Titel: Ready to go
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Pairung: Murdock, Hannibal
Rating: A/R, gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Eine lange überfällige Wahrheit kommt endlich ans Licht.

Diese Story spielt in einem fiktiven Loch zwischen Staffel 4 und 5.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by All Saints

 

 

 

Years on the run,
Let's say no more games,
No messing with the mind,
Always room for change.
I got my bags packed and I'm ready to go…

 

 

“Captain?”

 

Murdock sah auf, als sich eine Hand auf seine Schulter legte. Hannibal musterte ihn; verwaschen-blaue Augen, die Beunruhigung und Sorge verrieten.

 

„Ist alles in Ordnung mit dir?“

 

Der Pilot nickte. Er wandte den Blick ab und warf ein Stück Treibholz hinunter an die Wasserlinie. Seit ihrer Rückkehr aus Vietnam zog es ihn oft hierher ans Meer. Face hatte sich wie immer eine Bleibe am Strand gesucht – ein Glück, dass es davon in Kalifornien so viele gab - und ließ ihn in seinem Gästezimmer schlafen, so oft er wollte. Hannibal und B.A. kamen abwechselnd zu Besuch und alles in allem hätten sie zur Tagesordnung zurückkehren können. Die Gelegenheit war günstig. Fullbrights Tochter war nicht da, das Team vollständig versammelt und er hatte Neuigkeiten zu verkünden.

 

„Hast du Billy endlich das Apportieren beigebracht?“

 

Hannibals Stimme holte ihn zum zweiten Mal innerhalb weniger Minuten aus seinen Gedanken und Murdock spürte Wut auf sich selbst, dass er sich so leicht ablenken ließ. „Billy... Billy ist nicht mehr bei mir, Colonel“, sagte er langsam. Doktor Richter hatte ihn überzeugt, dass er seinen unsichtbaren Hund nicht mehr brauchte. Er konnte jetzt jederzeit einen echten Hund haben. Aber irgendwie war es nicht das selbe.

 

„Ist er weggelaufen?“, fragte Hannibal und setzte sich neben ihn in den Sand. Er zündete eine Zigarre an.

 

„Ich brauche ihn nicht mehr. Er ist jetzt sicher... bei jemand, der ihn mehr braucht.“ Er sah aus den Augenwinkeln, dass ihn der Colonel überrascht anblickte. Manchmal hatte er das Gefühl, er würde sich selbst genauso überrascht beobachten.

 

Die letzten fünfzehn Jahren schienen wie ein Traum, aus dem er langsam erwachte. Und er wusste nicht, ob er wirklich diesen Traum loslassen wollte. Doktor Richter sagte, es wäre an der Zeit, dass er seine Fantasiewelt verlassen und in die Realität zurückkehren musste. Dazu gehörte auch, dass er den Jungs die Wahrheit sagte. Eine Wahrheit, die seit fünfzehn Jahren überfällig war – und die ihm Angst machte.

 

Er fühlte sich völlig verloren. Und er fühlte sich alleine gelassen. Für lange Zeit hatte er sich nicht mehr so verlassen gefühlt. Eigentlich nicht mehr, seit er die Jungs in Vietnam kennen gelernt hatte.

 

Und nun war ein Teil von ihm verschwunden. Nicht der Teil, der ihm erlaubte, jemand anderes zu sein. Verschiedene Personen. Charaktere, die ihm ermöglichten, die Dinge zu tun, die das Team von ihm erwartet hatte. Er fragte sich manchmal, ob irgendeiner von ihnen auch nur ahnte, wie schwer ihm manches gefallen war.

 

Es war nicht so, dass er nicht mit ihnen zusammensein wollte. Im Gegenteil, er liebte es. Aber irgendwie hatten sie immer gedacht, dass er gerne die Jobs erledigte. Dass er es brauchte, so wie Hannibal den Nervenkitzel brauchte. Doch das war nicht wahr. Die meiste Zeit über fühlte er sich mehr als unbehaglich, wenn sie in ein neues Abenteuer aufbrachen. Es war toll, Menschen helfen zu können. Doch die Mittel, die sie oft anwandten...

 

Aber er wusste auch, dass er nur bei ihnen sein konnte, wenn er es tat. Damals, am Anfang, als sie ihn die ersten paar Mal aus dem Krankenhaus geholt hatten, damals gab es noch keine Jobs. Sie verbrachten einfach Zeit miteinander, irgendwo. Es war ihm egal gewesen, dass sie ihn beobachteten. Nicht ganz zu wissen schienen, was sie nun mit ihm anfangen sollten. Und dann wurde die Zeit zwischen ihnen Besuchen immer länger und länger. Die Angst, dass sie eines Tages überhaupt nicht mehr kommen würden, wuchs in ihm. Angst, die wichtigsten Menschen in seinem Leben zu verlieren, wenn er nicht etwas unternahm, um es zu verhindern. Alles, er wollte alles tun, um das zu verhindern. Und als eines Tages Hannibal davon erzählte, dass sie einen Job in Mexiko angenommen hatten und dass es bequemer wäre, wenn sie noch einen Piloten hätten, bettelte er förmlich darum, dass sie ihn mitnahmen. Um ein Teil davon zu sein. Teil des Team. Er würde alles tun, um nicht zurückgelassen zu werden.

 

Aber er hatte nicht gewusst, wie schwer es sein würde. Wie sehr es ihn an den Krieg erinnern würde. Er spürte, wie er begann, auseinander zu fallen. Und so beschloss er, dass ein anderer Murdock die Dinge tun würde, die er nicht wirklich tun wollte. Dass er jemand anderer werden könnte, wann immer es nötig sein würde. Und es funktionierte. Wieder und wieder. Er wurde jemand, der eine Aufgabe bekam und der diese Aufgabe auch erledigte.

 

„Murdock! Aufwachen, Captain! Komm zu uns zurück.“

 

Er hob den Kopf, blinzelte. Hannibal kniete vor ihm, hatte beide Hände auf seinen Schultern und schüttelte ihn leicht. Er rieb sich mit einer Hand übers Gesicht. „Ich bin okay. Okay.“ Er hatte sich wieder mal in sich selbst, in seinen Gedanken verloren. „Es geht mir gut, Colonel.“ Er zwang eine Leichtigkeit in seine Stimme, die er nicht fühlte. „Es ist nur... es gibt etwas, dass ich euch sagen muss.“

 

„Um was geht es, Murdock?“ Hannibal hielt ihn noch immer fest. Er hatte für einen Moment das Gefühl gehabt, einer Puppe gegenüber zu sitzen, einer leeren Hülle und dieses Gefühl hatte ihn mehr erschreckt, als er sich eingestehen wollte. Konnte. „Erzähl’ es mir. Jetzt.” Er bemühte sich, es wie eine Bitte und nicht wie einen Befehl klingen zu lassen.

 

„Colonel…”

 

Der Pilot zauderte und Hannibal drückte ermunternd seine Schulter. „Ja.“ Er stand auf und hielt Murdock die Hand hin. Er ließ sich aufhelfen. „Gehen wir ein Stück den Strand entlang, okay? Und du erzähltst mir, was dich bedrückt.“

 

„Okay.“ Murdock zuckte mit den Schultern und stopfte die Hände in seine Jacke.

 

Sie folgten dem Strand, gingen nahe der Wasserlinie, bis sie auf der Höhe von Face Haus waren. Hier war auf einer Grasnarbe ein Picknickplatz eingerichtet, ein Tisch und zwei Bänke unter einem Sonnensegel, eine gemauerte Feuerstelle, die zum Grillen einlud. Sie nahmen dort Platz.

 

„Nun?“ Hannibal lehnte sich zurück und schob die Zigarre von einem Mundwinkel in den anderen.

 

„Colonel. Ich habe immer getan, was ich tun musste“, begann Murdock. Er hielt den Kopf gesenkt, starrte auf das vernarbte Holz der Tischplatte. „Alles, um das Team zu schützen. Alles.“

 

„Ich weiß, Captain.“ Hannibal legte seine Zigarre auf die Tischkante und musterte den Piloten. „Sieh mich an, Murdock.“ Gehorsam hob Murdock den Blick und dunkle Augen bohrten sich in seine. Bittend. Doch das Gesicht des Piloten zeigte eine ungewohnte Entschlossenheit – fast Härte. Er wartete ab, schweigend.

 

“Aber ich bin keine Maschine, Hannibal. Ich... ich habe Dinge getan, die ich eigentlich nicht tun wollte. Genau wie in Vietnam. Wir haben da eine Menge Dinge getan, mit denen ich nicht klar kam. Ich hasste es. Und es machte mich krank, darüber nach zu denken. Aber dann schien es vorbei zu sein und ich konnte damit aufhören.“

 

„Murdock...“

 

Doch er hob die Hand, stoppte den Colonel. Die blassblauen Augen hatten sich zu grau verfärbt, das war kein gutes Zeichen. „Bitte, Hannibal. Lass’ mich das auf meine Weise sagen.” Er rieb sich wieder übers Gesicht. „Aber dann habt ihr angefangen, diese Jobs anzunehmen und ich... jedes Mal, wenn ihr mich mitgenommen habt...“ Er unterbrach sich, konnte es nicht aussprechen. Die Angst schnürte ihm die Kehle zu.

 

Hannibal griff über den Tisch nach seiner Hand, drückte sie. Er war ratlos, worauf Murdock hinaus wollte, doch er würde ihn das Gespräch nicht hier abbrechen lassen. Es war offensichtlich, dass der Pilot verstört und unglücklich war. „Jedes Mal, wenn wir dich mitgenommen haben... was, Captain?“ Er konnte die Überraschung und auch die Verletztheit nicht aus seiner Stimme tilgen. „Du... fühlst dich dazu gezwungen?“

 

„Nein! Nein, ich...“ Er schüttelte den Kopf. “Ich will mit euch zusammen sein. Ich liebe es, Hannibal. Ich meine, ihr seid meine Freunde. Ihr seid meine Familie! Und ich weiß, dass das meiste, was wir tun, gut ist. Den Leuten zu helfen und das alles... aber...“

 

„Aber...?“, hakte Hannibal nach.

 

„Aber ich mag es nicht, auf Leute zu schießen oder dass auf uns geschossen wird. Die Möglichkeit, dass einer von euch Jungs getötet werden könnte... oder... Es ist einfach zu sehr wie in Vietnam. Verstehst du? Es ist zu ähnlich. Es ist zu viel...“

 

Hannibal entgegnete lange nichts. Murdock entdeckte auf dem Tisch eine Ameise und verfolgte ihren Weg zur Tischkante. Er konnte den Colonel nicht ansehen, denn er wusste genau, was er in seinem Gesicht sehen würde – Enttäuschung. Und er war sich nicht sicher, ob er das ertragen konnte.

 

Unerwarterweise lachte Hannibal plötzlich. Es war ein humorloses, bitteres Lachen und Murdock sah ihn erschrocken an.

 

„Und ich habe mir die ganze Zeit Sorgen gemacht, dass ich euch zu nahe gekommen bin. Dass ihr zu abhängig von mir geworden seid“, sagte Hannibal leise. „Dass es ein Fehler war, uns eine Familie werden zu lassen, anstatt eine Einheit zu bleiben. Und in Wirklichkeit kenne ich keinen von euch.“

 

„Hannibal...“

 

„Nein. Es ist okay, Murdock. Ich bin froh, dass du mir gesagt hast, wie du dich fühlst. Oder ist das etwas, dass du erst in letzter Zeit fühlst? Seit unserem Job für Fullbright in Vietnam? Ich weiß, dass es eine Menge böser Erinnerungen zurückgebracht hat. Für alle von uns.“

 

Murdock schüttelte den Kopf. Die Angst nagte noch immer an ihm. „Nein. Ich habe seit langem so gefühlt. Es tut mir leid, Hannibal. Ich... ich habe euch im Stich gelassen. Und ich hätte schon längst darüber sprechen sollen.“

 

„Warum hast du es nicht getan, Murdock? Habe ich dir das Gefühl gegeben, du könntest es mir nicht sagen?“

 

„Ich... es hat nichts mit dir zu tun, Hannibal. Ich hatte Angst... dass ihr mich nicht mehr braucht... nicht mehr haben wollt, wenn ich nicht bei den Jobs helfe.“ Er hatte es endlich ausgesprochen und lauschte in der Stille dem Hämmern seines Herzens. Schließlich wagte er es, aufzusehen.

 

Hannibal schüttelte den Kopf, ein trauriger Ausdruck legte sich über sein Gesicht. „So war es niemals, Murdock. Wir dachten alle, dass es dir helfen würde, mit uns zu arbeiten. Wenn wir gewusst hätten... nun, ich glaube nicht, dass es wirklich einen Unterschied gemacht hätte. Wir hätten dich trotzdem weiterhin besucht und aus dem Krankenhaus geholt, wann immer du bei uns hättest sein wollen.“

 

„Bist du sicher?“, fragte Murdock leise. „In der ersten Zeit schien es nicht so, als würdet ihr euch besonders wohl fühlen, wenn ich in der Nähe war. Als... würdet ihr mich besuchen, weil ihr es für eure Pflicht hieltet.“

 

„Verdammt, Murdock – wir wussten damals einfach zu wenig. Wir hatten Angst, etwas zu tun oder zu sagen, dass es schlimmer macht. Aber wir hätten einen Weg gefunden.“ Hannibal musterte den Mann, der ihm gegenüber saß, als sähe er ihn zum ersten Mal. Und in gewisser Weise tat er das auch. Er sah den Schatten des Zweifels auf dem Gesicht des Piloten verharren. „Murdock, wir lassen niemanden zurück. Wir lassen niemandem im Stich. Das ist ein Versprechen, das wir uns vor langer Zeit gegeben haben. Aber es gilt immer noch. Es galt damals und es gilt heute. Du weißt das. Du bist Teil dieses Teams – Teil dieser Familie – und das wirst du immer sein. Wir wollten nie etwas anderes, als was am besten für dich ist.“

 

Murdock beobachtete wieder die Ameise, während er versuchte, alles zu verdauen, was Hannibal gesagt hatte. Seine Angst lockerte ein wenig den Klammergriff um sein Herz. Er streckte die Hand aus, und die Ameise kletterte auf seinen Finger. Behutsam setzte er sie auf den Boden. Die Ameise, undankbar, verschwand ohne einen Blick zurück zwischen den Grashalmen. Er bedauerte, dass er nichts Essbares bei sich hatte, um sie zu füttern.

 

Er hob den Blick und sah den Mann an, der ihm gegenüber saß. Er vertraute Hannibal. Und er glaubte ihm. Er würde es immer tun. Was er nicht wusste, war wie er sich selbst vertrauen sollte. Murdock schluckte, er nahm nervös seine Mütze ab und drehte sie in den Händen.

 

„Doktor Richter meinte, ich wäre so weit, das Krankenhaus zu verlassen“, sagte er leise. „Ich kann weiterhin als externer Patient dorthin gehen. Aber er meinte, es wäre an der Zeit, dass ich ein Leben in der Realität beginne. Er will mir eine Wohnung und einen Job besorgen. Wenn ich seinem Rat folge, bedeutet das, dass sich vieles ändert. Auch, dass ich nicht mehr mit euch Jungs zusammen gesehen werden darf. Fullbright ist tot, aber die Army wird jemand anderes finden, der euch sucht. Und dann kann ich nicht mehr ins VA zurück, ich werde diesen Schutz nicht mehr haben.“

 

Hannibal sah ihn an. „Wir werden eine Lösung finden, Murdock. Zusammen.“ Er stand auf. „Lass’ uns zum Haus gehen und den anderen die Neuigkeit mitteilen.“ Er wartete, bis der andere Mann neben ihn trat. Dann legte er Murdock die Hand auf die Schulter. „Es ist großartig, Captain, dass du diesen Schritt wagen willst. Und ich will, dass du weißt, dass – egal was passiert – wir stolz auf dich sind und wir dich lieben.“ Er strich dem jüngeren Mann, den er oft wie einen Sohn angesehen hatte, voll Zuneigung übers Haar, nahm ihm dann die zerdrückte Mütze aus der Hand und setzte sie ihm auf den Kopf. „So, dann bedeutet das also, du bist offiziell nicht mehr verrückt. Ich fürchte, diese Neuigkeit wird B.A. vor allem schwer treffen...“

 

Sie gingen aufs Haus zu. Es war an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

 

Ende