Titel: Wild Boys: Pretend and say goodbye
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team
Charaktere: Murdock/Face, Hannibal, BA
Thema: #048.
Karo
Word Count: 1816
Rating: AR, PG, slash
Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

Summe: Nachdem Murdock wieder gesund ist (Episode: Curtain Call), beschließen die Jungs, das es vielleicht nicht schlecht wäre, L.A. für eine Weile zu meiden und machen Urlaub. Fortsetzung zu: Like Peaches and Cream. Teil des Wild-Boys-Universum

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: Depeche Mode




Independence
Is still important for us though (we realise)
It´s easy to make
The stupid mistake
Of letting go (do you know what I mean)

My weaknesses
You know each and every one (it frightens me)
Kiss me goodbye
When I´m on my own
But you know that I´d
Rather be home



Murdock starrte auf die Captain Bellybuster Figur in seiner Hand, ohne sie wirklich zu sehen.
Er war sich bewusst, dass die anderen ihn beobachteten. Oh, er wusste, sobald er den Kopf hob, würde niemand in seine Richtung sehen – aber er spürte ihre Blicke. Wo, wenn nicht in einer psychiatrischen Klinik lernte man so etwas. Aber er hatte sich nie daran gewöhnt. Auch wenn jetzt die Blicke mit ehrlicher Sorge und Zuneigung auf ihn gerichtet waren, nicht aus Misstrauen.

Es herrschte gedämpfte Stimmung. Fast als warteten sie auf etwas. Und vielleicht taten sie gerade das.

Oder sie waren alle nur ein wenig müde. Hannibal hatte sie im Morgengrauen aus den Betten gescheucht und zu einem „kleinen Morgenlauf, um den Kreislauf in Schwung zu bringen“ gezwungen. Das war, wie Hannibal es nannte.

Als sie zwei Stunden später wieder in der Hütte ankamen, grinste Hannibal zufrieden, obwohl er selbst ziemlich außer Atem war. All die Zigarren hatten ihre Spuren hinterlassen.

Face jammerte und quengelte über seine Füße, die wehtaten. Überhaupt, der einzige Grund, warum er nicht mittendrin umkehrte und zurücklief – ohne sich um den Anschiss zu kümmern, den er sicherlich vom Colonel bekommen hätte – war der, dass Murdock ihm nach ihrer Rückkehr eine Dusche zu Zweit versprochen hatte.

BA grummelte, dass er sein Frühstück haben wolle. Aber es klang gedämpft, auch er war außer Puste.

Und er selbst? Er hatte es genossen. Die Bewegung, der scheinbar endlose Wald, das alles hatte ihm ein Gefühl von Freiheit gegeben. Und seine Anspannung gemildert. Sich zu bewegen half ihm immer, wenn er nervös war, doch in der Klinik war kein Raum dafür. Und oft auch nicht, wenn er mit den Jungs unterwegs war.

Aber das war heute morgen gewesen. Jetzt war die Anspannung zurück. Und mit ihr eine kleine, nagende Stimme in seinem Inneren, die ihm sagte, dass er es nicht länger aufschieben könnte, mit ihnen zu sprechen.

Murdock hob den Kopf und sah sich um.

Hannibal hatte sich mit einem Stapel Zeitungen in einem bequemen Sessel niedergelassen, seine Zigarre und ein Glas in bequemer Reichweite. Gelegentlich lachte er leise vor sich oder runzelte die Stirn.

BA saß vor dem Fernseher und arbeitete sich langsam aber zielstrebig durch einen großen Teller mit Snacks. Er kommentierte das Spiel, dass er sah, mit gelegentlichen Grunzern und Knurren, aber kaum einem verständlichen Wort.

Und Face... Face hing langgestreckt in einem Sessel, wie eine Katze, die sich vor dem Kaminfeuer aalte und schien zu schlafen. Aber das tat er nicht. Er kannte ihn zu gut, kannte all die kleinen Anzeichen, die ihm sagten, dass Face wach war und ihn beobachtete.

Er stand auf und fand sofort alle Augen auf sich gerichtet.

„Irgendetwas nicht in Ordnung, Captain?“, fragte Hannibal und schob die Zigarre in den anderen Mundwinkel.

„Oh, Hannibal, nicht doch. Jetzt wird er wieder nicht aufhören zu reden. Und ich will das Spiel in Ruhe sehen“, beklagte sich BA sofort, doch es war eher ein automatischer Protest.

„Murdock? Redest du heute nicht mit uns?”, fuhr der Colonel fort.

„Ich habe nur nachgedacht.“ Murdock holte tief Luft und drehte sich zu ihnen um. „Doktor Richter möchte mich in ein anderes Krankenhaus überweisen lassen.“ So, jetzt war es ausgesprochen. Allerdings fühlte es sich nicht besser an.

„Wohin will er dich schicken, Murdock?“ Hannibal legte seine Zeitung beiseite und sah ihn an.

„San Diego. Vorerst. Er meinte....“

„Was heißt ‚vorerst’?“, warf Face ein, doch er wurde ignoriert.

„Er denkt, es wäre besser, wenn ich eine Zeitlang in einer anderen Stadt lebe“, entgegnete der Pilot leise.

„Wie lange ist eine Zeitlang, Murdock?“, fragte Hannibal geduldig weiter. Langsam verstand er, was es gewesen war, dass seinen Captain so beschäftigt hatte.

„Sechs Monate.“ Der Pilot hob die Schultern. „Ihr könnt mich doch besuchen kommen. San Diego ist nicht mehr als zweieinhalb Stunden von LA entfernt.

„Und wieso kommt Doktor Richter auf diese Idee?“ Hannibal warf einen Blick auf Face, der unerwartet den Mund hielt, aber nun kerzengerade in seinem Sessel saß und angespannt zuhörte.

„Er denkt, es wäre nicht gut für mich, weiterhin mit euch Jungs zusammen zu sein.“ Murdock wich dem Blick des Colonels aus und starrte auf seine Hände.

„Er weiß von uns, Spinner?“, meldete sich nun auch BA zu Wort.

„Weiß er von uns, Captain?“, fragte Hannibal.

Der Pilot schüttelte den Kopf. „Nein. Nein, ich habe nichts verraten. Aber er glaubt mir nicht, dass ich nicht Teil des A-Teams bin. Er hat es nie getan, nicht in all den Jahren, die ich im Krankenhaus bin.“

„Er kann das doch nicht einfach über deinen Kopf hinweg entscheiden.“ Face sprang aufgebracht auf und stellte sich neben Murdock. „Du hast auch Rechte. Er kann dich nicht einfach irgendwohin bringen und einsperren lassen. Ich...“

„Face.“ Murdock wandte sich ihm zu. „Er zwingt mich nicht gegen meinen Willen dazu. Ich... ich habe gesagt, ich werde darüber nachdenken.“

„Nachdenken?“ Face starrte ihn schockiert an. „Du willst wirklich darüber nachdenken?“ Abrupt drehte er sich um und ging ohne ein weiteres Wort aus dem Raum. Gleich darauf hörten die anderen wie der Motor des Sedan losbrüllte.

BA erhob sich unwillkürlich. „Mann, er hat meinen Wagen!“

„Lass’ ihn.“ Hannibal winkte ab. Er blickte den Piloten an. „Murdock?“

BA verließ schweigend das Wohnzimmer. Irgendetwas an Hannibals Ton sagte ihm, dass die beiden dieses Gespräch besser alleine führten.

Hannibal warf seine Zigarre in den Kamin. „Was ist mit dir los? Oder... mit euch?“

Der Pilot ließ sich auf das nun freie Sofa fallen und fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare. „Ich... ich weiß nicht, was ich tun soll, Hannibal. Vielleicht... vielleicht hat Doktor Richter ja recht. Colonel... ich liebe euch, ich... ich liebe Face... Ihr seid meine Familie. Und ohne euch wäre ich schon vor sehr langer Zeit verloren gegangen. Aber...“

„Aber?“, hakte Hannibal nach, als der Pilot nicht weitersprach.

„Nach all der Zeit... zuerst in Vietnam, dann das ständige Weglaufen vor der MP, das Versteckspielen und das Leben im Krankenhaus... ich stelle plötzlich fest, dass ich nie eine Chance hatte, heraus zu finden, was ich wirklich will. Wie ich mir meine Zukunft vorstelle. Doktor Richter hat gesagt, ich könnte in San Diego an einem Outpatient-Programm teilnehmen, eine Arbeit annehmen und wenn ich mich gut mache, dann in eine eigene Wohnung ziehen. Es wäre so etwas wie ein normales Leben.“

„Und das ist etwas, dass du dir wünschst“, entgegnete Hannibal leise.

„Ich dachte nicht... ich weiß es nicht... Face...“, er brach ab und presste die Handflächen gegen die Augen. „Ich weiß überhaupt nichts mehr. Gestern war noch alles so einfach.“ Er ließ die Hände sinken. „Ich will Face nicht wehtun. Und ich will ihn nicht verlieren. Aber du weißt so gut wie ich, dass er mich nicht so sehr braucht, wie ich ihn. Jetzt und hier, ja, da ist er mit mir glücklich, da bin ich genug für ihn. Aber wenn wir irgendwo unterwegs sind, dann braucht er mehr, etwas anderes.“

„Vielleicht hättest du zuerst mit ihm sprechen sollen. Das war doch eine ziemliche Überraschung.“ Hannibal stand auf und trat zu dem Piloten, der die Schultern hängen ließ. „Murdock.“ Er wartete, bis er zu ihm aufsah. „Wenn du weggehen willst, dann solltest du das tun. Wir werden dich sehr vermissen, aber du hast jedes Recht, das Leben zu führen, dass du führen willst. Okay?“ Er sah dem jüngeren Mann in die Augen, dann legte er ihm die Hand auf die Schulter und drückte sie kurz, bevor er den Wohnraum ebenfalls verließ.

Murdock blieb auf dem Sofa sitzen und wartete darauf, dass Face zurückkam.

* * *

Er war lange herumgefahren, ohne auf seine Umgebung wirklich zu achten. Enttäuschung und Ärger kämpften um die Oberhand. Warum hatte Murdock kein Wort zu ihm gesagt? Und wieso überhaupt wollte er weggehen? Sicher, San Diego war nicht so weit von Los Angeles entfernt. Aber zu weit, um Murdock mal eben abzuholen, wenn sie zu einem Job aufbrachen. Zu weit entfernt für etwas anderes als einen nachmittäglichen Besuch jeden zweiten Sonntag. Zu weit für eine Beziehung, so unkonventionell ihre auch war.

Darüber war es dunkel geworden. Um so überraschter war Face, als zwischen den Bäumen – und die Gegend schien hier aus nichts anderem zu bestehen – im Licht der Scheinwerfer Andres Ferienhaus auftauchte. Wie ein Pferd in den heimischen Stall fand, war er ohne sich dessen bewusst zu sein, zurückgekehrt. Er parkte den Wagen, holte tief Luft und betrat ihre zeitweilige Unterkunft.

Es war spät, also war er sich ziemlich sicher, dass alle ins Bett gegangen waren. Trotzdem warf er einen Blick ins Wohnzimmer. Bis auf die Leselampe neben dem Sessel, in dem Hannibal seine Zeitung studiert hatte, war alles dunkel. Die Beleuchtung reichte allerdings aus, um zu erkennen, dass Murdock sich auf dem Sofa zusammengerollt hatte. Er trat leise zu ihm, um ihn nicht zu wecken und nahm einen alten Quilt von der Rückenlehne der Couch. Die Decke war aus verwaschenen Flicken im Karomuster zusammengesetzt und wenn man sie ansah, dachte man unwillkürlich an eine weißhaarige Großmutter in einem Schaukelstuhl mit einem Nähkästchen von den Ausmaßen eines Kurzwarengeschäfts. Face lächelte und schüttelte den Kopf, um dieses kitschige Bild loszuwerden. Er breitete die Karodecke über Murdock und wollte sich gerade von ihm abwenden, als eine Hand nach seinem Arm griff. Er drehte sich um und sah in braune Augen, die ihn schläfrig anblinzelten.

„Es ist alles okay“, sagte Face leise. „Schlaf’ weiter, okay?“ Er strich Murdock mit der freien Hand eine Haarsträhne aus dem Gesicht zurück. „Wir reden morgen.“

„Du bist böse auf mich“, murmelte der Pilot und drehte sich auf den Rücken, um an die Decke zu starren.

„Nein, ich... okay, ja, ich war sauer. Das war eine ziemlich Bombe, die du platzen lassen hast. Aber können wir darüber nicht morgen reden. Ich bin auch ziemlich erledigt.“

Wortlos rückte Murdock zur Seite und als er nicht reagierte, wandte der Pilot den Kopf und sah ihn an. Face lächelte. Er zog seine Schuhe aus und warf seine Jacke über einen Stuhl in der Nähe. Dann glitt er zu seinem Liebhaber unter die Karodecke. Das Sofa war gerade groß genug für sie beide, stellte er fest und Murdock angenehm warm unter dem Quilt.

„Morgen. Wir sprechen morgen“, sagte er und küsste ihn, als Murdock den Mund öffnete. „Okay?“ Er wartete, bis der Pilot nickte, dann schlang er beide Arme um ihn und zog ihn noch enger an sich. Face schloss die Augen, als Murdock den Kopf an seine Schulter legte. Er schluckte. Egal was morgen sein würde, zumindest diese Nacht konnte er noch so tun, als wäre alles in Ordnung. Als würde er nicht wieder in seinem Leben von der Person verlassen werden, die er am meisten liebte... Zumindest eine Nacht lang.


Ende