Titel: Auf der Suche
Teil 2 von 10

Autor: Lady Charena
Fandom: SK Kölsch

Pairung: Klaus, Jupp, div.
Rating: gen, Humor

Beta: T'Len
Archiv: ja

Teil 1

Summe: Klaus Sachen verschwinden plötzlich, dafür erhält er merkwürdige Briefe.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

Tag 2

 

Klaus blickte betont auf die Uhr, als Jupp ins Büro kam. Schatz hob beide Hände in einer abwehrenden Geste. „Ich habe verschlafen, okay?“ Er ließ sich schwer in Klaus freien Stuhl fallen, da der gerade die Taschen seiner Jacke abklopfte, die an der Garderobe hing. „Irgendwie bin ich nicht mehr ganz so fit wie das junge Gemüse“, meinte er mit einem Gähnen.

 

„Es muss dir wirklich nicht gut gehen, wenn du das selbst einsiehst“, meinte Klaus ironisch, während er für einen Moment seine Suche unterbrach. „Welches ‚junge Gemüse’?“

 

„Lenchen Klein und noch so eine aus dem Raubdezernat. Bisschen älter. So ein verhuschter Typ, ziemlich farblos. Ich hab sie zufällig getroffen und wir saßen noch bis morgens um drei im Rättematäng.“ Er lachte. „Du, die haben mich immer wieder nach dir ausgequetscht. Da hast du echt Eindruck hinterlassen. Ich hab der Klein auch nicht verraten, dass du schwul bist – ich meine, man kann ja nie wissen...“

 

„Wie ausgesprochen liebenswürdig von dir, Jupp. Bist ein echter Schatz“, erwiderte Klaus sarkastisch und klopfte jetzt seine Hosentaschen ab. „Aber nein, danke. Kein Interesse.“

 

„Nicht mal so ein klitze-kleines-bisschen? Ich überlass’ dir auch gerne diese... diese... wie-hieß-sie-noch-gleich? Sophia, genau“, spottete Jupp. „Du könntest doch mal ausprobieren...“

 

„Jupp – lass’ es gut sein, okay?“ Klaus kam an seinen Schreibtisch zurück und sah ihn so lange an, bis Jupp seinen Hintern aus dem Stuhl bequemte. „Ich bin heute nicht in der Stimmung für deine Witze. Zuerst habe ich bis nach Mitternacht hier aufgeräumt; dann ist mir heute morgen in der Küche eine Flasche Milch runterfallen – du kannst dir die Sauerei gar nicht vorstellen – und jetzt finde ich meinen Kugelschreiber nicht mehr.“

 

Jupp, der sich gegen den Schreibtisch gelehnt hatte und sich an Klaus Kaffee gütlich tat, pickte aus der Ablage einen Kuli und hielt ihn seinem Partner unter die Nase. „Und was ist das da? Ein chinesischer Rückenkratzer?“

 

Klaus nahm ihm die Kaffeetasse weg – allerdings war sie da auch schon leer. „Muss das immer sein?“, beschwerte er sich. „Die paar Meter zur Kaffeemaschine hättest du doch auch noch hingekriegt.“

 

„Jetzt hab’ dich nicht so.“ Jupp streckte sich. „War eh schon fast kalt.“ Er ließ den Kuli zurück in die Ablage plumpsen und beugte sich vor, um Klaus gönnerhaft die Wange zu tätscheln. „Vielleicht solltest du dir mal einen Termin beim Augenarzt holen. Mir scheint, du brauchst eine Brille.“

 

Klaus stieß seine Hand weg und schnitt eine Grimasse. „Das ist ‚ein’ Kugelschreiber. Aber nicht der, den ich suche. Und mit meinen Augen ist alles perfekt in Ordnung.“

 

„Du bist heute aber zickig.“ Jupp stand auf, um sich noch mehr Kaffee zu besorgen. „Ist das noch die Menopause, oder schon die Midlifecrisis?“

 

„Du bist nicht komisch“, rief ihm Klaus hinterher. „Kein Wunder, dass die beiden lieber über mich sprechen wollten.“

 

Jupp zeigte ihm den Finger, ohne sich umzudrehen.

 

* * *

 

Da sie augenblicklich keinen Fall zu bearbeiten hatten, war Haupts Order klar gewesen, den aufgelaufenen Papierkram der vergangenen Wochen abzuarbeiten. Das hieß, Klaus arbeitete an dem Papierberg: während Jupp seinen Schlafmangel auszugleichen suchte. Irgendwie brachte er es tatsächlich fertig, im Sitzen zu schlafen, die Augen hinter der Sonnenbrille versteckt – nur ein gelegentliches Schnarchen hatte Klaus überhaupt darauf aufmerksam gemacht, dass Jupp nicht in seine Arbeit vertieft war. Das Klingeln des Telefons riss Jupp schließlich aus seinen Träumen und er richtete sich gähnend auf. „Wie spät ist es?“, fragte er verschlafen, als er den Kopf in die Hände sinken ließ.

 

„Fast halb zwölf“, entgegnete Klaus kurzangebunden, als er wieder auflegte. „Ich hoffe, der Herr hat wohl geruht?“, setzte er ironisch hinzu.

 

„Mir tut das Kreuz weh.“ Jupp streckte sich. „Lass’ uns essen gehen, ich habe Hunger.“

 

„Ich nicht“, kam es geradezu patzig von seinem Partner.

 

„Sag’ mal, du bist doch wohl nicht immer noch so mies drauf, weil du deinen blöden Kugelschreiber nicht finden konntest.“ Jupp trat an Klaus Schreibtisch. „Nimm’ doch einfach irgendeinen anderen.“

 

„Das war aber nicht irgendein Kugelschreiber, Jupp.“ Klaus rieb sich übers Gesicht. „Der, den ich suche, ist... war ein Geschenk, ein Erinnerungsstück. Mein Name ist eingraviert und... eine Gravur halt.“ Er zog eine Schublade auf und holte einen Papierstreifen heraus, schob ihn Jupp zu. „Und dann das da. Es lag auf meinem Schreibtisch heute morgen, um eine Sonnenblume gewickelt.“

 

Jupp nahm den Papierstreifen und pfiff leise durch die Zähne. Auf dem cremefarbenen Papier war in makelloser Kalligraphie geschrieben. Es sah aus wie gedruckt. „Schwelle: was ist’s für zwei Liebende, dass sie die eigne ältere Schwelle der Tür ein wenig verbrauchen, auch sie, nach den vielen vorher und vor den Künftigen. Namenlos bin ich zu dir entschlossen, von weit her“, las er laut vor. „Was soll dass denn heißen? Wer schickt dir denn solchen Unsinn?“

 

„Das ist kein Unsinn“, erwiderte Klaus bedrückt. „Das stammt aus einem Gedicht von Rainer Maria Rilke. Die neunte Elegie. Schon gut, du musst es nicht kennen, ich habe auch im Internet nachgesehen. Aber ich frage mich, was das soll.“

 

„Ich würde sagen, du hast eine heimliche Verehrerin. Oder einen Verehrer“, tat Jupp die Sache ab und gab den Papierstreifen zurück. „Ich geh’ jetzt essen. Sag’ mal, hast du die Sonnenblume noch? Wenn du sie nicht brauchst...“

 

„Im Waschbecken“, meinte Klaus in Gedanken versunken. „Du kannst sie haben. Ich hab keinen Hunger...“ Er sah auf, aber Jupp war schon weg. Klaus lehnte sich in seinen Stuhl zurück und rieb sich nachdenklich den Nasenrücken.

 

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