sich auf den Weg zur Tür.



„Hey! Ich bin kein Pferd“, empörte sich Ianto im Scherz. „Und versuch kein Chaos anzurichten.   Sonst verbringst du die Zeit bis zur Abfahrt damit, meine Küche zu putzen.“



Der Waliser war mit der Auswahl seiner Garderobe beschäftigt, daher sah er nicht den Schatten, der unter dem Bett hervor schlich, um Jack in die Küche zu folgen. Vielleicht fiel ja doch der eine oder andere Krümel für einen hungrigen Kater ab.





# # #



Ein paar Stunden später verabschiedete sich Ianto liebevoll von seinem Haustier, nahm sein Gepäck und dann fiel die Tür hinter ihm und Jack ins Schloss.



Dai setzte sich mitten in den nun dunklen Flur, den Schwanz elegant um die Hinterläufe geringelt und wartete.



Sicher würden die beiden gleich zurück sein und sich um die wirklich wichtigen Dinge kümmern. Sprich: Um ihn.



Zeit verging, doch die Tür öffnete sich nicht wieder.



Schließlich gab Dai das Katzen-Äquivalent eines Schulterzuckens von sich, streckte sich und stakste beleidigt ins Wohnzimmer, um auf der Couch ein Schläfchen zu halten.



Als Dai erwachte, schien die Sonne durch das Fenster. Er streckte sich ausgiebig und putzte sich erst einmal gründlich. Kein Geräusch in der Wohnung deutete darauf hin, dass Ianto zurück gekommen war.



Morgentoilette beendet, machte sich Dai auf in die Küche. Eine gründliche Überprüfung seines Futternapfs ergab, dass kein Frühstück auf ihn wartete. Er trank ein paar Schlucke Wasser aus dem anderen Napf und schlenderte dann durch die Wohnung.



Dai jagte ein paar Mal übers Bett, hinterließ schwache Abdrücke seiner Pfoten auf dem glattgezogenen Bettzeug. Iantos Kissen wurde daraufhin zu einer kleinen Pause benutzt.



Im Wohnzimmer fegte er zwei Kissen und die Fernbedienung von der Couch. Unter dem Couchtisch fand er noch Spuren des Geruchs, der von Jacks Tasche ausgeströmt war, und natürlich roch er Jack selbst. Der Kater nieste. Hinter dem Sofa, dicht bei der Wand hatte Dai eine seiner erbeuteten Socken versteckt. Er kaute eine Weile darauf herum, bis es ihm zu langweilig wurde und er sich unter dem Möbel hervor quetschte.



Das Badezimmer gehörte nicht zu Dais Lieblingsräumen. Als kleiner Kater war er einmal in die gefüllte Wanne gefallen, als Ianto gerade ein Bad einließ und Dai übermütig auf den Rand der Wanne sprang, wo er wegen der glatten Oberfläche den Halt und das Gleichgewicht verlor. Ianto hatte ihn sofort aus dem Wasser gefischt, doch sein Misstrauen war geblieben.



Und dann sah Dai das Ende der Toilettenpapierrolle, das sich weiter abgerollt hatte und nun bis auf den Boden reichte. Todesmutig stürzte sich Dai in den Kampf mit der großen, weißen Schlange.



Toilettenpapierschnipsel rieselten wie missgebildete Schneeflocken durch die Luft.



Als einige Zeit später Tosh und Gwen die Wohnung betraten, schlief der Übeltäter mit vollem Magen selig im Bett seiner Menschen, quer über Jacks Kissen ausgestreckt.



Das Sprichwort mochte zwar besagen, dass die Mäuse auf den Tischen tanzten, wenn die Katze aus dem Haus war – aber die Katze allein im Haus hatte auch so ihren Spaß…





Ende