Freunde in der Not

T’Len

2008

 

 

Fandom: SK Kölsch

Charaktere: Jupp Schatz, Klaus Taube

Kategorie: PG

Feedback: tlen11@freenet.de

Summe: Wie gut, wenn man einen Freund hat.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

„Mensch, mach bloß dieses Gedudel aus“, Jupp blaffte Jenny an, als er mit Taube das Büro betrat.

 

Die blonde Sekretärin verzog beleidigt ihren Schmollmund. „So schöne Weihnachtsmusik“, sagte sie, drehte aber den Knopf am Radio gehorsam leiser.

 

„Apropos Weihnachten“, fiel ihr Achim, der gerade mit einem Stapel Akten herein kam, ins Wort. „Vergesst unser Wichteln morgen Abend nicht.“

 

„Ach hör mit diesem Scheiß auf. Habt ihr nichts anderes im Kopf als dieses blöde Fest.“ Jupp riss die Tür zu seinem Büro auf, trat hindurch und knallte sie hinter sich zu.

 

„Was hat er denn?“, wunderten sich Jenny und Achim. Beide blickten Klaus fragend an, doch Taube zuckte nur hilflos mit den Schultern. Er fand selbst keine Erklärung für Jupps extrem mürrisches Verhalten in den letzten Tagen. Obwohl ihm langsam so eine Ahnung beschlich.

 

///

 

„Du bist ja schlimmer als Scrooge“, sagte Klaus, nachdem er ihr gemeinsames Büro betreten hatte.

 

„Wie wer?“, fragte Jupp zurück. Er stand am Fenster, die Arme verschränkt, und starrte hinaus.


“Schon gut“, erwiderte Klaus und trat an seine Seite. „Was ist los?“, fragte er sanft. „Es liegt doch nicht daran, dass dir plötzlich der ganze Kommerz, der heutigentags um Weihnachten betrieben wird, auf die Nerven geht. Dich beschäftigt doch was ganz anderes.“

 

Jupp schluckte, zögerte. Doch wem, wenn nicht Klaus, konnte er sich anvertrauen. „Es ist wegen Flo“, sagte er schließlich. „Ich habe neulich in seinem Schulheft einen Wunschzettel gefunden. Ich meine, ich dachte, aus dem Alter ist er längst raus, aber...“ Jupp brach ab.

 

„Was stand darauf, Jupp?“, fragte Klaus. Er ahnte es bereits.

 

Jupps Stimme zitterte, als er fortfuhr. „Dass das Christkind dafür sorgen soll, dass seine Mama wiederkommt.“

 

Klaus legte ihm die Hand auf die Schulter. „Das ist ganz normal, Jupp. Bei solchen Gelegenheiten werden Erinnerungen besonders lebendig. Gerade deshalb braucht er dich jetzt mehr denn je.“

 

Jupp schluckte. „Wenn ich damals nur diese verdammte Konsole...“

 

„Jupp, nicht!“ Klaus unterbrach ihn sofort, schüttelte seinen Freund und Kollegen sanft an der Schulter. „Das hatten wir doch schon geklärt“, fuhr er eindringlich fort. „Es war ein tragischer Unfall. Niemand trägt daran die Schuld. Und du tust weder dir noch Flo einen Gefallen, wenn du dir Schuldgefühle einredest.“ Er wusste nicht, wie oft er diese und ähnliche Sätze in den Monaten seit Ellens tragischem Unfall gesprochen hatte. Er konnte verstehen, dass Jupp das alles noch immer sehr belastete, aber es wurde auch Zeit, dass er nach vorn schaute, vor allem um Florians Willen und gerade an Weihnachten – dem Fest der Familie.

 

„Ich weiß nicht mehr weiter, Klaus“, gestand Jupp leise. „Ich will doch, dass Flo es schön hat, ein schönes Fest bekommt. Aber ich kriege einfach nix auf die Reihe. Ellen hat sich doch immer um alles gekümmert. In drei Tagen ist Heilig Abend und ich habe noch nicht mal einen Baum. Oder Geschenke. Und kochen kann ich schon gar nicht.“

 

Taube hielt ihn noch immer fest und Jupp machte keine Anstalten, sich zu befreien, im Gegenteil, er legte seinen Kopf auf Klaus Schulter. Warum nur, fragte er sich, war Taube der einzige Mensch, bei dem er sich  jetzt geborgen und verstanden fühlte? So wie damals bei Ellen..

 

 „Okay“, sagte Klaus entschlossen. „Du besorgst nach Feierabend als erstes einen Baum. Ich kümmere mich um die Essenszutaten und morgen gehen wir zusammen Geschenke kaufen.“

 

Er schob Jupp vorsichtig von sich und lächelte ihm aufmunternd zu. „Wir schaffen das schon:“

 

///

 

„Darf ich noch ein bisschen in meinem neuen Comic lesen?“, fragte Flo und hielt das Heft hoch, dass Klaus ihm geschenkt hatte.

 

„Natürlich, kleiner Schatz“, erwiderte Jupp. 

 

Florian drückte seinem Vater einen Kuss auf die Wange. „Das war ein toller Tag, Paps. Danke.“ Dann umarmte er auch Klaus. „Vielen Dank, Onkel Klaus.“

 

Taube wuschelte Florian zärtlich durchs Haar. „Schlaf gut, Flo.“

 

„Er hat Recht, es war ein wunderbares Fest“, sagte Jupp, nachdem Flo gegangen war. „Wie du das alles so schnell noch hingekriegt hast. Danke!“

 

„Hab ich doch gern gemacht, Jupp“, erwiderte Taube. Sie hatten es tatsächlich geschafft, in zwei Tagen alles nötige zu besorgen und während Jupp und Flo am Morgen des 24. den Baum schmückten, hatte Klaus gekocht und sogar noch ein paar Plätzchen für den Nachmittagskaffee gebacken. Den Abend verbrachten sie dann mit gemeinsamem Spielen, bevor Flo mit strahlenden Augen seine Geschenke auspackte.

 

„Du hast dein Weihnachten für uns geopfert. Das kann ich nie wieder gut machen“, sagte Jupp.

 

Klaus, der ihre Glühwein- und Flos Kakaotasse auf ein Tablett stellte, blickte auf. „Ich hatte keine Pläne, Jupp“, sagte er. „Um ehrlich zu sein, ich bin froh, Weihnachten nicht allein zu Hause sitzen zu müssen.“

 

„Kein Typ, mit dem du feiern wolltest?“, fragte Jupp. Wieso war er erleichtert, als Klaus den Kopf schüttelte?

 

Er folgte Taube in die Küche. Doch als dieser Wasser in die Spüle laufen lassen wollte, griff er nach seiner Hand. Für einen Moment sahen sie sich schweigend an. „Ich mach das morgen früh. Du hast genug getan“, sagte Jupp schließlich und ließ Klaus los.

 

Klaus nickte. „Dann geh ich.“

„Nein!“ Jupp war genauso von der Heftigkeit seiner Worte überrascht wie Klaus. „Bitte bleib“, setze er leiser hinzu. „Ich mag heute nicht allein sein.“

 

„Gern“, erwiderte Klaus. Er konnte gut verstehen, warum.

 

„Du kannst auch hier schlafen“, fügte Jupp hinzu, als sie in den Flur traten.

 

„Wir haben das Bett aus der Kammer wieder auf den Speicher gebracht, als ich auszog“, erinnerte Klaus ihn. 

 

„Mein Bett ist groß genug für uns zwei.“ Die Worte kamen ohne Zögern, ohne Zweifel.

 

Für einen Moment standen sie beide einfach nur da, sahen einander stumm an. Es schien keiner Worte zu bedürfen, um Gefühle, lange vor allem vor sich selbst unterdrückt, in den Augen des jeweils anderen zu lesen - und zu verstehen.

 

„Ihr steht unter einem Mistelzweig. Ihr müsst euch küssen.“ Flo’s Stimme unterbrach sie. Der Junge, der gerade aus seinem Zimmer gekommen war, hatte darauf bestanden einen aufzuhängen.

 

Als sich Jupps Lippen langsam Klaus’ näherten, wanderte Flo’s Hand in seine Hosentasche, dorthin, wo er seinen Wunschzettel gesteckt hatte - den zweiten Teil, den Jupp nicht gelesen hatte. Er drückte ihn ganz fest.

 

„Liebes Christkind, ich weiß, dass Mama nicht wieder lebendig wird. Dann mach, dass Papa und Onkel Klaus sich lieben. Damit wir alle nicht mehr so allein sind.“

 

Ende