Stille Wasser

T’Len

2005

 

 

 

Serie: Adelheid und ihre Mörder

Altersangabe: PG

Paarung: Pohl, Schilling

Warnung: Humor

Hinweis. Inspiriert durch die Folge „Ein Papagei namens Otto“

Summe: Am Morgen nach der durchzechten Nacht kommt für Pohl das böse Erwachen.

Feedback: tlen11@freenet.de

 

Disclaimer: Hier gehört mir nix außer diese harmlose Fanfiction.

 

Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

 

„Also Pohl, ehrlich, Sie sind ein ganz schön heißer Feger. Das hätte ich Ihnen ja gar nicht zugetraut.“ Kommissar Ralf Schilling lächelte seinem Kollegen Dieter Pohl fröhlich zu, als dieser reichlichst zerknautscht dreinschauen ihm gegenüber am Schreibtisch in der Mord 2 Platz nahm.

 

„Wovon zum Teufel reden Sie, Schilling?“, knurrte Pohl und hielt sich den schmerzenden Kopf. Nie wieder würde er Tequila trinken. Nie wieder! Er konnte sich kaum noch an die letzte Nacht erinnern. Sie hatten die Wohnung des verstorbenen Ex-Konsuls bewachen sollen, nachdem sich der vermeintliche Selbstmord langsam, aber sicher – natürlich Dank Adelheid Möbius’ Einmischung in den Fall, wie auch sonst? – als kaltblütiger Mord herauskristallisierte. Vor Langweile hatten Schilling und er sich etwas von dem Tequila genehmigt, den sie fanden. Nun etwas mehr, um ehrlich zu sein. Danach konnte er sich an kaum noch etwas erinnern. Irgendwann war ihr Vorgesetzter Strobl aufgetaucht. Strobl, dieser verdammte Mistkerl, der ihm sein Rendezvous mit seiner Annoncenbekanntschaft ausgespannt hatte. Jetzt wollte sie nichts mehr von ihm wissen, ihm den kleinen Beamten, wo Strobl doch die viel höhere Pension in Aussicht hatte. Keine Frau und höllische Kopfschmerzen, er war wirklich gestraft genug. Und den Fall hatte natürlich auch wieder Frau Möbius gelöst.

 

„Na davon, wie Sie gestern Nacht rangegangen sind, Pohl. Ich wusste ja gar nicht, dass ich Ihr Typ bin.“

„Was?“ Pohl starrte seinen Kollegen aus verquollenen Augen an. Wollte Schilling etwa andeuten, sie hätten letzte Nacht... undenkbar! Er doch nicht. Niemals! Er würde doch nicht im Traum daran denken, etwas mit einem Mann anzufangen. Wo er so glücklich mit seiner Marion gewesen war. Bei dem Gedanken an seine verlorene Liebe schniefte er vernehmlich. Und mit Schilling schon gar nicht.

 

„Sie träumen wohl, Schilling“, knurrte er. „Zu viel Tequila, was?“

 

„Keineswegs, mein Lieber.“ Schilling beugte sich lächelnd über den Tisch zu seinem Kollegen. “Sie schwärmten von meinen schönen, braunen Augen und meinem sexy Körper, den Sie von oben bis unten vernaschen wollten. Leider musste ich Ihre Offerte aber ablehnen. Nichts persönliches Pohl, Sie sind mir nur einfach zu sehr Mann. Sie verstehen schon, mir sind Frauen lieber.“

 

Pohl seinerseits war mittlerweile von den Zehen bis unter die Haarspitzen rot geworden. Das musste Schilling doch wohl geträumt haben. Zuviel Tequila. Mit Sicherheit! Doch Schilling wirkte so überzeugend. Sollte er tatsächlich seinen Kollegen angebaggert haben? Er war doch nicht plötzlich schwul geworden? Und ausgerechnet Schilling? Oder doch? So wie die Frauen ihn zuletzt behandelt hatten, wäre es da ein Wunder ? Wäre er nicht mit einem Mann wirklich viel besser dran? Der betrog einen bestimmt nicht mit dem Chorleiter und ließ einen dann kurz nach der Hochzeit wie eine heiße Kartoffel fallen.

 

Schilling beobachtete ihn und lächelte noch immer. „Sie brauchen sich doch nicht zu genieren, mein Lieber. Vielen Männern geht das so wie Ihnen. Ich meine ein spätes Coming Out. Ich hätte da etwas für Sie.“

 

Er griff in eine Schublade seines Schreibtisches, holte eine Zeitung und einen Zettel hervor und schob beides Pohl über den Tisch zu. „Der schwule Mann von heute“ las dieser und schluckte angesichts des unbekleideten Adonis auf der Titelseite des Hochglanzmagazins. „Ich weiß nicht.“

 

„Kommen Sie, Pohl, geben Sie sich einen Ruck und stehen Sie zu sich selbst!“, forderte Schilling ihn auf. „Nur 38,95 im Jahr“

 

„Ich weiß nicht“, wiederholte Pohl. Vorsichtig blätterte er ein paar Seiten um. Lauter nackte Männer. Entsetzt schlug er das Magazin wieder zu. „Ich glaube nicht...“ Da sah er durch die Glastür, wie Strobl auf ihr Büro zusteuerte. „Tun Sie das weg!“, rief er und schob Schilling hastig das Magazin wieder zu. Nicht auszudenken, was Strobl sagen mochte, wenn er dies auf seinem Schreibtisch sah.


Doch Schilling dachte gar nicht daran, nach der Zeitschrift zu greifen. „Nur wenn Sie unterschreiben“, sagte er ruhig. „Es ist schon alles ausgefüllt. Sie brauchen nur noch da unten... genau da. Dann wird niemand etwas von Ihren geheimen Leidenschaften erfahren.“

 

„Das ist Erpressung“, zischte Pohl. Schon war Strobl an der Tür. Pohl geriet in Panik. „Also gut“, zischte er und kritzelte seinen Namen auf das Formular.

 

Rasch schob Schilling einige Berichte über das Magazin. „Es ist nur zu Ihrem Besten, glauben Sie mir“, sagte er, als Strobl die Tür öffnete.

 

Irgendwie bezweifelte Dieter Pohl das. Ralf Schilling rieb sich derweil innerlich die Hände. Wieder ein Abonnement abgeschlossen und dafür hatte er nicht mal eine dieser Schwulenbars aufsuchen müssen, in denen er immer von behaarten Kerlen in Lederklamotten angemacht wurde. Sein Plan Pohl einzureden, er sei schwul geworden, hatte offensichtlich funktioniert. Ob er wohl auch Strobl überzeugen könnte? Oder Eugen? Noch ein Abschluss und ihm wäre dieses DVD-Player als Prämie gewiss, auf den er schon so lange scharf war.

 

Ende