Träume

T’Len

2006

 

 

 

Fandom: SK Kölsch

Charaktere: Schatz/Taube

Kategorie: PG-15, AR, m/m-slash

Hinweise: Fortsetzung zur TV-Folge „Turteltäubchen“

Feedback: tlen11@freenet.de

Summe: Klaus hat sich für Köln und gegen seinen Freund Rolf entschieden. Warum?

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

Zur Folge: Während Ermittlungsarbeiten lernt Klaus den Bauleiter und Architekten Rolf Weinsberg kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Jupp reagiert darauf sehr heftig. Nun ist Rolf zwar zeitweise tatverdächtig, doch das hält Jupp, wie Klaus ihm zurecht vorhält, auch nie von Flirts ab. So wundert mich die Reaktion schon etwas. Rolf bittet Klaus mit ihm nach Chicago zu gehen, wo er einen Wolkenkratzer bauen wird. Klaus soll sein Sicherheitschef werden. Für eine Weile ist Taube auch sehr in Versuchung, doch am Ende entscheidet er sich für Köln, was Jupp sehr freut. Wenn man von Jupps Seite aus Slash sehen will, dann imo in der Folge.

 

 

 

„Willst du nicht doch noch mit ins Rättematäng kommen? Auf ein Kölsch?“ Jupp blickte Klaus fragend an, nachdem er den Wagen vor dessen Haustür geparkt hatte.

 

Taube schüttelte den Kopf und öffnete die Beifahrertür. „Ich muss ein bisschen allein sein, Jupp“; sagte er und stieg aus. „Tschüs, Flo“, ergänzte er zu dem hinten sitzenden Jungen gewandt.

 

„Tschüs, Taube“, erwiderte Jupps Sohn.


“Keine Dummheiten“, sagte sein Vater und stieg ebenfalls aus. „Ich bin gleich wieder da.“

Jupp folgte Klaus die Treppe hinauf und in den Flur seiner Wohnung. Taube hängte seinen Mantel an den Garderobenhaken. „Ist noch was?“, fragte er.

 

Jupp stand unschlüssig in der Tür, nicht so richtig wissend, was er sagen sollte. Wie er Klaus erklären sollte, dass er verdammt froh war, dass der Freund in Köln blieb und nicht mit seinem Geliebten nach Chicago ging. Dass er ihn verdammt vermisst hätte. „Ich bin echt froh, dass du bleibst“, sagte er schließlich. „Und Flo ist es auch.“

Ein kleines Lächeln stahl sich auf Klaus Lippen. „Hast du wirklich gedacht, ich verschwinde so einfach?“

 

„Du klangst neulich Nacht ziemlich entschlossen“, erwiderte Jupp. „Und als ihr heute auf dem Flughafen... na ja, ich dachte, du steigst mit ihm in die Maschine.“

 

„Ohne Gepäck? Und ohne mich von den Kollegen ordentlich zu verabschieden?“, fragte Klaus zurück. „Was hast du denn für eine Meinung von mir.“

 

„Du hast mich also nur schmoren lassen“, stellte Jupp fest. „Du bist mir schon einer.“ Er boxte Klaus spielerisch in die Seite. „Du hättest mir gefehlt“, fügte er, dann wieder ernst werdend, hinzu.

 

„Du mir auch“, sagte Klaus leise.


“Ich dachte, Rolf ist... war deine große Liebe“, bemerkte Jupp.

 

„Das dachte ich auch.“

 

„Und warum bist du dann nicht mit ihm gegangen?“

 

Klaus zuckte die Schultern. „Vielleicht war sie nicht groß genug. Ich... ich weiß auch nicht.“ Er holte tief Luft. „Irgendwie ging alles so schnell. Hier alles aufgeben, den Job, die Kollegen, Familie, Freunde, in einem fremden Land neu anfangen. Wir kannten uns doch kaum. Ich wollte es gern, aber ich konnte es nicht. Ich denke, wenn ich Rolf wirklich so geliebt hätte, wie ich dachte ihn zu lieben, dann hätte ich nicht gezögert. Aber so, ich war mir nicht sicher.“

 

„Werdet ihr euch wiedersehen?“, fragte Jupp. „Ich meine, du hast ja auch mal Urlaub und er sicher auch. Und irgendwann ist sein Hochhaus fertig.“

 

„Ich weiß nicht. Ich denke nicht“, erwiderte Klaus zögernd.

 

„Tut mir leid. Echt“, versicherte ihm Jupp.

 

„Flo wartet und du stehst im Parkverbot“, erinnerte ihn Klaus.

 

„Du kommst auch wirklich klar?“, fragte Jupp noch einmal.

 

Taube nickte. „Verschwinde.“

 

///

 

Die Türklingel weckte ihn mitten in der Nacht. Klaus quälte sich aus dem Bett. „Ich bin es, Jupp“, hörte er eine nur allzu vertraute Stimme aus dem Treppenhaus. Er öffnete die Tür.

 

Bevor er fragen konnte, was Jupp um diese Zeit bei ihm wollte, ob es einen neuen Fall gab und wieso er nicht angerufen hatte, fand Klaus sich in seinem Schlafzimmer wieder.

 

„Hast du es hier mit ihm getrieben?“, wollte Jupp wissen.

 

Klaus starrte ihn ob der Unverschämtheit seiner Frage an. „Ich wüsste nicht, was dich das angeht“, sagte er schließlich.

 

„Hast du es hier mit ihm getrieben?“, wiederholte Jupp.

 

 „Wenn du es unbedingt wissen willst. Nein, wir haben uns immer in seiner Wohnung getroffen.“

 

„Gut“, bemerkte Jupp. „Hast  du dich von ihm vögeln lassen?“

 

„Also wirklich, du gehst zu weit“, empörte sich Klaus.

 

„Sag schon“, drängte Jupp.

 

„Rolf ist lieber passiv“, erklärte Klaus.

 

„Was?“, fragte Jupp zurück.

 

„Um es in deiner Sprache auszudrücken, er lässt sich lieber vögeln:“

 

„Und du?“, wollte Jupp wissen. „Ich meine, lässt du dich auch vögeln:“

 

„Kommt auf den Kerl an“, erwiderte Klaus.

 

„Gut.“

„Jupp, was soll das Ganze? Du tauchst mitten in der Nacht bei mir auf. Nur um mir unerhörte Fragen zu meinem Privatleben zu stellen?“

 

Plötzlich stand Jupp ganz nah vor ihm. „Weil ich schrecklich eifersüchtig sein kann und nicht mit dir in einem Bett vögeln will, wo es vorher schon ein andrer getan hat.“

 

Er presste Klaus gegen die Wand. „Und ich werde dich jetzt die ganze Nacht vögeln.“

 

Seine Lippen näherten sich Taubes.

 

///

 

Klaus schreckte aus dem Schlaf hoch. Sein Herz klopfte ihm bis zu Hals und er war sich nur allzu deutlich bewusst, dass auch ein anderer, weitaus tiefer gelegener Körperteil vor Erregung pulsierte.

 

Langsam schälte er sich aus der Bettdecke, stand auf und trat ans Fenster. Er öffnete es weit und sog die kühle Nachtluft tief in seine Lungen. In der Ferne sah er den erleuchteten Dom. Langsam beruhigte sich sein Pulsschlag wieder, doch seine Erregung blieb.

 

Wie von allein glitt seine Hand sanft über seinen Bauch hinab, schloss sich schließlich um sein Glied, streichelte die pulsierende Härte entlang.

 

Fast angewidert von seinem Handeln zog er seine Hand wieder weg. Was würde Jupp sagen, wenn er wüsste, was er gerade tat –mit einem Bild, wie er ihn küsste, noch immer vor dem geistigen Auge?

 

Er hatte so gehofft, die Träume, sie würden endlich aufhören. Doch egal, was er auch tat, Träume schienen ihn immer zu verfolgen. Waren es früher Albträume der oft grausam zugerichteten Opfer gewesen, mit deren Fällen er sich beschäftigen musste, so hatten sich die Träume  gewandelt, nachdem er nach Köln gekommen war.

 

Immer öfter träumte er von Jupp. Zunächst waren es harmlose Träume gewesen. Träume, in denen oft auch Ellen und Flo vorkamen. Träume von einer heilen Familienwelt, von der er ein Teil war, von harmloser Freundschaft. Doch dann waren sie immer intensiver geworden, erotischer. Er träumte davon, wie er Jupp küsste, wie der ihn berührte, wie sie sich liebten. Er wusste nicht, wann sie genau angefangen hatten, er wusste nur, dass sie nicht wieder aufhörten, egal wie sehr er sich im Wachen darum bemühte, jeden Gedanken, Jupp könnte für ihn mehr als ein guter Freund und Kollege sein, als vollkommen irrsinnig abzutun.

 

Es waren Träume, die in der Realität unerfüllbar bleiben mussten, das wusste er. Er hatte versucht, sie zu verdrängen. Er hatte sich auf andere Männer eingelassen. Zunächst Alex und dann Rolf.

 

Rolf. Er hatte wirklich geglaubt, ihn zu lieben. Es war schön gewesen, wenn sie zusammen waren. Nicht nur im Bett. Rolf war jemand, der nicht nach einer kurzen Affäre suchte, sondern nach einer möglichst lebenslangen Partnerschaft. Genau das, was Klaus sich selbst immer erträumt hatte. Wenn Rolf in Köln geblieben wäre, vielleicht hätten sie eine Chance gehabt. Vielleicht hätte er lernen können, mit dem zufrieden zu sein, was er bekommen konnte, und sich nicht mehr nach Unerreichbarem verzehrt.

 

Aber so. Für einen kurzen Augenblick war er tatsächlich versucht gewesen, mit Rolf nach Chicago zu gehen. Einfach alles hinter sich zu lassen. Vor allem seine unerwiderten Gefühle für Jupp. Doch er konnte es nicht. Er konnte nicht aufgeben, was er hier hatte, egal wie klein dies auch war. Er wusste, dass Jupp nie mehr als ein Kollege und Freund für ihn sein konnte, und doch bedeutete ihm das im Endeffekt mehr als Rolfs Liebe. Also war er geblieben – ohne jedes Bedauern. Allein Jupps Freude über sein Bleiben war es wert gewesen. Auch wenn er wusste, die Gründe dafür waren andere, als die in seinem Traum.

 

Klaus lehnte seinen Kopf gegen den Fensterrahmen, atmete erneut tief durch. Noch immer hatte die Kühle seine Erregung nur unwesentlich verringert. Er wusste, an ihr würde sich nichts ändern, bis er sich selbst Befriedigung verschaffte. Wie in unzähligen Nächten zuvor, wenn er aus einen dieser Träume erwachte. Er wusste aber auch, dass er sich danach wieder schmutzig fühlen würde - und schuldig, Jupps Freundschaft missbraucht zu haben, indem er sich Fantasien hingab, die dieser abstoßend finden würde, wüsste er davon.

 

Das Klingeln der Tür schreckte ihn aus seinen Gedanken. Klaus drehte sich um und warf einen Blick auf den Digitalwecker neben seinem Bett. 3.26 Uhr.

 

Wer klingelte um diese Zeit? Er wunderte sich. Gäbe es einen Einsatz, hätte Jupp ihn normalerweise vorher telefonisch persönlich informiert oder von der Zentrale informieren lassen.

 

Klaus griff sich seinen Morgenmantel vom Stuhl und zog ihn fest um sich.

 

Es klingelte erneut, als er in den Flur kam.

 

„Klaus? Ich bin es“, hörte er eine nur allzu vertraute Stimme.


Er überprüfte noch einmal den Sitz seines Morgenmantels, bevor er die Tür öffnete. „Jupp, was ist los?“, fragte er allarmiert.

 

„Nichts, ich meine, kein Notfall“, erwiderte Jupp und trat ein. Er fuhr sich durch seine wirr abstehenden Haare. „Ich... ich konnte nicht schlafen“, sagte er schließlich. „Ich muss mit dir reden.“

 

Ende