Titel: Romeo’s bleeding
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Episode: Incident at Cristal Lake

Pairung: The A-Team
Rating: gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Eine von Face Eroberungen endet nicht so erfreulich.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by Bon Jovi.

 

 

This romeo is bleeding
But you can't see his blood

What I'd give to run my fingers through your hair
To touch your lips, to hold you near
When you say your prayers try to understand
I've made mistakes, I'm just a man

 

Natürlich hatte er versprochen, vorsichtiger zu sein. Himmel, manchmal benahm sich der Colonel schlimmer wie eine Mutter. Und gut, dieses eine Mal hatte Hannibal auch recht behalten. Die Blondine mit den langen Beinen und der vermeintlichen Autopanne war tatsächlich ein Lockvogel von Decker gewesen. Aber es hatte schließlich gut geendet, oder? Hannibal und B.A. hatten ihn da herausgeholt und Decker war wieder einmal fluchend auf der Strecke geblieben.

 

Und dass dann diese übereifrige Parkrangerin ihn von einem Bild in der Zeitung wiederkannte und die MP alarmierte – das konnte man nun wirklich nicht ihm ankreiden! Er hatte nun einmal nicht eins dieser Durchschnittsgesichter, die man gleich wieder vergaß. Aber sie hatten auch das unbeschadet überstanden. Und eine ganze Woche lang nur Fischen wäre doch -ehrlich gesagt- auch langweilig geworden, oder?

 

Also waren sie zurück nach Los Angelos, während Decker den Cristal Lake Park mit der Lupe nach ihnen absuchte. Die Jungs hatten sich unter dem Vorwand, auf ihn aufpassen zu müssen, bei ihm einquartiert. Natürlich. Er brauchte ja Babysitter. Tatsache war, dass sie die Annehmlichkeiten des Hauses – auf das er aufpasste, während der Besitzer im Urlaub in Südfrankreich war (diese Agentur für Housesitter zu gründen, war die beste Idee gewesen, die er jemals hatte) – auskosten wollten. So hatte er sich – wenn auch unter Protest – gebeugt und war seither auf Schadensbegrenzung aus. Kaum zu glauben, was Murdock und B.A. aus einer vorher makellosen Küche machen konnten, in nur zehn Minuten und um ein paar lächerliche Sandwiches zuzubereiten.

 

Doch heute Abend hatte er B.A. und Murdock ihren Zankerein ums TV-Programm überlassen. Hannibal war wieder mal mit Andre verabredet und wollte eine neue Rolle aus ihm herausleiern. Er – Templeton Peck – sah sich lieber nach einer Unterhaltung für Erwachsene um. Er hatte sich für eine der Bars entschieden, in denen er wohlbekannt war und dort hatte SIE an der Theke gesessen und nur auf ihn gewartet. Patricia. Eine Versuchung zu groß, um zu wiederstehen. Und weshalb sollte er auch? Sie war jung und hübsch und ungebunden. Sie gab ihm ein sexy-„Versuchs doch“-Lächeln. Es war quasi seine Pflicht, sich ihr zu widmen – denn sicherlich war er doch nur auf der Welt, um Menschen... zumindest wunderschöne Frauen... glücklich zu machen...

 

Peck seufzte, als Patricia sich kurz entschuldigte, um ihre Nase zu pudern, bevor sie die Bar verließen und ein Restaurant aufsuchten, um den vielversprechenden Abend fortzusetzen.

 

Er nippte an seinem Drink und seine Gedanken kehrten zu den Ermahnungen des Colonels zurück. Natürlich sollte er lernen, Nein zu sagen. Oder zumindest, mehr Vorsicht walten lassen und nicht einfach dem Charme jeder Frau erliegen, die ihn auf diese besondere Art ansah. Er wusste, dass die anderen sich oft genug darüber lustig machten. B.A. und Murdock machten ihre bissigen Bemerkungen – aber, hey, das war doch nur der pure Neid. Und Hannibal... nun, der Colonel mochte noch so oft missbilligend den Kopf schütteln, aber am Ende würde er wie immer rechtzeitig auftauchen und seinen Lieutenant aus welcher Gefahr auch immer retten. Zugegeben, das kam hin und wieder vor. Angefangen in den Bordellen in Saigon bis hin zu dieser entzückenden jungen Frau in Kapstadt – aber, hey, das war nicht seine Schuld gewesen. Sie hatte nie gesagt, dass sie verlobt war. Und schon gar nicht, dass ihr Verlobter im gleichen Hotel absteigen würde. Sie waren gerade dabei, sich bei einem vorzüglichen Abendessen im hoteleigenen Restaurant näher zu kommen, als statt des Kellners Murdock auftauchte und ihn unter dem Vorwand, ein wichtiger Telefonanruf würde auf ihn warten, in die Küche schleppte. Keine fünf Minuten später war ein wutschnaubender Mann im Restaurant aufgetaucht, dem irgendeine missgünstige Seele bei seiner Ankunft die ganze Geschichte aufgetischt hatte.

 

Aber dieses Mal bestand diese Gefahr nicht. Patricia war Fotografin und sie war alleinstehend. Da sie viel reiste, war sie nicht daran interessiert, eine längerfristige Beziehung aufzubauen. Sie würde ohnehin nur bis Ende der Woche in der Stadt sein, bevor sie nach Australien flog.

 

Patricia kam zurück und er stand auf. Mann, er war ein Glückspilz. Sicher sah ihr jeder Mann in der Bar nach, egal ob er in Begleitung dort war oder nicht. Langes, blondes Haar fiel über ihre Schultern; ein grünes Kleid, das perfekt die Farbe ihrer Augen betonte, zeigte sehr viel leicht gebräunte Haut. Und, man, diese Beine... praktisch endlos.

 

Was sollte daran falsch sein?

 

Patricia schlug vor, den Rest des Abends bei ihr zu verbringen. Es gab ein Restaurant ganz in der Nähe ihrer Wohnung, von dort könnten sie sich etwas liefern lassen.

 

Er würde das nächste Mal vorsichtig sein, dachte er. Das nächste Mal, Colonel...

 

* * *

 

Es war perfekt, obwohl sie auf das Essen verzichteten, um einen Appetit ganz anderer Art zu befriedigen. Champagner, Satinlaken und das weiche Plätschern romantischer Musik im Hintergrund, die zum Tanzen einlud – keine Viertelstunde nach der Ankunft in ihrem luxuriösen Apartment befand er sich in ihrem Schlafzimmer.

 

Patricia summte leise, als sie sein Hemd aufzuknöpfen begann und ihre schmalen Hände darunter schob.

 

Das war es, für das er alle Risiken bereitwillig einging. Patricia lächelte, als würde sie seine Gedanken lesen und zustimmen. Ihre roten, vollen Lippen öffneten sich einladend und er beugte sich nur zu bereitwillig zu ihr hinab und küsste sie. Es gab nichts auf dieser Welt, dass diesem Gefühl gleichkam, dem Duft, dem Geschmack, den Anblick einer schönen Frau in seinen Armen, nichts auf dieser Welt...

 

...und im nächsten Moment explodierte ein betäubender Schmerz in seinem Kopf und spürte sich selbst fallen. Es war als würden Patricias große, grüne Augen über ihm in der Luft tanzen. Und dann gingen die Lichter aus.

 

* * *

 

“Zeit aufzuwachen; Facey.”

 

Die vertraute Stimme kam durch den Nebel in seinem Kopf, unnachgiebig, riss ihn aus der gnädigen Dunkelheit. Er stöhnte leise.

 

„Der Arzt hat gesagt, du solltest jetzt wach werden.“ Die Stimme wieder, sanft aber unerbittlich. „Na komm’ schon, du alter Faulpelz. Mach’ die blauen Äuglein auf, Face.“

 

„Hör’ auf zu schreien!“, krächzte er und blinzelte. Sein Kopf pochte, ihm war übel und der Raum war viel zu hell beleuchtet. Wer hatte diesen verdammten Scheinwerfer über ihm angebracht? Das Ding brannte ihm ja die Netzhäute aus. Er war müde und durstig und jeder Teil seines Körpers schmerzte. „Was... was ist passiert?“ Seine Kehle fühlte sich an, als hätte er mit Kieselsteinen gegurgelt. Er zwang sich, die Augen offen zu halten und starrte den Piloten an. Was hatte Murdock in Patricias Schlafzimmer zu suchen?

 

„Was ist passiert?“, äffte ihn Murdock nach.

 

Face griff sich mit einer erbärmlich zittrigen Hand an den Kopf, der ihm in Gefahr schien, von der lauten Stimme des Piloten von seinen Schultern geblasen zu werden. „Geht das ein wenig leiser?“, murmelte er und schluckte gegen den ekelhaften Geschmack in seinem Mund an. Gott, er fühlte sich, als müsste er sich gleich übergeben.

 

„Murdock.“ Hannibals Stimme kam von irgendwo außerhalb seiner Sicht. Und der Colonel brüllte ebenfalls. „Lass’ ihm ein wenig Luft. Immerhin hat er einen ziemlich Schlag auf den Kopf bekommen.“

 

„Schlag auf den...“, begann Face verwirrt. „Ich dachte, ich...“

 

„Was hast du gedacht?“, fragte Murdock.

 

Das Gesicht des Piloten verschwamm vor seinen Augen und Face hob die Hand, um über seine brennenden, trockenen Augen zu reiben. Was zum Teufel... Er wurde sich bewusst, dass er halb aufrecht saß, sein Oberkörper von einem Kissen gestützt. Er versuchte sich ein wenig mehr aufzusetzen, doch die Bewegung – vielleicht schon der Gedanke an die Bewegung allein – ließ die Übelkeit stärker aufwallen und drohte seinen Kopf zum Zerplatzen zu bringen.

 

„Langsam, Face.“ Murdocks Stimme war auf einmal besänftigend und ruhig. Er griff nach seinen Schultern und half ihm, sich mehr aufzurichten, schob ein zweites Kissen in seinen Rücken.

 

Face schluckte, noch immer nicht ganz sicher, ob sich sein Magen dafür entschied, zu bleiben wo er hingehörte... Langsam nahm er mehr von seiner Umgebung war. Weise Wände? Der Pilot saß auf der Bettkante, hielt seine Hand, als wäre er ein kleines Kind. Unangenehm berührt entzog er sie ihm. „Verdammt, Murdock. Ich liege nicht auf dem Totenbett.“ Doch dann sah er, dass Murdocks Hand bandagiert war und er vergaß sofort sein Missfallen. „Wie ist das passiert?“

 

Der Pilot schmollte. „Du bist ja wirklich mit einer zauberhaften Laune aufgewacht, Face. Wenn ich das gewusst hätte, hätten wir dich schlafen lassen. Es ist nicht meine Schuld, dass dir jemand den Schädel verbeult hat.“ Er blickte mit einem Seufzen auf den Verband. „Das ist nichts, ich habe mich nur geschnitten. Ich schätze, wir müssen ein paar neue Gläser kaufen, bevor der Besitzer deines Hauses zurückkommt.“

 

„Murdock! Was habt ihr zum Teufel mit meiner Küche angestellt?“, fragte Face drohend – nun ja, es klang eher erbärmlich.

 

„Zumindest ist mein Kopf heil geblieben“, erwiderte der Pilot eingeschnappt.

 

“Mein Kopf…” Face versuchte, sich an irgendetwas zu erinnern. Aber das letzte, dass er wusste, war die Ankunft in Patricias Apartment und die Champagnerflasche, die sie aus dem Eisschrank geholt hatte. Diese Beine und dieser Hintern, als sie sich vorgebeugt hatte, um die Flasche... Unwillkürlich breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus. Patricia, diese Beine... diese Augen!... diese...

 

„Lieutenant!“ Hannibals Kommandostimme drang wie ein Messer in seinen Kopf. „Vielleicht lässt du uns an deinen Gedanken teilhaben?“

 

Face schluckte. Das sicherlich nicht. Und Hannibal würde ihn dieses Mal nicht so einfach vom Haken lassen. Er starrte den Colonel an, der nun hinter Murdock stand, eine Hand auf der Schulter des Piloten. Er würde um eine Gardinenpredigt nicht herumkommen, dass wusste er. Aber zumindest einen Aufschub... „Wo bin ich?“, fragte er und ließ sich tiefer in die Kissen zurücksinken.

 

„Im Krankenhaus“, sagte Murdock. „Jemand hat dich heute Nacht in einer ziemlich üblen Gegend gefunden. Hinter dem Steuer der Corvette zusammengesackt, mit blutendem Kopf und bewusstlos.“

 

„Und du hast verdammtes Glück, dass noch kein Cop hier aufgetaucht ist, um herauszufinden, wer du bist.“ Hannibal kaute auf einer kalten Zigarre. Seine Augen hatten einen Grauton angenommen, der zeigte, wie wütend er war, auch wenn weder sein Gesicht noch seine Stimme etwas davon verrieten. „Wenn ich nicht zufällig auf dem Rückweg die Meldung über den Polizeifunkscanner im Van gehört hätte, dass ein unbekannter Mann verletzt in einer Corvette aufgefunden worden war, und sie nicht das Kennzeichen durchgegeben hätten, würden wir jetzt noch nicht wissen, was los ist. Wir müssen von hier verschwinden, sobald es nur geht. B.A. ist draußen und hält Ausschau nach MPs. Aber so wie es aussieht, ist noch alles ruhig. Aber es kann nicht mehr lange dauern, bis die Polizei hier auftaucht, um eine Aussage von dir zu erhalten. Oder dich womöglich bereits identifiziert hat.“

 

Das war alles etwas zu viel für seinen benebelten Kopf. Aber eins... „Blut? Ihr meint, da ist Blut auf den Sitzen meiner Corvette? Und auf dem neuen Anzug?“

 

Murdock schüttelte den Kopf und sah weg.

 

Hannibal seufzte laut. „Wer war sie, Lieutenant?“, fragte er mit einem resignierten Unterton.

 

„Wer war wer?“ Face versuchte es weiter damit, sich dumm zu stellen.

 

Er räusperte sich, als sich Hannibals Augen wütend verengten und er sich vorlehnte. „Das Mädchen, das vor ein paar Minuten  dieses lüsterne Grinsen auf dein Gesicht zauberte.“

 

„Wer hat was von einem Mädchen gesagt?“ Face versuchte seine beste Unschuldsmiene, doch offenbar hinderten ihn seine Kopfschmerzen daran, denn Hannibal sah nur noch wütender aus. Er blickte Murdock hilfesuchend an. Doch der Pilot weigerte sich noch immer, ihn anzusehen.

 

„Es geht immer um ein Mädchen. Also heraus mit der Sprache, Lieutenant. Jetzt!“

 

“Okay. Okay.” Face seufzte gequält. “Da war ein Mäd... eine Frau....“

 

„Immer der gleiche, gute, alte Faceman“, ließ sich der Pilot vernehmen. Er lachte humorlos.

 

Face warf ihm einen fragenden Blick zu, bevor er weitersprach. „Das letzte, an das ich mich erinnere... Also wir... wollten... nun...“

 

„Nur nicht so schüchtern, Face“, kam es sarkastisch von Murdock. „Sonst verschweigst du uns deine Liebesabenteuer doch auch nicht.“

 

„Schon mal davon gehört, dass ein Gentleman genießt und schweigt?“, gab Face bissig zurück. Verflucht, sein Kopf brachte ihn fast um und Murdock hackte auf ihm herum. „Wir haben uns in dieser Bar kennen gelernt und...“

 

„Nicht wahr? In einer Bar?“, unterbrach ihn der Pilot erneut. „Wie machst du das nur immer, Facey? Du solltest ein Buch schreiben, weißt du...“

 

„Wer war sie?“ Hannibal hielt Murdock von einem weiteren Kommentar ab.

 

„Ihr Name ist Patricia“, murmelte Face verlegen.

 

„Patricia wer? Hast du sie schon einmal getroffen?“ Ohne den Blick von Face zu lassen, griff Hannibal nach Murdocks Handgelenk, hielt ihn davon ab, weiterhin nervös an der Bandage um seine linke Hand zu zerren. „Wie lange kennst du sie schon?“

 

Face zuckte mit den Schultern. „Ich habe sie zum ersten Mal dort gesehen, okay? Sie ist Fotografien und nur auf der Durchreise in der Stadt.“

 

„Face!“, erwiderte Hannibal sarkastisch. „Wie oft noch!“

 

„Das war keine Falle“, verteidigte sich Peck.

 

„Und woher weißt du das so genau?“

 

„Weil... weil ihr mich in einem Krankenhaus gefunden habt und nicht im Gefängnis, in Roddys liebevoller Obhut!“ Face schloss die Augen, er spürte sein Gesicht brennen. Wie oft war er schon in einem Krankenbett aufgewacht, vorgebend dass alles einfach prächtig war... Zu oft! Er musste wirklich etwas in seinem Leben ändern. Er blinzelte, um die Reaktion seines Colonels zu sehen.

 

„Ja, dieses Mal.“ Hannibal seufzte und rieb sich das Kinn. Leider zeigte sein Gesicht so gar kein Mitgefühl. „Okay. Glaub’ nicht, dass es damit erledigt ist, Kid. Wir werden wieder einmal DIESES Gespräch haben müssen.“

 

„Aber...“, begann Face.

 

„Kein ABER, Lieutenant.“ Hannibals Stimme war pures Eis. „Wir haben genug Zeit verschwendet. Wir müssen dich hier herausholen bevor es Decker tut.“

 

Face hasste es, wie ein Zwölfjähriger behandelt zu werden. Und verdammt noch mal, sogar damals hatten die Patres im Waisenhaus mehr Vertrauen in ihn gehabt, als Hannibal. „Mein Kopf tut weh“, erwiderte er trotzig. „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe.“

 

Murdock seufzte und warf ihm einen „Fordere es lieber nicht heraus“-Blick zu, doch Face ignorierte ihn, wie ihn der Pilot zuvor ignoriert hatte.

 

„Dein Kopf wird nicht das einzige bleiben, dass wehtut, außer du hörst sofort mit dieser Show auf, Lieutenant.“ Hannibal warf ihm einen wütenden Blick zu. „Ich schlage vor, du hältst jetzt den Mund und versuchst dich lieber zu erinnern, wie eine Nacht mit einer Fotografin damit enden konnte, dass du mit blutigem Kopf in deinem Auto gefunden wirst.“ 

 

Face öffnete den Mund, doch etwas an der Haltung des Colonels und dem warnenden Blick, mit dem ihn Murdock bedachte, ließen ihn stumm bleiben. Es war vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt, sich zu streiten. Statt dessen hob er die Hand und betastete den Verband, der praktisch den ganzen Kopf bedeckte.

 

„Auch wenn ich ungern dein Selbstbewusstsein dämpfe, Face – wir haben deine Sachen gecheckt“, fuhr Hannibal fort. „Deine Uhr ist weg, genau wie deine Brieftasche.“

 

„Die Uhr habe ich beim Poker gewonnen“, meinte er kleinlaut. „Kein großer Verlust. Ich hatte nicht viel Geld in der Brieftasche, aber ein paar exzellent gefälschte Kredit- und Visitenkarten.“

 

„Aber nichts, was auf deine wirklich Identität schließen lässt, oder?“ Murdock betrachtete ihn. „Ich meine, das ganze war schlampig, Face, aber du bist doch sicher nicht so schlampig gewesen?“

 

„Nein! Natürlich nicht.“ Face tastete noch immer den Verband ab. “Was ist mit meinen Haaren?”, fragte er ahnungsvoll.

 

Der Pilot blickte ihn unschuldig an. „Du hattest da eine ziemlich hässliche Platzwunde. Ich schätze, sie musste es abschneiden, um sie nähen zu können.“

 

„Nähen? Platzwunde?“ Face fuhr auf, was ihm einen neuen Schwindelanfall einbrachte. “Sie haben mein Haar abgeschnitten?”, presste er durch zusammengebissene Zähne.

 

„Womöglich sogar ganz abrasiert...“ Murdock beugte sich vor und drückte ihn sanft zurück. „Ganz ruhig, Facey. Es wird wieder nachwachsen. Ganz bestimmt.“

 

„Spiegel! Besorg’ mir sofort einen Spiegel!“, verlangte Peck. „Ich muss mir das ansehen!“

 

„Wir haben jetzt keine Zeit für so etwas.“ Hannibal warf Murdock einen strafenden Blick zu. Seine Stimme verbot sich jeden Widerspruch. „Die Bandage bedeckt ohnehin alles, es gibt nichts zu sehen.“

 

„Aber mein Haar...“

 

Von draußen war das laute Hupen eines Autos zu hören. Hannibal trat zum Fenster und warf einen Blick nach draußen. „Das war B.A. – die Polizei ist im Anmarsch. Los, aus dem Bett, Lieutenant. Ich helfe dir, dich anzuziehen. Murdock, du verschwindest von hier und nimmst die Corvette. Wir treffen uns im Haus.“

 

Der Pilot nickte, sprang auf und griff sich die Schlüssel, die auf einem Schränkchen neben dem Bett lagen.

 

„Hannibal – wenn meine Corvette auch nur einen Kratzer...“ Dann fiel die Tür hinter ihm zu und Murdock eilte den Korridor entlang.

 

* * *

 

Eine gute Stunde später fand sich Face auf dem Sofa wieder, mit immer noch brummendem Schädel. Er hatte sich geweigert, sich wieder ins Bett zu legen. Allerdings war das wohl keine so gute Idee gewesen, denn die Mienen seiner Freunde sprachen Bände – und das hob seine eigene Laune so ganz und gar nicht. Er stützte den bandagierten Kopf in eine Hand.

 

„Bist du okay, Face?“ Murdock erschien in seinem Blickfeld und stellte vorsichtig ein Glas mit Orangensaft vor ihm auf den niederen Glastisch.

 

„Warum sollte ich nicht okay sein? Es geht mir großartig“, knurrte Face. „Mein Kopf tut weh, man hat mir die Haare abgeschnitten und ich kann mich an die halbe Nacht nicht erinnern. Es ging mir nie besser!“

 

„Na prima“, gab Murdock im gleichen Tonfall zurück. „Es würde mir wirklich das Herz brechen, wenn dir dieser kleine Zwischenfall zufällig deine blendende Laune verdorben hätte.“

 

„Schön, dass du dir keine unnötigen Sorgen um mich machst.“

 

Sobald sie das Haus erreicht hatten, war er ins Bad gelaufen und hatte sich vor den Spiegel gestellt. Das Gesicht, dass ihn begrüßte, war unverletzt, aber ein wenig zu blass – und er war nicht wirklich von den dunklen Ringen unter seinen Augen begeistert. Dann hatte er die Zähne zusammengebissen und begonnen, die Bandage abzuwickeln. Erleichtert hatte er festgestellt, dass seine Haare noch vorhanden waren. Das hieß, abgesehen von einer Stelle am Hinterkopf, wo er die blanke Haut und die durch Gaze verdeckte Wunde spüren konnte. Er hoffte, dass sein Haar dort wieder nachwuchs. Verdammter Murdock! Ihm so einen Schreck einzujagen und zu behaupten, sie hätten ihm den Schädel kahlrasiert. Er wickelte die Bandage wieder um seinen Kopf. Dafür fehlte ihm nun wirklich jeder Humor.

 

Bei diesem Gedanken griff sich Face unwillkürlich wieder an die Bandage. Dafür hatte Murdock noch was gut. Er starrte ihn sauer an, während er an seinem Orangensaft nippte.

 

„Bist du noch nicht fertig damit, deine Haare zu zählen?“, fragte der Pilot, dem die Geste nicht entgangen war.

 

Face zog eine Grimasse. „Du verstehst das natürlich nicht. Ich schätze, dir würde so eine kleine kahle Stelle nichts ausmachen, aber du verlierst deine Haare ja auch schon seit einer Weile. Da fällt so was weniger ins Gewicht. Mein Haar dagegen ist ein Kunstwerk!“, sagte er eisig.

 

Murdock schnappte nach Luft. „Ich und...“

 

„Das reicht!“, schnitt Hannibals Stimme durch den Raum. Er trat zu den beiden Streithähnen. „Nur weil du Kopfschmerzen hast, brauchst du nicht dem Rest von uns auch welche zu bereiten. Du hast nur bekommen, was du verdienst – und jetzt herrscht Ruhe! Murdock, warum gehst du nicht nach draußen und hilfst B.A. mit dem Van?“

 

Doch der Pilot zog nur seine Mütze tiefer in die Stirn, verschränkte die Arme vor der Brust und schmollte.

 

Face lehnte sich zurück und rieb sich übers Gesicht. Die Worte des Colonels hallten noch immer in seinen Ohren. Verdammt, er fühlte sich wie ein Idiot. Schlimmer noch, er benahm sich wie ein Volltrottel. Nur, weil er sich gekränkt fühlte, auf eine... eine... hereingefallen zu sein, ließ er das an den Jungs aus. Und vor allem an Murdock, der am wenigsten dafür konnte. „Es... es tut mir leid.“ Er zauberte ein entschuldigendes Lächeln auf sein Gesicht. Schließlich war er Face – der Mann mit den tausend Gesichtern. „Es tut mir wirklich leid. Entschuldige, Murdock, dass ich dich eben so angefahren habe. Das alles hätte nie passieren dürfen.“

 

Hannibal nickte ernst. „Sehr richtig. Ich hoffe, du hast deine Lektion endlich gelernt.“

 

“Er ist eben der Mann, der niemals nein sagen kann”, kam es ironisch von Murdock, doch der Pilot lächelte schon wieder und nahm ihm das leere Glas ab.

 

„Danke für den Saft“, sagte Face und aus dem Lächeln wurde ein Strahlen. Er lehnte sich vor und drückte Murdocks Arm. „Und mach’ dir wegen der zerbrochenen Gläser keine Gedanken. Sag’ mal, würdest du mir irgendwas zu Essen machen? Ich bin echt hungrig.“

 

Hannibal warf ihm einen Blick zu, der sagte, dass er sich nicht täuschen ließ, aber seine Bemühungen anerkannte.

 

„Etwas zu essen. Aber klar, Facey. Sofort.“ Murdock bemühte seinen “Französischer-Chefkoch”-Akzent. “In einer Minute.” Er wirbelte aus dem Raum, wieder ganz sein altes, quirliges Selbst.

 

Hannibal setzte sich neben Face aufs Sofa und zog eine Zigarre aus der Jacke. Er zündete sie an. „Ich könnte jetzt sagen, dass ich dich gewarnt habe“, meinte er. „Aber das habe ich schon zu oft gesagt, ohne dass es etwas nutzte. Du siehst eine hübsche Frau und all das Blut verlässt fluchtartig dein Gehirn.“

 

„Ich weiß.“ Face starrte auf den Boden. “Und es tut mir leid, Hannibal. So etwas wird nie wieder passieren.“

 

Hannibal lachte leise. „Und es klingt so überzeugend, Kid. Ich wäre fast versucht, zu glauben, dass du wirklich meinst, was du sagst.“

 

„Dieses Mal meine ich es ernst, Colonel.“

 

„Na gut.“ Hannibal ließ seinen Blick dem Rauch folgen, der von seiner Zigarre zur Decke hochstieg. „Wir werden sehen, Kid. So wie es aussieht, hat dich dein Glück nicht ganz im Stich gelassen. Oder genauer gesagt, dein Dickschädel.“ Er drückte Face Schulter, als er aufstand. „Ich schlage vor, du isst jetzt, was dir Le Chef zaubert und dann legst du dich hin. Ich habe vor, heraus zu finden, wer meinem Lieutenant wegen einer goldenen Uhr und ein paar Dollar fast den Schädel eingeschlagen hat und bis dahin musst du wieder auf dem Damm sein. Schließlich bist du der einzige, der weiß, wie diese Dame aussieht.“

 

„Okay“, erwiderte Face kleinlaut. „Aber wo willst du sie finden, Hannibal? Es gibt Tausende von Hotels, Bars und Restaurants in der Stadt. Sie könnte überall arbeiten und ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wo ihre Wohnung war. Falls es überhaupt ihre Wohnung war, zu der wir gefahren sind.“

 

„Nun, du liebst doch Herausforderungen“, erwiderte Hannibal. „Dir wird schon etwas einfallen.“

 

„Habe ich eine Wahl?“, murrte Face.

 

„Nein. Überleg’ nur mal, wie langweilig dein Leben ohne diese Art von Herausforderungen wäre.“

 

Aus der Küche war das Klirren von Glas zu hören.

 

„Und wie einfach ohne uns.“ Hannibal grinste.

 

Face seufzte und legte den Kopf einmal mehr in die Hände. Es stimmte wohl, dass jeder die Familie hatte, die er verdiente...

 

 

Ende