* ... Donnerstag, der 2. Dezember .... * Disclaimer und weiteres hier: Sequenz 1 http://de.groups.yahoo.com/group/germanks/message/1074 Feedback: gerne - hier oder an Accent@gmx.de Sequenz 55 Kirk blieb vor der Tür zur Kabine seines Ersten Offiziers stehen und zögerte. Er hatte zwar McCoy beiläufig gesagt, dass er durchaus schon ab und an Spocks Kabine betreten hatte, jedoch war das bisher immer mit Spocks Wissen passiert oder auf seine ausdrückliche Einladung hin. Er schloss seine Kabine nie ab, doch jeder an Bord respektierte die Privatsphäre den Vulkaniers und kam wenn überhaupt außerdienstlich nur angemeldet. Selbst das beschränkte sich auf Myers, Jäger, Tomson und andere Mitarbeiter seines Stabes, wenn es etwas dringendes gab oder auf Kirk selber. Nachdenklich betrachtete Kirk den Türöffner. Er konnte sich nicht anmelden. Spock schlief. Dennoch sorgte er sich und unbeantwortete Fragen drehten sich im Kreis. Die Antworten lagen hinter dieser Tür, wenn Spock sie ihm gab. War er in seinem Kopf gewesen? Hatte er seine telepathischen Kräfte, die er als Vulkanier unzweifelhaft besaß auf seinen Captain angewendet? Auf dem Baum mit Sicherheit. Kurz entschlossen betätigte Kirk den Türöffner. Warme Luft flutete ihm entgegen. Er trat einen beherzten Schritt in die fast dunkle Kabine und ließ die Tür hinter sich zuschnappen. Es war still, bis auf das allgegenwärtige Pulsieren des Energiekerns der Enterprise. Kirk sah sich um. Die Kabine lag im rötlichen halbdunkel. Spock war quer über das Bett ausgestreckt, die Beine über die Bettkante hängend und noch in Uniform. Er musste sofort eingeschlafen sein. Kirk schüttelte versonnen mit dem Kopf und schlich leise zu ihm. Einen Moment sah er auf den Schlafenden hinab. Der Vulkanier atmete langsam und regelmäßig, nichts deutete darauf hin, dass er Kirks Anwesenheit bemerkt hatte. McCoy hatte gesagt, dass er ihn ohnehin nicht würde wecken können. Schlief er so tief? Wie sehr hatte er Kraft gelassen? Kirk erinnerte sich plötzlich an die dunklen Augen, die seine komplette Wahrnehmung eingenommen hatten, Sorge und auch die Furcht darin und ... Zuneigung. Zuneigung? Gefühle, die er so offen von diesem Mann nicht kannte. Hatte ihn das so viel Kraft gekostet? Seine Schranken zu lockern? Sie beide zu retten, durch was auch immer er getan hatte? Kirk beugte sich herunter und hob Spocks langen Beine aufs Bett, zog ihm vorsichtig die Stiefel aus und stellte sie neben das Bett. Er öffnete die Uniformhose und zog sie über die schmalen Hüften und warf sie über einen Stuhl neben dem Bett. Noch immer schlief der Vulkanier fast reglos und Kirk machte sich an den Schulterverschlüssen des Uniformhemdes zu schaffen. Dankbar, das diese bei den neuen Uniformen einfacher zu öffnen waren bugsierte er beide Arme aus den Ärmeln. Er zog das Hemd vorsichtig über Spocks Kopf und schob ein Kissen darunter. Nachdem er die Decke vom Fußende des Bettes über dem Vulkanier ausgebreitet hatte setzte er sich einen Moment neben ihn auf das Bett und betrachtete seinen schlafenden Ersten Offizier. Aus dem fremden und exotischen Mann war inzwischen ein fast vertrauter Freund geworden, den noch immer viele Geheimnisse umgaben. Die sonst akkurate Ponyfrisur war leicht zerzaust und die Gesichtszüge waren entspannt. Er sah friedlich aus. Jünger und fast ... menschlich? Nein, verletzlich. Kirk fühlte eine Welle von Zuneigung in sich aufsteigen, die er nicht zuordnen konnte. Wie konnte er sich einem Mann so nahe fühlen, der ihm zugleich noch immer so fremd war? Er kannte diesen Mann nun seit fast drei Monaten, vertraute ihm instinktiv und doch wusste er zu wenig von ihm, um die vielen Fragen zu beantworten, die in ihm empor quollen. Versonnen strich er einige dunkle Haarsträhnen glatt, die durcheinander geraten waren. Spocks Augenlider flatterten. Erschrocken über seine eigenen fast intimen Berührungen zog Kirk rasch seine Hand zurück, bevor der Vulkanier erwachte. Er wollte ihn nicht stören. "Danke ... mein Freund ...", flüsterte er leise. "Das zweite Mal hast du mich aus einer Gefahr gerettet ..." Spock murmelte leise und drehte den Kopf zur Seite, schlief fest weiter. Seufzend stand Kirk nach einigen Minuten auf und verließ die Kabine, nachdem er eine Notiz auf dem penibel aufgeräumten Schreibtisch des Vulkaniers hinterlassen hatte. *** Einen Abend später stand Kirk nachdenklich vor der verschlossenen Tür zum Beobachtungsdeck. Die private Verriegelung war aktiviert. Spock kam oft in den Nachtstunden hier her, wusste Kirk inzwischen. Er nutze die Zeit für seine regelmäßigen Meditationen, wenn der größte Teil der Besatzung schlief und das Deck ohnehin kaum frequentiert wurde. Ab und zu hatte Kirk sich später zu ihm gesellt und sie hatten das ein oder andere interessante Gespräch gehabt. Heute war die Tür verschlossen. Das war bisher nicht vorgekommen. Der Vulkanier schloss nicht einmal seine Kabine ab. Es war nicht üblich auf Vulkan. Wollte Spock seine Ruhe haben? Nein, dann wäre er nicht hierher gekommen, sondern in seiner Kabine geblieben. Kirk überlegte kurz, betätigte dann den Summer und wartete. Nach einer Minute öffnete sich die Tür vor ihm und er trat weit genug in den fast dunklen Raum, dass die Tür hinter ihm wieder zu gleiten konnte und das hereinfallende Licht vom Korridor wieder ausschloss. Seine Augen benötigten einen Moment um sich an die plötzliche Dunkelheit zu gewöhnen. Das Licht der Sterne war die einzige Beleuchtung. Auf dem Boden vor dem großen Fenster hockte sein Erster Offizier im Schneidersitz, den Kopf gesenkt und die Hände im Schoß gefaltet. Er war nicht in Uniform, sondern in seine schwarze Robe gekleidet. Kirk mochte sie, kannte sie von ein oder zwei Gelegenheiten, doch wusste, dass der Vulkanier sie ausschließlich außerdienstlich trug, wenn er privat war. Er war also im privaten Modus. Dieser Mann war für Kirk ein inzwischen vertrautes Rätsel ein Rätsel. Mit jedem Tag lernte er etwas neues über seinen ruhigen und exotischen Offizier und es taten sich dafür wieder neuer Fragen auf. Augenblicklich hatte Kirk das Gefühl ihn zu stören und war versucht wieder zu gehen, als Spock plötzlich den Kopf hob und ihn leise ansprach. "Captain?" Kirk holte tief Luft und kam langsam näher. Heute morgen war Spock zu ihm gekommen. Vermutlich direkt nachdem er aus seinem tiefen Schlaf erwacht war und Kirks Notiz gelesen hatte. Er war distanziert und sachlich gewesen, wie immer. Seine Informationen hatten sich auf das Nötigste beschränkt. Auch das wie bisher immer. Ganz der kompetente und in sich ruhende Erste Offizier, den Kirk inzwischen zu schätzen gelernt hatte. "Mr. Spock ..." Er setzte sich auf einen der Sessel und nickte dem Vulkanier zu, der ihn fragend ansah. Er hatte bisher noch kein Wort darüber verloren, was genau passiert war, nachdem Kirk das Bewusstsein verloren hatte, abgesehen von den Fakten, die die Mission direkt betrafen. Die Bäume waren tatsächlich intelligente Lebensformen und aggressiv auf die Verteidigung ihres Territoriums bedacht gewesen. Durch den getöteten Baum waren sie feindselig geworden. Spock hatte durch die Kommunikation bei ihrer zweiten Landemission irgendwie einen provisorischen Frieden herstellen können, auf dessen Grundlage nun Diplomaten der Förderation eingeschaltet wurden. Telepathen, wie er empfohlen hatte. Sie hatten diese Informationen an Starfleet weitergeleitet und die Enterprise war seit drei Stunden wieder auf Kurs. Spock hatte sich für den Rest des Tages in den wissenschaftlichen Labors verkrochen und hinter seinen vulkanischen Mauern verschanzt. Kirk hatte ihm trotz seiner eigenen drängenden Fragen schweren Herzens den Freiraum gelassen, den der Vulkanier nicht direkt erbeten hatte doch offenbar benötigte. Noch immer sah Spock ihn fragend an und Kirk wurde bewusst, dass er seit fast einer Minute stumm ansah. "Was tun sie da unten, Mr. Spock? Warum sitzen sie auf dem Fußboden?" Spock legte den Kopf schräg. Wie immer, wenn er über eine Antwort nachdachte. "Ich habe meditiert, Sir." "Ah ..." Kirk nickte. "Und ... dazu sitzen Sie auf dem Fußboden?" Spock stand in einer eleganten Bewegung auf und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Seine übliche abwartende Haltung. "Der Boden ist härter als die Polsterungen der Sitzgelegenheiten." "Ah ..." Kirk nickte wieder und deutete mit dem Kopf zu einem Sessel. "Setzen Sie sich ... jetzt? Aber ... ich wollte sie nicht stören ... wenn es ihnen lieber ist, dann gehe ich wieder." "Nein, Sir ... Sie stören nicht. Was ist der Grund, dass sie mich aufgesucht haben?" Spock sah auf den angebotenen Sessel und nach kurzem Zögern setzte er sich steif aufgerichtet und musterte Kirk. Er wartete offensichtlich auf die Frage und wusste, dass Kirk sie stellen würde. Kirk tat ihm den Gefallen. "Was ist da unten genau passiert, Spock? Gestern ... und auch beim ersten Mal?" "Sie haben den Bericht bekommen, Sir." Spocks Gesicht blieb ausdruckslos. Er ließ sich mit keiner Regung anmerken, dass ihn irgend etwas beschäftigte, jedoch auch nicht, dass er eine weitere Antwort geben wollte. Kirk wartete einen Moment und lehnte sich schließlich seufzend zurück. "Das meinte ich nicht, Mr. Spock. Sondern das, was nicht im Bericht steht." Spock hob eine Augenbraue, doch sah ihn weiter nur schweigend an. Das würde also nicht leicht werden. Nichts war bisher leicht gewesen mit diesem Mann. "Mir ist aufgefallen, dass wir nie wirklich viel über Ihre .... mentalen Fähigkeiten gesprochen haben. Ich weiß inzwischen von Dr. McCoy, dass es eine sehr private Angelegenheit ist ... einen telepathischen Kontakt zu einem anderen Individuum herzustellen ... und ..." Kirk beugte sich vor und sprach sanfter weiter. " ... und Sie hatten Kontakt, zuerst als dieser erste Baum angriff, dann auf dem Schiff ... und schließlich ..." Spock stand plötzlich auf und ging zu dem großen Fenster. Kirk schwieg überrascht und betrachtete den geraden Rücken des Vulkaniers. Fast eine Minute geschah gar nichts, dann drehte sich Spock um und sah ihm in die Augen. "Die Identität, die Sie angriff, hatte die Absicht Sie zu töten, Sir. Aufgrund der ersten Landegruppe konnte sie nur ... feindliche Absichten vermuten. Es war ein natürlicher Instinkt ihren Lebensraum und damit ihre Gattung zu verteidigen." Kirk sah den Vulkanier forschend an. Als dieser nicht weiter sprach antwortete er selber. "Ich habe diese ... Identität, wie Sie es nennen, ... auch gespürt. ... hier oben." Er tippte sich an die Schläfe. " ... sie hatte irgendwie die Gewalt über mich oder meinen Körper und ..." "Sie sprach mit Ihrer Stimme, Sir." Kirk überlegte kurz und suchte seine lückenhaften Erinnerungen zusammen. " .... und sie wollte mich scheinbar töten, ja ..... dann waren Sie da Mr. Spock .... auch, hier drin ... irgendwie zwischen mir und dieser fremden Identität. Das alles muss irgendwie nur in meinem kopf passiert sein. Ich erinnere mich an Schmerzen, doch nicht, dass ich sie wirklich gespürt habe und dann .... nichts mehr. Frieden und Dunkelheit. Ich muss bewusstlos geworden sein. Was ist passiert und wie ist es ausgegangen? Ich denke, Sie können mir diese Frage beantworten und ich denke ich habe ein Recht auf diese Antwort." Spock ließ uncharakteristisch den angehaltenen Atem entweichen und sah kurz aus dem Fenster, dann wieder zu Kirk. "Es war notwendig einen mentalen Kontakt herzustellen um mit der Entität zu kommunizieren." "Sie waren also in meinem Kopf." "Ja Sir." Spock stand nun steif aufgerichtet und blickte zur Wand. "Es ist mir bewusst, dass dies ein Bruch Ihrer Privatsphäre und ethischer Grundsätze ist, der unentschuldbar und ..." "Stopp, Mr. Spock." Kirk schüttelte den Kopf. "Sie haben mir damit auch das Leben gerettet, dass reicht um meine Privatsp-..." Spock blinzelte kurz und sah wieder zu Kirk. "Sir, sie verstehen nicht. Ich habe nicht Ihre Einwilligung gehabt und eigenmächtig gehandelt." Kirk stand auf und stellte sich vor seinen Ersten Offizier. "Mr. Spock, habe ich in der Situation den Eindruck auf sie gemacht, dass ich ... meiner Gedanken und meines Körpers Herr war?" "Nein Sir." Spock sah ihn nachdenklich an. "Die Identität hatte vollständig von Ihrem Körper Besitz ergriffen und Ihr rationales Bewusstsein verdrängt. Ihre Körperfunktionen waren alarmierend ange- ..." "Also ..." unterbrach Kirk und lächelte entschuldigend. "... dann bedanke ich mich bei Ihnen, dass sie durch ihr ... eigenmächtiges Eingreifen und die Anwendung ihrer Fähigkeiten mein Leben gerettet haben und ... außerdem sogar eine diplomatische Grundlage mit diesen Lebensformen geschaffen haben." "Aber Sir ..." "Gab es eine andere Alternative um das Ziel zu erreichen, was sie erreicht haben." "Nein Sir, aber dennoch tat ich es ohne ihre ausdrückliche Zustimmung." "Mr. Spock. Ich war in diesem Moment in keiner Weise in der Lage eine amtliche Einverständniserklärung zu unterschreiben. Wäre ich es gewesen, hätte ich es sicher auch getan. Sie sind mein Erster Offizier und ich denke auch mein Freund. Ich vertraue Ihnen. Ich gebe ihnen meine Erlaubnis .... im Nachhinein, wenn Ihnen das hilft." "Hilft?" Spock sah ihn einen Moment verwirrt an, dann schüttelte er langsam den Kopf. "Sie verstehen nicht, Sir. Es ist nicht ..." "Doch, ich denke ich verstehe sehr gut Mr. Spock.", unterbrach ihn Kirk zum wiederholten Mal, als er merkte, dass der Vulkanier sich schuldig fühlte wegen irgend etwas. "Dr. McCoy hat mich bereits aufgeklärt, dass ein .... mentaler Kontakt ohne Einwilligung des anderen als ... eine grobe Verletzung der Privatsphäre, .... der Intimen Privatsphäre eines Individuums .... quasi Angriff ... ein Verbrechen ...gesehen wird. Stimmt das?" Spock nickte stumm und musterte ihn intensiv und konzentriert. Kirk stand auf und ging zu seinem Ersten Offizier, der noch immer wie angefroren am Fenster stand. Er stellte sich direkt neben ihn und sah aus dem Fenster, dann zu dem etwas größeren Vulkanier. "Sie machen sich also ... Vorwürfe, weil sie ..." Er gestikulierte in der Luft um die richtigen Worte zu finden und tippte sich dann wieder an die Schläfe. "....hier drin waren?" Spock legte den Kopf schräg. "Nein Sir. Ich mache mir keine Vorwürfe. Dazu müsste ich die Tat bereuen. Das wäre ein Gefühl. Ich bin Vulkanier und handele nach logischen Prämissen. Die Tat war notwendig unter logischen Gesichtspunkten und notwendig .... um Ihr Leben zu erhalten." "Ah ..." Kirk nickte verwundert. "Also keine Vorwürfe, was beschäftigt Sie dann so sehr? Warum denke ich, dass sie sich wegen etwas ... schuldig fühlen?" "Ich BIN ... schuldig, in diesem Sinne." Wieder legte Spock den Kopf schräg. Kirk wusste inzwischen, dass er das immer tat, wenn er nach den richtigen Worten suchte. Er wartete. "Es ist ein ... Verbrechen auch wenn es logisch zu begründen ist.", antwortete Spock schließlich und zog eine Augenbraue hoch. "Es bleibt ein Verbrechen, eine Verletzung Ihrer Privatsphäre und Identität." Kirk sah ihn einen langen Moment an und verstand. "Das heißt ... Moment ... Spock, Sie haben gelernt sich selbst zu verteidigen. Zu Töten, wenn es notwendig ist? Sicher auf der Akademie, doch sicher auch ... auf Vulkan?" "Natürlich, Sir. Bereits in der Kindheit lernen Vulkanier sich, den eigenen Körper und Geist, sowie auch die eigene Gesundheit zu schützen und zu verteidigen. Es gibt verschieden Künste des Kampfes und der mentalen Disziplinen, in denen ein vulkanisches Kind bereits ab dem Alter von vier Jahren unterwiesen wird. Selbstverständlich dient das nur der Verteidigung. Ebenso sind natürlich Überlebenstraining, Kampfkünste und Waffenkunde an der Akademie Pflicht." "Selbstverständlich", nickte Kirk. "Allerdings .... es ist auch ein Verbrechen zu Töten." Spock sah ihn sehr lange an und nickte dann langsam. "Werden Sie töten, wenn es notwendig ist? Wenn sie es müssen? Aus logischen Gründen?", fragte Kirk sehr leise. Spock sah wieder aus dem Fenster und antwortete nicht. Kirk ging zur Couch und setzte sich, betrachtete eine Weile den Rücken des Vulkaniers und die dahinter verschränkten Hände. Hatte dieser Mann jemals getötet? "Mr. Spock. Als Vulkanier haben sie ihre Grundsätze, ihre Erziehung und ihr Erbe. Ich weiß, Vulkanier haben eine tiefe Abneigung gegen das Töten, selbst wenn es an Ihr eigenes Leben geht. Das ist das, was wir an der Akademie lernen. Ebenso sind sie jedoch Offizier der Sternenflotte und haben einen Eid abgelegt. Was ist, wenn ihre Pflicht als mein Erster Offizier ihre vulkanischen Grundsätze berührt? Sie sind seit mehr als 11 Jahren auf diesem Schiff. Mussten sie bereits Töten, um zu Überleben oder ... um andere zu schützen?" Spock drehte sich langsam zu Kirk um. "Nein Sir. Es gab bisher keine derartige Situation." Kirk wollte gerade antworten als Spock sich wieder zum Fenster drehte und leiser weiter sprach. "Es gab jedoch Situationen, in denen es im Rahmen meiner Pflichterfüllung und in erster Priorität zum Schutz der Besatzung oder einzelner Mitglieder unvermeidbar gewesen wäre, ... zu töten ... wenn sich gewisse Ereignisse nicht so entwickelt hätten, wie ..." Kirk horchte auf. "Die Sache mit Gary? Mr. Mitchell? Sie hätten ihn töten . müssen, wenn nicht ." Ein stummes Nicken, doch weiter sah Kirk nur den geraden Rücken. "Ich habe ihnen also die Arbeit ... die unangenehme Entscheidung ... abgenommen .... als ich ihn selber getötet habe." "Captain?" Spock drehte sich abrupt zu ihm um. "Während der gesamten Zeit ihrer Auseinandersetzung mit dem Wesen, zu dem Mr. Mitchell damals mutiert ist, waren die kompletten Phaserbänke der Enterprise auf ihre Position gerichtet und hätten jederzeit ..." "Das weiß ich Spock, aus den Logbüchern. Aber sie haben nicht geschossen. Warum?" "Wir befanden uns nicht in unmittelbarer Gefahr." "Nein?" Kirk lehnte sich vor. "Nicht in unmittelbarer Gefahr? Ich wurde angegriffen dort unten. Sie wurden angegriffen. Das Schiff hat einiges abbekommen. Sie persönlich wurden sogar ... mental angegriffen, wie ich erst Tage später erfahren habe, ... das ist in meinen Augen eine unmittelbare Gefahr. Warum haben Sie nicht schon eher geschossen?" Kirk wurde bewusst, dass sie bereits viel eher darüber hätten reden müssen. Aus irgendwelchen Gründen war es verblieben. Spock sah ihn wachsam und nachdenklich an. "Es bestand noch eine Wahrscheinlichkeit, dass Sie erfolgreich sind. Sie sind der Captain und wären durch eine Phasersalve ebenfalls gefährdet worden. Ihr Wohlergehen und das des Schiffes ist in dem Moment als ranghöchster Offizier meine oberste Priorität gewesen. Die Angriffe waren ernst, jedoch noch nicht ..." "Und ihr Wohlergehen? Sie wussten irgendwie, was da unten passiert, nicht wahr?" Kirk stand auf und ging auf den Vulkanier zu. "Sie wussten was da unten passiert. Er ... Gary hat sie angegriffen .... mental ... und dadurch wussten sie ganz genau ... Spock er hat Sie telepathisch .... ANGEGRIFFEN!" Spock drehte sich weg, doch Kirk drehte ihn an der Schulter wieder zu sich. Die dunklen Augen waren plötzlich geschlossen. "Gary hat sie angegriffen ... ebenso dieser Baum, auch er hat Sie angegriffen. Ich habe erst von McCoy erfahren, was das für Sie als Telepathen wirklich bedeutet. Deswegen Ihr Schweigen darüber. Sie wurden verletzt. Mehr ... als man es nach außen sieht ... viel mehr. Auf einer Ebene, die für Sie ... intimer ist, als alles andere." Spock schwieg, schien erstarrt. Seine Augen waren weiter geschlossen und die Lippen zu einem dünnen Strich zusammengepresst. "Stimmt das?", forderte Kirk. Spock öffnete die Augen wieder und sah Kirk wachsam an und wieder erschien die ausdruckslose vulkanische Maske, die so vieles verbarg von dem was dahinter vor sich ging. Schließlich nickte er langsam. "Das ist ... korrekt, Captain.", antwortete er kühl. Kirk sah ihm weiter in die nun undurchdringlichen Augen und lockerte seinen Griff an der Schulter. "Ich bin auch ... ihr Freund Mr. Spock. Ich habe etwas dagegen, dass Sie verletzt werden. Ich wollte sie nicht ebenfalls verletzen sondern ... helfen?" Spock schien einen Moment nachzudenken, lockerte seine Gesichtszüge vorsichtig wieder etwas. Seine Augen gewannen wieder einen sanfteren Glanz. "Eine Meditation ist ausreichend.", antwortete er schließlich leise. Kirk nickte langsam. "Dennoch, manchmal ist es sinnvoller, wenn etwas ausgesprochen wird, zum zu verstehen und ich möchte es gerne verstehen ... ich höre zu, ... wenn Sie es möchten." Spock schluckte angestrengt und sah kurz zu Boden, dann wieder zu ihm, als er leise sprach. "Ich habe eine mentale Blockade gegen die Schmerzen und zum Schutz Ihrer Identität gesetzt, Sir. Daher die ... Ohnmacht und die Erinnerungslücken." Kirk sah ihn erstaunt an und fasste reflexartig an seinen Kopf. "Mir ist bewusst, dass ich ohne Ihre Einwilligung in ihren Geist ..." "Schluss damit." Kirk schüttelte ärgerlich über Spocks neuen Rückzug den Kopf. "Sie haben meine Einwilligung jetzt und immer, wenn es nötig sein sollte. Ich dachte ich hätte das schon gesagt. Aber ... Sie meinen, da ist noch immer ... eine Blockade?" "Ja Sir. Und ... es wäre noch von Vorteil, wenn es so bliebe, da die Wunde noch sehr frisch ist und ..." "Woher wissen sie das alles?" Spock hob eine Augenbraue und sah bedeutungsvoll auf Kirks Hand, die noch immer fast vergessen auf Spocks Schulter lag. Kirk zog sie erschrocken weg. "Sie können meine Gedanken lesen?" "Nur die Empfindungen an der Oberfläche und ich ... ´lese´ sie nicht aktiv, sondern fange nur auf was Sie senden, Captain. Ich würden mich normalerweise aus ethischen Gründen abschirmen aber ... meine mentalen Schilde sind noch nicht wieder völlig intakt und durch den erst kürzlichen mentalen Kontakt zwischen ihnen und mir besteht noch eine geringe Verbindung. Sie wird in den nächsten Tagen nachlassen." Kirk sah auf seine Hand, drehte sie nachdenklich vor seinen Augen und blickte dann verwirrt zu Spock. "Dann ... habe ich sie jetzt etwa mit meinen Gedanken angegriffen? Es tut mir leid, ich hatte nicht daran gedacht ..." Spock schüttelte den Kopf, fast wirkte er jetzt amüsiert. "Menschen neigen dazu sich quasi beiläufig zu berühren. Ich habe mich zwar im Laufe der vergangenen Jahre nicht daran gewöhnt, besitze jedoch adäquate Abschirmungstechniken um ein unabsichtliches Aufschnappen fremder Gedanken zu vermeiden." "Aber ... sie haben sich eben nicht abgeschirmt? Konnten noch nicht ..." "Sie haben mir vor einigen Minuten ihr Einverständnis gegeben und wie ich schon sagte, meine Schilde ..." "Stimmt, das sagten sie." Kirk nickte lächelnd und einen Moment schwiegen sie, blickten durch das große Fenster auf die Sterne die davor vorbeirasten. "Spock, ich muss auch etwas ... beichten.", brach Kirk das Schweigen. "Beichten?" Spock sah ihn mit überrascht hochgezogener Augenbraue an. Er wirkte jetzt etwas entspannter. "Ich wüsste nicht, wodurch sie in die Verlegenheit kommen sollten zu ..." "Ich war ... ohne Sie vorher zu fragen in ihrer Kabine, als sie geschlafen haben und habe Sie ... hm ... wie wir Menschen sagen ... ins Bett gebracht." "Das weiß ich ..." Spocks Augen funkelten plötzlich amüsiert. Er sah rasch wieder aus dem Fenster und straffte sich, doch Kirk hatte das Aufflackern von Freude in dem stoischen Gesicht gesehen. "Sie haben meine Einwilligung. Jetzt ... und immer, wenn es nötig sein sollte.", wiederholte der Vulkanier Kirks eigene Worte und adressierte das Fenster. Er sah ihn nachdenklich wieder an. "Sie hatten sie bereits seit längerer Zeit, doch vielleicht ist es tatsächlich sinnvoller, wenn manche Dinge ... ausgesprochen werden ... Jim.", fügte er leiser hinzu. Kirk lächelte still in sich hinein und legte Spock wieder die Hand auf die Schulter. "Das ist es manchmal. Es war ein anstrengender Tag. Ich werde ihn jetzt beenden. Begleiten sie mich nach unten oder ..." "Ich werde noch ein wenig bleiben." "Gut ... wir sehen uns morgen." Kirk nickte Spock zu und verließ das Beobachtungsdeck. Stelenan .... weiter in Nr. 56 ....