Titel: Rückenschmerzen

Autor: Myra

Pairing: K/S, PG-13

Type: ST/TOS, Humor

Summary: Jim braucht dringend Hilfe.

Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte an Star Trek gehören

Paramount.

REV

 


 

Rückenschmerzen

 

„Aua! Au! Autsch! - oh, verdammt. Das tut höllisch weh.“

 

Kirk hatte sich wie üblich mit einer einzigen geschmeidigen Bewegung aus seinem Kommandostuhl erheben wollen. Aber zu seinem großen Schrecken wollte sein Körper einfach nicht auf ihn hören.

 

Mit schmerzhaft verzerrtem Gesicht und Schweiß auf der Stirn, krallte sich der Captain vom Raumschiff Enterprise an den Kanten der Seitenlehnen fest. Dann startete er einen neuen Versuch, sich aus dem Sessel zu hieven.

 

Aber wieder durchfuhr ein stechender Schmerz seinen unteren Rückenbereich und laut ächzend, sackte er in seinen Stuhl zurück. Um den Schmerz wenigstens etwas zu mildern, beugte er seinen Oberkörper so weit wie möglich nach vorne.

 

Durch die ungewohnten Geräusche aufmerksam geworden, legte Kommunikationsoffizierin Uhura ihren Ohrstecker auf das Schaltpult und drehte sich auf ihrem Stuhl zu Kirk um.

 

„Captain, was ist los? Geht es ihnen nicht gut?“, fragte sie beunruhigt.

 

„Brauchen Sie Hilfe, Captain?“, hakte Chekov nach und auch Sulu zeigte eine besorgte Miene. Beide signalisierten deutlich ihre Bereitschaft, im Notfall sofort von ihren Konsolen hochzuspringen. Sie warteten nur auf ein Zeichen.

 

Aber Kirk, über seinen scheinbar so unzuverlässigen Körper verärgert, winkte nur unwillig ab. Von seinen Brückenoffizieren aus dem Sessel hochgehoben und dann womöglich noch zur Krankenstation geleitet zu werden, kam für ihn überhaupt nicht in Frage. Stattdessen drückte er einen bestimmten Knopf auf seiner rechten Sessellehne.

 

„Kirk an die Krankenstation! Pille? Komm sofort auf die Brücke! Ich brauche dich hier. Und bring was gegen Schmerzen mit.“

„Was ist los, Jim?“

 

„Halte keine langen Reden und komm einfach, verstanden? Kirk, Ende.“

 

Erschöpft schloss er die Leitung und stützte die Stirn auf seine Handflächen. So konnte er den Schmerz noch am besten aushalten. Anflüge von Panik versuchte er - so gut es ging - zu unterdrücken und er setzte seine ganze Hoffnung in McCoys legendären, medizinischen Fähigkeiten.

 

Und er musste auch nicht lange auf Erlösung warten. Kurze Zeit später hatte McCoy - nach einer schnellen Untersuchung mit seinem medizinischen Scanner - ein Mittel injiziert.

 

Erleichtert fühlte sich Kirk wieder wie neugeboren und strahlte McCoy an:

 

“Du verstehst wirklich dein Handwerk, Pille.“

 

„Danke mir nicht zu früh, Jim. Du bist noch lange nicht geheilt. Ich muss dich bitten, gleich auf die Krankenstation mitzukommen.“

 

„Warum? Es geht mir doch wieder gut, oder?“, fragte Kirk erstaunt zurück.

 

„Ich muss noch ein paar Untersuchungen machen. Mit dem Rücken ist nicht zu spaßen“, antwortete McCoy. „Und wie ich das sehe, kann zur Zeit auch jemand anderer das Kommando über die Brücke übernehmen“, fügte der Schiffsarzt mit einem Rundblick hinzu, als er das Widerstreben Kirks spürte.

„Na gut. Wenn du meinst, dass es so eilig ist.“

James T. Kirk war nicht darüber begeistert, jetzt die Brücke verlassen zu müssen. Aber McCoys Stimme klang ziemlich ernst und der Captain hatte den Schmerz in noch zu guter Erinnerung. Er erhob sich von seinem Stuhl. Sein Erster Offizier Spock hatte heute dienstfrei und deshalb wandte er sich an Lieutenant Uhura: „Solange nichts anderes anliegt, haben Sie die Brücke.“.

 

Mit diesen Worten verließen Kirk und der Arzt die Brücke in Richtung Turbolift.

 

*

 

 

„Nun mach’ es nicht so spannend, Pille. Was ist denn so schlimm, dass du es mir nicht schon auf der Brücke sagen konntest?“

 

Kirk lag auf der Diagnoseliege im Behandlungsraum, denn McCoy hatte zur Sicherheit noch einmal den Körper des Captains vollständig durchchecken lassen. Aber die ursprüngliche Vermutung hatte sich nur bestätigt.

 

„Du kannst dich wieder aufsetzen, Jim. Die Untersuchung ist beendet.“

 

„Gottverdammt, Pille. Jetzt sag mir endlich, was los ist.“ Kirk war nach der ganzen Prozedur ungeduldig geworden und wollte endlich wissen, was McCoy herausgefunden hatte.

 

„Schon gut, Jim. Du bist in beneidenswert guter Verfassung. Na gut, ein paar Kilos weniger wären besser. Das weißt du ja schon. Aber du hast ein Problem mit deinen unteren Lendenwirbeln, bzw. den fehlenden Muskeln.“

 

 

Kirk hatte sich schon über die ersten Sätze gefreut, aber die Bemerkung über die Wirbel ließ eine Sorgenfalte zwischen seinen Augenbrauen entstehen.

 

„Was soll das heißen? Wie kann das passieren?“, fragte er den Bordarzt besorgt. Inzwischen hatte er sich wieder sein Uniformhemd angezogen und sich aufrecht hingesetzt.

 

„Das ist eigentlich eine ziemlich häufige Alterserscheinung, Jim. Wenn die Wirbel einseitig belastet werden, nutzen sie sich ab. Du hast eine Neigung zur Arthritis, wie wir seit Gamma Hydra IV wissen. Du bist da also grundsätzlich schon gefährdet. Dazu kommen noch das viele Sitzen, insbesondere deine schlechte Körperhaltung und der ganze Stress. Das verkrampft deine untere Rückenpartie und führt zu dieser Überbeanspruchung. Das alles könnte bald ein ernsthaftes Problem werden. Du hast es ja erlebt, wie das enden kann“, dozierte McCoy und spielte damit auf die Ereignisse bei einer der letzten Missionen an. Der damalige Landetrupp mit Kirk, Spock und McCoy hatte durch die Strahlung eines Kometen rapide zu altern begonnen.

 

„Du bist gut, Pille. Das beruhigt mich aber nun überhaupt nicht. Was soll ich denn machen, wenn ich in einer Krisensituation nicht sofort reagieren kann? Ich muss doch jederzeit einsatzbereit sein.“

 

Kirk war aufgebracht. Er konnte es kaum ertragen, wenn sein Körper nicht perfekt funktionierte. Es musste etwas geben, das wieder seine alte Form herstellte.

 

„Kannst du mir denn nicht mit deinen ganzen medizinischen Zaubertricks helfen? Ich bin bereit, alles auf mich zu nehmen, um wieder vollständig fit zu werden. Meinetwegen fange ich sofort wieder mit deiner Diät an.“

 

McCoy deutete spielerisch mit seinem Zeigefinger auf den Captain: „So - so. Und ich dachte, du lebst schon die ganze Zeit danach.“

 

Kirk machte eine Unschuldsmiene, zuckte mit seinen Schultern und hob entschuldigend seine Hände.

 

 

Unbemerkt von ihnen, stand gerade der Erste Offizier der Enterprise im Begriff, auch in den Behandlungsraum zu gehen. Auf der Suche nach dem Arzt war er in McCoys Besprechungszimmer eingetreten. Aber als Commander Spock die beiden vertrauten Stimmen hörte, blieb er abrupt stehen.

 

Eigentlich hatte er sich nur erkundigen wollen, ob es dem Captain inzwischen wieder besser ging. Chekov hatte ihm erzählt, was auf der Brücke vorgefallen war. Es sprach nichts dagegen, sofort den Raum mit den Diagnoseliegen zu betreten, aber Spock blieb nachdenklich davor stehen. Als er sich selbst befragte, musste er sich eingestehen, dass es nur einen Grund für sein Verhalten gab: Neugier. Sich vergewissernd, dass sich ihm niemand von hinten näherte, blieb er lauschend stehen. Als Erster Offizier sollte er schließlich über alle Vorgänge, die seinen Captain betrafen, informiert sein, erklärte er sich halbherzig sein Verhalten.

 

 

*

 

 

“Ich bin kein Wunderheiler, Jim“, fuhr der Arzt - von Kirks Körpersprache unbeeindruckt - fort. „Sollten demnächst noch mal solche Schmerzen auftreten, melde dich sofort bei mir. Aber du musst unbedingt selber etwas dagegen tun. Damit es nicht wieder soweit kommt. Ich habe hier eine Folie mit Anleitungen zu Turnübungen, die du täglich ausführen solltest. Und dann gibt es da noch ein wirklich gutes Mittel ...“

 

„Ach ja. Was denn?“, fragte Kirk interessiert und betrachtete dabei stirnrunzelnd die Anleitung, die ihm der Arzt in die Hand gedrückt hatte. Die vorgeschlagenen Übungen kamen ihm ziemlich seltsam vor.

 

McCoy ließ einige Sekunden verstreichen und erst als er sich ganz sicher war, dass er die volle Aufmerksamkeit seines Patienten hatte, stellte er seine Frage: „Wann hattest du das letzte Mal Geschlechtsverkehr, Jim?“

 

„Also wirklich, Pille. Was hat das denn damit zu tun?“, fragte Kirk erstaunt zurück.

 

„Mehr als du glaubst. Das ist die optimale Bewegung, um die Lendenwirbel beweglich zu halten und Verkrampfungen im unteren Rücken zu lösen. Ich wette, es ist schon eine ganze Weile her, habe ich recht?“

 

Kirk verzog seine Stirn nachdenklich. Pille war sein Freund und ein verdammt guter Arzt, ging es ihm durch den Kopf. Das Ganze klang aber trotzdem nach blühendem Unsinn. Andererseits konnte an der Theorie vielleicht doch etwas daran sein. Pille hatte oft seltsame Ideen, aber er verstand in der Regel sein Handwerk.

 

„Okay, Pille. Könnte sein, dass es schon eine Weile her ist. Aber was soll ich machen? Ich bin der Captain. Ich kann schlecht eine Untergebene zum Rapport auf mein Quartier bitten, oder?“ Und mit ironischem Grinsen merkte Kirk noch an: „Da werde ich wohl für meine therapeutischen Übungen bis zum nächsten Landeurlaub warten müssen.“

 

„Da hast du natürlich recht, Jim. Das ist ein Problem. Damit stehst du auch nicht alleine da. Wir sind eben alle verdammt lang von zu Hause weg. Und du musst als Captain natürlich da besonders aufpassen, auf wen du dich einlässt.“

 

„Und was denkst du über die gute, alte Handarbeit?“, fragte Kirk mit halbem Grinsen. Oft hatte er seinen Charme bei den passenden Gelegenheiten für ihrer aller Nutzen einsetzen können. Aber als Captain eine feste Beziehung auf einem Schiff anzufangen, dass insgesamt fünf Jahre unterwegs war, wollte gut durchdacht sein. Bisher hatte er es sich einfach noch nicht vorstellen können. Und Kirk liebte seinen Job und die Enterprise. Da war ihm der Preis auch nicht zu hoch vorgekommen. Bis jetzt.

 

„Na, du kannst mir ja nicht erzählen, dass das etwas ist, was du nicht sowieso betreibst. Aber das ist nicht die Art von körperlicher Betätigung, die ich im Sinn hatte. Wichtig ist, dass ein ganz bestimmter Teil des Rückens sich bewegt, nicht die Hand. Wenn du weißt, was ich meine ...“, unterbrach McCoy abrupt Kirks Gedanken und fügte augenzwinkernd hinzu:

 

„Tja, aber wie ich das sehe, müssen erst einmal die Turnübungen reichen.“

 

„Diese Übungen?“ Kirk nahm voller Zweifel erneut die Folie zur Hand und studierte noch einmal die Bilder: „Das ist nicht dein Ernst, oder? Wie soll das denn gehen?“

 

 

„Das ist doch nicht so schwierig. Ich mache es dir auch vor. Aber du kennst ja jetzt das Problem. Nimm das bitte ernst, wenn dir deine Gesundheit und damit deine Karriere lieb sind.“ Und dann grinste McCoy süffisant: „Ich würde natürlich auch irgendwann mal gerne wissen, ob dir auch mein anderer Therapievorschlag geholfen hat. Natürlich nur aus medizinischen Gründen“, fügte er noch schnell hinzu.

 

Erst drohte Kirk spielerisch mit seinem Zeigefinger und dann tippte er dem Arzt auf die Brust, während er antwortete: “Aber nur, wenn du mir erzählst, was du so machst, um deine Lendenwirbel beweglich zu halten.“

 

McCoy lachte laut auf und beide Freunde erzählten sich bald wahre und erfundene Geschichten von ihren Abenteuern auf diversen Planeten ...

 

*

 

Das interessierte den Lauscher im Besprechungsraum aber nicht mehr und leise ging er zurück in sein Quartier. Spock hatte noch etwas Zeit, bis seine Schicht begann. Diese Zeit wollte er zum Nachdenken nutzen.

 

Zu hören, dass Jim in Gefahr war, hatte ihn sehr betroffen gemacht. Es war ihm zur zweiten Natur geworden, immer an der Seite von seinem Captain zu stehen und sich sofort schützend vor ihn zu werfen, wenn Gefahr drohte. Er war sogar bereit, dafür sein Leben zu opfern. Das war für ihn auch nichts, worüber er nachdachte, sondern nur eine Selbstverständlichkeit.

Und jetzt stand Jim offensichtlich kurz davor, seinen Kommandopflichten nicht mehr nachkommen zu können. Nur weil ihm ein Sexual-Partner fehlte! Das war ja genauso wie das Pon Farr bei den Vulkaniern!

 

Spock konnte sich sehr gut in diese Lage hineindenken. Denn die Vulkanier gerieten in das Blutfieber - die Menschen würden sagen, sie würden verrückt - wenn sie in dieser bestimmten Zeit keinen Bindungspartner fanden, um den Fortpflanzungsakt durchzuführen. Offensichtlich drohte Jim jetzt ein ganz ähnlich dramatisches Schicksal. Er hatte unerträgliche Schmerzen aushalten müssen und sich nicht mehr selbstständig bewegen können, wie Chekov ihm berichtet hatte.

 

Und McCoy hatte angeordnet, dass der Captain so bald wie möglich den Geschlechtsakt durchführen musste. Jim würde sonst zunehmend körperlich verfallen. Konsequent zu Ende gedacht, wäre es das Ende von seiner strahlenden Laufbahn. Und das hieß vermutlich sogar das Ende ihrer gemeinsamen Zusammenarbeit.

 

Aber es gab für einen Captain in der Tat das Problem, dass er niemanden aus seiner Crew mit seiner Gunst bevorzugen durfte, glaubte Spock McCoys und Jims Worte richtig verstanden zu haben. Der nächste, der einem Captain in der Kommandoreihe nahe stand, war der Erste Offizier. Spock selbst. Er wäre also das kleinste aller Übel. Und es handelte sich um eine akute Notsituation.

 

Also gebot die Logik, dass er sich selbst anbieten musste. Und dann wäre Jim auch vollständig frei von der Schuld, einen Untergebenen besonders bevorzugt zu haben.

 

Hinzu kam, dass Jim ihm schon mehrmals das Leben gerettet und sich immer als Freund bezeichnet hatte. Auch diese Punkte logisch erfasst, ließen für Spock letztendlich nur einen Schluss zu: Er selbst war dafür verantwortlich, dass Jim so bald wie möglich vollständig wiederhergestellt wurde. Und es musste schnell passieren.

 

Mit glühenden Augen und leise vibrierenden Händen arbeite Spock an seinem Computer, um eine Strategie vorzubereiten, ...

 

*

 

Spock hatte heimlich alle Schritte des Captains beobachtet und war ihm nach Schichtende unauffällig in den Gymnastikraum gefolgt. Kirk schien aber seltsamerweise heute für sich bleiben zu wollen, da er sich gleich in den hintersten Winkel verzog. So ging Spock erst einmal in den angrenzenden Raum und arbeite an bestimmten vulkanischen Konzentrationsübungen. Mit seinen scharfen Ohren hörte er aber dennoch jedes Geräusch aus dem Nachbarraum. Nachdem der Captain in seiner Ecke einige Male ziemlich auffällig gestöhnt und geflucht hatte, wagte Spock sich in seine Nähe.

 

 

 

Kirk turnte gerade eine Art Brücke auf der Gymnastikmatte. Dabei hatte er sich rücklings auf seinen Ellenbogen abgestützt. Seine Füße fest auf dem Boden gepresst und die Knie gewinkelt, bemühte er sich, sein schwingendes Becken frei von allen Spannungen zu lassen und dann den eigenständigen Bewegungen zu folgen. Das war eine der Übungen, die ihm Pille empfohlen hatte.

 

Während Kirk seine Lenden immer wieder stoßweise nach oben schwang, versuchte er sich vorzustellen, wie idiotisch blöd er dabei wohl dabei in seiner engen, roten Gymnastikhose aussah. Und plötzlich tauchte zwischen seinen Beinen Spock in seinem Gesichtsfeld auf. Peinlich berührt, ließ er sich mit einem Plums auf den Rücken zurückfallen.

 

„Ich wollte dich nicht stören, Jim. Bitte mache weiter“, beeilte sich Spock, sofort zu versichern, um den Captain zum Weitermachen zu animieren.

 

Kirk lachte verlegen auf. „Ich versuche gerade meine Lendenwirbel etwas beweglicher zu machen. Pille hat mir das empfohlen.“

 

„Das scheint mir sinnvoll. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich mich gerne deinen Übungen anschließen.“

 

Kirk glaubte es kaum und er unterdrückte mühsam ein Grinsen. Er konnte sich den immer so zurückhaltenden Spock so gar nicht bei solchen Übungen vorstellen. Aber er wurde bald eines Besseren belehrt, denn Spock legte sich neben ihn und erhob sich auch zu einer Brücke.

 

Kirk atmete tief durch und kippte dann wieder sein Becken nach oben. Ein Seitenblick bestätigte ihm, dass auch Spock ganz ernsthaft versuchte, diese Übungen nachzuahmen. Ein Lächeln schlich sich über Kirks Gesicht und die eigenen Bewegungen stimulierten ihn. Er begann, sich locker und entspannt zu fühlen. Ein weiterer Seitenblick bestätigte ihm, dass auch Spock voller Energie sein Becken in alle Richtungen schwingen ließ. „Das tut ganz gut, oder?“, versuchte Kirk, nach einer Weile eine Konversation zu beginnen.

„In der Tat, Jim. Eine interessante Übung.“

 

Die Konturen unter der Gymnastikhose ließen am eindrucksvollen Geschlecht des Vulkaniers keinen Zweifel und Kirk ertappte sich bei einer nicht ganz angemessen langen Betrachtung der Auswölbung. Ganz unerwartet begegnete Spock seinem Blick und er senkte verlegen sofort seine Augen. Nicht nur, dass Spock wohl das Ziel seiner Neugier erkannt hatte. Kirk musste auch feststellen, dass die befreiend lockeren Bewegung, aber offensichtlich auch die Nähe des Vulkaniers, ihm eine angenehme Anregung verschafft hatten.

 

Er befürchtete, dass sein Körper bald überdeutlich seine Gedanken wiederspiegeln würde. Sofort ließ er sich wieder auf den Rücken fallen und versuchte sich unauffällig auf die Seite zu rollen. Er gab die Schuld dem Umstand, dass er schon sehr lange seine Abende allein in seinem Quartier verbracht hatte. Der sich neben ihm bewegende männliche Körper war eine Einladung, die seinen Blutdruck steigen ließ.

„Ich habe genug für heute, Spock. Jetzt muss ich erst einmal duschen.“ Kirk hatte das kaum in Richtung Spock ausgesprochen, als er sich schon hastig zu den hinteren Umkleideräumen bewegte.

 

Spock seufzte enttäuscht. Er hatte gehofft, dass jetzt ein guter Zeitpunkt sein könnte, um Jim seinen Vorschlag zur Heilung anzubieten. Nun würde er wieder auf eine neue Gelegenheit warten müssen. Denn es war ihm schon klar, dass er erst eine passende Situation schaffen musste, bevor er ihn von seiner Idee überzeugen konnte.

 

Er ging wieder in sein Quartier zurück, reinigte sich und überdachte die Situation. Dann ließ er sein Programm zur Überwachung von Jims Kommunikation wieder laufen. Das leichte Unwohlsein bei dieser Aktion war fast nicht zu spüren.

 

*

 

Kirk ging erfrischt wieder in sein Quartier zurück. Das Handtuch lag noch über seinem breiten Nacken. Er hoffte, dass Spock nichts von seiner leichten sexuellen Erregung bemerkt hatte. Der Zwischenfall im Gymnastikraum war ihm immer noch etwas peinlich. Das konnte nur an diesen verfluchten Übungen liegen, beruhigte er sich selbst.

Normalerweise hatte er sich gut unter Kontrolle. Kirk fand es aber auch immer noch erstaunlich, dass Spock überhaupt diese Übungen mitgemacht hatte. Aber bei dem Vulkanier wusste er oft nicht, woran er war. In der Regel waren seine Handlungen ja von Logik bestimmt, auch wenn sich das nicht immer auf den ersten Blick erschloss, dachte Kirk grinsend und es ging ihm noch einmal das Bild von Spock in der eng anliegenden Sporthose durch den Kopf.

 

Aber die Lage war ernster, als ihm lieb war. So eine Szene wie heute Morgen auf der Brücke, wollte er nicht noch einmal erleben. Und nur deshalb hatte er es mit dieser Turnerei versucht. Aber nach McCoys Theorie würde sowieso nur ein Geschlechtsverkehr ihn am besten heilen können. Das klang wieder nach einer von seinen genialen Therapien. Gut und schön ... Nichts lieber als das ... Aber, es war bis zum nächsten Landurlaub noch sehr lange hin.

 

Und das war ja schließlich auch keine Garantie für ihn. Es stimmte schon, eigentlich fehlte ihm eine feste Beziehung. Aber es gab niemanden, den er sich vorstellen konnte. Und dann gehörten ja auch zwei dazu. Also blieben ihm doch nur diese Übungen.

 

Sich mit seinen Gedanken immer im Kreis bewegend, setzte sich Kirk - inzwischen wieder in seinem Quartier angekommen - lustlos an seinen Arbeitstisch und schaute sich die restlichen Turnübungen auf der Folie an. Es war keine wirklich attraktive Alternative für ihn dabei.

 

Dann ließ Kirk spielerisch eine Liste seiner weiblichen Besatzungsmitglieder vor sich auf dem Bildschirm ablaufen. Er wusste genau, welche von den Frauen nicht abgeneigt sein würde, auf einen Abend zu ihrem Captain zu kommen. Leise aufseufzend und still McCoy für seine Diagnose, bzw. seinen Therapievorschlag verfluchend, ging Kirk die Liste durch. So richtig begeistern konnte er sich allerdings für keine der weiblichen Besatzungsmitglieder.

 

Doch dann blieb sein Auge bei Dr. Janet Wallace hängen. Sie war auf der Enterprise die Expertin für Endokrinologie. Warum nicht sie?, fragte er sich. Sie war klug und warmherzig.

 

Sie hatten nach den Ereignissen auf Gamma Hydra IV ein kurzes Verhältnis angefangen und er wusste, sie würde sich garantiert über seine Einladung freuen. Ein Date musste ja nicht gleich für das ganze Leben halten.

 

Kurzentschlossen tippte er ihre Quartiersnummer in die Sprechanlage.

 

„Hallo Janet, ich sehe, du hast gerade frei. Hast du schon Pläne für den Abend gemacht?“

 

„Hallo Jim? Was verschafft mir die Ehre? Ist etwas mit den Berichten nicht in Ordnung gewesen?“ Janets Stimme klang verwundert.

 

„Nein, nein. Es ist alles in Ordnung“, beruhigte Kirk sie sofort, „Aber was hältst du von der Idee, einen gelangweilten Captain bei einem Spaziergang in unseren botanischen Garten zu begleiten?“

 

Janets Erstaunen wurde größer, aber sie hatte jetzt eine erste Ahnung, woher der Wind beim Captain wehte und freute sich über das romantisch klingende Angebot. „Was für eine schöne Idee. Soll ich zu dir kommen, um dich abzuholen?“

 

„Das wäre nett. Bis gleich, Janet.“

 

„Äh - so eine halbe Stunde würde ich noch brauchen. Einverstanden?“

 

„Natürlich, bis dann.“ Kirk versuchte, sich vorzustellen, wofür Janet noch soviel Zeit brauchte. Wollte sie sich etwa noch umziehen? Er wusste doch, wie sie aussah. Aber Frauen hatten manchmal solche Ideen. Er beschloss, sich davon nicht irritieren zu lassen.

 

Hätte er aber noch einen Moment länger auf seinen Bildschirm geschaut, wäre ihm vielleicht aufgefallen, dass ein kleines Lämpchen kurz nach seinem Gespräch wieder erloschen war. Kirk hatte diesen Schalter, um gleich optisch festzustellen, ob seine Bordgespräche noch von einer weiteren Person mitgehört wurden. Das diente der Sicherheit. Aber er war viel zu abgelenkt gewesen, um auf so etwas zu achten.

 

*

 

 

Spock saß an seinem eigenen Schreibtisch und stützte seinen Kopf auf die zusammengelegten Hände. Gleich würde Jim einen nicht wiedergutzumachenden Fehler begehen. Davor musste er ihn beschützen. Denn das war als Erster Offizier seine vordringlichste Aufgabe. Und jetzt war der Zeitpunkt gekommen, den Captain davor zu bewahren, seine Reputation zu verlieren.

 

Spock wusste zwar, dass Jim diese Vorschriften nicht sehr ernst nahm. Aber gerade diese Haltung verschärfte das Problem. Was wäre, wenn durch Dr. Janet Wallace der Captain erpressbar würde? Sie war eine erwachsene Frau, aber wie alle Menschen in ihrem Verhalten von unlogischen Gefühlen getrieben. Würde sie verstehen, dass Jim gar nicht anders handeln konnte, wenn er am Leben bleiben wollte?

 

Spock war immer noch ganz erschüttert von der Vorstellung, dass sein Captain eine genauso existenzbedrohende Phase durchleben musste, wie er selbst. Spock stöhnte schwer auf. Ach, wie gut er seinen Captain verstand. Eigentlich war er ja der Einzige an Bord, der Jim wirklich mit jeder Faser verstehen konnte. Und jetzt brauchte Jim Hilfe. Sonst würde er einen womöglich ganz qualvollen Tod erleiden müssen oder noch schlimmer, es zu einem offiziellen Disziplinarverfahren wegen Missbrauch seines Ranges kommen.

 

Spock bebte unwillkürlich bei diesem erschreckenden Gedanken. Nein, nein. Die Logik gebot sofort zu handeln. Es gab nur eine Lösung. Er, Spock, würde sich opfern müssen, um seinen Vorgesetzten am Leben zu erhalten.

 

Spock sprang auf und eilte zur Tür, die sich zischend vor ihm öffnete. Es war ja nicht nur sein Vorgesetzter, den er retten wollte. Es war auch der freundlichste, kompetenteste Captain, den Spock sich vorstellen konnte. Und er hatte so eine ganz besondere Aura. Er war der wichtigste Mann in Spocks Leben ...

 

Spocks eilte zu Kirks Quartier und seine Gedanken wurden immer wirrer, tunnelartiger, je mehr er sich dem Captain näherte. Die immer gleichen Gedanken drehten sich wie in einer Spirale auf nur einen Mittelpunkt zu.

 

 

*

 

„Herein, Janet.“

 

Kirk wunderte sich sehr, als es an seiner Tür summte. Schließlich war es erst fünf Minuten her, dass er mit ihr gesprochen hatte.

 

„Spock? Du bist das?“ Kirk machte große Augen. Mit seinem Ersten Offizier hatte er nicht gerecht. „Entschuldige, ich dachte, es ist ...“

 

Kirks Stimme versackte, als er das angespannte vulkanische Gesicht sah.

Setz dich, Spock. Was ist los? Ist etwas passiert?“, fragte er alarmiert den auffällig blassen Vulkanier.

 

„Nein, Captain. Ich wollte mich nur nach Ihrem Befinden erkundigen“, versuchte Spock, ihn zu beruhigen, und trat weiter in den Raum.

 

Kirk wunderte sich sehr über Spocks unangemeldeten Besuch. Auch das war so gar nicht seine Art. Schon im Freizeitraum war er ja so anders gewesen. Aber die mitklingende Besorgnis in der Stimme des Vulkaniers tat ihm gut.

 

„Nun ja, es geht mir soweit ganz gut. Die Schmerzen sind erst mal weg. Aber - Tja, ich muss wohl noch eine Weile weiter turnen“, antwortete Kirk und räusperte sich. Er war etwas verlegen, weil er sich an den Abbruch der Turnübung erinnerte, hoffte aber immer noch, dass Spock nichts gesehen hatte.

 

„Pille meint, dass es noch eine Weile dauert, bis ich wieder voll einsatzfähig bin“, fügte er noch hinzu.

 

Aber dann fiel Kirk wieder ein, dass er eigentlich gerade damit beschäftigt war, das Problem etwas radikaler anzugehen. In circa 15 Minuten würde Janet vor der Tür stehen. Fast bereute er, die Verabredung getroffen zu haben und deshalb nicht mehr Zeit für Spock erübrigen zu können. In seinen Augen spiegelte sich sein Bedauern wieder und er warf einen, wie er glaubte, heimlichen Blick auf den Vulkanier.

 

Aber er musste verblüfft feststellen, dass Spock ihn die ganze Zeit fast inquisitorisch beobachtet hatte und sich jetzt vor ihm aufstellte.

 

„Ich möchte noch einmal betonen, dass es mir nicht entgangen ist, dass du als mein Captain mir schon fünfmal das Leben gerettet hast. Das erfordert höchste Wertschätzung.“ Spock intonierte seine kleine Rede noch mit unterstreichenden Gesten.

 

„Aber, Spock, ich ...“ Weiter kam Kirk nicht mit seinem Einwand.

 

„Captain! Wir haben noch eine lange Mission vor uns. Es ist logisch, dass wir unsere Kräfte bündeln.“

 

„Das klingt wirklich logisch, Spock. Aber warum setzt du dich nicht? Schließlich hast du mir auch schon oft genug das Leben gerettet. Wir sollten damit quitt sein. Oder nicht?“

 

Kirk unterdrückte ein Grinsen. Seine Sorgen über seine eigene Lage waren für den Moment verschwunden. Er spürte nur noch Neugier auf Spocks seltsame Anwandlungen und sprach weiter: „Es ist meine wichtigste Pflicht, meine Besatzungsmitglieder bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu schützen. Das betrifft natürlich auch meinen Ersten Offizier. Wir sind vielen Gefahren ausgesetzt in diesem Universum.“

 

„Das ist doch selbstverständlich“, fügte Kirk noch rasch hinzu. Er hatte noch keine Vorstellung, wohin dieses Gespräch führen sollte, versuchte aber den offensichtlich aufgeregten Vulkanier zu beruhigen.

 

„Natürlich, Captain“, antwortete Spock und unterdrückte seine Ungeduld. Er wusste, dass Dr. Janet Wallace bald eintreffen würde. Die Zeit drängte, aber das Gespräch verlief noch nicht ganz in die richtige Richtung. „Jim, ich weiß, wie es dir heute bei den Turnübungen ergangen sein muss. Auch ich empfinde Bedauern über deine körperlichen Defizite.“

 

„Tatsächlich?“ Kirks Stimme klang sarkastisch und er hatte sofort die Befürchtung, dass Spock auf seine Unbeherrschtheit bei der Unterdrückung seiner sexuellen Reaktion anspielte. „Es tut mir leid, Spock, ich habe da ein Problem und weiß noch nicht, wie ich das lösen soll. Aber ...“ Kirk wurde auf einmal warm. An der Raumtemperatur konnte es aber nicht liegen. Eher an dem plötzlich so delikaten Gesprächsthema.

 

Aber auch Spock schien plötzlich von einer Hitzewallung erfasst zu sein. Gedrängt von dem Gedanken, dass es jeden Moment zu spät sein konnte, zog er mit einer schnellen Bewegung sein blaues Uniformhemd über seinen Kopf.

 

Mit bloßem Oberkörper stand er dann vor dem Mittelpunkt seiner Sorgen und schaute sein Gegenüber flehend an. „Jim. Ich weiß, um dein Problem und ich möchte mich anbieten. Wenn du mein Angebot annehmen kannst.“ Äußerlich scheinbar ungerührt, hatte Spock es sich dennoch einfacher vorgestellt, seinen Vorschlag zu unterbreiten. Schnell versteckte er seine zitternden Hände hinter dem Rücken und unterdrückte mühsam den Tumult hinter seiner Stirn. Für einen Vulkanier hatte er einen unglaublich leichtfertigen Vorstoß gewagt.

 

Kirks Augen wurden „tellergroß“. Zuerst kam nur ein gehauchtes „Oh?“, über seine Lippen. „Für was zum Teufel, möchtest du dich denn anbieten, Spock?“, fragte er zurück.

 

Dann formte sich eine erste Ahnung in seinem Kopf. Oh mein Gott, dachte Kirk, wie reagiere ich jetzt? Er schlägt mir vor, mit ihm Geschlechtsverkehr zu haben. Kann es dass sein? Unmöglich. Nicht Spock. Woher weiß er überhaupt davon? Hat er es doch in der Turnhalle gesehen? Oder hat Pille etwas ausgeplaudert? Na, das würde ein Nachspiel haben, dachte Kirk grimmig. Aber wie sollte er jetzt auf Spocks Angebot reagieren? Einfach ablehnen ging nicht. Das wäre eine zu große Kränkung.

 

In diesem Moment summte die Türglocke und erlöste ihn von seiner Verwirrung. Eine erste Entscheidung muss getroffen werden, dachte Kirk, denn es war hundertprozentig Janet, die ihn abholen wollte. Erst einmal Zeit gewinnen, nahm er sich vor.

 

„Moment, ich komme.“

 

Gleichzeitig bedeutete er Spock, sich in dem hinteren Bereich seines Quartiers zu verstecken, und ging dann auf den Gang, um vor einer enttäuschten Janet etwas von einer plötzlichen Magenverstimmung zu murmeln.

 

Dann kehrte er tief durchatmend wieder zu Spock zurück.

 

Der Vulkanier hatte sich inzwischen hinter dem Abtrenngitter neben Kirks Bett gestellt und hielt immer noch unschlüssig das blaue Hemd in seinen Händen.

 

„Ich sollte dir mehr Zeit lassen, über mein Angebot nachzudenken, Jim“, sagte Spock. Etwas in ihm hatte zwar mit Befriedigung darauf reagiert, dass Jim Dr. Janet Wallace wieder weggeschickt hatte, aber es war noch ganz unklar, wie der Captain auf sein eigenes Angebot reagieren würde. Spock begann, sich erste Sorgen zu machen, dass es doch nicht erwünscht sein könnte.

 

„Warte, warte! Zugegeben bin ich etwas überrascht. Aber ich möchte es verstehen. Du willst mich retten? Wovor? Und wie?“ Kirk setzte sich mit Schwung auf sein eigenes Bett. Und lud Spock ein, auf dem Stuhl daneben Platz zu nehmen, worauf der Vulkanier aber nicht reagierte.

 

„Ich muss einfach sicher sein, dass du das meinst, was ich jetzt glaube“, fügte Kirk mit weicher Stimme leise hinzu. Unauffällig betrachtete er dabei Spock und insgeheim genoss er sogar die Situation.

 

Dass sein sonst immer so zurückhaltender Erster Offizier mit entblößtem Oberkörper in seiner Kabine stand und ihm Sex anbot, war ein stimulierender Gedanke. Janet war längst vergessen. Er war sich zum ersten Mal der physischen Erscheinung Spocks, beziehungsweise der Wirkung auf sich, richtig bewusst. Gerade in diesem Moment sah Spock in Kirks Augen extrem attraktiv aus. Er konnte nicht verhindern, dass erotische Bilder in seiner Fantasie auftauchten.

 

„Ich habe erfahren, dass Menschen ein Problem mit ihrem Rücken haben können, wenn sie sich nicht regelmäßig sexuell betätigen. In bestimmten Situationen müssen wir unseren biologisch vorgegebenen Bedürfnissen folgen. Wie du weißt, ist mir als Vulkanier diese Problematik vertraut. Da du als Captain keinen adäquaten Partner an Bord der Enterprise finden kannst, erscheint es mir nur angemessen, mich, als deinem rangnächsten Offizier, in dieser Notlage anzubieten.“

 

Spock sprach, als würde er gerade den neuesten Sensorenbericht seiner wissenschaftlichen Station mitteilen, nüchtern und vollkommen gelassen.

 

Kirk wurde es aber ganz heiß und kalt bei diesen Worten. Er hatte also richtig vermutet. Aber er war unsicher, wie er jetzt auf dieses Angebot reagieren sollte.

 

Wäre Spock ein Mensch gewesen, hätte er bestimmt gelacht und etwas in der Richtung gemurmelt, dass die Art der Therapie wohl immer noch der Captain selbst entscheiden sollte. Aber Spock war kein Mensch - sondern Vulkanier. Spock tat nur gut durchdachte, logische Dinge. Oder? Steckte da vielleicht sogar noch mehr hinter diesem Angebot?

 

Kirks Gesicht wurde weich und er lächelte. „Spock ich danke dir für dieses selbstlose Angebot. Ich habe immer gewusst, dass du für mich da bist. Und du wärst sogar bereit ...“ Kirks Stimme verlor sich. Er hatte Hemmungen, es in Worte zu fassen. Nicht weil es um Sexualität ging, sondern weil es Spock war. Er war sich noch nicht sicher, ob der Vulkanier wirklich eine klare Vorstellung von seiner Rettungsaktion hatte.

 

Zögernd näherte sich Spock und setzte sich soweit wie möglich von Jim entfernt zu ihm auf das Bett. Das wiederholte Falten seines Hemdes zwischen seinen Fingern zeigte seine innere Anspannung.

 

In diesem Moment spürte Kirk seine Nähe überdeutlich. Die Körperwärme und der spezielle Geruch des Vulkanier strahlten bis zu ihm herüber. Und er wunderte sich, wie angenehm und fast selbstverständlich ihm Spocks Nähe trotz der ungewöhnlichen Umstände war.

 

Er drehte sich mit seinem Oberkörper halb zu Spock um, der jetzt an seiner rechten Seite saß. Zu gern wäre er mit seinen Fingern über diese so anders getönte Haut gewandert. Aber es war Spock, der da vor ihm saß. Sein Erster Offizier. Er verbot sich, einfach seinen Impulsen zu folgen.

 

„Aber du musst natürlich nicht mit mir ... Meine Güte, ich weiß nicht ... Ich fühle mich natürlich ...“ Es war eine der seltenen Gelegenheiten, die Kirk sprachlos machten. Zum Ersatz legte er seine rechte Hand auf die Bettkante.

 

„Möchtest du mein Angebot nicht annehmen, Jim? Gibt es Gründe, die dagegen sprechen? Habe ich etwas übersehen?“, fragte Spock angespannt, rückte etwas näher und blickte auf Jims Hand, die zwischen ihnen lag.

„Nein Spock, aber ich bin ein Mensch. Ich brauche Gefühle ...“

 

„Hast du denn keine Gefühle für mich?“, fragte Spock leise zurück und war besorgt, wie Jim auf eine so menschliche Frage reagieren würde.

 

„Oh doch, Spock, ich schätze und respektiere gerade dich ganz besonders. Das ist es ja. Ich kann deshalb nicht so einfach mit dir - in das Bett springen. Das wäre doch ...“

 

„Du hast Gefühle für mich, Jim! Damit sind dann alle Voraussetzungen erfüllt. Und ich bin auch bereit.“ Spock hatte gehört, was er wissen wollte und mit diesen Worten rutschte er noch näher heran. Dann ergriff er die Hand zwischen ihnen, legte Kirks Handfläche vorsichtig auf seine rechte Wange und schloss dabei seine Augen.

 

War es für Kirk bis jetzt eine eher theoretische Diskussion über eventuelle Möglichkeiten gewesen, so bekam das Gesprächsthema jetzt eine unerwartet physische Realität. Die warme, männliche Haut Spocks und der feste Griff ließen Schauer über seinen Rücken laufen. Ungläubig beobachtete er das Geschehen wie in einem Spiegel. Er musste sich eingestehen, dass Spock offensichtlich dabei war, ihn nach allen Regeln der Kunst zu verführen, ihn den Tomcat. Dass er je mit seinem Ersten Offizier in einem Bett landen würde, war bis jetzt immer undenkbar gewesen.

 

Spock hatte bis jetzt immer vertrauliche Berührungen zwischen ihnen vermieden. Selbst wenn sie zusammen trainiert hatten. Sein Gesicht zu berühren, hatte immer etwas geheimnisvoll Verbotenes gehabt. Bevor Kirk es noch verhindern konnte, kam ein leiser, sinnlicher Ton aus seinem Mund und er konnte sich nur noch mit Mühe zurückhalten, seinerseits Spock zu berühren.

 

„Spock, du musst das nicht tun. Es gibt andere Wege.“ Er wollte unbedingt vermeiden, dass Spock sich als eine Art Märtyrer für seinen sexuellen Notstand opferte.

 

„Ich möchte es aber, Jim.“ Spock hatte wieder seine Augen geöffnet und nur ein leichtes Flattern der Lider verriet seine innere Aufregung.

 

Deutlich nahm Kirk die Sprechbewegungen mit seiner Hand auf und es ging ihm durch und durch. Er musste sich mit seinem Oberkörper ganz nah zu Spock drehen, wollte er nicht riskieren, dass Spock ihn wieder losließ. Sich dagegen zu wehren, kam Kirk gar nicht mehr in den Sinn. Fasziniert beobachtete er Spock und konnte seinen Blick nicht von dem nahen und katzenhaft sinnlichen Gesichtsausdruck wenden.

 

„Spock, wenn du nicht sofort aufhörst, weiß ich wirklich nicht was passiert. Ich hatte schon lange keinen Partner mehr und du ...“ Kirk fühlte sich schwindlig und er presste seine Augen zu, um Kraft für einen klaren Gedanken zu finden. „Du solltest das nicht tun, Spock“, schaffte er es nur mit Mühe, zu antworten.

 

Kirk spürte, wie ihn die Situation in seinen Bann zog und er sich unbewusst Spock immer mehr zuneigte. Ich hatte ja keine Ahnung, ging es ihm durch den Kopf, dass es so verdammt erotisch sein könnte mit ihm. Aber kann Spock auch noch morgen damit leben, wenn ich jetzt wirklich darauf eingehe?

 

„Soll ich wieder gehen, Jim? Möchtest du das wirklich?“, fragte Spock fast tonlos, und er klang merkwürdig gebrochen. Er schien sich von einem Moment auf den anderen wieder in einen typisch verschlossenen Vulkanier verwandelt zu haben. Und plötzlich ließ Spock auch Jims Hand fallen. Unbewegt starrte er geradeaus auf die Kabinenwand und sagte kein Wort mehr.

 

Erschrocken hielt Kirk scharf die Luft an und gab sich sofort selbst die Schuld für den offensichtlichen Sinneswandel. „Es tut mir leid.“

 

Was er nicht sehen konnte, war Spocks schlagartige Selbsterkenntnis, dass er schon immer seinem Captain so nahe wie möglich hatte sein wollen. Dass er jetzt hier saß, und versuchte Jim zu verführen, war nur der logische Höhepunkt. Er hatte nur die erstbeste Gelegenheit benutzt. Die guten, logischen Gründe waren nur ein Gaukelspiel, das sein scheinbar so unbestechlicher logischer Geist ihm vorgespielt hatte. Das erst jetzt festzustellen, beschämte ihn tief.

 

Aber noch eine zweite Erkenntnis sickerte schmerzhaft in seine Gedanken. Würde Jim ihn jetzt bitten zu gehen, wäre das absolut unerträglich. Es würde ihn darin bestärken, sich bei der nächsten Gelegenheit für seinen Captain zu opfern. Und dieser Gedanke gab Spock wieder die Kraft in Jims Gesicht zu sehen.

 

„Oh nein, Spock. Bitte bleib. Ich wollte dich nicht wegschicken. Ich habe nur ... es ist mein Fehler. Wir sollten ...“, stammelte Kirk hilflos, als er noch ganz benommen versuchte, die neue Situation zu verstehen.

 

Aber vergeblich bemühte er sich, den unbewegten, dunklen Blick des Vulkaniers zu deuten. Als Spock seine Hand losgelassen hatte, war es Kirk fast wie ein Fall ins Leere vorgekommen, ja wie eine Zurückweisung. Und das war plötzlich unerwartet unangenehm. Er bewunderte heimlich Spocks Mut, sich derartig zu offenbaren und war sich nicht sicher, ob er die selbe Größe gehabt hätte. Es war in den wenigen Minuten so viel erotische Spannung zwischen ihnen entstanden, wie er es vorher nicht für möglich gehalten hätte. Und das Wissen, dass Spock ihn offensichtlich wirklich wollte, hatte ganz neue starke Gefühle in ihm geweckt. Intensives körperliches Verlangen hatte sich bereits den Weg in seinen Unterleib gebahnt und verlangte von ihm, jetzt aktiv zu werden.

 

Mit einer schnellen Bewegung machte er entschlossen seinen eigenen Oberkörper frei. „Bitte Spock. Bitte bleib bei mir“, flehte er leise, und Spock schien ihn erstaunt zu mustern. Für Kirk zählte im Moment nur dieser Wunsch. Alle Einwände und Bedenken waren wie weggewischt.

 

Und Spock begann von innen heraus zu strahlen, als er sich plötzlich in einer engen Umarmung mit seinem Captain wiederfand. Kaum hörbar flüsterte er Jims Namen. Innerhalb weniger Sekunden hatte sich ein Freudenfeuer in ihm entzündet und die eisige Starre, in die er sich zurückgezogen hatte, wieder vertrieben.

 

Kirk umfasste Spocks Nacken und suchte die vulkanischen Lippen. Endlich konnte er seinen neuen Gefühlen freien Lauf lassen. Überwältigt, öffnete Spock willig seinen Mund.

 

Die Umgebung und alles andere vergessend, suchten beide immer wieder neue unerforschte Stellen an dem anderen Körper zu berühren und aufgestaute Gefühle ließen sie ungeduldig werden.

 

Zwischen den kurzen Atempausen öffneten beide hastig ihre KLeidung und versuchten, den störenden Stoff so schnell wie möglich loszuwerden.

 

Als beide endlich ganz nackt waren, ließen sie sich gemeinsam auf dem Bett nieder sinken und Kirk schob seinen Unterleib ganz nah heran.

 

Kirk erregte es, den entkleideten Körper Spocks unter seinen Händen zu entdecken und auf seiner eigenen, übersensiblen Haut zu spüren.

 

„Oh, Spock“, flüsterte er in das vulkanische Ohr, aber er bekam als Antwort nur ein leises Wimmern.

 

Dann trafen sich ihre Blicke wieder und Kirk zeigte offen seine sinnlichen Gefühle.

 

„Oh mein Gott, Spock, tut das gut“, stöhnte er in Spocks Mund und suchte mit seiner Zunge erneut in den anderen Mund einzudringen.

 

Sie bewegten ihre Hüften in einem sanften, sinnlichen Rhythmus aneinander.

 

Heftiges Begehren ließ den sonst so beherrschten Vulkanier unterdrückt aufschreien. Am liebsten hätte er sich gleich mit ihm geistig verschmolzen. Aber das würde warten müssen.

 

Kirk wusste von Spocks Wünschen nichts, aber er fühlte sich so lebendig, wie schon lange nicht mehr. Überwältigt von dem fast vergessenen Gefühl der Hingabe an einen männlichen Körper, konnte er gar nicht genug bekommen von Spocks Hingabe. Er hätte am liebsten jeden Zentimeter vom Körper seines Liebhabers gleichzeitig berührt und seine Hände waren fast überall.

 

Das Verlangen, das sie beide erfasst hatte, führte viel zu schnell dazu, dass sich die Spirale des Orgasmus näherte.

 

Das Wissen, dass es Spock war, mit dem er diese Gefühle teilte und der sich ihm willig entgegen wölbte, überwältigte ihn.

 

Sein ganzer Unterleib schien zu brennen und sich auf einen Punkt zu konzentrieren. Die anfangs sanften Bewegungen wurden schnell drängend und hilflos ergab er sich dem ekstatischen Höhepunkt. Und gleich darauf hörte er Spocks Schrei, als auch dieser, sich an Jim festkrallend nicht mehr gegen die Antwort wehrte.

 

Atemlos ließen sie sich auf den Rücken zurückfallen und genossen die Nachwirkungen der gerade erlebten Sensation.

 

Kirk wartete, bis sein schlagendes Herz sich wieder etwas beruhigt hatte. Lächelnd blickte er auf seinen Bettnachbarn.

 

Auch Spock schien noch außer Atem zu sein. Er lächelte mit seinen Augen zurück, strahlte dabei Wärme und Hingabe und das geheime Wissen aus, dass dies nicht die letzte gemeinsame Nacht gewesen sein würde.

 

Kirk streichelte mit seiner Hand zärtlich Spocks Gesicht und der Vulkanier legte als Antwort seine eigenen Fingerspitzen auf die menschliche Wange. Die Geste wirkt schon vollkommen vertraut, dachten beide gleichzeitig und der Captain lächelte in sich hinein. Es formte sich in ihm ein erster Gedanke, dass es wunderbar sein könnte, öfter mit Spock so nah zusammen zu sein.

 

Aber Spock war der Erste, der wieder das Gespräch suchte. Ernst blickte er auf Jim und fragte: „Wie geht es dir?“

 

„Oh Spock. Ich habe das so sehr genossen. Ich hatte ja keine Ahnung ... Es tut mir nur leid, dass es so verdammt schnell vorbei war - Und du?“, fügte er mit weicher Stimme und einem fragenden Lächeln hinzu. “Wie war es denn für dich?“

 

Vorsichtig strich Kirk eine verrutschte, schwarze Haarfranse zurück. Doch dann lachte er laut auf, denn ihm war der eigentliche Anlass von Spocks Frage wieder eingefallen.

 

„Ach ja, du fragst natürlich wegen meines Rückens. Da bin ich mir aber leider überhaupt nicht sicher, ob es schon geholfen hat.“

 

Kirk grinste heimlich in sich hinein, als er ein paar dramatische Versuche machte, sich zu bewegen und dabei scheinbar schmerzhaft aufstöhnte.

 

Spock war im ersten Moment sehr erschrocken und beobachtete Jims Darstellung ratlos.

 

„Jim, was ist los? Soll ich den Arzt holen? Ist dein Rücken wieder schlimmer geworden?“

 

Spock hatte so viel Schuldbewusstsein und Sorge in der Stimme, dass Kirk sein Lachen nicht mehr unterdrücken konnte.

 

„Keine Sorge, Spock. Ich fühle mich so gut, wie schon lange nicht mehr. Aber McCoy hat gesagt, dass die Therapie über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden muss. Wenn es etwas helfen soll.“ Lachend beugte er sich zu Spock rüber. „Vielleicht kannst du mir da in nächster Zeit noch öfter zur Seite stehen?“ Kirk wollte seinem neuen Liebhaber als Anregung noch einen schnellen Kuss auf die Lippen drücken.

 

Aber Spock stoppte ihn mit seiner Hand und machte eine ernste Mine. „Darüber muss ich erst nachdenken, Jim. Ich hatte eigentlich vermutet, dass eine Behandlung ausreichend ist.“

 

„Du hast was?“ Kirk war verblüfft und wollte sich gerade etwas beleidigt zurückziehen. Aber dann bemerkte er den verschmitzten Augenausdruck des Vulkaniers. Das gab ihm eine Ahnung, dass er sich auch privat in Zukunft besser auf eine ganz besondere Art von Humor einstellen sollte. „Du willst also einem Kranken die notwendige Therapie versagen?“ Kirk versuchte, nicht ganz so erfolgreich wie Spock, ernst zu bleiben.

 

„Nach reiflicher Überlegung bin ich aber doch zu dem Schluss gekommen, dass die Therapie fortgesetzt werden sollte. Es wäre unlogisch nach dem ersten Erfolg die Behandlung wieder einzustellen.“

 

Kirk grinste breit.

Und es dauerte nicht lange, und Spock ließ seinen Worten Taten folgen.

 

*

 

Einige Wochen später registrierte McCoy verblüfft Kirks veränderten Gesundheitszustand. Die Beschwerden im Rücken waren wie durch Zauberei verschwunden. Die Werte hatten sich auch radikal verbessert und Kirk hatte sogar ein paar Kilo abgenommen. Aber sämtliche Bestechungsversuche, sogar eine Flasche saurianischer Brandy, um heraus zu finden, wie das so schnell passieren konnte, hatten versagt.

 

Kirk wollte ihm einfach nicht sagen, was los war. Er hatte etwas von einem medizinischen Wunder gefaselt, dabei unverschämt gelacht, und das war alles gewesen. Das ärgerte McCoy maßlos. Denn zu gern hätte er für die medizinische Bibliothek von Starfleet einen Bericht zu dieser aufsehenerregenden Heilung zusammengestellt.

 

Aber er wusste auch, das noch fast drei Jahre auf einem Raumschiff eine viel zu lange Zeit sein würden, um irgendetwas vor dem Bordarzt geheim zu halten. Und McCoy hatte Geduld, sehr viel Geduld.

 

Ende