Titel: A Ghost in the Window
Autor: Lady Charena (Januar 2016)
Fandom: Torchwood
Storysammlung: 50 Ways I’ll be your Lover
Episode: --
Wörter: 1464
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Toshiko Sato, OC
Pairing: Jack/Ianto
Rating: ab12, slash, hurt/comfort, AU


Summe: Nach dem Feuer.
Kleiner Nachtrag zu „Ghost Fire“.


Hinweis: Diese Story macht nicht viel Sinn, wenn man nicht die Vorgängerstorys „The Phantom Archivist & Other Ghost Storys”, “The Ghost Position”, “My Heart is a Ghosttown”, “The Ghost Protocol” und “Ghost Fire” gelesen hat.


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



I see you in waking
A ghost in the window shade
My lover, the form you take

By my side, walk with me

(William Fitzsimmons - By My Side)



Wenn er die Augen schloss, konnte er wieder Rauch riechen.
Aber es war nicht wie… zuvor. Er hatte keine Alpträume. Die Erinnerungen an das Feuer waren wie Szenen aus einem Film, ohne emotionale Komponente. Er hatte nur daran gedacht, Jack zu finden. Da war kein Raum für den Gedanken an seine eigene Sicherheit mehr in seinem Kopf geblieben. Nicht, dass er sich da in seinem jetzigen Zustand große Sorgen machen musste.

Ianto hob die Hand, hielt sie ins Gegenlicht, das seine Finger täuschend solide aussehen ließ. Es hatte einen Moment gegeben, nur einen winzigen Moment, als er Angst hatte, als das Dach über ihm zusammenstürzte. Seit es diese Verbindung mit Jack gab, die es ihm aus einem noch immer unklaren Grund erlaubte, seine Lebensenergie anzuzapfen, wurde es leichter und leichter über einen langen Zeitraum stabil zu bleiben. Tosh meinte, sie hätte ihn mehrfach schlafen sehen, ohne dass er auch nur durchsichtig wurde.

So hatte er sich Sorgen gemacht, dass er vielleicht doch von einem der herabfallenden Trümmer getroffen werden könnte. Aber nichts war geschehen.

Zumindest verstand er jetzt besser, wie Jack sich fühlte. Es war ein Gefühl, als wäre man unverletzbar. Nicht körperlich, sondern mental.

Eine zweite Hand legte sich über seine, zog sie nach unten, ihre Finger kamen ineinander verflochten auf der Fensterbank zur Ruhe. Wie ein Anker, der ihn im hier und jetzt festhielt.

Jacks Körperwärme gegen seinen Rücken war wie in ein vertrautes Kleidungsstück zu schlüpfen. Er spürte den Atem des anderen Mannes in seinem Nacken. Jacks anderer Arm schlang sich lose um seine Mitte.

Er schloss die Augen wieder, genoss den starken Herzschlag gegen seinen Rücken.

Trotz der ausgiebigen Dusche hatte Jacks Haar noch ganz leicht nach kaltem Rauch und alter Asche gerochen, als Ianto hinter ihm lag. Beide schweigend, beide schlaflos. Er presste einen Kuss gegen Jacks Schulter, schmeckte ihn auf seiner Zunge, ließ seinen vertrauten Geruch den des Feuers übertünchen. Der andere Mann rollte sich in einer fließenden Bewegung herum. Jack legte eine Hand gegen die Seite von Iantos Gesicht, musterte ihn im Halbdunkel des Raumes so intensiv, als müsse er sich seine Züge neu einprägen. Dann lächelte er und zog Iantos Kopf ein wenig nach vorn, um ihn zu küssen.

„Du solltest mehr Sonne an diese blasse Haut lassen“, sagte Jack, sein Mund dicht an Iantos Ohr. Warmer Atem streifte seine Wange. Die kurzen Härchen in seinem Nacken richteten sich auf. „Was hältst du davon, wenn ich Gwen das Kommando überlasse und wir es ausnutzen, dass der Regen eine Pause einlegt?“

Ianto lehnte sich vorwärts, presste die Stirn gegen das Glas. „Ich kann die Sonne auch hier drinnen spüren.“ Er öffnete die Augen, sah das goldene Schimmern, das sich um ihre Umrisse zu bilden begann, als Jack das Kinn auf seine Schulter stützte. Gänsehaut formte sich auf seinen Unterarmen und ein Gefühl von Schwere unterhalb seines Nabels. „Und Gwen ist vor einer Stunde nach Hause gegangen, weil sie mit Anwen einen Kontroll-Termin beim Kinderarzt hat und Rhys das nicht übernehmen konnte“, erinnerte er ihn nicht ohne echtes Bedauern.

„Spielverderber“, erwiderte Jack und biss ihn leicht ins Ohr. „Spürst du mich?“ Sein Tonfall änderte sich, wurde neckend.

Bevor Ianto antworten konnte, klopfte jemand an die Tür, die einen Spalt breit offen stand. Er glitt aus Jacks Griff und trat einen Schritt zur Seite. Die Arbeit kam immer noch zuerst.

Andrew Parker steckte den Kopf zur Tür herein. Er war erst vor knapp einem Monat von UNIT zu Torchwood gekommen und Gwen hatte ihm eingeschärft, nie einfach so in Captain Harkness‘ Büro zu platzen. Er war sich nicht so wirklich sicher, warum. Gut, Harkness flirtete auf unverbindliche Weise mit allem, was atmete, aber Andrew erschien es nicht ernst gemeint. Als halte Harkness an einer alten Gewohnheit fest, aber war nicht wirklich bei der Sache. Andererseits, wie sollte er das nach so kurzer Zeit beurteilen. Also hielt Parker den Mund.

Obwohl Andrew im Korridor vor der Tür noch vor einem Moment seine Stimme gehört hatte, war der Captain alleine in seinem Büro. Er stand am Fenster, wandte ihm den Rücken zu. Vielleicht hatte er telefoniert.

Ein abwesender Blick streifte ihn, als Harkness sich zu ihm umdrehte.

„Sir, da ist etwas auf den Monitoren...“, begann Andrew.

„Es ist Jack, Andrew“, unterbrach ihn der Captain. „Ich bestehe darauf, dass du mich Jack nennst. Lass das Sir weg.“

Sein Lächeln war fast wehmütig, als denke er an etwas Vergangenes und einen Moment lang schien es Andrew so, als lausche er auf eine Stimme, die nur der andere Mann hören konnte.

„Okay… Jack“, wiederholte Parker unbehaglich. „Da ist etwas auf den Monitoren...“

Jack trat zu ihm. „Erklär es mir auf dem Weg“, meinte er und verließ den Raum.

Andrew eilte überrascht hinter ihm her.

„Deine Chance, ihm zu schaden, ist wesentlich größer, wenn du diesen albernen Gedanken nachgibst und ihn verlässt“, kam es von Tosh, die plötzlich neben ihm sichtbar wurde. „Wann geht das endlich in deinen dicken, walisischen Schädel?“ Sie lächelte und klopfte ihm mit dem Zeigefinger gegen die Stirn.

Ianto musterte sie. „Ich glaube, ich verstehe jetzt, wieso Jack immer so seltsam reagiert, wenn er denkt, ich könne seine Gedanken lesen. Kannst du?“

„Ich habe euch nur zugesehen“, erwiderte Tosh lächelnd. „Du hast das Glas angestarrt, als du angefangen hast, zu schimmern.“ Sie legte die Hand auf den Arm ihres Freundes, als der den Blick abwandte und aus dem Fenster sah.

„Ich denke, ich verändere mich“, sagte Ianto leise. „Nein. Ich weiß, ich verändere mich. Es passiert jetzt jedes Mal, wenn er mich berührt. Diese Energie… verändert mich.“

Ianto. Ich weiß, dass wir überhaupt nicht existieren sollten, aber wir sind trotzdem hier“, erwiderte Tosh ruhig. „Alles andere ist reine Spekulation.“ Sie wartete, bis er sie ansah. „Ja, Jacks Lebensenergie verändert dich. Es schadet ihm nicht. Sie schadet dir nicht. Im Gegenteil, du wirst immer stabiler.“

„Was ist, wenn ich zu stabil werde?“, fragte Ianto, seine Stimme abrupt rau. „Was ist, wenn ich so stabil werde, dass ich noch einmal sterbe? Was denkst du, wird das Jack schaden?“

„Du willst dir von einer verschwindend geringen Chance, dass dir möglicherweise in ferner Zukunft etwas zustoßen könnte, die Chance jetzt glücklich zu sein, verderben lassen?“ Tosh sah ihn an. „Ich glaube nicht, dass wir deswegen diese zweite Chance erhalten haben.“ Sie lehnte sich gegen die Wand, die Arme vor der Brust verschränkt.

Ianto ließ sich in Jacks Stuhl fallen. Er hatte den Raum durchquert, ohne es bewusst zu bemerken. Aber er berührte die Sitzfläche nicht, schwebte mehr als zehn Zentimeter darüber in der Luft.“

Die Tür ging auf und Jack trat in sein Büro. „Es tut mir leid, wir müssen das verschieben – wir haben eine mögliche Riftöffnung registriert“, erklärte er, während er die Webley an seinem Gürtel befestigte und seinen Mantel überwarf. Trotz des Sonnenscheins war es kein besonders warmer Tag. „Ist alles in Ordnung?“, fragte er, kurz neben dem Schreibtisch pausierend.

„Ja. Ja, natürlich“, erwiderte Ianto. Er deutete zum Fenster. „Tosh ist hier, sie kann mir Gesellschaft leisten.“

„Toshiko?“ Jack wandte sich mit einem strahlenden Lächeln in die Richtung, in die Ianto zeigte. „Habt Spaß, Kinder. Macht nichts, was ich nicht tun würde.“ Er presste einen Kuss gegen Iantos Schläfe und eilte aus dem Büro.

„Deshalb sind wir hier“, sagte Tosh ruhig. „Und jetzt setz dich gefälligst in Bewegung und hilf mir, heraus zu finden, wie wir Owen hierher schaffen können.“

Ianto sah auf. „Wieso sollten wir Owen hierher bringen?“, fragte er entgeistert.

„Ihm ist langweilig.“ Tosh kam zu ihm und hielt ihm einladend die Hand hin. „Er will endlich die neuen Räume sehen. Und vielleicht kann er dir dabei helfen, herauszufinden, was mit dir passiert. Immerhin ist er Arzt.“

„Was ist aus seinem Plan geworden, in einem Pub als Poltergeist zu spuken?“, bemerkte Ianto trocken und stand auf.

„Er denkt, es ist zu deprimierend, anderen Leuten nur beim Trinken zusehen zu können.“ Mit einem Grinsen verschwand Tosh.

Nach einem Moment – und kopfschüttelnd – tat Ianto es ihr nach.


Ende