Titel: Wild Boys: Will you release me with a kiss?
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Pairung: Face/Murdock
Rating: PG, slash, ft, A/R

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Ein alternatives Ende zu Folge 71. Der rote Tod und seine Tochter (Mind Games). Was wäre wohl wenn die falsche Begnadigung – quasi als Wiedergutmachung für Face unfreiwillige Rolle als Köder – in eine echte verwandelt werden würde? Ist Face bereit, das Team ein zweites Mal zu verlassen?

 

Warnung? Ich würde sagen, nehmt die Story nur nicht hundertprozentig ernst... ;-)

 

Wild-Boys-Universum

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by Liquido.

 

So you face it with a smile
there is no need to cry
for a trifle's more than this

Will you still recall my name
And the month it all began
Will you release me with a kiss?

 

 

 

Es fiel ihm schwer, es zu glauben – aber er würde tatsächlich das Team verlassen. Er hatte nicht gedacht, dass es wirklich jemals so weit kommen würde. Natürlich war er nicht so naiv gewesen, zu denken, dass die Dinge für immer so bleiben würden, wie sie waren – schließlich war im Leben das einzig konsequente die Veränderung, nicht wahr? – noch hatte er angenommen, dass sie für immer das A-Team sein würden.

 

Was er nicht geglaubt hatte war, dass er jemals stark genug sein würde, sich dafür zu entscheiden, das Team zu verlassen. Wieder völlig auf sich allein gestellt zu sein, hatte ihm stets Angst gemacht. Um ehrlich zu sein, er hatte diese Angst immer noch – und sie war nun größer als jemals zuvor. Er wollte keine Veränderung. Er verfluchte sich selbst dafür.

 

„Facey ist ein freier Mann. Ich kann es nicht glauben.“ Murdock rutschte in seinem Sitz herum und klopfte ihm zum wiederholten Male auf die Schulter. „Ich kann es einfach nicht glauben, dass sie dir eine echte Begnadigung geben.“

 

„Murdock, könntest du endlich damit aufhören?“ Face sah ihn an. Der Pilot wiederholte sich wie eine kaputte Schallplatte immer und immer wieder, seit sie die Neuigkeiten im Fernsehen erfahren hatten. Er fragte sich besorgt, ob Murdock eine Art Rückfall oder so etwas erlitten hatte.

 

Hannibal schien sich damit abgefunden zu haben, seinen Lieutenant zu verlieren. Vielleicht stimmte es, dass es beim zweiten Mal einfacher war, wie man so schön sagte. Er hatte Face gesagt, dass er ihn vermissen würde, aber dass er sich für ihn freute, dass er endlich in der Lage sein würde, das normale Leben zu führen, dass er sich immer gewünscht hatte. Jeder von ihnen würde die gleiche Chance ergreifen, unter den gleichen Umständen.

 

„Hey, Mann – du musst jetzt vorsichtiger mit deinen Scams sein“, sagte B.A. „Wenn wir nicht mehr da sind, um dich vor dem Gefängnis zu retten.“ Er klang ehrlich besorgt, hatte für einen Moment seine übliche grimmige Miene abgelegt. Nicht, dass er Face großen Tag verderben wollte. Er hoffte nur, dass der LT wusste, in was er sich da hineinmanövrierte.

 

„Der Große hat recht. Du bist nicht für ein Leben hinter Gittern geschaffen, Face“, mischte sich Murdock ein. Er schien keinen Moment still sitzen zu können. Seine Schuhspitzen trommelten gegen den Fahrersitz, bis B.A. sich umdrehte und ihn anknurrte. Darauf hielt der Pilot die Füße ruhig. Dafür fingen seine Finger an, den Saum seiner Jacke zu verbiegen und zu verdrehen.

 

„Jungs, Jungs, jetzt macht mal langsam. Okay. Habt ein bisschen Vertrauen in mich.“ Face räusperte sich und rückte seine Krawatte zurecht. „Ihr hört euch ja an, als wäre ich ein Zehnjähriger. Ich kann schon auf mich aufpassen.“ Es mangelte seiner Stimme an Überzeugung. Er sollte sich selbst am besten kennen und wissen, ob er dabei war, das Richtige zu tun. War es das, was er immer wollte? Freiheit? Ein normales Leben? Vielleicht endlich die Familie, die er sich als Junge im Waisenhaus so sehr gewünscht hatte? Aber waren das noch die Träume des kleinen Alvin Brenner oder waren es die Wünsche des Erwachsenen Templeton Peck? Er würde es herausfinden müssen.

 

Hannibal musterte seinen LT. Er hatte Vertrauen in Face. Zufrieden sagte er zu sich selbst, dass der unsichere junge Mann, den er in Vietnam unter seine Fittiche genommen hatte, nun endlich erwachsen geworden war. Er biss auf seine Zigarre und lachte leise, als er dachte, wie Face darauf reagieren würde, sollte er diesen Gedanken laut aussprechen...

 

„Hannibal, nicht du auch noch“, kam es empört von dem hinter ihm sitzenden Face. „Sag’ nicht, dass du auch ihrer Meinung bist, dass ich ohne euch nicht zurecht komme.“

 

„Natürlich nicht“, erwiderte der Colonel wahrheitsgemäß. „Ich dachte nur gerade daran, dass ich mich wohl niemals an den Hunkman gewöhnen werde.“ Ehrlich gesagt, wollte er das auch nicht. Murdock hatte über die Jahre viele amüsante – manchmal auch weniger amüsante – Persona entwickelt, aber der Hunkman, der Face als den teameigenen Charmeur und Bezauberer der Damenwelt ersetzen sollte, war schlicht eine Nervensäge. Bisher war der Hunkman nicht wieder auf der Bildfläche erschienen, aber er machte sich wirklich Sorgen darum, was der Abschied von Face bei dem Piloten auslösen würde. „Vielleicht solltest du es dir noch mal überlegen und bleiben, Lieutenant. Um all der arg- und ahnungslosen Frauen da draußen willen.“ Er wandte den Kopf nach Face und grinste.

 

„Ja, er terrorisiert sie. Und ich habe keine Lust, den Spinner immer aus dem VA zu holen, wenn wir einen Job haben“, fügte B.A. hinzu. Wie immer war schwer zu erkennen, ob er seine Worte ernst meinte oder einen seltenen Anflug von Humor zeigte.

 

„Und wer wird in Zukunft immer an erster Front arbeiten, und an all die Türen klopfen, wenn du nicht mehr bei uns bist, Face. Keiner von uns ist hübsch genug für diese Aufgabe“, setzte Hannibal spöttisch hinzu.

 

Murdock beschloss, die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken. Er hatte seine ganz eigenen... ganz eigennützigen... Gründe, dass er nicht wollte, dass Face das Team verließ. Er schloss die Augen und suchte in seinen Erinnerungen nach einer Szene aus einem Film, den er irgendwann einmal gesehen hatte. Dann gab er seinem Gesicht einen leidenschaftlichen, sehnsüchtigen Ausdruck, genau wie ihn die Hauptdarstellerin gezeigt hatte und öffnete die Augen. Er stand auf und quetschte sich neben Face in dessen Sitz. Als sich der ihm zuwandte, legte er beide Hände auf Face Brust und flüsterte: „Bleib bei mir, mein Geliebter.“ Er fand, er traf nicht nur den Tonfall, sondern auch die Stimmlage der Schauspielerin sehr gut. Er beugte sich vor und schürzte die Lippen, auf einen Kuss wartend, von dem er wusste, dass er von Face niemals kommen würde.

 

Hannibal öffnete den Mund – entweder um ihn zurück zu rufen oder eine seiner typisch bissigen Bemerkungen zu machen. Und bevor B.A. noch einen seiner giftigen Blicke auf den Piloten werfen und ihn anknurren konnte, legte Face plötzlich beide Hände um Murdocks Kopf und zog ihn so nahe zu sich, dass er den Atem des anderen Mannes auf der Haut spürte.

 

Die Maske der femme fatale verschwand vom Gesicht des Piloten, seine Augen wurden riesengroß, als er in die blauen Augen seines Freundes starrte, die seinen Blick völlig humorlos erwiderten. Es war halb und halb die Reaktion mit der er gerechnet hatte. Er wollte Face lieber wütend als niedergeschlagen oder schuldbewusst sehen. Obwohl er sich durchaus klar gewesen war, dass Face ihm auch hätte die Nase brechen können. Obwohl das ja noch kommen konnte.

 

Womit er nicht gerechnet hatte, war dass Face ihn küsste. Gierig. Hart. Leidenschaftlich.

 

Face hielt ihn fest, als er spürte, dass Murdock erschrocken zurückzuckte. Er realisierte, dass er diesen Kuss schon lange gewollt hatte. Nein, nicht nur den Kuss. Murdock. Er hatte das sicher nicht geplant. Immerhin war es ihm gelungen, seine Gefühle für den Piloten so lange Zeit zu unterdrücken. Ihnen ausgerechnet jetzt nachzugeben, wo er vor dem Beginn eines neuen Lebens stand, war... Warum jetzt? Auf dem Weg, sich seine Begnadigung vom Gouverneur abzuholen. Und ausgerechnet hier vor den Augen der anderen? Warum diese neue Komplikation hinzufügen? ‚Großartiges Timing, Face’, sagte er sich selbst. Es musste der Stress sein, die Ansammlung all der Aufregungen und Veränderungen der letzten Zeit, der ihn endgültig eingeholt hatte. Aber tief im Inneren wusste er, dass er nicht hätte gehen können, ohne Murdock wissen zu lassen, was er ihm bedeutete. Er musste wissen, ob es die geringste Möglichkeit gab, dass seine Gefühle erwidert wurden.

 

‚Bleib’ bei mir, mein Geliebter.’

 

Nicht die Worte, nicht die Stimme, die er sich erhofft hatte. Er wusste, dass Murdock nur scherzte; nur versuchte, die bedrückte Stimmung zu heben. Aber sein Gesicht war so nahe gewesen, seine Augen so voll mit der gleichen Zärtlichkeit wie immer und seine Lippen... sein Mund so dicht an seinem, fast darum bettelnd, geküsst zu werden. Er wusste, dass dies DER Moment war. Er hatte es schon zu lange hinausgeschoben und ihre Zeit wurde knapp. Es hieß jetzt oder nie.

 

Langsam gab er ihn frei. Der Pilot starrte ihn benommen an. Dann richtete er den Blick wie hilfesuchend auf B.A. und Hannibal.

 

Aber von dort war keine Hilfe zu erwarten. Hannibal litt an einem völlig untypischen Anfall von Sprachlosigkeit, er hatte sogar seine Zigarre fallen lassen und fluchte, als sie sich durch seine Jeans brannte.

 

B.A. war auf die Bremse getreten und starrte sie kaum weniger verstört an.

 

„Uh... Face?“, murmelte der Pilot schließlich.

 

Hannibal steckte sich die Zigarre wieder zwischen die Zähne und B.A. reagierte auf das wütende Hupen hinter sich und fuhr weiter.

 

Face hatte in der Vergangenheit in Gedanken Dutzende Szenarien durchgespielt, in denen er Murdock seine Gefühle eingestand. Leider endete jedes damit, dass er sich völlig gedemütigt fühlte. Aber jetzt, die Realität, war völlig anders. Er war überrascht, dass er keinen Funken Verlegenheit fühlte, obwohl das ganze vor den Augen von Hannibal und B.A. geschehen war. Was er sich nicht mal in Gedanken vorgestellt hatte. Er kannte die Jungs zu gut, sie würden über den Schock hinwegkommen. Und Murdock war einer der liebevollsten Menschen, denen er jemals begegnet war. Selbst wenn er seine Gefühle nicht erwiderte, würde er ihm nichts nachtragen. Keiner von ihnen würde jetzt schlechter über ihn denken. Diese Erkenntnis machte ihn mutig – fast übermütig – und er war entschlossen, zu Ende zu bringen, was er angefangen hatte.

 

Ein wenig erschüttert von seiner eigenen Kühnheit, was sich jedoch in seiner Stimme nicht zeigte, sagte er: „Meinst du es ernst?“ Es kam leise und atemlos über seine Lippen, doch er war sich sicher, dass Murdock ihn gehört hatte.

 

Nach einem langen Moment sah der Pilot auf. Sein Gesicht zeigte noch immer den gleichen geschockten Ausdruck. „Wa-was?“, flüsterte er.

 

„Dass ich bleiben soll. Bei dir. Du musst es nur sagen.“

 

Das einzige Geräusch im Van war für einen weiteren langen Moment nur das Lärmen des Verkehrs um sie herum. Und das leise Atmen der vier Männer.

 

Dann lächelte Murdock. Das strahlende Lächeln, dass nicht mehr auf seinem Gesicht gewesen war, seit sie zum ersten Mal von Face Begnadigung erfahren hatten. „Bleib bei mir“, sagte er und holte sich Face Mund zurück.

 

 

Ende