Kuppeln will gelernt sein

 T’Len

2010

 

 

 

Fandom: SOKO Stuttgart

Charaktere: Jo Stoll/Rico Sander, Martina Seiffert, Anna Badosi

Kategorie: PG, Humor

Feedback: tlen11@freenet.de

Summe: Martina hat eine Idee, wie sie Jo und Rico auf die Sprünge helfen kann

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

„Ach, Jo, Rico, das hätte ich fast vergessen. Könnt ihr mir einen großen Gefallen tun?“ Martina Seiffert war schon halb aus der Tür des Büros, als sie sich noch einmal zu ihren Kollegen umdrehte.

 

„Welcher?“, fragte Jo seufzend. Das hieß wohl mal wieder Wochenende ade. Warum machte er überhaupt noch irgendwelche Pläne? Es kam ja doch immer was dazwischen. Nur was war es diesmal? Ihr letzter Fall war doch bereits gestern abgeschlossen, ein neuer nicht gemeldet und der leidige Papierkram heute erledigt, damit sie ja auch alle ruhigen Gewissens ins Wochenende gehen konnten.

 

„Ich hatte Plätze im Angelo’s bestellt, ihr wisst schon, dieser neue Nobelitaliener mit Hotel, der vor ein paar Monaten aufgemacht hat und bei dem man wochenlang auf einen Tisch warten muss. Aber mein Mann muss arbeiten, meine Tochter ist zum Geburtstag einer Freundin eingeladen und ich mag nicht allein gehen.“

 

„Ach und jetzt sollen wir zwei dich begleiten, damit die Leute denken, du hast gleich zwei jugendliche Liebhaber?“ Jo grinste.

 

„Mir ist nicht nach Ausgehen, ich dachte ihr nehmt an unser Stelle die Plätze“, erwiderte Martina

 

„Warum fragst du nicht Anna? Wi… ich hatte eigentlich schon Pläne“, antwortete Jo.

 

Rico nickte. „Ich auch.“

 

„Ach bitte, Jungs. Heute 20 Uhr. Ich kriege doch dort nie wieder einen Tisch, wenn ich jetzt den Termin platzen lasse. Rechnung geht auch auf meine Kosten.“

 

Bevor die beiden Männer noch etwas erwidern konnten, war Martina verschwunden, noch ein „Danke, ihr seid beide ein Schatz“  über die Schulter rufend.

 

///

 

„Nicht schlecht, der Nobelschuppen.“ Jo sah sich anerkennend in dem geschmackvoll eingerichteten Lokal um. Sie waren gerade vom einem freundlichen Kellner zu ihrem Platz geführt worden. Sie saßen in einer kleinen Nische, geschützt vor den Blicken der anderen Gäste. Im Hintergrund erklang leise Musik.

 

„Hatte Martina Hochzeitstag oder so?“, fragte Rico und deutete auf den gedeckten Tisch. Zwischen dem Besteck für mehrere Gänge, verschiedenen Gläsern und zwei Kerzen waren zur Dekoration Herzen aus Holz in unterschiedlichen Größen verstreut.

 

„Das ist vielleicht der Stil des Hauses. Du weißt doch, wie kitschig Italiener sein können“, erwiderte Jo.

 

Rico schüttelte den Kopf. „Die anderen Tische sind nicht so dekoriert.“

 

In diesem Moment erschien ein graumelierter, untersetzter Mann an ihrem Tisch und stellte sich als Angelo, der Besitzer des Lokals, vor.  „Ich hoffe, alles ist zu Ihrer Zufriedenheit“, sagte er, während er ihnen die in Leder gebundenen Speisekarten reichte. „Welchen Wunsch Sie auch immer haben, äußern Sie ihn bitte und ich werde mich umgehend um seine Erfüllung bemühen. Ihr Jubiläum soll ein unvergesslicher Abend werden. Die Hochzeitssuite ist auch bereits für Sie hergerichtet:“

 

„Hochzeitssuite?“ Rico runzelte verwundert die Stirn.

 

„Nein, nein“, wehrte Jo ab. „Das war alles für unsere Kollegin. Wir sind nur die Vertretung. Sie kann leider nicht kommen, wissen Sie.“

 

Nun war es an dem Wirt verwundert drein zu schauen. „Aber Anna sagte doch, es soll ein besonderer Abend für zwei Kollegen werden, die ihren Jahrestag feiern.“

 

„Anna? Meinen Sie Anna Bardosi?“, vergewisserte sich Jo.

 

„Sie ist meine Nichte.“ Angelo beugte sich verschwörerisch zu ihnen herab. „Sie brauchen sich nicht zu genieren. Man hält uns Italiener alle für Machos, aber ich verstehe Sie besser, als Sie denken.“ Er richtete sich wieder auf. „Ich hole erst mal zwei Gläser meines besten Champagners zum Anstoßen. Auf Kosten des Hauses natürlich.“

 

„Das darf doch nicht wahr sein“, ereiferte sich Jo, nachdem sich der Gastgeber entfernt hatte. „Die wollen uns verkuppeln. Noch dazu auf so plumpe Art und Weise. Was für eine Frechheit.“

 

„Aber irgendwie auch süß oder etwa nicht?“, warf Rico ein.

 

Jo griff zur Speisekarte, blätterte sie auf und grinste plötzlich. „Lass uns das Teuerste, was es gibt rauf und runter bestellen, bis wir platzen. Martina soll eine Rechnung bekommen, die sich gepfeffert hat.“

 

////

 

„Na, wir war denn euer Wochenende?“, fragte Anna am Montagmorgen lächelnd.

 

„Hat es im Angelo’s geschmeckt?“, ergänzte Martina.

 

Jo und Rico musterten die beiden Frauen mit düsteren Blicken. „Was sollte das?“, fragte dann Jo mit einem gefährlich-knurrenden Unterton in der Stimme.

 

„Was sollte was?“, fragte Martina zurück.

 

„Nun tu nicht so scheinheilig. Der gute Onkel Angelo“, Jo nickte in Richtung Anna. „Hat ein bisschen geplaudert. Du hattest nie vor, Freitagabend dort zu essen.“

 

„Nun ja“; Martina räusperte sich verlegen. Das Ganze schien nicht so zu laufen, wie geplant. Warum hatte Annas Onkel nicht den Mund halten können? „Ich dachte, wenn ich euch direkt eingeladen hätte, wäre euch das peinlich gewesen. Ich… wir wollten nur, dass ihr einen netten Abend habt. Ich dachte, dass hättet ihr euch verdient. Ihr habt beide zuletzt schließlich ganz schön Überstunden geschoben. Mal nett essen, guten Wein trinken – all das halt.“

 

„In der Hochzeitssuite“, Jos Stimme klang jetzt gefährlich leise. „Was bildest du dir ein“, wurde er dann laut.

 

„Himmel Jo, was regst du dich so auf“, erwiderte Martina. „Ja, ich wollte ein bisschen nachhelfen. Aber ich bin doch nicht blind. Jeder sieht doch, wie ihr (seit Monaten umeinander rumschleicht und nicht zu Potte kommt.“

 

„Also spielst du die Kupplerin. Ich fass es nicht.“ Jo schüttelte empört den Kopf.

 

„Warum denkt jeder, dass ein Mann, bloß wenn er etwas zurückhaltend ist und nicht jeden Tag mit einer Eroberung angibt, gleich schwul ist?“, ergriff Rico, der bisher geschwiegen hatte, das Wort.

 

„Bist du nicht?“, fragte Anna ungläubig.

 

Rico ignorierte sie, funkelte stattdessen Martina böse an. „Ich überlege mir, ob ich nicht bei Kaiser Meldung wegen sexueller Belästigung mache“, sagte er. Dann drehte er sich um, verschwand in seinem Computerraum und knallte die Tür hinter sich zu.

 

„Himmel, Jo, was hast du mit ihm angestellt?“, fragte Martina, nun ernsthaft besorgt. Das war definitiv nicht so gelaufen, wie sie erwartet hatte. Sollte sie Jo und Rico tatsächlich so falsch eingeschätzt haben? Waren da nicht Ricos bewundernde Blicke gewesne, wenn es um Jo ging? Und Jo, der Rico hinterher starrte, wenn er sich unbeobachtet glaubte?

 

Jo zuckte geringschätzig mit den Schultern. „Das, was du von mir erwartet hast. Du glaubst doch sicher nicht, dass ich mir so eine leckere Portion Frischfleisch entgehen lasse. Ich liebe Jungfrauen.“

 

Er hob die Stimme. „Aber eines sage ich dir, wenn es Ärger gibt, bist du mit dran.“ Dann holte Jo einen Zettel aus der Hosentasche. „Deine Rechnung.“ 

 

Martinas Augen weiteten sich.

 

///

 

„Und?“, fragte Rico, kaum dass sich die Bürotür hinter dem eintretenden Jo geschlossen hatte.

 

Jo grinste. „Du hättest ihre Gesichter nach deinem dramatischen Abgang sehen sollen. Die pure Panik. Und die Rechnung hat ihr den Rest gegeben. Angelo hat ganz schön was drauf gesetzt.“ Sie hatten den Wirt, nachdem sie ihm die offensichtlichen Kuppelpläne ihrer Chefin erklärt hatten, gebeten, ihnen zum Schein eine extra hohe Rechnung mitzugeben.

 

„Wir sollten vielleicht…“

 

Jo unterbrach Rico mit einem Kopfschütteln und zog den jungen Mann an sich. „Wir lassen sie eine Stunde leiden und dann…“ Er küsste Rico. Seine Hände glitten über die Hüften hinab zum Gesäß seines Freundes. „Dann klären wir sie auf…“ Ein weiterer Kuss unterbrach ihn. „Dass sie mit ihrer Kuppelei ein halbes Jahr zu spät dran sind.“

 

Ende

 

Fortsetzung: Wohl bekomm’s