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Sequenz 55
Prä-K/S
Kirk blieb vor der Tür zur Kabine seines Ersten Offiziers stehen und zögerte.
Er hatte zwar McCoy beiläufig gesagt, dass er durchaus schon ab und an Spocks
Kabine betreten hatte, jedoch war das bisher immer mit Spocks Wissen passiert
oder auf seine ausdrückliche Einladung hin. Er schloss seine Kabine nie ab,
doch jeder an Bord respektierte die Privatsphäre den Vulkaniers und kam wenn
überhaupt außerdienstlich nur angemeldet. Selbst das beschränkte sich auf
Myers, Jäger, Tomson und andere Mitarbeiter seines Stabes, wenn es etwas
dringendes gab oder auf Kirk selber.
Nachdenklich betrachtete
Kirk den Türöffner. Er konnte sich nicht anmelden. Spock schlief. Dennoch
sorgte er sich und unbeantwortete Fragen drehten sich im Kreis. Die Antworten
lagen hinter dieser Tür, wenn Spock sie ihm gab. War er in seinem Kopf gewesen?
Hatte er seine telepathischen Kräfte, die er als Vulkanier unzweifelhaft besaß
auf seinen Captain angewendet? Auf dem Baum mit Sicherheit.
Kurz entschlossen betätigte
Kirk den Türöffner. Warme Luft flutete ihm entgegen. Er trat einen beherzten
Schritt in die fast dunkle Kabine und ließ die Tür hinter sich zuschnappen.
Es war still, bis auf das
allgegenwärtige Pulsieren des Energiekerns der Enterprise. Kirk sah sich um.
Die Kabine lag im rötlichen halbdunkel. Spock war quer über das Bett
ausgestreckt, die Beine über die Bettkante hängend und noch in Uniform. Er
musste sofort eingeschlafen sein. Kirk schüttelte versonnen mit dem Kopf und
schlich leise zu ihm.
Einen Moment sah er auf den
Schlafenden hinab. Der Vulkanier atmete langsam und regelmäßig, nichts deutete
darauf hin, dass er Kirks Anwesenheit bemerkt hatte. McCoy hatte gesagt, dass
er ihn ohnehin nicht würde wecken können. Schlief er so tief? Wie sehr hatte er
Kraft gelassen? Kirk erinnerte sich plötzlich an die dunklen Augen, die seine
komplette Wahrnehmung eingenommen hatten, Sorge und auch die Furcht darin und
... Zuneigung. Zuneigung? Gefühle, die er so offen von diesem Mann nicht
kannte. Hatte ihn das so viel Kraft gekostet? Seine Schranken zu lockern? Sie
beide zu retten, durch was auch immer er getan hatte?
Kirk beugte sich herunter
und hob Spocks langen Beine aufs Bett, zog ihm vorsichtig die Stiefel aus und
stellte sie neben das Bett. Er öffnete die Uniformhose und zog sie über die
schmalen Hüften und warf sie über einen Stuhl neben dem Bett. Noch immer
schlief der Vulkanier fast reglos und Kirk machte sich an den
Schulterverschlüssen des Uniformhemdes zu schaffen. Dankbar, das diese bei den
neuen Uniformen einfacher zu öffnen waren bugsierte er beide Arme aus den
Ärmeln. Er zog das Hemd vorsichtig über Spocks Kopf und schob ein Kissen
darunter.
Nachdem er die Decke vom
Fußende des Bettes über dem Vulkanier ausgebreitet hatte setzte er sich einen
Moment neben ihn auf das Bett und betrachtete seinen schlafenden Ersten
Offizier. Aus dem fremden und exotischen Mann war inzwischen ein fast
vertrauter Freund geworden, den noch immer viele Geheimnisse umgaben.
Die sonst akkurate
Ponyfrisur war leicht zerzaust und die Gesichtszüge waren entspannt. Er sah
friedlich aus. Jünger und fast ... menschlich? Nein, verletzlich. Kirk fühlte
eine Welle von Zuneigung in sich aufsteigen, die er nicht zuordnen konnte.
Wie konnte er sich einem
Mann so nahe fühlen, der ihm zugleich noch immer so fremd war? Er kannte diesen
Mann nun seit fast drei Monaten, vertraute ihm instinktiv und doch wusste er zu
wenig von ihm, um die vielen Fragen zu beantworten, die in ihm empor quollen.
Versonnen strich er einige dunkle Haarsträhnen glatt, die durcheinander geraten
waren.
Spocks Augenlider
flatterten. Erschrocken über seine eigenen fast intimen Berührungen zog Kirk
rasch seine Hand zurück, bevor der Vulkanier erwachte. Er wollte ihn nicht
stören. „Danke ... mein Freund ...“, flüsterte er leise. „Das zweite Mal hast
du mich aus einer Gefahr gerettet ...“
Spock murmelte leise und
drehte den Kopf zur Seite, schlief fest weiter. Seufzend stand Kirk nach
einigen Minuten auf und verließ die Kabine, nachdem er eine Notiz auf dem
penibel aufgeräumten Schreibtisch des Vulkaniers hinterlassen hatte.
***
Einen Abend später stand Kirk
nachdenklich vor der verschlossenen Tür zum Beobachtungsdeck. Die private
Verriegelung war aktiviert. Spock kam oft in den Nachtstunden hier her, wusste
Kirk inzwischen. Er nutze die Zeit für seine regelmäßigen Meditationen, wenn
der größte Teil der Besatzung schlief und das Deck ohnehin kaum frequentiert
wurde. Ab und zu hatte Kirk sich später zu ihm gesellt und sie hatten das ein
oder andere interessante Gespräch gehabt.
Heute war die Tür
verschlossen. Das war bisher nicht vorgekommen. Der Vulkanier schloss nicht
einmal seine Kabine ab. Es war nicht üblich auf Vulkan. Wollte Spock seine Ruhe
haben? Nein, dann wäre er nicht hierher gekommen, sondern in seiner Kabine
geblieben. Kirk überlegte kurz, betätigte dann den Summer und wartete.
Nach einer Minute öffnete
sich die Tür vor ihm und er trat weit genug in den fast dunklen Raum, dass die
Tür hinter ihm wieder zu gleiten konnte und das hereinfallende Licht vom
Korridor wieder ausschloss. Seine Augen benötigten einen Moment um sich an die
plötzliche Dunkelheit zu gewöhnen. Das Licht der Sterne war die einzige
Beleuchtung.
Auf dem Boden vor dem großen
Fenster hockte sein Erster Offizier im Schneidersitz, den Kopf gesenkt und die
Hände im Schoß gefaltet. Er war nicht in Uniform, sondern in seine schwarze Robe
gekleidet. Kirk mochte sie, kannte sie von ein oder zwei Gelegenheiten, doch
wusste, dass der Vulkanier sie ausschließlich außerdienstlich trug, wenn er
privat war.
Er war also im privaten
Modus. Dieser Mann war für Kirk ein inzwischen vertrautes Rätsel ein Rätsel.
Mit jedem Tag lernte er etwas neues über seinen ruhigen und exotischen Offizier
und es taten sich dafür wieder neuer Fragen auf. Augenblicklich hatte Kirk das
Gefühl ihn zu stören und war versucht wieder zu gehen, als Spock plötzlich den
Kopf hob und ihn leise ansprach.
„Captain?“
Kirk holte tief Luft und kam
langsam näher. Heute morgen war Spock zu ihm gekommen. Vermutlich direkt
nachdem er aus seinem tiefen Schlaf erwacht war und Kirks Notiz gelesen hatte.
Er war distanziert und sachlich gewesen, wie immer. Seine Informationen hatten
sich auf das Nötigste beschränkt. Auch das wie bisher immer. Ganz der
kompetente und in sich ruhende Erste Offizier, den Kirk inzwischen zu schätzen
gelernt hatte.
„Mr. Spock ...“ Er setzte
sich auf einen der Sessel und nickte dem Vulkanier zu, der ihn fragend ansah.
Er hatte bisher noch kein Wort darüber verloren, was genau passiert war,
nachdem Kirk das Bewusstsein verloren hatte, abgesehen von den Fakten, die die
Mission direkt betrafen.
Die Bäume waren tatsächlich
intelligente Lebensformen und aggressiv auf die Verteidigung ihres Territoriums
bedacht gewesen. Durch den getöteten Baum waren sie feindselig geworden. Spock
hatte durch die Kommunikation bei ihrer zweiten Landemission irgendwie einen
provisorischen Frieden herstellen können, auf dessen Grundlage nun Diplomaten
der Förderation eingeschaltet wurden. Telepathen, wie er empfohlen hatte.
Sie hatten diese
Informationen an Starfleet weitergeleitet und die Enterprise war seit drei
Stunden wieder auf Kurs. Spock hatte sich für den Rest des Tages in den
wissenschaftlichen Labors verkrochen und hinter seinen vulkanischen Mauern
verschanzt. Kirk hatte ihm trotz seiner eigenen drängenden Fragen schweren
Herzens den Freiraum gelassen, den der Vulkanier nicht direkt erbeten hatte
doch offenbar benötigte.
Noch immer sah Spock ihn
fragend an und Kirk wurde bewusst, dass er seit fast einer Minute stumm ansah.
„Was tun sie da unten, Mr. Spock? Warum sitzen sie auf dem Fußboden?“
Spock legte den Kopf schräg.
Wie immer, wenn er über eine Antwort nachdachte. „Ich habe meditiert, Sir.“
„Ah ...“ Kirk nickte. „Und
... dazu sitzen Sie auf dem Fußboden?“
Spock stand in einer
eleganten Bewegung auf und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Seine
übliche abwartende Haltung. „Der Boden ist härter als die Polsterungen der
Sitzgelegenheiten.“
„Ah ...“ Kirk nickte wieder
und deutete mit dem Kopf zu einem Sessel. „Setzen Sie sich ... jetzt? Aber ...
ich wollte sie nicht stören ... wenn es ihnen lieber ist, dann gehe ich
wieder.“
„Nein, Sir ... Sie stören
nicht. Was ist der Grund, dass sie mich aufgesucht haben?“ Spock sah auf den
angebotenen Sessel und nach kurzem Zögern setzte er sich steif aufgerichtet und
musterte Kirk. Er wartete offensichtlich auf die Frage und wusste, dass Kirk
sie stellen würde. Kirk tat ihm den Gefallen.
„Was ist da unten genau
passiert, Spock? Gestern ... und auch beim ersten Mal?“
„Sie haben den Bericht
bekommen, Sir.“ Spocks Gesicht blieb ausdruckslos. Er ließ sich mit keiner
Regung anmerken, dass ihn irgend etwas beschäftigte, jedoch auch nicht, dass er
eine weitere Antwort geben wollte. Kirk wartete einen Moment und lehnte sich
schließlich seufzend zurück.
„Das meinte ich nicht, Mr.
Spock. Sondern das, was nicht im Bericht steht.“
Spock hob eine Augenbraue,
doch sah ihn weiter nur schweigend an. Das würde also nicht leicht werden.
Nichts war bisher leicht gewesen mit diesem Mann. „Mir ist aufgefallen, dass
wir nie wirklich viel über Ihre .... mentalen Fähigkeiten gesprochen haben. Ich
weiß inzwischen von Dr. McCoy, dass es eine sehr private Angelegenheit ist ...
einen telepathischen Kontakt zu einem anderen Individuum herzustellen ... und
...“ Kirk beugte sich vor und sprach sanfter weiter. „ ... und Sie hatten
Kontakt, zuerst als dieser erste Baum angriff, dann auf dem Schiff ... und
schließlich ...“
Spock stand plötzlich auf
und ging zu dem großen Fenster. Kirk schwieg überrascht und betrachtete den
geraden Rücken des Vulkaniers. Fast eine Minute geschah gar nichts, dann drehte
sich Spock um und sah ihm in die Augen. „Die Identität, die Sie angriff, hatte
die Absicht Sie zu töten, Sir. Aufgrund der ersten Landegruppe konnte sie nur
... feindliche Absichten vermuten. Es war ein natürlicher Instinkt ihren Lebensraum
und damit ihre Gattung zu verteidigen.“
Kirk sah den Vulkanier
forschend an. Als dieser nicht weiter sprach antwortete er selber. „Ich habe
diese ... Identität, wie Sie es nennen, ... auch gespürt. ... hier oben.“ Er
tippte sich an die Schläfe. „ ... sie hatte irgendwie die Gewalt über mich oder
meinen Körper und ...“
„Sie sprach mit Ihrer
Stimme, Sir.“
Kirk überlegte kurz und
suchte seine lückenhaften Erinnerungen zusammen. „ .... und sie wollte mich
scheinbar töten, ja ..... dann waren Sie da Mr. Spock .... auch, hier drin ...
irgendwie zwischen mir und dieser fremden Identität. Das alles muss irgendwie
nur in meinem kopf passiert sein. Ich erinnere mich an Schmerzen, doch nicht,
dass ich sie wirklich gespürt habe und dann .... nichts mehr. Frieden und
Dunkelheit. Ich muss bewusstlos geworden sein. Was ist passiert und wie ist es
ausgegangen? Ich denke, Sie können mir diese Frage beantworten und ich denke
ich habe ein Recht auf diese Antwort.“
Spock ließ
uncharakteristisch den angehaltenen Atem entweichen und sah kurz aus dem
Fenster, dann wieder zu Kirk. „Es war notwendig einen mentalen Kontakt
herzustellen um mit der Entität zu kommunizieren.“
„Sie waren also in meinem
Kopf.“
„Ja Sir.“ Spock stand nun
steif aufgerichtet und blickte zur Wand. „Es ist mir bewusst, dass dies ein
Bruch Ihrer Privatsphäre und ethischer Grundsätze ist, der unentschuldbar und
...“
„Stopp, Mr. Spock.“ Kirk
schüttelte den Kopf. „Sie haben mir damit auch das Leben gerettet, dass reicht
um meine Privatsp-...“
Spock blinzelte kurz und sah
wieder zu Kirk. „Sir, sie verstehen nicht. Ich habe nicht Ihre Einwilligung
gehabt und eigenmächtig gehandelt.“
Kirk stand auf und stellte
sich vor seinen Ersten Offizier. „Mr. Spock, habe ich in der Situation den
Eindruck auf sie gemacht, dass ich ... meiner Gedanken und meines Körpers Herr
war?“
„Nein Sir.“ Spock sah ihn
nachdenklich an. „Die Identität hatte vollständig von Ihrem Körper Besitz
ergriffen und Ihr rationales Bewusstsein verdrängt. Ihre Körperfunktionen waren
alarmierend ange- ...“
„Also ...“ unterbrach Kirk
und lächelte entschuldigend. „... dann bedanke ich mich bei Ihnen, dass sie
durch ihr ... eigenmächtiges Eingreifen und die Anwendung ihrer Fähigkeiten
mein Leben gerettet haben und ... außerdem sogar eine diplomatische Grundlage
mit diesen Lebensformen geschaffen haben.“
„Aber Sir ...“
“Gab es eine andere
Alternative um das Ziel zu erreichen, was sie erreicht haben.”
„Nein Sir, aber dennoch tat
ich es ohne ihre ausdrückliche Zustimmung.“
„Mr. Spock. Ich war in
diesem Moment in keiner Weise in der Lage eine amtliche Einverständniserklärung
zu unterschreiben. Wäre ich es gewesen, hätte ich es sicher auch getan. Sie
sind mein Erster Offizier und ich denke auch mein Freund. Ich vertraue Ihnen.
Ich gebe ihnen meine Erlaubnis .... im Nachhinein, wenn Ihnen das hilft.“
„Hilft?“ Spock sah ihn einen
Moment verwirrt an, dann schüttelte er langsam den Kopf. „Sie verstehen nicht,
Sir. Es ist nicht ...“
„Doch, ich denke ich verstehe
sehr gut Mr. Spock.“, unterbrach ihn Kirk zum wiederholten Mal, als er merkte,
dass der Vulkanier sich schuldig fühlte wegen irgend etwas. „Dr. McCoy hat mich
bereits aufgeklärt, dass ein .... mentaler Kontakt ohne Einwilligung des
anderen als ... eine grobe Verletzung der Privatsphäre, .... der Intimen
Privatsphäre eines Individuums .... quasi Angriff ... ein Verbrechen ...gesehen
wird. Stimmt das?“
Spock nickte stumm und
musterte ihn intensiv und konzentriert. Kirk stand auf und ging zu seinem Ersten
Offizier, der noch immer wie angefroren am Fenster stand. Er stellte sich
direkt neben ihn und sah aus dem Fenster, dann zu dem etwas größeren Vulkanier.
„Sie machen sich also ... Vorwürfe, weil sie ...“ Er gestikulierte in der Luft
um die richtigen Worte zu finden und tippte sich dann wieder an die Schläfe.
„....hier drin waren?“
Spock legte den Kopf schräg.
„Nein Sir. Ich mache mir keine Vorwürfe. Dazu müsste ich die Tat bereuen. Das
wäre ein Gefühl. Ich bin Vulkanier und handele nach logischen Prämissen. Die
Tat war notwendig unter logischen Gesichtspunkten und notwendig .... um Ihr
Leben zu erhalten.“
„Ah ...“ Kirk nickte
verwundert. „Also keine Vorwürfe, was beschäftigt Sie dann so sehr? Warum denke
ich, dass sie sich wegen etwas ... schuldig fühlen?“
„Ich BIN ... schuldig, in
diesem Sinne.“ Wieder legte Spock den Kopf schräg. Kirk wusste inzwischen, dass
er das immer tat, wenn er nach den richtigen Worten suchte. Er wartete. „Es ist ein ... Verbrechen auch wenn es
logisch zu begründen ist.“, antwortete Spock schließlich und zog eine
Augenbraue hoch. „Es bleibt ein Verbrechen, eine Verletzung Ihrer Privatsphäre
und Identität.“
Kirk sah ihn einen langen
Moment an und verstand. „Das heißt ... Moment ... Spock, Sie haben gelernt sich
selbst zu verteidigen. Zu Töten, wenn es notwendig ist? Sicher auf der
Akademie, doch sicher auch ... auf Vulkan?“
„Natürlich, Sir. Bereits in
der Kindheit lernen Vulkanier sich, den eigenen Körper und Geist, sowie auch
die eigene Gesundheit zu schützen und zu verteidigen. Es gibt verschieden
Künste des Kampfes und der mentalen Disziplinen, in denen ein vulkanisches Kind
bereits ab dem Alter von vier Jahren unterwiesen wird. Selbstverständlich dient
das nur der Verteidigung. Ebenso sind natürlich Überlebenstraining, Kampfkünste
und Waffenkunde an der Akademie Pflicht.“
„Selbstverständlich“, nickte
Kirk. „Allerdings .... es ist auch ein Verbrechen zu Töten.“
Spock sah ihn sehr lange an
und nickte dann langsam.
„Werden Sie töten, wenn es
notwendig ist? Wenn sie es müssen? Aus logischen Gründen?“, fragte Kirk sehr
leise.
Spock sah wieder aus dem
Fenster und antwortete nicht. Kirk ging zur Couch und setzte sich, betrachtete
eine Weile den Rücken des Vulkaniers und die dahinter verschränkten Hände.
Hatte dieser Mann jemals getötet?
„Mr. Spock. Als Vulkanier
haben sie ihre Grundsätze, ihre Erziehung und ihr Erbe. Ich weiß, Vulkanier
haben eine tiefe Abneigung gegen das Töten, selbst wenn es an Ihr eigenes Leben
geht. Das ist das, was wir an der Akademie lernen. Ebenso sind sie jedoch
Offizier der Sternenflotte und haben einen Eid abgelegt. Was ist, wenn ihre
Pflicht als mein Erster Offizier ihre vulkanischen Grundsätze berührt? Sie sind
seit mehr als 11 Jahren auf diesem Schiff. Mussten sie bereits Töten, um zu
Überleben oder ... um andere zu schützen?“
Spock drehte sich langsam zu
Kirk um. „Nein Sir. Es gab bisher keine derartige Situation.“ Kirk wollte
gerade antworten als Spock sich wieder zum Fenster drehte und leiser weiter
sprach. „Es gab jedoch Situationen, in denen es im Rahmen meiner
Pflichterfüllung und in erster Priorität zum Schutz der Besatzung oder
einzelner Mitglieder unvermeidbar gewesen wäre, ... zu töten ... wenn sich gewisse Ereignisse nicht so
entwickelt hätten, wie ...“
Kirk horchte auf. „Die Sache
mit Gary? Mr. Mitchell? Sie hätten ihn töten … müssen, wenn nicht …“
Ein stummes Nicken, doch
weiter sah Kirk nur den geraden Rücken. „Ich habe ihnen also die Arbeit ... die
unangenehme Entscheidung ... abgenommen .... als ich ihn selber getötet habe.“
„Captain?“ Spock drehte sich
abrupt zu ihm um. „Während der gesamten Zeit ihrer Auseinandersetzung mit dem
Wesen, zu dem Mr. Mitchell damals mutiert ist, waren die kompletten Phaserbänke
der Enterprise auf ihre Position gerichtet und hätten jederzeit ...“
„Das weiß ich Spock, aus den
Logbüchern. Aber sie haben nicht geschossen. Warum?“
„Wir befanden uns nicht in
unmittelbarer Gefahr.“
„Nein?“ Kirk lehnte sich
vor. „Nicht in unmittelbarer Gefahr? Ich wurde angegriffen dort unten. Sie
wurden angegriffen. Das Schiff hat einiges abbekommen. Sie persönlich wurden
sogar ... mental angegriffen, wie ich erst Tage später erfahren habe, ... das ist in meinen Augen eine unmittelbare
Gefahr. Warum haben Sie nicht schon eher geschossen?“ Kirk wurde bewusst, dass
sie bereits viel eher darüber hätten reden müssen. Aus irgendwelchen Gründen
war es verblieben.
Spock sah ihn wachsam und
nachdenklich an. „Es bestand noch eine Wahrscheinlichkeit, dass Sie erfolgreich
sind. Sie sind der Captain und wären durch eine Phasersalve ebenfalls gefährdet
worden. Ihr Wohlergehen und das des Schiffes ist in dem Moment als ranghöchster
Offizier meine oberste Priorität gewesen. Die Angriffe waren ernst, jedoch noch
nicht ...“
„Und ihr Wohlergehen? Sie
wussten irgendwie, was da unten passiert, nicht wahr?“ Kirk stand auf und ging
auf den Vulkanier zu. „Sie wussten was da unten passiert. Er ... Gary hat sie
angegriffen .... mental ... und dadurch wussten sie ganz genau ... Spock er hat
Sie telepathisch .... ANGEGRIFFEN!“
Spock drehte sich weg, doch
Kirk drehte ihn an der Schulter wieder zu sich. Die dunklen Augen waren
plötzlich geschlossen. „Gary hat sie angegriffen ... ebenso dieser Baum, auch
er hat Sie angegriffen. Ich habe erst von McCoy erfahren, was das für Sie als
Telepathen wirklich bedeutet. Deswegen Ihr Schweigen darüber. Sie wurden
verletzt. Mehr ... als man es nach außen sieht ... viel mehr. Auf einer Ebene,
die für Sie ... intimer ist, als alles andere.“
Spock schwieg, schien
erstarrt. Seine Augen waren weiter geschlossen und die Lippen zu einem dünnen
Strich zusammengepresst.
„Stimmt das?“, forderte
Kirk.
Spock öffnete die Augen
wieder und sah Kirk wachsam an und wieder erschien die ausdruckslose
vulkanische Maske, die so vieles verbarg von dem was dahinter vor sich ging.
Schließlich nickte er langsam. „Das ist ... korrekt, Captain.“, antwortete er
kühl.
Kirk sah ihm weiter in die
nun undurchdringlichen Augen und lockerte seinen Griff an der Schulter. „Ich
bin auch ... ihr Freund Mr. Spock. Ich habe etwas dagegen, dass Sie verletzt
werden. Ich wollte sie nicht ebenfalls verletzen sondern ... helfen?“
Spock schien einen Moment
nachzudenken, lockerte seine Gesichtszüge vorsichtig wieder etwas. Seine Augen
gewannen wieder einen sanfteren Glanz. „Eine Meditation ist ausreichend.“,
antwortete er schließlich leise.
Kirk nickte langsam.
„Dennoch, manchmal ist es sinnvoller, wenn etwas ausgesprochen wird, zum zu
verstehen und ich möchte es gerne verstehen ... ich höre zu, ... wenn Sie es
möchten.“
Spock schluckte angestrengt
und sah kurz zu Boden, dann wieder zu ihm, als er leise sprach. „Ich habe eine
mentale Blockade gegen die Schmerzen und zum Schutz Ihrer Identität gesetzt,
Sir. Daher die ... Ohnmacht und die Erinnerungslücken.“
Kirk sah ihn erstaunt an und
fasste reflexartig an seinen Kopf.
„Mir ist bewusst, dass ich
ohne Ihre Einwilligung in ihren Geist ...“
„Schluss damit.“ Kirk
schüttelte ärgerlich über Spocks neuen Rückzug den Kopf. „Sie haben meine
Einwilligung jetzt und immer, wenn es nötig sein sollte. Ich dachte ich hätte
das schon gesagt. Aber ... Sie meinen, da ist noch immer ... eine Blockade?“
„Ja Sir. Und ... es wäre
noch von Vorteil, wenn es so bliebe, da die Wunde noch sehr frisch ist und ...“
„Woher wissen sie das
alles?“
Spock hob eine Augenbraue
und sah bedeutungsvoll auf Kirks Hand, die noch immer fast vergessen auf Spocks
Schulter lag. Kirk zog sie erschrocken weg. „Sie können meine Gedanken lesen?“
„Nur die Empfindungen an der
Oberfläche und ich ... ´lese´ sie nicht aktiv, sondern fange nur auf was Sie
senden, Captain. Ich würden mich normalerweise aus ethischen Gründen abschirmen
aber ... meine mentalen Schilde sind noch nicht wieder völlig intakt und durch
den erst kürzlichen mentalen Kontakt zwischen ihnen und mir besteht noch eine
geringe Verbindung. Sie wird in den nächsten Tagen nachlassen.“
Kirk sah auf seine Hand,
drehte sie nachdenklich vor seinen Augen und blickte dann verwirrt zu Spock.
„Dann ... habe ich sie jetzt etwa mit meinen Gedanken angegriffen? Es tut mir
leid, ich hatte nicht daran gedacht ...“
Spock schüttelte den Kopf,
fast wirkte er jetzt amüsiert. „Menschen neigen dazu sich quasi beiläufig zu
berühren. Ich habe mich zwar im Laufe der vergangenen Jahre nicht daran
gewöhnt, besitze jedoch adäquate Abschirmungstechniken um ein unabsichtliches
Aufschnappen fremder Gedanken zu vermeiden.“
„Aber ... sie haben sich
eben nicht abgeschirmt? Konnten noch nicht ...“
„Sie haben mir vor einigen
Minuten ihr Einverständnis gegeben und wie ich schon sagte, meine Schilde ...“
„Stimmt, das sagten sie.“
Kirk nickte lächelnd und einen Moment schwiegen sie, blickten durch das große
Fenster auf die Sterne die davor vorbeirasten. „Spock, ich muss auch etwas ...
beichten.“, brach Kirk das Schweigen.
„Beichten?“ Spock sah ihn
mit überrascht hochgezogener Augenbraue an. Er wirkte jetzt etwas entspannter.
„Ich wüsste nicht, wodurch sie in die Verlegenheit kommen sollten zu ...“
„Ich war ... ohne Sie vorher
zu fragen in ihrer Kabine, als sie geschlafen haben und habe Sie ... hm ... wie
wir Menschen sagen ... ins Bett gebracht.“
„Das weiß ich ...“ Spocks
Augen funkelten plötzlich amüsiert. Er sah rasch wieder aus dem Fenster und
straffte sich, doch Kirk hatte das Aufflackern von Freude in dem stoischen
Gesicht gesehen. „Sie haben meine Einwilligung. Jetzt ... und immer, wenn es
nötig sein sollte.“, wiederholte der Vulkanier Kirks eigene Worte und
adressierte das Fenster.
Er sah ihn nachdenklich
wieder an. „Sie hatten sie bereits seit längerer Zeit, doch vielleicht ist es
tatsächlich sinnvoller, wenn manche Dinge ... ausgesprochen werden ... Jim.“,
fügte er leiser hinzu.
Kirk lächelte still in sich
hinein und legte Spock wieder die Hand auf die Schulter. „Das ist es manchmal.
Es war ein anstrengender Tag. Ich werde ihn jetzt beenden. Begleiten sie mich
nach unten oder ...“
„Ich werde noch ein wenig
bleiben.“
„Gut ... wir sehen uns
morgen.“ Kirk nickte Spock zu und verließ das Beobachtungsdeck.
stelenan
Fortsetzung
in Sequenz 56