Titel: Weihnachten ist für die Katz‘
Autor: Lady Charena (Dezember 2016)
Fandom: Torchwood 50 Ways
Episode: Season 2
Wörter: 1332
Charaktere: Ianto Jones, Jack Harkness, Moses, Curry (OMKitten), Devi (OFC) erwähnt
Pairing: Jack/Ianto
Rating: A/R, pg, slash, Feiertage
Beta: T‘Len

Summe: Weihnachten ist eine aufregende Zeit für Moses und Curry.

Frühere Storys der Moses-Curry-und-Devi Reihe:  „Die Beobachterin“, „Lauscher an der Wand“ (Adventskalenderstory 2012 / Türchen 4), „Der Ausreißer“, „The Cat Who Came to Dinner“, „Ein Geschenk auf vier Pfoten“ (Storysammlung: Weihnachten mit der Familie), „Catsitting“ und „Der Kater im Haus“.

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Es klirrte im Wohnzimmer.

„Jetzt bist du an der Reihe.“ Ianto hob nicht einmal den Blick von der Zeitung, die er vor sich auf dem Küchentisch ausgebreitet hatte. „Ich war heute bereits zweimal nachsehen.“

Jack stopfte sich den Rest seiner Scheibe Toast in den Mund, spülte mit Kaffee nach und leckte Himbeerkonfitüre aus den Mundwinkeln, bevor er aufstand und dabei Krümel auf den Fußboden rieselte. „Es ist nicht unsere Katze“, murrte er um den letzten Bissen Toast herum.

„Nein“, entgegnete Ianto ungerührt und biss von seiner eigenen Toastscheibe ab – wesentlich manierlicher, allerdings – bestrichen mit einer dünnen Schicht schottischen Heidehonigs, den Archie als Weihnachtsgeschenk an ihn geschickt hatte. „Aber jemand hat angeboten, auf Curry für ein paar Tage aufzupassen, ohne mich vorher darüber zu informieren. Und jemand meinte, dass es kein Problem wäre, ihm beizubringen, dass ein Weihnachtsbaum kein Spielzeug ist.“ Er legte den Rest des Toasts ab, tippte mit der Fingerspitze einen Tropfen Honig auf, der auf dem Tellerrand gelandet war und leckte anschließend seine Fingerspitze sauber. Gründlich. Sehr gründlich, wie Jack fand. Mussten sie wirklich immer als Erste im Hub sein?

Seit der Rift Ende der Sechziger einige Bienenkörbe samt lebendem Inhalt in Cardiff ausgespuckt hatte, war der Leiter des Torchwood-Manors in seiner Freizeit ein begeisterter Imker. Der Honig, den die Bienen produzierten, unterschied sich in Nichts von dem irdischer Bienen und für gewöhnlich aßen ihn Archie und die Torchwood-Agenten in Glasgow selbst. Seit Ianto und Tosh Torchwood Zwei im letzten Jahr dabei unterstützt hatten, ihr computerisiertes Archiv-System upzudaten (einiges dort stammte noch aus der Gründungszeit Torchwoods) erhielten die beiden für ihre Mühe je ein Glas des raren Ertrages zu Weihnachten. Bei aller Liebe – und einem gemeinsamen Leben – Jack musste sich schon etwas einfallen lassen, damit er etwas von der süßen Leckerei abbekam.

Sich davor zu drücken, nachzusehen, was der pubertäre Kater ihrer Nachbarin nun wieder angestellt hatte, war da wirklich nicht hilfreich. Und immerhin hatte tatsächlich er Devi angeboten, Curry für ein paar Tage aufzunehmen. Schließlich kümmerte sich Devi oft genug um Moses. Und eine Katze oder zwei Katzen, machte das wirklich einen Unterschied?

Ja, es machte einen Unterschied. Zumindest, wenn eine davon gerade etwas älter als ein Jahr war und sich in einer wilden Phase befand. Zum wiederholten Male. Oder vielleicht vermisste der graue Kater mit den eleganten weißen Söckchen einfach nur Devi. Sie war alles andere als froh darüber gewesen, einen Tag nach Weihnachten in London an einem Seminar teilzunehmen. Sie musste für einen Kollegen einspringen, den die Grippe erwischt hatte. (Oder der das zumindest behauptete.)

Jetzt kam ein dumpfes Poltern aus dem Wohnzimmer.

Jack verzichtete auf weitere Einwände – und vorerst darauf, weiter zu frühstücken - und verließ die Küche. Ianto schüttelte den Kopf, seufzte und griff wieder nach seinem Toast.

Auf den ersten Blick war alles ruhig im Wohnzimmer. Und er konnte auch keine sichtbaren Schäden entdecken.

Die beiden Kater saßen einträchtig vor dem Weihnachtsbaum und starrten zu den blinkenden Lichtern und glänzenden Kugeln hoch. Die verkörperte Unschuld. Es hätte Jack nicht gewundert, wenn ihnen Engelsflügel aus dem Rücken gewachsen wären.

Der Baum stand noch an seinem Platz.

Als Curry vor einem Jahr, kurz vor den Feiertagen, in ihr Leben getreten war, hatten sie bereits allerhand Unfug mit dem Katzenkind erlebt. Doch inzwischen war Curry älter, Devi hatte sich alle Mühe gegeben, ihn gut zu erziehen und Moses schien durchaus als Vorbild herzuhalten. Was konnte da schiefgehen?

„Okay“, sagte Jack, seine beste böser-Cop-Stimme benutzend. „Was ist hier passiert?“

Der Reaktion der beiden Katzen nach ließ seine Performance zu wünschen übrig. Sie reagierten nämlich überhaupt nicht.

Die Augen leicht zusammengekniffen, musterte Jack den mit Kugeln in unterschiedlichen Goldtönen geschmückten Baum. (Plastikkugeln natürlich, Scherben und Katzenpfoten vertrugen sich nicht.) Dazu eine LED-Lichterkette, die echten Kerzen nachempfunden waren und eine Kette aus dunkelroten Perlen. Auch der glitzernde, goldenen Stern auf der Spitze saß noch da, wo er sein sollte. Bis auf ein paar Schnipsel Geschenkpapier, zerfetzt von Katzenkrallen, die Iantos scharfen Augen entgangen sein mussten, war nichts…

Moment.

Da war doch eine Lücke in den sorgfältig angeordneten Ornamenten. Genauer gesagt, mehrere Lücken. Es hingen definitiv weniger Kugeln an den unteren Zweigen des künstlichen Baumes als vorher. Vielleicht waren sie heruntergefallen, als die Katzen sich darunter herumtrieben? Jack ging in die Hocke und hob vorsichtig ein paar der Zweige hoch.

Curry verließ neugierig seinen Platz neben Moses und stellte sich mit den Vorderpfoten auf Jacks Fuß, um besser sehen zu können, was der Mensch da tat.

Aber unter den Zweigen fand sich nichts als ein paar abgefallene Nadeln.

Jack sah die Kater an und kraulte ihn unter dem Kinn. „Wie wäre es mit einem kleinen Hinweis, Kumpel?“, meinte er. „Wir wollen doch schließlich alle nicht, dass Ianto mit uns böse ist.“

Curry spitzte die Ohren, als wüsste er genau, wovon Jack sprach. Seine Antwort bestand jedoch daraus, an einem losen Faden am großen Zeh von Jacks Socke zu knabbern, was ihm nicht wirklich weiterhalf. Sanft befreite Jack seine Socke aus dem Maul des Katers. Noch immer in der Hocke, sah er sich aus dieser Perspektive um. Die Kugeln konnte sich ja nicht in Luft aufgelöst haben!

Doch es fanden sich weder unter der Couch noch unter dem Regal, das ihre Stereoanlage enthielt, goldene Weihnachtskugeln. Und ansonsten gab es keine Möbel, unter denen man etwas verstecken könnte, das höher als eine Münze war.

Er richtete sich auf, bereit seine Niederlage einzugestehen und darauf zu hoffen, dass den Katzen das Spiel zu langweilig wurde. Oder es an der Zeit war, den Baum ab zu schmücken. Je nachdem, was früher eintraf.

In diesem Augenblick fiel ihm ein Ort auf, den er noch nicht überprüft hatte. Einfach, weil der Sessel sonst nicht in der Ecke stand. Er war dorthin verschoben worden, um Platz für den Baum zu schaffen.

Jack zog den Sessel weg und wurde mit einem hässlichen Geräusch – eine der Kugeln war zwischen Möbel und Wand geraten – und dem Anblick von nicht weniger als fünf goldenen Kugeln – eine davon nun mit einer Delle – belohnt. Kopfschüttelnd machte Jack sich daran, sie aufzusammeln, aufmerksam von den beiden Katern beobachtet.

Er legte die Kugeln in eine Schublade, es lohnte sich kaum, sie nochmals aufzuhängen, nur damit sich die Katzen wieder damit vergnügten. Dann wandte Jack sich den beiden Unschuldslämmern im Katzenpelz zu. „Pfoten weg vom Baum, verstehen wir uns?“, sagte er so streng, wie es möglich war – konfrontiert mit so viel Charme und Knuddligkeit. Vor allem Curry, der da saß und sich mit einem Pfötchen wie verlegen über die Nase wischte, trug dick auf.

Jack ging zurück in die Küche, um noch einen Kaffee zu trinken, bevor sie sich auf den Weg in den Hub machten.

Curry und Moses wechselten einen Blick, dann nahm der jüngere Kater Anlauf und katapultierte sich auf den Baum. Zielstrebig auf die Spitze zu kletternd, wo der große Stern lockte. Immerhin hatte er eine neue Sammlung aufzubauen, nachdem die Kugeln weg waren.

Moses schnurrte wohlwollend und machte es sich bequem. Es war so praktisch, einen jungen Kater im Haus zu haben.

Ianto war gerade dabei, die Zeitung zusammen zu falten. Jack goss sich eine frische Tasse Kaffee ein.

Im Wohnzimmer kippte der Weihnachtsbaum fast in Zeitlupe auf die Seite.

Moses verschwand vorsichtshalber unter die Couch und ließ Curry zurück, der verdutzt zwischen Lichterketten und Kugeln saß.

Schöne Bescherung…


Ende