19

 

Teil 1

 

 

 

Zu ihrer Befürchtung brachten die traxanischen Behörden tatsächlich gleich zwei Ärzte mit an Bord. Die eigentliche Überraschung war jedoch die Herkunft des zweiten Arztes. Ein Vulkanier. Es sollte der Objektivität der Untersuchung dienen, berichteten sie nach McCoys entrüsteter Frage, wozu das notwendig wäre.

 

Wesley hatte Kirk mehrere warnende Blicke zugeworfen nicht zu intervenieren und so schwieg Kirk, als eine viel zu große Runde von zeitweise fast fünfzehn Traxanern, Sicherheitskräften, Offiziellen und Starfleet Offizieren den kleinen und definitiv überwarmen Raum bevölkerte in dem Spock lag.

 

Der Vulkanier war von McCoy vor einigen Minuten erst geweckt worden. Er war blass, müde und sichtbar erschöpft, lehnte etwas aufgerichtet in den Kissen. Er war ihm ansehbar, dass er sich mit dieser Aufmerksamkeit unwohl fühlte, doch er berichtete nach Shelleys Fragen kühl und präzise die Fakten, welche für die Untersuchung notwendig waren. Als er abgeschlossen hatte, deutete er mit dem Kopf auf die beiden anwesenden und von Sicherheitskräften flankierten Brüder. „Mr. Delek und Mr. Rakal sind die Hauptverantwortlichen für all diese Vorgänge. Diese beiden Personen, die hier anwesend sind“, schloss Spock mit leiser und rauer Stimme ab. Er griff nach dem Wasser was McCoy ihm reichte und trank einige Schlucke, schloss dabei müde die Augen.

 

„Womit sie dann eindeutig identifiziert und die Anschuldigungen klar sind“, betonte Shelley in die Runde blickend. Er war Wesleys Informationsoffizier und führte den Vorsitz über die Untersuchungen, hatte bisher die Fragen gestellt und die Anwesenden vorgestellt. Der schmale blonde Denevaner bot allein durch seine Größe eine beeindruckende Erscheinung und konnte es mit seiner Gelassenheit fast mit einem Vulkanier aufnehmen. „Damit haben wir diesen Teil abgeschlossen.“ Er nickte zu den Sicherheitsmännern. „Bringen Sie die Gefangenen ...“

 

„Moment, nicht so schnell“, fiel ihm ein kleiner untersetzter Traxaner mürrisch ins Wort. Trak, der Anwalt der Brüder, wusste Kirk. Er hatte bereits die ganze Zeit ungeduldig auf den Zehenspitzen gewippt und mit unverhohlener Arroganz das bisher gesagte aufgenommen. „Ich habe noch einige Fragen.“

 

Shelley sah ihn milde an, kannte, wie Kirk, diesen unangenehmen Anwalt inzwischen nur zu gut. „Mr. Trak, wie Sie sicherlich sehen: Dieser Offizier hier ist nicht bei vollen Kräften, wir befinden uns in einer Krankenstation. Sicher möchten Sie nicht dafür verantwortlich sein, dass ...“

 

„Ah? Nicht bei vollen Kräften? Das sehen wir. Ich brauche nicht Sie um mir das zu sagen. Natürlich ist dieser ... vulkanische ehemalige Häftling nicht bei vollen Kräften. Doch die interessanteste Frage ist: Warum? Und ... womit wir bei der nächsten Frage sind: Ist er nach Nennung der Gründe noch glaubwürdig?“

 

„Eine interessante Frage ist nicht zugleich auch eine, deren Beantwortung der Gewinnung von relevanten Fakten dienlich ist“, konterte Spock überraschend mit leiser doch gelassener Stimme.

 

Er sah mit seiner besten ´über-allem-stehender-Vulkanier´ Mine zu Trak, fixierte ihn nun mit stechendem Blick. „Haben Sie andere Daten bezüglich der geschehenen Ereignisse, die Ihren persönlichen Zweifel an meiner Glaubwürdigkeit begründen? Waren Sie ebenfalls bei den berichteten Geschehnissen anwesend? Oder ziehen Sie es vor sich in vagen Anschuldigungen zu äußern?“

 

Trak zischte und gestikulierte zu den Brüdern, versuchte Spocks Blick und Worte schlicht zu ignorieren und sah an ihm vorbei zu Shelley und dem traxanischen Regierungsvertreter. „Diese hochrangigen Mitarbeiter der Kolonie haben mit Recht Zweifel an den Aussagen eines angeblichen vulkanischen Offiziers, der noch bis vor wenigen Tagen ein Häftling war. Sie können beweisen, dass er unter dem Einfluss einer Droge stand. Ein drogenabhängiger Häftling oder von mir aus auch ... Offizier ist ´nicht´ glaubwürdig und wenn dieses die einzige Aussage ist, dann können wir sie widerlegen. Es steht Wort gegen Wort.“

 

Sowohl Fink als auch Kirk wechselten ernste und ärgerliche Blicke, doch hielten ihr Schweigegebot bei, da man sie sonst aus dem Raum verweisen würde. Ihre Anwesenheit war lediglich geduldet. Doch wenn Trak weiterhin Unterstellungen in den Raum werfen würde, wusste Kirk, würde zumindest er nicht mehr schweigen können. Er hatte diesen Traxaner in den letzten Tagen bereits zu unangenehm kennen gelernt.

 

Wesley seufzte und warf ihnen einen mahnenden Blick zu, bevor er Trak ansprach. „Mr. Trak. Zum wiederholten Mal. Commander Spock ist Offizier der Sternenflotte. Ich bitte Sie das nun endgültig in Ihren Wissensschatz aufzunehmen. Er war kein Häftling, sondern hat eine verdeckte Mission durchgeführt. Deswegen ...“

 

„Eine Mission nennen Sie das? Dieser Mann ist ... drogenabhängig“, wetterte Trak. „Ob Offizier oder Häftling.“

 

McCoy plusterte sich auf, doch wurde überraschend von dem vulkanischen Arzt aufgehalten der nun mit vor dem Körper gefalteten Händen vortrat.

 

„Meine Herren, Commander?“ Der vulkanische Heiler, der als Stelk vorgestellt wurde, richtete einige Worte in Vulkan an Spock, die der Translator nicht übersetzte. Spock hob überrascht eine Augenbraue und neigte schließlich zustimmend den Kopf.

 

„Meine Herren“, begann der Vulkanier erneut und richtete sich an Shelley. „Der Fakt, dass ... Commander Spock während seiner Mission unter den Einfluss von Mekantin gesetzt wurde ist kein Geheimnis. Er selbst und auch die Herren Delek und Rakal, sowie Konis haben es hinreichend erwähnt. Es steht in Commander Spocks Berichten. Jedoch ...“

 

Stelk blickte herablassend auf die Brüder. „... eine weitaus informativere Frage wäre, wie er in Ihrer so ´vorbildlichen´ Einrichtung überhaupt an dieses Mittel gelangen konnte und ob er es aus freien Stücken oder ... zwangsweise ... verabreicht bekam? Woher stammte die Droge, deren Abhängigkeit Sie diesem Offizier vorwerfen? In einer Strafkolonie?“ Ein dunkle Auenbraue hob sich und einen Moment war Schweigen. „Die Berichte von Commander Spock kennen wir. Sie scheinen sie bisher zu ignorieren. Ihre Deutung?“

 

Trak zischte. „Der Agnin Konis hat es beschafft und ihm ...“

 

„Auf Mr. Deleks Befehl und unter Mr. Deleks und Mr. Rakals Führung ...“, unterbrach Spock ruhig und deutete mit dem Kopf auf die Brüder, die er bisher ignoriert hatte. „Dieses sind die Verantwortlichen für das Herstellen und Vertreiben von Drogen. Sie haben sie entwickelt und die Verbreitung ermöglicht. Nicht ich bin hier angeklagt, Mr. Trak.“

 

„Aber Sie nehmen diese Drogen ...“, schnaubte Trak und sprach das erste Mal den Vulkanier direkt an. „Sie ... haben es in Ihrem Bericht gestanden und da Mekantin abhängig macht ... Sie ´sind´ von ihnen abhängig und daher nicht glaubw- ...“

 

„Das ist nicht korrekt“, unterbrach diesmal Stelk. „Dann müssten sich Rückstände im Blut finden. Es befinden sich keine Spuren von Drogen oder anderen Medikamenten im Körper dieses Offiziers. Meine Person und Ihr eigener Arzt hat dieses eingehend anhand des Blutbildes bestätigt. Sie können es noch immer auf den Monitoren ablesen, wenn Sie die nötige Fachkompetenz besitzen und die unsrige anzweifeln. Mr. Trak.“

 

„Sie verbergen es“, zischte Delek plötzlich aus dem Hintergrund und konnte sich nicht mehr beherrschen. Die Wachen hinter ihm griffen an seine Oberarme als er vortreten wollte und hielten ihn zurück. „Sehen Sie es denn nicht? Die stecken unter einer Decke ... tun etwas ... um es zu verbergen ... die Mittel dazu haben sie und ...“

 

„Das ist Unsinn ...“, murmelte Shelley etwas gereizt.

 

Delek schüttelte vehement den Kopf und tobte weiter. Gestikulierte mit dem Kopf auf Spock, der ihn mit einem undurchdringlichen kalten Blick beobachtete. „Dieser Mann war mit Recht in der Kolonie. Hat betrogen und ... wartet nur einige Stunden, dann werdet ihr sehen, was es heißt, wenn er seine Droge nicht bekommt ... er würde alles tun ... alles, sogar ...“

 

„Ruhe!“, donnerte Wesley. „Dies ist kein Theater sondern eine Anhörung. Wir befinden uns hier außerdem auf Förderationsgebiet.“

 

Es wurde sofort totenstill im Raum. Kirk lockerte seine instinktiv geballten Fäuste und warf besorgt einen Blick zu seinem Freund. Spock hatte die Augen geschlossen und öffnete sie langsam wieder. Er sah zu Stelk, sprach leise einige Worte an ihn. Wieder Vulkan.

 

Stelk nickte zustimmend und blickte in die Runde. „Meine Herren. Die Anwesenheit der Beklagten ist für die weitere Befragung des Commanders nicht von Nöten und ohnehin ist die zur Zeit notwendige klimatische Einstellung dieses Raumes ihrer Gesundheit abträglich. Ich bitte sie zu entfernen, damit wir unter akzeptablen Umständen fortfahren können.“

 

Wesley tauschte Blicke mit einem bisher schweigsamen Vertreter der traxanischen Behörde, Kakal, der oberste Regierungssprecher von Traxas. Er schwitzte ebenfalls bereits und schien sich unbehaglich zu fühlen. Kakal nickte zustimmend und bedeutete den Sicherheitskräften die Gefangenen hinaus zu bringen. „Mr. Trak wird als Vertreter bleiben ...“, forderte er.

 

Die traxanischen Brüder waren nicht einverstanden und wehrten sich lautstark.

 

„NEIN ... wir werden nicht einfach so gehen“, schrie Rakal, als ihn die zwei Wächter hinaus geleiten wollten. „Ihr glaubt ihm? Einem Vulkanier, der Drogen nimmt ... der meinen Bruder angefleht hat um die Droge ... der ...“

 

„RAUS!“, donnerte Wesley erneut und gab den Sicherheitskräften ein eindeutiges Zeichen. Der Rest des wütenden Geschreis und der Drohungen ging in den Kommandos der Sicherheitskräfte unter, bis die Türen sich wieder schlossen und es einen Augenblick still war.

 

„Das allein würde schon genügen, um diese ganze Befragung unnötig zu machen“, murmelte Shelley ironisch. „Die Drohungen sind Grund genug.“

 

Stelk zog eine zustimmende Augenbraue hoch und blickte fast mitleidig durch das Fenster des Raums, zu Delek und Rakal die aus der Krankenstation gebracht wurden. „Sehr emotional, jedoch verlangen diese Anschuldigungen durchaus eine faktische Durchleuchtung.“

 

„Richtig“, stimmte Trak zu, was ihm eine weitere arrogante Augenbraue von Stelk einbrachte.

 

Kirk wischte sich selbst mit einem Ärmel den Schweiß von der Stirn und warf einen Blick zu McCoy der ernst und düster das Geschehen verfolgte. Fink, der direkt neben Kirk stand atmete kaum hörbar aus und sah aus den Augenwinkeln zu ihm. Er beugte sich herüber. „Captain? Ihr Arzt ist sein Geld wert indem er das Raumklima hier angepasst hat, aber ich hoffe, Sie haben Ihrem Vulkanier beigebracht zu ...“

 

„Er weiß, was er tun muss ...“, zischte Kirk zurück und sah besorgt zu Spock. Für Sekunden trafen sich ihre Blicke. Spocks war undurchdringlich. Er verbarg das, was in ihm vorging gut, doch natürlich hatte der Vulkanier sie gehört. Er neigte etwas den Kopf, was Kirk als Zustimmung interpretierte. Wieder einmal wurde ihm bewusst, wie aussagekräftig Spocks subtile Körpersprache war, wenn man sie lesen konnte und wollte.

 

„Mr. Spock?“ Wesley Worte zogen Spocks Aufmerksamkeit wieder auf sich. „Sie bestätigen Ihre Aussagen, die Identität der Gefangenen, und Sie versichern unter dem Eid als Offizier, dass weder Ihr Geist noch Ihr Körper bei diesen Aussagen von einer Droge beeinflusst wird?“

 

„Ja Sir“, antwortete Spock ohne zu zögern. Er klang matt, bemerkte Kirk sofort.

 

„Damit ist von unserer Seite alles klar.“ Wesley richtete sich auf und blickte zu Kakal. „Mr. Kakal? Wir haben keinen Grund an der Aussage des Commanders zu zweifeln und die Förderation wird demnach Delek und Rakal weiterhin anklagen, der Drog-...“

 

„Moment.“ Trak trat wieder vor und fixierte Spock misstrauisch. „Sie werden nicht von einer Droge beeinflusst? In diesem Moment?“

 

„Nein“, antwortete Spock und hob irritiert eine Augenbraue. „Das sagte ich ber- ...“

 

„Aber Sie ... wurden?“, unterbrach der Traxaner unhöflich.

 

„Ich verstehe Ihre Frage in diesem Zusammenhang nicht. Sie ist irrelevant.“

 

Trak stieß ein spöttisches Lachen aus. „Vulkanier. Die Wortverdreher in der Förderation. Na gut. Dann eben anders und indiskreter, wenn Sie es nicht anders wollen. Warum liegen Sie überhaupt hier? Mr. Spock? Sicher nicht wegen einer … Erkältung?“

 

McCoy neben Spock holte hörbar Luft, doch Spock blieb unbeeindruckt, war vermutlich sogar bereits zu müde um überhaupt seine Kräfte für Emotionen zu verschwenden, die er wieder unterdrücken musste. Er legte den Kopf schräg und ignorierte die subtilen Beleidigungen in Traks Worten. „Ich bin natürlich kein Mediziner, Mr. Trak. Vielleicht richten Sie Ihre fachspezifische Frage besser an Dr. McCoy, meinen derzeitigen zuständigen Arzt? Er ist mehr als kompetent sie ausreichend zu beantworten.“

 

„Elegant“, murmelte Fink anerkennend unter vorgehaltenem Atem.

 

Trak wirbelte zu McCoy, der sich mit geballten Fäusten und mühsam unterdrücktem Ärger zurückhielt. „Nun? Doktor?“

 

„Dr. McCoy? Geben Sie Mr. Trak die gewünschten Informationen, sofern Mr. Spock Sie für diese ´eine´ Antwort von der ärztlichen Schweigepflicht entbindet“, seufzte Shelley gereizt und machte keinen Hehl aus seinem Unmut.

 

Spock sah kurz zustimmend zu McCoy der sich nun nervös die Hände an der Uniformhose abwischte und einen Schritt vortrat. Er hätte ohnehin kaum noch eine Sekunde schweigen können. „Mr. Spock hatte gestern, in Folge der auf Traxas erlittenen Beeinträchtigungen, einen akuten Atem- und Herzstillstand und sein Kreislauf ist kollabiert. Wir mussten ihn reanimieren und er lag über mehrere Stunden unter intensiver Beobachtung. Und, ... wenn es mir erlaubt ist Mr. Shelley ... dieser Mann benötigt Ruhe und diese Befragung ist alles andere als ...“

 

Wesley hob die Hand und stoppte den Arzt, blickte fragend zu Trak. Der Traxaner schüttelte mit dem Kopf. „Das glaube ich nicht ... er ist abhängig und seine Abhängigkeit wird mit irreführenden Diagnosen verborgen und vertuscht. Der Menschenarzt soll es beweisen und ...“

 

„Wie bitte?“, explodierte McCoy, nun endgültig am Ende seiner Geduld. „Sie wollen doch wohl nicht allen ernstes behaupten, dass wir etwas derartiges vortäuschen. Sagen Sie, wer ist hier das Opfer und wer hat das alles zu verantworten?“

 

„Mr. Trak. Sie beschuldigen gerade mehrere Experten und Offiziere eines weder beweisbaren noch haltbaren Verbrechens. Damit überschreiten Sie Ihre Rechte als Vertreter der Brüder Delek und Rakal bei weitem.“ Stelks kühle und gelassene Worte schnitten durch den Raum und brachten sowohl McCoy als auch Trak zum Schweigen. „Ist Ihnen das bewusst und wenn ja, haben Sie die nötigen Beweise um dieses zu untermauern? Und zwar mehr, als die bloßen Anschuldigungen von zwei Beklagten?“

 

Der Vulkanier sah sich bedeutungsvoll um. „Wir befinden uns auf einem Raumschiff der Sternenflotte. Jede illegale Droge, dazu gehört auch Mekantin, wird hier registriert und würde unweigerlich sofort von hochsensiblen Scannern erfasst und Alarm auslösen. Dieses ist nicht geschehen. Wollen Sie allen Ernstes auch noch unterstellen, dass eine komplette Schiffsbesatzung diese Einrichtungen entsprechend manipuliert hat und dadurch mitwirkt, etwas zu verbergen, wo es ...“ Stelk deutete demonstrativ auf den Monitor über Spocks Bett. „... nichts zu verbergen gibt?“

 

Trak blickte den Vulkanier wütend an, holte mehrmals Luft doch fand keine Worte. Wesleys Augen schossen warnend zu Kirk, der seinen Blick so unschuldig wie möglich erwiderte. Fink neben ihm versteifte sich und presste die Lippen zusammen. Natürlich musste jemand in den letzten Tagen die bordinternen Scans manipuliert haben, wurde Kirk sofort klar. Wer? McCoy? Scotty? Sicher nicht Spock. Doch Stelk und auch Wesley wussten das nicht. Niemand.

 

Einen Moment war unangenehmes Schweigen im Raum, nur unterbrochen von einem geflüsterten Zwiegespräch zwischen dem bisher schweigsamen traxanischem Arzt und Kakal. Er beugte sich zu seinem Regierungsvertreter, flüsterte ihm zerknirscht etwas ins Ohr und für einige Sekunden sprachen die beiden erneut miteinander.

 

Shelley und Wesley tauschten bedeutungsvolle Blicke und schließlich klappte Shelley sein Protokollbuch geräuschvoll zu und wippte auf den Zehenspitzen, bedeutete damit den Traxanern, dass sie auf eine Entscheidung warteten.

 

Kakal räusperte sich schließlich und trat vor. Er verneigte sich und es fiel im offensichtlich nicht leicht. „Meine Herren? Wie mein Facharzt mir eben mitteilte, gibt es keine Gründe an den Aussagen Ihres Offiziers oder an denen des neutralen Heiler Stelks zu zweifeln und somit auch keine weitere Veranlassung, ...“

 

„Moment“, begann Trak wieder doch wurde ungehalten von Kakal unterbrochen.

 

„Ruhe, Agnin Trak .... selbst du solltest wissen, dass an einem vulkanischen Wort nicht zu zweifeln ist und ebenso wenig an den vorliegenden Datenbeweisen. Misstraust du auch der Förderation, deren Verbündete wir sind? Dieser Mann hat aufgrund einer informationsdienlichen Mission unter Zwang Drogen bekommen. In einer ´traxanischen´ Kolonie. Das ist Schuld genug. Lade nicht noch mehr auf unser Volk. Das Blutbild wurde geprüft und ist unauffällig. Er kann nach Lage der Fakten nicht abhängig sein. Sein Wort gilt demnach ...“, bestimmte Kakal und drehte sich wieder zu Shelley, wollte weiter sprechen.

 

Trak schnaufte. „Dafür gibt es keinen Beweis ... das ist nicht ausreichend belegt. Er ´könnte´ abhängig sein und sein Wort würde dann nicht ....“

 

„Könnte?“, donnerte Kakal nun ungehalten über die Unterbrechung.

 

„Das ist nur zum Teil korrekt“, schaltete sich Stelk wieder dazwischen. „Der vulkanische Metabolismus ist durchaus in der Lage abhängig zu sein. Jedoch hätten wir dann unweigerlich Spuren der Droge in Commander Spocks Blut gefunden. Das ist nicht der Fall.“

 

„Und wenn er gerade auf Entzug ist?“, konterte Trak schnippisch. „Deswegen die Eile?“

 

Stelk hob eine sehr skeptische Augenbraue und wirkte plötzlich arroganter als Spock in seinen besten Zeiten. „Mr. Trak. Sicher muss ich Ihnen nicht erklären, wie ein Entzug dieser Droge bei Vulkaniern wirkt? Wir ´könnten´ dann nicht mehr mit Mr. Spock sprechen, geschweige denn nach einer halben Stunde ohne das dieses Medikament zugeführt wurde oder länger ...“

 

„Dann, ... er bekam ein anderes Mittel ...“, beharrte Trak. „Einen ... einen ... Katalysator ... irgend etwas ...“

 

„Das gibt es nicht ... nicht ohne dass wir es nachweisen können.“ Der traxanische Arzt schüttelte geschlagen den Kopf. „Nein, geben Sie es auf, Trak, bevor es für unsere Regierung unangenehm wird, was es zur Genüge bereits ist. Es befindet sich derzeit kein anderes Mittel in Commander Spocks Blut. Das wurde oft genug betont. Es reicht.“

 

Shelley wurde ungeduldig doch Trak war noch immer nicht fertig. „Mekantin macht abhängig. Er bekam Mekantin und der Entzug bei einem abhängigen Vulkanier ist tödlich. Wenn er es bekam, was wir wissen, muss er abhängig sein und ... wenn es jetzt nicht mehr nachweisbar ist und er aber noch lebt, muss es einen Grund geben. Hier wird etwas verborgen.“

 

Stelk hob nun beide Augenbrauen und sah durchdringend zu Spock. „Ich weiß, dass diese Frage bereits unnötigerweise mehrmals gestellt wurde. Sind Sie abhängig, Commander Spock?“

 

„Nein“, flüsterte Spock müde, hatte sich bereits wieder angelehnt und das Gespräch nur noch mit halbgeöffneten Augen verfolgt.

 

„Warum nicht, wenn Sie es laut Delek und Rakal sein sollten?“, fragte Trak aufgebracht und wurde fast hysterisch.

 

„Das ...“ Stelk blickte Spock weiter intensiv an. „... interessiert mich auch, doch es hat natürlich nichts mit den gesuchten Antworten zu diesem Fall der Glaubwürdigkeit zu tun, Mr. Trak. Der Commander hat eine eindeutige Aussage gemacht und die Beklagten als Augenzeuge identifiziert. Er steht nicht unter dem Einfluss irgendeiner Droge und ist bei klarem, jedoch aufgrund der Umstände verständlicherweise erschöpftem Verstand. Es ist nicht weiter angemessen diesem Mann seine Ruhe zu verweigern.“ Er drehte sich zu Shelley. „Von meiner Seite als neutraler fachlicher Berater ist diese Sache geklärt.“

 

Shelley nickte zufrieden und sah fragend zu Kakal, der Trak einen wütenden Blick zuschoss und ihm unmissverständlich gebot zu schweigen.

 

„Mr. Kakal?“

 

„Wir werden natürlich alles eingehend prüfen und die Brüder Delek, Rakal, sowie deren Mittelsmänner zur Verantwortung ziehen.“ Kakal straffte sich und war nun trotz der Schweißperlen ganz Staatsmann. „Es ist die Nachlässigkeit unserer Regierung, diesen Missstand in der Kolonie nicht eher bemerkt zu haben und wir erbitten für die Zukunft von der Förderation eine stationäre Vertretung in Anbetracht der nun offensichtlich bekannt gewordenen Gefahren und nahen Piraten ...“

 

„Mr. Kakal, diese politischen und diplomatischen Verhandlungen können wir dann sicher besser in Ihrem Büro weiterführen“, unterbrach Shelley und reichte dem sich sichtbar unwohl fühlendem Vertreter ein Tuch.

 

Der untersetzte Mann tupfte sich dankbar die Stirn ab und nickte. Er sah zu Spock und nickte erneut, wirkte betreten. „Natürlich, natürlich ... Commander Spock ... wenn unsere Regierung irgendetwas ...“

 

„Ja“, platzte es endlich aus McCoy heraus. „Ruhe. Dieser Mann braucht Ruhe und die wird er nicht bekommen, wenn er weiter mit unnötigen Fragen bombardiert wird.“ Er schoss einen bitterbösen Blick zu Trak und sah dann besorgt zu Spock, der bereits sichtbar gegen die Müdigkeit kämpfte.

 

„Also gut, wenn Mr. Kakal nichts einzuwenden hat ... ich danke Ihnen Mr. Spock und wünsche gute Genesung.“ Wesley nickte dem Vulkanier zu und bedeutete den Männern den Raum zu verlassen. Fink warf Spock im Vorbeigehen einen anerkennenden Blick zu und sprach dann angeregt mit Shelley.

 

Kirk hielt sich im Hintergrund, hatte vor noch ein paar Worte mit seinem Freund zu wechseln, bevor der Arzt ihn erwartungsgemäß verscheuchen würde.  McCoy hatte es geahnt, warf ihm einen warnenden Blick zu der ´Nur kurz´ bedeutete und verließ mit den anderen den Raum.

 

Stelk war der letzte und wartete mit dem Rücken zu ihnen an der Tür. Er drehte sich herum, als sonst niemand mehr da war, versteifte sich etwas und musterte den liegenden Vulkanier eingehend. Spock blickte ihn abwartend an.

 

„Spock ...“ Stelk kam einige Schritte zurück, wirkte unsicher.

 

McCoy sah von draußen, dass nicht alle seinem Gebot gefolgt waren den Raum zu verlassen und schickte sich an zurückzukehren, doch Kirk gestikulierte ihm, dass er draußen bleiben sollte. Stelks Argumente hatten geholfen. Der Vulkanier hatte Spock sogar damit mehr in Schutz genommen, als er vermutlich ahnte. Vulkanische gnadenlose Wahrheitsliebe oder taktische Absicht? Kirk wollte wissen was er wollte und setzte sich unauffällig ins halbdunkel in einer Ecke des kleinen Raumes, sah neugierig zu was passieren würde.

 

„Ist es gestattet ... eine private Frage zu stellen?“

 

Spock musterte den anderen Vulkanier und nickte langsam, sichtbar erschöpft und müde. „Natürlich.“

 

Stelk faltete die Hände vor dem Körper und wirkte wie jemand, der etwas unangenehmes überbringen musste. Doch er war Vulkanier, machte sich Kirk bewusst. Unangenehmes konnten sie mit Leichtigkeit überspielen. Es musste etwas anderes sein. Unsicherheit?

 

Der Vulkanier blickte zu Kirk, der still auf seinem Stuhl in der Ecke saß. Er zögerte einen Moment und sah dann wieder zu Spock. „Die Frage ist ... in dieser Angelegenheit. Es ist vielleicht besser sie nur ... diskret zu stellen.“

 

„Es gibt nichts – in dieser Angelegenheit – was Captain Kirk nicht erfahren dürfte“, antwortete Spock formell.

 

„Mr. Stelk, ich werde nicht von Mr. Spocks Seite weichen“, fügte Kirk leise von hinten hinzu. „Fragen Sie auf Vulkan, wenn Sie sich damit besser fühlen. Ich verstehe es nicht und dieser Raum wird nicht abgehört. Sie sind ... privat.“

 

Stelk musterte Kirk intensiv. Er legte den Kopf schräg wie Spock, wenn er nachdachte und nickte schließlich zustimmend. „Das ist ... akzeptabel.“

 

Er drehte sich wieder zu Spock und sprach nun tatsächlich Vulkan. Er schien etwas zu erklären und es klang leise, bedrückt, mehr wie ein Geständnis als alles andere was Kirk in dieser Sprache und von Vulkaniern bisher gehört hatte. Neugierig beobachtete er Spock um an seiner Reaktion auszumachen, worum es ging.

 

Spock antwortete nicht sofort sondern schloss die Augen und atmete langsam aus. Nach einigen Sekunden öffnete er sie wieder und richtete den Blick an die Wand, sah dann zurück zu Stelk, der abwartend vor ihm stand. Zwei oder drei vulkanische Sätze, mehr geflüstert, waren alles was er schließlich antwortete. Kirk glaubte McCoys Namen darin zu erkennen.

 

Stelk neigte zustimmend den Kopf und seine nächsten Worte waren wieder in Standard. „Das wird nicht vergessen werden, Spock ´cha Kshu.“ Er öffnete die Hand zum vulkanischen Gruß und verneigte sich vor dem liegenden Vulkanier, der den Gruß matt erwiderte. Dann drehte sich Stelk zu Kirk, nickte ihm fömlich zu und verließ den Raum.

 

Spock lehnte sich ausatmend zurück und schloss die Augen. Er war am Ende seiner Kräfte. „Jim ...“

 

„Ich bin hier ...“ Ein kurzer Blick nach draußen sagte Kirk, dass die Krankenstation sich langsam leerte. Er schaltete mit einem Knopfdruck auf die von ihm aus erreichbare Kontrolltafel die Fenster blind. Sie waren unter sich.

 

Kirk stand aus seiner dunklen Ecke auf und ging langsam zu seinem Freund. Spock blinzelte ihn müde an und hob eine leicht zitternde Hand. Kirk nahm sie in seine und drückte leicht, setzte sich neben ihn und schwieg. Er spürte das Unbehagen seines Freundes auch ohne dass er etwas sagen musste. War es nun endlich vorbei, keine weiteren Verhöre oder Sorgen? Sie würden noch reden müssen, doch zunächst musste Spock wieder zu Kräften kommen.

 

„Das Schlimmste ist ... vorbei“, sagte Kirk nach einer Weile leise. „Du kannst ... ausruhen.“

 

„Ja ...“ Spock sah ihn müde an, schloss langsam die Augen.

 

„Bones wird mich vermutlich für die nächsten Tage hier aussperren ...“

 

Spock nickte mit geschlossenen Augen. „Ich werde ... ohnehin gleich ...schlafen“, murmelte er mühsam. „Bleibst du ... bis ...“

 

„Schhh ...“ Kirk strich mit dem Handrücken über eine blasse Wange und legte die Hand über Spocks. „Ich bleibe solange ...“

 

Spock blinzelte ihn müde an und fast in Zeitlupe schlossen sich die schweren Lider wieder. Nach einigen Minuten zeigten die gleichmäßigen Atemzüge und leicht zuckenden Wimpern, dass er schlief.

 

Kirk saß noch einige Minuten neben ihm, strich zart über die warme schlanke Hand in seiner und betrachtete die langen Finger. Dann legte er sie sanft auf Spocks Bauch, strich mit einem Finger eine dunkle Haarsträhne aus der Stirn und verließ leise den Raum.

 

 

***

 

„Schläft er?“, empfing ihn McCoy draußen.

 

Kirk nickte stumm.

 

„Gut. Commodore Wesley hält Konferenz in meinem Büro und wartet dort auf dich, ebenso Shelley, Fink und dieser Stelk. Sie wollten noch mit dir sprechen, bevor sie ... hoffentlich ... endlich ... runter beamen. Sorg dafür, dass sie es tun. Das ist mein Büro und kein Gerichtssaal. Es reicht mir ...“

 

„Stelk? Er wollte eben irgend etwas von Spock, aber ...“

 

McCoy schob ihn drängend Richtung Büro. „Er hat schon mit mir gesprochen. Geh und erledige das dort, damit wir alle durchatmen können und das andere geht dich erst mal nichts an. Ich erzähle es dir vielleicht später.“

 

Kirk sah McCoy fragend an doch fügte sich und betrat das kleine Büro des Arztes. Wesley stand sofort grinsend auf und klopfte Kirk auf die Schulter. „Ein genialer Schachzug deines Bordarztes, den Raum auf vulkanische Norm zu bringen. Die Traxaner haben sich alles andere als wohl gefühlt.“

 

Fink grinste stumm in sich hinein und nickte. Stelk hob würdevoll eine Augenbraue und studierte die Wand, während Shelley nun geschäftig vortrat. „Captain Kirk. Bevor wir mit den traxanischen Behörden in Ausgleichs Verhandlungen treten ... nun ... wir müssen uns unserer ... ähm ... Position völlig sicher sein und konnten natürlich nicht so offen fragen ...“

 

Kirk sah ihn verwirrt an, dann zu Wesley. „Was ... fragen ...“

 

Wesley seufzte. „Okay. Im Klartext, Jim. Ist dein Erster Offizier tatsächlich drogenfrei? Oder habt ihr ...“

 

„Natürlich.“ Kirk stutzte und nickte automatisch. Wie oft würde diese Frage noch gestellt werden müssen? Er war froh, das es in diesem Moment sogar der Wahrheit entsprach und tauschte Blicke mit Fink. „Wir haben nichts vertuscht und ... Mr. Stelk hier hat ihn untersucht. Mr. Shelley, Sie können deren Anschuldigungen mit gutem Gewissen widerlegen. Mein Erster Offizier ist ... wie sagt man? Clean.“

 

„Gut. Das hatte ich auch nicht anders erwartet.“ Shelley nickte zufrieden. „Dennoch, immerhin ist Mekantin keine Unbekannte ... es würde mich schon interessieren, wie er das ...“

 

Wesley schüttelte den Kopf. „Das geht uns nichts an, wie Dr. McCoy und Dr. Stelk bereits betont haben. Es gibt immer noch eine ärztliche Schweigepflicht und Privatsphäre von Patienten und Offizieren UND einen Opferschutz. Auch in der Raumflotte und sowieso bei verdeckten Missionen und .... ach Shelley was red ich, du weißt das.“

 

Der lange Denevaner nickte schräg lächelnd. „Oh ja ... also gut. Damit sind wir hier fertig. Captain Kirk? Sie können sich wieder den Sternen widmen und Ihr Erster Offizier kann in den nächsten Monaten eine offizielle Entschuldigung und Schadensersatz für die körperlichen Einbußen durch die traxanischen Behörden erwarten und ... mit Sicherheit auch eine offizielle Anerkennung der Raumflotte für den besonderen und gefährlichen Einsatz.“

 

„Oh? Das wird ihn ... er wird es akzeptabel finden, .... denke ich.“ Kirk zog ein Gesicht und sah zu Wesley. „Den Sternen widmen? Bob? Wir hatten durch diese ganze Sache einen verkürzten und .... recht verdorbenen Landurlaub und die Caius von Commander Fink hier hatte ebenfalls ...“

 

Wesley sah ihn misstrauisch an. „Komm mir nicht so nach alledem. Ihr wollt ... Landurlaub?“

 

Kirk sah unschuldig von einem stocksteifen Fink zu Wesley. „Riga wäre nur zwei Tage entfernt mit Warp drei und nachdem wir ein Drogen- und Piratennest ausgehoben ...“

 

„Das ist auch euer Job. Seit wann bezahlen wir in Naturalien?“ Wesley stöhnte als er Kirks unschuldigstes Gesicht sah, was dieser aufsetzen konnte und machte eine wegwerfende Handbewegung. „Danke deinem Ersten Offizier. Setzt Kurs, eine Woche, mehr nicht. Ich erledige das mit dem zuständigen Admiral in diesem Sektor.“ Er bedeutete Shelley ihm zu folgen und strebte zur Tür. „Seht zu dass ihr hier wegkommt, bevor ich es mir anders überlege“, rief er bevor sie das Büro verließen.

 

„Nur zu gern, ... Sir ...“, raunte Kirk hinterher.

 

„Ich denke, ich sollte auch gehen. Nicht das meine Nachrichtendienstler die Informationen schneller haben als ich rüber beamen kann.“ Fink stand auf und reckte sich breit grinsend. „Riga ... Sie sind ein ausgebuffter Taktiker. Kirk.“

 

„Jim ...“

 

„Marcus.“ Fink lächelte nickend. „Damit ... sind wir quitt, Captain.“

 

„Ich bezahle immer meine Schulden.“ Kirk nickte ihm zu und reichte ihm die Hand. „Danke Marcus, für alles ...“

 

Fink ergriff die Hand und schüttelte sie. „Sehen Sie zu, Jim, dass Sie auf Ihren Mr. Spock achten und ... Ihr Führungsstab und wir uns vielleicht auf ein Riga Bier treffen ... wenn wir schon den Orbit teilen ...“

 

„Das werden wir ....“

 

Fink verließ das Büro und Kirk bemerkte erst jetzt, dass Stelk bereits unbemerkt gegangen war. Er ließ sich seufzend auf einen Stuhl fallen, legte die Füße auf den Tisch und lehnte den Kopf an die Wand. Erschlagen schloss er die Augen und griff nach einigen Momenten blind nach dem Intercom.

 

„Kirk an Brücke.“

 

„Brücke. Uhura Sir.“

 

„Geben Sie mir Scotty.“

 

„Scott hier?“

 

„Mr. Scott, wie schnell können wir den Orbit verlassen?“

 

„In drei Stunden Sir. Wir haben noch zwei Teams unten, die bei den technischen Einrichtungen helfen. Sollen wir sie sofort hoch holen?“

 

„Nein ... Sie sollen ihre Arbeit beenden und dann ... wenn alle wieder an Bord sind ... Kurs auf Riga, Mr. Scott. Wir haben eine Woche bekommen ...”

 

Einen Moment war es still am anderen Ende und es klickte. Jemand hatte geistesgegenwärtig die Verbindung gekappt, doch Kirk wusste, dass es Jubelschreie geben würde. Landurlaub und Riga waren zwei Dinge die nur selten zusammen kamen. Sekunden später klickte es wieder und ein breites ´Aye Captain´  mit starkem schottischen Akzent folgte.

 

Kirk schloss die Verbindung und seufzte, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und dachte einige Minuten an gar nichts, begann zu dösen.

 

„Na? Liegst du gut in meinem Stuhl?“

 

Kirk öffnete die Augen und blinzelte zu McCoy der mit Händen in die Seiten gestemmt in der Tür stand. Er kam langsam rein und musterte ihn prüfend.

 

„Ich habe gehört du hast eine Woche Riga herausgeschlagen? Nicht schlecht ...“, schnarrte der Arzt mit seinem tiefsten Südstaaten Dialekt und goss sich einen Kaffee ein. Auch er war müde und geschafft. Kirk fragte sich, wann er das letzte Mal geschlafen hatte.

 

McCoy gestikulierte mit der Tasse zur Tür. „Dein Vulkanier ist jetzt für mindestens noch ein und einen halben Tag in der waagerechten, tabu und für niemanden - auch dich nicht – zu sprechen oder zu sehen oder sonst was. Nach dieser Aktion hier hat er das bitter nötig. Dann lasse ich ihn ... vielleicht in seine Kabine wenn mir seine Herzfrequenzen gefallen und auch dort kommt er vor übermorgen nicht wieder hinaus. Bis dahin sollten wir Riga erreicht haben. Sieh zu, dass du ihn dazu bringst ...“ McCoy nahm einen Schluck von seinem Kaffee und rollte mit den Augen. „... so etwas wie ... Urlaub zu machen?“

 

Kirk grinste schräg und nahm die Füße vom Tisch. „Das habe ich vor ...“

 

„Er wird keinen Computer anfassen, keinen Admiral sehen, keinen Commodore und auch keine Nachrichten empfangen. Nichts, niente ... hörst du, Captain James T. Kirk? Wirst du das hinbekommen, oder soll ich dir ein Sedativ mit vulkanischer Dosierung mitgeben?“

 

Kirk presste die Lippen aufeinander und seufzte, sah unschuldig zu dem streng dreinblickenden Arzt. „Ich werde mein Bestes geben. Captain McCoy. Ich habe schon einen Plan.“

 

„Oh ja ...“, knurrte McCoy. „Deine Pläne kenne ich ...“ Er drehte sich halb weg, stellte die Kaffeetasse ab und seufzte, verschränkte dann die Arme vor der Brust und grinste. „Als ich Riga hörte ... ich meine, solche Nachrichten verbreiten sich schnell ...“

 

„Von Scotty, Fink oder Uhura?“, fragte Kirk gelangweilt und gähnte.

 

„... ich habe dort eine alte Bekannte und ...“

 

Kirk hob die Hände und stand auf. „Erzähl mir nichts weiter ... ich ahne es. Ach ... Bones?“ Er drehte sich kurz um, bevor er ganz aus dem Raum war. „Muss ich irgend etwas beachten? Ich meine ... wird er okay sein?“

 

McCoy brummte kurz und blickte an eine Wand, dann wieder zu Kirk. „Er wird etwas schlapp sein, ansonsten okay. Den Rest ...“ Er tippte sich an den Kopf. „... überlasse ich dir. Mit mir redet er ohnehin nicht.“

 

Kirk nickte entschuldigend, wollte gerade gehen als McCoy ihm noch etwas hinterher rief. „Und ... ich weiß wie du Strände liebst, aber vielleicht ... ach was soll’s. Es ist Riga ... nimm zumindest einen mit sehr warmen Wasser.“

 

„Aye Sir und ...“ Kirk steckte den Kopf durch die Tür. „Bones? Danke ...“

 

„Mh ...“, brummte McCoy und sah Kirk Stirn runzelnd nach.

 

 

Teil 20