Titel: Ghost Fire
Autor: Lady Charena (Oktober 2015)
Fandom: Torchwood
Storysammlung: 50 Ways I’ll be your Lover
Episode: --
Wörter: 2240
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Gwen Cooper-Williams, andere erwähnt
Pairing: Jack/Ianto
Rating: ab12, slash, hurt/comfort, AU


Summe: Ianto testet die Grenzen seiner neuen Existenz aus, während Jack immer noch darüber nachdenkt, ob er Gwen in sein Geheimnis einweihen soll.


Hinweis: Diese Story macht nicht viel Sinn, wenn man nicht vorher „The Phantom Archivist & Other Ghost Storys”, “The Ghost Position”, “My Heart is a Ghosttown” und “The Ghost Protocol” gelesen hat.


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



Walked into the flames
Called out your name
But there was no answer

(Adam Lambert, Ghost Town)




Okay, dieses Mal hatte Jack sich eindeutig übernommen.
Der Weg zur Tür war ihm versperrt. Ein Teil des Dachstuhls war durch die Decke gebrochen und bildete nun eine brennende Barriere – eine brennende, undurchdringliche Barriere. Das Glas des Fensters hinter ihm war bereits durch die Hitze gesprungen, aber bot ihm keinen Ausweg, da es mit schweren Eisenstäben gesichert war. Und da der Raum leer war, fand sich absolut nichts, dass er als Werkzeug verwenden konnte. Die Wände waren massiv. Sie würden noch lange stehen, nachdem der Rest des Daches eingestürzt war.

Jack zog sich in eine Ecke zurück, die am weitesten von den brennenden Balken entfernt war und versuchte durch den Kragen seines Mantels zu atmen. Natürlich war ihm bewusst, dass er das Unvermeidliche nur hinauszögerte. Falls ihn der Dachstuhl nicht in den nächsten Minuten unter sich begrub – und, wenn er Glück hatte, ihn sofort tötete, so dass er nicht unter den Trümmern eingeklemmt, bei lebendigem Leib verbrannte – erstickte ihn der Rauch. Beides war alles andere als erfreulich.

Da war natürlich die Alternative. Er trug seine Webley bei sich. Ein rascher Schuss in seinen Kopf und er musste nicht bewusst miterleben, was danach mit ihm passierte. Sorge, davon nicht mehr zurückkommen zu können, hatte er keine. Nach mehr als einem Jahrhundert gab es nicht mehr viele Arten, ums Leben zu kommen, die er noch nicht hinter sich hatte. Selbst die Bombe, die den Hub zerstörte, überstand er. Zugegeben, er würde es vorziehen, nicht noch einmal einen kompletten Körper neu wachsen zu lassen… Der Stoff seiner Alpträume. Wie viel von ihm war noch er selbst nach so vielen Toden?

Jack griff nach der Waffe, mit dem Ärmel sein Gesicht vor den beißenden Rauch abschirmend.

Gwen würde ihm die Hölle heiß machen – gleich, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass es ihm gut ging. Zugegeben, er hatte ihre Warnung ignoriert und war in das Gebäude zurückgekehrt. Das bedeutete wohl, dass er sich bei ihr entschuldigen musste.  

Was Ianto zu seinem Leichtsinn – und dem erneuten Verlusts eines Mantels – sagen würde, mochte er sich im Moment nicht ausmalen.

Über ihm krachte und knackte es bedenklich. Das Feuer, das im Dachstuhl begonnen hatte, fraß sich immer weiter durch. Ihm lief die Zeit davon.

Dass der Rift glühende Steine ausspuckte, war neu. Und er hoffte sehr, dass es ein einmaliges Ereignis bleiben würde. Sofern man von Glück im Unglück sprechen konnte, dann war es der Umstand, dass das Haus, auf das es die Steine regnete, zur Zeit unbewohnt war, weil es gerade innen und außen modernisiert wurde. Sein Pech war, dass noch niemand dazu gekommen war, die hässlichen Gitterstäbe vor den Fenstern zu entfernen, die vor der Erfindung der Alarmanlage dazu dienten, Einbrecher abzuschrecken. Oder jemand daran zu hindern, ein Schlafzimmer hastig zu verlassen, in dem man nicht von einem unvermutet heimkehrenden Ehepartner erwischt werden wollte…

Hey. Gute Zeiten. Trotz des Rauches, der ihn zum Husten brachte und nach Luft ringen ließ, grinste Jack. Er hatte ein paar wilde Geschichten für Ianto, wenn das hier vorbei war…

Und je schneller er das hinter sich brachte, desto eher konnte er sich auf seiner eigenen Couch entspannen, während Ianto…

„Ianto?“ Überrascht starrte Jack auf die flackerenden Konturen des jungen Walisers, die zwischen den Rauchschwaden erschienen. Hatte er bereits so viel davon eingeatmet, dass er Halluzinationen bekam?

Ianto war fast durchscheinend, wie am Anfang, als er noch kaum Kontrolle über seinen Zustand hatte. Seine Füße schwebten mehrere Handbreit über den Boden. Seine nackten Füße.

Das überzeugte Jack, dass es keine Halluzination war. Oder ein Traum. „Was machst du hier?“, fragte er. Oder versuchte es zumindest, aber es klang eher nach Krächzen.

„Ich bin dein persönlicher Geist, schon vergessen?“ Iantos grimmige Miene strafte seine leichtfertigten Worte Lügen. „Immer zu Diensten.“

„Verschwinde von hier. Die Decke…“, begann Jack.

„Ich habe versucht, Gwen zu sagen, dass du hier eingeschlossen bist“, unterbrach Ianto. „Natürlich hört sie mich nicht.“ Er wurde sichtlich stabiler, als er Jacks Arm packte und ihn zur Seite zog. „Ich habe einen Weg hier heraus gefunden.“

„Wie?“ Jack presste den Ärmel vor den Mund, der Rauch war zum Schneiden dick und kleine Stückchen brennender Putz rieselten von der Decke auf seinen Kopf und seine Schultern. Durch Ianto in seinem semi-stabilen Zustand fielen sie einfach hindurch.

„Tosh.“ Ianto führte ihn um verkohlte Holzbalken herum, die Jack kaum erkennen konnte. Er sah nur, dass es vage in Richtung der versperrten Tür ging. „Sie war im Hub. Und sie hat die Pläne gesehen, die Maeve im Internet aufgestöbert hat. Es gibt einen Kamin. Er geht vom Keller bis zum Dach. Die eigentliche Feuerstelle ist im Keller. Aber es gibt Öffnungen in jedem Raum.“

„Kamin?“, wiederholte Jack. „Was…?“

„Sie sind hinter einer falschen Wand versteckt. Wurden nicht mehr gebraucht, als Heizkörper eingebaut wurden.“ Ianto ließ Jacks Arm los und begann ein Stück Wand abzuklopfen, das sich optisch in nichts vom Rest unterschied. „Hier. Ich schätze, du musst den Bauch ein bisschen einziehen, aber du solltest durch passen.“

„Welchen Bauch?“ Selbst mit fast versagender Stimme gelang es Jack, beleidigt zu klingen.

Wie sich herausstellte, war an der Stelle, die Ianto ausgewählt hatte, keine massive Ziegelwand hinter der vergilbten Tapete, sondern Gipskarton. Ein paar kräftige Tritte ließen ihn zerbrechen und Jack konnte große Stücke herausreißen. Die Öffnung zu einem gemauerten Schacht, die sich dahinter verbarg, war tatsächlich groß genug, dass er durch passte. Vielleicht ein wenig eng um die Schultern, aber besser als zu verbrennen.

Jack drehte sich zu Ianto um. „Nach dir.“ Ein Hustenanfall schnitt ab, was er noch sagen wollte.

Ianto rollte mit den Augen. „Wirklich. Mach das du hier rauskommst, ich nehme die Tür.“ Er sah zu, wie Jack mit den Beinen voran in den Schacht verschwand. Und dann brach die Decke über ihm zusammen.

Im Keller war die Feuerstelle nicht verschlossen. Vielleicht hatte man die Abdeckung dort schon entfernt, um herauszufinden, was sich dahinter fand. Jack landete in einer Wolke aus Staub und antiker Asche unsanft auf uneben verlegten Steinen und krabbelte auf allen Vieren aus dem Kamin. Hinter ihm krochen feine Rauchfäden in den Keller. Kein Ianto, aber er ging davon aus, dass der junge Waliser das Haus auf dem gleichen Weg verlassen hatte, wie er es betreten hatte.

Es war dunkel in dem Raum, allerdings fielen dünne Lichtstreifen durch die Abdeckungen vor den Fenstern. Allerdings versuchte Jack gar nicht erst, durch eines der Fenster zu klettern oder die Tür zu finden – die vermutlich verschlossen sein würde – er hatte den Kohlenschacht entdeckt, durch den in früheren Zeiten neues Brennmaterial angeliefert wurde. Er war ebenfalls aus Ziegelsteinen gefertigt und bot Halt für Finger und seine Schuhe, als Jack sich Stück für Stück hochschob. Eine hölzerne Abdeckung gab unter ein paar kräftigen Stößen mit der Schulter nach und endlich atmete Jack frische Luft ein. Er blieb einen Moment auf der Kante sitzen, bevor er die Beine nachzog und aufstand.

Jack sah sich um. Er befand sich in einer schmalen Straße hinter dem brennenden Gebäude. Blaulicht und schnarrende Stimmen aus Funkgeräten wies ihm den Weg zu seinem Team. Jack wischte sich Asche und Staub aus dem Gesicht und lief los. Zeit, das ganze hier abzuschließen.


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Gwens Erleichterung, ihn unbeschädigt – nun, fast unbeschädigt… sein linkes Hosenbein hatte ein Brandloch und seine Hände waren mit kleinen, bereits heilenden Schnitten und Rissen übersät – zurück zu haben, ließ ihre Strafpredigt beträchtlich milder als erwartet ausfallen. Sie versicherte ihm, dass sie die Aufräumarbeiten im Griff hatten… im Grunde war es nur noch eine Sache für die Feuerwehr, nicht mehr für Torchwood… und schickte ihn nach Hause. Einen Moment lang dachte Jack, dass jetzt der richtige Moment gekommen war, mit ihr über Ianto zu sprechen – und welche Rolle er bei seiner Rettung gespielt hatte – aber dann entschied er, dass weder Ort noch Umstände dazu passten. Also küsste er sie auf die Wange, beschmierte sie dabei mit Ruß und stieg in seinen Wagen.

Ianto wartete direkt hinter der Tür seiner Wohnung auf ihn und bevor Jack einen Witz darüber machen konnte, ob er nun ausschließlich im Flur spuken wollte, fand er sich in der Umarmung des jungen Walisers wieder.

„Hey, es ist alles in Ordnung“, murmelte er, die Wange gegen Iantos Haar pressend, dass er mal spürte, dann wieder nicht. Iantos „Flackern“ verriet ihm mehr über den emotionalen Zustand seines Partners, als ein Blick in sein Gesicht. „Ich brauche dringend eine Dusche und ich rieche wie ein Steak, das deutlich zu lange auf dem Grill geblieben ist, aber ich bin okay. Dank dir bin ich okay.“

„Du riechst wie das, was man aus dem Grill kratzt, wenn man ihn lange nicht benutzt hat.“ Iantos Stimme klang gedämpft. „Sehr lange.“

„Nun, der Kamin wurde schon sehr lange nicht mehr benutzt. Man kann wirklich nicht erwarten, dass er sauber ist.“ Jack umschloss Iantos Gesicht mit beiden Händen, hob es an, um ihm in die Augen zu sehen. „Ianto, wie hast du mich gefunden?“

Ein leicht schiefes Lächeln erschien auf Iantos Lippen. „Gwen hat Verstärkung angefordert. Ich bin in den Kofferraum geklettert und mit ihnen dorthin gefahren.“ Wie Ringe über einen Teich lief ein Schaudern durch ihn. „Ich konnte nicht einfach nichts tun, Jack. Du wärst verbrannt. Und ja, ich weiß, du kannst von allem zurückkommen, aber...“ Er sah den anderen Mann an.

„Ich weiß“, erwiderte Jack. „Glaub mir, ich bin erleichtert, dass es nicht so weit gekommen ist.“ Er presste einen Kuss auf Iantos Stirn, spürte seine Haut warm und solide gegen seine Lippen. Ein feiner, goldener Schimmer spann sich zwischen ihnen und Jack fühlte das schmerzlose Zerren tief in seiner Mitte, als seine Lebensenergie in Ianto strömte. „Warum gehe ich nicht rasch duschen und dann zeige ich dir, wie dankbar ich bin?“ Nicht auf die gleiche Weise, wie früher, natürlich – es war ihnen noch nicht gelungen, so etwas Ähnliches wie Sex zu haben – aber ihm fielen ein paar Dinge ein, die sie ausprobieren konnten…

Ianto schnappte nach Luft und löste sich aus Jacks Griff. Er wurde durchscheinend.

„Was ist los?“ Instinktiv versuchte Jack ihn zurück an sich zu ziehen, doch Ianto wich aus. Ein Hustenanfall schüttelte ihn.

Langsam kehrte die Farbe in sein Gesicht zurück und das Flackern um seine Konturen hörte auf. Ianto richtete sich auf. „Ich weiß nicht, was… einen Moment lang… als du mich berührt hast…“ Er rieb sich mit beiden Händen übers Gesicht. „Es war, als würde ich in Flammen stehen“, setzte er leise hinzu.

„Ianto, was ist passiert, nachdem ich den Kamin hinuntergerutscht bin?“, fragte Jack.

„Die Decke ist eingestürzt, aber…“ Ianto hob die Schultern. „Die Trümmer sind einfach durch mich durchgefallen. Und ich bin durch die Tür nach draußen. Das ist das letzte, an das ich mich erinnere.“

„Was heißt, an das du dich erinnerst? Ianto, ich weiß, wir haben noch nie darüber gesprochen, wie du dich eigentlich zwischen verschiedenen Orten hin und her bewegst, aber…“ Jack hob die Hände, unsicher wie er den Satz beenden sollte.

„Ich laufe. Oder zumindest ist es eine Art von Gehen. Es ist… schwer zu erklären. Es ist, als ob ich daran denke, wie es sich anfühlt, zu Gehen und ich bewege mich.“ Ianto schüttelte den Kopf. „Aber manchmal bin ich einfach irgendwo, ohne mich tatsächlich bewusst zu bewegen.“

„Wie ein Transmat?“ Jack zog endlich seinen Mantel aus und hängte ihn an die Garderobe. Kickte seine schmutzigen Schuhe von den Füßen.

„Ich hätte gesagt, wie Beamen, aber das passt auch.“ Ianto sah müde aus. „Ich weiß nicht, was passiert ist, okay? Einen Moment stand ich auf dem Gehweg vor dem Haus, im nächsten war ich hier. Normalerweise schaffe ich so etwas nur zwischen Schlafzimmer und Wohnzimmer.“ Er streckte die Hand aus. „Können wir das noch einmal versuchen?“

Jack nickte und berührte seine ausgestreckte Hand, presste seine Fingerspitzen gegen Iantos Handrücken. Er atmete tief ein, ließ den Atem langsam entweichen und ein goldenes Schimmern umgab Iantos Hand.

Nach einem Moment ließ der junge Waliser die Hand sinken. „Nichts. Vielleicht war es nur eine Art von Flashback. Ein Erinnerungsschatten.“

„Hey.“ Jack griff wieder nach seiner Hand, zog ihn näher und legte die Hände auf Iantos Hüften. „Vergessen wir das Ganze für jetzt, okay? Es ist nicht wirklich wichtig, wie du nach Hause gekommen bist, es ist nur wichtig, dass du da bist. Ich gehe duschen, damit ich nicht mehr rieche wie ein alter Aschenbecher. Du setzt dich auf die Couch und rührst dich nicht von Stelle, bis ich zurück bin. Verstanden, Mister?“

„Verstanden.“ Lächelnd wandte Ianto sich ab und verschwand ins Wohnzimmer.

Jack sah ihm nach, bevor er ins Bad ging. Ianto hatte heute sein Leben gerettet. Spielte es wirklich eine Rolle, wie er das geschafft hatte? Er ließ die Fragen zusammen mit dem Geruch nach kaltem Rauch im Abfluss verschwinden.


Ende