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Teil 1

Spock ließ sich schwer an die Wand zurückfallen, als die Tür hinter Konis ins Schloss fiel. Mit einem leisen Klicken schnappten die magnetischen Verrieglungen zu. Er hörte das kurze Gespräch vor der Tür und schloss die Augen, öffnete sie wieder und blickte auf die Scherben vor seinem Bett. Die zerstörte Mekantin Injektion. Von ihm zerstört, als er noch meinte die Schmerzen des abrupten Entzuges kontrollieren zu können. Er konnte es nicht. Sinnlos.

Der Versuch war geblieben was er von vornherein gewesen war: Ein zum Scheitern verurteilter aussichtsloser Versuch. Der Ausgang und die Sinnlosigkeit absehbar, vorhersagbar. Logisch. Mit seinem, dank der Droge nun wieder geschärften Denken, hätte er es gewusst und er wusste es, gestand es sich nicht zum ersten Mal ein.

Er war abhängig. Von einer Droge.

Die Traxaner, Delek, Rakal, Konis und ihre Helfer hatten ihn gezielt und methodisch von Mekantin abhängig gemacht um sich seiner Dienste zu versichern. Vermutlich war er nicht der erste hochrangige Wissenschaftler mit dem sie dieses getan hatten. Rigos auch?

Spock hatte es zunächst akzeptiert doch wusste, er würde Probleme bekommen, diese Abhängigkeit wieder aus seinem System zu entfernen. Selbst mit McCoys Hilfe würde es Probleme geben, sein vulkanischer Hybrid Metabolismus sorgte dafür. Er hatte bereits jetzt Probleme, die Abhängigkeit aus seinem eigenen Denken zu entfernen.

Schwäche erzeugte Probleme.

Inakzeptabel.

Blut was noch immer warm und sickernd an seinem Bein herunter lief, verkündete von einem weiteren Problem. Sein Blut. Sein Körper war missbraucht und dabei beschädigt worden. Sexuell missbraucht? Die Herkunft des Blutes ließ nur wenige sinnvolle andere Schlüsse zu. Übelkeit kroch Spocks Hals hinauf und er verdrängte sie sofort. Gegenwehr war auch bei diesem Akt Deleks nicht möglich gewesen. Nicht ohne seine wahre Tätigkeit hier aufzudecken, nicht ohne sein Leben und damit die Informationen zu gefährden.

Die verabreichte Überdosis an Mekantin hatte gnädigerweise alle Erinnerungen ausgelöscht, sie bereits bei der Entstehung daran gehindert in seinem malträtierten Verstand sinnvoll gespeichert zu werden. Nur diffuse Bilder von Wasser, Delek, erotischem fremden Verlangen und seinem eigenen Widerwillen und seiner eigenen Furcht befanden sich in seinen Erinnerungen. Das Blut und der Ort, an dem er beschädigt war und wo es seinen Körper verließ, genügten Spock um dennoch zu wissen, was geschehen war.

"Jim", flüsterte er leise und schloss erneut die Augen. "Ich weiß nicht, ob ich das schaffe ..."

Schwäche.

Spock holte tief Luft und visierte die Tür zu dem kleinen Bad an, was den Häftlingen hier gestattet war. Er musste sich reinigen, bekleiden und weiter machen. Musste seine Gedanken klären. Es war von vornherein eine kritische Mission gewesen. Gefährlich. Doch nun überstieg sie bei weitem das, was von der SI vermutet oder gar geplant gewesen war und es überstieg, was er zu dulden bereit war.

Es gab kein Zurück. Im Gegenteil. Seine Anwesenheit hier war sinnvoll. Die Idee der SI einen Fachmann einzuschleusen hatte wichtige Informationen gebracht. Er war ein Fachmann. Persönliche Einbußen waren unwesentlich im Vergleich mit dem Nutzen und dem Bewahren von Leben vieler Millionen anderer, die nicht mehr den Drogen oder Waffen von diesem Ort zum Opfer fallen würden. Sie würden sicher sein, wenn diese Aktivitäten aufgedeckt und bewiesen waren. Dafür war er hier. Er war der Beweis- und Informationsträger, den die SI benötigte um einzugreifen. Er musste weiter kooperieren, überleben und ... es schaffen.

Wenn seine versteckte Botschaft von Jim verstanden worden war, würde er nur noch zwei Tage durchhalten müssen. Eins Komma neun fünf, verbesserte sein Zeitsinn sofort. Dann war seine Aufgabe erfüllt, konnte er die Informationen übergeben und sich in die Hände des kompetenten Bordarztes begeben. Dann, wusste er auch, würde er mit den Konsequenzen leben müssen. Der ohne Zweifel emotionale McCoy. Das kleinere Übel und zumindest eines, dem er vertraute. Später.

Spock ging steifbeinig in das Bad und schaltete die auf Traxas übliche Wasserdusche an, wählte die höchste Wärmestufe. Er ließ das Wasser tatenlos an sich herab laufen und ignorierte die diffusen Schmerzen, die sein Körper noch immer unaufhörlich sendete. Die Schäden waren existent, doch nicht lebensbedrohend. Eine Heiltrance war unter Einfluss der Droge unmöglich, doch zumindest gelang es ihm die Blutung zu stoppen und den Schmerz zu kontrollieren. Mekantin hatte eine durchaus angenehme Wirkung auf diese Fähigkeiten der Einflussnahme auf seinen Körper und steigerte sie sogar.

Frierend trocknete er sich nach langen Minuten ab und zog die frische Kleidung an, die bereit gelegt worden war. Zumindest in diesen Dingen entsprach die traxanische Kolonie dem Förderationsstandard für Anstaltskleidung, bemerkte Spock mit Ironie. Sie kratzte und war zu dünn um effektiv zu wärmen, bedeckte lediglich den Körper und dieses in zumindest für humanoide Sehnerven grellbunten Farben. Typische Kleidung für eine Strafkolonie.

Stoisch begann er seine Zelle zu säubern und den Boden von Scherben und Überresten des Mekantins zu befreien, verweigerte den Gedanken an seinen missglückten Versuch die Droge zu vermeiden. Das Essen ignorierte er, als erneute Übelkeit seinen Magen sich um Luft verkrampfen ließ. Er ignorierte ebenso das Bett, nachdem er es sorgfältig geordnet und gefaltet hatte.

Spock setzte sich im Lotussitz mitten in die Zelle, fixierte die Tür und begann im Kopf die notwendigen Schaltungen und Programme zu berechnen, die nötig sein würden um das Schild zu sabotieren. Mit einem anderen Teil seiner Gedanken forschte er durch seinen Körper, der ihm nun so zugänglich wie selten war.

Mekantin. Es hatte auch einen Nutzen, senkte seine psionischen nach außen gerichteten Sinne doch öffneten sie dagegen für sein innerstes. Keine Schilde waren nötig um sich von den Gedanken anderer Präsenzen abzuschirmen. Stattdessen besaß er eine gesteigerte Wahrnehmung seiner eigenen internen Prozesse und sogar mehr Kontrolle darüber als normal.

Es war zwar keine Heiltrance möglich, doch sie war in diesem Zustand auch nicht nötig. Er war ohne Trance in der Lage die Blutströme umzudirigieren, ohne die mit der Trance verbundenen Anstrengungen. Ein Gedanke allein reichte und sein System reagierte. Vielleicht war Mekantin in Maßen eine Möglichkeit für die Medizin? Paradox, dass es sogar in einem medizinischen Labor hergestellt wurde. McCoy würde genaueres wissen. Eins Komma neun vier Tage.


Stunden später schrillte die Sirene und verkündete, dass ein neuer Tag in der Strafkolonie anbrach. Spock stand vom Fußboden auf, entspannte seine Muskeln aus der unbeweglichen Haltung und wartete auf das Klicken des Magnetschlosses. Es kam. Wie jeden Morgen, seit er hier war. Derselbe Wärter wie jeden morgen stand vor der Tür und musterte ihn. Die zweite Schicht. Der Wechsel war immer eine Stunde vor dem allgemeinen Öffnen der Zellen.

"Frühstück ... los ...", murrte der Traxaner, sah sich argwöhnisch um und zuckte gelangweilt mit den Schultern.

Spock nickte nur knapp und machte sich auf den Weg zur Essensausgabe. Wie jeden Morgen war er der erste an der Theke. Die anderen Häftlinge verbrachten mehr Zeit mit der Morgentoilette, wurden vermutlich überhaupt erst von der Glocke geweckt und trafen erst Minuten nach ihm ein. Rigos, der Andorianer würde einer der ersten sein. Spock ließ sich Obst und Tee von einer mürrischen weiblichen Traxanerin geben und setzte sich an einen Tisch am vergitterten Fenster.

Eine der wenigen Gelegenheiten Tageslicht zu sehen in diesen Räumlichkeiten. Er ließ seinen Blick über den spärlich bewachsenen Innenhof der Anstalt wandern und zu dem benachbarten Gebäude. Die Energieversorgung war dort untergebracht, darunter die Labors und darüber die privaten Räumlichkeiten der Leitung. Delek. Spock zog unbewusst die Augenbrauen zusammen als sich wieder diffuser Schmerz in seinem Körper meldete.

"Na? Vulkanier? Genießt du die Aussicht?" Ein Tablett wurde klappernd auf den Tisch ihm gegenüber gestellt und ein schwerer mit Muskeln bepackter Mensch nahm Platz. "Verschwinde, dies ist mein Tisch."

Spock drehte langsam den Kopf und hob überrascht eine Augenbraue. Ein weiterer Mann nahm neben dem ersten Platz. Ebenso kräftig gebaut. Sanders und Malkovic. Durchaus bekannt in diesem Zellentrakt für Humanoide. Verurteilt für Gewaltverbrechen mit Todesfolge. Ihre Anwesenheit in einer Hochsicherheits Strafkolonie war gerechtfertigt.

"Ich habe nicht vor den Platz zu wechseln und es ist mir neu, dass dieser Tisch zu ihrem Eigentum gehört, Mr. Sanders."

Sanders sah überrascht von seinem Tablett auf und blickte zu seinem Partner. "Malko, hast du das gehört?"

Malkovic nickte. "Hab ich."

"Er denkt, er hat Sonderrechte ... hm?", frotzelte Sanders.

"Das denkt er ...", murmelte Malkovic kauend.

"Guten Morgen Mr. Spock. War es noch ein langer Abend gestern?" Rigos suchte sich genau diesen Moment um sein Frühstück zu beginnen und setzte sich unbeirrt neben Spock, der nur mit Mühe ein frustriertes Augenrollen verhindern konnte.

"Ja", antwortete er monoton und ignorierte Sanders aggressives Starren, trank von seinem bereits fast kaltem Tee. Ohne Vorwarnung wurde ihm die Tasse aus der Hand geschlagen und der Inhalt entleerte sich auf seine Kleidung. Die Tasse fiel klappernd auf den Boden und Spock blickte verwirrt hinterher.

"Spock", schrie Rigos doch die Warnung kam zu spät. Eine grobe und sehr kräftige Hand hatte ihn beim Kragen gepackt und zog ihn quer über den Tisch.

Spock spürte das kalte Metall eines stumpfen Frühstücksmessers an seiner Kehle noch bevor er reagieren konnte und blickte in zwei grüne wütende Augen. Sanders.

"Du wirst mit deinem arroganten Gehabe von meinem Tisch verschwinden, oder ..."

"Aufhören!", schnitt ein Ruf durch die plötzlich totenstille Kantine.

"Sanders, ... die persönlichen Wachen ...", zischte Malkovic.

Sanders starrte Spock weiter wütend an, der seinen Blick unbeeindruckt erwiderte.

"Aufhören, habe ich gesagt ..." Ein Projektil durchschnitt den Raum und bohrte sich zusammen mit einem Knall in die Wand hinter Sanders.

"Arroganter Bastard ...", schnaufte der Mensch und stieß Spock grob zurück. Spock taumelte und wurde von Rigos aufgefangen, der bereits erschrocken vom Tisch aufgesprungen war.

Eine der Traxanischen inneren Wachen stand plötzlich neben ihnen und steckte die Waffe wieder ein. "Zeit für die Labors. Der Agnin hat gesagt ich soll dich holen, Vulkanier. Dich auch Rigos. Los ..."

Er drehte sich um und ging. Rigos folgte ihm rasch und zog Spock mit sich. "Bist du verrückt? Die hätten dich umgebracht ..."

"Aus welchem Grund? Weil sie meinen, dass dieser Tisch zu ihrem persönlichen Besitz gehört? Das ist unlogisch."

"Unlogisch? Die Kerle brauchen keinen Grund, ... nun komm schon", schnaufte Rigos und eilte hinter der Wache hinterher die bereits sichtbar genervt am Lift wartete.

"Gut, dass Sie da waren", schmeichelte der Andorianer dem hoch gewachsenen Traxaner. Spock ignorierte Rigos offensichtliche Anbiederung und visierte die Wand an als sich die Liftkabine in Bewegung setzte.

"Regelt eure Sachen gefälligst selber. Ich habe keine Lust den Aufpasser von Sträflingsscharmützeln zu spielen." Die Wache zog eine Grimasse. "Worum ging es überhaupt?"

"Mr. Sanders war der Meinung, das dieser Tisch ihm allein vorbehalten ist", antwortete Spock gelassen. "Ich war ... anderer
Meinung."

"Setz dich halt an einen anderen Tisch, Vulkanier ... und damit hat sich's", knurrte der Traxaner.

Spock hob eine Augenbraue, doch erwiderte nichts darauf. Er würde auch diese Probleme selber regeln müssen und ein Rückzug aus Gründen des Friedens entsprach durchaus den akzeptablen Möglichkeiten.

Konis empfing sie bereits am Lift und gestikulierte Rigos in die äußeren Labors. "Was hat so lange gedauert?"

Die Wache zuckte mit den Schultern. "Er hat ... gefrühstückt ..."

Konis blickte kurz zu Spock und nickte dann. "Gut. Komm, wir haben zu tun. Du kannst gehen, Dramas."

Die Wache nickte und ließ sie allein. Spock ging bereits zu der zentralen Rechnereinheit als Konis zu ihm aufschloss. "Wie geht es dir?"

Spock begann die gestern unterbrochenen Prozesse aufzurufen und ignorierte Konis Frage. Vermutlich wusste der Traxaner ohnehin besser, wie es ihm ging. Immerhin dosierte er Menge und Anzahl der Drogen Injektionen. "Wir müssen die beschädigten Speicherbänke austauschen und drei ebenfalls in Mitleidenschaft gezogene Prozessoren, bevor wir ..."

"Spock, wie geht es dir?", unterbrach Konis.

Spock drehte sich überrascht zu dem Traxaner. "Höre ich ... Sorge? Ist es dafür nicht etwas ... spät und zudem ... unangebracht?", fragte er und gab sich keine Mühe die Arroganz aus seiner Stimme fernzuhalten. Dieser Mann hatte ihn abhängig gemacht und war einer der Verantwortlichen für den Zustand dieser Kolonie. Die scheinbare freundschaftliche Sorge und Gefühle waren mehr als unangemessen und vermutlich eher ein weiterer Schachzug, sich seiner Dienste zu
versichern.

Konis bemerkte die Zurückweisung und presste die dünnen schmalen Lippen aufeinander, bevor er antwortete. "Ja, Sorge. Aber ... ich hätte wissen sollen, dass ich von einem Vulkanier keinen Dank erwarten kann. Du hast zu tun ..." Er drehte sich brüsk um und verschwand in den hinteren Labors.

Spock sah ihm einen Moment nach und machte sich dann wieder an die Arbeit. Wenn er schnell war, würde er noch genug Zeit haben die in der letzten Nacht erstellten Prozesse zu aktivieren und vor Konis Überprüfungen zu verstecken. Das hatte Vorrang. Vielleicht schaffte er es noch sie bereits zu starten. Dann wäre er einen Tag vor der Zeit.

Spock kehrte erst gegen frühen Abend in den Zellentrakt zurück. Der Innenbereich war noch bevölkert, wie immer in den Abendstunden. Die Zellen würden noch ein bis zwei Stunden geöffnet sein. An diesem Ort entsprach die Kolonie einem zwar nicht angenehmen doch üblichen Straflager.

Spock ignorierte feindselige Blicke von Sanders und Malkovic und einiger ihrer Kumpanen, die anbiedernd um sie herum standen und ging direkt in seine Zelle. Einerseits um weitere Konfrontationen zu vermeiden und mehr noch aus dem Grund, dem immer neugierigen und aufdringlichen Rigos aus dem Weg zu gehen. Er war gerade in seiner kleinen Sanitärzelle beschäftigt die neu gebrachten Handtücher in ein Regal zu räumen und eine Injektion der Droge, die ihm Konis gegeben hatte dazwischen zu deponieren, als jemand ihn von nebenan rief.

"Mr. Spock?"

"Ich bin im Sanitärbereich." Spock blickte überrascht auf als ein Wärter den Kopf zur Tür hineinsteckte. Es war selten, dass jemand unangemeldet eine Zelle betrat und dieser Wärter war ihm noch unbekannt. "Wo ist ihr Kollege? D´agnin Kylas hat zu dieser Zeit hier Dienst."

Der Wärter runzelte die Stirn. "Er ist ... erkrankt. Das geht Sie nichts an."

Spock richtete sich auf, verschränkte die Hände auf dem Rücken. "Und ... wenn ich fragen darf ... was geht mich etwas an?
Aus welchem Grund sind Sie hier?"

"Sie haben einen Subraum Ruf. Die Wachen und Agnin Konis haben es genehmigt und mich beauftragt Sie zu holen. Folgen Sie mir."

Subraum Ruf? Es gab nur eine Möglichkeit. Jim? Das wäre ungeplant. Zu früh. Eine notwendige Änderung im Plan? Vermutlich. Spock runzelte die Stirn, war auf der Stelle wachsam. Er legte das Handtuch in das Regal und folgte dem Wärter durch den Innenbereich in einen Korridor und von dort aus in einen Kontrollraum. Spock blickte sich neugierig um, als er die Monitore an den Wänden sah und davor Konis. Von hier wurde dieser Zellenkomplex also überwacht. Er sah fragend zu Konis, bemerkte Delek, der lässig in einem Stuhl in einer dunklen Ecke saß und ihn beobachtete.

Konis trat zur Seite und gab damit die Sicht frei auf einen Monitor. Kirks Gesicht war darauf abgebildet. Jim. Spock benötigte alle Kontrollen um sich seine innere Freude nicht anmerken zu lassen. Er sah wieder zu Konis, der ihn argwöhnisch musterte, versuchte den bohrenden Blick Deleks zu ignorieren. "Zwei Minuten. Ich werde hier bleiben ...", schnappte Konis. "Und ..."

"Ich verstehe ..." Spock nickte und setzte sich vor den Monitor, kämpfte seine Gefühle nieder. Sie würden nicht frei sprechen können. Weniger als das. Hoffnung keimte in ihm auf. War seine Nachricht gestern Mittag verstanden worden? Konis aktivierte die Verbindung und augenblicklich lief Subraum Statik durch das wieder belebte Bild.

Generierte Statik, nicht natürlich, erkannte Spocks geschulter Blick sofort. Die Nachricht wurde also umgeleitet, stammte von einem anderen Ort, als sie gesendet wurde und war präpariert. Uhuras Künste? Spock prägte sich das Muster der statischen Wellen ein um sie später zu analysieren. "Captain Kirk?", fragte er betont gelassen.

"Spock." Kirk beugte sich vor, unterdrückte ein Lächeln nur unzureichend. Es erreichte noch seine Augen. "Sie sehen ... besser aus als gestern."

"Ich bin funktionsfähig", antwortete Spock und bemerkte einen Mann hinter Kirk und die andere Farbgebung der Wand. Fremd. Jim war nicht auf der Enterprise. "Captain Kirk, was ist der Grund für diese Kontaktaufnahme?" 

"Oh ..." Kirk erschien nun fast lässig und abgelenkt, doch Spock kannte ihn zu gut um nicht die Anspannung zu bemerken. Seine übliche Art Nervosität zu überspielen. "Leider eine schlechte Botschaft. Wir haben im Nachbarsektor ein Piratenproblem und werden nicht in einer Woche ..."

"Sir", unterbrach Spock, hatte verstanden. "Eine weitere Kontaktaufnahme ist unnötig und nicht erwünscht."

"Spock seien Sie vernünftig. Wir sind trotz allem Freunde und werden Sie nicht einfach so dort ..."

"Captain, die Anschuldigungen sind bewiesen und klar. Es gibt nichts mehr daran zu ändern."

"Commander Fink hier ...", Kirk drehte sich etwas um zu dem Mann hinter ihm während er weitersprach. "... ist ähnlicher Meinung. Ach so, Sie kennen sich nicht. Wir haben ihn vor eins Komma fünf Tagen an Bord genommen."

Kirk beugte sich wieder dichter an den Monitor, wirkte vertraulich. "Wir brauchten natürlich Ersatz für Sie, besonders wenn es darum geht die komplizierten neuen Biodaten mit den Computern auszuwerten. Das verstehen Sie sicher." Kirk lächelte gewinnend in den visuellen Empfänger.

"Natürlich", erwiderte Spock stoisch und kämpfte innerlich um seine Fassung bei dem Anblick seines lächelnden Freundes. Das Lächeln war nicht echt. Er hörte wie sich Konis in seinem Rücken leise räusperte. Die zwei Minuten waren um. "Sir, ich wünsche der Enterprise und Mr. Fink in meiner Nachfolge viel Erfolg und bitte darum, dass Sie von weiteren Kontaktaufnahmen zukünftig absehen."

Kirk seufzte theatralisch und schüttelte den Kopf. "So schnell werden Sie uns nicht los, Mr. Spock. Passen Sie auf sich auf und ... wenn wir die Piraten bedient haben, werden wir uns melden. Noch sind wir ja in der Nähe."

Konis beugte sich halb vor Spocks Sichtfeld und griff an den Verbindungsknopf. "Captain Kirk? Die Zeit ist um. Sie stören die Anstaltsroutine, bitte berücksichtigen Sie dies."

Kirk nickte, warf Spock einen entschuldigenden Blick zu und drückte einen Knopf außerhalb des Sichtbereiches. Die Interferenzmuster änderten sich erratisch, doch noch immer in einem mathematischen Muster. "Wir verlieren ohnehin die Trägerwelle. Ich bedanke mich für Ihr Verständnis Mr. Konis, Erster Beobachter und Agnin. Spock, passen Sie auf sich auf? Kirk aus."

Der Bildschirm wurde dunkel. Spock starrte auf den Monitor und schloss die Augen als automatisch Rechnungen und Analysen der Interferenzen durch sein Bewusstsein liefen, vermengt mit Jims Bild. Jim ...

"Jim?", fragte Delek, sehr leise und fast freundlich.

Spock sah irritiert zu ihm, einen Moment nicht sicher, ob er den Namen laut ausgesprochen hatte oder der Traxaner ihn aus anderen Quellen wusste. Delek lachte leise. "Er bedeutet dir viel, nicht wahr? Dein ehemaliger Captain ..."

Spock schwieg und Delek stand langsam auf. "Wir werden ein Auge auf ihn haben. Oder sollte ich sagen ... die Piraten werden das erledigen? Woher kam die Nachricht?"

Spock saß steif. Waren die Piraten die Kirk erwähnt hatte real? Hatten tatsächlich die Brüder die Piraten auf die Enterprise angesetzt? Doch das Signal war nicht aus dem benachbarten Sektor gekommen. Kirk war nicht auf der Enterprise gewesen. Die Interferenzen waren klar. Uhuras Handschrift und eine versteckte Botschaft darin. Der neue Commander - Fink - vor eins Komma fünf Tagen an Bord gekommen. Versteckte Zeitangaben. Ein Mann der SI? Sie waren hier und würden zugreifen, in spätestens eins Komma fünf Tagen.

"Die Verbindung wurde von Position eins sieben Sektor 4b gesendet. Dort ist auch die Enterprise zur Zeit registriert. Die Interferenzen könnten durch Subraum Verwerfungen kommen", meldete ein traxanischer Techniker und nahm mehrere Schaltungen vor.

Delek nickte und sah zu Konis. "Hat er etwas verraten?"

"Ihr habt selber mitgehört." Konis schüttelte mit dem Kopf. "Der Captain hat die Zeit mit belanglosem Geschwätz vergeudet und zudem uns eine wichtige Information geliefert. Die Piraten locken sie weg und sie werden nicht in einer Woche und vermutlich auch nicht danach kommen, wenn alles wie geplant verläuft."

Delek musterte Spock, war nicht überzeugt. "Wir sollten ihn befragen. Ich ... sollte ihn befragen." Eine schuppige Hand legte sich auf seine Schulter und ein Finger strich fast sanft an seinem Hals entlang.

Spock kämpfte gegen erneute Übelkeit, froh, dass seine von der Droge ohnehin gedämpften telepathischen Sinne nicht die Gedanken dieses Sadisten abwehren mussten. Er würde jedoch die Prozedur einer Überdosis nicht erneut rational überstehen. Sein Verstand würde Schaden nehmen, wenn er ihn ein weiteres Mal so weit zurückziehen musste. Unerwartet kam ihm Konis zur Hilfe.

"Herr. Wir haben noch immer die Reparaturen laufen und ich brauche ihn morgen und auch in der Nacht dafür. Bei ... vollem Verstand ...", fügte Konis eindringlich hinzu.

Spock drehte den Kopf zur Seite, konnte den Widerwillen nicht mehr aus seinem Gesicht fernhalten. Delek bemerkte es und griff ihn hart am Kinn, zwang grob seinen Kopf herum und dazu ihn wieder anzusehen. Er sprach kein Wort, doch Spock erkannte die mit den Augen transportierte Warnung und Drohung. Mit einem Zischen ließ der Traxaner ihn los und verließ den Kontrollraum.

Wenige Sekunden war Stille, dann gestikulierte Konis zu einer der Wachen. "Bringt ihn zurück."

Spock stand auf und folgte den Wachen, seine Gedanken bereits wieder bei der Berechnung der Interferenzmuster. Jim hatte ihm einen Hinweis gegeben. Er hatte die Biosensoren nicht umsonst erwähnt.

Als er in den Innenraum des Zellentraktes kam, sah Spock dass die Tür zum Innenhof noch geöffnet war. Es war zwar bereits dunkel doch frische Luft würde ihm helfen, seine Gedanken zu klären und zu ordnen. Die Nacht in der eingeengten Zelle würden ohnehin lang genug sein.

"Wie lange ist der Außenbereich noch zugänglich?", fragte er einen der Wärter, die ihn hergebracht hatten.

Der Traxaner zuckte mit den Schultern. "Wie immer ... bis zum Klingeln."

Also noch eine Stunde Zeit um hinaus zu gehen. Spock nickte stumm für sich, holte sich seine Jacke und ging in den Innenhof. Sein Verstand benötigte Ruhe zum Nachdenken und seine Seele freien Blick auf die Sterne.


Teil 9