Titel: Schatten der Erinnerung
Autor: T'Sihek
Serie: TOS
Paarung: S/m, S/T'Pring, K/S
Rating: First Time, h/c, NC-17
Zusammenfassung: T'Pring kommt mit einer ungewöhnlichen Forderung an Spock auf die Enterprise. Dadurch löst sie so einiges aus und öffnet alte Wunden...
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Disclaimer: Spock und Kirk gehören Paramount/Viacom. Der Rest gehört mir und ich beabsichtige nicht, einen Gewinn daraus zu erzielen - außer Spaß zu haben.
Wer unter 18 ist oder homoerotische Erzählungen nicht mag, sollte bitte nicht weiterlesen.



Schatten der Erinnerung


"Das ist nicht ihr Ernst! Diese... diese Hexe verlangt tatsächlich von Ihnen, dass Sie mit ihr ein Kind zeugen?!"

Spock starrte auf eine Stelle schräg oberhalb McCoys Kopf und nickte zögernd.

"Es ist ihr Recht."

"Dann gibt es wirklich eine solche Tradition auf Ihrem Heimatplaneten, Spock?"

Wieder nickte der Vulkanier und mied den Blick seines Captains. Dann begann er leise zu sprechen.

"Diese Tradition existiert tatsächlich, wenngleich ihr kaum mehr eine reale Bedeutung zukommt. Ihr Ursprung liegt in den vor jahrtausenden ausgefochtenen Stammesfehden. Vulkan war schon immer ein Matriarchat und die Macht der Frauen beruhte auch zum Teil auf ihrer Fähigkeit Kinder gebären zu können. Kinder sind und waren auf Vulkan schon immer etwas sehr wichtiges. Im Lauf der Zeit entstand die Tradition, dass eine Stammesführerin, deren Partner bei einem Kampf getötet worden war und die noch keine Kinder von ihm empfangen hatte, den Partner der Gegnerin für diesen Dienst einfordern konnte. Die Vereinbarung erlosch mit dem Eintritt der Schwangerschaft. Das Kind ging in den Clan der Frau ein, war ihr alleiniger Besitz. Der Vater hatte keinerlei Rechte oder Ansprüche in Hinblick auf das Kind. Oft erfuhr er nichteinmal, ob er einen Sohn oder eine Tochter gezeugt hatte. Selbst heute darf der Vater keinen Kontakt aufnehmen. Nur das Kind hat die Möglichkeit, mit dem Vater in Verbindung zu treten, allerdings erst nach Erreichen des Erwachsenenstatus."

Die drei Männer schwiegen und starrten aneinander vorbei.

Kirk konnte sich vorstellen, was das für Spock bedeuten mochte. Er wusste, dass Spock Kinder mochte, vielleicht sogar selbst gern Vater geworden wäre. Er versagte es sich, stellte sein Leben statt dessen in den Dienst der Sternenflotte und verbrachte seine Zeit an Bord der Enterprise. Kirk war dankbar für die stille und zuverlässige Gegenwart seines vulkanischen Freundes. Und er wusste, dass seine Freundschaft zu Spock die wahrscheinlich wichtigste Beziehung seines Lebens als Erwachsener war. Es war eine Freundschaft, die im Lauf der Jahre tiefer und stabiler geworden war, die alle Hindernisse und Mißverständnisse überwand. Aufgrund gemeinsam überstandener Gefahren, Abenteuer oder anderer manchmal einfach nur langweiliger Missionen war zwischen ihnen ein stilles Band entstanden. Hin und wieder fühlte Kirk wie sich zwischen ihnen ein Tor öffnete. Sie mussten sich nicht berühren, um Gedanken oder Empfindungen des anderen wahrzunehmen und Kirk fragte sich hin und wieder, ob diese Fähigkeit ein schwacher Vorgeschmack auf eine Parnterbindung sei. Er hütete sich davor, der reservierten Spock gegenüber auch nur den Hauch einer Andeutung fallen zu lassen, aber er wusste schon längst, dass er für Spock mehr empfand als bloße Freundschaft. Der Vulkanier war zu der wichtigsten Person in seinem Leben geworden, nahm jene Position ein, die eine Lebenspartnerin normalerweise für sich beanspruchte. Kirk hatte keine Ahnung, was Spock empfand und er fragte sich, ob der Vulkanier wusste, wie nahe sie sich inzwischen gekommen waren.

T'Pring erschien vor seinem inneren Auge. Sie war eine hinreißend schöne, relativ kleine und zierliche Vulkanierin, genauso alt wie Spock. Beide waren im Altern von sieben Jahren verlobt worden, doch als es an der Zeit war, die Verlobung durch eine Partnerbindung zu besiegeln, hatte sie sich dem Wunsch der Eltern widersetzt und von Spock einen rituellen Zweikampf gefordert. Spock, der damals tief im Blutfieber, dem vulkanischen Paarungstrieb steckte, wurde gezwungen gegen seinen Freund und Captain anzutreten, der von T'Pring anstelle ihres Geliebten ausgewählt worden war.

Kirk entging nur durch das Eingreifen McCoys dem Tod. Und Spock, der, nachdem er T'Pring offiziell freigegeben hatte, wieder an Bord gekommen war um sich den Gesetzen der Flotte zu stellen, hatte zum ersten und letzten Mal völlig die Fassung verloren, als Kirk
plötzlich lebend vor ihm gestanden war.


Spock hatte damals eine mögliche Partnerin verloren, aber er hatte einen Freund gefunden.

Und jetzt tauchte diese Frau auf und verlangte etwas von Spock, dass ihn im Grunde abstieß...

Kirk sah auf und begegnete dem erschöpften Blick Spocks. Der Vulkanier war physisch und psychisch am Ende. Die letzten Monate hatten vor allem ihm alles abverlangt. Oft hatte er doppelte oder sogar dreifache Schichten geleistet, nur damit seine menschlichen Kollegen hin und wieder etwas Ruhe fanden. Er stand näher an einem Zusammenbruch, als er sich selbst eingestand. Und genau diesen Zeitpunkt hatte sich seine ehemalige Verlobte ausgesucht, um ihm das abzuverlangen!

Wut quoll in Kirk empor und er ballte die Fäuste unter dem Tisch.

"Ich bitte um die Erlaubnis das Schiff verlassen zu dürfen, Captain." Spock klang noch erschöpfter als er aussah, wie Kirk plötzlich erschrocken feststellte. Langsam schüttelte er den Kopf.

"Es geht nicht, Spock. Die Befehle sind eindeutig. Ich brauche Sie bei den Verhandlungen auf Canistas III. Sie waren schon einmal dort. Und die Regierung hat Sie ausdrücklich angefordert."

Spock schloß kurz die Augen. Seine nächsten Worte kosteten ihn mehr Überwindung, als Kirk vermutlich ahnte.

"Dann muß ich Sie bitten, T'Pring als Passagier und Gast an Bord zu nehmen. Ich darf mich ihrer Forderung nicht entziehen."

Er begegnete dem Blick der haselnußbraunen Augen, wusste, dass der Mensch ihn besser kannte als jede andere Person. Er vertraute Kirk und hoffte, dass dieser ihm helfen würde. Er hatte Angst vor der Begegnung mit T'Pring. Allein schon der Gedanke an sie stieß ihn ab, erfüllte ihn mit Abscheu.

Ohne es bewusst zu steuern, fühlte Spock wie das mentale Tor zu Kirk aufschwang. Er fühlte die Frustration und das Mitleid seines Freundes, spürte den Versuch des Menschen eine Lösung für ihn zu finden, die es ihm ersparen würde, mit T'Pring zu schlafen. Und Spock war seltsamerweise dankbar dafür.

McCoy atmete tief ein und zog dadurch die Aufmerksamkeit Spocks auf sich. Auch er kannte ihn gut, konnte die inneren Abneigung in der Haltung des Vulkaniers erkennen, wenngleich er die subtile Körpersprache nicht so gut lesen konnte wie Kirk.

"Da ist noch etwas, nicht wahr Spock? Wie ich T'Pring kenne, hat sie noch mehr Gemeinheiten auf Lager."

Spock musterte den Bordarzt kurz. Er sah die Wut in den blauen Augen. Wut, die es McCoy vielleicht sogar ermöglicht hätten, gegen T'Pring zu kämpfen, wäre sie jetzt anwesend.

"Sie haben recht, Dr. McCoy. T'Pring stellt tatsächlich eine Bedingung."

"Raus damit."

Spock zögerte kurz, versuchte den Menschen zu erklären, was er selbst nicht wirklich verstand.

"Ihr Partner, Stonn, starb an einer Vergiftung, die er sich durch die Einnahme einer bestimmten Droge zugezogen hatte. Einer Droge, die den Wahn des Pon farr im Körper simulieren kann. Manche Vulkanier halten eine körperliche Vereinigung nur während des Blutfiebers für angebracht. Stonn hegte den Verdacht, dass er den Ansprüchen T'Prings nicht genügen könnte und wollte sie durch das Blutfieber noch enger an sich binden. Er fürchtete, dass sie wieder mit mir Kontakt aufnehmen würde, wenn er die Drogen nicht nahm. T'Pring gibt mir in diesem Zusammenhang die Schuld am Tod Stonns, was ihr auch das Recht gibt, jene uralte Tradition einzufordern. Und sie verlangt, dass ich die gleiche Drogen nehmen muß."

Spock fühlte profunde Erleichterung, als er die Worte ausgesprochen hatte. In den Minen der Menschen spiegelte sich Entsetzen, Ekel und blanke Wut. Insbesondere Kirk schien nachempfinden zu können, was dies für Spock bedeuten mochte.

Sicher, er hatte hin und wieder mit einer Frau geschlafen, aber es gab weitaus mehr Dinge in seinem Leben, die ihn mehr interessierten als Sex. Ein so inniger Kontakt bedeutete auch immer eine mentale Verbindung und Spock mochte es nicht, zu vieler solcher Brücken zu knüpfen.

Unbewusst sah er zu Kirk. Die Verbindung zu jenem Menschen war die einzige Ausnahme, die Spock duldete, die er sogar hin und wieder brauchte. Kirk gab ihm durch seine Freundschaft Wärme und Geborgenheit. Dinge die sogar der stille reservierte Spock hin und wieder vermisste. Er hatte sich dafür entschieden, an der Seite Kirks zu stehen und ihm den Rücken freizuhalten. Das Wissen, dass Kirk ihm vertraute, war ihm wichtiger als ein eigenes Kommando, wie es ihm schon öfters angeboten worden war. Und Spock würde an Kirks Seite bleiben, solange dieser ihn dort haben wollte.

Der Blick des Captains begegnete den dunkelbraunen Augen und versank für einen Moment darin. Er kannte Spocks direkte Art ihn zu beobachten, die stillen, offenen Blicke, mit denen er ihn musterte. Auf der Brücke, im Freizeitraum, beim Training, beim  chachspielen,
beim Essen... Die Liste ließe sich endlos fortsetzen und Kirk merkte auf einmal, dass er mit Spock mehr Zeit verbrachte als mit irgendjemandem sonst.

McCoy brummte mürrisch. "Ich hab schon von dem Zeug gehört. Der Körper, insbesondere Leber, Niere, Galle und einige spezielle rein vulkanische Hormondrüsen werden extrem belastet. Sie bringen sich in akute Lebensgefahr, wenn Sie dieses Zeug schlucken, Spock."

"Dessen bin ich mir durchaus bewusst, Doktor. Aber ich habe keine andere Wahl."

"Ich bin ebenfalls dagegen, Spock. Ich bin bereit, T'Pring an Bord zu nehmen. Aber ich bin nicht damit einverstanden, dass sie Sie in Lebensgefahr bringt."

Braune Augen trafen auf dunkle und es kam zu einem stummen Duell. Schließlich senkte Spock den Blick.

"Ich weiß, Jim. Ich lehne diese Drogen ab. Aber ich weiß auch, dass ich mich ihrer Forderung fügen muß. Und noch etwas kommt hinzu..." Er zögerte kurz und beschloß, die Gegenwart des Arztes zu ignorieren.

"Ohne die Wirkung der Drogen wäre es mir vermutlich nicht einmal möglich, ihren eigentlichen Forderungen nachzukommen. Sie... ekelt mich an."

Ein kurzes humorvolles Aufblitzen in den braunen Augen sagte Spock, dass Kirk sofort verstanden hatte, was Spock hatte sagen wollen. McCoy sah von einem zum anderen.

"Sie hätten mich enttäuscht, wenn es anders gewesen wäre, Spock."

Kirk nickte. "Gut. Ich bin jedoch nur unter einer Bedingung einverstanden: Sie müssen sich regelmäßig von McCoy untersuchen lassen. Und sobald eine gesundheitliche Beeinträchtigung eintritt, gebe ich T'Pring höchstpersönlich einen Tritt in den Allerwertesten
und schmeiße sie aus dem Schiff." Das Lächeln in seiner Stimme erreichte seine Augen nicht. Er meinte es durchaus ernst, wie Spock erkannt.

"Aye, Captain."

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Spock schickte den Transportertechniker aus dem Raum und bediente die Kontrollen selbst. Er wollte nicht, dass jemand zugegen war, wenn T'Pring an Bord kam. Wie erwartet, musterte sie den Raum mit einem kühlen Blick, bevor sie Spock überhaupt wahrnahm.

"Wo ist Captain Kirk? Ich hatte erwartet, dass er mich begrüßt."

Spock legte die Hände auf den Rücken und trat hinter der Konsole hervor. Dann senkte er in einer knappen Geste den Kopf.

"Willkommen auf dem Schiff, T'Pring. Du bist als mein Gast hier, nicht als offizieller Passagier. Zudem ist Captain Kirk nicht sehr gut auf dich zu sprechen. Du solltest ihm daher aus dem Weg gehen."

"Das entscheide ich allein."

Sie trat von der Plattform herunter. "Wo ist mein Gepäck?" verlangte sie nach einem Blick in die Runde zu wissen.

Spocks Abneigung gegen sie verstärkte sich nur noch, als er sie musterte. Sie war noch immer schlank, wenngleich ihre Figur in den vergangenen Jahren an Zierlichkeit verloren hatte. Das Haar trug sie nach wie vor in einer komplizierten Flechtfrisur, wie es der derzeitigen vulkanischen Mode entsprach. Ihre Kleidung ließ deutlich erkennen, dass sie genug finanzielle Mittel besaß um sich derartige Geschmacklosigkeiten erlauben zu können. Der dunkle Stoff der knöchellangen Tunika lag eng am Körper an und enthüllte mehr als er verbarg. Darunter trug sie schlichte Sandalen. Eine um die Schultern geschlungene und reich mit Edelsteinen bestickte Stola vervöllständigte die Kleidung.

Sie ließ seinen prüfenden Blick mit einem hochmütigen Gesichtsausdruck über sich ergehen.

"Dein Gepäck wurde bereits in deine Kabine gebracht. Begleite mich bitte jetzt dorthin. Ich muß zurück auf die Brücke, da mein Dienst erst in einigen Stunden endet."

Er deutete zum Schott und sie setzte sich sichtlich widerstrebend in Bewegung. Es gefiehl ihr nicht, dass sie ihm gehorchen musste und diese Einstellung war ihrer Haltung deutlich abzulesen.

Die Blicke einiger Besatzungsmitglieder folgten ihnen, als Spock sie zu einer der Diplomatenkabinen auf dem Offiziersdeck brachte. Es handelte sich um recht große und luxuriöse Räume, aber er wusste bereits, dass T'Pring unzählige Klagen haben würde. Eine der Kadetten war ihr von Kirk als Begleitung und Yeoman zugeteilt worden und die junge Frau wartete bereits vor der Kabine. Sei wusste nur, dass T'Pring in irgend einer Beziehung zu Spock stand. Sie bewunderte heimlich den stolzen und unnahbaren Vulkanier. Durch ihre Tätigkeit als Yeoman war sie oft auf der Brücke und hatte so die Gelegenheit den Captain und den Ersten Offizier zu beobachten. Sie hatte natürlich von den Gerüchten gehört. Gerüchte, die besagten, dass es zwischen den beiden eine intime Beziehung gab. Aber sie glaubte nicht daran. Sie waren vielleicht auf dem Weg dorthin, aber mehr war da nicht. Noch nicht.

Sie beobachtete die hübsche Vulkanierin, die neben Spock ging. Etwas Kaltes und Hochmütiges ging von ihr aus und die Art, wie sie Spock an der Tür ansprach, verstärkte ihre Abneigung nur noch. Beide sprachen vulkanisch, so dass sie kein Wort verstand. Aber allein der Tonfall sagte ihr, dass sich Spock in der Gegenwart der Vulkanierin nicht wohlfühlte. Seine Haltung war starr, verkrampft und seinen Bewegungen fehlte die sonst so elegante Anmut, wie er sie in Gegenwart Kirks an den Tag legte. Wie erwartet war T'Pring nicht mit ihrem Quartier einverstanden.

"Ich hatte erwartet, in deiner Kabine untergebracht zu werden."

"Das widerspräche den Vorschriften an Bord. Du wirst dich hiermit zufrieden geben müssen. Wenn du darauf bestehst, kannst du das Schiff allerdings auch wieder verlassen. Wir verlassen das Raumdock erst in zwei Stunden."

Sie murmelte etwas und zog mißmutig die Augenbrauen zusammen. Spock wusste, dass sie damit nur die junge Frau beeindrucken wollte. Was ihr jedoch nicht gelang. Yeoman Laura Anstra begegnete dem stechenden Blick völlig gelassen. Spock bewunderte insgeheim diese Selbstbeherrschung. Er nickte ihr aufmunternd zu, was mit einem knappen Nicken beantwortet wurde.

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Kirk musterte Spock, als dieser kurze Zeit später wieder seinen Platz auf der Brücke einnahm. Er wich Kirks Blick aus, wollte ganz offensichtlich nicht über seine Begegnung mit T'Pring sprechen. Kirk verstand ihn und ließ ihn in Ruhe. Aber ihm entging nicht, dass sich Spock mit fast verzweifelter Aufmerksamkeit auf seine Arbeit konzentrierte. Er ignorierte die verstreichende Zeit und schien fast
enttäuscht, als das Ende der Schicht erreicht war.

In den nächsten Tagen hatte ihn Kirk vom Dienst befreit, so dass er T'Prings Forderungen nachkommen konnte. Spock war einverstanden gewesen. Unter der Wirkung der Drogen wäre es ihm ohnehin nicht möglich gewesen, seine Aufgaben zu erfüllen.

Nachdenklich starrte er auf die vorbeiziehenden Sterne. T'Pring hatte die Drogen mitgebracht und ihm die unscheinbaren Kapseln bei ihrer Ankunft gegeben. Er hatte sie noch nicht genommen.

Er zögerte den Moment hinaus, an dem er sich T'Pring würde stellen müssen. Nach einem schnellen Abendessen in seiner Kabine war er in den fast immer leeren Bordpark gegangen. Es herrschte Nacht an Bord der Enterprise und die durchsichtige Kuppel des vier Stockwerke hohen Raumes war entpolarisiert, so dass man das All beobachten konnte.

Er kam gern hierher, genoß den Frieden, der von den dunklen Schatten unter den mächtigen Bäumen erzeugt wurde. Die Luft war relativ kühl und zu feucht für sein Empfinden, da die Umgebung der Erde nachempfunden war. Dennoch fand er hier so etwas wie inneren Frieden. Außer dem Bordpark und seiner Kabine es nur noch einen weiteren Ort innerhalb des Schiffes, der eine ähnliche Sicherheit in ihm wecken konnte: die Kabine des Captains.

Leise Schritte rissen ihn aus seine Gedanken. Er drehte sich nicht um, erkannte das vertraute Schrittmuster. Eine kühle und überraschend kräftige Hand legte sich auf seine Schulter. Er fühlte Trost und subtile Wärme, ließ zu, dass Kirk einen Teil seiner Furcht in sich aufnahm. Der Mensch wusste, dass Spock nicht berührt werden wollte. Aber er wusste auch, wann Spock eine stützende Hand brauchte.

Freundschaft hüllte beide ein, beruhigte die angespannten Nerven des Vulkaniers. Langsam drehte sich Spock um und begegnete dem Blick seines Freundes. "Ich muß zu ihr gehen."

Kirk nickte, suchte den Blick der dunklen Augen. Er hätte alles gegeben, um Spock dies abnehmen zu können. Er kannte T'Prings eisige Kälte, ihre fast schon brutale Emotionslosigkeit, ihre unbarmherzige Logik. Eine Ehe mit dieser Frau wäre für den insgeheim emotional leicht verletzbaren Spock die Hölle gewesen. Er wäre zugrunde gegangen.

Aus einem Impuls heraus griff Kirk auch nach der anderen Schulter Spocks und zog den Vulkanier an sich. Zu seiner Überraschung ließ Spock zu, dass er ihn kurz umarmte. Dann straffte sich die sehnige Gestalt und Kirk ließ ihn los.

Spock hob die Hand und öffnete die Faust. Im Licht der Sterne schimmerten zwei elfenbeinfarbene Kapseln auf der Handfläche.

"Die Droge?" Spock nickte. "Die Wirkung setzt sehr schnell ein und ich wollte nicht riskieren, dass sie mich in Schwierigkeiten bringen kann, indem sie das Schiff wieder verlässt."

In Kirks Mundwinkeln zuckte es kurz. "Logisch."

Wie beabsichtigt hob Spock eine Braue und auch in seinen Augen funkelte es. Verstehen und Verständnis schuf eine Brücke zwischen ihnen, verstärkte einmal mehr ihre Freundschaft.

Mit plötzlicher Entschlossenheit schob Spock die Kapseln in den Mund und schluckte sie hinunter. Er schloß kurz die Augen, als Übelkeit in ihm emporquoll. Allein die Vorstellung der bald einsetzenden Wirkung ließ ihm übel werden.

Kirk wartete, bis er sich wieder in der Gewalt hatte. McCoy hatte ihm in groben Zügen die Wirkung der Drogen erklärt. Die körperliche Reaktion würde ähnlich wie beim Pon farr unbezwingbares sexuelles Verlangen auslösen. Die Wirkung verlor sich nach einigen Tagen oder durch mentale Rückkopplung bei Eintritt einer Schwangerschaft. Kirk wusste, dass T'Pring das Schiff erst als Schwangere wieder verlassen würde, so verlangte es die Tradition.

Ein schrecklicher Gedanke kam ihm. "Darf einer von Ihnen beiden eine Empfängnis verhindern?"

Spock hob eine Braue, sichtlich überrascht. "Nein. Das ist völlig ausgeschlossen. Sie hat allerdings das Recht das Kind nicht auszutragen."

"Wie bitte?!"

Spock seufzte leise. Kirk hatte offensichtlich keine Ahnung von gewissen Bräuchen auf Vulkan. "Jede Vulkanierin ist biologisch in der Lage eine unerwünschte Schwangerschaft jederzeit durch eine Fehlgeburt zu beenden."

"Wenn sie das tut, lasse ich ihren Geisteszustand überprüfen", schwor Kirk grimmig. Er ahnte, dass sie so etwas plante.

Spock legte ihm eine Hand auf den Arm und schüttelte energisch den Kopf. "Sie hat das Recht dazu. Und vielleicht wäre es für das Kind besser so."

Er fühlte, wie er zu taumeln begann, als die Wirkung mit stärkerer Macht einsetzte, als ihm lieb war. Sein Körper begann auf die Gegenwart T'Prings zu reagieren, während sein Verstand sich in zunehmendem Maße dagegen sträubte.

Kirk stützte Spock, bis dieser sich wieder unter Kontrolle hatte. Er bemerkte die verkrampften Schultern, die zusammengebissenen Zähne und die subtile Furcht in den dunklen Augen als sich Spock abwandte.

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"Captain Kirk!"

Kirk blieb stehen, als er die schneidend kalte Stimme hörte. Dann drehte er sich aufreizend langsam um. T'Pring stand hochaufgerichtet und mit einem herrischen Ausdruck in den schönen Zügen vor ihm. Sie musste zu ihm aufsehen, reichte sie ihm doch kaum bis zur Schulter.

"Ich suche Spock. Der Computer teilt mir lediglich mit, dass er sich auf dem Schiff befindet, doch nicht an welchem Ort. Sie als Captain können die Sicherheitsschranke übergehen. Ich verlange, dass Sie mir den Aufenthaltsort bekannt geben."

Kirk ärgerte sie mit einem langen Blick, den er prüfend über ihre Gestalt wandern ließ. Nichts an ihrem Erscheinungsbild ließ erkennen, dass sie Spock auf recht brutale Weise verführt hatte. Dr. McCoy hatte den Vulkanier dazu überredet, ihm einen winzigen Diagnosescanner unter die Haut zu implantieren, damit er dessen Gesundheitszustand ständig überwachen konnte. Kirk hatte in den letzte vier Tagen hin und wieder einen Blick auf die Werte geworfen. Und er wusste inzwischen genug über vulkanische Physiologie um die Daten beurteilen zu können. Er schauderte insgeheim.

T'Pring hob ungeduldig eine Braue, die Schärfe in ihrem stechenden Blick verstärkte sich noch.

"Ich kann die Sicherheitsschranke tatsächlich umgehen. Aber ich werde es nicht tun. Wenn Spock den Computer daran hindert, seinen derzeitigen Aufenthaltsort preiszugeben, dann werde ich das auch nicht tun. Und jetzt enschuldigen Sie mich bitte."

Er ließ sie stehen und trat in den Turbolift. Wenn Spock allein sein wollte, hatte er guten Grund dafür. Und Kirk ahnte dumpf, wo er den Vulkanier finden würde. Es gab nur einen Ort auf dem Schiff, wo er vor T'Pring sicher sein würde.

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Die Sensorschranke reagierte sofort und die Tür seines Quartiert glitt mit einem leisen Zischen auseinander. Alles war wie immer, als er leise in die dunkle Kabine trat. Er brauchte kein Licht, um sich in der Finsternis zu orientieren. An der Decke glühten matt die Orientierungslichter, die praktisch nie ausgingen. Ihr Licht reichte ihm völlig um die zusammengekauerte Gestalt in einem der Sessel zu erkennen.

Spock schlief. Er hatte sich in eine Ecke des Sessels gedrückt, die Beine an den Körper gezogen und die Arme darumherumgelegt. Der Kopf lag auf den Knien und er atmete ruhig und gleichmäßig.

Kirk ging leise zu ihm und breitete eine Decke über ihn. Doch der Vulkanier schlief nicht so tief, wie Kirk angenommen hatte. Er zuckte zusammen und hob alamiert den Kopf. Dann entspannte er sich sichtlich, als er Kirk erkannte. Nur um im selben Moment wieder zu erschrecken.

"Captain! Ich..."

"Sscht. Bleiben Sie sitzen, Spock." Er merkte, dass er den Vulkanier offenbar überrascht hatte. Vermutlich hatte er sich nur für einige Stunden von der Gegenwart T'Prings erholen wollen und den Dienst des Captains dafür genutzt.

Kirk verstand ihn. Er musterte seinen Freund, registrierte die blassen eingefallenen Wangen, die grauen Schatten unter den Augen. Die Unterlippe wieß an einer Stelle Bißspuren auf und über den Hals zogen sich mehrer tiefe Kratzer. Darüber hinaus schien Spock noch magerer geworden zu sein, als er es ohnehin schon war.

"Wann haben Sie zum letzten Mal etwas gegessen, Spock."

Spock, von der Frage sichtlich überrascht, schüttelte kurz den Kopf. "Ich weiß es nicht. Ich bin auch nicht hungrig."

"Das glauben Sie."

Kirk überlegte nicht lange. Er bestellte kochendes Wasser sowie Brot und je eine Tasse Kaffee und heißen Saya beim Nahrungsmittelreplikator und nahm dann zwei große dickwandige Steinguttassen und eine dicht verschlossene Dose aus einem der Schränke. Er füllte das Wasser hinein und rührte dann ein gelbliches Pulver in das Wasser. Sofort breitete sich ein würziger Duft in der Kabine aus und Kirk schnupperte genießerisch.

Er reichte Spock eine der Tassen, Brot und den Saya und setzte sich dann mit seiner Portion in den Sessel neben ihm.

"Guten Apettit, Spock. Riechen Sie dran und behaupten Sie dann noch einmal, keinen Hunger zu haben."

Spock zögerte kurz. Aber der aromatische Duft, den er nicht identifizieren konnte, weckte tatsächlich seinen Apettit. Er probierte von der dampfenden Suppe und nahm dann gleich noch einmal einen größeren Schluck. Der Geschmack war seltsam und er war sich sicher, das auch Fleisch zu den diversen Zutaten gehörte. Es war ihm in diesem Moment egal. Hungrig aß er das Brot und trank die  uppe aus.

Kirk beobachtete ihn zufrieden und füllte die Tasse ungefragt zum zweiten Mal, als Spock sie ausgetrunken hatte.

Die Wärme und die Nahrung ließen wieder etwas Farbe in die blassen Wangen zurückkehren. Spock zitterte noch immer und kauerte sich nach wie vor zusammen, aber er entspannte sich langsam.

Als die Tasse zum zweiten Mal geleert war, schob er sie von sich und griff dann nach dem Saya.

"Was war das für ein Gericht, Jim?"

Kirk grinste breit. "Ich weiß nicht, ob ich Ihnen wirklich sagen kann, was darin war."

Spock hob eine Braue. "Das Fleisch zu den Zutaten gehört hat und es sich nicht um replizierte Nahrung gehandelt hat, habe ich bereits
gemerkt."

Der Captain gab sich geschlagen und hob die Arme. "In Ordung. Dann muß ich wohl mein kleines Geheimnis preisgeben. Es handelt sich um die Hühnersuppe meiner Großmutter. Ich habe mir nach ihrem Rezept ein Konzentrat herstellen lassen, dessen Vorrat ich immer wenn ich zur Erde komme großzügig aufstocke. Die Suppe wirkt wahre Wunder und schlägt garantiert jeden Bazillus in die Flucht. Zumindest tat sie das in meiner Kindheit."

Spock nickte. Er hatte fast so etwas erwartet. Und er musste zugeben, dass er sich tatsächlich besser fühlte. Wärme begann sich in ihm auszubreiten und er war angenehm satt. Die Erinnerung an T'Prings unpersönliche und brutale Berührungen begann zu verblassen und er genoss die Gegenwart Kirks. Ohne dass er es merkte sank sein Kopf auf die Lehne des Sessels.

Kirk nahm dem dösenden Vulkanier die Tasse aus der Hand uns stellte den Saya auf den Tisch. Dann griff er nach Spocks Händen und zog ihn aus dem Sessel hoch. Er leistete keinen Widerstand und ließ sich müde zum Bett führen. Kirk hatte den Verdacht, dass sich Spock vor Erschöpfung seiner Umgebung kaum mehr bewusst war.

Kirk half Spock sich hinzulegen, zog ihm die Stiefel aus und deckte ihn zu. Er blieb am Bett sitzen und betrachtete die jetzt entspannten Züge des Vulkaniers. Nur selten hatte er Gelegenheit ihn so zu sehen. Der Schlaf löste die absolute Selbstbeherrschung aus dem Gesicht und gab den Blick frei auf eine emfindsame Seele. Spock wirkte deutlich jünger und das zerzauste Haar gab ihm etwas unbekümmertes, freies. Kirk wusste um die strenge und emotional kalte Erziehung vulkanischer Kinder und er fragte sich welche Wunden Spock wohl in sich tragen mochte. Wieviel Kummer und Leid es ihm erspart hätte, hätte er sich nicht dafür entschieden als Vulkanier zu leben. Er trug auch das menschliche Erbe seiner Mutter in sich, hätte genausogut als Mensch leben können.

Im nächsten Moment schalt sich Kirk selbst einen Narren. Spock hatte gar keine andere Wahl gehabt. Seine vulkanische Physiognomie, seine psionischen Fähigkeiten zwangen ihn dazu nach den Regeln und Gesetzen der Vulkanier zu leben. Er selbst hätte niemals als Mensch leben können. Und genau deshalb braucht er den Menschen Kirk. Er brauchte ihn, damit dieser für ihn Mensch sein konnte. So wie Kirk die ruhige Selbstbeherrschung des Vulkaniers brauchte.

Langsam hob Kirk die Hand und strich den zerzausten Stirnpony glatt, fühlte überrascht, wie seidig weich die schwarzen Haare waren. Spock seufzte leise und drehte suchend den Kopf im Schlaf, schmiegte das Gesicht in Kirks Hand. Kirk erstarrte und wagte kaum zu atmen, als Spocks Lippen lautlos ein Wort formten - Jim.

Schließlich stand Kirk auf und setzte sich an seinen Schreibtisch. Es galt jede Menge Papierkram zu erledigen und er wusste, wenn er noch länger bei Spock geblieben wäre, hätte er für nichts garantieren können.

Einige Stunden später schaltete er sein Terminal auf Bereitschaft und sah noch einmal nach dem Vulkanier. Spock schlief nach wie vor und Kirk erlaubt es sich, die eleganten Züge zu bewundern. Nur selten hatte er die Gelegenheit, Spock so ungehindert zu betrachten. Ungehindert dessen exotische Schönheit bewundern zu können, war ein besonderer Luxus. Er strich noch einmal über das blauschwarze Haar und machte es sich dann in einem seiner Sessel bequem. Er würde den Teufel tun und Spock wecken! Lieber verbrachte er die Nacht hier.

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Zwei Tage später verließ T'Pring mit einem Shuttle das Schiff und kehrte nach Vulkan zurück. Die Erleichterung darüber war, zumindest für Kirk, dem Vulkanier deutlich anzusehen. Doch es dauerte noch einmal einige Tage, bis er sich wieder aus seinem Schneckenhaus herauswagte und Kirk und McCoy beim Essen Gesellschaft leistete. Kirk vermutete, dass es vor allem die spitze Zunge McCoys war, die den Vulkanier abgeschreckt hatte. Doch der Bordarzt verkniff sich jedes anzügliche Kommentar.

Kirk begann sich wieder zu entspannen. Vor ihnen lag eine an sich einfache diplomatische Mission. Sie würden auf Canistas III mit einigen Regierungsrepräsentanten die letzten Verhandlungen über einen Beitritt jener Welt in die Föderation besprechen. Pike war vor Jahren schon einmal dort gewesen und hatte damals die ersten Kontakte geknüpft. Spock hatte damals mit zum Kontaktteam gehört und offenbar waren die Canistaner so sehr von ihm beeindruckt gewesen, dass sie ihn als Botschafter und Vertreter der Föderation angefordert hatten.

Nun, er war der Sohn eines Botschafters und er hatte mehr als einmal bewiesen, dass er mehr diplomatisches Gespür besaß, als so mancher Diplomat.

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Zu Kirks Überraschung stellte sich Canistas III als typisch erdähnlicher Planet heraus. Sogar die Bewohner glichen entfernt den Menschen. Der einzige Unterschied bestand in einer deutlich blaugetönten Haut und durchweg silbern schimmernden Haaren.

Die Verhandlungen verliefen reibungslos und schon nach wenigen Tagen konnten sie die endgültigen Dokumente unterzeichnen. Für Spock und Kirk waren es dennoch anstrengende Tage gewesen, da an ihnen beiden die gesamte Verantwortung hing. Doch wieder einmal bewieß Spock, dass sich Kirk auf dessen Wissen verlassen konnte. Es gab praktisch keinen Fakt, keine Zeremonie, keine Unklarheit, über die Spock nicht Bescheid gewusst hätte.

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Kirk lehnte sich zufrieden in seinen Sessel zurück. Sie hatten den Auftrag beendet und soeben hatte er den letzten Bericht abgezeichnet. Spocks Bericht.

Er mochte den knappen, sachlichen Stil, in dem der Vulkanier seine Berichte verfasste. Sie wirkten fast wie eine wissenschaftliche Abhandlung und dennoch stand da oft mehr zwischen den Zeilen, als wenn er es explizit erwähnt hätte. Diesmal war es ein reiner Routineauftrag gewesen und sie waren von unangenehmen Zwischenfällen verschont geblieben.

Einmal abgesehen von T'Pring. Sie hatten bis jetzt nichts mehr von ihr gehört und Kirk bezweifelte, ob sie sich in den nächsten Monaten melden würde. McCoy hatte vor ihrer Abreise ihre Schwangerschaft offiziell bestätigt. Sie hatte also keinen Grund mehr, Spock weiterhin zu quälen.

Ein Umstand, den Kirk mehr als nur begrüßte. Spock war noch immer erschöpft und wirkte fast ausgebrannt. Er verrichtete seinen Dienst stoisch und fast mechanisch. Selbst auf McCoys Wortgefechte ging er nicht ein, schwieg meistens, wenn ihn der Arzt versuchte zu provozieren. Und sogar die fast allabendlichen Schachspiele waren in letzter Zeit rar geworden.

Kirk begann sich Sorgen zu machen.

So verschlossen und zurückgezogen hatte er Spock nur in der ersten Zeit erlebt. Zu einer Zeit, als der Vulkanier noch weitgehend isoliert und ohne Freunde auf dem Schiff gelebt hatte. Doch inzwischen waren sie Freunde geworden. Inzwischen hatte der stets so kontrollierte Vulkanier gelernt, Kirk zu vertrauen. Er hatte begonnen, ihn hinter die Maske aus vulkanischer Selbstbeherrschung blicken zu lassen. Selten genug, aber immerhin. Jetzt aber waren die absolute Kontrolle und Emotionslosigkeit wieder eingerastet und Spock ließ niemanden an sich heran. Nichteinmal ihn.

Er begann wirklich sich Sorgen zu machen. Irgendetwas war geschehen...

Kirk seufzte leise und griff nach einem Stapel Datenpads, die sein Yeoman am Morgen auf seinem Schreibtisch abgelegt hatte. Wieder ein neuer Auftrag, und dabei hatte sie doch alle so dringend etwas Ruhe nötig!

Um so angenehmer wurde er überrascht. Er las noch einmal die knappe Anweisung und öffnete dann das Interkom.

"Captain an Krankenstation. Dr. McCoy in meine Kabine bitte."

Es dauerte keine zwei Minuten, bis ein etwas keuchender McCoy den Türsummer betätigte.

"Wo brennt's denn? Muß ich jetzt schon Hausbesuche machen?"

"Es brennt nirgendwo. Im Gegenteil. Ich dachte nur, du siehst dir die neue Order gerne selber an." Damit drehte er den Sichtschirm herum und deutete auf einen freien Stuhl an seinem Schreibtisch.

McCoy setzte sich und begann neugierig zu lesen. "Hey! Wow. Vier Monate Landurlaub. Wie haben wir uns denn das verdient? Und dann noch auf der Erde!"

Kirk grinste schief. "Wenn es sich eine Crew verdient hat, dann unsere. Wir haben in den letzten Monaten einiges durchgemacht, vergiß das nicht. Und das Schiff muß auch dringend überholt werden. Scott liegt mir ständig damit in den Ohren, dass die Rohstoffe für dringend benötigte Ersatzteile langsam zur Neige gehen. Und von den Klangen eines überarbeiteten Bordarztes, der sich über die völlig erschöpfte Mannschaft beklagt, will ich noch gar nicht reden."

"Solltest du nicht auch Spock informieren? Er ist immerhin dein Erster und steht in der Rangfolge über mir."

Kirk legte den Kopf schief. "Was soll dass denn nun? Sei lieber damit zufrieden, dass du es gleich nach mir als erster erfährst. Abgesehen davon habe ich Spock für den Rest des Tages vom Dienst befreit. Er ist in seiner Kabine und schläft oder meditiert oder tut sonst etwas um sich zu erholen."

McCoy hob lediglich eine Braue, eine Angewohnheit, die er von Spock übernommen hatte. Kirk musste unwillkürlich grinsen. Vermutlich hatte der Arzt keine Ahnung davon und verwendete die Geste völlig unbewusst.

"Auch gut. Ich muß jetzt aber wieder zurück auf meine Station. Da gibt es noch einen Forschungsbericht, den ich absegnen muß", fügte er mit Grabesstimme hinzu. Kirks Grinsen wuchs in die Breite.

"Beeil dich besser damit. Scott wird alles aus den Maschinen herauskitzeln, damit wir so schnell wie möglich die Erde erreichen. Sehr weit entfernt sind wir ja zum Glück nicht."

"Ja, ja. Läster du nur. Ich weiß, dass du den Papierkram genauso liebst wie ich. Wahrscheinlich bist du noch weniger auf dem Laufenden als ich."

"Irrtum, mein Lieber. Ich bin fertig."

McCoy grummelte etwas und verließ die Kabine, allerdings in weit besserer Stimmung als er gekommen war.

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Kirk betrachtete versonnen den Vulkanier. Spock, der nur, ebenso wie er selbst, eine abgeschnittene verwaschene Jeans und Turnschuhe trug, arbeitete mit ruhiger Gelassenheit. Kirk hockte auf dem Dach der Hütte und wartete darauf, dass ihm Spock einige der Bretter hinaufreichte, mit denen sie die schadhaften Stellen ausbessern wollten. Er war leichter als der Vulkanier, und so hatten sie sich für diese Arbeitsteilung entschieden.

Die Sonne brannte heiß auf sie beide herab und sie waren beide schmutzig und verschwitzt. Fast verträumt beobachtete Kirk den leichten Schimmer auf der hellen olivgetönten Haut. Das Spiel der sehnigen Muskeln darunter faszinierte ihn immer wieder. Kirk wusste zwar, dass Spock großen Wert auf sein Training legte und auch auf seine Ernährung achtete, aber er war sich nie wirklich bewusst gewesen, wie geradezu perfekt die Körperformen des anderen waren.

Der frühe Morgen schlich sich in seine Gedanken und er schmunzelte, als er sich an den Anblick des schlafenden Vulkaniers erinnerte. Die Hütte, die einst seinen Eltern gehört hatte, und die ihm seine Mutter für den Landurlaub gesäubert hatte, wies nur ein Doppelbett auf. Kirk hatte sich nicht daran erinnert und war deswegen etwas verunsichert gewesen, aber Spock schien kein Problem darin zu sehen. Es waren geteilte Matztatzen und die Decken waren groß und weich, mehr als ausreichend für zwei Männer. Kirk war nervös gewesen, als sie sich am Abend, erschöpft vom langen Ritt hier heraus, bald schlafen gelegt hatten. Es war ein heißer Hochsommertag gewesen und die Nacht versprach nicht viel Abkühlung, so dass beide auf Schlafanzüge verzichteten und nur Unterwäsche trugen.

Dieser Umstand ermöglichte es Kirk am nächsten Morgen in aller Ruhe den Körper des Vulkaniers zu betrachten.

Spock hatte die Decke von sich geworfen und lag noch in tiefem Schlaf, als Kirk erwachte. Er betrachtete die im Schlaf entspannten Züge und zum ersten Mal wurde ihm bewusst, dass er sich nichts sehnlicher wünschte als Spock berühren zu dürfen.

Das Morgenlicht warf einen sanften Schimmer auf die samtweich anmutende Haut und die sehnigen Muskeln darunter. Er bewunderte die langen schlanken Glieder, die festen Bauchmuskeln, die sich entspannt beim Atmen bewegten und den muskulösen Oberkörper. Spocks Lippen waren leicht geöffnet gewesen und Kirk konnte den hellen Schimmer der ebenmäßigen Zähne erkennen. Als sein Blick wieder tiefer wanderte, bemerkte er, dass er ungehindert die schmalen Hüften bewundern konnte. Spock trug lediglich eine recht eng geschnittene Shorts, die kaum etwas der Phantasie überließ. Kirk konnte deutlich die leichte Wölbung des Gliedes unter dem dunklen Stoff erkennen. Er wusste, dass die Hoden bei Vulkaniern zum größten Teil im Inneren des Körpers lagen und nur als leichte Wölbung unterhalb des Gliedes zu erkennen waren.

Der Anblick erregte ihn mehr als ihm lieb war und so war er aufgestanden und hatte sich um das Frühstück gekümmert um sich abzulenken. Spock war bald von den Geräuschen aufgewacht und war ihm zur Hand gegangen. Er überraschte Kirk damit, wie selbstverständlich ihm die Hausarbeiten waren, aber Spock erklärte ihm, dass Amanda stets darauf bestanden hatte, dass er einen Teil der Arbeiten erledigte.

Es war inzwischen der dritte Tag ihres Landurlaubs und allmählich fiel der Druck der vergangenen Wochen von ihnen ab. Sie waren viel zu lange mit dem Schiff im All gewesen und die Crew war völlig erschöpft gewesen. Hinzu kamen immer mehr anfallende Reperaturen, für die irgendwann schlichtweg keine Rohstoffe mehr vorhanden waren um die Ersatzteile herzustellen. Scott und McCoy waren Kirk mehrmals täglich in den Ohren gelegen, aber er brauchte die Beschwerden der beiden nicht, um zu sehen wie erschöpft alle waren.

Um so größer war der Jubel gewesen, als er die Neuigkeit bekannt gegeben hatte. Selbst der seit T'Prings Aufenthalt so unnahbare Spock hatte fast überdeutlich seine Erleichterung gezeigt, als Kirk ihn am nächsten Tag über den Landurlaub informiert hatte.

Kirk hatte schon länger geplant Spock einmal in dieses kleine Blockhaus einzuladen und zu seiner Überraschung hatte der Vulkanier ohne sein sonst übliches Zögern, wenn es um Landurlaub ging, zugestimmt.

Jetzt entspannte er sich zusehends und die warme Sonne Iowas tat ihr übriges. Spock reichte ihm einige zugeschnittene Bretter aufs Dach und riß Kirk damit aus seinen Tagträumereien. Er nahm sie entgegen und begann damit eine weitere schadhafte Stelle auszubessern. Die Hütte war lange nicht mehr bewohnt gewesen und so kümmerten sie sich als erstes um die nötigen Reparaturen. Da es sich um ein reines Holzhaus handelte, gab es deren, besonders im Dach, viele. Inzwischen war es später Nachmittag geworden und sie waren fast mit der Arbeit fertig. Nur noch eine kleine Stelle war übrig.

Schließlich war auch das geschafft und Kirk kletterte geschickt vom Dach herunter.

Spock hatte bereits damit begonnen, das nicht mehr benötigte Werkzeug in den kleinen Schuppen zu räumen. Aus den Augenwinkeln beobachtete er seinen Captain, der ihm hier, fern von jeder Verantwortung über Schiff und Crew, so ausgelassen wie ein Schuljunge am Beginn der Sommerferien erschien. Das blonde Haar bleichte sehr schnell unter der gleißenden Sonne aus und es zeichneten sich bereits einige hellere Strähnen ab. Zudem war es etwas länger, als es eigentlich zulässig war. Doch der Stress der letzten Wochen hatte es nicht zugelassen, dass sich Kirk die Haare schneiden ließ. Und in den nächsten sechs Monaten würde es keine Rolle spielen.

Spock betrachtete ihn genauer und er gestand sich ein, dass ihm der fast ungewohnte Anblick gefiel. Er wusste, dass er sich schon lange zu Kirk hingezogen fühlte. Die Freundschaft seines Captains bedeutete ihm viel, doch in letzter Zeit war eine neue Komponente hinzugekommen die er nicht benennen konnte. Vielleicht auch nicht benennen wollte.

Seine eigenen Empfindungen verwirrten ihn und er hatte noch nicht die Zeit gefunden, sich ihnen in der Ruhe der Meditation zu stellen. Hinzu kam die Erinnerung an die mehr als unangenehmen Erfahrungen mit T'Pring. Ihre unmittelbare Nähe war für ihn immer  schwerer zu ertragen gewesen, trotz der Drogen, die sie ihn gezwungen hatte einzunehmen. Er hatte lange gezögert - fast zu lange - doch dann hatte er den Dienst des Captains genutzt um sich in dessen Kabine ein wenig zu erholen. Seltsamerweise war ihm die Gegenwart Kirks weitaus weniger belastend erschienen, als die seiner ehemaligen Verlobten.

Er wagte nicht, sich wirklich der Erkenntnis zu stellen, die sich in ihm zu formen begann. Denn das hätte bedeutet, dass er auch danach hätte handeln müssen. Die Gefahr jene tiefe Freundschaft zu zerbrechen, die sie beide verband, war seiner Einschätzung nach zu groß, als dass er es wagte sie zu gefährden, indem er einfach die Initiative ergriff.

Sein Blick wanderte über die durchtrainierte Gestalt des Menschen, genoß den Anblick der festen Muskeln. Kirk kämpfte wie immer mit seinem Gewicht, doch der Stress der letzten Zeit hatte auch hier Spuren hinterlassen: Die Figur war schlanker denn je. Verträumt beobachtete er Kirks Bewegungen beim Reparieren des Daches, die Gewandtheit, mit der er darauf herumkletterte.

In der letzten Nacht hatte er trotz der ungewohnten Anstrengung des langen Rittes lange gebraucht um einzuschlafen. Zu sehr konzentrierte er sich auf die körperliche Präsenz des Mannes neben ihm, lauschte den ruhigen tiefen Atem, atmete den für Menschen so typischen Duft ein. Er mochte diesen Duft und speziell den Kirks. Er hatte nie jemandem gegenüber erwähnt, dass er dank seines feinen Geruchssinnes viele seine Kollegen allein am Körpergeruch unterscheiden konnte. Und es faszinierte ihn immer wieder, wie breit das Spektrum sein konnte. Kirk schwitzte leicht in der schwülwarmen Nacht und Spock atmete tief den berauschenden Duft ein, bis er schließlich einschlief.

Als er bemerkte, dass Kirk fast fertig war, beeilte er sich, die Werkzeuge wegzuräumen. Kirk überraschte ihn, als er plötzlich hinter ihm zu Boden sprang und breit angrinste.

"Kommen Sie, Spock. Wir haben uns jetzt ein erfrischendes Bad verdient." Übermütig wie ein Junge lief er auf eine kleine Baumgruppe zu. Spock wusste inzwischen, dass dort eine Quelle lag, die ein recht großes ausgemauertes Becken speiste. Von jener Quelle stammte auch das Wasser, dass ihnen dank eines ausgeklügelten Pump- und Rohrsystems in der Hütte zur Verfügung stand.

Es wurde mittels Solarenergie erwärmt, so dass sie sogar duschen konnten. Wozu allerdings das Becken diente, hatte er noch nicht herausgefunden.

Ohne auf ihn zu achten, lief Kirk voraus und streifte seine Kleidung ab. Dann ließ er sich in das Becken gleiten und tauchte darin unter.

Spock zögerte kurz, aber dann warf er alle Bedenken über Bord und tat es ihm nach. Nackt ließ er sich in das kalte Wasser gleiten. Er schnappte unterdrückt nach Luft, als er die prickelnde Frische spürte und Kirk der ihn gespannt beobachtet hatte, lachte amüsiert.

"Es ist zwar ziemlich kalt, aber dafür garantiert sauber und frisch. Das Wasser ist mit verschiedenen Mineralien angereichert. Mein Vater behauptete immer, es hätte auch eine heilende Wirkung, aber es wurde nie daraufhin untersucht."

Spock betrachtete das leicht metallisch riechende Wasser mit neuem Interesse. Es war glasklar und er konnte den in fast zwei Metern Entfernung plantschenden Mann in aller Deutlichkeit erkennen. Wieder einmal dankte er für seine schon gewohnheitsmäßige Selbstherrschung. Aber auch das Wasser lenkte ihn ab.

"Es wäre sicher interessant, eine Probe zu untersuchen. Wenn es tatsächlich bestätigt werden kann, dass..."

"Nichts wird untersucht, Spock. Wir haben Urlaub."

Spock begegnete dem übermütigen Blick seines Captains und hob eine Braue. Kirk plante etwas... Im nächsten Augenblick schwappte ein Schwall kalten Wassers über ihm zusammen und Spock schnappte abermals nach Luft. Er tauchte blitzschnell unter und war mit einem schnellen Schwimmzug neben Kirk.

Er packte die Hüften des anderen und zog ihn mit einem Ruck unter Wasser, stieß dabei die Beine mit seinem Fuß zur Seite. Kirk hatte nicht damit gerechnet und kam prustend und lachend wieder nach oben.

Er hatte trotz oder gerade wegen des kalten Wassers die hohe Körpertemperatur des Vulkaniers überdeutlich wahrgenommen und erinnerte sich plötzlich daran, dass Spock auf Kälte weitaus empfindlicher reagierte als er selbst.

Plötzlich wieder ernst geworden, meinte er: "Kommen Sie Spock. Gehen wir zum Haus zurück und essen wir etwas. Ich habe Hunger und Sie sicher auch."

Spock nickte. Ihm war wirklich kalt geworden und dankbar nahm er den Vorschlag an. Ohne sich wieder anzuziehen legten sie den Weg zur Hütte schweigend zurück. Keiner wusste von den Gedanken des anderen, und dennoch beschäftigten sie sich beide mit dem Gleichen: der unmittelbaren Gegenwart des anderen.

Die noch immer heiße Sonne trocknete sie schnell, so dass sie sich im Haus angekommen wieder anzogen und einen leichten Imbis aus Brot und Früchten einnahmen. Unter dem Haus befand sich ein tiefer Erdkeller, indem Kühltruhen mit genügend Lebensmitteln für mehrere Monate lagerten. Aber sie hatten auch einiges an frischen Lebensmitteln mitgebracht.

Spock genoß den eher ungewohnten Genuß frischer Früchte und sah während des Essens über die weiten Felder hinweg.

Kirk beobachtete ihn, ganz in den Anblick des Freundes versunken. Er mochte die eleganten sparsamen Bewegungen des Vulkaniers. Mochte es, wenn er mit seinen langen schlanken Fingern nach etwas griff.

Spock biß in eine Erdbeere und ein Tropfen des roten Saftes lief über die olivgetönte Haut, bildete einen deutlichen Kontrast dazu. Kirk schluckte trocken, als Spock den Saft mit einer schnellen Bewegung der Zunge aufleckte und sich den Rest der Frucht in den Mund schob.

Plötzlich drehte Spock den Kopf und musterte Kirk. Sein Blick wanderte über das ebenmäßige Gesicht und die breiten Schultern, als er plötzlich stutzte.

"Ich glaube, Dr. McCoys Voraussicht Ihnen ein kühlendes Gel gegen Sonnenbrand mitzugeben, war doch nicht so überflüssig, wie Sie an Bord sagten, Jim. Sie haben einen deutlichen Sonnenbrand."

Kirk brauchte einen Moment, um den Bedeutungsgehalt von Spocks ruhigen Worten zu erfassen, dann wurde er sich des leichten Brennens auf seinem Oberkörper bewusst. Er sah an sich hinab und nickte resigniert.

"Sie haben Recht, Spock. Dann musterte er die blasse Haut des Vulkaniers. "Aber ich schätze, es hat auch Sie erwischt, wenn ich die grünliche Tönung ihrer Haut richtig deute."

Jetzt sah auch Spock auf seine Schultern hinab und nickte dann bestätigend.

"Offenbar bin auch ich direkte Sonneneinstahlung nicht mehr gewöhnt. Wenn auch meine Haut besser damit fertig wird."

Kirk grinste und stand auf, um das Gel zu holen, dass McCoy ihm aufgenötigt hatte als er erfuhr, was Kirk plante. Er rieb Brust und Schultern damit ein und reichte die Flasche dann Spock. Der Vulkanier nahm sie entgegen, machte aber keine Anstalten, sich einzucremen. Statt dessen musterte er Kirk erneut mit einem durchdringenden Blick.

Kirk gelang es nicht, dem Blick der dunklen Augen auszuweichen und er fragte sich unwillkürlich, was Spock dachte.

"Wenn Sie erlauben, werde ich das Gel auf Ihrem Rücken auftragen." Die Worte klangen unverfänglich und so ruhig wie immer und Spock entspannte sich ein wenig, als er merkte, dass Kirk nichts von seiner Nervosität bemerkt hatte.

Dieser nickte nur, zog sich einen Stuhl heran und ließ sich rittlings darauf nieder, den Rücken Spock zugewandt.

Spock ließ einen Klacks des Gels auf seine Handflächen gleiten und verrieb es zwischen den Händen. Dann strich er sanft über die festen Muskeln an Schultern und Rücken. Er schloß die Augen, als er die weiche Haut fühlte, die sanften Bewegungen des Atmens wahrnahm. Der Kontakt wühlte er ihn mehr auf, als er angenommen hatte und es kostete ihn eine große Anstengung, nicht weiterzugehen.

Kirk genoß die sanfte Berührung der warmen Hände. Er nahm keinerlei mentale Berührung des Vulkaniers wahr und als er sich umdrehte, sah er die Anspannung in den Zügen des Vulkaniers und schob sie der nötigen psionischen Kontrolle zu. Er ahnte nicht, weswegen Spock so angespannt war.

Er hob in einer fragenden Geste die Flasche. "Was ist mit Ihrem Rücken. Soll ich Sie auch einreiben?" Spock zögerte kurz und fragte sich, ob er dem erneuten Reiz würde standhalten können. Aber er wollte Kirk fühlen, wollte berührt werden, selbst wenn es nur eine so harmlose Berührung war...

Er nickte und drehte sich nun seinerseits auf seinem Stuhl herum.

Kirk betrachtete die sehnigen Muskeln. Endlich durfte er Spock berühren, durfte die so zart wirkende Haut fühlen...

Ein Schauder lief über den Rücken des Vulkaniers, als Kirk ihn mit dem kalten Gel berührte. Sanft verrieb er es, massierte es sanft in die festen Muskeln an Rücken und Schultern ein. Dann wanderten seine Hände zu den Oberarmen und dem Brustkorb, dort wo die Haut ebenfalls unter der Sonne gelitten hatte. Aber viel zu schnell war der Moment vorbei und es wurde Zeit den Kontakt zu unterbrechen...

Schnell, damit Spock nicht merkte, wie aufgewühlt er war, schnappte er sich die Flasche und brachte sie wieder ins Haus.

Der Kontakt mit der samtweichen Haut über den stählernen Muskeln war zuviel für ihn und er rannte fast in das kleine Badezimmer, in dem sie das Gel aufbewahrten. Er keuchte, versuchte seine Erregung unter Kontrolle zu bringen, aber er schaffte es nicht. Er berührte sich und allein die Erinnerung an Spock genügte, um ihn innerhalb von Sekunden kommen zu lassen. Schnell wusch er sich und kehrte dann, äußerlich wieder etwas ruhiger, auf die Veranda zurück.

Auch Spock hatte sich beruhigt und den Moment genutzt um das Geschirr in die kleine Kochnische zu bringen. Während er das Geschirr reinigte und die Reste verstaute, fand er wieder zu seiner üblichen Gelassenheit zurück.

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Stunden später, erwachte Kirk plötzlich. Es dauerte einen Moment, bis er begriff, was los war. Dann packte er den keuchenden und um sich schlagenden Vulkanier an den Schultern und rüttelte ihn.

"Spock! Wachen Sie auf!" Er schien ihn nicht zu hören und Kirk überlegte, ob er ihn mit einer Ohrfeige, ähnlich wie bei der Heiltrance, wecken sollte, als sich Spock plötzlich beruhigte und die Augen aufschlug.

Er starrte Kirk an, als würde er ihn nicht erkennen. Aber als er sich einen Moment später aufsetzte, schien er wieder ganz der Alte zu sein. Abgesehen von dem kalten Schweiß und den noch immer zitternden Händen...

"Himmel, Spock! Ich habe noch nie erlebt, dass Sie so tief in einem Alptraum gefangen waren. Was war denn los?"

Spock presste die Lippen zusammen und keuchte, noch immer zitternd. Er schüttelte langsam den Kopf. Kaltes Entsetzen wogte in ihm. Begann es von Neuem? Schließlich schaffte er es den Kopf zu heben und dem besorgten Blick seines Freundes zu begegnen.

"Eine Erinnerung, von der ich angenommen hatte, sie seit langem verarbeitet zu haben. Ich denke nicht, dass sich der Alptraum wiederholen wird."

Seine Stimme klang so ruhig und gefasst, dass Kirk ihm zögernd glaubte. Er beobachtete Spock noch eine Weile, als dieser schon längst wieder zu schlafen schien. Dann fielen auch ihm die Augen zu.

Doch Spock schlief nicht.

In der nächsten Nacht wiederholte sich der Alptraum, wurde deutlicher. Wieder weckte ihn Kirk und Spock brauchte sogar noch länger als in der ersten Nacht, um in die Realität zurückzufinden. Aber es gelang ihm auch diesmal, Kirk nichts über den Inhalt zu sagen.

In der dritten Nacht erwachte er schreiend, zitternd vor Panik und Entsetzen, einen mehr als besorgten Kirk neben sich. Und diesmal konnte er Kirk nicht abwimmeln.

"Ich will jetzt wissen, was los ist, Spock! Ich weiß, dass Vulkanier genauso träumen, wie Menschen auch. Aber ich weiß auch, dass vor allem Sie normalerweise keine Alpträume haben. Und ich kann deutlich sehen, dass Sie inzwischen sogar tagsüber darunter leiden. Also was ist los, verdammt noch mal?!"

Spock ertrug es nicht, in der intimen Nähe zu Kirk liegen zu bleiben und warf die Decke von sich. Nackt bis auf die üblichen Shorts ging er wortlos auf die Veranda hinaus. An einen Pfosten gelehnt blieb er stehen und starrte auf die mondbeschienene Ebene hinaus.

Kirk war ihm leise gefolgt. Er berührte ihn nicht, aber seine Präsenz brannte sich so deutlich in Spocks Warhnehmung, dass er ihn nicht ignorieren konnte.

Schließlich begann er heiser und stockend zu erzählen. "Ich hatte wirklich geglaubt, alles überwunden zu haben. Es war während meines ersten Jahres an der Akademie. Es fiel mir schwer, mit den anderen Studenten in Kontakt zu treten, sie lachten über mich, hänselten und verspotteten mich wo sie nur konnten. Ich wusste, dass sie nicht wussten wie sie mir begegnen sollten und zum Teil auch daraus die ablehnende Haltung resultierte. Die Situation wurde immer schlimmer. Immer wieder lauerten sie mir auf und versuchten mich zu verprügeln oder mir sonst irgendwie zu schaden. Um dem zu entgehen konzentrierte ich mich allein aufs Studium, wich allem anderen aus. Eines Nachts, als ich länger als sonst in der Bibliothek gewesen war, überfielen sie mich. Sie verbanden mir die Augen und fesselten mich, so dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Sie zerrissen meine Kleidung und..."

Spock schloß gequält die Augen, als er erneut die Schläge spürte. Als erneut die brutalen und groben Hände in sein Bewusstsein drangen, die ihn an Stellen berührten... Er fühlte erneut, wie er auf einen Tisch gefesselt wurde, nahm die kalte Tischplatte wahr, die Kante, die sich in seinen Unterleib bohrte. Er fühlte, wie einer von ihnen kaltes Öl über ihn laufen ließ und dann brutal in ihn eindrang. Er fühlte erneut den Orgasmus des Menschen, fühlte, wie er sich zurückzog, nur um für den nächsten Platz zu schaffen...

Spock merkte erst, dass er weinte, als er Kirks kühle Finger fühlte, die die Tränen fortwischten. Ohne um Erlaubnis zu fragen, zog ihn Kirk an sich und hielt ihn sanft fest. Durch den körperlichen Kontakt zerbrach der letzte Rest von Spocks mentaler Selbstbeherrschung und die Erinnerungen an die brutale Vergewaltigung flutete durch Kirks Bewusstsein. Sie hatten ihn erst nach Stunden wieder losgebunden und allein gelassen und er war, naß von seinem Blut und deren Sperma zusammengebrochen.

Damals war er nahe daran gewesen einfach aufzugeben. Einfach die Augen zu schließen und sich der Schwärze hinzugeben, die ihn mit sanfter Ruhe anlockte. Keine Demütigungen mehr, keine Schmerzen, keine brennende Einsamkeit...

Aber dann hatte er die Augen geöffnet und hatte durch ein Fenster den Sternenhimmel über der Bucht gesehen und er wusste, dass er nicht aufgeben durfte. Spock hatte sich aufgerafft und war so schnell er konnte in sein Quartier geflohen. Er hatte sich gewaschen und wieder angezogen.

Aber schlafen konnte er nicht mehr.

Es dauerte fast vier Jahre, bis er es wieder wagte zu schlafen. Alles was ihm blieb, war die Disziplin der Meditation. Seit jener Nacht ließen ihn die anderen Studenten seltsamerweise in Ruhe. Vielleicht hatten sie ihr Interesse an ihm verloren, als er am nächsten Tag wie immer in der Akademie erschienen war. Er hatte sich nichts anmerken lassen, hatte niemanden auch nur ahnen lassen, wie elend er sich fühlte. Er kämpfte Tag für Tag, Nacht für Nacht und irgendwann verblasste die Erinnerung. Die Alpträume hielten noch jahrelang an, aber auch sie wurden weniger und er schaffte es schließlich ganz, die Erinnerung in einen Winkel seiner Seele zu verbannen.

Aber er wusste auch, weshalb sie wieder hervorgekommen war...

Er fühlte Kirks kühlen Körper, fühlte das sanfte Streicheln über Schultern und Rücken und langsam entspannte er sich. Die jahrelang zurückgehaltenen Tränen brachen hervor und er begann hart zu schluchzen. Ohne über die Konsequenzen nachzudenken schmiegte er sich in die vertrauten Arme Kirks. Er merkte kaum, dass dieser ihn zurück ins Schlafzimmer führte und sich mit ihm aufs Bett sinken ließ.

Kirk hielt ihn sanft, wiegte ihn fast wie ein Kind, bis sich der aufgewühlte Vulkanier wieder allmählich beruhigte.

Spock sah ihn nicht an, vergrub statt dessen das Gesicht in der Halsbeuge Kirks. Und Kirk ließ ihn gewähren. Dass, was er in dem kurzen mentalen Kontakt erfahren hatte, hatte ihn zu sehr aufgewühlt und kalte Wut brandete in ihm. Er würde herausfinden, wer Spock das angetan hatte und er würde die Betreffenden zur Rechenschaft ziehen. Aber er hatte auch noch etwas anderes erfahren und fast erstaunt bemerkte er die Bereitwilligkeit, mit der Spock seine Umarmung duldete. Fühlte glücklich den sanften Druck, mit dem sich Spock an ihn schmiegte...

Schließlich schlief Spock ein, noch immer eng an Kirk geschmiegt und dieser lauschte den ruhigen Atemzügen, bis auch ihm die Augen zufielen.

In dieser Nacht hatte Spock keine Alpträume mehr.

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Am nächsten Morgen wurde Spock von den leisen Geräuschen geweckt, die ihm sagten, dass sich Kirk in der Küche zu schaffen machte. Es war noch früh am Morgen und die ersten Sonnenstrahlen suchten sich ihren Weg durch das Fenster.

Spock blieb noch einen Moment lang liegen. Er lag noch immer in Kirks Betthälfte, dort, wo er in der vergangenen Nacht schließlich eingeschlafen war. Die Schatten der Erinnerungen huschten noch immer durch sein Bewusstsein, verhinderten, dass er sich entspannten konnte. Ein Schauer lief durch seinen Körper und er rollte sich instinktiv zusammen.

Wieder fühlte er sich so schutzlos und schmutzig wie damals. Daran würde auch Kirk nichts ändern können. T'Pring hatte in den wenigen Tagen und Nächten, die sie mit ihm verbracht hatte, alle Mauern, alle Schutzwälle niedergerissen, die er um jene Erinnerungen aufgebaut hatte. Durch die damalige Verbindung hatte sie von der Vergewaltigung gewusst. Und jetzt hatte sie dieses Wissen genutzt um ihn zu quälen. Zunächst hatte er sich wehren können, doch dann hatte sich die Wirkung der Drogen voll entfaltet und er war ihr schutzlos ausgeliefert gewesen.

Kirks sanfte Nähe, sein Verständnis, hatte die Flut der Erinnerungen etwas eindämmen können. Doch Spock wusste, dass er mehr einfach nicht mehr würde ertragen können. Jede Berührung, jeder Kontakt hatte ihn auf dem Schiff an das erinnert, was er erlebt hatte.

Bitterkeit quoll in ihm empor und ballte sich in ihm zu einem dicken Ball zusammen. Er hatte so sehr gehofft, auf diesem Landurlaub etwas Ruhe zu finden. Mit einer fast irrationalen Intensität hatte er sich an die Freundschaft geklammert, die Kirk ihm anbot. Hatte gehofft, den Mut zu finden, Kirk zu sagen, was er für ihn empfand. Was er sich von ihm wünschte...

Doch T'Pring hatte es ihm unmöglich gemacht. Jede Berührung Kirks verband sich sofort mit seinen Erinnerungen, holte ungefragt die Schmerzen und die Demütigung aus den Schatten seiner Erinnerungen...

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"Hey Spock. Guten Morgen."

Kirks sanfte Stimme ließ ihn zusammenzucken. Er musste wieder eingeschlafen sein, denn inzwischen war es heller Morgen.

Eine kühle Hand lag auf seiner Schulter, streichelte sanft darüber. Spock presste die Lippen zusammen und drehte sich abrupt zur Seite. Übelkeit quoll in ihm empor und er schloß die Augen, legte einen Arm darüber um auf keinen Fall in Kirks Gesicht sehen zu müssen.


Wie oft hatte er sich an Bord nach diesen kleinen, oft unbewussten Berührungen gesehnt? Jetzt ertrug er nichteinmal mehr das...

"Scht. Es ist alles in Ordnung. Ich habe ein Picknick vorbereitet. Wenn Sie einverstanden sind, könnten wir heute einen längeren Ausritt unternehmen..."

Kirk plapperte drauf los. Er wollte um jeden Preis die Dämonen verscheuchen, die er in Spocks gequältem Gesichtsausdruck gesehen hatte. Wenn T'Pring jetzt hier gewesen wäre, hätte er sie vermutlich mit bloßen Händen erwürgen können. Denn für Kirk war klar, dass sie es gewesen war, die letztendlich die Erinnerungen wieder hervorgerufen hatte.

Es tat ihm in der Seele weh, Spock so zu sehen. Alles an dem Vulkanier wirkte angespannt, mühsam. So als würde er um jeden Preis um seine Selbstkontrolle kämpfen. Selbst im Fieber des Pon farr war er ihm nicht so erschienen.

Er ballte hilflos die Fäuste, als er auf den unter der Decke eng zusammengerollten und zitternden Mann hinabsah. Es war nicht fair. Spock fiel es so schwer Berührungen zu erlauben, Nähe zu dulden und dann wurde ihm das angetan! Zuerst die Studenten und dann T'Pring. Es war einfach nicht fair.

Kirk atmete tief durch. "Das Frühstück ist fertig Spock. Kommen Sie, Sie müssen etwas essen. Der Ausflug später wird Sie auf andere Gedanken bringen. Ich kenne einen sehr schönen See, den ich Ihnen zeigen wollte."

Langsam löste sich die Spannung in dem schlanken Körper und Spock streckte sich aus. Er mied Kirks Blick, als er die Decke zurückstrich und aufstand.

"Ich werde duschen und komme dann zum Frühstück, Jim."

Die Stimme ruhig und beherrscht wie immer, die Bewegungen so gleichmäßig und elegant wie er es nicht anders von ihm kannte. Es schien, als wäre alles so in Ordnung wie immer. Doch Kirk wusste, dass eben nicht alles in Ordnung war.

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Kirk lachte aus vollem Hals und trieb sein Pferd noch mehr an. Spock jagte nicht weniger langsam dicht hinter ihm über die weite Ebene. Den Pferden schien das Wettrennen genauso viel Spaß zu machen wie den Reitern und die kräftigen Leiber dehnten sich, kraftvolle Hufe hämmerten auf den Boden und wirbelten hohe Staubwolken auf.

Spock holte langsam auf und Kirk drehte den Kopf, um das Gesicht des Vulkaniers sehen zu können. Er wirkte gelöst aber auch der Wille zum Sieg stand in den kantigen Zügen. Kirk sah wieder nach vorn und sah dass sie sich der flachen Furt eines Flusses näherten. Das Wasser war an dieser Stelle kaum einen halben Meter tief und sie würden gefahrlos durchreiten können. Das wusste er noch aus seiner Kindheit.

Das Wasser schoß nach oben und bildete lange Fontänen, als die beiden Reiter ihre Pferde mit unverminderter Geschwindigkeit in den Fluß trieben. Ein Schwall kalten Wassers sprizte über Spock hinweg und durchnässte ihn in Sekunden bis auf die Haut. Die Kälte prickelte fast angenehm, kühlte den erhitzten Körper. Er trieb sein Pferd noch weiter an, fühlte die animalische Lust an der Geschwindigkeit und der eigenen Kraft in dem Tier. Der Hengst konnte noch schneller laufen und wusste das auch. Spock ließ ihn gewähren, gab die Zügel frei, die er bisher recht knapp gehalten hatte. Der Hengst streckte sich unter ihm, jagte aus dem Wasser und die flache Böschung hinauf. Sie ließen Kirk auf seinem Hengst hinter sich, preschten über die grasbewachsene Ebene. In der Ferne konnte Spock das Ziel ausmachen: eine kleine Baumgruppe.

Er brauchte sein Pferd nicht noch einmal anzutreiben. Der Hengst spürte den Triumpf und jagte auf das Ziel zu, dicht gefolgt von Kirk, der sein bestes tat, sie doch noch zu überholen. Eine seltsame Euphorie erfasste den Vulkanier, als sie nur noch wenige Meter von den Bäumen entfernt waren. Er ließ die Zügel los und warf die Arme in die Luft, genoß den wirbelnden Wind und die rasende Geschwindigkeit des Tieres unter sich. Allein sein Gleichgewichtssinn bewahrte ihn vor einem Sturz, als er die Augen schloß und zuließ, dass seine Empfindungen Logik und Rationalität überfluteten. Nie zuvor hatte er sich derart frei gefühlt. Und für einen Moment vergaß er, was geschehen war.

Der Hengst schoß an den Bäumen vorbei und verlangsamte dann ganz von selbst sein Tempo. Spock spürte es und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Realität. Er parrierte durch und kehrte dann zu Kirk zurück, der sein Tier bereits abgesattelt hatte und damit begann, den bebenden Pferdeleib mit einem Wisch aus trockenem Gras abzureiben.

Spock folgte seinem Beispiel und eine Weile arbeiteten sie schweigend. "Sie sind ein exzellenter Reiter, Spock. Meinen Glückwunsch zu Ihrem Sieg." "Nicht ich habe gewonnen, sondern das Pferd. Er war es, der siegen wollte." Er begegnete Kirks Blick und für einen Moment versank er in dem haselnußbraunen Funkeln. Er genoß es mit Kirk allein zu sein. Fand Halt in der Freundschaft, die ihm der andere entgegenbrachte.

Aus den Augenwinkeln beobachtete er Kirk, wie sich dieser auszog um in dem kleinen See, der von einem Seitenarm des Flusses gespeist wurde, zu schwimmen. Das Wasser war nicht sehr tief und weniger eisig, als dass des Flusses. Ein Umstand, den Spock dankbar annahm.

Er betrachtete den kräftigen durchtrainierten Körper Kirks und nicht zum ersten Mal fragte er sich, wie sich die kühle Haut anfühlen mochte, wenn sie...

"Spock. Kommen Sie auch rein. Dass Wasser ist herrlich erfrischend. Außerdem sind Sie ohnehin schon völlig duchnässt." Kirk stand nahe des Ufers im See. Das Wasser reichte ihm gerade so bis zur Taille und er wartete mit aufgestützten Armen auf die Antwort Spocks. Dieser musterte ihn kurz und ein seltsames Prickeln erfasste ihn, als er den seltsam durchdringenden Blick Kirks sah.

Schnell streifte auch er die völlig verschmutzte Kleidung ab und ließ sich ebenfalls nackt ins Wasser gleiten. Kirk lachte und spritzte ihm kaltes Wasser entgegen. Spock wandte sich ab, um dem zu entgehen, als er spürte, wie ihn kräftige Arme an den Beinen packten und ins Wasser zogen. Schnell holte er tief Luft und tauchte unter. Kirk grinste ihn unter Wasser breit an und schwamm dann mit einigen schnellen Bewegungen davon. Spock folgte ihm. Der Wechsel von warmen und kalten Strömungen ließ seine Haut prickeln und er tauchte zurück an die Oberfläche. Von Kirk war nirgends etwas zu sehen. Dann spürte er erneut eine Bewegung hinter sich. Kirk griff nach seinen Schultern und drückte ihn erneut unter Wasser. Doch diesmal war Spock vorbereitet. Er packte Kirk und schlang ein Bein um die Beine des Menschen, hinderte ihn so daran, wieder davon zu schwimmen.

Kirk grinste und wand sich in dem festen Griff. Beide konnten sehr lange Tauchen und waren ausgezeichnete Schwimmer, wie sie erst vor kurzem während einer Mission auf einem Wasserplaneten erfahren hatten. Spock hatte Kirk damit überrascht, dass er schwimmen konnte. Eine für einen Vulkanier nicht gerade übliche Fähigkeit, da es auf Vulkan keine größeren Wasserflächen gab.

Sie kämpften halb spielerisch, halb im Ernst unter und über Wasser. Balgten sich wie übermütige Schuljungen. Spock lachte nicht, so wie Kirk, aber das amüsierte Funkeln in den dunklen Augen war unübersehbar.

Kirk atmete erleichtert auf. Spock schien den Schrecken, den die Alpträume in ihm ausgelöst hatten, im Moment überwunden zu haben. Die Idee mit dem Wettrennen war also doch nicht so übel gewesen. Kirk wusste, wie ein schneller Galopp die Stimmung aufhellen konnte. Das dieser Effekt auch bei Vulkaniern wirkte, hatte er nur vermuten können.

Schließlich wich er mit einigen kräftigen Zügen von Spock zurück und entkam so dessen unmittelbarer Reichweite. "Kommen Sie, schwimmen wir noch etwas. Und dann machen wir uns über das Picknick her. Es ist schon fast Mittag.

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Kirk beobachtete aus den Augenwinkeln den Vulkanier, der mit ruhigen Zügen im See schwamm. Eigentlich war ihm Spock immer eher als wasserscheu erschienen. Seltsam, dass er jetzt gar nicht mehr aus dem kühlen Wasser kommen wollte... Sogar als es ihm selbst zu kalt geworden war, hatte er noch weiterschwimmen wollen.

Nachdenklich packte Kirk das mitgebrachte Picknick aus, warf dabei immer wieder mal einen Blick auf Spock. Und plötzlich begannen seine Alarmsirenen zu schrillen.

Schnell rannte er ins Wasser und schwamm so schnell er konnte zu Spock, der sich einige Meter vom Ufer entfernt aufhielt.

"Um Himmels Willen Spock!", keuchte er, als er ihn erreichte. Sein Instinkt hatte ihn nicht getrogen. Spock schwamm zwar, aber er war merklich grau im Gesicht und konnte sich vor Zittern kaum bewegen.

Ohne zu Zögern packte er Spock in einem Rettungsgriff unter den Armen und brachte ihn dann rückwärts schwimmend ans Ufer. Es dauerte einen Moment, bis er den völlig unterkühlten Vulkanier an Land gebracht hatte.

So schnell und gleichzeitig vorsichtig wie es ging, rieb er ihn mit einem der mitgebrachten Handtücher trocken. Spock ließ es regungslos über sich ergehen. Er kauerte mit gesenktem Kopf und geschossenen Augen auf der Decke und rang keuchend nach Luft.

"Was hast du dir dabei gedacht, Spock?", brummte Kirk ärgerlich und warf das feuchte Handtuch zur Seite. Die Mittagssonne würde ihm dabei helfen, sich wieder aufzuwärmen. "Himmel! Du bist völlig unterkühlt. Warum bist du nicht eher aus dem Wasser gekommen? Was, wenn du bewusstlos geworden wärest? Der See ist zwar nicht riesig, aber trotzdem noch immer groß genug um es mir fast unmöglich zu machen, dich dann zu finden."

Er machte sich Luft, das wusste er. Er war wütend auf Spock, der doch sonst so umsichtig und vorsichtig war. Der sich nur dann in Gefahr brachte, wenn es absolut notwendig war.

"Bekomme ich wenigstens mal eine Antwort?!" Er funkelte den immer noch heftig zitternden Vulkanier an. Und dann sah er ihn wirklich.

Spock kauerte wie ein Häufchen Elend vor ihm. Der Kopf gesenkt, die Hände im Schoß verkrampft, die Haut noch immer in einem eigentümlich grauen Farbton, die Augen fest geschlossen und mit zitternden Lippen...

War es Absicht gewesen? Hatte er etwa bewusstlos werden wollen? Kirk riß die Augen auf, als er zu begreifen begann. Er wusste, wie privat und zurückgezogen Spock war. Wie sehr er stets darauf bedacht war Berührungen auszuweichen. Von Intimitäten ganz zu schweigen...

Und dann hatte ihn T'Pring dazu gezwungen mit ihr zu schlafen. Kirk war sich sicher, dass auch sie mehr oder weniger direkt dafür verantwortlich war, dass die Erinnerungen an jene Vergewaltigung wieder so stark hervorgebrochen waren, dass Spock kaum damit fertig wurde.

Es musste die Hölle für Spock sein. Er hatte schon damals nicht mehr leben wollen. Hatte es damals nur mit äußerster Mühe geschafft, irgendwie damit fertig zu werden.

Kirk schluckte hart und berührte dann vorsichtig Spocks Kinn, hob behutsam den Kopf. Spocks Augen blieben geschlossen, als er willenlos der Bewegung folgte.

"Spock, du brauchst Hilfe. Du kannst mit diesem Wahnsinn nicht allein fertig werden. Nicht nachdem dir T'Pring praktisch das gleiche noch einmal aufgezwungen hat." Er sprach leise, sanft, legte alle Freundschaft, alle Zuneigung die er für diesen einzigartigen Mann empfand in seine Stimme.

Spock reagierte kaum, kniff lediglich die Augen noch etwas mehr zusammen. Ein Ausdruck von Qual?

"Soll ich McCoy herkommen lassen? Oder soll ich dich nach Vulkan bringen, damit du einen Heiler aufsuchen kannst?"

Spock reagierte, als hätte er ihn geschlagen. Sein Körper zuckte zusammen und er wich von Kirks Berührung zurück. Mit weit
aufgerissenen Augen sah er Kirk an. "NEIN! Kein Heiler! Das, was geschehen ist..."

Spock brach ab und verbarg das Gesicht in den Händen, doch der kurze Moment hatte genügt um Kirk sehen zu lassen, wie sehr Spock innerlich verletzt war. Nie zuvor hatte er eine derartige Qual und Furcht in den dunklen Augen gesehen.

Instinktiv hob er die Hände und wollte Spock in einer schützenden Geste an sich ziehen. Millimeter von der noch immer zu kühlen Haut entfernt stoppte er. Spocks mentale Schilde waren nur noch ein besseres Sieb. Er würde alles wahrnehmen, was er empfand, wenn er ihn jetzt berührte. Schon in der vergangenen Nacht hatte er selbst alles wahrnehmen können, was in Spock vor sich ging. Und er war kein Telepath!

Jetzt verstand er, warum sich Spock auf dem Schiff so sehr von allen zurückgezogen hatte. Es musste die Hölle für ihn gewesen sein, seinen Dienst wie immer zu verrichten. Ständig von unbeherrschten und emotionalen Menschen umgeben...

Andererseits hatte Spock schon oft wahrgenommen was ihn bewegte, auch wenn sie sich nicht berührten. Er beschloss, ehrlich zu  ein.

"Spock. Ich möchte dir helfen. Ich weiß, dass du jetzt mehr als jemals zuvor einen Freund brauchst. Damals warst du allein, doch du bist es jetzt nicht mehr. Ich habe zwar nie etwas ähnlich furchtbares erlebt, aber ich kann versuchen dir dabei zu helfen jene Wunden zu heilen. Du bist mir sehr wichtig und es tut mir weh zu sehen, wie sehr du darunter leidest."

Während er sprach hatte er behutsam nach den schlanken Armen des Vulkaniers gegriffen und zog jetzt langsam den bebenden Körper an sich. Spock widersetzte sich kurz, dann fügte er sich in die Umarmung.

Spock verbarg das Gesicht in Kirks Halsbeuge, ließ zu dass ihn die kühlen Arme des Menschen umfingen. Eine eigentümliche Geborgenheit ging von Kirk aus und begann seine aufgewühlten Empfindungen einzuhüllen. Es war ein angenehmes Gefühl, wie sich Spock scheu eingestand.

Schließlich ließ das Zittern nach und er hob langsam den Kopf. Zum ersten Mal wagte er es, Kirks Blick zu begegnen.

Kirk schluckte, als ihn Spock scheu, fast ängstlich ansah. "Jim, ich..."

Spock schloß kurz die Augen und versuchte es dann erneut. "Bitte bringe mich nicht nach Vulkan. Was geschehen ist, ist schwer genug für mich. Dies alles einem Heiler zu öffnen ist..." Er schloß gequält die Augen und atmete tief durch. Er war zu durcheinander, zu aufgewühlt um einen klaren Gedanken fassen zu können, wusste nur, dass er bei Kirk bleiben wollte.

Und Kirk verstand. Er strich ihm sanft über den Kopf und zog ihn erneut in die Umarmung, hielt den schlanken sehnigen Körper fest an sich gedrückt. "Schon gut, Spock. Ich weiß. Ich bin da. Ich bin immer da für dich", murmelte er in das nasse schwarze Haar.

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Kirk wusste nicht, wie lange sie so saßen. Seine Füße waren  eingeschlafen und die Sonne brannte heiß auf seine bloße Haut. Aber es war ihm egal. Spock brauchte ihn, mehr als jemals zuvor. Und er würde für ihn da sein.

Schließlich löste sich Spock von ihm und rückte etwas zur Seite. Schüchtern suchte er Kirks Blick.
"Deine Füße sind eingeschlafen."

Kirk grinste unwillkürlich. "Und wenn schon. Das ist es mir wert."

Spock hob lediglich eine Braue, ließ Kirks Augen nicht los. "Jim. Meine mentalen Schilde sind fast völlig zerstört. Ich brauche keinen
Heiler, um sie wieder zu schließen, aber ich muß zuächst alle... Reste entfernen und dann neue aufbauen zu können."

Kirk wusste, dass dies für Spock eine schwere Zeit sein würde und nickte verstehend. "Soll ich dich in dieser Zeit allein lassen?"

"Nein!" Es klang fast wie ein Schrei nach Hilfe und Spock kniff sofort die Lippen zusammen, als er Kirks alarmierten Blick sah.

"Nein", fuhr er ruhiger fort. "Das ist nicht nötig. Du bist mir vertraut. Es ist nur so, dass ich in dieser Zeit, die einige Tage andauern kann, kaum Kontrolle über meine telepatischen Fähigkeiten ausüben kann. Ich werde große Teile deiner Gedanken und Empfindung wahrnehmen. Und es ist sehr gut möglich, dass auch du etwas von mir wahrnimmst, auch wenn du kein Telepath bist."

Er sah Kirk ernst an, hoffte das dieser begriff, was das für ihn bedeuten mochte. Kirk nickte ernst. Das Vertrauen, dass Spock ihm schenkte, machte ihn schwindelig. Allein schon die vertrautere Anrede... Von dem völligen Senken der Schilde ganz zu schweigen.

"Ich bin ein Mensch, Spock. Ich bin es gewohnt von emotionalen, unlogischen und unbeherrschten Individueen umgeben zu sein. Bin
selbst einer davon. Es macht mir nichts aus, wenn auch du für einige Zeit in diese Kategorie fällst. Zumal ich weiß, dass dir bei diesem Heilungsprozeß keine andere Wahl bleibt."

Spock atmete sichtlich erleichtert auf und ein Teil der Anspannung wich aus den sehnigen Schultern. Er warf einen Blick auf das
vergessene Picknick neben ihnen. "Das kalte Wasser hat mich hungrig gemacht. Können wir etwas essen?"

Kirk grinste breit und reichte dem Vukanier einen Teller. "Aber sicher doch. Greif zu."

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In den nächsten Tagen lernte Kirk einen Spock kennen, wie er es nie vermutet hätte. Er war nicht launisch oder unbeherrscht. Aber nie zuvor hatte er so deutlich seine Empfindungen gezeigt. Er beherrschte sich, so gut er konnte und die Jahrzentelange Übung half ihm nicht wenig dabei. Dennoch überraschte er Kirk immer wieder mit einem unverhofft hervorbrechenden Temperament.

Er verbrachte viele Stunden in der Meditation. War dann praktisch nicht ansprechbar. Kirk, der genau wusste, dass Spock diese Zeit
brauchte, ließ ihn in Ruhe. Er las viel, oder ging in der Zwischenzeit schwimmen. Aber immer blieb er in der Nähe.

Spock vermied es zu schlafen. Er fürchtete die Alpträume und auch Kirks unmittelbare körperliche Nähe war für ihn nur schwer zu
ertragen. Erst, als er seine Schilde wieder einigermaßen aufgebaut hatte, betrat er wieder das gemeinsame Schlafzimmer.

Kirk, der noch las, drehte sich überrascht um, als Spock hereinkam. In den vergangenen Nächten hatte er meist im Wohnraum meditiert, während Kirk schlief.

Fast zögernd trat Spock an seine Seite des Bettes und schlug die Decke zurück. Er legte sich schweigend hin und wickelte sich fest in
die Decke ein, drehte Kirk dabei den Rücken zu.

Wie ein Kokon, dachte Kirk schmunzelnd. Spock war ruhiger und wieder ausgeglichener geworden. Sie hatten nur wenig unternommen und die Ruhe hatte dem Vulkanier sichtlich gut getan.

"Hallo Spock. Schön, dass du wieder hier schläfst." Kirks Stimme war nur ein sanftes Flüstern und es löste einen seltsam angenehmen
Schauer in Spock aus. Langsam drehte er sich um. Kirk war ihm zwar in den letzten Tagen immer nah gewesen, doch außer beim Essen nie in seiner unmittelbaren Nähe. Er gewährte ihm dadurch die Privatsphäre, die er brauchte, um sich zu erholen.

Auch an diesem Abend hatte Spock eigentlich im Wohnraum bleiben wollen. Nur, dass er es diesmal fast nicht ertragen hatte. Er wollte nicht allein sein. Ungefragt hatte immer wieder die Erinnerung an Kirks sanfte Umarmungen seine Meditation unterbrochen und er begann sich danach zu sehnen. Gestern konnte er es noch beherrschen, heute schon nicht mehr.

Diese so sanfte und doch feste Berührung war so anders gewesen, als alles, was er bisher erlebt hatte. Denn nie zuvor, hatte er aus freien Stücken und ganz bewusst einen intimen Kontakt mit einer anderen Person gesucht. Oh, er hatte mit Frauen geschlafen, dachte er ironisch, als ihm Kalomi, Zarabeth und T'Pring in den Sinn kamen. Doch unter welchen Voraussetzungen?! Und mit jedem Mal hatte es ihn mehr abgestossen. Vielleicht, weil es nie geschah, weil er es wirklich gewollt hatte?

Kirks sanfte braune Augen hielten ihn gefangen und er ließ zu, dass jene unbestimmbare Sehnsuch in ihm mehr und mehr Raum einnahm.

Kirk schluckte trocken. Nie zuvor hatte er einen solch sanften Ausdruck in den tiefbraunen Augen gesehen. Spock sah ihn gleichzeitig scheu, ängstlich und voller Sehnsucht an. Behutsam, um ihn nicht zu erschrecken, hob er eine Hand und strich sanft mit den Fingerkuppen über Wange und Kinn des Vulkaniers.

Ein leichtes Beben lief durch Spock, aber er wich nicht zurück, hielt weiterhin Kirks Blick fest.

Er widerholte die Geste. Strich dann, mutiger geworden, sanft über eine schräge Braue und folgte mit einer Fingerspitze der Kontur eines Ohres.

"Jim..." Es war mehr ein Seufzen, ein Ausatmen. Spocks Lider senkten sich halb und er drehte den Kopf in die Liebkosung.

"Willst du das wirklich?" Kirk flüsterte nur. Spock erschien ihm so verletzlich. Instinktiv spürte er, dass Spock völlig unerfahren war.
Wusste er überhaupt, was er herausforderte?

Die dunklen Augen öffneten sich wieder, begegneten ohne Zurückhaltung seinem Blick. "Ja, Jim. Ich möchte dich spüren. Deine Nähe, deine Berührungen. Aber... ich habe auch Angst."

Eine Flut von Zärtlichkeit für diesen besonderen Mann stieg in Kirk empor. Wusste Spock, dass er auch schon mit Männern geschlafen hatte? Es schien so. Einen Moment lang musste Kirk die Augen schließen. So viel Vertrauen, so viel Zuneigung standen in diesen wunderschönen Augen. War er wirklich immer so blind gewesen, dass er nie gesehen hatte, was Spock für ihn empfand? Auf der Brücke, beim Schachspielen... Immer war da diese Nähe, die unterschwellige Verbindung gewesen.

Und jetzt, da er am verletzlichsten war... Jetzt, da ihn die Vergangenheit eingeholt hatte, fand er den Mut, Kirk offen zu zeigen, was er empfand...

Behutsam beugte er sich vor und berührte sanft die bebenden Lippen mit seinen. Er ließ Spock Zeit, die ungewohnte Berührung wahrzunehmen und zu verarbeiten. Dann wich er zurück, suchte die dunklen Augen.

Da war keine Furcht, keine Abscheu oder Erschrecken. Nur Staunen und Verwunderung. Eine so tiefe Sehnsucht...

Kirk konnte nicht sagen, wer wem entgegenkam, als sich ihre Lippen erneut trafen. Hungrig diesmal, ohne jede Zurückhaltung. Spock stöhnte unterdrückt und instinktiv nestelte Kirk die eng um den Vulkanier gewickelte Decke zurück. Er wollte diesem phantastischen Körper nahe sein, wollte die stahlharten Muskeln unter der samtweichen Haut fühlen...

Spock kam ihm entgegen. Er drängte sich an Kirk, lehnte sich in die festen Liebkosungen, als Kirk seinen Rücken umfing und ihn eng an sich zog. Noch immer küssten sie sich, erkundeten mit Lippen und Zunge den Mund des anderen.

Dieser erste Kuß dauerte eine Ewigkeit.

Schließlich wich Kirk ein wenig zurück. Er stützte sich auf einen Arm und ließ seine Lippen über Wangen, Kinn und Hals des Vulkaniers wandern.

Spock warf mit einem leisen Keuchen den Kopf zurück und bot ihm seine Kehle dar. Kühle Zähne reizten seine Haut und die gespannten Sehnen und jagten Schauer über seinen Körper. Seine Hände krallten sich instinktiv in das Laken, als Kirk küssend, leckend und knabbernd immer tiefer wanderte. Er fand eine der empfindsamen Brustwarzen und entlockte ihm einen leisen Schrei. Spock hatte keine Ahnung gehabt, dass sein Körper so empfindsam war. Selbst Kirks kühler Atem genügte, um das enervierende Prickeln zu verstärken, dass ihn erfasst hatte.

Spock bewegte sich unruhig, sein Kopf pendelte haltlos auf dem Kissen hin und her und er atmete keuchend mit geschlossenen Augen.

Er war wunderschön. Kirk hatte niemals einen schöneren Anblick genossen. Er hatte zwar Spocks Temperament kennengelernt, aber nie eine solche Leidenschaft in ihm vermutet. Sein Körper reagierte mit fast schmerzhafter Intensität darauf. Er sehnte sich danach, mit Spock zu schlafen. Wollte ihn auch in dieses letzte Geheimnis einweihen. Aber er wusste auch, dass er damit alles würde wieder zerstören können.

Spock war vergewaltigt worden. In einem Alter, in dem er keinen blassen Schimmer von Dingen wie dies hier gehabt hatte. Kirk wusste, dass jedes Eindringen am Anfang schmerzhaft war. Zumal Spock keine Ahnung hatte, worauf es ankam... Er wollte ihn nicht wieder derartig verängstigen.

Plötzlich schlug Spock die Augen auf und suchte seinen Blick. Er setzte sich halb auf. Seine Stimme war rauh vor Verlangen, kaum
wiederzuerkennen. "Jim... mein Jim..." Seine Hand wanderte über Kirks Gesicht, erkundete dann sanft die Kontur der Schultern, des Brustkorbes.

"Da ist noch mehr, nicht wahr? Ich meine das, was damals geschehen ist..." Spock schluckte, suchte offensichtlich nach Worten. Er sah kurz zur Seite, dann wieder zu Kirk.

"Lösche diese Erinnerungen aus, Jim. Ich weiß, dass du es kannst. Nimm mir die Erinnerung an den Schmerz..."

"Oh Gott, Spock!" Kirk zog ihn impulsiv an sich. So viel Vertrauen! "Es wird dir am Anfang weh tun und ich weiß nicht, ob ich dir das antun kann. Jetzt noch nicht."

"Bitte Jim. Jetzt habe ich noch den Mut dazu."

Kirk ließ ihn langsam los, umfing dann das geliebte Gesicht mit den Händen. Oh Gott ja. Er liebte diesen wunderbaren, einzigartigen, wunderschönen Mann.

Und plötzlich war es ganz leicht. "Ich liebe dich, Spock. Schon so lange. Und mit jedem Tag, der vergeht, mit jedem Tag an dem ich dich besser kennenlerne, liebe ich dich mehr."

Spock sah ihn atemlos an.
"T'hyla..." Er zog Kirk impulsiv an sich, küsste ihn hungrig und verzehrend. Alles was er sich wünschte, alles was er empfand lag in dieser Liebkosung.

Kirk stöhnte auf, als sein Körper mit überraschender Intensität darauf reagierte. Ohne den Kuß zu unterbrechen, streifte er die Unterwäsche ab, die sie beide noch immer trugen.

Spock spreizte instinktiv die Beine und Kirk kniete sich dazwischen. Dann löste er sich von den weichen Lippen und betrachtete den hochgradig erregten Vulkanier. Blut schoß heiß in sein eigenes Organ, als er fast ehrfürchtig mit den Fingerkuppen über die seidenweiche heiße Haut strich.

Alles an Spock war wunderschön... Er beugte sich vor und nahm die grünliche pulsierende Eichel in den Mund, entlockte Spock damit einen heiseren Schrei.

Der Vulkanier ließ sich kraftlos zurückfallen, völlig verloren in den Empfindungen, die Kirk in seinem Körper auslöste.

Er spürte kaum, dass Kirks Finger sich einen Weg zwischen seine Beine bahnten und sanft den festen Muskelring liebkosten. Erst als eine Fingerkuppe Einlaß verlangte, wurde er sich bewusst was geschah.

Ohne, dass er es wollte, war die Erinnerung wieder da und er stöhnte gequält auf. Er schlug die Hände vors Gesicht und biß sich auf die Lippen um nicht aufzuschreien. Plötzlich war sein Körper eiskalt. Er fühlte nichts mehr.

"Spock!" Kirk starrte entsetzt auf seinen erstarrten Geliebten. Er hatte geahnt, dass Spock so reagieren würde. Dass sein Körper so reagieren würde. Die Wunden waren noch zu frisch...

Langsam streckte er sich neben ihm aus und nahm den bebenden Vulkanier in die Arme. "Spock. Es ist gut. Es ist vorbei. Niemand wird dir jemals wieder so weh tun." Während er ihn sanft murmelnd zu beruhigen suchte, liebkoste er mit den Händen Schultern und Rücken, knetete behutsam den festen Gesäßmuskel, strich über die langen Beine, soweit seine Hände reichten.

Spock schmiegte sich leise schluchzend an ihn. Sein Körper war wie betäubt und er fühlte sich betrogen. Er würde niemals fähig sein, Kirk mit der gleichen Leidenschaft zu begegenen. Er würde niemals zulassen können, dass er wirklich mit ihm schlief...

"Du hast Zeit Spock. Wir haben Zeit, soviel wir wollen. Hier und auch auf der Enterprise."

Langsam versiegten die Tränen und Kirks Liebkosungen halfen die Starre aus seinem Körper zu vertreiben. Lust und Verlangen kehrten zurück und Spock presste sich aufstöhnend an Kirk. Fast trotzig schlang er ein Bein um dessen Hüften, so dass Kirks geschwollenes Glied direkt an seiner Öffnung war.

"Nimm mich, Jim. Ich will es!" Es war eine Bitte, ein Fluch, ein Schrei und Kirk wusste, dass ihm keine andere Wahl blieb. Spock würde niemals den Schock überwinden, wenn er dies jetzt nicht tat.

Mit einer entschlossenen Bewegung zog er Spock noch enger an sich und drückte seine Hüfte nach vorn. Wieder erstarrte Spock, atmete nichteinmal, als er in ihn eindrang. Einen endlosen Moment lang lag Kirk ruhig da, ließ Spock die Zeit die er brauchte. Er fühle sich grauenhaft dabei. Er wollte Spock dies nicht antun. Nur die unglaubliche Enge der heißen Passage erhielt seine Erregung aufrecht.

Spock wimmerte plötzlich und drückte sein Gesicht an Kirks Hals. "Bitte Jim..."

Er hörte die rauhen Worte kaum. Spock war noch immer völlig verkrampft. Himmel! Er würde ihn verletzen, wenn er sich jetzt bewegte.

"Du mußt dich entspannen, Spock. Vertrau mir. Ich werde dir jetzt nicht noch mehr weh tun. Aber du mußt den Muskel lockern."

Es schien, als hätte Spock ihn nicht gehört. Doch dann löste sich, kaum merklich zunächst, die Spannung in dem sehnigen Körper.

Kirk schob eine Hand zwischen ihn und Spock und berührte sanft das nur mehr halb erregte Glied. Er musste Spock ablenken... Behutsam strich er über die seidenweiche Haut, erkundete mit den Fingerkuppen die Struktur, spielte an der kleinen Öffnung an der Spitze. Es dauerte einige Zeit, doch schließlich reagierte Spocks Körper auf die erregenden Liebkosungen und er entspannte sich mit
einem leisen Stöhnen.

Ohne mit dem Streicheln aufzuhören, beugte sich Kirk vor und küsste Spock. Gleichzeitig begann er sich kaum merklich in ihm zu bewegen.

Diesmal blieb Spock ruhig. Sein Verlangen kehrte zurück und er begann sich instinktiv zu bewegen, kam den sanften Bewegungen entgegen. Wieder krallten sich seine Hände in das Laken und er stöhnte unterdrückt, doch diesmal nicht vor Schmerz.

Kirk wurde mutiger und glitt mit jedem Mal etwas tiefer in den heißen Kanal, bis er schließlich eine sanfte Wölbung wahrnahm. Spock schrie kehlig auf und ruckte mit der Hüfte, so dass Kirk noch tiefer in ihn getrieben wurde.

Es war zuviel. Er konnte sich nicht mehr zurückhalten. Und auch Spock hatte die Kontrolle verloren. Er schlang die Beine um Kirks Hüften und presste den Menschen eng an sich. Immer schneller und härter wurden ihre Stöße, bis sie sich schließlich aufschreiend aneinanderklammerten.

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Erst eine kleine Ewigkeit später, wurde sich Kirk wieder seiner Umgebung bewusst. Er lag noch immer auf Spock, der ihn sanft hielt. Und noch immer waren ihre Körper miteinander verbunden.

Langsam zog er sich aus ihm zurück und ließ sich dann, auf einen Arm gestützt, neben dem dösenden Vulkanier nieder. Spock öffnete träge die Augen und suchte Kirks Blick. Er hob die Hand und berührte sanft die Lippen seines Menschen, seines Jim...

"Ich habe nie etwas ähnliches erlebt, Jim. Es war unglaublich schön", flüsterte er kaum hörbar.

Kirk lächelte nur und küsste sanft die Fingerspitzen. Irgendwann in der letzten halben Stunde - oder in den letzten Tagen - hatte sich zwischen ihnen so etwas wie eine Verbindung gebildet. Er konnte Spock in seinen Gedanken spüren, fühlte die Ruhe, die diese gequälte Seele nun endlich empfand. Und er spürte Spocks Liebe für ihn.

Er antwortete darauf und plötzlich hob Spock überrascht die Brauen, als er das Band nun auch wahrnahm, dass zwischen ihnen entstanden war. Fühlte Kirks tiefe Liebe. Und er wusste, dass ihn die Schatten der Erinnerung niemals wieder einholen würden.