Titel: Operation Skirt

Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Pairung: Murdock, Face, Hannibal, B.A., Tawnia

Rating: PG, Humor

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Hannibal schickt Murdock auf eine ganz besondere Undercover-Mission.

 

Tja, das wird wohl der Schwanengesang dieses Huhns. Mein Flyboy wird mir die Flügel ausreißen und mir den Kragen umdrehen... schnief.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: The Temptations

 

 

 

Don't judge a book by its cover
She may be fine on the outside
But so untrue on the inside...

 

 

„Okay, wie lautet der Plan, Colonel?“, fragte Murdock. Er zog sich einen Stuhl heran und setzte sich verkehrt herum darauf, die Arme auf die Lehne gestützt. Face saß auf dem Sofa, Tawnia neben ihm. Sie glühte förmlich vor Aufregung. So lange hatte sie gebeten und gebettelt, bis Hannibal sich bereit erklärte, sie wieder zu einem Fall mitzunehmen. B.A. stand am Fenster, um den Parkplatz vor dem Apartmentgebäude im Auge zu behalten. Und der Colonel, Focus ihrer erwartungsvollen Aufmerksamkeit, stand in der Mitte des Raumes, damit beschäftigt, eine Zigarre anzuzünden.

 

Face blätterte mit betont unschuldiger Miene in einigen Unterlagen. Das Team war beauftragt worden, eine Frau aus den Händen von Entführern zu befreien – ein Auftrag, der ihnen quasi von Jackie Taylor vermittelt worden war. Face war es gelungen, ein Apartment genau gegenüber der Wohnung zu besorgen, in der sie die Erpresser vermuteten.

 

Hannibal räusperte sich. „Wir müssen sicher sein, dass jemand Zuhause ist und falls nicht, heraus finden wohin sie sich abgesetzt haben. Die Frist für das Lösegeld läuft morgen Mittag ab, also müssen wir noch heute Nacht handeln. Face und ich haben uns einen Plan zurecht gelegt...“ Er grinste und biss auf seine Zigarre. „Vielleicht erklärst du besser diesen Teil, Lieutenant.“

 

Face strich sich über die Haare. „Tja, also, wir dachten, Murdock könne sich verkleiden und drüben klingeln und sehen, was er an Informationen herausbekommen kann.“ Er grinste.

 

Der Pilot musterte ihn, dann sah er Hannibal an. „Awwww, Colonel, ich muss nicht schon wieder Pizza ausliefern, oder? Könnten es zur Abwechslung nicht mal Blumen sein?“

 

Hannibal schüttelte den Kopf. „Wir dachten an etwas exotischeres. Face?“

 

„Exotisch?“ Murdock blickte erwartungsvoll auf Face.

 

„Wir dachten, du verkleidest dich als Frau. Um genau zu sein, wir dachten an eine Prostituierte.“ Face grinste und verschränkte die Arme vor der Brust. 

 

Wrumps. Murdock landete hörbar auf dem Fußboden.

 

„Ist das euer Ernst?“, fragte Tawnia mit weit aufgerissen Augen.

 

„Er ist der einzige, der verrückt genug ist, um es zu machen“, erklärte Face und beugte sich zu ihr hinüber. „Du hast doch sicher dein Schminkzeug dabei, oder? Ich hatte ein wenig Schwierigkeiten, auf die Schnelle etwas aufzutreiben. Das ist nicht gerade mein Fachgebiet. Natürlich haben wir Hannibals Schminkkasten im Van, aber damit fehlt uns immer noch jemand, der weiß, wie man eine Frau schminkt...“

 

B.A. kicherte als er Murdock ansah, der noch immer in vorgetäuschter Ohnmacht auf dem Fußboden lag.

 

Tawnia lachte, stoppte dann abrupt, als ihr klar wurde, dass Face es ernst gemeint hatte. Sie blinzelte. „Das ist echt ein verrückter Plan.“ Sie grinste.

 

Hannibal trat zu ihrem Piloten und reichte Murdock eine Hand, um ihm auf die Beine zu helfen. „Wow“, flüsterte Murdock. „Ich muss vergessen haben, meine Pillen zu nehmen. Ich habe eben geträumt, dass Face sagte, ich solle mich als Hure verkleiden und versuchen, Informationen von irgendeinem Kerl zu bekommen.“

 

„Genau das habe ich“, bestätigte Face.

 

Murdock blickte ihn geschockt an, dann Hannibal, der tröstend den Arm um die Schulter des Piloten legte. „Wieso ich?“, fragte er. „Face ist viel besser darin, den Leuten Informationen zu entlocken und außerdem verkleidet er sich doch auch gerne.“

 

„Nun, wenn ich mich recht erinnere, hat es dir doch auch gefallen, dieses Hochzeitskleid anzuziehen“, warf der Colonel ein.

 

„Hochzeitskleid?“, fragte Tawnia und falls möglich, wurden ihre Augen noch größer. „Du hast ein Hochzeitskleid getragen?“

 

„Oh ja, wir... Ach, das erzähle ich dir bei einer anderen Gelegenheit.“ Face lächelte, als er Hannibals mahnenden Blick auffing. Damals hatte sie Amy begleitet.

 

Murdock warf den Kopf in den Nacken. „Das war etwas völlig anderes. Es war immerhin meine Hochzeit. Es war etwas besonderes. Ich weigere mich, mit zu machen; außerdem bin ich viel zu unschuldig, um so eine Rolle zu spielen.“ Er verschränkte die Arme vor der Brust und starrte indigniert seine Freunde an, die in helles Gelächter ausbrachen.

 

„Nun komm’ schon, Captain. Sei’ kein Spielverderber.“ Hannibal gestikulierte mit seiner Zigarre und tätschelte Murdocks Schulter. „Face hatte wirklich Schwierigkeiten, ein Kleid in deiner Größe zu finden. Es wird höchstens zehn Minuten dauern.“ Ein ganz bestimmtes Funkeln stand in den Augen des Colonels, der Jazz sang eindeutig in seinen Adern. 

 

Murdock schmollte und schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist. Ich habe es mir anders überlegt – ein Pizzabote ist doch wesentlich realistischer.“

 

„Ich muss sagen, ich bin enttäuscht von dir, Murdock“, erklärte Hannibal. „Wir waren sicher, dass dir dieser Job gefallen würde. Er ist ein wenig verrückt – das ist doch eigentlich genau dein Fall.“

 

Face sackte lachend in sich zusammen, als der Pilot die Augen verdrehte.

 

* * *

 

“Halt’ gefälligst still, Murdock!“ Tawnia klang aufgebracht. Zwar hatte der Pilot endlich zugestimmt, die ihm zugedachte Rolle zu übernehmen, doch er schaffte es kaum, ruhig auf seinem Stuhl sitzen zu bleiben, während Tawnia sich um sein Make up kümmerte. Er versuchte um sie herum zu sehen, auf das was die anderen Teammitglieder machten.

 

Tawnia packte sein Kinn und zwang ihn, sie anzusehen. „Entweder hältst du jetzt endlich still, oder du wirst es bereuen, das verspreche ich dir“, drohte sie und verrieb mehr Grundierung auf seinem Gesicht.

 

„Was treibst du da eigentlich?“, fragte der Pilot. „Es ist draußen dunkel, ich habe nicht vor ins Haus zu gehen, wo es hell ist, also warum verteilst du das ganze Zeug in meinem Gesicht?“

 

„Wenn jemand Zuhause ist – und ich denke, das ist der Fall, denn es steht ein Wagen in der Auffahrt, dann musst du einigermaßen echt aussehen.“ Hannibal übernahm es, zu antworten. Er lehnte an der Wand und begutachtete Tawnias Arbeit, während Face sich um das Kleid kümmerte.

 

B.A. warf von seinem Beobachtungsposten am Fenster einen Blick auf den Piloten und kicherte dieses kindliche Kichern, das ihm eigen war. Er tat das in regelmäßigen Abständen und jedes Mal rief Murdocks Anblick einen neuen Heiterkeitsausbruch bei ihm hervor.

 

Der Pilot starrte ihn giftig an und murmelte etwas Unverständliches.

 

Tawnia kramte in ihrer Kosmetiktasche und fischte eine Puderdose und einen Pinsel heraus. Sie begann damit, den Puder über Murdocks Gesicht zu verteilen.

 

Hannibal nahm B.As Beobachtungsposten ein und schickte den Sergeant statt dessen hinüber zu Face. Die beiden befestigten ein knopfgroßes Mikrofon an dem roten Kleid, das Face besorgt hatte. Damit würde das Team alles hören können, was Murdock sagte – und konnten ihm im Notfall auch rasch zu Hilfe kommen. Face hatte Tawnia erklärt, dass es ihnen mit den gleichen Mikrofonen gelungen war, ein paar korrupte Polizisten zu überführen, auf deren Konto mehrere Morde gingen.

 

„Das kitzelt“, erklärte Murdock und grinste. „Colonel, ich hoffe, ich bekomme einen Orden für das alles.“

 

„Nicht, wenn ich dich vorher erwürge und die Rolle selbst spiele“, drohte Tawnia. „Genau das werde ich nämlich tun, wenn du nicht endlich still hältst. Warum müssen Männer immer über Kleinigkeiten jammern.“

 

„Uh-oh, das kenne ich doch.“ Face grinste. „Amy kam mir auch immer mit Frauenrechten, wenn ihr nicht gefiel, was sie zu tun hatte. Hey, ich würde ja Murdock liebend gerne schminken, aber normalerweise bekomme ich nur das fertige Ergebnis zu sehen, nicht den Herstellungsprozess.“ Er zuckte mit den Schultern. „Immer heißt es nur, wie sehr ihr von uns Männern unterdrückt werdet und welchen emotionalen Schaden wir euch zufügen. Aber dann braucht ihr uns doch, um all die Babys zu bekommen, die ihr haben wollt. Wir sind die, die immer nur geben und geben und geben – und wie wird es uns gedankt?“

 

„Hey, Frauen haben Rechte“, mischte sich der Pilot ein. „Wir wurden lange genug von den Männern unterdrückt, nur weil wir angeblich das schwächere Geschlecht sind.“

 

„Halt’ den Mund, du Idiot“, grummelte B.A. „Du bist keine Frau, was willst du darüber wissen.“

 

Murdock warf ihm einen Luftkuss zu. „Ich war in einem früheren Leben eine Frau“, erklärte er. „Außerdem war ich schon einmal verheiratet. Mit Calvin.“ Er wandte sich Tawnia zu und senkte seine Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern. „Ein entsetzlicher Mann, meine Liebe. Stell’ dir vor, er hat seinen Partner getötet, um dessen Firma zu übernehmen. Ich wünschte wirklich, ich hätte das gewusst, bevor ich ihm meine Hand versprach. Es war eine furchtbare Enttäuschung für mich.“ Er seufzte melodramatisch und Face schüttelte den Kopf.

 

„Schließ’ die Augen“, forderte ihn Tawnia auf, als sie den Lidschatten aus ihrer Kosmetiktasche holte. Sie zeigte ihn Hannibal, der zustimmend nickte.

 

„Ihr Männer wisst einfach nicht, wie leicht ihr es habt, Face“, führte sie die Diskussion fort. „Ihr bekommt schließlich keine Babys.“

 

„Niemand zwingt dich, ein Kind zu bekommen, das ist auch leicht“, gab Face zurück.

 

„Du kannst die Augen wieder aufmachen“, sagte Tawnia zu Murdock, bevor sie sich streitlustig Face zuwandte. „So simpel ist das ganze auch wieder nicht, so lange es Kerle wie dich gibt, die sterben, wenn sie nicht alle zwei Tage eine Frau ins Bett bekommen.“

 

B.A. und Hannibal lachten. Und Murdock gab ein hämisches Wolfsheulen von sich.

 

„Es sieht so aus, als finge sie langsam an, dich zu kennen, Facey“, rief der Pilot.

 

„Ich sterbe nicht, nur weil...“

 

„Das ist genug, Kinder“, mischte sich Hannibal ein. „Wir haben Arbeit vor uns und wenig Zeit übrig, die wir nicht mit Streiten verbringen sollten.“ Er verbarg sein Grinsen. Es war erfrischend zu sehen, wie Tawnia mit Face umsprang. Sein Charme schien an ihr abzuprallen – oder zumindest war sie gut darin, diesen Anschein zu erwecken.

 

Die Journalistin schmollte. „Murdock, sieh’ mal nach oben. Und versuch’ nicht zu zwinkern.“ Sie schraubte die Kappe eines Wimperntuscheflakons auf und zog das Bürstchen heraus.

 

„Hey, Moment, was hast du damit vor?“ Murdock begann sich allmählich zu fragen, was sie noch alles von diesem Make-up-Zeugs in seinem Gesicht unterbringen wollte.

 

„Mascara. Für die Wimpern“, erklärte Tawnia. „Sie ist leider nicht wasserfest, also solltest du es vermeiden, zu weinen.“

 

„Ich weine nie“, erklärte Pilot beleidigt. „Warum schmierst du mir das Zeug überhaupt auf die Wimpern?“

 

„Sie werden länger aussehen. Außerdem betont es deine Augen. Und es wird echter aussehen... nun, zumindest so echt, wie es möglich ist.“

 

Murdock grinste. „Was, denkst du nicht, ich könnte eine gute Frau abgeben?“

 

“Ich würde sagen, dir fehlen dazu ein paar unerlässliche Körperteile”, warf Face grinsend ein.

 

„Und dabei bleibt es auch!“ Der Pilot verschränkte die Arme vor der Brust.

 

Face klopfte ihm auf die Schulter. „Mach dir keine Sorgen, ich habe dafür eine Lösung gefunden.“

 

„Was meinst du damit?“

 

„Sieh’ nach unten. Und halt still“, tadelte Tawnia und begann Mascara auf den unteren Wimpern zu verteilen.

 

„Ich arbeite daran“, teilte ihm Face mit.

 

„Woran?“ Murdock versuchte um Tawnia herum zu sehen und das Wimperntusche-Bürstchen zog eine Spur über seine Wange. Mit einem verlegenen Lächeln wandte er sich wieder der Journalistin zu. „Entschuldigung.“

 

Sie funkelte ihn wütend an und kramte nach einem Tuch, um den Schaden zu beheben. Sie schüttelte den Kopf. Irgendwie konnte sie nicht wirklich böse auf ihn sein – und die ganze Situation war einfach zu verrückt. „Du hast für einen Kerl ziemlich lange Wimpern.“

 

„Oh, wie entzückend von dir, das zu sagen“, erwiderte Murdock mit der gar nicht mal so schlechten Imitation einer Frauenstimme – ein wenig heiser, fast verrucht.

 

Hannibal nickte. „Perfekt, Captain“, sagte er von seinem Platz am Fenster aus. Der Pilot schaffte es immer noch, ihn zu überraschen. Einen Moment sprach er mit seinem normalen, weichen texanischen Akzent, im nächsten klang er wie ein Engländer – oder aber wie Sylvester der Kater.

 

„Fertig.“ Tawnia atmete auf. “Versuch noch ein paar Minuten nicht zu zwinkern, sonst muss ich noch mal von vorne anfangen”, warnte sie ihn sofort.

 

„Okay.“ Der Pilot seufzte. „Und was genau soll ich tun, Colonel?“ Er wollte wissen, was sie von ihm erwarteten. Und zwar bevor er auch nur in die Nähe des Apartments kam.

 

„Klopf an die Haustür und sieh, wohin dich das bringt“, schlug Hannibal vor. „Die Details überlasse ich dir. Denk daran, dass wir jedes Wort hören können, dass du sagst und wir sofort bei dir sind, wenn irgendetwas schief gehen sollte.“

 

„So wie du es sagst, klingt es einfach“, entgegnete Murdock mit einem Seufzen.

 

„Versuch so viel Information zu sammeln, wie du kannst und verschwinde dann von dort.“

 

Tawnia zog einen Lippenstift aus der Kosmetiktasche und testete ihn auf ihrem Handrücken. Sie sah Murdock an und dann das Kleid. Sie hatte einen tiefroten Samtton ausgesucht, der perfekt zum Kleid passte. „Okay, dann mach mal einen hübschen Schmollmund für mich.“ Sie kicherte. „Nein, nicht so. So.“ Sie machte es ihm vor. „Das ist besser.“ Sorgfältig verteilte sie die Farbe auf seinen Lippen – und kicherte erneut. Murdock bot auch einen zu komischen Anblick, wie er da mit seiner normalen Kleidung saß, das ganze Make up im Gesicht, geduldig darauf wartend, im Rahmen der Pflicht zur Frau zu werden.

 

„Ich frage mich echt, wie du es aushältst, das Zeug jeden Tag zu tragen.“ Der Pilot schnitt eine Grimasse.

 

„Wir sind fertig. Nun, ich bin zumindest fertig.“ Tawnia trat zur Seite und musterte ihn.

 

B.A. sah bei ihren Worten zu ihm hinüber und brach in helles Gelächter aus.

 

Murdock sprang auf und schnappte sich einen Handspiegel aus Tawnias Tasche. Er starrte sein Spiegelbild an, blinzelte – und grinste dann. „Nun, ich muss schon sagen, ich sehe hinreißend aus, nicht wahr, nicht wahr?“, meinte er mit britischem Akzent. „Ich möchte mich glücklich schätzen, wenn ich mit mir ausgehen würde.“ Er lachte.

 

Hannibal betrachtete ihn zufrieden. Dass Murdock Witze darüber riss, zeigte dass er nicht wirklich ein Problem mit der ihm zugedachten Rolle hatte. Einen Moment lang versuchte er sich Face an seiner Stelle vorzustellen, doch wie Face gesagt hatte, war Murdock der einzige, der verrückt genug war, um damit durch zu kommen. Er konnte nicht riskieren, Tawnia los zu schicken. Sie wussten nicht, was sie dort drüben erwartete und Murdock hatte die entsprechende Ausbildung und Erfahrung, sich helfen zu können.

 

„Wir müssen irgendetwas mit seinen Haaren machen.“ Tawnias Stimme holte ihn aus seiner Grübelei.

 

Der Pilot ließ den Spiegel sinken. „Was ist mit meinen Haaren nicht in Ordnung?“, fragte er besorgt.

 

„Nun... du kannst da nicht mit deiner Mütze hingehen und deine Frisur ist nicht gerade sehr weiblich. Und ein wenig dünn...“

 

Murdock setzte eine Schmollmiene auf. „Niemand vergreift sich an meinem Haar“, drohte er. Das war ein sensibles Thema.

 

Zur allgemeinen Erleichterung zog Hannibal eine blonde, langhaarige Perücke aus einer Papiertüte.

 

Der Pilot musterte sie kritisch.

 

„Ich denke, sie steht dir ausgezeichnet.“ Face entschloss sich, endlich wieder einen nützlichen Beitrag zu ihren Vorbereitungen zu leisten. Allerdings drohte jeder Blick auf Murdock einen neuen Lachanfall hervor zu rufen.

 

Seufzend nahm Murdock die Perücke und setzte sie auf. Tawnia half ihm, sie zurecht zu rücken. Es war verblüffend, wie sehr sie sein Aussehen veränderte.

 

„Okay. Was ist nun mit dem BH?“, fragte Face und der schockierte Ausdruck, der auf Murdocks Gesicht erschien, brachte B.A. wieder zum Kichern. Er begann das inzwischen wirklich zu sehr zu genießen.

 

„Hannibal, sag’ ihm gefälligst, er soll damit aufhören. Ich riskiere hier mein Leben und meinen Ruf. Das ist nicht fair. Ich möchte ihn sehen, wenn man ihm so etwas zumutet“, beschwerte sich Murdock.

 

„Captain. Wir alle wissen zu schätzen, dass du bereit bist, diesen Plan umzusetzen. Aber du musst auch zugeben, dass es ziemlich komisch ist.“ Hannibal kaute auf seiner Zigarre und grinste breit.

 

„Na gut. Zieh’ dein Hemd aus“, meinte Tawnia und nahm Face den BH ab.

 

“Was?”, fragte der Pilot nervös und musterte sie misstrauisch.

 

„Okay, dann mach das doch selbst“, schlug sie vor. „Das wird sicher sehr interessant.“

 

„Wieso muss ich überhaupt so ein Ding tragen?“, klagte der Pilot.

 

„Willst du darauf wirklich eine Antwort?“, entgegnete Face.

 

„Nein“, schmollte Murdock. „Aber ich bin mental instabil und das könnte mich in eine neue emotionale Krise stürzen.“

 

„Abgestürzt bist du schon vor langer Zeit, du Spinner“, kommentierte B.A.

 

„Vielleicht sollte B.A. dir helfen?“, schlug Hannibal grinsend vor. Zwei Paar Augen richteten sich anklagend auf ihn.

 

„Ich helfe dir“, warf Face beschwichtigend ein. Er wusste, dass der Pilot sich von Tawnia sicher nicht helfen lassen wollte. „Was?“, meinte er, als die anderen ihn anstarrten. „Ich kann damit umgehen.“

 

Seufzend zog Murdock Hemd und T-Shirt aus und verschränkte die Arme vor der Brust. Face gab ihm einen Klaps auf den Oberarm und widerwillig löste der Pilot seinen Klammergriff und ließ sich den Büstenhalter überstreifen.

 

Hannibal nahm seine Zigarre aus dem Mund und studierte sie, sich auf die Lippen beißend, um das Lachen zu unterdrücken.

 

Tawnia musterte ihn kopfschüttelnd. „Papiertaschentücher“, meinte sie. „Wir brauchen jede Menge Papiertaschentücher.“

 

„Wozu?“ Face und Murdock wandten sich ihr gleichzeitig zu.

 

Tawnia grinste. „Zum Ausstopfen.”

 

Face kicherte vor sich hin, als er die Cups des BHs mit Papiertüchern ausstopfte. Murdock murrte etwas über die furchtbare Rache, die er für diese Demütigung nehmen würde...

 

* * *

 

Endlich war der Pilot fertig angezogen. Das Kleid saß überraschend gut, wenn auch ein wenig lose über seinen schmalen Hüften. Er hatte ein paar mehr Probleme mit den Highheels. Es war gar nicht so einfach, das Gleichgewicht auf den Dingern zu halten.

 

Alles in allem schien es wirklich so, als könne er als Frau durchgehen. Und sein Talent Stimmen zu imitieren kam ausgesprochen gelegen.

 

Er fluchte leise vor sich hin, als er das Gebäude verließ und fast über seine eigenen Füße stolperte. Hoffentlich drückten ihm die Jungs die Daumen, er konnte jedes Quäntchen Glück brauchen, das sie übrig hatten. Das würde alles andere als einfach werden, was wusste er schon darüber, wie sich eine Frau benahm – und noch dazu diese Art von Frau. Na ja, er wollte damit ja keinen Oscar gewinnen, beruhigte er sich selbst. Es musste nur für einen Moment gelingen, gerade lange genug, dass er ins Haus kam, und sich umsehen konnte.

 

Murdock holte tief Luft und klopfte. Und wartete. Über der Tür war eine Vogelplastik befestigt, die ihm anzustarren schien und er streckte ihr die Zunge heraus. „Ist was?“, fragte er grummelig.

 

Nach einer Weile öffnete sich endlich die Tür und er hoffte, dass sein Gesicht einigermaßen im Schatten lag und so nicht leicht zu erkennen war. Er verfluchte Face dafür, dass er ein so verdammt kurzes Kleid ausgesucht hatte. Er verfluchte Hannibal dafür, dass er ihn zu diesem Stunt überredet hatte.

 

Doch dann erschien ein Mann in der Tür und mit einmal war sein Kopf ganz klar und er spürte, wie der Jazz begann. „Hi“, sagte er verführerisch, als ihn ein untersetzter Mann ungläubig musterte. „Jemand hier wollte ein wenig Spaß haben.“

 

„Hier ist keiner, Schätzchen“, sagt der Mann. „Die Leute, die hier wohnen, sind in die Ferien gefahren. Ich bin nur da, um nach dem Rechten zu sehen. Es muss sich um einen Irrtum handeln.“

 

„Nein, nein, das kann nicht sein. Ich wurde ausdrücklich hierher bestellt.“ Murdock lächelte. „Niemand sagte irgendwas von Ferien.“

 

„Hören Sie, es tut mir leid, hier ist niemand. Sie sind nach Mexiko gefahren.“

 

Der Pilot überlegte rasend schnell. „Mexiko? Niemand sagte irgendwas über Mexiko.“

 

“Nun, offenbar ist die Frau des neuen Hauseigentümers krank geworden. Er ist mit ihr zu ihren Verwandten gefahren. Wie gesagt, ich bin nur gekommen, um nach dem Rechten zu sehen. Bin der Nachbar. Ich kenne die Leute noch nicht so gut.“

 

„Ich vermute, du hast nicht zufällig seine Adresse, Süßer?“ Um ein Haar wäre Murdock umgeknickt, als er versuchte, sich mit einer verführerischen Bewegung eine Strähne aus dem Gesicht zu streichen.

 

„Ich habe eine Telefonnummer für Notfälle. Aber ich glaube nicht, dass ich die so einfach rausgeben kann.“

 

Murdock lächelte erneut. Langsam fand er sich in seine Rolle und ließ eine Kaugummiblase platzen. „Na und wie wär’s wenn ich dir ein bisschen Gesellschaft leiste? Wenn ich doch schon da bin und du so ganz allein...“ Er zwinkerte ihm zu.

 

„Ich bin verheiratet“, wehrte der Mann ab. „Außerdem... Sie sind doch überhaupt keine richtige Frau, stimmt’s?“, fragte er misstrauisch.

 

„Also so bin ich noch nie beleidigt worden“, stieß Murdock hervor und verpasste dem Mann eine Ohrfeige, bevor er auf dem Absatz herumwirbelte und mit wiegenden Hüften davon stöckelte. Hinter ihm wurde die Tür ins Schloss geknallt.

 

Der Pilot seufzte. „Operation Skirt war ein voller Erfolg“, sagte er laut genug, dass das Mikrofon an seinem Kleid seine Stimme auffangen würde. „Hiermit ist mein Informationsflug beendet und ich kehre zur Basis zurück.“

 

Die Telefonnummer zu besorgen, das konnte Face übernehmen. Sie würden herausbekommen, welche Adresse zu ihr gehörte und ihre Klientin finden. Er musste jetzt erst mal aus diesem Fummel raus. Und diese Schuhe brachten ihn um...

 

Ende