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Teil 1

 

 

Die Türen öffneten sich automatisch vor Spock und gaben den Blick frei auf Deleks private Räumlichkeiten. Der Boden war mit schweren Teppichen belegt. Die Wände und der zentrale Raum war voller zum Teil antiker Möbel und ein Sammelsurium an Gegenständen befand sich verteilt an den Wänden, die zusammenhanglos angeordnet waren. Es sollte der Anschein von Luxus erzeugt werden, wirkte dennoch geschmacklos und wie das Zimmer eines unersättlichen Sammlers.

 

Von dem großen zentralen Raum führten mehrere Türen und Durchlässe in andere Räumlichkeiten. Spock kannte sie, zumindest einen davon, nur allzu gut, wenn auch die Erinnerungen verworren waren. Das Wasserbassin verbarg sich hinter einer der Türen. Deleks bevorzugter Aufenthaltsort. Traxaner liebten Wasser.

 

Spock unterdrückte die aufkommende Übelkeit und konzentrierte sich darauf seine irritierend turbulenten Emotionen aus seinen Gesichtszügen fern zu halten, als er flankiert von zwei Wachen und Konis eintrat.

 

Delek wartete bereits, saß auf einem der mit rotem Samt bezogenen Sessel und schuf einen fast aristokratischen Farbkontrast mit der silbrig schuppigen Haut und dem weißen Umhang. „Das wurde auch Zeit ...“

 

„Er hat noch an den Systemen arbeiten müssen, Herr.“ Konis verbeugte sich leicht. „Die Schäden sind enorm.“

 

Delek runzelte die Stirn und stand auf, kam die wenigen Schritte zu ihnen und musterte den Vulkanier eindringlich, fragte ihn direkt. „Welche ... Schäden?“

 

„Es gab eine Fehlfunktion in einem der Labors und dadurch Rückkopplungen in das Computersystem, welche einige Programme zerstört haben“, erklärte Spock monoton.

 

Delek sah ihn wachsam musternd an, blickte dann prüfend zu Konis. „Fehlfunktion? Wodurch?“

 

Konis nickte bestätigend. „Eine Abdämmung ist gerissen. Ein Labor wurde geflutet und hat auch die Prozessoren und Datenbänke ...“

 

Delek hob ungeduldig die Hand und nickte. „Gut, gut ... ich hab verstanden. Wie lange?“

 

Konis holte tief Luft und sah fragend zu Spock, dass er die fachliche Antwort gab.

 

„Die heutige, bereits erfolgte Arbeit mit inbegriffen, werden wir drei Tage benötigen um das System wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen“, antwortete Spock sachlich und neigte fast entschuldigend den Kopf als er fortfuhr. „Es wird erforderlich sein, in einer der nächsten Nächte auf das Hauptsystem zuzugreifen, wenn es wenig frequentiert ist um die zerstörten Prozesse schrittweise wieder in das Hauptsystem einzufügen.“

 

„Das beherrschst du. Nicht wahr Vulkanier? Computer ... Sehr schön ...“ Delek musterte ihn wieder, sah dann zu Konis. „Du wirst ihn dabei überwachen, ich traue ihm nicht ...“

 

Konis nickte, doch Delek sah es nicht, hatte seine Aufmerksamkeit bereits wieder völlig bei Spock. „Ich sehe du hast dich wieder ... gefangen, nach der unerwünschten ... Unterbrechung heute Mittag. Nun gut ...“ Er gestikulierte zu den Wachen. „Bringt ihn nach nebenan in den Tank und ... bindet ihn fest. Ich will nicht, dass er mich ... verletzt.“

 

Spock widerstand mit Mühe der Versuchung eine angewiderte Grimasse zu ziehen, doch konnte das Missfallen nicht aus seinen Augen fernhalten. Delek grinste spöttisch als die beiden Wachen ihn bestimmend an den Oberarmen griffen und in den Raum nebenan schoben.

 

Deleks Stimme war etwas gesenkt, doch Spock hörte dennoch den kurzen Wortwechsel beim hinaus Gehen. „Konis? Gib mir noch eine Dosis von diesem Zeug, was er so mag. Ich möchte noch etwas mit ihm ... plaudern und ... dann wirst du ihn in zwei Stunden abholen und in seine Zelle bringen.“

 

„Herr, es ist Vorsicht angeraten. Er hat bereits eine höhere Dosis im Blut durch die späte Gabe am Mittag und ...“

 

„Erklärst du mir, wie ich meine eigene Entwicklung anzuwenden habe?“

 

„Nein, natürlich nicht, Herr. Aber ... wir brauchen sein Wissen für die Computer. Er ist ... gut und eine Überdosis schädigt ...“

 

„DU ... meinst, wir brauchen es. Sein Wissen. Deswegen ist er ja hier ... aber ... Er ist ein Straftäter, wie alle die hier eingeliefert wurden. Vergiss das nicht, Konis. Lass dich nicht von seiner ... Passivität und scheinbaren Höflichkeit einlullen. Dieser Mann ist intelligent, stolz und ... sehr, sehr gefährlich. Ich mag es nicht, dass wir so von ihm abhängig sind ... und dieses Starfleet Schiff in der Nähe gefällt mir ebenso wenig. Sieh dich besser nach einem Ersatz um ... ich traue ihm einfach nicht. Er verbirgt etwas und er wird seinen eigenen Vorteil nutzen, wenn er ihn bekommt und das mag ich überhaupt nicht.“

 

Konis schien zu nicken, denn er gab keine für Spock hörbare Antwort.

 

„Gut“, Delek bewegte sich im Raum. Sein schwerer Umhang raschelte über den Teppich. „Sieh dich um und ... gib mir Bescheid, wenn du Ersatz gefunden hast und er ... verzichtbar geworden ist. Oder besser .... gib Rakal Bescheid. Er wartet ohnehin schon ...“ Ein leises Lachen folgte. „Bis dahin ... pass auf ihn auf und auf alles was er tut. Solange wir ihn brauchen.“

 

„Ja Herr.“

 

„Geh nun ... hol ihn in zwei Stunden.“

 

Die folgenden Worte waren unverständlich, als die Wachen Spock grob in den benachbarten Raum stießen. Es war um etliches kühler hier. Eine Folge des großen Wasserbassins, welches hier fast den gesamten Raum ausfüllte und der kühlen Steinfliesen die kaum Wärme speicherten. Jim hätte es vermutlich als etwas zu kleines Schwimmbad bezeichnet. Jim, er würde ihn holen. Durchhalten, befahl sich Spock und verdrängte seinen Widerwillen auf das was kommen würde.

 

„Ausziehen“, unterbrach einer der Traxaner schroff seine Gedanken.

 

Spock unterdrückte ein Zittern und gehorchte. Er wusste was ihm bevorstand, zwang sich es analytisch und sachlich zu akzeptieren. Es war nicht vermeidbar und er musste überleben. Widerstand würde seinen Tod bedeuten und damit den Verlust der Informationen. Kooperieren.

 

Die Wachen rissen ihm die rote Kleidung aus den Händen, warfen sie achtlos auf eine Steinbank und stießen ihn die Stufen hinunter in das kalte Wasser. Spock fror als das Wasser an seine warme Haut gelangte und schnappte unwillkürlich nach Luft.

 

„Kalt?“, fragte eine der Wachen höhnisch und stieß ihn weiter vorwärts, doch blieb selber am Rand und griff nach der Waffe. „Schwimm! Du weißt wohin. Mach es uns nicht schwerer als es ist und vergiss nicht: Ich habe eine Waffe.“

 

„Er ist Vulkanier. Das sind Heißblütler ... kaltes Wasser mögen sie gar nicht.“ Der andere Traxaner lachte und sprang demonstrativ mit einem eleganten Kopfsprung in das Wasser tauchte bis zur Mitte des Bassins und angelte mit einer Hand nach den dort treibenden Fesseln. „Na los schon ...“, schrie er zu ihnen hinüber als er fertig war.

 

Spock presste angewidert die Lippen zusammen. Er würde schwimmen müssen. Zu seinem eigenen ... er fand kein Wort für das was kommen würde, wollte kein Wort finden und verdrängte es erneut. Entwürdigend. Inakzeptabel. Seine Erziehung rebellierte und hämmerte gegen seine internen Mauern, die er errichtet hatte. Ebenso rebellierte seine Muskulatur gegen das kühle feuchte Wasser.

 

„Na? Ziert er sich?“ Deleks gelangweilte Stimme. Er war unbemerkt in den Raum gekommen.

 

Ein Knall, gefolgt von Sirren erfüllt den Raum. Wasser spritzte dicht neben Spock auf, als es von einem Geschoss getroffen wurde. Delek oder die Wache hatten geschossen. Die Projektile waren tödlich, wenn sie trafen doch dieses hatte nicht treffen sollen.

 

„Schwimm Vulkanier! Oder der nächste Schuss sitzt.“

 

Aussichtslos. Spock holte tief Luft und glitt ganz in das Wasser und schwamm stoisch bis in die Mitte. Wasser. Das natürliche Element der Traxaner wie Luft für Menschen. Sie konnten effektiv bis zu einer halben Stunde unter Wasser atmen. Ihre Haut war diesem Medium angepasst, konnte den Temperaturentzug ausgleichen, besaß Fettschichten und Schuppen. Seine nicht. Er war Vulkanier, stammte aus einem Wüstenklima.

 

Die Wache griff ihn grob an den Armen als er in ihrer Reichweite war und zog ihn mühelos zu sich. Der Traxaner befestigte seine Handgelenke in den Vorrichtungen und zog seine Arme auseinander, indem er die Ketten spannte. Spock trat mit den Beinen um über Wasser zu bleiben, was ein spöttisches leises Lachen zur Folge hatte. Er quittierte es mit einem arroganten Blick, bevor auch seine Beine gespreizt und unter Wasser fixiert wurden. Er war wehrlos.

 

Der Wächter spannte weitere Seile und brachte ihn knapp an der Wasseroberfläche in die waagerechte, strich mit einer schuppigen Hand über seine kalte nackte Haut und schwamm davon. Spock schloss die Augen, versuchte seine Umgebung zu ignorieren und konzentrierte sich darauf den Kopf annähernd über der Wasseroberfläche des salzhaltigen Wassers zu halten. Sinnlos, es schwappte mit jeder seichten Welle über sein Gesicht.

 

Wäre er ein Mensch, hätte er sich treiben lassen können, doch seine dichteren vulkanischen Knochen zogen mit ihrem Gewicht unweigerlich den Körper nach unten. Die Spannung der Fesseln vom Beckenrand war nur unzureichend um das auszugleichen. Er erinnerte sich daran, wie Jim ihm eines Tages lachend eine akrobatische Übung vorgeführt hatte, die er Toter Mann genannt hatte. Menschliche Idiome. Irritierende und wenig fruchtbare Gedanken und Erinnerungen in dieser Situation. Sie würden nicht helfen.

 

Er war ein Toter Mann, wenn er seinen Kopf nicht über Wasser hielt. Tod durch Ertrinken? Der bevorstehenden Entwürdigung entgehen? Flucht? Widersprüche kämpften in Spocks Verstand und Pflichtbewusstsein gewann ein weiteres Mal die Oberhand. Er hatte einen Auftrag, eine Mission. Andere Leben hingen davon ab, was er an Informationen übermitteln konnte. Ein Toter konnte keine Informationen übermitteln. Er musste überleben, die Entwürdigung hinnehmen. Die zu erwartende weitere Dosis der Droge würde später für einen gnädigen Erinnerungsverlust sorgen, doch das war nur Makulatur.

 

„Du hasst mich ...“

 

Delek. Er hatte sich unter Wasser genähert, war getaucht, in dem Medium in dem sich Traxaner bewegten wie Humanoide an der Luft. Falsch, Traxaner waren Humanoid, doch nur bis zu einem gewissen Grad. Sie besaßen kleine flossenartige Fortsätze, Schuppen und Kiemen, konnten tatsächlich effektiv atmen unter Wasser. Selbst ihre Schlafstätten glichen mehr Wasserbassins. Unter anderen Bedingungen eine durchaus faszinierende Lebensform.

 

Andere Bedingungen?

 

Spock öffnete die Augen und fixierte die Decke über sich. Grelle Strahler blendeten ihn und er schloss die Nickhäute. Sie würden ihn zwar vor dem grellen Licht schützen, doch nicht gegen das Brennen des Salzwassers auf seiner Bindehaut. „Ich bin Vulkanier. Ich bringe dir weder positive noch negative Gefühle entgegen ...“

 

„Vulkanier ...“ Delek lachte leise. „So? Ich habe deine Akte gelesen. Du bist nur zur Hälfte Vulkanier ... aber zur Hälfte Mensch. Menschen haben Gefühle. Du hast Gefühle. Du hasst mich ...“

 

Spock empfand dieses Geplänkel als sinnlos und antwortete nicht, bemühte sich kein Wasser zu schlucken als Deleks Bewegungen neben ihm stärkere Wellen verursachten, die wieder über sein Gesicht spülten. Er spürte eine schuppige Hand an seinem Rücken entlang streichen und ohne weitere Vorwarnung wurde er aus dem Wasser gehoben. Sein Kopf geriet unter die Wasseroberfläche als seine Körperspannung zusammenbrach. Spock schloss die Augen ganz und hielt die Luft an. Ein Reflex, den er seinem Training an der Akademie verdankte. Vulkanier besaßen ihn nicht natürlich.

 

Delek genoss seine Hilflosigkeit, spielte mit ihm. Ein Sadist. Das war bereits klar. Mühsam kämpfte Spock gegen den stärker werdenden Impuls zu atmen, zu wenig Luft war in seinen Lungen gespeichert gewesen. Er würde nicht mehr lange bei Bewusstsein bleiben. Seine Muskeln begannen zu verkrampfen und er spannte sich an, zog an den Fesseln als sein Blut in den Ohren rauschte und Instinkte die Kontrolle übernahmen. Er musste atmen. Delek ließ endlich los und er konnte den Kopf wieder heben, sog keuchend nach Luft, hustete als Wasser mit der ersehnten Luft in seine Lungen gelangte.

 

Leises Lachen drang an seine Ohren, als Spock nicht mehr ausschließlich darauf konzentriert war seinen Atem zu regulieren und das geschluckte Wasser auszuwürgen.

 

„Du kämpfst. Das gefällt mir ... du willst also leben? Ich gebe dir eines ... ein Vulkanier in einer Strafkolonie? Du wärst bereits tot ohne deine ... Künste und unser Wohlwollen. Das weißt du ... also ... zeige dich ruhig etwas erkenntlich.“ Delek schwamm elegant um ihn herum und verursachte neue Wellen. Spock kehrte in seinen vorherigen apathischen Zustand zurück und schloss die Nickhäute.

 

„Welche Gefühle waren das eben? Angst? Furcht? Oder ... sogar ... Wut?“, fragte Delek weiter.

 

„Ich bin Vulkanier und ...“

 

Wasser spritzte ihm ins Gesicht und Delek machte ein höhnisches Geräusch. „Lügen ... ich traue dir nicht. Du bist nicht umsonst hier. Ein Vulkanier, der Computer manipuliert wie ein Meister? Ein ... halber Vulkanier ... halb auch in den ach so ehrvollen Grundsätzen deiner ach so ehrvollen Rasse? Du lügst, manipulierst ... und du hast Gefühle. Welche?“

 

„Ich kooperiere ... um zu überleben. Es ist logisch.“ Spock bekam Delek aus den Augenwinkeln in seinen Blick. „Warum interessieren dich meine ... Gefühle?“

 

„Weil du sie verbirgst. Weil ich mehr von dir wissen will. Was hast du an den Computern der Basis manipuliert? Für wen ... Romulaner? Hängt ihr Spitzohren doch zusammen? Oder für dich allein? All dein Wissen ... du bist nicht unbekannt Mr. Spock von Vulkan, einst Commander der Enterprise ... wie kommt es, dass so jemand wie du plötzlich ... aus der Spur gerät und sogar erwischt wird?“

 

Spock sah wieder fort. „Das wirst du nicht von mir erfahren. Es ändert nichts an meinem hier sein.“

 

„Nein?“ Delek schwamm näher, zog Spocks Kopf an den Haaren aus dem Wasser und zwang ihn ihn anzusehen. „Vergiss nicht, wer dich hergeholt hat und wer dir hier ein Überleben bietet. Du magst es doch, mit Computern zu arbeiten, deinen scharfen Verstande benutzen zu können. Vergiss nicht, wer dir das bietet. Also warum? Warum hast du es gemacht? Verrat? Oder ... wolltest du vielleicht sogar erwischt werden?“

 

Spock erwiderte kühl den Blick des Traxaners. „Ich kooperiere. Das ist ausreichend.“

 

Deleks Blick wechselte von spöttisch zu ärgerlich. Ohne weitere Vorwarnung spürte Spock kaltes Metall am Hals und hörte das Zischen einer Injektion. Die Droge. Er hatte gewusst, das Delek ihm eine weitere Überdosis geben würde, ihn gefügig machen würde. Vorhersehbar. Unabwendbar? Akzeptiere und errichte die Mauern. Sie würden nicht lange standhalten. Nein, schrie sein Verstand in ihm. Verzweiflung? Gefühle? Er bekämpfte sie mit Disziplin doch sie führte zu nichts. Zwecklos. Die Droge würde ihn innerhalb von Minuten überwältigen. Delek lachte und ließ Spocks Kopf ins Wasser zurück fallen.

 

Spock kämpfte hektisch um sein fragiles Gleichgewicht, um über Wasser zu bleiben und genug Atemluft zu erhaschen, führte zugleich innerlich einen aussichtslosen und ungleichen Kampf mit dem Mittel, was sich wie eine Flutwelle mit jedem Herzschlag in seinem wehrlosen Körper ausbreitete. Mekantin.

 

Wärme schoss wie ein Lauffeuer durch seine Blutbahnen, dehnte sich aus und entspannte die Muskulatur. Verbindungen von seinem Verstand zu seinem Körper zerrissen in Kaskaden und die Hitze in seinen Gliedmaßen steigerte sich, als das Blut wie ein reißender Fluss hindurchgepumpt wurde. Keine Kontrolle. Nein. Nur der Körper, bewahre deinen Geist.

 

„Nun? Ich werde es erfahren ... warum hast du die Computer manipuliert?“ Eine kühle raue Hand griff Spocks Geschlechtsorgane und erotische Impulse rasten seine Nervenbahnen entlang, fraßen sich in sein wehrloses Bewusstsein und addierten sich zu dem vorherrschenden Chaos. Spock konnte den Schrei nicht verhindern, der seiner Kehle entkam.

 

„Du reagierst schon? So schnell? ...“ Delek ließ los und zog erneut seinen Kopf aus dem Wasser. „Ahhh ... richtig. Vulkanier. Dein Herz schlägt schneller nicht wahr? Ich hatte es fast vergessen ...“

 

Spock japste und keuchte nach Luft, bemühte sich zumindest um ein restliches Fragment seines rationalen Verstandes, der innerhalb der nächsten Sekunden völlig zerfetzt werden würde von den Drogen. Er würde keine Kontrolle mehr haben auch keine Erinnerungen, nur diffuse Bilder. Keine Kontrolle, keine Verantwortung. Widerstand war zwecklos. Akzeptiere. Logisch.

 

„Das ist nett ... Vielleicht lasse ich dich ein wenig am Leben ...“

 

„Du wirst mich ... ohnehin töten, doch du ... brauchst ... mein Wissen“, brachte Spock mühsam und mit schwerer Zunge hervor.

 

„So? Das weißt du also? Vielleicht ... muss ich dich ja gar nicht töten. Du gefällst mir ... aber ich traue dir tatsächlich nicht. Ein Vulkanier, ein Straftäter? Warum hast du die Computer der Station manipuliert? Starfleet Computer ... ein hochrangiger Offizier ...“

 

Spock kämpfte, sein Körper begann in Eigenregie zu rebellieren, sich gegen die Fesseln aufzulehnen und er stöhnte als die Droge begann seine Rationalität fast völlig auszuschalten. Er sah nur noch verschwommen. „Traust mir nicht ... warum meinst du, ... mir nun zu glauben“, keuchte Spock mit letzter Kraft.

 

„Weil du es jetzt nicht mehr kontrollieren kannst, was du mir antwortest. Die Droge sorgt dafür ... keine deiner Versteckspielchen. Warum bist du hier? Mit wem kooperierst du?“

 

„Dir. ... Hier ...überleben“, keuchte Spock wehrlos, kämpfte um seine Kontrollen. Aussichtslos. Panik bahnte sich einen Weg in sein restliches Denken. Jim hilf.

 

„Ach? Mir willst du loyal sein ... du willst also überleben? Du stehst also zu deinem Wort?“ Delek lachte leise und griff seinen Kopf härter. „Aber zu dem anderen ... was hast du einst geschworen, einen Eid? Dazu ... nicht? Du warst illoyal, hast einen Eid gebrochen.“

 

„Nein.“ Spock würgte als wieder Wasser in seine Lungen geriet, hatte keine Kräfte mehr die verhinderten, dass sich die Worte automatisch formten. „Freund ... musste ... helfen ...“

 

„Freund? Einem Freund helfen? Freund ... welcher Freund ... oh ... etwa dieser Captain … der, der heute da war? Für ihn hast du die Computer manipuliert? Was hast du dort versteckt? Sprich ...“ Mit einem harten Ruck drückte Delek seinen Kopf ins Wasser und zog ihn wieder hoch. Spock hustete und spuckte, konnte nur noch unartikuliert stöhnen.

 

„Sprich ...“, forderte Delek.

 

“Für  … helfen … Freund …”, stammelte Spock. Seine Zunge gehorchte ihm nicht mehr, sein Denken begann zu zerfasern. „Computer ... Wissen ... verstecken ...“

 

“Helfen? Oh ich verstehe ... du hast ihn gedeckt, hast seine Taten verborgen? Das ist interessant ... und er hat zuglassen, dass du erwischt wirst? Was hat er gemacht, das du ihn decken musstest?“

 

„Helfen ... wird kommen .... helfen ... Jim ... Jim ...“ Spock konnte nur noch keuchen, keine Worte formten sich mehr in seinem malträtierten Geist. Er fiel in kalte Dunkelheit, nahm Deleks Lachen nicht mehr wahr und ließ sich in den Strudel aus Farben und Lichtern fallen, gab seinen willenlosen Körper auf und zog sich zurück.

 

Nur diffus wurden Berührungen an seine kaum noch existenten Sinne gemeldet. Angenehme und erotische Reize drangen an sein auf minimale Größe geschrumpftes Bewusstsein. Etwas verschaffte sich Zugang zu seinem Körper, irrelevant, nur der Körper. Nur der Körper.

 

Spock zog sich weiter hinter seine selbst errichteten Mauern zurück und raste in wahnwitziger Geschwindigkeit durch samtene Schwärze. Das Universum? Körperlos. Irreal. Ein Gesicht. Jim. Er würde kommen. Spock schrie nach ihm, konnte es nicht kontrollieren, dass sein Geist ausgriff, Halt in dem vertrauten Freund suchte.

 

Ein Objekt kam in Sicht. Die Enterprise. Eine Woche entfernt? Zu lange, meldeten seine oberflächlich wirbelnden Gedanken. Er raste weiter durch sein selbst produziertes Universum, war körperlos. Ein Wurmloch erfasste ihn und er wurde herumgeschleudert. Gleißendes Licht kam näher und näher. Keine Möglichkeit zu stoppen. Gefahr. Kein Halt. Er fiel. Spock gab auf, ließ es geschehen und wurde mitgespült, durchquerte eine brennende Sonne und fiel wieder in eiskalte Schwärze, endlose Schwärze. Sein Geist griff aus, suchte und fand keinen Halt mehr, kehrte sich panisch nach innen. Schutz. Überleben.

 

Er nahm seine eigenen Schreie und das erratische Zucken und Aufbäumen seines Körpers nicht mehr wahr, als dieser unter völliger Reizüberladung unkontrolliert auf Deleks Berührungen reagierte. Spock war gefangen in seinem pulsierenden außer Kontrolle geratenem Geist. Abrupt spuckte ihn die Schwärze aus, die ihn bisher gnädig gefangen gehalten hatte und sein Verstand dehnte sich mit blendender Energie bis zur Unendlichkeit. Zu viel, zu viel. Er schrie gellend als alle Gedanken mit rasendem Tempo wieder zurückfielen, sich verdichteten und die rasende Fahrt erneut begann.

 

 

Plan 5