A perfect Rift Storm


Episode: Mitte Staffel 2
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Owen Harper, Gwen Cooper
Pairing: Jack/Ianto, [Jack/Gwen, Ianto/Owen]
Rating: AU, pg, slash/het
Worte: ~3617

Summe: Ein Riftsturm schleudert Jack in eine andere Dimension - in eine Welt in der alles ein wenig anders ist, als er es kennt.



Jack setzte sich stöhnend auf. Sein Kopf und sein Magen fühlten sich an, als hätte er aus der Altöltonne im Maschinenraum eines Kaltfusionskreuzers getrunken. Oder etliche Flaschen Hypervodka geleert. Leider wusste er, dass er nicht betrunken war – und ohne einen zu einem ordentlichen Zug durch die Gemeinde gehörenden Blackout – war ihm leider zu genau bewusst, was mit ihm passiert war. Jack blinzelte in den hellen Sonnenschein hoch. Der Rift hatte ihn endlich doch noch erwischt.

Die gute Nachricht war, Toshs Vorhersageprogramm für negative Spikes funktionierte ausgezeichnet. Die Schlechte, das er wohl keine Gelegenheit mehr erhielt, ihr dazu zu gratulieren.

Es war ihm gerade noch gelungen, Ianto und Gwen aus dem Weg zu stoßen, doch für ihn selbst kam jede Rettung zu spät. Direkt vor ihm riss die Luft auf und er landete in einer brüllenden, tosenden, gigantischen Waschmaschine. Zumindest war er herum geschleudert worden wie in einer, bevor es dunkel um ihn wurde. Möglicherweise hatte ihn der Riftsturm getötet. Oder der Aufprall? Er kam auf Asphalt zu sich, alles andere als unglücklich darüber, dass er sich nicht genau daran erinnern konnte.

Aber wo befand sich dieser Asphalt? Die Straßen um ihn herum waren scheinbar die gleichen wie zuvor. Er war noch immer in Cardiff. Wenn er nicht örtlich versetzt wurde, dann vielleicht temporär? Er sollte jemand nach dem Datum fragen. Sobald er wieder in der Lage war, aufrecht zu stehen.

Benommen rappelte Jack sich auf die Beine. Ohne große Hoffnung versuchte er es mit dem Handy, doch das war in Stücke zerbrochen, vermutlich war es bei seiner Landung unter ihn geraten. Sein Vortex-Manipulator… sagte überhaupt nichts, er bekam nur einen unverständlichen Datenstrom angezeigt. Vermutlich hatte ihm der Trip durch den Rift überladen und seinen Sensoren den Rest gegeben.

Jack sah sich um. Er war nicht weit vom Hub entfernt. Und vielleicht würde ein kleiner Spaziergang seinen Kopf klären.


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Er starrte fassungslos auf den Plas. Kein Millennium-Center, keine Wasserskulptur – kein Tourismusbüro… Und kein Hub. So viel konnte er dem Vortex-Manipulator nach einer Weile abtrotzen. Unter seinen Füßen befand sich solide walisische Erde. Oder Fels, oder was auch immer. Es war jedenfalls sehr solide und keine geheime unterirdische Basis.

Kein Torchwood. Zumindest nicht hier an diesem Ort.

Jack fühlte sich erneut benommen, ja schwindelig. Er dachte nicht klar, dachte überhaupt nicht – ansonsten hätte er vermutlich hinterfragt, wohin er ging, als sich seine Füße automatisch in Bewegung setzten.

Sie brachten ihn an den einzig anderen Ort an den er denken konnte – die Wohnung von Ianto Jones.


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„Hey Schönheit. Wie geht es deinem Bein?“

„Schönheit? Sagt man das nicht zu einer Frau?“ Ianto öffnete die Augen und sah zu seinem Partner hoch.

„Oh, wenn es zutrifft. Und du hast meine Frage nicht beantwortet.“

Ianto wackelte mit den nackten Zehen, die aus seinem Gipsbein hervor sahen. „Meinem Bein geht es prächtig. Es langweilt sich nur, genau wie der Rest von mir. Wann lässt du mich wieder zur Arbeit?“ Er setzte sich zu einem Kuss auf und zog ihn neben sich auf die Couch.

„Wenn ich überzeugt davon bin, dass du gesund genug bist. Du sollst das Bein so wenig wie möglich belasten und Führungen durch das Schloss zu machen, ist zu viel Bewegung. Ehrlich, wer immer auf die Idee gekommen ist, das Hauptquartier einer geheimen Regierungsorganisation unter Cardiff Castle zu bauen, hatte einen schweren Schatten.“

Er lachte, als sich ein Arm um seine Taille schlang, um ihn enger an den anderen Mann zu ziehen. „Ärger in Castell Caerdydd? Lass‘ dir nicht jedes Wort aus der Nase ziehen, welchen Klatsch verpasse ich.“

„Harkness hat eine Laune, dass es einen Weevil in Entsetzen zurücktreibt. Und ihre Hoheit erst... Er müsst eigentlich alle fünf Minuten tot umfallen, solche Giftblicke schießt sie auf ihn ab. Wirklich. Gwen ist heute Morgen wütender als eine Katze in einem Raum voller Mausefallen aufgetaucht. Tosh hat nur aus ihr herausbekommen, dass unser furchtloser Anführer die Nacht irgendwo anders verbracht hat. Vermutlich mit jemand anderem…“

Ianto schüttelte den Kopf. „Vielleicht hat er nur wieder im Hub geschlafen. Wenn er überhaupt schläft, dann unten im Bunker.“

„Äh-äh. Da war er nicht. Auch nicht auf dem Dach oder auf Weevil-Jagd. Sie hat als erstes das GPS in seinem Handy gecheckt und offenbar hat er es abgeschaltet, nachdem er den Hub verließ.“ Owen küsste seinen Partner auf die Schläfe. „Ich bin jeden Tag froh, dass ich damals die Finger von Gwen gelassen habe, als ihre Beziehung mit Rhys in die Brüche ging. Sieht so aus, als hätte ich damit den Hauptpreis gelandet.“

„So war das also“, entgegnete Ianto amüsiert und gab dem Arzt einen Klaps auf den Oberschenkel. „Ihr habt um mich gewürfelt.“

Owen lachte. „Du sagst das, als wäre es etwas Schlimmes.“ Er küsste Ianto noch einmal und stand auf. „Ich muss zurück, bevor das glückliche Paar anfängt, auf mir herum zu hacken. Und dein Bein bleibt so lange wie möglich auf der Couch, verstanden?“

„Dann lasse ich es einfach hier, wenn ich nachher zum Einkaufen gehe, ja?“, rief ihm Ianto hinterher.

„Untersteh‘ dich.“


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„Jack?“

Ianto wirkte überrascht, als er ihm die Tür öffnete. Aber er kannte ihn zumindest und das ließ Jack frische Hoffnung schöpfen, dass in diesem Universum nicht alles so völlig anders sein mochte als in seinem.

„Ist alles okay? Ist etwas mit Owen?“, fragte der junge Waliser angespannt.

„Owen?“ Jack schüttelte den Kopf. „Nein, mit Owen ist alles okay.“ Soweit er wusste.

Iantos Miene wandelte sich von besorgt zu mitfühlend. „Gwen dann, hm?“, meinte er. „Owen hat mir schon davon erzählt. Willst du nicht herein kommen? Ich werde dich am Telefon verleugnen, sollte sie anrufen und dich suchen.“

Er nickte automatisch und folgte Ianto in die Wohnung. Der jüngere Mann schien sich nicht an seiner Sprachlosigkeit zu stören und kommentierte auch nicht seinen benommenen Zustand. Ianto nahm ihm den Mantel ab und hängte ihn an einen Kleiderhaken, neben eine Lederjacke. Jack benötigte keine extra Aufforderung, auch seine Schuhe auszuziehen.

Als er sich aufrichtete, bemerkte er den Gips an Iantos Bein, der vor ihm den Flur entlang ging. „Was ist mit deinem Bein?“

Ianto warf ihm einen fragenden Blick über die Schulter zu. „Weeviljagd. Bin ich schon so lange weg, dass du dich nicht mehr daran erinnerst, dass ich es geschafft habe, in einen Kanal zu fallen?“

„Doch, natürlich erinnere ich mich“, log Jack. „Ich wollte… ich meinte, ich wollte fragen, wie es deinem Bein geht.“

„Von Tag zu Tag besser. Owen lässt mich sicher bald wieder zur Arbeit kommen.“ Ianto führte ihn in die Küche. Der Raum unterschied sich nur in Kleinigkeiten von dem, in dem er heute Morgen mit Ianto gefrühstückt hatte. „Setz dich und trink einen Kaffee. Ich habe ihn gerade gemacht.“

Dankbar nahm Jack die Tasse entgegen und trank einen großen Schluck - in der Hoffnung, das Koffein würde seinen Kopf klären – und spuckte ihn fast wieder aus. Der Kaffee war grauenhaft, bitter und scharf, beinahe wie verbrannt und er dachte, dass er lieber den Mund voll Nadeln hätte, als noch einen Schluck davon zu trinken. Er überspielte seine Reaktion mit einem Husten und dem Griff nach Zucker und Milch. Jetzt wusste er sicher, dass er nicht in seiner Welt war.

„Ich bin gerade dabei, für uns zu kochen.“ Ianto wandte sich wieder dem Herd zu. „Willst du mit uns essen, oder musst du gleich zurück?“

Da war es wieder, diese ominöse „uns“. Ianto lebte offensichtlich hier mit jemandem zusammen – und seiner Reaktion nach war es nicht Jack. Er hoffte es war nicht Lisa.

„Könntest du…?“ Er wies mit dem Kopf zum Schrank und Jack stand gehorsam auf, um den Tisch zu decken.

Dann blieb er neben Ianto stehen und sah ihm dabei zu, wie er italienische Würstchen in kleine Stückchen schnitt und sie in eine Pfanne mit heißem Öl warf, in der bereits kleingeschnittene Zwiebeln brutzelten. Der aufsteigende Geruch ließ seinen Magen knurren. Sie hatten geplant auf dem Rückweg irgendwo anzuhalten und Takeout für sich und den Rest des Teams zu holen.

Ianto lächelte und sah ihn von der Seite an. „Ja, du bleibst zum Essen“, meinte er. „Ich dachte, Gwen hat auch endlich raus, dass sie dich regelmäßig füttern muss“, spottete er sanft. „Ihr kommt wirklich nicht ohne mich zurecht.“ Er rührte in der Pfanne. „Wie ist die Videokonferenz mit UNIT gelaufen?“

„Was wird das?“, fragte Jack, um davon abzulenken, dass er keinen Schimmer hatte, wovon der andere Mann sprach. Er hatte gehofft, Ianto würde ihm Zugang zum Hub verschaffen, vielleicht konnte er mit Hilfe von Mainframe herausfinden, wo er war. Zumindest mussten die Monitore den Riftsturm, der ihn hierher gebracht hatte, aufgezeichnet haben. Es war nicht viel, doch immerhin vielleicht ein Anfang. Aber mit seinem Gipsbein hatte der junge Waliser keinen Grund, den Hub aufzusuchen. Schon gar nicht mitten in der Nacht und heimlich. Und offensichtlich hatten sie in diesem Universum keine… intime… Beziehung, was es ihm schwer machte, abzuschätzen ob er Ianto die Wahrheit sagen konnte. Natürlich arbeitete er für Torchwood und sollte mit den Kapriolen des Rifts vertraut sein, aber…

„Penne.“ Ianto deutete auf einen Nudelkarton, der neben einem großen Topf wartete. „Und Tomatensoße mit diesen scharfen, italienischen Würstchen. Ich vergesse immer, wie sie heißen.“ Er rührte alles um und trat dann zum Küchenschrank, kam mit einer viereckigen Packung Tomatenpüree zurück, die er aufschnitt und in die Pfanne kippte, bevor ein Deckel auf alles kam. „Weißt du, es macht mich nervös, wenn du so schweigsam bist“, sagte Ianto mit einem leisen Lachen. Er wandte sich Jack zu.

Und er wirkte so unbekümmert, so entspannt, so vertraut - dass Jack… er konnte nicht anders. Er beugte sich vor, legte die Hände um das Gesicht des anderen Mannes und küsste ihn.

Ianto schob einen Arm zwischen sie und stieß ihn zurück. „Jack, was soll das? Nur weil du mit Gwen Ärger hast, kannst du doch nicht…“ Er brach ab, fuhr sich durch die Haare und seufzte. „Wir waren uns doch einig, dass das zwischen uns ein Fehler war und wir besser Freunde bleiben.“

„Ich…“ Jack hob besänftigend beide Hände. „Es tut mir leid. Ich… werde gehen.“

„Warte.“ Ianto erwischte ihm am Ärmel, als er sich zum Gehen wandte. „Wieso… gehst du nicht ins Wohnzimmer? Nimm‘ dir ein Buch oder schalt‘ den Fernseher ein und entspanne dich, während ich das Essen fertig mache.“

Er war müde, hungrig – um nicht verwirrt zu erwähnen – und wusste nicht, wohin er sonst sollte.

Also ließ sich Jack ins Wohnzimmer schicken und setzte sich dort auf die Couch. Er sah sich um. Bücher, DVDs, CDs, in ordentlichen Reihen auf der einen Seite des Regals, auf der anderen eine Spielkonsole und unordentlich gestapelte Spiele. Eine HiFi-Anlage, noch eine Spielekonsole, und ein Brett voll dicker Wälzer mit Einbänden, die nicht nach Unterhaltungsliteratur aussahen, eher wie Sachbücher.

Dazwischen fanden sich gerahmte Bilder an  der Wand. Er stand auf und sah sich die Fotos an. Eine Gruppe Menschen – Owen, Gwen, Ianto und eine Reihe fremder Gesicht. Ianto und Lisa, offensichtlich ein altes Fotos – Ianto sah zu jung darauf aus, als das es aktuell sein könnte. Ein Foto von ihm und Ianto, seine Hand auf der Schulter des jüngeren Mannes. Da war ein ungewohnter Abstand zwischen ihnen. Tosh neben einem unbekannten Mann mit roten Haaren. Tosh mit einem etwa zweijährigen Kind auf dem Arm, neben einem Schild auf dem ihr Name und etwas von einem Computerlabor stand. Daneben eins von ihm und Gwen – sein Arm um ihre Hüften, sie hatte den Kopf zurück an seine Schulter gelegt. Sie sahen fast wie ein Paar aus… Oh, vielleicht hatte Ianto das gemeint. In diesem Universum war er also mit Gwen zusammen? Dann eines von Ianto und Owen. Und noch eines. Und ein drittes. Ianto UND Owen? Lachend, sich umarmend, sich… küssend?

Das war… unerwartet, um es milde auszudrücken.

Hinter ihm war das Zurückklicken der Sicherung einer Automatic zu hören.

Jack drehte sich langsam um. Ianto hielt in einer Hand seine Waffe, in der anderen sein Handy.

„Wenn du bist, wer du behauptest zu sein, kann ich dich nicht töten, das weiß ich“, sagte der junge Waliser. „Aber es gibt mir Zeit genug, den Panikbutton zu drücken. In spätestens zehn Minuten ist das ganze Team hier.“

„Mein Geheimnis ist also aufgeflogen.“ Jack hob die Hände und versuchte es mit einem Lächeln. „Was hat mich verraten?“

„Ich habe dich beobachtet, wie du dir die Fotos angesehen hast“, erwiderte Ianto, ohne die Waffe auch nur einen Zentimeter zu senken. „Du warst überrascht, mich mit Owen zu sehen. Und dann natürlich der Kuss in der Küche. Jack hätte mich niemals so… so geküsst. Ich war für ihn nur eine Herausforderung, ein Sexspielzeug das man hinterher nach Hause schicken kann. Es gab nie andere Gefühle als Freundschaft zwischen uns.“

Jack bemerkte, wie der jüngere Mann versuchte, das Gewicht von seinem verletzten Bein zu nehmen, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren. „Können wir uns vielleicht hinsetzen?“, fragte er. „Ich denke, du solltest dein Bein schonen.“

„Du siehst aus wie er, redest wie er – du riechst sogar gleich. Aber trotzdem ist etwas anders.“ Ianto legte den Kopf schief. „Der Jack, den ich kenne, ist verändert von seinem Ausflug mit dem Doctor zurück gekommen. Er hat so oft diesen gehetzten Ausdruck in den Augen, aber spricht nicht darüber, was passiert ist, während er weg war und es treibt Gwen fast in den Wahnsinn. Sie war immer seine Vertraute, wusste seine Geheimnisse. Manchmal denke ich, dass er nur deshalb angefangen hat, mit ihr zu schlafen, um sie am Fragen zu hind…“ Ianto unterbrach sich. „Netter Versuch. Mich plaudern zu lassen um Zeit zu gewinnen. Bist du ein Gestaltwandler?“

„Wenn ich mein Aussehen verändern könnte, hätte ich dann nicht ein anderes gewählt, um nicht aufzufallen?“ Jack verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich bin Jack Harkness.“

„Woher kommst du dann? Paralleluniversum? Eine alternative Zeitlinie? Oder aus der Zukunft?“, fragte der junge Mann ungerührt weiter. „Und wenn ich bitten darf, keine hastigen Bewegungen mehr.“

Jack trat zur Couch und ließ sich zwischen die Kissen fallen. Es spielte nicht wirklich eine Rolle, wenn Ianto ihn erschoss, also konnte er diese Unterhaltung ebenso gut im Sitzen führen. Obwohl er nicht derjenige sein wollte, der das Blut aus dem Bezug schrubben musste. „Das kann ich nicht beantworten – nicht weil ich es nicht will, sondern weil ich es nicht kann. Der Rift hat mich in meinem Universum verschluckt und hier wieder ausgespuckt. Es sieht nicht so aus, als hätte er mich vorwärts oder rückwärts in der Zeit befördert, aber das ist auch schon alles, was ich weiß.“ Er musterte Ianto, der keine Spur entspannter wirkte und er wünschte, sie könnten zu dem sorglosen Moment in der Küche zurückkehren. Er wünschte, er könnte ihm sagen, dass in seinem Universum Ianto sehr viel damit zu tun hatte, dass dieser gehetzte Ausdruck aus seinen Augen verschwunden war. Die Akzeptanz und das Verständnis des viel jüngeren Mannes, seine oft wortlose Unterstützung und Loyalität hatte ihm über eine Menge dunkler Momente hinweggeholfen, wenn die Erinnerungen an das Jahr auf der Valiant ihn zu überwältigen drohten. Er wünschte, er könnte ihm sagen, was er seinem Ianto nie gesagt hatte – das er ihn liebte.

„Der Rift“, wiederholte Ianto leise und ein Schatten flog über sein Gesicht.

„Ich habe mit… einem Teil meines Teams den Ort untersucht, an dem wir einen Negativ-Spike gemessen haben. Und dann bin ich hier aufgewacht.“ Jack bemerkte, dass die Mündung ein wenig mehr nach unten zeigte. Hieß das, er glaubte ihm?

Nach einem Moment trat Ianto von der Tür weg und setzte sich in einen Sessel, der sich der Couch gegenüber befand. Er stützte die Waffe auf seinen Oberschenkel, behielt aber den Finger über der Tastatur des Handys. „Sind die anderen auch…?“

„Nein. Ich denke nicht. Ich hoffe nicht. Ianto…“ Er unterbrach sich kurz. „…Ianto konnte ich zur Seite stoßen und Gwen war knapp außerhalb der Riftöffnung. Sie sollten beide rechtzeitig weg gekommen sein.“

„Du bist… ähem… mit deinem Ianto… zusammen?“, fragte der junge Waliser zögernd.

„Ja.“ Jack lächelte unwillkürlich. „Du bist… Er ist sehr wichtig für mich.“

„Nicht Gwen?“ Ianto lehnte sich interessiert vor.

„Ist das eine private Party oder ist jeder eingeladen?“, kam es von der Tür und zum zweiten Mal an diesem Tag starrte Jack in die Mündung einer Waffe. Dieses Mal war es die einer Webley, die seiner eigenen sehr ähnlich sah. Genau wie der Mann, der sie auf ihn richtete: Jack Harkness.


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„Hallo Jack.“ Ianto stoppte ihn, als er sich aufsetzen wollte. „Willkommen zurück. Bleib einen Moment liegen. Owen wird gleich hier sein und dich untersuchen.“

Jack starrte ihn einen Moment an, dann setzte er sich auf und packte Iantos Kopf, um ihn zu küssen. Der andere Mann verlor das Gleichgewicht und sie purzelten zurück auf den Boden. Jack lachte und zog Ianto über sich, ohne sich darum zu kümmern, wo sie waren oder wer ihnen dabei zusah. Es hatte funktioniert. Er war zurück. Der Plan des anderen Jack, den funktionstüchtigen Vortex-Manipulator aus seinem Safe (er wollte nicht sagen, woher er kam oder wie er in seinen Besitz geraten war oder warum er ihn im Safe aufbewahrte, anstatt ihn zu benutzen die Erde zu verlassen) mit den umgekehrten Koordinaten des Riftspikes zu programmieren, hatte geklappt. Er war zurück! „Es geht mir gut. Es könnte mir gar nicht besser gehen.“ Er schmollte, als sich Ianto lachend von ihm los machte und aufstand. Jack ignorierte die helfend ausgestreckte Hand und sah sich um. Er befand sich genau am selben Ort, von dem es ihm fortgerissen hatte.

„Gwen ist zurück in den Hub gefahren“, erklärte Ianto. „Tosh hat sich in das örtliche CCTV eingeklinkt, also werden sie bald alle hier sein. Ich bin hier geblieben. Jemand musste ja darauf warten, dass du zurück kommst.“

„Wie lange war ich weg?“ Jack schob die Arme hinter den Kopf, als dächte er darüber nach, ein Schläfchen zu halten.

„Etwas über vier Stunden.“ Ianto setzte sich neben ihn, die Arme lose auf den angezogenen Knien verschränkt.

Jack streckte den Fuß aus und hakte ihn um Iantos Knöchel. „Es war ein wenig länger für mich. Wir mussten drei Tage warten, bis die Berechnungen, um mich zurück zu schicken, fertig waren.“ Er sah die Frage in Iantos Blick. „Der Rift hat mich in eine Parallelwelt versetzt. Es war ziemlich ähnlich wie hier. Aber Torchwood hatte kein Hauptquartier in Mermaid Quai, sondern unter dem Schloss. Der… andere… Jack war mit Gwen zusammen. Du… ich meine der Ianto dort… konnte keinen Kaffee kochen.“ Er sah, wie Ianto kritisch die Augenbrauen hochzog. „Wirklich. Ich habe nie so etwas Scheußliches getrunken, nicht mal als diese Sporen in die Bohnen geraten und sie verdorben sind.“

„Es tut mir schrecklich leid, dass du ausgerechnet in einem Universum landen musstest, in dem ich weder Bett noch Kaffeetasse mit dir teile“, entgegnete Ianto trocken. „Ich sehe es war ein traumatisches Erlebnis.“ Er drehte den Kopf und winkte, als er den SUV am Straßenrand parken sah. Zum Glück befanden sie sich auf einem Grundstück ohne direkte Nachbarn, so dass sich niemand darüber wunderte, was sie hier treiben mochten.

„Oh, das Beste weißt du noch gar nicht.“ Jack rollte sich auf die Seite und stützte den Kopf auf die Hand. „Du warst mit Owen zusammen.“

„In deinen Träumen, Harkness“, ertönte die sarkastische Stimme des Arztes und als Owen sie erreichte, stieß er Jack mit dem Fuß an. „Teaboy und ich? Ich wusste ja, dass dir der Rift das Gehirn durchgewalkt haben muss, aber dass es gleich zu Rührei verarbeitet wurde...“ Kopfschüttelnd zog Harper einen der modifizierten Scanner heraus, die sie für medizinische Zwecke verwendeten. Er wartete bis das Gerät piepste und sah dann auf die Anzeige. „Mist. Er ist unser Jack. Ich hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir eine bessere Version zurück bekommen hätten. Nichts für mich zu tun.“ Owen stopfte den Scanner wieder in die Tasche und wandte sich zum Gehen. „In etwa drei Sekunden wird Gwen hier einschlagen wie ein Meteorit“, warnte er. „Ich habe gesagt, sie muss im Wagen warten, bis ich sicher bin, dass Teaboy nicht von einem Alien als Geisel gehalten wird.“

„Tut mir leid dich zu enttäuschen, Owen“, entgegnete Jack übertrieben freundlich. „Ich bin immer noch ich. Aber du hast damit recht, dass ich vorhabe, Ianto als Geisel zu nehmen. Ich denke, ich habe mir einen freien Nachmittag redlich verdient.“

„Was auch immer“, meinte der Arzt wegwerfend, auf dem Weg zum SUV, etwas über Teaboys und Captains mit lächerlichen Fantasien murmelnd.

„So. Owen und ich?“, fragte Ianto amüsiert. „Und wir haben uns nicht gegenseitig umgebracht? Was war noch anders?“

Jack streckte eine Hand nach ihm aus und ließ sie an Iantos Bein nach oben zum Knie wandern. „Offensichtlich ist der Jack in dem anderen Universum ein Idiot“, stellte er fest. „Er hat eine Beziehung mit Gwen vorgezogen.“ Er warf einen Blick über die Schulter und sah Gwen auf sie zueilen. Jack stand widerwillig auf und stellte erfreut fest, dass er dieses Mal weniger benommen war. Er hatte das übliche Gefühl jemand hätte ihm den Kopf abgeschraubt und ihn im falschen Winkel wieder befestigt und den trockenen Mund, die zu Reisen mit dem Vortex-Manipulator gehörten, aber es war kein Vergleich mit dem Riftsturm. „Würdest du…?“ Weiter kam er nicht, als Gwen ihm um den Hals fiel.

Ianto stand langsam auf und klopfte Staub und Gras von seiner Hose. „Natürlich, Sir“, entgegnete er mit einem Lächeln, als Jack Gwen versicherte, dass er wirklich okay und er selbst war. „Takeout und Kaffee auf meiner Couch.“

Jack sah über Gwens Schulter wie Ianto kritisch einen Staubfleck auf seiner Hose betrachtete. Es war so gut, wieder Zuhause zu sein.


Ende