Flo´s Geheimnis

T'Len

2008

 

 

Fandom: SK Kölsch

Charaktere: Jupp, Florian, Falk

Kategorie: PG

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Summe: Florian scheint ein Geheimnis zu haben und Jupp befürchtet natürlich gleich das Schlimmste.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

"Übrigens, dein Sohn ist da", sagte Achim Pohl im Vorbeigehen, als Jupp Schatz mit einem Becher Kaffee aus der Kantine kam.

 

"Was macht Flo denn hier?", wunderte sich Jupp. Dass sein Sohn ihn im Büro besuchte kam eher selten vor. Zumindest in letzter Zeit. Der Teenager hatte zwischen Schule und Fußball genug andere Interessen, als bei seinem alten Herrn im Büro rum zu hocken, auch wenn er öfters bei Bertha in der Kantine zu Mittag aß.

 

"Keine Ahnung", erwiderte Achim. "Er ist drin bei Falk. Wollte mit ihm reden. Mehr hat er nicht gesagt."

 

Das nun fand Jupp umso merkwürdiger. Zwar verstand sich Flo gut mit Falk, aber dass er ihn um Rat fragen würde und nicht seinen Vater, wäre nun wirklich mehr als ungewöhnlich.

 

Jupp hatte bereits die Hand an der Türklinke zu Falks und seinem Büro, als er von drinnen Stimmen hörte und inne hielt.

 

"Du musst es deinem Vater sagen", drang Falks eindringliche Stimme an Jupps Ohr. "Er wird es verstehen."

 

"Ich weiß nicht", erwiderte Florian. "Ich habe Angst vor seiner Reaktion. Was ist, wenn er ablehnt?"

 

"Du musst deinen eigenen Weg gehen, Flo. Jupp wird das einsehen, glaube mir", versicherte Falk dem Jungen.

 

"Hoffentlich hast du Recht." Flo klang noch immer zweifelnd.

 

Jupp runzelte die Stirn. Was beschäftigte Flo so, dass er sich Sorgen um seine Reaktion machte? Sein Sohn wusste doch, dass er mit allem zu ihm kommen konnte. So vieles hatten sie nach Ellens Tod gemeinsam durchgestanden. Aber die letzten Tage, das fiel Jupp nun auf, war Florian seltsam nachdenklich und in sich gekehrt gewesen. In der Tat schien ihm etwas schwer beschäftigt zu haben. Hatte er etwa Ärger in der Schule oder im Verein? Oder womöglich Liebeskummer?

 

Aber warum ging Flo damit ausgerechnet zu Falk? Das einzige, wovon der etwas verstand, war doch... Jupp ließ vor Schreck fast die Kaffeetasse fallen, als es ihm dämmerte: Sein Sohn war... schwul!

 

///

 

"Hallo Paps, ich muss zum Training." Florian sauste an seinem Vater vorbei, als der die Tür öffnete und rief noch ein "Danke Falk" über die Schulter.

 

"Was wollte Flo von dir?", wollte Jupp wissen, stellte den Kaffee auf seinem Schreibtisch ab und baute sich dann vor Falks auf.

 

"Das musst du ihn schon selber fragen", erwiderte sein Kollege und vertiefte sich wieder in die Akten, die vor ihm auf dem Schreibtisch lagen.

 

Jupp zog sie ihm weg. "Ihr hattet was miteinander zu mauscheln, das hab ich doch gemerkt."

 

"Jupp, Florian hat mich um meinen Rat in einer für ihn wichtigen Angelegenheit gefragt und ich habe ihm meine Meinung gesagt. Ich werde nicht sein Vertrauen missbrauchen, indem ich dir sage, warum es ging. Das muss er schon selber tun. Also rede mit ihm und vor allem hör ihm dabei dann auch bitte zu."

 

Jupp ließ die Akten wieder auf Falks Schreibtisch fallen, trat zu seinem Stuhl und warf sich hinein. "Er ist schwul, nicht war", sagte er mit Totengräbermiene.

 

"Was?" Falk blickte ihn überrascht an. "Wie kommst du jetzt darauf?"

 

"Tu nicht so scheinheilig. Ich hab doch gehört, wie du ihm gesagt hast, er soll es mir gestehen und ich werde es schon akzeptieren. Was soll es sonst gewesen sein? Verdammt!" Er schlug mit der Faust auf dem Tisch, so dass Kaffee aus der Tasse schwappte. "Warum ausgerechnet er? Wie konnte das passieren? Ich dachte immer, ich hab ihm beigebracht, ein ganzer Kerl zu sein. Mit Fußball und Mädchen und so weiter und nun ist mein Sohn ne Tunte. Er war doch zu viel mit Taube und dir und deinen Homo-Freunden zusammen." Jupp stützte die Ellbogen auf den Tisch und vergrub seinen Kopf in die Hände. "Da muss man doch was gegen tun können", murmelte er.

 

"Erstens", sagte Falk ruhig. "Wird niemand schwul, weil er mit Schwulen Umgang hat und du hast auch keinen Fehler in der Erziehung gemacht. Homosexualität ist Veranlagung Punkt um. Zweitens, weißt du eigentlich um wie viel höher die Selbstmordrate unter schwulen Teenagern als unter heterosexuellen ist? Genau weil ihre Eltern und ihr sonstiges Umfeld auf ihr Coming Out so unsensibel reagieren, wie du eben, sie sich deshalb allein gelassen und unverstanden fühlen. Sich zu outen allein ist schon schwierig genug, auch heutigentags noch. Da braucht man Unterstützung und nicht Ablehnung und Vorurteile. Und drittens Florian ist..."

 

Er wurde unterbrochen, als Achim die Tür aufriss. "Arbeit, Jungs."

 

///

 

"Oh Gott!" Jupp starrte auf den toten Teenager, der vor ihnen auf dem Boden lag. Der Junge mochte kaum älter als Florian sein. Die Todesursache war unverkennbar das Einschussloch in seiner Brust.

 

"Tut mir Leid, dass man euch herbeordert hat. Die Sachlage ist klar, kein Fall für die Mordkommission." Ein uniformierter Polizist trat an ihre Seite und reichte Jupp einen Zettel. "Selbstmord mit der Waffe des Vaters. Der ist im Schützenverein. Hier ist der Abschiedsbrief."

 

Jupp las das Papier und wurde sichtlich blass. "Du hattest Recht", sagte er zu Falk, der ihn von der Seite musterte.

 

"Womit?", fragte der zurück.

 

"Ließ selbst." Jupp reichte ihm den Brief.

 

Der Junge schrieb von seiner unglücklichen Liebe zu einem Klassenkameraden, den Hänselein, denen er ausgesetzt war, nachdem er sich in der Schule geoutet hatte, und von Eltern, die überlegten, wie man ihm von seiner Verwirrung heilen könnte.

 

"Schrecklich, wie intolerant manche Menschen noch immer sind", sagte Falk und gab dem Polizisten den Brief zurück.

 

"Kannst du dich um alles kümmern? Den Bericht, die Eltern und so weiter", bat Jupp. "Ich muss dringend was erledigen."

 

Falk nickte. "Sicher. Was ist los?"

 

"Mein Sohn wird nicht so enden, weil er glaubt, ich akzeptier und liebe ihn nicht mehr, nur weil er auf Jungs steht, das schwör ich dir", sagte Jupp entschlossen. "Das werde ich zu verhindern wissen."

 

"Jupp, du verrennst dich da in was, du solltest wirklich mit Florian reden", rief Falk ihm hinterher.

 

Doch Schatz war schon davon gestürmt.

 

///

 

"Sag mal, wo steckst du bloß?", fragte Falk am nächsten Morgen, als Jupp mit Verspätung im Büro auftauchte. "Haupt hat schon zweimal nach dir gefragt."

 

"Ach der kann mich mal", erwiderte Jupp. "Mein Sohn ist mir jetzt wirklich wichtiger."

 

"Habt ihr miteinander geredet?", wollte Falk wissen.

 

"Nicht direkt", antwortete Jupp und kippte den Inhalt der Tüte, die er mitgebracht hatte, auf seinen Schreibtisch. Ein Stapel Bücher kam zum Vorschein. "Ich wollte mich erst mal informieren und war deshalb gestern noch in so ner Schwulen-Beratungsstelle und heute morgen in dem Buchladen, den die mir empfohlen haben. Ich weiß ja, dass ich in der Vergangenheit viel Stuss geredet habe, zu dir und früher zu Taube. Auch wenn ich´s nie so gemeint habe."

 

"Ach wirklich?", fragte Falk mit einem Hauch von Sarkasmus in der Stimme.

 

"Mit Flo darf mir das nicht passieren", fuhr Jupp ihn ignorierend fort. "Mein Sohn soll wissen, dass ich ihn so akzeptiere, wie er ist und ihn natürlich immer lieben werde. Und immer zu ihm halte, egal was passiert. Er wird sich nicht vor Kummer umbringen müssen, wie der Bursche gestern."

 

Falk nahm zwei der Bücher in die Hand und las die Titel "Wenn Jungs Jungs lieben" und "Unser Sohn ist schwul - na und?".

 

Er schüttelte den Kopf. "Jupp, du verrennst dich da wirklich in etwas, du solltest lieber erst mal mit Florian reden."

 

Doch Jupp ignorierte ihn und begann in einem der Bücher zu blättern.

 

///

 

"Weißt du, was mit meinem Vater los ist?", fragte Florian später Falk in der Kantine. Er war nach der Schule vorbei gekommen, um bei seiner Großmutter Mittag zu essen. "Er machte gestern Abend immer so seltsame Bemerkungen, von wegen, ihm sei total egal, mit wem ich es mache, wenn es nur save ist und wenn ich lieber einen drin hätte, als ihn selber wegzustecken, wär das auch okay und all so´n komisches Zeug."

 

"Wie ich sehe, war Jupp so subtil und sensibel wie immer", kommentierte Falk sarkastisch und schüttelte den Kopf. "Ihr solltet dringend miteinander reden, wirklich."

 

In dem Moment kam Jupp an den Tisch, stellte sein Tablett ab und setzte sich zu ihnen. Dann schob er Florian ein Päckchen Kondome und eine Broschüre zu. Falk entzifferte den Titel "Wie sag ich´s meinen Eltern." Darunter waren zwei Jungen abgebildet, die sich küssten.

 

"Du weißt doch, dass du mit mir über alles reden kannst", sagte Jupp zu Flo.

 

Der Junge betrachtete die Broschüre stirnrunzelnd. "Papa, was soll das?"

 

"Das ist eine Broschüre vom Regenbogen-Zentrum, das ist so nen schwules Beratungszentrum. Die helfen unter anderem Teenagern, die Schwierigkeiten mit ihrem Coming Out haben, aber auch deren Eltern, wenn die das wollen. Ich hab noch mehr interessantes Zeug oben im Büro, Aufklärungsbücher und alles mögliche", erklärte Jupp.

 

Flo blickte verwirrt zwischen seinem Vater und dem Heft hin und her. "Aber Paps, ich bin nicht...", begann er.

 

"Du brauchst dir wirklich keine Sorgen zu machen", unterbrach Jupp ihn. "Ich habe echt kein Problem damit. Vergiss, was für einen Blödsinn ich manchmal von mir gegeben habe. Ich steh voll hinter dir."

 

"Aber Paps, ich...", versuchte Florian den Redefluss seines Vaters zu unterbrechen, hatte damit aber genauso wenig Erfolg wie Falk, der ein "Jupp, du solltest wirklich mal zu hören" einwarf.

 

"Ich helfe dir, wo ich nur kann", fuhr Jupp fort. "Wenn du irgendwelche Probleme hast, in der Schule, im Verein, wo auch immer, sag´s einfach. Und zu Falk kannst du auch immer kommen. Nicht wahr?", wandte er sich an den Kollegen.

 

"Paps, ich bin wirklich nicht...", nahm Flo einen neuen Anlauf.

 

"Ich hab’ mich erkundigt, es gibt da eine Gruppe für Eltern schwuler Kinder. Die tauschen Erfahrungen aus, unternehmen aber auch viel gemeinsam. Da sind zum Beispiel auch immer beim CSD dabei. Da werde ich mich gleich an... Aua!" Jupp unterbrach sich, da Falk, der das Ganze nicht mehr mit anhören konnte, ihn unterm Tisch gegen das Schienbein getreten hatte.

 

"Spinnst du?", fauchte Jupp ihn an. 

 

"Jupp, dein Einsatz in allen Ehren", erwiderte Falk. "Aber würdest du bitte mal die Luft anhalten und einfach nur zu hören."

 

"Ich bin nicht schwul, Papa", warf Florian hastig ein, ehe sein Vater mit seinem Monolog fortfahren konnte.

 

"Nicht?", fragte Jupp. "Du brauchst dich nicht zu verstecken, ehrlich nicht. Du kannst es mir ruhig sagen."

 

"Er ist wirklich nicht schwul, Jupp", versicherte ihm Falk.

 

"Aber was sollte dann gestern diese Heimlichtuerei zwischen euch, von wegen er müsse seinen eigenen Weg gehen und ich würde es schon akzeptieren?"

 

"Flo", Falk sah den Jungen auffordernd an.

 

Der seufzte, sagte dann aber: "Vor zwei Wochen war ein Scout vom FC Bayern beim Training. Er fand mich ganz gut und wenn ich will, kann ich im nächsten Schuljahr aufs Internat in München gehen."

 

Jupp starrte seinen Sohn an. "Deshalb das ganze Theater? Du bist nicht schwul?"

 

Florian schüttelte den Kopf. "Sag ich doch die ganze Zeit. Aber ich würde gern gehen, Paps. Es wäre eine tolle Chance. Aber dann wärst du ganz allein und ich weiß doch auch, dass dir der FC über alles geht und du mich lieber dort spielen siehst als bei Bayern. Falk meinte, ich müsse meinen eigenen Weg im Leben finden und ich solle mit dir reden. Du würdest meine Entscheidung schon akzeptieren."

 

"Gott sei Dank, mein Sohn ist nicht schwul", seufzte Jupp erleichtert. Falk runzelte die Stirn. Das hatte ja nicht lange angehalten.

 

"Natürlich darfst du gehen, wenn du möchtest", fuhr Jupp fort. "Mach dir um mich keine Sorgen. Ich komm schon klar."

 

Er wuschelte Flo zärtlich durch die Haare. "Mach deinen alten Herrn stolz und wird’ Nationaltorwart. Aber eines musst du mir noch erklären. Warum hast du ausgerechnet Falk um seine Meinung gefragt? Schwuchteln verstehen doch nichts vom Fußball."

 

Falk konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Weißt du, Jupp, in den letzten Stunden warst du mir richtig unheimlich, aber manche Dinge ändern sich eben doch nie."

 

Ende