Titel: Einsamkeit
Serie: Star Trek – TOS
Episode: pre-series
Autor:     Lady Charena / März 2001
Charaktere: James T. Kirk, Spock
Pairing: Kirk/Spock
Rating: Alternate Reality, slash, NC-17 (ab 18)
Worte: 3235
Beta: T‘Len

Summe: In San Francisco begegnen sich ein junger menschlicher Mann und ein junger Halbvulkanier, beide ein wenig verloren, beide auf der Suche nach etwas. Oder jemandem.

Disclaimer: Star Trek gehört Paramount/Viacom. Bei dieser Story handelt sich um nicht-kommerzielle Fanfiction, es wird keine Verletzung von Urheberrechten beabsichtigt.



Er war... einsam...

„Nein!“

Er scheute vor diesem Gedanken zurück. Selbst nicht bemerkend, diesen Gedanken laut ausgesprochen zu haben. Er zitterte. Es war kalt. Wie konnten Menschen in dieser ständigen Kälte leben...

„Ich bin Vulkanier.“

Es war eine Formel, eine Beschwörung. Doch egal, wie oft er sie auch zitierte, er konnte sich selbst nicht davon überzeugen...

Er war... allein...

Das Gefühl, ein Außenseiter zu sein... ja, er kannte es von Kindesbeinen an. Doch noch nie hatte er es so deutlich gespürt, wie hier auf der Erde. Auf Vulkan hatte ihn die Position seines Vaters und seiner Familie in gewissem Maße geschützt. Schlimmstenfalls wurde er höflich ignoriert.

Doch hier... war es anders. Hier war er nichts. Eine Kuriosität, die gelegentlich offen angestarrt und manchmal heimlich – oder auch nicht - verspottet wurde.

Seine so hart erkämpfte Zulassung zur Starfleet-Akademie hatte ihm die Tür in eine andere Art von Hölle geöffnet. Er war auf die Erde gekommen – so neugierig, die Menschen und ihre wundervollen-verwirrenden-verführerischen Gefühle zu erkunden. So hoffnungsvoll, anerkannt und akzeptiert zu werden. So voll Hunger auf all die Wunder, die auf ihn wartete. Und so... naiv...

Eigentlich sollte er zu jung sein, um solche Bitterkeit zu kennen... solche Leere.
Und noch immer war ihm so kalt.

* * *

Langsam hob er den Kopf, um sich umzusehen. Und ein humorloses Lächeln spielte um seine Lippen. Vielleicht war es das, was ihn Nacht um Nacht hierher zog. Hier war er Schatten unter Schatten, ging verloren unter Verlorenen. Hier suchte er etwas... von dem er nur wusste, dass es ihm fehlte...

Hinter der glatten, perfekten Fassade jeder selbst noch so hochtechnisierten Gesellschaft fanden sich dunklere Dinge... über die man nicht sprach, als würden sie so nicht existieren. Seit Jahrhunderten...

Verbotene Drogen und Spiele von hundert fremden Welten ebenso, wie von der Erde selbst. Waffen, die nicht für menschliche Hände geschmiedet wurden, die aber dennoch töteten. Alles war feil, konnte man den Preis dafür bezahlen. Auch Leidenschaft stand zum Verkauf – in kleinen, schäbigen Räumen, zwischen Containern in dunklen Hinterhöfen oder in billigen Hotels...

„Na, ist dir kalt, mein Kleiner? Soll ich dich wärmen?“

Er reagierte nicht auf die Frau, die ihm schon seit einiger Zeit verstohlen gefolgt war. Sie sah krank aus, blass und aufgequollen. Und sie würde ihm wohl gerade bis zu den Schultern reichen, wenn sie sich auf die Zehenspitzen stellte. Als sie sich ihm bis auf einen Schritt näherte, konnte er den seltsamen Geruch wahrnehmen, der von ihr ausging, den raschen, unsteten Rhythmus ihres Atems. Eine Drogensüchtige.

Er war sich noch nicht sicher, ob sie sich ihm anbieten wollte oder „nur“ versuchen würde, ihm sein Geld zu stehlen oder es zu erbetteln.

Sie tänzelte um ihn herum, als er stehen blieb - versuchte sich in der matten, flackernden Beleuchtung so vorteilhaft wie nur möglich zu präsentieren. Mit sichtlich zitternden Händen öffnete sie ihre Kleidung ein wenig.

Doch ihr potentieller Klient wandte sich desinteressiert ab, ging einfach um sie herum, um seinen Weg fortzusetzen.

Er verstand nicht, noch kümmerte ihn, was sie ihm wütend nach schrie.

Es war spät. Vielleicht sollte er zurückgehen... Doch andererseits würde ihn niemand vermissen, wenn er noch eine Weile hier blieb. Es hatte seine Vorteile, ein eigenes Quartier außerhalb des Schulgeländes zu bewohnen.

„Das war aber nicht die nette Art...“, kam eine seidenweiche Anschuldigung aus der Dunkelheit.

Er wandte sich in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war und sah sich einem jungen Mann gegenüber, kaum älter als er selbst.

Und irgend etwas veranlasste ihn dazu, zu antworten. „Ich bin nicht an ihr interessiert.“

„So, so.“ Der andere trat einen Schritt vor und damit aus den Schatten. „Vielleicht kann ich dich dann für mich interessieren.“

Es war nicht seine erste Begegnung dieser Art. Normalerweise hätte er sich nicht einmal die Mühe einer Antwort gegeben – doch dieses Mal zögerte er. Sein Blick glitt über die wenig eindrucksvolle Gestalt des Menschen. Eine enge, schwarze Hose, die nichts der Phantasie überließ - eine offene, goldfarbene Weste mit Fransen am Saum und an den Ärmelöffnungen, die genug nackte Haut sehen ließ, darüber eine lose Jacke.

Der Stricher hielt eine brennende Zigarette zwischen den Fingern. Dem Blick des Vulkaniers begegnend, hob er sie lässig zum Mund, teilte volle Lippen, um daran zu ziehen. Er grinste und stieß den Rauch dann durch die Nase aus. „Na, gefällt dir, was du siehst?“, erkundigte er sich ironisch.

Der Vulkanier erwiderte nichts. Er legte die Hände auf den Rücken und wartete ab.

Es hatte zu nieseln begonnen, doch keiner der beiden schien es auch nur zu bemerken. Auf dem blonden Haar des Menschen bildete sich ein feiner Feuchtigkeitsfilm, der das Licht der Straßenbeleuchtung auffing und den Eindruck einer goldenen Aura um den Kopf des Strichers bildete.

Braun-goldene Augen funkelten ihn an. „Eigentlich wollte ich für heute Schluss machen.“ Er schnippte die Kippe auf den Boden und griff in seine Jacke. „Aber du gefällst mir.“ Er holte eine neue Zigarette aus einer zerknüllten Verpackung heraus und steckte sie sich zwischen die Lippen. Sein Gesicht verdüsterte sich, als er seine Taschen abklopfte. „Verdammt, dieser Idiot hat mir mein Feuerzeug geklaut.“

Mit einer beinahe wütenden Bewegung stopfte er die Zigarette zurück in die Packung. „Nun? Kommen wir ins Geschäft?“

„Nein.“ Der Vulkanier wandte sich ab, um zu gehen.

„Nein? Tut mir leid...“ Zwei Arme kamen von hinten um Spocks Schultern, ein Bein schob sich vor seine und er wurde zu Boden gerissen. Sie rollten über den Boden, bis sich schließlich der Mensch über ihn erhob. „Ich akzeptiere so ungern ein Nein.“ Er setzte sich bequemer zurecht und sah auf sein „Opfer“ hinab. „Bist du sicher?“ Eine Hand glitt langsam, suggestiv, über die Brust des Vulkaniers.

Spock hielt still, begegnete dem spottenden Blick des anderen mit kühler Gleichmut.

Helle, scharfe Augen flogen über sein Gesicht. „Nette Frisur.“ Kühle Finger griffen in sein Haar. „Ach nein... was haben wir denn da? Ein Spitzohr. Ich dachte nie, dass sich einer von euch mal hierher verirren würde. Hast du deine Mami verloren?“

Spott war etwas vertrautes für den jungen Vulkanier. Er gab seine Passivität auf und schüttelte den über seiner Taille sitzenden Menschen einfach ab.

„Scharfer Hintern“, war dessen Kommentar, als Spock aufstand und sich abwandte. „Lässt du mich ihn mal ohne diese Verpackung sehen?“

So viel Unverfrorenheit ließ ihn stoppen. Langsam drehte er sich wieder um. Der Mensch hatte sich auf dem Boden ausgestreckt, ein Bein angewinkelt, eine Hand ruhte auf seinem Oberschenkel. Ein Ellbogen aufgestützt, hatte er den Kopf in die Hand gelegt.

„Willst du mir nicht aufhelfen?“, fragte er grinsend.

Spock streckte ihm eine Hand entgegen, zog ihn auf die Beine. Kaum wieder sicher auf dem Boden stehend, presste sich der Mensch eng an den Vulkanier. „Ich mach’ dir auch einen Sonderpreis. Wie gesagt, du gefällst mir.“

Seltsam fasziniert, ohne genau zu wissen von was, sah Spock in die herausfordernden, goldbraunen Augen des Menschen, den er fast um einen Kopf überragte.

„Gut“, hörte er sich selbst zu seiner Überraschung sagen. „Ich bin einverstanden.“


* * *


Neugierig sah sich der Mensch in dem kleinen, schlicht eingerichteten Raum um. „Nicht gerade gemütlich“, bemerkte er. „Da hätten wir genauso gut zu mir gehen können.“

Unter einem schrägen Dachfenster, durch das man weit weg die Sterne erkennen konnte, lag eine Art Matte, neben ihr ein Gefäß, in dem eine Art Kohlenfeuer matt rötlich glühte.

„Du stehst auf Lagerfeuer, eh?“

Spock folgte dem Blick des anderen. „Nein. Die Flammen dienen als Konzentrationspunkt während ich meditiere.“

Er sah stumm zu, wie der Mensch seine Jacke abstreifte, sie über den Stuhl am Schreibtisch warf. Die matte Beleuchtung brachte die goldene Weste zum Funkeln, als sie langsam über unerwartet muskulöse Schultern glitt, um auf den Boden zu segeln.

Der Stricher wandte den Kopf, warf ihm einen Blick zu. „Hast du vielleicht auch einen Namen?“

Der Vulkanier sah ihn unverwandt an, eine Augenbraue hochgezogen. „Spock“, meinte er schließlich kühl.

„Freut‘ mich“, war die ironische Erwiderung. „Nenn‘ mich wie du willst. Du hast die Kohle. Apropos bezahlen...“

„Wie viel?“

Der Mensch lächelte. „Einhundert.“

Spock, der bisher noch nicht einmal seine Jacke abgelegt hatte, griff in die Tasche und warf – ohne hinzusehen – einige Credits auf den Tisch. Er fragte sich, warum er dieses Spiel überhaupt mitmachte. Eine Antwort... er hatte keine Antwort. Neugier - vielleicht. Menschen lebten ihre Gefühle, ihre Sexualität, so offen aus. Aber es war auch mehr als nur das... dieser Mensch faszinierte ihn auf eine Weise, wie kaum je etwas – oder jemand - zuvor. Irgendwo tief in ihm schien etwas erwacht zu sein.

Als er sich ihm näherte, blieb Spock reglos stehen. Den Kopf schief gelegt, die Arme vor der Brust verschränkt, wartete er.

Noch einen Schritt von ihm entfernt, stoppte der Mensch. Er streckte die Hand aus, zog sie dann aber überraschenderweise wieder zurück, ohne Spock berührt zu haben. „Sind alle Vulkanier so wie du?“, fragte er.

Spock hob eine Augenbraue. „So wie ich?“, wiederholte er. „In welcher Relation?“

So... kalt.“

„Meine Körpertemperatur ist höher als die eines Menschen.“

Der Stricher lachte. „Ich meinte eigentlich dein Verhalten. Wenn ich‘s nicht besser wüsste, sollte ich eigentlich beleidigt sein. Normalerweise mache ich nämlich mehr Eindruck auf mein Klientel.“

Spock erwiderte nichts. Er schloss die Augen. Und als er dann den Menschen am Ärmel seiner Jacke zerren spürte, damit er sie auszog, gab er bewusst die Kontrolle auf. Er würde später darüber nachdenken, ob es eine Schwäche seines menschlichen Blutes war, der ihn sein Vater so oft bezichtigt hatte. Jetzt wollte er nur fühlen - was immer auch später kommen mochte...

Die Jacke fiel auf den Boden, keiner kümmerte sich darum. Ihre Hände berührten sich zum ersten Mal, als Spock die Finger des anderen zur Seite schob, selbst seine Tunika öffnete und abstreifte.

„Na, holla. Wir wachen ja auf...“

Er öffnete die Augen, als er den Menschen diese Worte murmeln hörte, doch er machte sich nicht die Mühe, nach ihrer Bedeutung zu fragen.

Ein Schauer lief durch den Vulkanier, als kühle Hände experimentierend über seine Brust glitten. So kalt... „Ich hatte noch nie jemanden, der sich so heiß anfühlt...“, meinte der Mensch - wie ein Echo auf seine Gedanken. „Ich bin gespannt, ob du es überall bist.“

Er beugte sich vor und leckte über eine von Spocks Brustwarzen. Er lachte, als der Vulkanier scharf Atem holte. „Gut“, meinte er. „Schon besser. Scheint kein so großer Unterschied zu sein.“ Abrupt wich er einen Schritt zurück, streifte Schuhe und Hose ab.

Spock sah auf die eindrucksvolle Wölbung unter einen knappen, schwarzen Slip.

Der Mensch zuckte grinsend mit den Schultern. „Ich bin schließlich ein Profi“, erklärte er lapidar. Er legte beide Hände an den Bund des Slips. „Du kannst mit mir machen, was du willst. Nur eine Bedingung.“

Der Vulkanier nickte.

„Ich küsse meine Kunden nicht. Verstanden?“

„Vulkanier pflegen diesen Brauch ebenfalls nicht.“ Was hatte dieser Mensch an sich, dass ihn so benommen machte? Was unterschied ihn so, von all den anderen, denen er begegnet war und von denen ihn keiner berührt hatte... Spock schob die Fragen beiseite, als der Mensch nickte und langsam vor ihm auf die Knie ging.

Auf dem Weg nach unten zog er Spocks Hose herunter und grinste. „Unterwäsche zu tragen ist wohl auch so ein Brauch, den Vulkanier nicht pflegen...“

Seine Fingerspitzen glitten an Spocks Glied entlang. „Na bitte, so ist es doch schon viel besser“, murmelte er, als der Vulkanier unter seiner Berührung rasch hart wurde. Er beugte sich vor, öffnete den Mund. „Also, Mr. Spock, dann wollen wir mal sehen, ob du auch so gut schmeckst, wie du aussiehst...“


* * *


Verwirrt rappelte er sich auf. „Hey, was soll das?“ Spock war so dicht dran gewesen, in seinem Mund zu kommen, als er plötzlich den Menschen von sich gestoßen hatte. Und der war eher unsanft auf seinem Hintern gelandet.

Der Vulkanier warf den Kopf in den Nacken und holte tief Luft. „Noch nicht“, sagte er, seine Stimme heiser, verschliffen. „Nicht so.“ Er wies auf das schmale Bett in einer Ecke des Raumes. „Im Bett.“

Grinsend kam der Stricher auf die Füße. „Du bist der Boss“, meinte er ironisch und leckte sich die Lippen. Er trat zum Schreibtisch, fischte eine Tube aus seiner Jackentasche und sah die Bücher, die auf dem Tisch lagen, las die vertrauten Titel...

Brüsk wandte er sich davon ab und lächelte statt dessen den Vulkanier an, der noch immer reglos dastand, die Hände an den Seiten zu Fäusten geballt.

In einer fließenden Bewegung streifte er seinen Slip ab - der bereits schmerzhaft eng geworden war – und warf Spock einen Blick über die Schulter zu. „Kommst du?“


* * *


Er drehte sich auf die Seite und beobachtete unter halb geschlossenen Lidern den Vulkanier, der nun am Fußende des Bettes stand.

Spock entspannte abrupt seine Hände, hob den Kopf. Seine ordentliche Frisur hatte sich längst in Strähnen aufgeteilt, die weit in sein Gesicht fielen und seine Augen beschatteten. Es war nur der Geist eines Lächelns, der um die strengen, schmalen Lippen spielte, als Spock hinter den Menschen auf das Bett glitt.

Er presste sich an den kühlen, glatten Körper, der so perfekt an seinen passte...

Der Stricher drückte ihm die Tube mit dem Gel in die Hand, winkelte ein Bein an, schob es nach vorn.

So kühl wie die Haut des Menschen, glitt schimmerndes Gel in seine Handfläche. Auf einen Arm aufgestützt, senkte Spock den Kopf, um zum ersten Mal die Haut des anderen zu kosten. Sein Geschmack... eine Droge.

Ohne einen bewussten Gedanken grub er die Zähne in das weiche Fleisch seines Nackens, hörte mit seltsamer Befriedigung den Menschen aufstöhnen. Seine freie Hand glitt tiefer, verteilte etwas Gel auf und in den Stricher, rieb den Rest über seine Erektion...


* * *


Beide Hände in das raue Laken gekrallt, presste er sich der Berührung entgegen, die ihn öffnete. Sein Kopf fiel zurück und er biss die Zähne zusammen, als der Vulkanier mit einem einzigen, harten Stoß völlig in ihn glitt. So... heiß... Spock schien in ihm zu brennen…

Als sich eine Hand um sein Glied schloss, musste er sämtliche Tricks zu Rate ziehen, um den Orgasmus zu stoppen. Noch nicht... der Vulkanier war exquisit. Das war kein 08/15-Fick, wie er ihn mit seinen anderen Kunden abzog. Spocks präzise, harte Stöße schienen ihn weiter zu öffnen, als je ein Mann zuvor... Es war fast wie ein erstes Mal.

Nicht genug... Sich aufbäumend, windend, kam er auf Knie und Ellbogen. Spock kniete nun zwischen seinen Beinen, beide Hände um die Hüften des Menschen gelegt, hielt ihn still.

Blind presste er sich dem Vulkanier entgegen, den Kopf gesenkt, die Finger in das Laken gekrallt. Flammen schienen über seinen Körper zu lecken, wann immer ihn Spocks Mund berührte. Und als sich erneut schlanke Finger um sein Glied schlossen, wusste er, es gab kein zurück. Mit einem heiseren Schrei kam er, sackte erschöpft in sich zusammen.

Spock folgte ihm. Sekunden später hörte er den Vulkanier leise aufstöhnen und spürte ihn tief in sich kommen…


* * *


Spock schüttelte die Trägheit ab, die wie eine schwere Decke über ihm lag und glitt neben den Menschen auf das Bett. Sein Herz raste, der kleine Raum schien nicht genügend Sauerstoff zu enthalten, er konnte seinen eigenen, unsteten Atem hören.

Nach einer Weile regte sich der andere neben ihm. „Wow. Naturtalent, was?“, murmelte er. „Oder machst du das öfter?“

Es war offensichtlich keine wirkliche Frage, also machte Spock sich nicht die Mühe, zu antworten. Statt dessen lauschte er auf den fast brüchigen, heiseren Klang der Stimme des Menschen. Er wollte jetzt nicht nachdenken, wollte nicht seine Reaktionen analysieren. Alles, was er tat, war auf das Schlagen eines fremden Herzen zu hören...

Er schreckte hoch, als der Mensch aufstand. Den Kopf in eine Handfläche gelegt, beobachtete er ihn, wie er zum Schreibtisch ging, die Zigarettenpackung aus einer Tasche nahm. Nachdem er eine davon an den glimmenden Kohlen in Spocks Meditationsnische angezündet hatte, kehrte er ins Bett zurück. Die Beine angezogen, lehnte er gegen das Kopfende.

Spock konnte seine Hände leicht zittern sehen. Das blonde Haar fiel in seine Stirn, verbarg den Ausdruck der goldbraunen Augen. Der seltsame, schwere Geruch der Zigarette füllte den kleinen Raum rasch, biss in der empfindlichen Nase des Vulkaniers.

„Ich hab’ die Bücher auf deinem Schreibtisch gesehen. Du bist auf der Starfleet-Akademie.“ Es war keine Frage, also gab Spock auch keine Antwort. „Welches Jahr?“

„Im Dritten.“

„Unter Captain machst du es doch bestimmt nicht.“ Der Stricher verschluckte sich am Rauch und hustete.

Die Augen des Vulkaniers verengten sich für einen Moment. „Ich bin Wissenschaftler“, erklärte er kühl. „Ich habe keine Ambitionen auf ein Kommando.“

r‘ mir zu wenig. Alles oder nix. Aber es ist dein Leben.“ Er warf einen Blick auf Spock. „Ich nehme an, jetzt willst du wissen, warum ich mein Leben so führe?“

Spock schwieg. Er streckte sich aus und entspannte sich, die Arme hinter dem Kopf verschränkt.

Weil ich das Geld brauche. Ich will von der Erde verschwinden. So rasch wie möglich. Es gibt hier nichts, was mich hält.“

„Wohin?“

Der Mensch zuckte mit den Schultern. „Vielleicht nach Tarsus, zu meinem Vater. Er arbeitet dort.“ Er grinste. „...bei Starfleet, wie du.“ Doch abrupt verschwand das Grinsen von seinem Gesicht. „Normalerweise unterhalte ich mich nicht mit meinen ‚Klienten‘ über so etwas.“ Er betrachtete nachdenklich den Zigarettenstummel zwischen seinen Fingern. „Vielleicht habe ich für eine Nacht genug von dem Zeug.“ Er nahm einen letzten Zug, drückte dann die Glut aus und legte die Kippe beiseite.

Er wandte sich Spock wieder zu. „Schon müde?“, meinte er und ließ seine Hand über den Bauch des Vulkaniers gleiten. Seine Finger streiften, schlossen sich dann um Spocks Glied. „Das war wirklich geil. Ich will dich noch einmal in mir...“


* * *


Spock schlief. Das schwarze Haar hing ihm strähnig und feucht in die Stirn.

Und obwohl er hundemüde war, quälte er sich aus dem Bett. Es war jetzt zu verführerisch, hier einzuschlafen.

Er hätte eine Dusche gebrauchen können, doch er hatte keine Lust, Spock zu wecken, indem er hier herumkramte und -suchte. Statt dessen fand Jim Papiertücher und reinigte sich notdürftig, bevor er seine Kleidung aufsammelte und etwas steif hineinschlüpfte.

Seine Schuhe waren das letzte, was er überstreifte, bevor er noch einmal zum Bett zurückkehrte. Er streckte die Hand aus, streifte mit den Fingerspitzen eine bloße Schulter.

„Ich könnte dich wirklich mögen, weißt du“, sagte er zu dem schlafenden Vulkanier. „Und das kann ich mir nicht leisten. Vielleicht sehen wir uns in einem anderen Leben wieder, Spock.“ Er beugte sich vor und presste seine Lippen auf den schmalen Mund. Wahrscheinlich die einzige Stelle an Spocks Körper, die er heute Nacht noch nicht berührt hatte...

Er nahm die Credits vom Tisch, stopfte sie nachlässig in seine Hosentasche. Als er seine Jacke überwarf, fiel sein Blick auf einen funkelnden Anhänger, der an einem dünnen Band an der Wand neben dem Schreibtisch hing. Ein Kreis, ein Dreieck und in der Mitte wieder ein Kreis... Ohne darüber nachzudenken, nahm er die Kette von der Wand und ließ sie in eine kleine, verdeckte Tasche seiner Weste gleiten. Ein kleines Andenken. Dann verschwand James Kirk, ohne sich noch einmal umzudrehen.



Ende