Träumereien

T’Len

2010

 

 

 

Fandom: SOKO Stuttgart

Charaktere: Rico Sander POV

Kategorie: PG

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Summe: Rico wundert sich über Jo.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

„Du bist ein Schatz, Rico“, doch er hörte ihn kaum.

 

Gedankenversunken rieb sich Rico über die Stelle an seiner Wange, auf die ihn Jo eben geküsst hatte. Vor Freude, weil er den entscheidenden Hinweis zur Lösung ihres Falles gegeben hatte. Und einen Moment zu lange, eine Spur zu nah an seinem Mund, wie er fand.

 

Wie alles, was Jo mit ihm zu tun schien, ein Tickchen zu intensiv wirkte, um harmlos zu sein. Jos Blicke, die einen Moment länger auf ihm ruhten als angebracht. Jos Lächeln, dass so intensiv war, dass es jedes Mal sein Herz höher schlagen ließ. Jo, dessen Berührungen länger dauerten als zwischen Kollegen üblich. Jo, der sich ein bisschen zu sehr über ihn beugte, um etwas auf den Bildschirm zu lesen, als es für eine gute Sicht eigentlich notwendig war.

 

Jo, der eng an ihn geschmiegt die Taschenlampe hielt, während er verzweifelt versuchte, die Bombe zu entschärfen. Wie er auch nur einen klaren Gedanken hatte fassen können, war ihm noch immer ein Rätsel. Seine Hände waren in Schweiß geradezu ertränkt gewesen, sein Herz raste. Jo mochte angenommen haben, dass seine Nervosität in ihrer gefährlichen Lage begründet lag, Rico wusste dass es einen ganz anderen Grund gab.

 

„Alles in Ordnung, Rico?“ Wage nahm er Martinas besorgte Stimme wahr.

 

„Ja, ja“, murmelte er, seine Hand noch immer an der Wange. Sein Blick auf Jo fixiert, der mittlerweile an seinem Schreibtisch telefonierte, um die notwendigen Anweisungen zur Verhaftung des Täters zu geben. Leicht vorn übergebeugt, auf die Schreibtischplatte gestützt, seinen Hintern, der in der engen Jeans perfekt zur Geltung kam leicht in seine Richtung gestreckt.

 

Nein, die Bilder, die durch sein Gehirn jagten, waren damals garantiert nicht bei der Bombe gewesen. Er konnte nur froh sein, dass Jo bei ihrem anschließenden Freudentanz nicht die Manifestation seiner wahren Gedanken bemerkt hatte. Aber hatte er ihn nicht auch da einen Augenblick zu lange festgehalten? Und zu intensiv?

 

Wenn er eine Frau wäre, er hätte geschworen, Jo würde mit ihm flirten. Zum Beispiel, wenn er sich vor dem Training vor ihm umzog. Betont langsam und sich von allen Seiten präsentierend, als würde er in einer Stripteaseshow auftreten. Oder beim anschließenden Duschen, wenn das Wasser verführerisch über Jos makellos gebräunte Haut perlte, während er erneut seine körperlichen Vorzüge ins rechte Licht zu rücken suchte und Rico das Wasser ein paar Grad kälter drehen musste.

 

Nein, er musste sich das alles nur einbilden. Jo war nicht schwul. Er hatte doch die Blicke gesehen, die er schönen Frauen nach warf. Und dann war da diese Detektivin gewesen, deren Partnerin ermordet wurde und mit der Jo einst eine Beziehung hatte, die er offensichtlich nur zu gern wieder aufnehmen wollte.

 

Rico ließ die Hand sinken und starrte auf sie, als wäre sie ein Fremdkörper. Es war garantiert alles nur Wunschdenken, seine heimlichen Fantasien, die er in ganz harmlose Gesten und Handlungen hinein interpretierte. Er sollte die Dinge realistisch sehen und sich nicht irgendwelchen pubertären Träumereien hingeben. Jo war für ihn unerreichbar. Punktum.

 

„Du weißt schon, dass Jo bisexuell ist?“, wie aus unendlicher Ferne drang Martinas Stimme wieder an sein Ohr. Gedämpft durch das Rauschen seines eigenen Blutes.

 

Was hatte sie eben gesagt? Er musste sich verhört haben. Rico hob den Blick und sah auf Jo, der sich gerade zu ihm umdrehte mit einem wissenden Lächeln in den Augen und einem zum Luftkuss gespitzten Mund.

 

Ende