FP: Snapes Geheimnis

 

Disclaimer:

Alle hier dargestellten Figuren gehören J. K. Rowling, einige stammen jedoch aus meiner Feder. Die Handlung entspringt einzig und allein meiner Fantasie. Ich verdiene durch das Schreiben und Veröffentlichen dieser Geschichte im Internet kein Geld und nutze sie auch sonst nicht für kommerzielle Dinge.

 

Zusammenfassung:

Eine neue Schülerin kommt nach Hogwarts und Snape fängt an, sich merkwürdig zu benehmen. Welches Geheimnis umgibt sie? Wie kann sie heimlich an den Treffen der Todesser teilnehmen? Und welches Geheimnis verbirgt Snape?

 

Rating: (bis jetzt noch) ab 12

 

 

Kapitel 1

 

Als sich die drei Freunde Hermine Granger, Harry Potter und Ron Weasley in das Abteil setzen wollten, bemerkten sie, dass schon jemand dort saß. Ein Mädchen mit pechschwarzem, langem Haar und ebenso dunklen Augen, die jetzt munter blitzten.

 

„Kommt ruhig rein, ich beiße nicht. Ich bin eure neue Mitschülerin. Du musst Ron sein, oder?" „Woher kennst Du mich?" „Dein Bruder Charly hat schon viel von Dir erzählt." Hermine unterbrach Ron, als dieser weiterfragen wollte. „Wie heißt Du eigentlich?" Mary Bibescu." „Das klingt aber nicht typisch englisch," meinte Harry. „Das stimmt, mein Vater ist zwar gebürtiger Engländer, aber meine Mutter kommt aus Rumänien. Ich war bisher in Durmstrang" „Und was machst Du jetzt hier?" fragte Ron neugierig. „Ach, das ist eine längere Geschichte. Irgendwann erzähle ich sie euch vielleicht bei einer passenden Gelegenheit. Sagen wir mal fürs erste, ... familiäre Angelegenheiten."

 

Die Abteiltür wurde noch ein Stück weiter aufgeschoben und die plumpe Hexe mit dem Imbisswagen streckte ihren Kopf herein. „Wollt ihr was zu essen? Ich habe Schokofrösche, Kesselkuchen und und und..."

„Sucht euch was aus, ich lade euch ein," meinte Mary. „Au klasse, danke; dann brauche ich meine Galeone heute noch nicht anzubrechen. Ich nehme einen Schokofrosch." Ron war begeistert. Keiner konnte es ihm verdenken. Viel Taschengeld hatte er nicht im Laufe des Schuljahres zu erwarten und so war er zum Sparen gezwungen. Die anderen drei teilten sich einen großen Kesselkuchen.

Zuerst mussten sie aber alle erstmal ihr Gepäck ordentlich verstauen, bevor sie sich zum Essen gemütlich hinsetzen konnten.

 

Bald darauf ging die Abteiltür, welche die Imbiss-Hexe geschlossen hatte, erneut auf und Professor McGonagall schaute freundlich lächelnd herein. „Haben Sie einen Augenblick Zeit, Mary?" „Ja, ich komme," antwortete die Angesprochene und stand auf.

Als Mary in den Gang hinaustrat und auf einen leisen Wink McGonagalls hin die Tür wieder schloss, sahen sich die drei Freunde an. Lehrer im Zug? Das hatte es seit Professor Lupin vor zwei Jahren nicht mehr gegeben.

Durch die geschlossene Abteiltür hörten sie nur Fetzen des Gesprächs, das die Leiterin des Hauses Gryffindor mit Mary führte. „Snape...Schokolade...Dumbledore" war alles was Harry und die anderen verstehen konnten.

Hermine wollte gerade ansetzen etwas zu sagen, als Mary wieder hereinkam und nach ihrem Rucksack griff. „Was ist denn los?" fragte Ron, doch Mary schien ihn nicht zu hören. Sie trat wieder in den Gang hinaus, wo McGonagall auf sie wartete. Zusammen gingen sie in den vorderen Teil des Zuges.

 

„Was sollte das denn jetzt?" wunderte sich Hermine. „Ich weiß es auch nicht," sagte Harry und lehnte sich zurück. „Aber ich glaube nicht, dass Mary eine ganz normale Schülerin sein soll." „Was meinst Du damit?" „Ich meine, dass Mary uns etwas verheimlicht, genauso wie Lupin damals sein Werwolfsdasein. Und warum wechselt sie so ohne weiteres die Schule? Durmstrang ist bestimmt nicht abgebrannt, sonst wären bestimmt mehr neue Schüler hier." „Du hast doch gehört, was sie gesagt hat," warf Ron ein. „Sie ist aus familiären Gründen hierher gekommen. Außerdem weiht sie uns bestimmt ein, wenn sie es für richtig hält. Ich finde sie auf jeden Fall sympathisch." "Das geht aber schnell bei Dir," warf Hermine lachend ein. “Du warst damals ja auch recht flott mit dem guten Viktor,“ gab Ron zurück. „Ich habe ihn wenigstens vorher schon beim Quidditch-Worldcup gesehen.“

„Sag mal Hermine, könntest Du nicht einfach einen Brief an Viktor schreiben? Vielleicht kann er uns etwas über Mary erzählen. Mich würde zum Beispiel interessieren, woher sie Deinen Bruder Charly kennt, Ron.“ „Was bist Du eigentlich so misstrauisch Harry?“ „Ach, ich weiß es auch nicht. Ich habe einfach ein ungutes Gefühl im Bauch.“

 

 

Währenddessen, am anderen Ende des Zuges: McGonagall hatte Mary zu dem Abteil geführt, das sie sich mit niemand anderem als Professor Snape teilte.

Dieser hatte im Auftrag Dumbledores etwas in London abholen müssen und sie hatte ihn begleitet, da sie noch etwas in der Winkelgasse besorgen wollte. Danach hatte sie sich in den „Tropfenden Kessel“ gesetzt und den Brief gelesen, den Dumbledore ihr mitgegeben hatte. Während sie ihn gelesen hatte, war ihre Augenbraue immer weiter nach oben gewandert. Das konnte doch nicht ernst gemeint sein! Der Direktor von Hogwarts konnte einen auch noch nach Jahren verblüffen. Das hatte es in Hogwarts noch nie gegeben! So etwas kannte sie höchstens von den Schulen der Muggelgeborenen. Aber gut! Dumbledore hatte sich wohl etwas dabei gedacht.

 

Und nachdem sie ihre Gedanken wieder auf das Hier und Jetzt gerichtet hatte, musste sie ihm recht geben. Die Art, wie Mary gerade Professor Snape behandelte, war wirklich außergewöhnlich für eine 15jährige Schülerin.

 

 

Kapitel 2

 

Snape war auf Anweisung Dumbledores nach London gereist und hatte in einem anscheinend erst vor kurzem eröffneten Verlies ein ziemlich großes und schweres Paket abgeholt. Dank eines Schwebezaubers musste er es zum Glück nicht tragen, aber er hatte keine gute Laune. Er war wütend auf Dumbledore, dass er ihm die letzten schülerfreien Tage mit dieser Reise vermiest hatte.

 

 

Als er jedoch bei Gringotts ankam und einer der Kobolde ihm das Verlies geöffnet hatte, erwartete ihn eine Überraschung. Auf dem Paket stand keineswegs der Name „Albus Dumbledore“ sondern „Severus Snape – Persönlich zu öffnen“. Nachdem er sich von dem ersten Schreck erholt hatte, zog er seinen Zauberstab hervor, richtete ihn auf das Paket und sprach den Schwebezauber aus. Mit dem Öffnen wollte er warten, bis er wieder sicher im Hogwarts-Express angekommen war. Minerva würde erst kurz vor der Abfahrt kommen und so hatte er noch gut zwei Stunden für sich alleine. Und das Paket natürlich!

 

 

Der zweite Schock ereilte Snape, als er die äußere Papierschicht entfernt und den Deckel des Kartons abgenommen hatte. Etwas Kleines Braunes sprang ihm in die Arme und leckte ihm über das Gesicht. Ein Hund! Snape zuckte zusammen und ließ sich langsam auf den Boden sinken, ohne jedoch den Hund loszulassen. Er konnte es nicht glauben! Als Kind hatte er sich immer einen Hund gewünscht, aber sein Vater hatte keine Tiere im Haus haben wollen. Zuviel Schmutz und Lärm waren die Hauptargumente gewesen.

 

Doch jetzt war seine Neugierde geweckt und er begann, den Rest des Pakets zu untersuchen. Zuoberst lag eine Todesanzeige, datierend vom Beginn des Sommers. Sie war in einer fremden Sprache verfasst, die Snape jedoch nur zu gut verstand. Es war Jahre her, dass er sie gesprochen hatte, aber seine Muttersprache vergisst man nicht so leicht. Und auch der Name auf der Anzeige war Snape kein unbekannter.

Er wühlte weiter. Unter der Anzeige lagen mehrere Fotoalben und Briefe. Er schlug ein Album auf und las das Datum über dem ersten Foto: 24.08.1974. Er seufzte tief.

 

Das Jahr 1974 hatte für Snape eine große persönliche Bedeutung: In diesem Jahr war sein Bruder in das Land ihrer Mutter gezogen, hatte dort Arbeit gefunden und schließlich geheiratet. Severus war seitdem mit ihrem gewalttätigen und trunksüchtigen Vater allein gewesen. Ihre Mutter war bei Severus’ Geburt gestorben und sein Vater hasste seinen jüngsten Sohn dafür.

Ein paar Jahre nach ihrem Tod war das Verhältnis zwischen den dreien noch intakt gewesen, aber seit sein Bruder in Hogwarts angenommen wurde, fing ihr Vater an zu trinken und seine schlechte Laune an Severus auszulassen. Er war besonders gewalttätig, wenn er betrunken war. Deshalb hatte sich Severus immer einen Hund gewünscht. Dann hätte er jemanden gehabt, mit dem er hätte reden können, dann wäre er nicht so alleine gewesen. Sein Vater hatte nach und nach die vier Hauselfen der Familie entlassen und so war Severus mit seinem Vater wirklich allein. Er wollte gar nicht weiter darüber nachdenken.

Sein Vater hatte ihn neben den „normalen“ Misshandlungen auch öfters verhext und wenn er daran dachte, überkamen ihn heute noch die Krämpfe, die ihn damals so häufig geschüttelt hatten.

So auch jetzt.

Das Fotoalbum glitt ihm aus der Hand und fiel mit einem leisen „Bum“ zu Boden. Der Hund fing an zu bellen und löste sich aus Severus’ Armen. Mitten in dieses Durcheinander platzte Minerva. Sie belegte den Hund erst einmal mit einem Silencio-Zauber, um den Lärm möglichst gering zu halten. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass der Zaubertränkemeister begeistert sein würde, wenn plötzlich eine Traube von Schülern vor der Abteiltür stehen würde. Der Hogwarts-Express war nämlich inzwischen losgefahren.

 

Dann wandte sie sich Snape zu. Sie war neben Dumbledore die einzige, die von seiner Vergangenheit wusste. Sie hoffte, dass sich die Krämpfe wie schon öfters nach einer Weile wieder legen würden, aber dieses Mal schien es nur noch schlimmer zu werden.

 

War es das, wovor Dumbledore sie in dem Brief gewarnt hatte? Dann war es vielleicht richtig, wenn sie weiter seinen Anweisungen folgen würde. Sie überprüfte rasch, dass sich Severus nicht weiter verletzen konnte und lief, ja rannte fast durch den Zug. Auf der Suche nach Mary Bibescu...

 

 

Kapitel 3

 

Mary kniete nun neben Prof. Snape am Boden, McGonagall lehnte im Gang am Fenster. Die Abteile im Hogwarts-Express waren zwar recht geräumig, aber wenn jemand auf der Erde lag, war nicht mehr viel freier Platz. Außerdem konnte sie so neugierige Schüler abhalten, einen Blick in das Abteil zu werfen. Die beiden Lehrer waren zwar direkt hinter der Lok einquartiert, aber die Schüler hielt es nie lange auf ihren Plätzen und sie streunten üblicherweise durch den ganzen Zug.

Wer sollte es ihnen auch verbieten?

Lehrer fuhren normalerweise nicht mit und die Hexe mit dem Imbisswagen und die zwei Medihexen kümmerten sich außerhalb ihrer jeweiligen Professionen nicht sonderlich um die Schüler. Dafür waren die Haussprecher und die Vertrauensschüler der jeweiligen Häuser zuständig.

 

Sie wusste auch gar nicht, wie sie den Schülern erklären sollte, was sich hier abspielte. Es hätte vor allen Dingen Snapes Ruf als Oberfiesling der Schule nicht sehr gut getan, wenn es noch weitere Zeugen dieses Vorfalles gegeben hätte. Sie selber konnte schweigen, der Hund nicht reden, Snape würde sowieso darüber weggehen und Mary...

Ja, da musste sie wohl auf die Intuition Dumbledores vertrauen. Er hatte das Mädchen anscheinend vorher schon getroffen, doch wie, wo und warum blieb ihr ein Rätsel.

 

Der Direktor von Hogwarts war erst vor zwei Wochen von einem Zauberer-Kongress in Frankreich zurückgekommen. Sie hatten sich hoch oben in den Cevennen getroffen, um sich über verschiedene neu entwickelte Schutzzauber auszutauschen und Dumbledore hatte viel Spaß dabei gehabt, wie er ihr freudestrahlend berichtete, da einer der anderen Teilnehmer sein alter Freund Jean-Pierre Champignon gewesen war. Dumbledore hatte ihn für Oktober nach Hogwarts eingeladen, um gemeinsam mit ihm die Schutzzauber um Hogwarts einem genauen Test zu unterziehen. Mary sollte ihnen dabei helfen. Doch wie und warum war McGonagall schleierhaft. Fast erschien ihr es so, als sei Mary keine normale Schülerin, sondern eine Mitarbeiterin des Zaubererministeriums, die schon eine komplette Ausbildung hinter sich gebracht hatte. Und doch...

 

Ein leises Stöhnen und ein „Sehen Sie, es geht schon wieder!“ von Mary riss sie aus ihren Gedanken. Snape versuchte gerade mit Marys Hilfe sich aufzusetzen und rieb sich mit einer Hand den Hinterkopf. Anscheinend war er gegen einen der Sessel gestoßen und hatte dort jetzt eine kleine Beule. Mary hatte ihren Arm um seine Schultern gelegt und stützte ihn, als er erneut zur Seite fiel. Anscheinend ging es doch nicht wieder so schnell. Snape war immer noch leichenblass, er zitterte zwar nicht mehr, aber die Anstrengung und der Schrecken waren ihm dennoch anzusehen. „Was ist passiert?“ fragte er verwirrt. Weder Mary noch McGonagall wollten darauf antworten und sahen sich betreten an.

Da löste der kleine Hund die Situation: Er war stupste Snape mit seiner Schnauze an und als dieser ihn ungläubig ansah, leckte er ihm mit seiner kleinen rosa Zunge quer über das Gesicht. Ein scheues Lächeln breitete sich auf dem sonst so strengen und undurchdringlichen Gesicht des Zaubertränkemeisters aus. Er streckte vorsichtig die rechte Hand aus und strich dem Hund ganz sanft über das Fell. „Ähm, Moment mal!“ entschuldigte sich McGonagall, „der Kleine ist noch mit einem Silencio-Zauber belegt.“ Sprach’s, zog ihren Zauberstab und schwups, konnte der Hund wieder bellen.

 

Dann richtete Snape seine Aufmerksamkeit auf Mary, die ihn immer noch festhielt. Seine Reaktion hatten weder sie noch die Hausvorsteherin der Gryffindors erwartet...