Wahrheit oder Pflicht

T’Len

2011

 

 

 

Fandom: SOKO Stuttgart

Charaktere: Jo/Rico, das Team

Kategorie: PG

Feedback: tlen11@freenet.de

Summe: Ein Spiel bringt es ans Licht

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

"Wahrheit oder Pflicht, Jo?“, Anna sah ihren Kollegen auffordernd an.

 

"Wahrheit", antwortete Jo.  „Natürlich Wahrheit.“ Er grinste schelmisch.

 

Anna zog eine Karte vom Stapel. "Mit welchem deiner Kollegen würdest du am liebsten eine Affäre anfangen?", las sie vor.

 

"Rico", kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen. "Definitiv Rico."

 

Während Anna und Jan begeisterte Laute von sich gaben, senkte Rico den Kopf und murmelte: "Sehr witzig."

 

"Rico, du bist dran", sagte Anna. "Wahrheit oder Pflicht?"

 

"Wahrheit", erwiderte Rico gequält.

 

"Mit wem war dein erstes Mal?", las Anna vor.

 

Rico errötete, sagte aber nichts. "Na komm schon, spuck’s aus", forderte Jo seinen jungen Kollegen auf. „Eine Abi-Liebe?“

 

Ricos Kopf wurde noch röter. "Das geht euch gar nichts an", murmelte er.

 

"Ich finde dieses Spiel wirklich sinn- und niveaulos", mischte sich Kaiser ein. „Können wir nicht etwas anderes machen?“

 

"Ach komm schon", sagte Martina. "Sei kein Spielverderber. Es ist unser letzter Arbeitstag in diesem Jahr, da können wir doch ein bisschen Spaß haben." Anna war mit dem Spiel „Wahrheit oder Pflicht“ angekommen und meinte, damit könnten sie ihre traditionelle kleine Silvesterparty im Büro etwas aufpeppen. Frau Doktor Wolter hatte sich geweigert teilzunehmen und war noch einer Runde am Büffet wieder verschwunden. Friedemann beschäftigte sich angelegentlich damit, die Bowlegläser der Kollegen unaufgefordert immer wieder nachzufüllen und die Teller auf dem improvisierten Büffet hin und her zu rücken, aber Michael Kaiser hatte sich – zu seinem großen Leidwesen, nachdem er enthüllen musste was für Unterhosen er trug – ebenso zum Mitspielen überreden lassen, wie Martina und Rico. Jo war natürlich sofort Feuer und Flamme gewesen.

 

"Rico!" Anna sah den IT-Spezialisten auffordernd an. Rico senkte den Blick, sagte aber nichts. "Ist doch nichts dabei. Wir alle haben doch unsere kleinen Geheimnisse verraten. Oder bist du noch Jungfrau?"

 

Rico sah aus, als wäre er am liebsten in den Tisch gekrochen. "Komm, nimm Pflicht", kam Jo ihm zu Hilfe.

 

"Aber die Regeln", warf Anna ein. Ein Blick Jos stoppte sie und sie griff wortlos zum anderen Kartenstapel. „Okay, Pflicht“, sagte sie resignierend.

 

"Küsse die Person, die links neben dir sitzt", las sie vor.

 

"Na das ist doch viel besser." Jo grinste und spitzte dann erwartungsvoll den Mund. „Gib Küsschen, Rico!“

 

Alle zuckten zusammen, als Rico plötzlich aufsprang, dabei seinen Stuhl umstoßend. "Ihr findet das wohl alle ungeheuer witzig, wenn ihr euch über die Schwuchtel lustig machen könnt, was?", rief er. "Ihr könnt mich mal!"

 

Erst als die Bürotür krachend hinter ihm zufiel, kam wieder Bewegung in die Runde. Jo erhob sich als Erster.

 

"Willst du nicht etwas unternehmen?", fragte Kaiser Martina.

 

Jo hielt sie zurück, als sie auch aufstehen wollte. "Lass mich lieber", sagte er und nahm Ricos Jacke, die dieser bei seinem überhasteten Aufbruch vergessen hatte, vom Stuhl.

 

Er holte seinen Kollegen kurz vor dem Ausgang der Polizeidirektion ein und hielt ihm die Jacke hin. "Ohne Schlüssel wirst du nicht weit kommen", sagte er.

 

"Danke", murmelte Rico leise und nahm die Jacke entgegen.

 

Jo hielt ihn zurück, als er sich abwenden wollte. "Du weißt schon, dass du dich da drin gerade geoutet hast?" Er deutete mit dem Kopf Richtung Tür.

 

"Ihr habt’s doch eh gewusst", erwiderte Rico. "Ich bin für euch nur die Lachnummer."

 

"Ich denke, Martina und Anna haben es sicher geahnt, aber gesagt hat nie jemand etwas. Und ich bin froh, dass mein Gaydar noch funktioniert. Aber niemand hat sich über dich lustig gemacht", erwiderte Jo. „Garantiert nicht.“

 

"Mit welchem Kollegen würdest du eine Affäre anfangen.  Rico - definitiv Rico", äffte Rico ihn nach.

 

"Ich habe jedes Wort so gemeint, wie ich es gesagt habe", versicherte Jo ernsthaft.

 

"Was?" Rico starrte ihn mit großen Augen an.

 

"Ich habe jedes Wort ernst gemeint“, wiederholte Jo. „Ich finde dich attraktiv, sexy, ich würde jederzeit mit dir etwas anfangen wollen, mehr als nur eine Affäre."

 

"Aber... aber du bist doch nicht schwul", stotterte Rico und senkte den Blick. Er kam sich vor wie in einem Alptraum. Bestimmt standen die anderen hinter der Tür und amüsierten sich köstlich, wie er gerade auf Jo hereinfiel.

 

"Ich bin bi", antwortete Jo. Er hob Ricos Kinn an. Er ahnte, wo Ricos eigentliches Problem lag. "Anna hatte Recht, nicht wahr? Du bist noch Jungfrau."

 

Rico nickte und errötete erneut.

 

"Das ist okay", versicherte Jo ihm rasch. "Wir alle haben schließlich mal irgendwann angefangen. Manche früher, manche später. Außerdem muss ich dann auf keine Vorgänger eifersüchtig sein." Er strich mit dem Daumen zärtlich über Ricos Lippen. "Meinst du, du könntest auch ein gewisses Interesse für mich entwickeln?"

 

Rico schluckte. "Ich... ich...dich...Traum..." war das alles gerade wirklich war oder nur wieder einer dieser Träume von Jo, die ihn so oft schweißgebadet aufwachen ließen? Er war sich nicht mehr sicher. Vielleicht hatte er auch einfach nur zuviel von Friedemanns Bowle getrunken. Obwohl er das zweite Glas, dass dieser ihn ungefragt einschenkte, gar nicht mehr angerührt hatte.

 

Jo ließ seine Hand über Ricos Wange wandern, nach hinten zu den schwarzen Haaren. Zärtlich streichelte er über sie, während er seinen Mund ganz nah an Ricos Ohr  ???. „Du hast von mir geträumt?“, flüsterte er. „Erotische Träume?“

 

Rico nickte, unfähig noch irgendwelche Worte zu finden. Jo nahm ihn in die Arme und näherte sich mit seinem Mund den Lippen, die er schon die ganze Zeit so verführerisch fand. „Lass uns verschwinden“, murmelte er. „Komm mit zu mir und ich verspreche dir, Neujahr bist du keine Jungfrau mehr.“

 

„Okay“, sagte Rico heiser.

 

„Und du schuldest mir noch einen Kuss.“

 

///

 

„Also mir dauert das zu lange. Willst du nicht doch mal nachschauen?“, sagte Kaiser zu Martina. !Herr Stoll ist ja nicht gerade die Feinfühligkeit in Person für eine solche Situation.“

 

Die Stimmung im Büro war seit Ricos Ausbruch sichtlich getrübt. Friedemann wagte es nicht, seinen Blick vom Büffet weg zu richten, als hätte er Angst, jemand könne sonst das Essen stehlen. Jan kippelte mit seinem Stuhl und Ana drehte nervös den Kartenstapel in ihren Händen.

 

„Glaube mir, Jo ist schon genau der Richtige dafür“; erwiderte Martina, stand aber gehorsam auf, öffnete die Tür und trat auf den Gang. Als sie die zwei eng umschlungenen Männer am anderen Ende sah, kehrte sie rasch um.

 

„Alles in Ordnung“; sagte sie lächelnd zu den anderen. „Aber ich denke, wir sollten nicht damit rechnen, dass Jo und Rico zurück kommen.“

 

Ende