Titel:                Jo-ho-ho und der Schatz vom Weihnachtsmann

Autor:              Lady Charena

Serie:               Mad Jack – Der beknackte Pirat

Paarung:           Mad Jack, Snuck (und das Seehühnchen)

Rating:             G, Humor

 

Summe:            Wie stellt man es nur an, auch als blutrünstiger und gemeiner Pirat vom Weihnachtsmann bedacht zu werden?

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

 

„La-la-la- und schmückt den Tannenbaum... la-la-la...“ Fröhlich trällerte Snuck vor sich hin, als er den wunderschönen Weihnachtsbaum schmückte, den er Fischkopf-Willi abgekauft hatte. Und das zu einem wahren Sonderpreis von nur einem Goldstück. Das wäre zwar die Monatsmiete für das Seehühnchen gewesen, aber es war schließlich nur einmal im Jahr Weihnachten und bis Fischkopf-Willi die Miete im Januar eintreiben wollte, würde ihm bestimmt etwas eingefallen sein. Glücklicherweise hatte ihn das Geschenk für seinen Captain überhaupt nichts gekostet – er hatte es bei den Mülltonnen hinter Fischkopf-Willis Büro gefunden. Er freute sich schon darauf, was der Captain dazu sagen würde...

 

„Snuck – was zum Henker treibst du da?“

 

Die Schiffsratte fuhr herum. „Oh, Captain, Captain – ist er nicht wundervoll?“

 

Mad Jack umrundete stirnrunzelnd das grüne Gebilde, auf das Snuck Fischgräten und leere Konservendosen gehängt hatte. „Habe ich dir nicht befohlen, den Müll von Deck zu schaffen?“

 

„Aber Captain, das habe ich doch längst.“ Snuck kicherte. „Das ist unser Weihnachtsbaum.“

 

„Weihnachtsbaum?“ Mad Jack lief rot an. „Willst du damit etwa sagen, dass es schon wieder Weihnachten ist?“

 

„Aber Captain, Sir, freuen Sie sich denn überhaupt nicht? Das ist doch eine so schöne und friedliche Zeit.“

 

Mad Jack zog seinen Säbel und hielt ihn seinem ersten Maat unter die Nase. „Du dämliches Schafshirn. Ich hasse Weihnachten.“

 

„Aber Sir – denken Sie doch nur mal an die Geschenke...“

 

Wutentbrannt versetzte Jack dem Weihnachtsbaum einen Fußtritt. „Ich habe nie ein Geschenk bekommen. Schon als kleiner Junge...“

 

Es folgt eine Rückblende, in der Mad Jack als kleiner Pirat zu sehen ist. Er sitzt vor einem prächtig geschmückten Weihnachtsbaum und sieht fassungslos zu, wie sein Rivale Flink Schneidig vom Weihnachtsmann mit mehr Geschenken überhäuft wird, als er tragen kann. Während für Jack nur das Kernhaus eines Apfels abfiel.

 

„Oach, das war jaaaaa sooooo traurig, Sir.“ Snuck wischt sich die Augen ab und trompetet lautstark in sein Taschentuch.

 

„Also schaff’ gefälligst diesen Müllhaufen von Bord oder ich werfe dich den Haien vor.“ Jack drehte sich auf dem Absatz um und verschwand türenknallend in seiner Kajüte.

 

„Aber Captain, Sir – Ihr Geschenk“, rief ihm Snuck noch nach, ohne gehört zu werden. Seufend machte er sich daran, seinen so liebevoll aufgebauten Weihnachtsbaum wegzuräumen.

 

* * *

 

Ein Poltern an Deck weckte Mad Jack. Es war mitten in stockdunkler Nacht und Jack entzündete eine Kerze, um sich mit ihr in der einen Hand und den Säbel in der anderen nach oben zu schleichen. Doch da war niemand. Grummelnd stieg Jack wieder nach unten und wollte sich eben ins Bett legen, als sein Blick auf den Kamin fiel – irgendjemand – vermutlich dieser Idiot Snuck, hatte einen Strumpf an den Kaminsims genagelt. Einen Strumpf mit einem Loch! Der zudem äußerst unangenehm roch. Und jetzt steckte in eben diesem eine Schatzkarte. Missmutig zog Jack sie aus dem Strumpf und entrollte sie. „Pah, eine Karte, die zum Schatz des Weihnachtsmannes führt“, murmelte er abfällig. „Auf eine solche Idee kann auch nur diese Rattennase Snuck kommen.“ Er knüllte die Karte zusammen, gähnte und warf sie über die Schulter. Dicht neben dem Feuer fiel sie auf den Boden. Jack kletterte wieder ins Bett und schlief ein.

 

* * *

 

„Guten Morgen, Captain. Vielen Dank für das Geschenk!“

 

Verwirrt rappelte Mad Jack sich auf und befreite sich aus der überschwänglichen Umarmung seines Ersten Maats. „Snuck! Hat dich ein tollwütiger Wasserfloh gebissen oder was soll dieser Lärm mitten in der Nacht? Was für ein Geschenk? Ich habe dir doch schon tausend Mal gesagt...“

 

„Aber Sir – vor mir brauchen Sie sich doch nicht zu verstellen.“ Erneut fiel Snuck seinem Captain um den Hals. „Ich bin ja soooo gerührt, dass Sie mir eine große Dose Stinkerkäse geschenkt haben – schon als kleiner Junge hat mir den meine Mami am Weihnachtsmorgen serviert. Soll ich Ihnen ein Stück davon abgeben?“

 

Mad Jack wechselte die Farbe – zuerst grün, dann rot vor Wut. „Raus aus meinem Bett, du trauriges Aas von einem salzgepökelten Hering!“, brüllte er den armen Snuck an, der an die Wand donnerte. „Wie oft muss ich dir noch sagen, dass ich von Weihnachten nichts wissen will! Auch nicht von Geschenken.“ Er sprang auf. „Und wenn wir schon dabei sind – du kannst dir dieses dämliche Schatzsuche-Spiel schenken! Du glaubst doch nicht wirklich, ich falle auf so eine schlechtgezeichnete Schatzkarte herein.“

 

„Aber Captain, Sir...“ Snuck saß verdattert auf dem Fußboden. „Von mir haben Sie keine Schatzkarte bekommen. Ich habe das hier für Sie.“ Er zog einen rostigen und leicht verborgenen Büchsenöffner hinter dem Rücken hervor.

 

„Aber wer... du willst mir doch wohl nicht weismachen, dass diese Karte vom Weihnachtsmann kommt!“ Jack ignorierte den Dosenöffner. „Nur ein kompletter Schwachkopf glaubt an diesen Wicht.“

 

„Aber Captain, Sir – von wem sollte die Karte sonst sein? Ich habe schon zu viele Schatzsuchen mit Ihnen mitgemacht, um Ihnen eine Schatzkarte zu schenken.“

 

Grübelnd starrte Jack auf den Kamin. „Snuck!“, rief er dann entschlossen.

 

Die Schiffsratte sprang auf die Beine. „Aye, Sir!“

 

„Such diese dämliche Karte und mach dann das Seehühnchen zur Abfahrt klar.“ Jack gähnte. „Ich lege mich noch mal aufs Ohr.“

 

Snuck seufzte. „Ich habe befürchtet, dass Sie das sagen werden, Captain, Sir...“

 

* * *

 

„Also, verdammt noch mal und zugenäht.“ Fluchend, zitternd und mit klappernden Zähnen stand Mad Jack bis zu den Knien im Schnee. „Warum hat mir niemand gesagt, dass der Weihnachtsknilch am Nordpol wohnt. Ich bin ein Pirat für südlichere Gefilde.“

 

„Sir, Captain, Sir“, zitterte Snuck neben ihm. „Ich habe Frostbeulen an allen Zehen.“

 

„Wer interessiert sich für deine Zehen, Snuck. Sieh’ lieber auf der Schatzkarte nach, wohin wir müssen, bevor dieser Schneesturm stärker wird und wir uns verirren...“

 

* * *

 

Viele Stunden später humpelten Mad Jack und Snuck - blaugefroren und nach einem Zusammenstoß mit einem Eisbären in zerfetzten Kleidern – auf ein Iglu zu, über dem in großer Leuchtschrift „Santa’s Schatz“ leuchtet. Ein Pfeil zeigte direkt auf den Eingang. Nur wenige Meter dahinter war das Meer, der Strand und das Seehühnchen zu sehen.

 

„Aber Captain“, jammerte Snuck. „Woher sollte ich denn wissen, wie herum man die Karte halten muss...“

 

Mad Jack warf ihm einen bitterbösen Blick zu. „Halt’ die Klappe, Snuck oder ich verfüttere dich an die Pinguine.“ Er verpasste der verschlossenen Tür des Iglus einen Tritt. „Verdammt – abgeschlossen!“ Er klapperte mit den Zähnen.

 

„Sir, vielleicht...“ Snuck zog den verschmähten Dosenöffner aus dem Gürtel. „Sie könnte es ja mal mit Ihrem Weihnachtsgeschenk versuchen!“

 

Mad Jack griff dankbar nach – Snuck und rammte die Schiffsratte mit dem Kopf so lange gegen die Tür, bis diese nachgab. Er stürmte in den Raum. Der war bis auf eine Schatztruhe, um die eine riesige rote Schleife gebunden war, leer. Jack öffnete die Truhe – und entnahm ihr eine einzige Goldmünze. „Das ist alles?“, beschwerte er sich. „Wo sind die hübschen Mädchen? Die Ströme an Alkohol? Die Berge an Gold und Juwelen? Bin deswegen tagelang durch diese Eiswüste marschiert und habe in Lebensgefahr mit Eisbären gekämpft? Für eine einzige Goldmünze?“, deklarierte er theatralisch. „Wieder einmal reihert mir das Leben voll auf die Stiefel.“

 

Neben ihm erschien mit einem leisen Plopp eine Gestalt mit voluminösen Bart und rotem Mantel. „Hähähähäh. Fröhliche Weihnachten, Mad Jack, alte Piratennase“, wünschte ihm der Weihnachtsmann und schlug ihm auf die Schulter.

 

Entgeistert starrte Jack ihn an. „Aber... aber du...“, stotterte er.

 

Der Weihnachtsmann nahm den Bart ab. Es war Flink Schneidig, der im Kostüm steckte. Er nahm Jack die Goldmünze aus der Hand, stieß noch einmal ein hämisches Lachen aus und verschwand.

 

Mad Jack lief knallrot an und versank wutschnaubend bis zu den Ohren im Schnee...

 

* * *

 

Später an Bord des Seehühnchens.

 

Mad Jack hatte es sich am Kamin bequem gemacht, um sich aufzuwärmen. „Und jetzt halt’ still, Snuck.“

 

„Aber Sir...“, wagte Snuck einzuwenden.

 

„Hast du irgendwelche Klagen anzubringen, Spatzenhirn?“

 

„Nein, Sir. Und Frohe Weihnachten, Sir.“ Snuck balancierte auf einem Bein. Er war über und über mit Lametta, Kugeln und Kerzen geschmückt. „Ist er nicht ein toller Captain?“

 

Ende