Rache ist ein Gericht...

T’Len

2006

 

 

 

Fandom: SK Kölsch

Charaktere: Jupp Schatz, Falk von Schermbeck

Kategorie: G

Hinweise: Humor

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Summe: Jupp musste mit Mama Schermbeck zum „Ring des Nibelungen“ und sinnt nun auf Rache an Falk.

Hinweis: Fortsetzung zu „Fußballfieber“, „Eigentor“ und „Wer den Schaden hat...

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

 

„Morgen, ihr Lieben“, gut gelaunt und schwungvoll betrat Falk von Schermbeck nach einem langen Wochenende, das er beim Christopher Street Day in Berlin verbracht hatte, am Dienstagmorgen das Büro.

 

„Morgen, Falk“, grüßten Gino und Achim zurück. Doch von Jupp kam keine Reaktion.

 

„Guten Morgen, Jupp“, sagte Falk deshalb, als er sich an seinem Schreibtisch setzte.


Schatz knurrte nur etwas Unverständliches.


“Was ist denn mit dir los?“, fragte Falk.

 

„Hast du dich gut amüsiert in Berlin?“, fragte Jupp statt einer Antwort zurück.


“Sicher“, sagte Falk. „Es war sehr nett.“

 

„Na das freut mich aber“, antwortete Jupp süffisant. „Wenigstens einer, dessen Wochenende sich gelohnt hat.“

 

„Sag mal, Jupp, welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?“, wunderte sich Falk.


“Welche Laus, fragt er“, knurrte Jupp und stand auf, beugte sich über den Tisch zu Falk. „Welche Laus? Tu doch nicht so scheinheilig. Während du halb Berlin bumst und dich amüsierst, sitz ich hier in der Hölle mit deiner Mutter und lass mir die Ohren absingen. Du wusstest doch genau, warum du abhaust und mich mit ihr allein lässt. Wie günstig, dass du ausgerechnet dieses Wochenende nach Berlin musstest.“

 

„Also entschuldige mal, Jupp“, sagte Falk, verwirrt ob des heftigen Ausbruchs seines Freundes. „Unser Verein schwuler Polizisten hatte den Ausflug zum Berliner CSD seit einem Jahr geplant, nicht zuletzt um uns mit Berliner Kollegen auszutauschen. Und ich habe nicht, schon gar nicht mit halb Berlin... naja. Jedenfalls, damals wusste ich doch noch gar nichts vom Besuch meiner Muter und du selbst hast dich angeboten, dich um sie zu kümmern und hast dich Donnerstag sogar noch auf die Oper gefreut. Sagtest du nicht, du wolltest den Ring schon immer mal sehen?“

 

„Verdammt“, Jupp schlug mit der Faust auf den Tisch, richtete sich dann auf. „Da dachte ich doch, es handelt sich um diese Buchverfilmung, die so viele Oscars bekommen hat.“

 

„Er meint, den ‚Herrn der Ringe’“, erklärte Achim hilfsbereit, der gemeinsam mit Gino den Wortwechsel ihrer Kollegen sichtlich amüsiert verfolgte.

 

„Stattdessen muss ich mir stundenlang dieses Geschrei auf der Bühne anhören“, ergänzte Jupp wütend. „Du hättest mich wenigstens warnen können, wie lang dieser ganze Mist dauert. Und mein Anzug hat deiner Mutter auch nicht gepasst. Die ganze Zeit musste ich mir ihre Modetipps anhören.“

„Hör mal“, erwiderte Falk, „Was kann ich dafür, wenn du nicht weißt, was ‚Der Ring des  Nibelungen’ ist. Und dass du dir mal einen neuen Anzug leisten solltest, habe ich dir auch schon gesagt.“

 

„Dafür wirst du zahlen, mein Freund. Das verspreche ich dir“, betonte Jupp.

 

Falk seufzte. Er hätte es wissen müssen, dass es keine gute Idee gewesen war, seine Mutter mit Jupp allein zu lassen, noch dazu wenn sie mit ihm in die Oper wollte, nicht irgendeine Oper, die Komplettfassung des Rings. Aber die Fahrt nach Berlin war so lange geplant gewesen und er hatte sich so darauf gefreut. Außerdem hatte Jupp doch etwas gutmachen wollen für die WM-Tickets.

 

„Hat es wenigstens ihr gefallen?“, fragte Falk.


“Woher soll ich das wissen“, erwiderte Jupp. „Ich habe sie nicht mehr gesehen.“

„Du hast sie allein in der Oper sitzen lassen?“, fragte Falk erschrocken.

 

„Ich musste zu einem dringenden Fall“, antwortete Jupp.

 

Sofort war Falks berufliches Interesse geweckt. „Was ist los?“

 

„Nichts“, erwiderte Achim. „Er hat mich in der ersten Pause angerufen, ich solle ihn da sofort raus holen.“

„Und weil sein Handy dann im zweiten Akt klingelte und er bei seiner Flucht etlichen Leuten auf die Füße trat, hat er jetzt Hausverbot“, ergänzte Gino.

 

Falk schüttelte den Kopf. Das war mal wieder typisch Jupp. Immer mit dem Kopf durch die Wand. Plötzlich fiel ihm noch etwas anderes ein. „Du hast ihr doch nicht gesagt, dass ich...?“, fragte er besorgt. Wer wusste, was Jupp in seinem Zorn herausgerutscht war.

 

„...du eine Schwuchtel bist und keine Zeit für sie hast, weil du lieber in Berlin rumvögelst?“, vollendete Jupp den Satz. „Nein, habe ich nicht. Kannste beruhigt sein. Sie denkt, du wärest zur Weiterbildung gewesen. “

 

„Sie weiß allerdings nicht, womit du dich weitergebildet hast“, ergänzte er süffisant.

 

„Danke“, murmelte Falk aufatmend. „Und ich habe wirklich nicht...“

„Ich weiß allerdings nicht, ob meine Mutter nicht etwas gesagt hat“, unterbrach ihn Jupp.


“Deine Mutter?“, wunderte sich Falk.

 

„Yep, sie hat sich dann mit deiner den Rest angesehen“, erklärte Jupp. „Die beiden sind jetzt ein Herz und eine Seele.“

 

Falk stöhnte. Seine Mutter und Bertha Schatz, das konnte nicht gut gehen. Eine allein war ja schon etwas gewöhnungsbedürftig, vorsichtig ausgedrückt. Aber beide zusammen...

 

Und wenn er sich schon irgendwann seiner konservativen Familie gegenüber outen sollte, dann wollte er das doch lieber persönlich tun und nicht durch Dritte.

 

„Übrigens heute Abend erwarten die zwei uns zum Essen“, ergänzte Jupp.

“Wieso heute Abend?“, wunderte sich Falk. „Ist meine Muter nicht wie geplant gestern abgereist?“

 

„Nope“, grinste Jupp. Falks Unbehagen war ihm nicht entgangen und ehrlich gesagt, fühlte er sich gleich viel besser. „Ihr hat es in Köln so gut gefallen, sie bleibt noch eine Woche. Außerdem wollte sie dich doch noch unbedingt sehen.“ Dass er selbst diesen längeren Aufenthalt vorgeschlagen hatte, verschwieg er tunlichst. Aber für diese Folter verdiente Falk einfach eine kleine Rache.

 

„Mist“, antwortete Falk. „Ich hatte heute Abend schon eine Verabredung.“

 

„Tja, ich fürchte, die verkneifst du dir besser. Es sei denn, du willst deiner Mutter einen künftigen Schwiegersohn vorstellen.“ Jupp grinste, als er zum nächsten Schlag ausholte. „Außerdem, wenn du noch das Magazin rumliegen hast, was neulich in deinem Flur lag, als ich dich zum Dienst abholte, räumst du besser auf. Ihr Hotelzimmer war nur noch für eine Nacht frei, sie wohnt ob heute bei dir.“

Falk stöhnte. Während Jupp sich in seinen Stuhl zurücksinken ließ, die Arme zufrieden hinterm Kopf verschränkt.


“Apropos Mutter“, schaltete sich da Achim ein. „Deine, Jupp, war vorhin schon hier und lässt dir ausrichten, du sollst dir für kommendes Wochenende nichts vornehmen. Dank Frau von Schermbecks Beziehungen hat sie zwei Tickets für die nächste Ring-Vorstellung bekommen. Sie möchte doch noch den Anfang sehen, den sie verpasst hatte. Und da du selbst ja nicht alles sehen konntest, schaut sie sich mit dir natürlich gern den Rest noch mal an.“

 

„Aber ich habe Hausverbot“, erwiderter Jupp. „Muss sie Falk mitnehmen. Ich gehe zum Fußball.“

 

Falk blickte ihm entsetzt an. Mit Mutter Schatz in der Oper war ja noch schlimmer als mit seiner eigenen.


“Das wurde aufgehoben, nachdem sie erfuhren, dass du von der Polizei bist und zum Einsatz musstest“, erwiderte Achim.

 

Jupps Lächeln erstarb im selben Moment.

 

Ende