Titel: Von Schmetterling bis Schwester
Autor: Lady Charena (Februar 2017)
Fandom: Torchwood 50 Ways
Episode: Season 2
Wörter: 1677
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness, Moses, Curry (OMKitten), Devi (OFC)
Pairing: Jack/Ianto
Rating: A/R, pg, slash
Beta: T‘Len

Summe: Devi und Ianto trinken zusammen Kaffee.

Frühere Storys der Moses-Curry-und-Devi Reihe:  „Die Beobachterin“, „Lauscher an der Wand“ (Adventskalenderstory 2012 / Türchen 4), „Der Ausreißer“, „The Cat Who Came to Dinner“, „Ein Geschenk auf vier Pfoten“ (Storysammlung: Weihnachten mit der Familie), „Catsitting“, „Der Kater im Haus“ und „Weihnachten ist für die Katz“.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



„Wirklich? Direkt vor meine Füße? Musste das sein? In deinem Alter solltest du es doch besser wissen.“

Devi, gerade dabei, die Balkontür zu öffnen, stoppte. War das nicht Ianto? Er klang aufgebracht. Sie trat nach draußen und sah zu ihren Nachbarn hinüber.

„Kuck mich nicht so an. Erwartest du vielleicht eine Medaille dafür, dass du meine Füße verschont hast?“, driftete es zu ihr herüber.

Ianto?“

Ihr Nachbar schien damit beschäftigt, den Boden sauber zu machen. Er hielt ein Kehrset in den Händen, als er sich zu ihr umdrehte. „Hallo, Devi.“

„Ist alles okay? Wen zankst du denn gerade aus?“ Sie lehnte sich leicht über die Balkonbrüstung, die Arme aufgestützt. Und sah gerade noch das Hinterteil einer Katze in die Wohnung verschwinden.

„Oh. Du hast mich gehört?“ Ianto stellte Schaufel und Besen beiseite.

„Nur ein paar Worte.“

„Moses hat einen Schmetterling gefressen, der sich auf unseren Balkon verirrt hat“, erklärte Ianto. „Und entweder hat er ihm nicht geschmeckt oder er hat sich daran verschluckt, auf jeden Fall hat er ihn mir vor die Füße gespuckt. Zusammen mit allem was sich sonst noch so in seinem Magen befunden hat.“

„Nun, zumindest hat er sich nicht den Teppich dazu ausgesucht.“ Devi verkniff sich ein Lachen.

„Stimmt. Kleine Gnaden.“ Ianto lehnte sich ebenfalls gegen die Balkonbrüstung.

„Machst du Frühjahrsputz?“ fragte Devi amüsiert, auf den Staublappen deutend, der in Iantos Gürtel steckte.

Ianto schnitt eine Grimasse. „Schlimmer. Meine Schwester kommt zu Besuch.“

„Und sie ist ein großer Sauberkeitsfan?“

„Wenn es so einfach wäre.“ Er seufzte. „Hast du Lust auf einen Kaffee? Ich brauche jetzt unbedingt eine kleine Aufmunterung.“

„Immer. Ich bin in fünf Minuten bei dir.“

„Bring Curry mit. Er kann Moses aufmuntern. Ich glaube, der Schmetterling ist ihm nicht gut bekommen“, rief Ianto ihr nach.

Ein paar Minuten später saßen Devi und Ianto am Küchentisch, während sich die beiden Kater - nach dem erfolgreichen Erbetteln mehrerer Katzenleckerlis - auf der Suche nach einem sonnigen, ruhigen Plätzchen ins Wohnzimmer trollten.

Vielleicht war es ja weniger der Schmetterling, als der Geruch nach Putzmitteln, der Moses auf den Magen geschlagen war. Selbst der Kaffeeduft kam nicht ganz dagegen an.

Devi lehnte sich zurück. „Ich sollte dich engagieren, meine Küche zu putzen“, meinte sie mit einem Lächeln. „Hier sieht es aus wie in einem Möbelprospekt.“

Ianto - inzwischen ohne Staublappen im Gürtel - kämmte sich mit den Fingern durch die Haare. „Putzen beruhigt.“ Er verzog das Gesicht. „Das klingt wie die Überschrift in einer dieser Zeitschriften, die man im Wartezimmer beim Zahnarzt liest. Außerdem stimmt es in diesem Fall nicht.“

„Verstehst du dich mit deiner Schwester nicht besonders? Es ist nicht immer einfach, mit seinen Geschwistern auszukommen.“

„Wir hatten wenig Kontakt in den letzten Jahren. Während ich in London arbeitete, eigentlich keinen, außer der obligatorischen Weihnachtskarte. Und als ich nach Wales zurückkam...“ Ianto seufzte. „...sagen wir so, es ging zu viel in meinem Leben vor sich, als dass ich an erste Stelle daran interessiert war, mich wieder mit meiner Schwester zu befassen. Sie hat sich übrigens auch nicht bei mir gemeldet.“

„Und das hat sich jetzt geändert?“ Devi rührte langsam in ihrer Tasse.

„Wir sind ihr zufällig beim Essen in einem Restaurant begegnet. Sie war mit Freunden dort, nur deshalb bin ich einem sofortigen Kreuzverhör entgangen.“ Iantos Miene verdüsterte sich bei der Erinnerung.

„Wir? Als in du und Jack?“ Devi spitzte den Mund. „Oh, ich verstehe. Sie kennt Jack noch nicht?“

„Sie wusste nichts von Jack. Und sie wusste nicht, dass ich mit einem Mann zusammen bin. Das Thema kam bisher nicht wirklich zur Sprache. Ich habe mal erwähnt, dass es jemanden gibt, aber das es nichts ernstes ist.“ Ianto seufzte erneut, rieb sich übers Gesicht. „Sie hat Jack einmal gesehen, als er mich bei ihr absetzte und später abholte, weil mein Wagen zur Reparatur war.“

„Was hast du ihr damals gesagt, wer er ist?“ Devi hob die Schulter. „Nun, ich hätte gefragt.“

„Mein Boss. Mit dem ich befreundet bin. Und das er mich netterweise gefahren hat, weil mein Auto kaputt ist.“

„Dann sag ihr doch einfach, es war ein Abendessen unter Freunden.“

„Es war ein romantisches Dinner, Devi. Sehr romantisch. Eine Art verspätetes Valentinstagdinner.“ Ianto wurde ein wenig rot und griff nach seiner Tasse. „Sie muss uns eine ganze Weile beobachtet haben, bevor ich es bemerkt habe. Jack wollte sie natürlich an unseren Tisch einladen.“

„Du nicht?“, vermutete Devi.

„Ich habe mir ein Mauseloch gewünscht, in das ich verschwinden könnte“, gab Ianto zu. „Das war nicht unbedingt, wie ich meiner Schwester... sagen wollte, dass ich wieder in einer festen Beziehung lebe. Und das mit einem Mann.“

„Hat sie denn etwas gesagt?“

„Nur, dass sie sich bei mir melden wird, dann kamen ihren Freunde nachsehen, wo sie blieb, sie wollten wohl gerade gehen.“

„Das hat die Stimmung etwas gedämpft, vermute ich?“

„Welche Stimmung?“, erwiderte Ianto trocken. „Etwas, ja, könnte man so sagen. Gestern hat sie mir eine SMS geschickt, ob ich heute Nachmittag Zeit habe und Jack hat mir freigegeben. Er hat angeboten, mit zu kommen, aber ich dachte, das sollte ich alleine hinter mich bringen.“

„Du triffst nur deine Schwester, du gehst nicht zu deiner Hinrichtung“, neckte Devi ihn.

„Danke. Das hat Jack auch gesagt. Darf ich dich um einen Gefallen bitten?“ Ianto sah sie an. „Es gibt nämlich noch einen zweiten Grund für diese Putzorgie. Rhi ist allergisch gegen Katzen. Nur in einer milden Form, aber ich habe im Internet gelesen, dass es hilft, so viele Katzenhaare wie möglich zu entfernen. Aber es ist vielleicht trotzdem besser, wenn Moses zumindest während ihres Besuches Abstand hält. Wenn du ihn für ein paar Stunden mit zu dir nehmen könntest, wäre das toll.“

„Das ist kein Problem. Solange du mich nicht als Schlichter engagieren willst.“ Sie lachte.

„Das sollte nicht nötig sein, wir sind zwei Erwachsene. Schick ihn einfach raus, bevor du zur Arbeit gehst, dann findet er schon alleine den Weg nach Hause.“

„Was meint Jack eigentlich dazu?“, fragte Devi. „Es geht ihn ja auch etwas an.“

„Er hat gesagt, er überlässt mir die Entscheidung, was ich meiner Schwester über uns sage. Aber...“ Ianto hob die Schultern. „Vielleicht ist es an der Zeit. Ich könnte morgen von einem Bus überfahren werden und ohne diesen Zufall hätte Rhi nie erfahren, dass ich nicht einsam und alleine gestorben bin, sondern dass es jemanden gibt, der mich liebt. Den ich liebe.“

„Wenn du es ihr genauso sagst, sollte sie kein Problem haben, dich zu verstehen.“ Devi leerte ihre Tasse. „Ich will auf jeden Fall wissen, wie es ausgegangen ist.“ Zeit, sich an die Arbeit zu machen. Ihre eigene Küche rief.

„Wir sehen uns bald auf einen weiteren Kaffee.“ Ianto sah nach unten, wo Moses sich an seinem Knöchel rieb. „Und sieh dir an, wer hier ist. Hast du wieder Schmetterlinge massakriert?“

Devi lachte und hob Curry hoch, der natürlich Moses auf dem Fuße gefolgt war. „Nun, zumindest musst du dir keine Sorgen machen, dass er von ihnen dick wird.“

Ianto stellte die leeren Tassen in die Spülmaschine. „Der Zug ist abgefahren“, meinte er trocken.

Moses schien verstanden zu haben, dass er Curry besuchen ging, er folgte Devi – nachdem sie ihm einen Katzensnack zugesteckt hatte – direkt zur Wohnungstür und ins Treppenhaus.


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„Ist die Luft rein?“, rief Jack, als er die Tür öffnete.

Hinter ihm folgte Moses, den Schwanz erwartungsvoll aufgerichtet, nicht wegen Jack, sondern wegen den verführerischen Düften, die aus der Tüte aufstiegen, die Jack im Arm trug.

„Ich habe chinesisches Essen mitgebracht. Und einen Streuner.“ Während er Schuhe und Mantel ablegte, ließ der Kater Jack nicht aus den Augen.

Ianto trat aus der Küche. „Rhi ist längst Zuhause und kümmert sich um ihre Familie. Ich bin am Verhungern.“ Er nahm Jack die Tüte ab und sah hinein. „Ich war fast so weit, mich an den Schmetterlingen zu vergreifen.“

Jack sah ihn verblüfft an. „An den was?“

„Vergiss es. Das ist eine Sache zwischen mir und Moses.“ Er wechselte einen Blick mit dem Kater, der inzwischen vor seinen Füßen saß und offenbar versuchte, die Tüte durch Hypnose zu bewegen, ihren Inhalt in seinen Magen zu befördern.

„Du hast mit meinem Kater Geheimnisse vor mir?“ Jack zog die Augenbrauen hoch und schlang den Arm um Iantos Schultern, ihn in Richtung Küche bugsierend. „Ich bin nicht sicher, ob mir das gefällt. Wieso essen wir nicht zuerst und du erzählst mir von deiner Schwester.“

„Oh, das ist nicht nötig.“ Ianto stellte das Essen auf den bereits gedeckten Küchentisch. „Du wirst sie sehr bald selbst kennenlernen. Sie will uns beide treffen. Aber nicht hier. Zu viele Katzenhaare.“ Er öffnete einen der Pappkartons.

„Warte einen Moment.“ Jack nahm den Karton aus seinen Händen und stellte ihn auf den Tisch. „Heißt das, sie hat kein Problem mit uns?“

„Sie will dich erst kennenlernen, bevor sie entscheidet, ob du gut genug für ihren kleinen Bruder bist“, entgegnete Ianto mit einem Lächeln.

Jack trat näher zu ihm, legte die Arme um den Nacken des Walisers. „Ich werde mir die allergrößte Mühe geben, sie gebührend zu beeindrucken.“

„Ich bin erwachsen, Jack, ich brauche nicht Rhis Erlaubnis.“ Ianto küsste seinen Partner und wand sich dann aus seinem Griff. „Oder vielleicht überlege ich mir das noch einmal, wenn das Essen noch kälter wird.“

Jack zog sich einen Stuhl her und setzte sich, während Ianto bereits seinen Teller füllte. „Nachdem wir das geklärt hätten, was war das mit Schmetterlingen?“, fragte er.

Unter dem Küchentisch maunzte Moses vorwurfsvoll.



Ende