Titel: It‘s a big big world
Autor: Lady Charena (März 2017)
Fandom: Torchwood 50 Ways
Episode: Season 2
Wörter:3861
Charaktere: Dai (OMCat), Jack Harkness, Ianto Jones, andere erwähnt
Pairing: Jack/Ianto
Rating: A/R, pg12
Beta: T‘Len

Summe: Weshalb man nie mit einem Artefakt hantieren sollte, wenn man müde ist...

Vorgängerstorys: „Der Konkurrent“, „Ein Abend zu Dritt“, „Dating Mr. Jones… and his Cat“ (Storysammlung Weihnachten mit der Familie), „Cat-Napped?“, „Frühstück mit Katze“,  „Good Morning, Sunshine“ und „Der Ring“.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



Für das Entstehen dieser Story trägt allerdings nicht Übermüdung die Verantwortung, sondern eine Episode der Serie „Bezaubernde Jeannie“, die ich kürzlich gesehen habe.



„Willst du den wirklich mit in die Wohnung nehmen?“, fragte Ianto skeptisch, als Jack den rot lackierten Containment-Behälter aus dem Kofferraum seines Wagens holte.

„Die Sensoren sagen, es ist inaktiv. Keinerlei Energieabstrahlung, also harmlos.“ Jack prüfte, ob das Schloss an der Abdeckung unter der sich ihre Ausrüstung befand, eingerastet war und sah dann den jungen Waliser an. „Ich will nur vermeiden, dass wir vergessen, ihn mit in den Hub zu nehmen, wenn Owen uns mit dem Rover von hier abholt.“ Er schloss die Kofferraumklappe. „Ich bin hungrig. Bestellen wir Pizza?“

„Zum Frühstück?“ Der jüngere Mann sah auf seine Armbanduhr. Kurz nach fünf. „Außerdem glaube ich nicht, dass jetzt schon jemand liefert. Keine Sorge, du musst nicht verhungern. Ich mache dir eines meiner berühmten Omelette – das schaffe ich sogar im Halbschlaf.“ Ianto hielt ihm die Tür auf. „Ich kann es kaum erwarten, endlich unter die Dusche zu kommen.“

„Willst du Gesellschaft?“ Jack warf ihm einen Blick und ein Grinsen über die Schulter zu. „Ein bisschen Hilfe beim Rückenwaschen? Ich bin gerne hilfreich.“

„Ich weiß.“ Ianto folgte ihm die Treppe hoch. „Wie hungrig bist du? Ich glaube nicht, dass ich genug Energie habe, mit dir zu duschen und dich dann noch zu füttern.“

Es war eine schwere Entscheidung, aber schließlich gewann Jacks knurrender Magen ganz knapp. Sie hatten fast die ganze Nacht durchgearbeitet und sich damit einen freien Vormittag reichlichst verdient. Er würde sehen, wie Ianto es mit Mittagessen im Bett hielt. Und damit meinte er garantiert nicht Omeletts...

Dai begrüßte Ianto als käme er eben von einer sechswöchigen Safari zurück. Jacks Begrüßung fiel weniger enthusiastisch aus. Eher ein kühles Nicken und ein „Auch wieder da“ - so kam es zumindest rüber.

Während Jack den Behälter abstellte, den Mantel und seine schmutzigen Schuhe auszog, sonnte sich Dai sichtlich in der Aufmerksamkeit seines menschlichen Mitbewohners. Es war ja geradezu peinlich, wie Dai anbiedernd schnurrend um Iantos Knöchel strich, bis der Waliser ihn hochhob und dafür lobte, was für ein braver Kater er doch gewesen sei. Definitiv ein Glücksfall, dass Jack keine Eifersucht kannte.

Ianto ging ins Schlafzimmer, um sich umzuziehen – gefolgt von Dai, der offenbar sicherstellen wollte, dass sein Mensch nicht einfach wieder verschwand. Jack sah ihm mit einem Lächeln nach, bevor er im Wohnzimmer den Fernseher einschaltete, um die Frühnachrichten zu sehen. Die waren bereits vorbei, also schaltete er das Gerät wieder ab – Tosh würde ohnehin im Internet prüfen, ob irgendetwas von Torchwoods Aktivitäten unerwünschte Aufmerksamkeit erregte oder es sonst etwas gab, das für sie von Interesse sein könnte.

Jack schlenderte in die Küche. Er angelte mit einem Gähnen einen Milchkarton aus dem Kühlschrank und nahm einen großen Schluck. Schmeckte irgendwie anders als sonst... Vielleicht nicht mehr die frischeste... Er wollte gerade einen Blick aufs Verfallsdatum werfen, als ihn Dai ablenkte, der sich zu seinen Füßen lautstark beschwerte.

„Okay, okay, gedulde dich noch einen Moment.“ Jack sah den Kater an, der ungerührt zurück starrte. „Ianto gibt dir sicher gleich dein Frühstück.“

„Er hat jeden Grund, sich zu beschweren“, kam es trocken von Ianto, der zu ihm trat und ihm die Milchpackung aus der Hand nahm. „Du trinkst ihm immerhin gerade seine Milch weg. Das ist Katzenmilch“, setzte er hinzu, als Jack ihn verständnislos ansah und drehte die Packung so, dass die Zeichnung einer zufrieden dreinblickenden Katze mit Milchbart zu sehen war, die sich auf der Vorderseite befand.

„Ist das Milch mit extra Mäusen?“, fragte Jack. „Das würde den pelzigen Belag auf meiner Zunge erklären.“ Er streckte die Zunge heraus, um seine Worte zu unterstreichen. „Oder ist das die Milch von Mäusen?““

„Komiker.“ Ianto goss ein wenig der Milch in Dais Schüssel und der Kater machte sich darüber her, ab und zu misstrauische Blicke in Jacks Richtung werfend. Wenn es um das Füllen seines Magens ging, verstand Dai absolut keinen Spaß.

Ianto räumte kopfschüttelnd die Katzenmilch zurück in den Kühlschrank und nahm dafür Eier, Butter und ein Stück Käse heraus. Sah so aus, als könnten auch Jack ein paar Stunden Schlaf nicht schaden…

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Jack hatte sein Omelette mit Käse und Tomaten bekommen. Dai hatte sich nützlich gemacht, die leeren Eierschalen innen gründlich ausgeleckt und ein paar zu Boden gefallene Käsekrümel vertilgt. Ianto spülte den letzten Bissen gebutterten Toast mit dem Rest seines Kaffees hinunter und stellte mit einem zufriedenen Seufzen die leeren Teller in die Spülmaschine. Wie so oft hatte Jack die richtige Idee gehabt, das war besser als mit leerem Magen ins Bett zu gehen.

„Ich gehe noch rasch unter die Dusche“, verkündete der Waliser. „Kann ich euch beide so lange alleine lassen ohne das es zu weiteren Missverständnissen kommt?“

„Ich räume auf.“ Jack schob seinen Stuhl zurück und klemmte um ein Haar Dais Schwanz ein. Er hatte nicht bemerkt, dass sich der Kater hinter ihm befand.

Dai quittierte das Versehen mit einem wütenden Fauchen und brachte sich hastig auf der Fensterbank in Sicherheit, wo er sich in sein Kissen kuschelte und mit angelegten Ohren böse Blicke in Jacks Richtung schickte.

Ianto wandte sich mit einem leisen Seufzen, aber ansonsten kommentarlos, ab und ging duschen. Die beiden würden sich in den nächsten zehn Minuten schon nicht gegenseitig umbringen.

„Nur damit das klar ist, das war keine Absicht“, teilte Jack dem Kater mit und machte sich daran, Tassen in die Spülmaschine zu räumen und den Herd abzuwischen.

Weder Mensch noch Tier bemerkten, dass der rote Containment-Behälter im Flur angefangen hatte, zu vibrieren.

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Ein vage vertrautes Geräusch riss Jack aus dem Schlaf. Es war dunkel, als er die Augen öffnete und es dauerte einen Moment, bevor ihm einfiel, dass Ianto spezielle Jalousien hatte, um sein Schlafzimmer auch tagsüber zu verdunkeln. Da war das Geräusch wieder und das Bett schien mit ihm zu vibrieren. Ein Gewitter?

Jack setzte sich auf und spürte überrascht, wie er tiefer in die Matratze sank. Seit wann war Iantos Bett so weich? Bevor er sich weiter darüber wundern konnte, blinkten neben ihm zwei grüne Lichter auf. Das Grollen ertönte wieder und brachte das Bett unter ihm zum Vibrieren.

Was ging hier vor sich? Jack tastete nach dem Schalter der Nachttischlampe, von der er wusste, dass sie zu seiner Rechten sein musste – und griff ins Leere. Um ihn herum befanden sich nur… Kissen? Es fühlte sich nach Kissen an, aber Jack war sich sicher, dass sich nur zwei im Bett befunden hatten, als er eingeschlafen war. Die grünen Lichter entfernten sich von ihm und verschwanden plötzlich, begleitet von einem dumpfen Aufschlag, als wäre etwas Schweres auf den Boden gefallen.

Jack machte sich daran, nach Ianto zu tasten. Der junge Waliser hatte direkt neben ihm gelegen, nahe genug für einen ausgiebigen Gute-Nacht-Kuss… oder mehrere… doch jetzt schien er sich von ihm entfernt zu haben. Und irgendetwas stimmte mit dem Bett nicht. Er sank viel zu tief ein, so als ob er auf einem gigantischen Kissen saß.

Ein gigantisches Kissen? Jack fuhr mit den Handflächen über die Oberfläche auf der er saß. Kühle, glatte Baumwolle. Wie der Bezug seines Kopfkissens. Es roch leicht nach Schweiß, nach Ianto und möglicherweise nach Katze, da Dai gerne darauf schlief.

Hmh. Musste ein Traum sein. Ein wirklich interessanter Traum. Er konnte ihn ebenso gut genießen.

Jack stand auf und schaffte es, die Balance zu halten, obwohl er bis über die Knöchel einsank. Er bewegte sich langsam vorwärts – es hatte etwas von dem Versuch, durch hohen Schnee zu stapfen – als er plötzlich ins Leere trat. Jack fiel vorwärts und landete mit dem Gesicht voraus auf einer weiteren, glücklicherweise ebenfalls weichen Oberfläche.

Er rappelte sich hoch und tastete sich weiter vorwärts. Nach einigen weiteren Schritten stieß er gegen eine Art weichen Berg. Musste noch eines dieser gigantischen Kissen sein. Diese Traum war weitaus weniger interessant, als er am Anfang gedacht hatte. Jack fand Halt und zog sich hoch.

„Aua! Was zum… Jack?“

Hey, er hatte Ianto gefunden. Vielleicht wurde dieser Traum jetzt unterhaltsamer! Seine Hand berührte den Arm des anderen Mannes. „Ianto?“

„Wer sonst?“, grummelte der Waliser. „War sonst noch jemand in diesem Bett? Wieso hast du mich getreten?“

„Das war keine Absicht“, versicherte ihm Jack. „Es ist zu dunkel, um zu sehen, wohin ich laufe.“

„Will ich wissen, warum du nicht schläfst?“, fragte Ianto mit einem Seufzen. „Was ist mit meinem Bett passiert?“

„Oh, mach dir darüber keine Gedanken“, verkündete Jack fröhlich. „Es ist nur ein Traum.“

„Ein Traum?“, wiederholte Ianto. „Was soll das heißen?“

„Nun, ich träume und du kommst darin vor.“ Jacks Hand ging auf Wanderschaft über Iantos Brustkorb. „Obwohl du da normalerweise etwas netter zu mir bist.“

„Das überrascht mich jetzt gewaltig“, spottete Ianto und stoppte Jacks Finger, die sich unter das T-Shirt schoben, das er nach dem Duschen angezogen hatte. „Jack, ich bin ziemlich sicher, dass ich nicht träume. Und ich bin ziemlich sicher, dass du ebenfalls wach bist.“

„Hast du in deinem Bett gigantische Kissen, die du mir bisher vorenthalten hast?“, erwiderte Jack leichthin – und keineswegs entmutigt. Das war sein Traum, richtig? Da war sicher noch ein bisschen Action drin.

„Hast du schon einmal davon gehört, dass zwei Menschen den gleichen Traum teilen?“, fragte Ianto. Er klang jetzt angespannt.

„Nein, aber...“

„Entweder teilen wir den elben Traum, oder wir sind beide wach und sitzen auf einem gigantischen Kissen. Oder ich träume und das hier ist ein Alptraum, in dem du eine Gastrolle spielst.“ Ianto packte Jacks Hand, die er immer noch festhielt, fester. „Und mir gefällt die Idee nicht, dass ich wach bin, Jack.“

„Was sollte es sonst sein, außer einem Traum. Ich...“ Aber Jack sprach nicht weiter, weil genau in diesem Moment dieses unerklärlich vertraute Geräusch zu hören war, von dem ihm nicht einfallen wollte, was es war. Und da waren auch wieder diese beiden grünen Lichter, weit weg, aber deutlich zu erkennen.

Und dann schwankte die Welt um sie herum und Jack gelang es zuerst noch, Iantos Hand fest zu halten, jedoch verlor er den Halt und wurde wild hin und her geworfen, rollte ein Stück und landete schließlich auf einer etwas härteren Fläche, die aber nicht schwankte.

Jack setzte sich auf. „Ianto? Ianto, bist du okay?“, rief er.

„Ich… glaube, ich bin okay“, ertönte Iantos Stimme nicht weit von ihm entfernt. „Was war das?“

„Ein Erdbeben?“, schlug Jack vor, obwohl ihm das selbst nicht sehr wahrscheinlich vorkam.

„In Wales?“, erwiderte Ianto, seine Stimme eine Oktave höher als sonst.

Jack schwieg einen Moment. „Ich glaube, du hast Recht“, meinte er dann. „Das ist kein Traum.“

„Danke. Hast du auch eine Idee, was es dann sein könnte?“ Sarkasmus färbte die Stimme des jungen Walisers.

„Nun...“ Jack zuckte mit den Schultern, obwohl Ianto das im Dunkeln nicht sehen konnte. „Entweder hat sich dein Bett um das Hundertfache vergrößert, seit wir eingeschlafen sind. Oder…?“

„Oder?“ Iantos Hand fand seinen Arm.

„Oder wir sind geschrumpft“, beendete Jack den Satz und legte den Arm um die Schultern seines Partners.

Ianto erschauderte. „Sag mir bitte, dass du versuchst, witzig zu sein?“

Das Grollen ertönte wieder, bevor Jack antworten konnte und ein bestialischer Gestank schlug ihnen entgegen. Die grünen Lichter waren nun direkt vor ihnen und Jack schob sich vor Ianto, um ihn zu schützen.

„Dai!“

Also das war jetzt wirklich nicht der richtige Moment, sich um den Kater Sorgen zu machen!

„Jack, das ist Dai.“ Ianto drängte sich an ihm vorbei. „Cath da. Dai. Ich bin es. Mae'n mi. Du musst keine Angst haben.“

Oh gut. Wenigstens einer von ihnen, der sich keine Sorgen machen musste.

Die grünen Lichter blinkten aus und an. Verdammt, das waren keine Lichter, das waren Dais Augen. Katzenaugen leuchteten wirklich im Dunkeln. Bisher hatte Jack das noch nie bewusst wahrgenommen.

Das Grollen… nein, das Schnurren ertönte wieder, direkt über ihnen. Die Erschütterungen, das musste der Kater gewesen sein, der auf dem Bett herumsprang.

Huh. Das bedeutete, sie waren wirklich geschrumpft. Das war sogar für Jack neu.

Ianto redete noch immer besänftigend auf seinen Kater ein, der zwar nicht zu sehen, aber zu hören war. Und zu riechen.

Ianto, ich denke, wir...“ Bevor Jack den Satz beenden konnte, geriet die Welt um sie herum wieder ins Wanken und er verlor das Gleichgewicht, fiel auf den Rücken. Einen Augenblick später landete Ianto auf ihm.

„Alles okay?“, fragte der Waliser atemlos, nachdem er sich von Jack gerollt hatte.

„Wir können das gerne nochmal wiederholen“, flachste Jack. „Unter günstigeren Umständen.“

„Du denkst wirklich immer nur in eine Richtung“, murrte Ianto. „Du hast Dai erschreckt.“

„Ich habe Dai erschreckt?“ Jack rappelte sich hoch. „Er ist im Moment fünfmal so groß wie ich. Mindestens. Oder noch größer.“

„Hast du zufälligerweise auch schon eine Theorie, wie das passieren konnte?“ Iantos Stimme klang weiter entfernt.

„Wo willst du hin?“ Jack tastete blindlings nach ihm. „Ianto?“

„Sprich weiter. Ich habe eine Idee.“

„Nun, ich habe im Moment keine“, erwiderte Jack. „Ich bin offen für Vorschläge.“

„Es muss das Artefakt sein, dass wir heute Morgen mit nach Hause gebracht haben.“ Iantos Stimme klang jetzt gepresst, angestrengt. Dann fluchte er, etwas unanständig klingendes, das Jack nicht verstand, weil er walisisch sprach. Unter anderen Umständen hätte Jack das gerne vertieft…

Und dann wurde es plötzlich hell. Nun, heller als zuvor. Jack sah sich um. Er stand vor einem Kissen, das sich hinter ihm wie ein verschneiter Hügel erhob. Dai war verschwunden, genau wie Ianto… Nein, halt. Ianto stand auf dem Nachttischchen neben dem Bett. Er hatte die Lampe angeknipst.

Jack folgte der Ecke des Kissens bis zur Bettkante. Er sah zu Ianto hoch. „Wie hast du das gemacht? Im Dunkeln?“

Ianto kletterte am Stromkabel der Lampe herunter wie an einem Seil und landete neben ihm. „Ich kenne mich in meinem Bett aus“, meinte er, leicht außer Atem.

„Mein cleverer Ianto.“ Jack küsste ihn zur Belohnung.

Der Waliser verzog das Gesicht. „Musst du das sagen, als wäre ich eine Katze, die gelernt hat, das Katzenklo zu benutzen.“ Er sah Jack an. „Was machen wir jetzt?“ Mit einer Handbewegung schloss er das ganze Bett ein. „Wir sind was? Gerade mal 20 Zentimeter groß?“

„Vielleicht kann Dai uns durch die Wohnung tragen. Wir könnten auf seinem Rücken reiten. Was denkst du, wie würde ich mich als Lady Godiva machen?“ Wie üblich war Jack nackt ins Bett gegangen, im Gegensatz zu Ianto, der eine Stoffhose und ein T-Shirt trug.

„Hast du auch hilfreiche Vorschläge?“, entgegnete Ianto, der wirklich keinen Humor in ihrer Situation sehen konnte.

„Wir könnten einfach warten.“ Jack zuckte mit den Schultern. „Vielleicht ist es nur ein temporärer Effekt. Außerdem wird Owen hier früher oder später auftauchen, um uns ab zu holen.“

„Und was ist, wenn dieses Ding ihn dann auch schrumpft, hm? Oder vielleicht hat es bereits alle anderen Leute im Gebäude geschrumpft. Wer weiß, welche Reichweite es hat.“ Manchmal hasste Ianto sein Leben. Hasste Torchwood. Er hätte Schneider werden sollen, wie sein Vater. Ein sehr unterschätzter, aber ruhiger und sicherer Beruf.

„Dai ist nicht geschrumpft.“ Nun, das war doch ein beruhigender Gedanke. „Glaubst du, du könntest ihn dazu bringen, dass er dein oder mein Handy holt? Erinnerst du dich, wie er meine Socken durch die Gegend geschleift hat? Gut, ein Handy wiegt etwas mehr“

„Dai ist ein Kater, kein Hund. Ich habe es leider versäumt, ihm Apportieren beizubringen.“ Vielleicht klang er ein wenig zu schnippisch, aber Ianto nahm sich das Recht heraus, aufgebracht zu sein. Er wurde nicht jeden Tag geschrumpft!

„Hey.“ Jack umschloss seine Unterarm. „Ianto, ich weiß, dass nicht witzig ist, was mit uns passiert ist. Aber wir waren in schlimmeren Situationen. Und das an unbequemeren Orten als einem Bett. Wir müssen nur warten bis Owen auftaucht und uns in den Hub bringt. Tosh fällt immer etwas ein, sie wird auch dieses Mal herausfinden, wie sie den Schrumpf-Effekt umdrehen kann und uns wieder groß machen. Und falls nicht...“ Jack zog ihn zu sich und küsste ihn auf die Schläfe. „Dann schicke ich Gwen los, damit sie uns eines dieser großen Puppenhäuser besorgt und wir leben dort glücklich und zufrieden bis ans Ende unserer Tage.“

Ianto presste die Stirn gegen Jacks. „Dir fällt auch für alles eine gute Wendung ein, was?“, meinte er leise.

„Ich könnte mich daran gewöhnen, mit dir klein zu sein.“ Jack rieb beruhigende Kreise auf seinem Rücken.

Natürlich gäbe es da für ihn noch einen weiteren Ausweg. Sicher würde er zu seiner alten Größe zurückkehren, wenn er starb und wiederbelebte. Aber das behielt er sich für den Fall vor, dass sie keine andere Lösung fanden, die sie beide wieder in ihre ursprüngliche Größe versetzte.

Vielleicht hätte er es gleich ausprobiert, wenn er eine Möglichkeit gesehen hätte, sich umzubringen, ohne dass Ianto dabei zusehen musste. Aber sein junger Geliebter hasste es, ihn sterben zu sehen und da Jack wusste, dass er Ianto schon genug zumutete, musste er ihm das nicht auch noch aufbürden.

„Wir können einfach warten“, fuhr Jack nach einem Moment fort. „Oder nachsehen, ob wir sonst etwas tun können. Dai spaziert hier rein und raus, also ist die Schlafzimmertür zumindest einen Spalt weit offen.“

Ianto machte sich von ihm los, trat einen Schritt weg und nickte. „Vielleicht finden wir etwas, das du anziehen kannst. Kein Grund, die Pferde… oder Owen… scheu zu machen.“

Jack lachte. Selbst wenn es nur ein Anflug von trockenem Humor in Iantos Worten war, zeigte es doch, dass der junge Waliser langsam sein inneres Gleichgewicht zurück erlangte. „Zumindest ist es im Rest der Wohnung hell und wir müssen uns keine Sorgen machen, dass jemand versehentlich auf uns tritt.“ Er hielt Iantos Hand fest und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zur Bettkante. Es war von dort aus erstaunlich einfach, sich an der überhängenden Bettdecke bis nach unten zum Boden zu hangeln.

Der Weg zur Tür zog sich unerwartet lange hin. Auf einer Strecke, die sonst nur ein paar wenige Schritte benötigte, vergingen mehrere Minuten. Und als sie endlich die Tür erreichten, die tatsächlich einen Spalt weit auf stand, atmete nicht nur Ianto auf.

Sie traten in den Flur vor dem Schlafzimmer. Aus ihrer neuen Perspektive wirkte auch die eigentlich vertraute Umgebung fremd. Möbel wuchsen wie Berge in die Höhe.

Kopfschüttelnd betrachtete Ianto die Containment-Box, die in der Größe eines Einfamilienhauses vor ihnen stand. Iantos rechter Schuh daneben wirkte wie ein Kleinwagen. Hier war nichts zu machen. Von außen wirkte der Behälter unverändert. Was immer sie da auch gefunden hatten, beeinflusste also nur organisches. Anderenfalls wäre das komplette Haus mit ihnen geschrumpft. Fragte sich nur, wieso Dai nicht davon betroffen war.

An ihre Handys kamen sie aber so oder so nicht. Die Kommode hoch zu klettern, auf deren Oberfläche sie zum Aufladen lagen, schien so machbar, wie einen Wolkenkratzer zu besteigen.

„Jack, ich weiß nicht...“ Ianto stoppte, denn Jack stand nicht mehr neben ihm. Irritiert sah er sich um und fand seinen - nach wie vor nackten . Boss, Freund und Liebhaber vor der Küchentür stehen. Was ging jetzt schon wieder in seinem Kopf vor? Sie steckten schon in genug Schwierigkeiten.

Als er sich Jack näherte, hörte er ihn sprechen. „Braver Kater. Dai, komm zu mir, sei ein braves Katerchen“, lockte Jack. „Ich bin keine sprechende Maus.“

Ianto rollte mit den Augen. Hatte Jack wirklich seinen Plan, seine eigene Version von Lady Godivas Ritt (woher wusste er überhaupt von dieser alten Legende?) auf Dais Rücken abzuhalten?

Vielleicht bestand doch noch eine kleine Chance, dass Ianto das alles nur träumte…

„Jack!“

Der so angesprochene drehte sich zu ihm um, seine Miene das Abbild reinster Unschuld. „Versuch du es mal, Ianto. Auf dich hört er.“

„Können wir Dai aus dem Spiel lassen?“ Ianto verschränkte die Arme vor der Brust. „Ist dir schon mal in den Sinn gekommen, dass er einen von uns unabsichtlich verletzten könnte?“

„Hast du nicht immer darauf bestanden, dass er nur eine Katze und kein Tiger ist?“, entgegnete Jack grinsend. „Hey, es hat geklappt.“ Er wandte sich wieder der Küchentür zu, in deren Durchgang Dai erschien, die Ohren misstrauisch angelegt.

Aus dieser Perspektive wirkte der sonst so niedliche Kater furchteinflößend. So ganz ein Raubtier… Und sichtlich verwirrt. Er musste sie an ihrem Geruch erkennen, aber verstand  nicht, warum sie so anders waren.

Ianto verstand ihn nur zu gut. „Dai“, rief er, so besänftigend, wie es ihm nur möglich war.    „Alles in Ordnung, cariad.“

Die Ohren des Katers zuckten und er drehte sich in Iantos Richtung.

In diesem Moment trat Jack auf den Kater zu, eine Hand ausgestreckt, um ihn zu streicheln. Vielleicht war es die plötzliche Bewegung, oder einfach nur unvermeidlich in dieser angespannten Situation, aber Dai schien sich zu erschrecken. Er fauchte und machte einen Satz vorwärts.

Das letzte, was Jack sah, war eine pelzige Katzennase, die auf ihn zukam wie ein Güterzug. Dann traf ihn etwas quer über den Oberkörper und er fiel nach hinten. Im Anschluss sah er erst mal lange Zeit nichts, nicht einmal Sternchen.

„Jack? Hey, Jack, kannst du mich hören?“ Iantos Worte wurden von leichten Klapsen gegen seine Wangen begleitet. „Komm schon, mach die Augen auf, wir haben zu viel zu tun.“

Jack blinzelte. „Er hat versucht, mich zu fressen!“, meinte er und stützte sich auf die Ellbogen auf.

„Das hat er nicht.“ Ianto setzte sich zurück. „Er ist über dich hinweg gesprungen und sein Schwanz hat dich getroffen.“

„Das ist mir...“, begann Jack, doch Ianto legte ihm die Hand auf den Mund.

„Verkneif dir das bitte.“ Der Waliser seufzte. „Während du dir eine Pause gegönnt hast, ist etwas passiert.“ Er deutete auf sich, dann auf den Raum um sie. „Wir haben unsere normale Größe wieder.“

Jack sprang auf und nahm zuerst sich selbst und dann Ianto genau in Augenschein. Oh ja. Wieder alles in normaler Größe. „Ich hatte Recht, es war nur temporär.“ Er streckte Ianto die Hand hin und half ihm auf die Beine. „Ich rufe Tosh an, sie und Owen sollen herkommen und das Ding abholen. Eines der transportablen Energiefelder sollte es daran hindern, noch jemand zu schrumpfen.“

„Ist schon erledigt“, erwiderte Ianto. „Sie sind gleich da.“ Er musterte Jack demonstrativ. „Vielleicht solltest du die Zeit nutzen und dich anziehen.“

„Wozu? Ich habe gerade beschlossen, dass wir uns den Rest des Tages freinehmen und uns von diesem Abenteuer erholen.“ Jack grinste. „Keine Kleidung notwendig.“ Er sah sich um. „Wo ist die Monsterkatze?“

„Hat sich vollkommen verstört unter dem Bett verkrochen“, entgegnete Ianto trocken. „Ich werde den Rest des Tages brauchen, um ihn wieder zu beruhigen.“

„Er muss sich beruhigen? Was ist mit mir?“, beschwerte sich Jack.

„Du bist jetzt wieder ein großer Junge, du kommst schon klar.“ Ianto klopfte ihm auf die Schulter und verschwand ins Schlafzimmer. „Und zieh dir etwas an, bevor die anderen hier sind!“

Jack grinste und wischte sich Katzenhaare vom Brustkorb. Tatsächlich, es war wirklich wieder alles normal…



Ende