Titel:              Colours of morning

Autor:            Mazza

Serie:             CSI Miami

Spoiler:           3.10 Tiefer Fall

Paarung:         Horatio/Rebecca Nevins

Rating:           m/f, past-Ep, PG

Archiv:           ffp, TOSTwins

 

Summe:          Horatio verbringt die Nacht bei Rebecca. Und wird von seinen Alpträumen verfolgt.

 

Die Szene mit Rebecca, in der Horatio über seinen Traum spricht, ist von der dt. DVD abgeschrieben und daher canon. Ich habe nur eine Fassung um dieses kleine Juwel gesponnen.

 

Disclaimer: Keiner der Charaktere gehört mir, diese Story wurde nicht geschrieben, um damit irgendwelche Urheber-Rechte zu verletzen.

 

 

Vielleicht war es ein Geräusch, das ihn weckte. Vielleicht war es die Stille. Was auch immer, es holte ihn zurück in die Realität. Er öffnete erleichtert die Augen, wenngleich einen Moment orientierungslos. Der Geschmack von Blut und Versagen erfüllte seinen Mund. Sein Blick glitt durch das unbekannte Zimmer, dann über die Frau neben ihm.

 

Rebecca lag auf der Seite, ihm zugewandt, eine Hand wie nach ihm ausgestreckt, die andere unter die Wange geschoben. Die dünnen, weißen Vorhänge ließen gerade genug der Straßenbeleuchtung durch, dass er erkennen konnte, dass sie friedlich und ungestört zu schlafen schien. Langsam, zögernd, berührte er ihr Gesicht, strich eine Haarsträhne daraus zurück. Dann stand er auf. Leise, um sie nicht zu wecken, nahm er seine Kleidung von einem Stuhl unter dem Fenster und verließ das Schlafzimmer. Er drehte sich nicht noch einmal um und sah deshalb nicht, dass Rebecca die Augen aufschlug, als er ging.

 

Er duschte kurz, zog sich an und folgte dem Geruch von heißem Wachs ins Wohnzimmer, wo noch nicht alle Kerzen erloschen waren, die Rebecca für ihr gemeinsames Abendessen angezündet hatte. Und sie hatten nicht daran gedacht, sie zu löschen. Der Luftzug beim Öffnen der Tür ließ sie flackern. Die Uhr auf dem Regal teilte ihm gleichgültig mit, dass es noch nicht einmal drei Uhr morgens war. Jemand hatte ihm einmal erzählt, dass man die Stunden zwischen Mitternacht und Morgendämmern Wolfsstunden nannte, ohne jedoch eine Begründung dafür anführen zu können. Ein flüchtiges Lächeln glitt um seinen Mund. Ein unwichtiges Informationsstückchen, dass doch irgendwie den Weg ins Licht gefunden hatte. Und sein Verstand griff es begierig, denn alles war besser, als zu denken und sich zu erinnern.

 

Müde setzte er sich in einen der beiden Lesesessel, starrte auf sein verzerrtes Spiegelbild auf der gläsernen Oberfläche des kleinen Tischchens dazwischen. Es war nicht schwer zu erraten, wieso ihn ausgerechnet heute Nacht dieser Traum heimsuchte. Die Auseinandersetzung mit Rick im Lift. Er wusste, dass er gegen die Vorschriften verstoßen hatte, indem er nach Tim Speedles Tod den Termin platzen ließ. Es war stillschweigend akzeptiert worden, da niemand ihm vorwerfen konnte, dass es seine Arbeit beeinträchtigte. Niemand, außer Rick, der aufgrund der Anzeige eines Verdächtigen wegen Körperverletzung und unbotmäßiger Gewaltanwendung bei der Festnahme gegen ihn ermittelte und darin einen Vorwand sah, den Stachel Horatio Caine endgültig aus seinem Fleisch zu entfernen.

 

Er hatte gehofft, Rebeccas Anwesenheit würde den Traum von ihm fernhalten.

 

Ihre bloßen Füße hatten auf dem Teppich kein Geräusch verursacht, doch er spürte ihre Anwesenheit im Raum fast sofort. Horatio sah jedoch nicht auf, konnte ihr seine Verletzlichkeit nicht preisgeben.

 

„Eigentlich bin ich es nicht gewöhnt, dass ein Mann fluchtartig mitten in der Nacht mein Bett verlässt“, sagte sie leise, ihr Ton leicht und spielerisch, als sie hinter den Sessel trat, in dem er saß.

 

Er konnte nicht zu ihr aufsehen; sich vergewissern, was ihr Gesicht sagte, was sie fühlte.

 

„Hey, dachtest du, ich merke nicht, wenn du gehst?“ Ihre Arme legten sich um seine Schultern und er spürte ihre Lippen warm und weich in seinem Nacken. „Du sitzt hier im Dunkeln, also musst du wohl nicht zu einem Fall.“

 

Er schüttelte den Kopf, griff nach ihrer Hand auf seiner Brust, umschloss ihre Finger, zog sie an seinen Mund. Dann ließ er sie los. „Es tut mir leid, dass ich dich dadurch geweckt habe.“

 

Rebeccas Spiegelbild gesellte sich zu seinem auf dem Glastisch, als sie ihm gegenüber im zweiten Sessel Platz nahm und sich ein wenig vorbeugte. Er sah auf. Da war kein Unmut in ihren Augen, nur Mitgefühl – was noch viel schlimmer war. „Das hast du nicht. Ich bin aufgewacht, weil du im Schlaf gesprochen hast. Du hast... nach Speedle gerufen, versucht ihn vor etwas zu warnen.“

 

Er berührte unwillkürlich die Seite seines Gesichtes, aber da war kein Blut mehr. Rebecca bemerkte die Geste und strich mit den Fingerspitzen über seinen Handrücken. „Ich war nicht sicher, ob ich dich wecken sollte, wie du reagieren würdest. Aber dann bist du von selbst aufgewacht.“

 

Horatio ließ die Hand sinken, entzog sich ihrer Berührung. „Es war ein... Alptraum. Rick Stetler setzt mich unter Druck, weil ich nach Speeds Tod das psychologische Beratungsgespräch nicht absolviert habe. Er hat die Untersuchungen gegen mich beendet, aber ich stehe unter der Auflage, den Termin nachzuholen.“

 

Rebecca stand auf und entfernte sich von ihm, spürte, dass die Distanz es ihm leichter machen würde, zu sprechen. Sie begann, die heruntergebrannten Kerzen durch neue zu ersetzen, sie zu entzünden. Der Raum füllte sich mit warmen, goldenen Lichtern. „Und du glaubst, du kannst nicht darüber sprechen, was passiert ist? Weil es zu schmerzvoll wäre, sich zu erinnern?“

 

Er schüttelte den Kopf. „Rebecca, ich war dabei... war bei ihm. Ich habe einen Bericht geschrieben. Ich muss mich nicht erinnern, denn ich habe nichts vergessen. Auch wenn ich wünschte, vergessen zu können.“

 

Sie schwieg einen Moment. „Und deshalb träumst du davon.“ Rebecca wandte sich um, betrachtete ihn, das Spiel der flackernden Schatten auf seinen Gesichtszügen. Er sah nicht zu ihr hin, starrte irgendwo in die Ferne, in eine Vergangenheit, die doch nicht beendet war.

 

Seine Stimme klang so fern wie sein Blick, verletzlich, die Worte kamen nur stockend, als er endlich sprach: „Es ist immer das gleiche... Bild. Ich bin beim Juwelier. Alles... slow motion. Ich habe meine Waffe gezogen... ich bringe sie in Anschlag... drücke den Abzug... und... gar nichts. Nichts passiert. Sie hat versagt.“

 

„Deine hat nicht versagt. Das war Speedles. Horatio - du hättest es nicht verhindern können.“ Rebecca entzündete die letzte Kerze und kehrte mit ihr zu ihm zurück, stellte sie seitlich von ihm ab. Die Bewegung ihres Rockes ließ die Flamme ein wenig flackern, als sie sich wieder auf den Stuhl gegenüber setzte.

 

„Trotzdem werfe ich’s mir vor.“ Zögernd kam die Wahrheit über seine Lippen. Horatio beugte sich vor, starrt auf seine Hände, und für einen Moment war es, als könnte er noch immer Speeds Blut daran sehen.

 

Rebecca griff nach ihnen, umschloss sie mit ihren Fingern. Sie drehte seine Handflächen nach oben, ins Licht und sie waren sauber. Er sah sie an, fand Akzeptanz in ihrem ruhigen Blick.

 

„Ma’am“, sagte er leise, in Ermangelung anderer Worte.

 

„Sir.“

 

Unwillkürlich lächelte er über ihren ernsten Tonfall. Und sie erwiderte das Lächeln, erfüllte sein Herz mit Zuneigung und Dankbarkeit.

 

Ihre Finger rieben sanfte, zärtliche Kreise auf seinen Handflächen. „Kommst du zurück ins Bett?“, fragte sie einfach.

 

Sie versprach ihm Vergessen in ihren Armen, zumindest für eine Weile. Und dennoch zögerte er, wusste nicht, ob es richtig war. Rebecca verdiente etwas anderes als die Rolle der Trösterin. Er legte ihre Hände zusammen, umschloss sie mit seinen, zog sie an den Mund und küsste ihre Fingerspitzen. „Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich gerne noch einen Moment hier sitzen bleiben.“

 

Vielleicht eine Täuschung durch das Licht, aber ein Schatten schien sich in ihren Augen zu bewegen. „Soll ich bei dir bleiben? Ich kann uns eine Flasche Wein aufmachen...“

 

„Rebecca...“ Er spürte die Rückkehr der Distanz und ließ ihre Hände los. Sie zog sie zurück, faltete sie im Schoß. „Ich wäre gerne allein. Bitte, versteh mich.“

 

„Okay, natürlich. Das verstehe ich.“ Rebecca senkte den Blick, um ihre Enttäuschung zu verbergen. Dann stand sie auf. Ging um ihn herum, drückte seine Schulter – und ließ ihn allein.

 

* * *

 

Als draußen die Dämmerung anbrach, die ersten Farben des Morgens ihren Weg durch die Fenster fanden, löschte er schweigend die Kerzen, betrachtete die dünnen grauen Rauchspiralen, die alles waren, was von ihrem Licht blieb, bevor auch sie verschwanden. Verlor sich in ihnen.

 

Leise ging er ins Schlafzimmer, blieb an der Tür stehen und betrachtete die schlafende Frau auf dem Bett. Genauso geräuschlos zog er sie wieder ins Schloss, nahm im Wohnzimmer sein Jackett und verließ Rebeccas Wohnung.

 

Als sie hörte, wie sich ihre Wohnungstür schloss, setzte sich Rebecca auf, schlang die Arme um die hochgezogenen Knie. Enttäuschung mischte sich mit Besorgnis in ihr. Und sie begann sich zu fragen, wohin sie diese Beziehung führen würde. Hatte sie überhaupt eine Chance?

 

Ende

 

 

Fortsetzung