Episode: nach 1.04 Cyberwoman
Charaktere: Jack Harkness, Ianto Jones, Team erwähnt
Pairing: --
Rating: A/R, pg
Worte: 926

A/N: A/R oder missing scene, nach Belieben



„Verstehst du das nicht? Hast du noch nie jemanden geliebt, Jack?“
(Ianto Jones, Cyberwoman)


Er hatte sie alle mit dem Hinweis, sich den Rest des längst angebrochenen Tages frei zu nehmen, nach Hause geschickt.

Gwen – die am lautesten protestierte und möglicherweise am wenigsten verstand, was heute vorgefallen war (sie wusste nicht, was ein einzelner Cyberman wirklich anrichten konnte ) – als Erste. Er führte sie eigenhändig durch das Rolltor, versuchte das zerschmetterte Glas des Bullauges zu ignorieren und schob Gwen in den Fahrstuhl.

Toshiko reparierte stumm die Schäden, die der Lockdown und seine vorzeitige Aufhebung am System angerichtet hatten, als er sanft ihre Schulter berührte und ihr sagte, dass sie ebenfalls nach Hause gehen solle. Er war sich sicher, dass sie in ihrer Wohnung den Laptop nehmen würde um weiter zu arbeiten. Um zu versuchen, das System noch sicherer, noch undurchdringlicher zu gestalten. Sie würde jede Lücke, die Ianto genutzt hatte, aufstöbern und auslöschen. Aber vielleicht war es mehr um seinet- als um ihretwillen, dass er sie wegschickte. Er wollte alleine seine eigenen Wunden lecken.

Owen stand mit verlorenem Gesichtsausdruck im Chaos seiner MedBay; ein verbogenes, metallenes Instrumententablett in der Hand und starrte auf die Blutspritzer an der Wand als enthielten sie alle Antworten. Als Jack sich räusperte, sah er auf und die übliche, sarkastische Maske senkte sich über seine Gesichtszüge. Er schien froh zu sein, gehen zu dürfen, schnappte sich seine Jacke und eilte an seinem Captain vorbei nach oben.

Am Ende der Treppe angekommen, stoppte Owen plötzlich und wandte sich um. „Was wirst du tun?“, fragte er. Es war nicht nötig, seinen Namen zu nennen.

Jack berührte den Riss in seiner Unterlippe, der sich nach wie vor weigerte, zu heilen. „Ich weiß es nicht.“

Owen nickte und ging ohne ein weiteres Wort.

Damit blieben Myfanwy, die sich in ihr Nest zurückgezogen hatte (er machte sich eine mentale Notiz einen Weg zu finden, sie auf Verletzungen des Kampfs zu untersuchen; fasste es aber als gutes Zeichen auf, dass sie es alleine nach oben schaffte) – und Ianto.

Tief Luft holend rieb sich Jack übers Gesicht, stieß sich vom Geländer ab, gegen das er sich einen Moment gelehnt hatte und trat nach oben.

Ianto drehte noch immer Runden durch den Hub, einen schwarzen Müllsack in der Hand, blass, die geröteten Augen glasig und leer – ein Geist in einem Anzug.

Vermutlich wäre Ianto nicht einmal auf die Idee gekommen, seine blutgetränkte Kleidung zu wechseln, wenn Jack Owen nicht damit beauftragt hätte, ihn zu untersuchen. Überraschenderweise brachte der Arzt ihn persönlich in den Umkleideraum, half ihm sich auszuziehen und schob ihn unter die Dusche, nachdem er das heiße Wasser aufgedreht hatte.

Sein hastig hin gekritzelter Bericht bestätigte, dass Ianto Prellungen, Schürfwunden, eine Platzwunde am Hinterkopf und Spuren elektrischer Verbrennungen aufwies, sich jedoch ansonsten körperlich erstaunlicherweise in einem mehr als akzeptablen Zustand befand. Psychisch… Schock, Trauma, PTSD. Die Worte beschrieben es nicht einmal annähernd.

Um sein zielloses Herumwandern zu stoppen, musste er Ianto in den Weg treten.

Als der junge Waliser endlich stehen blieb, hielt er den Blick starr auf seine Schuhe gerichtet.

„Sieh mich an, Ianto“, sagte Jack leise. Als Ianto nicht reagierte, nahm er ihm den Müllsack ab und warf ihn beiseite. Er packte das Kinn des jungen Mannes und hob seinen Kopf an. „Sieh mich an.“ Jack wartete, bis der Blick der grauen, rotgeäderten Augen zumindest einen Funken Aufmerksamkeit zeigte. „Die Antwort ist ja.“

„Ja?“, wiederholte Ianto verständnislos, seine Stimme heiser und brüchig. „Sir?“ Es war offensichtlich, dass reine Gewohnheit ihn antworten ließ.

„Ja, ich habe geliebt. Und ich habe Menschen verloren, die ich liebte.“ Seine Hände griffen Iantos Schultern, stießen ihn zurück, bis Ianto sich in eine Wand gepresst fand. „Es ist keine Entschuldigung für das, was du getan hast.“ Seine Arme blockierten den Fluchtweg nach links oder rechts. „Wenn du mir noch einmal etwas verheimlichst… wenn du mich noch einmal belügst, Ianto… und wenn es auch nur das Wetter von morgen betrifft… werde ich nicht zögern, dich eigenhändig zu töten. Verstanden?“ Sein Mund streifte fast Iantos Ohr, als er das letzte Wort flüsterte. Er war ihm nah genug, um das krampfhafte Zucken seines Adamsapfels zu sehen, den jungen Mann beinahe schlucken zu spüren.

„Ver-Verstanden, S-Sir.“ Iantos Zähne klackten am Ende des Wortes hörbar zusammen.

„Du wirst es mir vielleicht nicht glauben, aber es tut mir leid, dass es so enden musste.“ Er war sich selbst nicht völlig sicher, was er meinte. Den Tod des Cybermonsters; das Ende von Iantos Illusionen eine Frau noch zu retten, die schon vor Monaten gestorben war. Oder den Verlust ihrer aufkeimenden Freundschaft, die sich zwischen Kaffee, Akten und zweideutigem Geplänkel entwickelt hatte. Jack küsste ihn auf die Schläfe, wie ein Kind, das schreiend aus einem Alptraum erwacht war - sich seines eigenen, zwiespältigen Verhaltens nur zu sehr bewusst. Er sollte Ianto in eine Zelle werfen. Ihn mit Retcon vollstopfen und am anderen Ende der Welt aussetzen. Oder seine Webley gegen die Stelle pressen, die er eben geküsst hatte, und abdrücken…

Dann wich er einen Schritt zurück, ließ die Arme sinken. „Geh‘ jetzt. Geh‘ nach Hause.“

„Ich... bedeutet das... ich meine...“

„Du bist für einen Monat suspendiert. Du verlässt deine Wohnung nicht.“ Er wartete bis Ianto nickte, den Blick auf Jacks blutbespritzte Schuhe gerichtet. „In dieser Zeit werde ich entscheiden, was mit dir passiert.“ Ein Schauer glitt durch den jungen Mann und Jack griff nach seiner Schulter, bevor er sich zurückhalten konnte. Doch als Ianto sich instinktiv in die Berührung lehnte, ließ er ihn los, als hätte er sich an ihm verbrannt, trat einen Schritt zurück.

Ianto sackte auf den Boden wie eine Marionette, der man die Fäden durchgeschnitten hatte, als Jack sich abwandte und ging.


Ende

 

Nächste