Titel: A night in prison

Teil 2
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Pairung: Face/Murdock

Rating: PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Eine Nacht hinter Gittern. Fortsetzung.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

Ein paar Stunden später, mitten in der Nacht, erwachte Murdock plötzlich. Er blinzelte und bekämpfte einen unwillkürlichen Schauder. Er hatte das intensive Gefühl, beobachtet zu werden.

 

Seine Zelle befand sich in der Mitte einer Reihe von fünf gleichgroßen käfigähnlichen Zellen. Sie waren alle nicht belegt, abgesehen von der links von seiner, in der sich Face befand. Der Untersuchungstrakt befand sich hinter dem Büro des Sheriffs. Es war dunkel und er trug keine Uhr. Es musste irgendwann gegen ein oder zwei Uhr morgens sein, und das einzige Licht im Raum war ein Strahl, der durch die halboffene Tür aus dem Raum davor fiel.

 

Er stützte den Kopf in die Handfläche und ließ seinen Blick dem Lichtstrahl folgen, der auch die nebenliegende Zelle ein wenig beleuchtete. Er musterte die Gestalt auf der Pritsche. Das Licht berührte Face Gesicht nicht, doch er sah eine schwache Reflektion der blauen Augen. „Bist du wach?“, fragte er leise.

 

Ein Brummen kam aus der anderen Zelle und der blaue Glanz verschwand für einen Moment, als Face blinzelte.

 

Er war nicht wirklich überrascht, dass Face nicht schlief. „Es ist mitten in der Nacht.“

 

Face gab ein halb amüsiertes, halb genervtes Schnauben von sich. „Das konnte mir schwerlich entgehen.“ Er drehte sich auf die Seite. „Warum bist du wach?“

 

„Ich bin wach, weil ich gespürt habe, dass mich jemand beobachtet. Und was ist deine Entschuldigung?“

 

Face seufzte nur, erwiderte aber nichts.

 

„Willst du wissen, was ich denke?“, fuhr Murdock nach ein paar Minuten fort. „Ich denke, dass du Angst hast, zu schlafen. Du hast Angst, zu träumen – und dass ich es höre. Da ist etwas in deinen Träumen, dass dich so ängstigt, dass du nicht willst, dass ich es höre. Du hast mich angelogen. Du hast gesagt, die Träume wären weg.“ Er wartete auf eine Erwiderung, die nicht kam und setzte sich auf, die Knie zur Brust hochgezogen, so dass er Face besser sehen konnte. „Das ist nicht das erste Mal.“

 

Face drehte den Kopf herum und das Licht fiel nun direkt über seine Gesichtszüge. „Wovon redest du?“, fragte er verständnislos.

 

„Es ist nicht das erste Mal, dass du mich angelogen hast, richtig?“ Murdock war sich nicht sicher, was diesen Gedankengang herausgefordert hatte, doch er folgte ihm instinktiv. Er wollte eine Reaktion von Face provozieren – Ärger, Irritation, verletzte Eitelkeit - irgendetwas anderes als Resignation.

 

Aber Face nickte nur und starrte an die Decke, die sich über ihm in Schatten verlor.

 

„Dann streitest du es also nicht ab.“

 

Face seufzte. „Und noch mal lügen? Was hätte es für einen Sinn?”

 

Der Pilot rieb sich übers Gesicht. „Du machst mir Angst, Facey“, sagte er sehr leise.

 

„Hör’ auf damit, Murdock“, erwiderte Face schließlich. „Es ist nichts. Ich habe mich nur an etwas erinnert.“ Er hob abwehrend eine Hand. „Nein, nicht an die Nacht in der Villa Cucina. Ich musste an eine Nacht vor fast zwanzig Jahren denken.“

 

Murdock schloss die Augen und stützte die Stirn gegen die Knie. „Wieso denkst du ausgerechnet jetzt an Vietnam?“ Er fragte sich, wohin sie diese bizarre Unterhaltung noch führen würde.

 

„Es war in Saigon“, fuhr Face fort, seine Stimme nahm einen abwesenden Klang an. „Ich war erst ein paar Stunden zuvor aus dem Krankenhaus entlassen worden und mein Bein tat höllisch weh. Am nächsten Morgen sollte ich zurück nach Da Nang. Aber irgendwie hatte es Hannibal geschafft, Morrison dazu zu überreden, dass er ihm die Erlaubnis erteilte, mich persönlich abzuholen.“ Er lachte leise. „Vermutlich wollte er ganz sicher sein, dass ich wieder fit bin, bevor ich zurück in der Base war. Du hast ihn nach Saigon geflogen, erinnerst du dich? Du warst erst seit ein paar Wochen unser ständiger Pilot. Es regnete und schließlich wuchs sich der Regen zu einem richtigen Unwetter mit Sturm aus. Es war unmöglich, noch in der Nacht zurück zu fliegen. Aber das Wetter hat uns nicht daran gehindert, diese Bar zu finden und so was von betrunken zu werden, dass ich noch drei Tage später einen Kater hatte. Ich hatte ein schäbiges Zimmer und du hast bei mir übernachtet. Auf dem Boden, in eine Decke gewickelt, schnarchend...“

 

„Ich schnarche nicht“, warf der Pilot ein.

 

„Und ob du das tust“, erwiderte Face trocken.

 

„Das tue ich nicht.“ Murdock zog einen Schmollmund.

 

Face grinste. „Okay. Du lagst auf dem Fußboden, in eine Decke gewickelt und es schien so, als ob du schnarchen würdest, aber natürlich hast du es nicht getan...“, erklärte er mit sarkastischem Unterton. Dann änderte sich der Tonfall seiner Stimme erneut. „Ich lag in meinem Bett und konnte nicht schlafen. Selbst mit all dem Fusel in meinem Blut tat mein Bein einfach zu weh. Irgendwann begann ich dich zu beobachten, so wie eben. Du sahst so friedlich aus, wie du da geschlafen hast, so ganz ruhig und still... lach’ nicht... irgendwie niedlich. Zum Anbeißen.“ Er seufzte.

 

Murdock verdrehte die Augen, grinste aber und schwieg. Ein angenehmes, warmes Gefühl breitete sich in seinem ganzen Körper aus. „Und?“, fragte er schließlich, als nichts weiter von seinem Freund kam.

 

„Ich dachte daran, warum ich ein Loch in meinem Bein hatte. Ich hatte versagt“, fuhr Face nach einem Moment fort. „Und ich wusste, dass ich es wieder tun würde. Ich bin ein Verlierer.“

 

Murdock hielt es nicht länger auf seiner Pritsche. Er stieß die Decke beiseite, stand auf und trat so dicht an die Gitterstäbe, die sie trennten, wie es ging. „Warum denkst du so etwas?“

 

„Ihr gabt euch alle so viel Mühe mit mir“, sagte Face leise. „Hannibal, BA und du, besonders du. Du hast sogar angefangen, auf mich aufzupassen. Aber ich war schon kaputt, bevor wir uns begegnet sind, ich war es von Anfang an. Und ich war nur immer zu schnell bereit, auf meinen Selbstzerstörungsknopf zu drücken.“

 

Der Pilot lehnte den Kopf gegen die Gitterstäbe. „Du urteilst zu schlecht über dich“, wiedersprach er.

 

„Warum ende ich dann ständig in Situationen wie diesen? Wieso ist das einzige, in dem ich gut bin, Menschen zu betrügen und zu bestehlen? Wieso war ich nie in der Lage, eine Beziehung länger als zwei Monate am Laufen zu halten? Wieso verlässt mich am Ende jeder und ich liege allein im Dunkeln, verzweifelt darauf wartend, dass mich jemand findet?“ Er holte tief Luft, versuchte die Emotionen zurück zu drängen, die in ihm aufsteigen wollten.

 

Der Pilot zögerte. Er hatte versucht, eine Reaktion von ihm zu erhalten, doch er war nicht auf diese Welle an Hoffnungslosigkeit vorbereitet gewesen. In ihm war ein Tumult aus verschiedenen Gefühlen: Stolz, weil er wusste das er vermutlich der einzige Mensch auf der Welt war, dem gegenüber Face so offen war. Gleichzeitig fühlte er sich schuldig, weil er sich für ihre gegenwärtige Situation verantwortlich fühlte und nichts dagegen tun konnte. Er wusste nicht, was er erwidern sollte – schließlich konzentrierte er sich auf das, was ihn am meisten verletzt hatte. „Unsere Beziehung hat länger gehalten als zwei Monate, Face“, sagte er schließlich. „Wir kennen uns seit zwanzig Jahren.“ Er versuchte seine Stimme neutral zu halten.

 

Face hob die Hand als wolle er nach ihm greifen, ließ sie dann aber wieder zurück auf seinen Magen fallen, spreizte die Finger über die Narben der Schusswunde. „Ich hätte mich am liebsten neben dich gelegt“, fuhr er nach einer Pause fort. „Damals, in Saigon. Du strahltest so etwas friedliches, sicheres, warmes aus. Und ich wollte in dem Moment nichts anderes, als dass du aufwachst, mich ansiehst und in die Arme nimmst. Mir sagst, dass ich in Sicherheit bin und du mich nie mehr loslassen wirst. Dass ich nie wieder allein sein werde. Dass all dieser Wahnsinn endlich ein Ende haben würde.“

 

Murdock schloss die Augen. Er hatte gewusst, dass Face all die Wochen seit der Schießerei in der Villa Cucina, seit seinem fast-Zusammenstoß mit dem Tod, eine tapfere Fassade aufrecht erhalten hatte. Aber eben eine Fassade, wie er das immer schon so getan hatte. Eine überwältigende Woge an Zuneigung stieg in ihm auf, er liebte diesen Mann! Er schluckte gegen den Kloß in seiner Kehle an, versuchte das Zittern aus seiner Stimme zu halten. „Warum hast es nicht getan, Face?“

 

Face lachte kurz auf, schüttelte den Kopf. „Ich wollte schon immer das, was ich nicht haben konnte. Wollte etwas sein, dass ich nicht bin. Und ich fand nie, nach was ich suchte, weil ich nach dem Falschen suchte.“ Er holte tief Luft. „Was ich wirklich gebraucht habe, war die ganze Zeit vor meinen Augen, aber ich brauchte fast zwanzig Jahre, um das zu erkennen. Ich habe dich nicht verdient, Murdock. Ich habe dich nie verdient.“

 

Der Pilot umschloss die Gitterstäbe mit beiden Händen, wünschte sie würden verschwinden. „Du bist so ein Idiot, Face“, erwiderte er. „Du hast mich, ob du nun glaubst, du verdienst mich oder nicht. Und du wirst mich ganz bestimmt nicht verlieren.“

 

„Hätte es etwas geändert?“ Face rieb sich mit beiden Händen übers Gesicht. „Wenn ich damals den Mut gefunden hätte, zu tun, was ich mir wünschte? Wäre alles besser gelaufen?“

 

„Das spielt keine Rolle mehr, Face“, erwiderte Murdock. „Du weißt so gut wie ich, dass es völlig sinnlos ist, sich jetzt zu fragen, was anders oder besser gewesen wäre, wenn... Wir haben das hinter uns gelassen. Du hast es hinter dir gelassen. Ich kenne kaum jemand, der so viel durchgestanden hat wie du und die Kraft fand, trotzdem immer weiter zu machen.“

 

Wieder lachte Face leise. „Und trotzdem habe ich noch immer Angst, alleine im Dunkeln“, sagte er sehnsüchtig, wie der kleine Junge klingend, der sich tief in ihm versteckte, so sicher hinter der weltgewandten, abgeklärten Fassade verborgen, die er der Welt zeigte.

 

„Du bist nicht alleine. Und ich werde auch nicht weggehen.“

 

„Bis ich das zwischen uns auch ruiniere.“

 

„Das kannst du nicht. Ich liebe dich, egal was du machst. Ich kann nichts dagegen machen.“

 

Face blieb still liegen, er drehte nur den Kopf zurück, so dass er ihn ansehen konnte. „Danke“, sagte er leise.

 

Der Pilot lächelte. „Schlaf’ jetzt“, erwiderte er ebenso leise. „Ich bin hier, in deiner Nähe und es ist nicht wirklich dunkel. Nicht, wenn wir zusammen sind.“

 

Ende