Titel: A Ghostly Christmas
Autor: Lady Charena (Dezember 2016)
Fandom: Torchwood
Storysammlung: 50 Ways I’ll be your Lover
Episode: --
Wörter: 3114
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Gwen und andere erwähnt + ein Überraschungsgast
Pairing: Jack/Ianto
Rating: ab12, slash, hurt/comfort, AU


Summe: Zum ersten Mal soll Weihnachten im neuen Torchwood Hauptquartier gefeiert werden - und Ianto hat ein überraschendes Geschenk für Jack.


Hinweis: Vorgängerstorys dieser Reihe sind: „The Phantom Archivist & Other Ghost Storys”, “The Ghost Position”, “My Heart is a Ghosttown”, “The Ghost Protocol”, “Ghost Fire”, “Ghost in a Window”, “The Ghost Touch”, “The Ghost Holiday” und “Jacks Ghost”.


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



This is the ghost of you
Haunting the ghost of me
We're playing house in these walls forever

„Ghost“ Jamie-Lee Kriewitz


Jack nippte an seinem Kaffeebecher und schnitt eine Grimasse, als er sich prompt die Zunge verbrühte. War wohl doch keine so gute Idee gewesen, den kalt gewordenen Kaffee in der Mikrowelle aufzuwärmen, anstatt eine frische Tasse zu machen. Und irgendwie schmeckte er auch komisch, fast wie angebrannt. Ungenießbar. Jahre mit einem Kaffee-Aficionado hatten eben auch bei ihm Spuren hinterlassen.

Er leerte den Becher in den Ausguss und spülte ihn zur Sicherheit aus. Dann wandte er sich der Kaffeemaschine zu – und stoppte. Der Luxus einer privaten Küchennische in seinem Büro war zwar angenehm, aber er sollte sich wohl mal wieder im Pausenraum blicken lassen. Nicht ohne Grund. Gwen hatte angesichts der kommenden Feiertage das Dekorationsfieber gepackt. Ihr eigenes Heim war schon seit Anfang Dezember nicht mehr wieder zu erkennen. Als Jack vor kurzem sein Patenkind besuchte, traute er seinen Augen kaum. Kein Winkel, der verschont geblieben war. Fenster, Türen und Treppengeländer waren mit beleuchteten Girlanden verziert. Weihnachtlicher Krimskrams auf allen möglichen Flächen. Selbst auf dem Fernseher saß ein Weihnachtsmann mit blinkender Mütze. Anwen führte ihn voll Begeisterung herum und zeigte ihm stolz jedes noch so kleine Detail. Und natürlich stärkten sie sich später mit Kakao und selbstgebackenen Plätzchen mit bunten Zuckerstreuseln. Nur Anwens ungekünstelter Enthusiasmus machte den Kitschfaktor erträglich.

Nur leider stoppte Gwen auch nicht an ihrem Arbeitsplatz Es begann mit einem Adventskranz im Pausenraum. Dann folgten von Anwen gebastelte Sterne in den Fenstern von Gwens Büro. Ein Weihnachtsmann an der Tür, der zu blinken begann, wenn man sie öffnete – zumindest so lange, bis auf mysteriöse Weise die kleinen Lämpchen in seinen Augen verschwanden. Girlanden aus künstlichem Tannengrün, Stechpalmen und goldenen Mini-Kugeln wanden sich um Treppengeländer. Auf jedem Schreibtisch fand sich ein kleines, weihnachtliches Gesteck mit einer elektrischen Kerze. Jack warf das auf seinem Tisch in den Mülleimer. Ianto holte es später heraus und stellte es auf die Fensterbank, wo es nicht störte. Nun, zumindest nicht physisch. Jack hatte sich weitere Dekorationen verbeten, ohne eine Erklärung dafür zu geben. Gwen titulierte ihn als „Grinch“, versuchte überraschenderweise aber nicht, ihn umzustimmen.

Und nun hatte Jack auch eine leise Ahnung, wieso sie so schnell aufgegeben hatte. Er starrte ungläubig auf einen riesigen, mit bunten Lichtern und Ornamenten übersäten Weihnachtsbaum, der scheinbar die Hälfte des Pausenraumes – der um diese Uhrzeit verlassen war - für sich beanspruchte. Die Tische waren auf der freien Fläche zusammengeschoben und die Stühle darum drapiert. Sterne aus Goldpapier an den Wänden, ein mit rotnasigen Rentieren bedruckter Tischläufer und mehrere elektrische Kerzen rundeten das Bild ab. Selbst der Getränkeautomat war mit einer Lichterkette umwickelt.

Schaudernd öffnete Jack den Schrank in dem Tassen und andere Utensilien aufbewahrt wurden. Glubschäugige Elche grinsten ihn von einer Reihe Kaffeebechern breit an. Er schloss ihn hastig wieder. Okay, er musste mit Gwen unbedingt über ihr die Verwendung ihres Budgets für so etwas reden. Ein Glück, dass er seinen eigenen, schlicht blau-gestreiften Becher mitgebracht hatte. Zumindest hatte niemand die Kaffeemaschine verziert, dachte Jack, als das aromatische Gebräu in den Becher gluckerte.

„Es könnte schlimmer sein“, sagte Ianto hinter ihm.

Ein Lächeln wischte das Stirnrunzeln von Jacks Gesicht. Er wartete, bis der Kaffee durch war und drehte sich um. Ianto saß in einem der Stühle und hatte die Füße auf den Tisch gelegt, allerdings ohne den Rentier-Läufer zu berühren.

„Der Baum könnte den kompletten Raum ausfüllen?“, meinte Jack und zog einen Stuhl zu sich, um neben Ianto Platz zu nehmen. Er versuchte Iantos Beine weg zu schieben, um dort seinen Kaffee abzustellen – doch seine Hand glitt durch sie.

„Der Baum könnte pink sein“, entgegnete Ianto trocken und setzte sich so hin, dass seine Füße statt auf dem Tisch in Jacks Schoß landeten.

Jack schnitt eine Grimasse, während Ianto nach seinem Kaffeebecher griff und genießerisch den Geruch einatmete. Die neuen Einstellungen hatten das Aroma deutlich verbessert.

„Der Hub existiert nicht mehr, Jack. Vielleicht solltest du ein paar Erinnerungen dort lassen“, murmelte der Waliser, die Augen geschlossen. „Da sind sie besser aufgehoben.“

„Hast du dich mit Alex unterhalten?“, fragte Jack.

Ianto öffnete die Augen und sah ihn an. „Er weiß nicht, wie er gestorben ist. Oder wann“, erinnerte er ihn sanft. „Ich habe deinen Bericht gelesen. Die Fotos gesehen. Die Blutspritzer auf dem Weihnachtsbaum im Hub.“ Ianto schob Jack den Becher zu. „In London. Es war mein Job, Akten nach einem festgelegten Zeitraum aus dem Zentralarchiv zu entfernen und nach Glasgow zum Torchwood Manor zu schicken.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich lese sehr schnell und du weißt, dass ich mir Dinge gut merken kann. Auch wenn ich mir nie hätte vorstellen können, wie ich dieses Wissen später einmal einsetzen würde...“

„Wenn du es nicht getan hättest, hätte ich dich nie gefunden...“ Jack rieb Iantos Bein, das dieses Mal unter seiner Berührung stabil blieb. „Es ist nicht allein die Erinnerung an  Alex und den Tod der anderen – das ist eher etwas, um sich an Silvester zu betrinken – sondern auch andere Dinge. Rose hat den Doctor an Weihnachten getroffen. Inmitten einer Invasion...“ Und seine Tochter, irgendwo alleine in Indien, mit ihren Erinnerungen an einen kleinen Jungen, der Weihnachten so geliebt hatte.

„Eine Tradition, die ich nicht vermissen werde“, meinte Ianto, als Jack nicht weiter sprach. „Die alljährliche Weihnachtsinvasion in London. Gibt es irgendwo da draußen im Universum einen Kalender für Feiertage auf der Erde?“ Er lächelte schief. „Er hat dich nicht vergessen, Jack.“ Er sah zu Jack hoch, der aufgestanden war, und sich über ihn beugte, um ihn auf die Stirn zu küssen. „Niemand kann Jack Harkness vergessen, nicht einmal ein neunhundert Jahre alter Timelord.“

Jack küsste ihn noch einmal. „Lass uns nach Hause gehen und du kannst weiter an dem Trick, deine Kleidung verschwinden zu lassen, üben“, schlug er vor.

Ianto ging auf dem Themenwechsel ein. „Nur, wenn du mir versprichst, dass du Gwen morgen für die ganze Arbeit dankst. Auch wenn es dir nicht gefällt. Sie hat sich wirklich viel Mühe gegeben.“

Jack hielt ihm die Hand hin und Ianto ließ sich von ihm auf die Beine helfen. „Ich sollte ihr das Geld für die Dekoration von ihrem Gehalt abziehen“, entgegnete er.

Grinch“, entgegnete Ianto liebevoll und küsste ihn auf die Wange. „Trink deinen Kaffee, hol deinen Mantel – ich warte im Wagen auf dich.“ Damit verschwand er.

„Hey, ich bin weder grün noch haarig!“, beschwerte sich Jack – jedoch mit einem Grinsen – und trank seinen Kaffee unzeremoniell auf dem Weg um seinen Mantel aus dem Büro zu holen.



Our life won't wait for us to live
We don't need a lifetime
to figure out what we miss
The love we get is the love we give

„Ghost“ Jamie-Lee Kriewitz



Ianto schlief.
Einen Arm locker über Jacks Mitte gelegt, das Gesicht gegen seinen Oberarm gepresst. In der Dunkelheit war deutlich der goldene Schimmer zu erkennen, der ihn umgab.

Er wusste, dass er gut war. Aber außer Ianto hatte er noch nie jemand zum Glühen gebracht.

Das Lächeln verschwand von seinem Gesicht und er legte eine Hand auf Iantos Arm. Die Haut unter seinen Fingern war warm, lebendig. So real. Und doch lauerte gleichsam irgendwo in einem Winkel seines Unterbewusstseins die immer noch die Angst vor dem Erwachen aus einem endlosen Traum. Eingesperrt in seinem Körper, seinem Kopf, wie damals in der Ewigkeit unter der Erde, als John ihn lebendig begraben hatte. Und davor das Ianto nicht mehr existierte - vielleicht nie existiert hatte - nur eine Ausgeburt seiner Fantasie war. Ein Versuch, ihn vor der Unerträglichkeit der Realität zu schützen.

Und doch… manchmal… in den dunkelsten Stunden… wünschte er, dass dieses Wunder, das ihm Ianto zurückgebracht hatte… auch für Steven funktioniert hätte. Würde er jemals vor die Wahl gestellt…

Als wüsste Ianto, an was er dachte, verpasste er ihm plötzlich einen Tritt gegen das Schienbein. War er wach? Nein, Ianto rollte sich nur auf die andere Seite, wandte ihm den Rücken zu.

Jack drehte sich ebenfalls auf die Seite, legte den Arm um Iantos Taille und vergrub sein Gesicht im Nacken des Walisers. Er hatte Ianto nie von dem… Was war es gewesen? Ein Traum? Eine Vision? Er hatte ihm nie davon erzählt, wie verloren er sich gefühlt hatte, als er dachte, er hätte Ianto erneut verloren. Wie konnte er, wenn ein winziger Teil von ihm sich wünschte, Iantos Leben gegen das seines Enkels eintauschen zu können…


# # #


Ein paar Nächte später befand sich Jack erneut alleine im Hub.

Nun... alleine entsprach nicht völlig der Wahrheit.

Ianto trieb sich in ihrem neuen Archiv herum – ein Zwischenlager zur Verwahrung von Artefakten, bevor sie nach Glasgow geschickt wurden. Nicht so romantisch wie im Hub, kein nahezu organisch gewachsenes Labyrinth aus Gängen und Räumen, sondern nur eine gut gesicherte, staubfreie und hell beleuchtete Lagerhalle mit Regalen und Behältern neben dem Hauptquartier. Tosh und Owen waren bei ihm. Natürlich konnte er auf dem Überwachungsmonitor nur Ianto sehen (und nur er, denn bisher hatte niemand Alarm geschlagen) aber er hörte ihn von Zeit zu Zeit lachen.

Gwen hatte frei, um Heiligabend mit ihrer Familie zu verbringen, aber Jack war nicht der einzige, der kein Problem damit hatte, über die Feiertage zu arbeiten. Obwohl es nicht nötig gewesen wäre, denn drei der anderen hatten sich freiwillig zur Nachtschicht in Bereitschaft gemeldet. Gwen hatte den Pausenraum mit Essen, alkoholfreien Getränken und selbstgebackenen Weihnachtsplätzchen versehen, und soweit Jack das feststellen konnte, schienen sie sich mit Kartenspielen und einem Stapel DVDs gut zu unterhalten.

Früher hätte er sich vielleicht zu ihnen gesetzt. Geflirtet, gelacht, sich unterhalten. Aber es war nicht mehr das gleiche. Es waren Menschen, mit denen er arbeitete, von denen er manche mochte, aber sie waren nicht seine Freunde. Gwen hatte sie ausgesucht und aus den Reihen UNITs rekrutiert. Sie waren gut ausgebildet und fähig und es gab keinen Grund zur Kritik an ihrer Arbeit. Nie zuvor hatte Torchwood so reibungslos und effizient funktioniert. Und mit so wenig Verlusten.

Nach Alex‘ Tod, nachdem er das Kommando über Torchwood Drei übernommen hatte, wählte Jack sein neues Team nach Instinkt. Gut, er mochte das eine oder andere Mal mit dieser Methode daneben gelegen haben… Aber er vermisste den Hub. Vermisste die Freundschaft zu seinem Team. Jetzt war er nur noch der Boss. Niemand versuchte sein Freund zu sein. An eine starre Kommandostruktur gewöhnt, kam niemand auch nur auf die Idee. Und Gwen? Nun, Gwens Fokus lag nicht mehr ungeteilt bei Torchwood, ihre Familie war wichtiger, als ihre Arbeit – wie es wohl sein sollte – und er war sich sicher, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis Anwen ein Geschwisterchen bekam.

Vielleicht war er einfach nur ein alter Mann, der darüber klagte, dass nichts mehr so war wie früher. Auch wenn er das nie zuvor von sich gedacht hatte.

Er sah kurz im Bereitschaftsraum vorbei und kam sich vor wie ein Eindringling, als die Unterhaltung stoppte und sich ihm drei Gesichter erwartungsvoll zuwandten. Jack sagte, sie sollten sich von ihm nicht stören lassen und wandte sich unnötig lange der Wand voll mit Monitoren zu, über die verschiedene Kameras und Überwachungsprogramme Informationen übermittelten. Nichts. Nicht einmal ein Weevil, der sich in den kalten Nieselregen wagte. Und die „jährliche Weihnachtsinvasion“, wie Ianto es genannt hatte, schien dieses Jahr auch auszufallen. Keine Meldung aus London, wo UNIT die Lage im Auge behielt.

Zehn – für alle reichlich unbehagliche – Minuten später, überließ Jack sie ihrer Arbeit und wanderte ziellos durch das Gebäude. Vielleicht sollte er Ianto im Archiv einen Besuch abstatten. Er konnte sagen, er fing früh mit der Jahresend-Inventur an, wenn sich jemand darüber wunderte. Die Bürokratie blieb ihm auch hier nicht erspart.

„Ich werde dir ein Cape nähen müssen.“

Ianto hatte es wieder getan. Er würde ein ernsthaftes Gespräch mit seinem jungen Liebhaber über seine Angewohnheit, plötzlich aus dem Nichts aufzutauchen, führen müssen. Oder auch nicht.

„Ein Cape?“, fragte Jack und wandte sich mit einem Lächeln zu ihm um. Seine Laune besserte sich schlagartig.

„Standard für einsame Superhelden in eisigen Festungen“, erklärte Ianto leichthin und trat zu ihm.

„Aber wir befinden uns in einem gut heizten Bürogebäude“, meinte Jack und legte die Hände auf die Hüften des anderen Mannes. „Und ich bin nicht einsam. Nicht mehr.“ Er beugte sich vor und küsste Ianto auf die Stirn. „Das ist ein „Nein, Danke“ zu einem Cape.“

Ianto lachte. „Gute Antwort. Nach all der Mühe, die ich immer hatte, deinen Mantel zusammen zu flicken, wäre ich enttäuscht, wenn du deinen Stil ändern würdest.“ Er hakte einen Arm um Jacks Nacken. „Ich würde jetzt zwar gerne mit dir darüber diskutieren, warum ein Teil meiner Sachen hier im Archiv eingelagert ist, aber zuerst habe ich ein Weihnachtsgeschenk für dich.“

Gwen hatte diejenigen von Iantos privaten Dingen, die sie aus seiner zerstörten Wohnung hatte retten können, im Archiv eingelagert – darunter sein Lieblingsanzug, seine Tagebücher und ein paar Erinnerungsfotos.

„Ist es in deiner Hose? Darf ich es gleich auspacken?“ Jack packte ihn mit übertrieben lüsternem Gesichtsausdruck und zog ihn noch enger an sich.

„Lustgreis.“ Ianto gab ihm einen Klaps auf den Hintern und wand sich dann geschickt aus seinem Griff. „Es ist nicht hier. Wir brauchen deinen Wagen – oh, und die Tafel Schokolade aus deiner Schreibtischschublade. Tosh und Owen warten schon.“

„Schokolade?“, wiederholte Jack fragend. „Wo fahren wir hin? Und was haben Tosh und Owen damit zu tun? Ist mein Geschenk ein Vierer?“

„Es ist eine Überraschung.“ Ianto verschwand durch die Tür in Jacks Büro – ohne besagte Tür zu öffnen.

Jack folgte ihm. Er nahm seinen Mantel und zog ihn an, während Ianto in der Schreibtischschublade wühlte und ihm schließlich triumphierend eine Tafel Schokolade reichte.

„Gehen wir.“ Ianto sah ihn ungeduldig an und Jack folgte ihm amüsiert.


# # #


Eine halbe Stunde später fand sich Jack zu seiner Überraschung auf dem Dach des Millennium Centre wieder. Der Nieselregen hatte aufgehört, aber es war kalt. Jack schlug den Kragen seines Mantels hoch und sah sich um. Überall um sie herum verwandelte Weihnachtsbeleuchtung die Stadt in ein atemberaubendes, goldglänzendes Lichtermeer.

„Wo sind Tosh und Owen?“, wandte er sich an Ianto, der neben ihm wartete, plötzlich die Geduld in Person.

Tosh ist dort drüber, direkt neben der Tür, durch die wir gekommen sind.“ Ianto sah in die Richtung und nickte. „Sie hat mir gerade gesagt, dass Owen im Archiv geblieben ist. Er hat Angst, nass zu werden – und einen Stapel medizinische Zeitschriften, die er lesen will.“ Ianto drehte sich ihm wieder zu und grinste. „Er ist so stolz darauf, dass er gelernt hat, umzublättern.“

Jack winkte Tosh zu. „Sag ihr, ich vermisse sie.“

Tosh hat dich gehört.“ Ianto sah in den Himmel hoch. „Hier ist sie.“

„Sie?“ Jack folgte seinem Blick. „Wer...“ Er brach ab. Da war ein Geräusch… er kannte es, aber… konnte es wirklich… Ein Luftzug streifte sie und einen Moment später landete auf der anderen Seite des Daches… Myfanwy. Elegant faltete sie ihre Flügel.

Der Pteranodon stieß ein heiseres Krächzen aus und machte ein paar unbeholfene Tippelschritte in Richtung der beiden Männer. Sie legte den Kopf schief, um sie zu betrachten.

Jack trat ungläubig zu ihr und berührte die ledrige, schuppige Haut, wie um sich zu vergewissern, dass er nicht träumte. Myfanwy stupste ihn an, dann wehte ihm fischig-fäuliger Atem ins Gesicht, als sie fordernd krächzte.

Lachend zog Jack die Schokolade aus der Manteltasche – Zartbitter, jetzt verstand er, warum Ianto darauf bestanden hatte, dass er sie mitnahm – packte sie aus und brach ein Stück ab, dass er ihr zuwarf.

Zufrieden schüttelte Myfanwy sich und trippelte ein paar Schritte auf dem Dach auf und ab.

Jack sah Ianto an. „Ich verstehe nicht… Wie hast du sie gefunden?“

„Sie hat uns gefunden, Jack. Myfanwy ist immer wieder hierher gekommen, hat in den Ruinen des Hubs nach uns gesucht. Unglaublich, dass sie in all der Zeit niemand entdeckt hat.“ Ianto lehnte sich gegen ihn. „Sie kann uns sehen. Tosh und mich und die anderen“, sagte er leise. „Aber es hat lange gedauert, bis sie uns wieder vertraute. Sie musste sich so lange vor Menschen verstecken.“

„Unglaublich ist genau das richtige Wort.“ Jack brach noch ein Stück Schokolade ab und der Pteranodon wandte den Kopf, trippelte gierig wieder zu ihm. „Wir müssen einen Unterschlupf für sie finden.“ Er warf ihr die Schokolade zu und obwohl Myfanwy schwerfällig wirkte, schnappte sie es im Flug und verschlang es.

„Wie wäre es mit dem Lagerhaus, in dem ich euch beide das erste Mal miteinander bekannt gemacht habe?“, schlug Ianto vor. „Für den Anfang. Es gehört immer noch Torchwood, oder?“

„Keine Ahnung. Ich frage Gwen.“ Jack küsste ihn. „Danke.“ Er drehte den Kopf in die Richtung, in der er Toshiko vermutete. „Danke, Tosh.“

„Sie ist da drüben, bei Myfanwy“, korrigierte Ianto ihn lächelnd. „Sie sagt, Frohe Weihnachten – und du sollst...“ Er stoppte und seine Wangen wurden rot.

„Was sagt sie?“, fragte Jack neugierig.

„Sie hat nur einen Vorschlag gemacht, wie du dich bei mir bedanken kannst.“ Ianto grinste. „Und das werde ich garantiert nicht wiederholen.“

„Ich denke, mir fällt was ein.“ Er zwinkerte Tosh zu und legte den Arm um Ianto. „Glaubst du, wir bringen sie dazu, dem Wagen zu folgen? Ich kann ihr schlecht ein Halsband umlegen und sie an der Leine zum Lagerhaus führen.“

„Wenn du ihr noch ein bisschen Schokolade gibst, dann folgt sie dir überall hin.“ Ianto schüttelte den Kopf. „Ich würde dir allerdings davon abraten, sich wieder an ihre Beine zu hängen und mit ihr zu fliegen.“

„Das wäre mein zweiter Vorschlag gewesen“, neckte ihn Jack. „Ich habe nicht gedacht, dass ich sie jemals wiedersehe.“

Tosh und ich warten unten im Auto auf dich. Da ist es wärmer.“ Ianto sah Myfanwy an, die sie so aufmerksam beobachtete, als verstehe sie jedes Wort. „Ihr beide könnt ja nachkommen, wenn ihr euch genug begrüßt habt.“

„Was meinst du damit? Wie soll ich sie denn dazu bringen, mit uns...“ Aber das Dach war bereits leer. Jack wandte sich dem Pteranodon zu. „Okay, meine Hübsche, hör mir jetzt gut zu und du bekommst all die Schokolade – und so viel Fisch – wie du futtern kannst...“



Ende (tbc)