Titel: Secret Space

Autor: Lady Charena

Fandom: House, MD

Charaktere: House/Wilson

Thema: # 013. Gelb

Word Count:

Rating: PG-13

Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

 

 

Summe: In or out? Ist es besser, die Beziehung zu verschweigen oder mit den Kollegen klar zu kommen?

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics von Snow Patrol.

 

 

Shut your eyes I´ll spin the big chair
And you'll feel dizzy light and free
And falling gently on the cushion
Just close your eyes until
you can imagine this place
Yeah our secret space at will

 

 

 

Er murrte protestierend, als sich ihm etwas grob in die Rippen bohrte. Wilson blinzelte und sah auf.

 

„Bequem?“, fragte House grinsend und senkte den Stock.

 

„Bis eben schon“, brummte Wilson und rieb sich übers Gesicht. „Aua! Verdammt, House!“ Er nahm die Beine vom Hocker, als der Stock dieses Mal Kontakt mit seinem Schienbein machte, lehnte sich aber in House großen, gelben Sessel zurück, anstatt auf zu stehen. Wenn er jetzt aufstand, würde House es ohnehin wieder als übertriebene Rücksichtnahme auffassen und er hatte absolut keine Lust, sich deswegen zu streiten. „Ich habe mehr blaue Flecken als manche der Leukämie-Kinder auf meiner Station.“

 

„Und du hast dir jeden einzelnen redlich verdient.“ House nahm mit übertrieben schmerzhaften Ausdruck auf dem Gesicht auf dem Hocker davor Platz. „Wieso hältst du in meinem Sessel Winterschlaf wie ein Eichhörnchen?“

 

Wilson verschränkte träge die Arme hinter dem Kopf. Tonfall und noch mehr House Haltung verrieten ihm, dass die Knurrigkeit nur gespielt war. „Kein Winterschlaf. Irgendwann muss ein Mann auch mal schlafen.“ Von seinem Partner kam ein halb verächtliches, halb amüsiertes Schnauben. Er gähnte und schloss die Augen. „Eichhörnchen?“, wiederholte er dann faul. „Welche Ähnlichkeit könnte ich mit einem Eichhörnchen haben?“ Taktischer Fehler, er hörte die sarkastische Antwort bereits. Er öffnete ein Auge und sah House streng an – wenn er auch eher ein wenig an eine schläfrige Eule erinnerte. „Untersteh’ dich, irgendetwas zu sagen, in dem das Wort Puschelschwanz vorkommt.“

 

House grinste. Dann setzte er eine unheilverheißende Unschuldsmiene auf. Er musterte seine Fingernägel. „Eigentlich wollte ich nur sagen, dass du einen hübschen, kleinen Wintervorrat um die Taille angelagert hast.“

 

Diesmal öffnete Wilson beide Augen und setzte eine beleidigte Miene auf. „Willst du behaupten, ich werde fett?“

 

House grinste hämisch. „Keine Sorge, ich behalte dich trotzdem.“ Er rollte übertrieben lüstern mit den Augen. „Ich mag dich labberig.“

 

„Labberig“, wiederholte Wilson trocken. „Beruhigend.“ Er schloss die Augen wieder. „Deiner strahlenden Laune entnehme ich, dass es deinem Patienten besser geht?“

 

House gab einen verächtlichen Laut von sich. Er legte beide Hände auf den Griff des Stocks und stützte das Kinn darauf, „Eine simple Allergie. Jeder Idiot hätte die Diagnose stellen können. Chase soll sich an ihm austoben.“

 

„Wäre das nicht eher Camerons Fachgebiet?“

 

„Sie soll meine Post erledigen.“

 

Wilson schüttelte den Kopf. „Für dich zu arbeiten muss ein wahrer Traumjob sein.“ Er blinzelte und warf einen Blick in den angrenzenden Konferenzraum. „Apropos, wo sind die drei Musketiere?“

 

„Chase ist bei unserem Patienten, Foreman absolviert für mich Dienst in der Klinik und Cameron...“ Er zögerte und runzelte die Stirn.

 

„Du hast ihn dazu bekommen, für dich in die Klinik zu gehen?“, fragte Wilson. „Will ich wissen, wie du das fertig gebracht hast?“ Er rieb sich den Nacken. „Was ist mit Cameron?“, hakte er nach, als ihm der seltsame Unterton in House Stimme auffiel.

 

„Sie geht mir aus dem Weg.“

 

„Das ist dir doch am liebsten.“ Wilson gab jeden Anschein von Schläfrigkeit auf und ließ die Arme sinken. „Greg?“

 

„Ich glaube, sie hat etwas gemerkt“, erwiderte House nachdenklich.

 

„Gemerkt? Was? Brauche ich heute wieder einen Code, um dich zu verstehen?”

 

House knurrte. „Wenn du nicht endlich deinen Verstand über Eichhörnchen-Niveau erhebst, kann dich dein gutes Aussehen auch nicht mehr retten und ich lasse dich für einen Kerl mit Intelligenz sitzen.“

 

„Ha, ha, ha“, erwiderte Wilson unbeeindruckt. „Richtig. Ich habe vergessen, dass Liebhaber vor deiner Tür Schlange stehen.“ Er beugte sich vor. „Okay, was ist mit Cameron?“

 

„Ich denke sie weiß von uns.“ House verzog das Gesicht. „Oder vermutet zumindest etwas.“

 

„Okay“, entgegnete der jüngere Mann gedehnt. „Und worin liegt das Problem? Sie ging dir ohnehin mit ihrer Verliebtheit auf die Nerven. Damit ist es jetzt bestimmt vorbei.“

 

„Oder sie fühlt sich noch mehr dazu berufen, mich zu ‚heilen’.“ House hob den Kopf. „Findest du nicht, dass das etwas ist, über das wir uns ernsthaft unterhalten müssen?“

 

„Gut.“ Wilson sah ihn an. Normalerweise war Gregs Bereitschaft zu einem ernsten Gespräch so groß wie seine Bereitschaft, einen Arztkittel zu tragen – nicht existent. „Sag’ mir, was du denkst.“

 

„Ich denke, dass es Cuddy schwer fallen wird, neue Gönner zu finden, wenn der Leiter der prestigereichen Onkologie offen schwul lebt.“

 

„Wer sagt, dass ich offen schwul lebe?“ Wilson schnitt eine Grimasse.

 

„Gefällt dir: ‚Offen bi’ besser?“, erwiderte House und pochte mit dem Stock auf den Boden. „Egal wie du es formulierst. Du lebst mit einem Mann zusammen.“

 

„Um deinen Ruf machst du dir keine Sorgen?“

 

Der ältere Mann lächelte bitter. „Wenn herauskommt, dass ich mit dir schlafe, wird das niemandes Meinung über mich ändern. Sie werden sich höchstens fragen, was mit dir nicht in Ordnung ist.“ Er senkte den Kopf wieder auf seine Hände und rieb langsam das Kinn gegen seinen Handrücken. „Niemand braucht einen Grund, mich nicht zu mögen. Aber bei dir ist das etwas anderes.“

 

Wilson schüttelte den Kopf. „Ist es nicht“, wiedersprach er. „Ich kann deswegen nicht gefeuert oder aus irgendeinem Komitee gekickt werden. Das ist Diskriminierung. Es ist illegal.“

 

„Vielleicht.“ House rutschte unbehaglich auf dem Hocker hin und her. „Aber sie können dir das Leben schwer machen, dich mobben. Meiden. Dich ganz einfach anders behandeln.”

 

Der jüngere Mann rieb sich den Nacken. Er begegnete den blauen Augen des anderen Mannes ruhig. „Das klingt, als hättest du Erfahrung mit so was. Verschweigst du mir was?“

 

House schnitt eine Grimasse und hob seinen Stock hoch, drehte ihn in der Hand.

 

Wilson griff danach und stoppte so die Drehung. „Das ist nicht das gleiche“, entgegnete er. „Du hattest keine Kontrolle über das, was dir zugestoßen ist. Du hast dich nicht für deine Behinderung entschieden.“ Er beobachtete ihn. Wenn sie schon ein offenes, ehrliches und ernstes Gespräch führten, würde er auch das eine Wort benutzen, das House am meisten hasste.

 

„Wenn du dich von anderen Menschen unterscheidest, bist du zu für manche Menschen zu anders“, erwiderte er, ohne eine sichtbare Reaktion zu zeigen. Die schützenden Mauern, hinter denen sich seine Gefühle unter Kontrolle befanden, waren an Ort und Stelle. „Der Grund, warum du dich unterscheidest, ist bedeutungslos.“

 

„Greg, was willst du mir damit sagen?“, fragte der jüngere Mann zögernd. Er hatte für einen Moment Angst, dass House ihm sagte, ihre Beziehung wäre ein Fehler und dass er sie beenden wollte. Zumindest den intimen Teil davon.

 

House holte tief Luft. „Ich denke, dass wir unsere Beziehung nicht unbedingt an die große Glocke hängen sollten. Auch wenn ich... es mir wünschen würde.“

 

„Du bist derjenige, der ständig zweideutige Anspielungen macht.“

 

„Ja.“ House legte den Kopf schief. „Aber niemand glaubt mir. Die meisten hören überhaupt nicht mehr zu. Cuddy rollt nur mit den Augen und verbietet mir den Mund.“ Er lächelte. „Gut für dich. Du bist ohnehin fein raus.“

 

Wilson hob eine Hand, eine auffordernde Geste, weiter zu sprechen.

 

„Nach deiner ersten Scheidung, nach.... dem hier...“ House deutete auf sein Bein. „Nach meiner Trennung von Stacy und deiner Scheidung von Bonnie... jedes Mal, wenn du für eine Weile bei mir eingezogen bist, gab es Gerüchte darüber, dass wir miteinander schlafen würden.“ Er hob die Schultern. „Deine Schwierigkeiten mit Julie sind allgemein bekannt. So lange wir nichts bestätigen, wird es wieder nur ein Gerücht sein, das sich nach einiger Zeit im Sand verläuft, wenn etwas interessanteres auftaucht.

 

Wilsons Miene verdüsterte sich. „Ich... ich schäme mich nicht dafür, was ich für dich empfinde. Für das, was zwischen uns ist. Und ich will nicht lügen... ich werde nicht lügen, nur weil ein paar Idioten ein Problem damit haben, dass ich mich in einen Mann verliebt habe.“ Er hielt den Blick der blauen Augen fest. „Wenn ich plötzlich den Drang verspüre, dich mitten in der Lobby vor den Augen der halben Klinik zu küssen, dann werde ich das auch tun.“

 

House lächelte, ein bitteres, trauriges Lächeln. „Glaubst du, dass Cuddy uns beide beschützen kann? Es ist eher unwahrscheinlich, dass ich Patienten verliere. Wer zu mir kommt, ist wirklich verzweifelt. Aber bei dir sieht das anders aus. Du bist ein verdammt guter Arzt und du hast einen ausgezeichneten Ruf... aber glaubst du wirklich, dass die Eltern mit ihren todkranken Kindern weiterhin zu dir kommen werden?“ Er seufzte, als er James bedrückten Gesichtsausdruck sah. Er stemmte sich hoch und holte tief Atem, um das protestierende Zerren in seinem Rücken und Bein zurück zu drängen. Als er sicher war, dass er sich auf den Beinen halten konnte, stellte er sich neben den Sessel. Wilson sah zu ihm hoch, ihm war nichts davon entgangen. Er wechselte den Stock in die andere Hand und berührte mit der anderen James Gesicht, er ließ seine Fingerspitzen unerwartet zärtlich über die Wange des jüngeren Mannes gleiten. „Ich wollte nicht, dass du dich deswegen schlecht fühlst... oder schuldig. Ich denke nur, wir sollten diskret sein.“

 

Wilson lächelte. „Diskret ist kein Wort, dass ich in deinem Wortschatz vermutet hätte.“

 

„Sieht so aus, als würdest du doch noch nicht alles von mir wissen. Gehen wir nach Hause und du betreibst noch ein paar Nachforschungen?“ House ließ die Hand wegfallen und wechselte den Stock wieder in die andere. Ohne auf eine Reaktion von Wilson zu warten, trat er zu seinem Schreibtisch, schaltete den PC ab und die Schreibtischlampe aus. Er nahm seine Jacke und seinen Rucksack und kehrte dann zu Wilson zurück, der noch immer in dem gelben Sessel saß und ihn mit Blicken verfolgte. „Kommst du?“, fragte er, die Hand bereits an der Tür.

 

„Ich bin direkt hinter dir“, sagte Wilson und trat zu ihm.

 

 

Ende