Unerwünschter Besuch

T’Len

2010

 

 

Fandom: SOKO Stuttgart

Charaktere: Jo Stoll/Rico Sander, Anna Badosi, Martina Seiffert

Kategorie: PG-15

Feedback: tlen11@freenet.de

Summe: Wenn die Kollegen stören

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

 

 „Hallo Jo!“

 

„Bereitmachen zum Entern!“

 

„Scheiße, was wollen die denn hier?“ Rico fuhr hoch und stieß sich, im Bemühen sich von Jo und der engen Bank in der Kombüse zu lösen am Tisch. „Aua!“

 

„Ich habe sie bestimmt nicht eingeladen“, erwiderte Jo. „Einen Moment bitte“, rief er Richtung Deck, von wo die Stimmen Martinas und Annas erklungen waren. Rico raffte derweil hastig seine Sachen vom Fußboden auf. Jo hielt ihn am Arm fest. „Bleib“, sagte er. „Du kannst mich doch schließlich besuchen, wann immer du willst.“

 

„Im Slip?“ Rico blickte bezeichnend an sich hinab. Im Gegensatz zu ihn war Jo noch relativ bekleidet. Er hatte bisher nur sein Shirt ausgezogen. Rico sah ihn flehentlich an. „Ich bin noch nicht so weit, Jo. Bitte!“

 

Jo nickte und ließ ihn los. Er hatte immer akzeptiert, dass Rico ihre Beziehung noch für sich behalten wollte und das würde er auch jetzt tun. Oft genug kam es ihm eh wie ein Wunder vor, dass der so stille und scheue Rico seit Monaten regelmäßig in seinem Bett aufwachte – falls sie überhaupt zum Schlafen kamen. „Du willst aber nicht über Bord springen?“, fragte er besorgt.

 

„Ich geh ins Schlafzimmer“, antwortete Rico. Kaum hatte er die Tür zur angrenzenden Kajüte hinter sich geschlossen, da pochten die Frauen auch schon ungeduldig an der Tür zur Kombüse. „Ja doch“, rief Jo. Hastig warf er sein Shirt wieder über, schob die Tube Gleitgel, die auf dem Tisch lag, in eine Schublade und steckte die Kondompackung in seine Hosentasche. Dann öffnete er die Tür.

 

„Kommen wir ungelegen?“, fragte Martina.

 

Jo verkniff sich ein „Ja sehr“ und fragte stattdessen: „Was macht ihr denn hier? Girls Night Out?”

 

“Genau”, grinste Anna. Jo roch deutlich, dass der Abend bereits feucht-fröhlich gewesen sein musste. „Aber alleine macht es keinen Spaß. Ich dachte, wir nehmen dich mit.“

 

„Nein Danke“, erwiderte Jo. Er bemerkte, dass Martinas Blick an den zwei ganz offensichtlich benutzten und noch halbvollen Gläsern Rotwein, die noch auf dem Tisch standen, klebte. Hastig räumte er sie in die Spüle und holte zwei neue aus dem Schrank. „Wollt ihr einen Schluck?“, fragte er und schenkte ohne eine Antwort abzuwarten ein.

 

„Du hast Besuch?“, fragte Martina.

 

Jo ignorierte die Frage erneut, reichte stattdessen en Frauen die Gläser, nahm eines wieder aus der Spüle und sagte „Prost.“

 

In Annas Augen funkelte es verdächtig. „Jo versteckt eine kleine Freundin vor uns“, kicherte sie.

 

„Sei nicht albern“, erwiderte Jo unwirsch und überlegte hektisch, wie er die beiden schnell wieder los werden und den Abend, der so vielversprechend begonnen hatte, mit Rico fortsetzen konnte.

 

„Soll ich eine Haus- äh Bootdurchsuchung machen?“, fragte Anna schelmisch.

 

„Ich versichere dir, du kannst das ganze Boot umdrehen und wirst keine Frau finden“, erwiderte Jo.

 

„Wirklich nicht? Wollen wir wetten?“, sagte Anna provozierend.

 

Jo verschränkte die Arme vor der Brust und lächelte überlegen. „Gern.“

 

„Du fragst zu speziell, Anna“, mischte sich jetzt Martina ins Gespräch ein. Sie hatte ihr Glas schon fast geleert. Ihre Stimmung war sichtlich gelöst.

 

„Wieso zu speziell?“, wunderte sich Anna.

 

„Jo fischt gern an beiden Seiten des Neckars, sozusagen, und wenn er so bestimmt behauptet, dass keine Frau an Bord ist, stimmt das garantiert.“

 

Annas Augen weiteten sich, als sie von Martina zu Ja sah. „Du bist bi?“, fragte sie.

 

„Yep“, antwortete Jo. „Und stolz darauf“, setzte er bestimmt hinzu.

 

„Also angelst du momentan an der männlichen Uferseite nach einem leckeren Fisch?“, wollte Anna wissen.

 

„Nein“, antwortete Jo ohne zu zögern.

 

Nun war es an Martina überrascht zu sein. „Nicht?“, wollte sie wissen.

 

„Ich angle nicht mehr. Ich habe vor fünf Monaten den besten Fang meines Lebens gemacht und den werde ich garantiert nicht wieder vom Haken lassen.“

 

„Du hast eine feste Beziehung?“, jetzt war Martina wirklich überrascht und auch ein bisschen verletzt, dass Jo sich ihr nicht anvertraut hatte.

 

„Ja.“

 

„Warum stellst du ihn uns dann nicht vor?“

 

Jo schüttelte den Kopf. „Alles zu seiner Zeit“, sagte er.

 

Martina verstand. Sie griff Anna, die sich mittlerweile auf einen Stuhl hatte fallen lassen am Arm und versuchte sie hoch zu ziehen. „Komm, wir gehen.“

 

Anna zog zwar einen Flunsch, stand aber auf und folgte gehorsam, als Jo die Frauen zum Steg begleitete.

 

„Tut mir Leid, dass wir gestört haben“, sagte Martina als sie sich verabschiedeten. „Sag das bitte auch deinem Freund.“

 

„Ist schon gut“, erwiderte Jo. „Er versteht das.“

 

///

 

Er fand Rico, nun wieder angezopgen, in der Kombüse, als er die Treppen herunterkam.

 

„Hast du das ernst gemeint?“, fragte der jüngere Mann mit leicht geröteten Wangen.

 

„Was?“, wollte Jo wissen.

 

„Dass ich der beste Fang deines Lebens bin?“

 

Jo zog Rico in seine Arme. „Natürlich. Jedes Wort“, flüsterte er dicht am Ohr des anderen. Dann küsste er ihn. Seine Händen wanderten zu Ricos Pobacken herab, kneteten sie zärtlich.

 

„Entschuldige, ich habe meine Handtasche ver...“.

 

Die beiden fuhren auseinander, als sie Annaas Stimme hörten. Die stand mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund auf der untersten Treppenstufe. Plötzlich fühlte sie sich erstaunlich nüchtern.

 

„Anna, wir...“ Jo suchte nach den richtigen Worten für eine Erklärung.

 

Doch die junge Frau schüttelte den Kopf. „Ist schon okay, ich verrate euer Geheimnis nicht.“