17

 

Teil 1

 

In der nun hektischen Krankenstation aus vollem Lauf angekommen, stieß McCoy Kirk ohne Umschweife auf einen Stuhl und eilte Anweisungen rufend weiter. „Marion? .... Geben Sie dem Captain eine Dosis Tetrium.“

 

Der Arzt wartete nicht auf eine Antwort und verschwand einen Raum weiter, aus dem bereits Mediziner hinein und hinaus liefen. Dort musste Spock sein. Kirk visierte die Tür an, nahm kaum wahr, wie eine junge Schwester ihm eine Injektion gab und ihn besorgt ansah. Das einzige was er bewusst wahrnahm, waren die Stimmen und Geräusche von nebenan. Unterdrücktes Stöhnen vermischt mit hektischen Befehlen.

 

„Er kommt zu sich.“

 

„Okay, festhalten. Fixieren Sie die Hände.“

 

„Blutwerte minimal, Sauerstoff an der unteren Grenze. Wieder ... Herzflattern ... “

 

„Haltet ihn fest, Gott ... verdammt. Das ist ein Vulkanier.“

 

„Die Beine ... passt auf ... schnell ...“

 

„Spock. Ruhig, ruhig ...“ Das war McCoys erregte und laute Stimme.

 

„Er kämpft gegen die Beatmung. Reflexe ... Doktor, ... wir müssen den Tubus ...“

 

„Er bleibt drin! Verstanden? Haltet seinen Kopf fest ...“

 

Kirk hielt es nicht aus, stand auf und stolperte zur Tür. Eine Traube von Helfern und Schwestern verdeckte fast den Blick, versuchte mühsam einen tobenden und sich windenden Vulkanier auf dem Bett zu halten.

 

Zwei Helfer hatten es geschafft die Hände neben dem Kopf mit Gurten zu fixieren und zwei weitere stemmten sich gegen seine strampelnden Beine, drückten sie zurück auf das Bett. Einer bekam unsanft ein Knie in den Magen und taumelte rückwärts, bis ein weiterer für ihn übernahm und ein dritter es endlich schaffte die Fesseln zu befestigen.

 

„Fixiert ...“

 

„Haltet ihn ruhig, verdammt ... er reißt den Tubus los ...“

 

Spock bäumte sich in den Gurten auf und mit einem Schnappen zogen sie sich straff, hielten ihn auf der Liege. McCoy griff kurzerhand den sich hin und her werfenden Kopf des gequält röchelnden Vulkaniers mit beiden Händen.

 

„SPOCK ...“, schrie er ihn wütend an und griff fester, versuchte ihn davon abzuhalten sich von der Beatmung loszureißen. „Halten Sie verdammt noch mal still.“

 

Spocks rastlose Bewegung stoppte und wilde Augen starrten den Arzt feindselig und desorientiert an. Nur hektisches doch stark unterdrücktes Stöhnen und Würgen war zu hören. Es war offensichtlich, dass der Vulkanier gegen den Fremdkörper in seinem Hals ankämpfte, nicht wusste was geschah. Ein Assistent presste seine Hand auf die Maske, um sie wieder zu fixieren.

 

McCoy hielt weiter Spocks Kopf umklammert, bekam endlich die Oberhand über die noch immer ruckartigen Bewegungen und beugte sich etwas vor. „Okay ... gut so ... ich hab ihn ...“

 

Der Arzt traf den Blick der in Panik geweiteten Augen, machte einen weiteren Versuch den Vulkanier zu erreichen. „Spock ... hören Sie mir zu .... Sie atmen nicht selbständig. Dieser ... Schlauch tut es für Sie. Versuchen Sie nicht dagegen anzukämpfen ... verstehen Sie?“

 

Spock verstand nichts, war fern jeder Rationalität und sein Körper kämpfte weiter. Er versuchte sich erneut aus dem Griff zu winden. Schmerzen verzerrten sein Gesicht und wieder bäumte er sich auf, die Hände in den Fesseln zu Fäusten geballt.

 

„Sauerstoff sinkt ...“, meldete ein Assistent und sah eilig zu McCoy. „Er hat wieder ...“

 

„Der Kreislauf ... kollabiert wieder ...“, rief eine andere Schwester drängend dazwischen. „Wir müssen ihm was geb-...“

 

„Wir KÖNNEN ihm nichts geben, .... verdammt“, schrie McCoy gegen die Hektik an und starrte wieder in die Augen des Vulkaniers, griff wieder fester zu, dass seine Fingerknöchel weiß zwischen den schwarzen Haaren hervortraten. „Hören Sie auf, ... verdammter spitzohriger Dickkopf! Sch..... Sie bringen sich um ... SPOCK! ...“

 

„Spock ... bitte ... hör ...“, krächzte Kirk von der Tür aus, spürte wie Panik in ihm hoch kroch.

 

„Verdammt, bringt Jim hier raus“, wetterte McCoy ungehalten.

 

Spock spannte sich an und lag plötzlich steif wie ein Brett. Fäuste ballten sich und Muskeln spannten sich auf dem inzwischen nackten Oberkörper bis zum Zerreißen, gaben nicht nach. Einen Moment wirkte die ganze Szenerie wie eingefroren, unnatürlich still, bis auf das Beatmungsgerät, was gegen eine vulkanische verkrampfte Muskulatur ankämpfte und es kaum noch schaffte, wie ein drängelndes durchdringendes Piepen meldete.

 

Eine Schwester stand plötzlich vor Kirk und wollte ihn hinaus schicken, doch er schob sie ignorierend beiseite. „Nein ... ich bleibe hier“, krächzte er, starrte auf seinen Freund der um sein Leben kämpfte. „Spock ...“, flehte er und hatte kaum noch hörbare Stimme.

 

Einen Moment schien es als würde nichts geschehen. Arzt und Vulkanier starrten sich unerbittlich an. Spock würgte plötzlich nicht mehr. Er schloss verkrampft die Augen und zuckte zusammen, riss schwach an McCoys festem Griff um seinen Kopf und öffnete die Augen gequält wieder.

 

„Ja ...“ Der Arzt sah rasch zu den Monitoren und wieder in den gehetzten Blick des Vulkaniers unter ihm. „Gut so ... gut ... ganz ruhig ...“ McCoy schnaufte und atmete tief durch, wechselte ernste Blicke mit einem Assistenten der ein weiteres Mal die Beamtung korrekt positionierte und sah wieder zu Spock. „Etwas blockiert Ihre Atmung ... ich weiß noch nicht genau was, ... aber ich werde ... es herausfinden. Bis dahin ... müssen Sie durchhalten. Haben Sie ... jetzt ... verstanden?“

 

Spock starrte nur. Sekunden vergingen und er spannte sich erneut an und verzog vor Schmerzen das Gesicht, soweit er überhaupt konnte. McCoy ließ ihn nicht los.

 

„Die Schmerzen müssen Sie ertragen, aber kämpfen Sie nicht gegen die Beatmung. Sonst kollabiert Ihr Herz. Das hatten wir eben schon einmal ... und das schaffte es nicht noch mal .... haben Sie das jetzt verstanden? ... Spock?“

 

Wieder zuckte der Körper des Vulkaniers zusammen, stemmte sich gegen die Gurte und die Augen schlossen sich verkrampft. McCoy sah wieder fragend zu einem Assistenten. Der nickte zögernd, war ebenfalls etwas außer Atem. „Schmerzen ... daher die ... Krämpfe ... aber er lässt jetzt den Tubus durch ... er ... bekommt zumindest Sauerstoff ...“

 

„Dann hat er das ... also verstanden“, japste McCoy und nickte langsam. Er war außer Atem und lockerte vorsichtig seinen Griff. Spocks Kopf ruckte sofort zur Seite, beanspruchte den Sauerstoffschlauch aufs äußerste. „Fixiert seinen Kopf oder besser ... verlängert diesen Schlauch“, befahl McCoy ächzend und sah zu wie seine Leute die Anweisung ausführten.

 

Noch immer wand sich Spock, zuckte zusammen und bäumte sich gegen die Gurte auf, nur um dann wieder zurück auf die Liege zu fallen. Der Raum leerte sich langsam, bis auf zwei Helfer und Kirk, der stocksteif an der Wand lehnte. McCoy scannte den Vulkanier akribisch und justierte mehrere Einstellungen an den Instrumenten. Plötzlich versteifte er sich.

 

„Du ... spitzohriger ... Idiot ...“, fluchte er leise. „Das darf nicht wahr sein. Warum ....“

 

McCoys Kopf schoss hoch und sein gehetzter Blick suchte seinen Assistenten. „George? Zurück in das Labor. Lab 5, dort sind meine Ergebnisse. Ich brauche sie, jetzt! Dann ... Andy in Lab 7 ... wo wir ihn gefunden haben. Er hat dort etwas untersucht. Bring mit, was dir wichtig erscheint. Das ganze ... Pronto. Hier ins Hauptlabor mit dem Zeug ... komplette Analyse ... los, los ...“

 

Die beiden Helfer nickten und eilten aus dem Raum.

 

„Bones ...“, krächzte Kirk. Er hatte das Gefühl seine Beine wollten unter ihm nachgeben und hielt sich verkrampft am Türrahmen fest. „Was ...“

 

McCoy wirbelte herum und holte tief Luft. Er stoppte sich ein weiteres Mal bevor er schrie und schob ihn stattdessen unsanft aus dem Raum heraus. „Geh ... sag Wesley, dass der Termin platzt, leg dich hin und komm in einer Stunde wieder. Der letzte den er oder ich jetzt sehen will, bist du ... raus hier, bevor ich mich vergesse“, herrschte er Kirk an. „Marion? .... Der Captain ...  Terium ...“, schrie er in die Krankenstation.

 

„Bones, wird er ...“

 

„Raus ... ich gebe dir Bescheid oder komm in einer Stunde wieder, wenn wir ... das hier irgendwie im Griff haben“, schnaubte McCoy und drehte sich wieder in den Raum, fuhr sich mit einer zitternden Hand durch die Haare und schloss die Tür zu Spocks Raum hinter sich.

 

Kirk stand einen Moment wie vom Donner gerührt, er spürte nur unterschwellig, wie er erneut eine Injektion bekam und auf einen Stuhl gesetzt wurde. Er starrte sekundenlang die Tür an, hinter der Spock lag, stand schließlich auf und ging mit bleischweren Beinen aus der Krankenstation. Funktionieren.

 

 

***

 

 

Kirk kam nicht dazu, eine Stunde später zurück in die Krankenstation zu kommen. Irgendwie schaffte er es sich auf seine Pflichten zu besinnen. Wesley war ungehalten über die Änderung und das Spock nicht zur Verfügung stand und bestand auf zumindest Kirks Anwesenheit. Irgendwie schaffte er auch das, doch wusste nicht wie. Alles geschah wie in Trance.

 

Er kontaktierte mehrmals die Krankenstation von Traxas aus, doch bekam immer nur eine Schwester an die Leitung, die ihm lediglich sagen konnte, dass Spocks Zustand unverändert aber relativ stabil war. Die Sorgen machten ihn fast verrückt und die folgenden Stunden schlug er sich mit traxanischen Behörden und einem verärgerten Commodore herum. Der einzige Halt war Fink, der einige der bürokratischen Verpflichtungen mit dem Hinweis der Geheimhaltung erheblich abkürzte.

 

So kam es, dass Kirk erst nach fünf Stunden auf die Enterprise zurückbeamte. Er war müde und hungrig. Doch seine Sorge ließ es nicht zu, dass er jetzt schlafen konnte oder essen. Schwere Beine steuerten automatisch zur Krankenstation. Spock. Was war vorhin passiert? Wie ging es ihm.

 

Auf der Enterprise war bereits künstliche Nacht, was Kirks Schlafbedürfnis noch verstärkte, doch er ignorierte es. Als er die Krankenstation betrat fand er dort das gegenteilige Bild vom Nachmittag. Es war völlig ruhig. Niemand hielt sich im halbdunklen Vorraum auf. Keine Hektik, keine gerufenen oder geschrieenen Anweisungen. Keine herumeilenden Assistenten und Schwestern. Niemand. Kirk steuerte die Tür zu Spocks Raum an.

 

Eine leise belegte Stimme hielt ihn schließlich auf. „Jim?“

 

Er drehte sich herum, sah McCoy im Türrahmen zu seinem Büro stehen, eine Hand an den Türrahmen gestützt. „Lass ihn, ...“ Der Arzt deutete mit dem Kopf in sein Büro. „Komm ... herein.“

 

„Bones, wie ... geht es ihm?“

 

„Den Umständen entsprechend ...“, antwortete McCoy monoton und atmete hörbar aus. „Es geht ihm schlecht ...“

 

Kirk machte auf dem Absatz kehrt und ging wieder zu der Tür, die ihn von seinem Freund trennte. „Ich will ihn sehen.“

 

McCoy atmete hörbar aus, doch widersprach nicht und folgte ihm in den Nebenraum. Kirk blieb einen Moment in der Tür stehen, bevor er ganz in den Raum ging.

 

Spock war nicht mehr an die quälende Beatmung angeschlossen, atmete nun aus eigener Kraft doch in kurzen röchelnden Stößen. Noch immer war er an Händen, Beinen und dem ganzen Körper mit Gurten auf das Bett geschnallt. Er warf den Kopf unruhig hin und her, das Gesicht zu einer Grimasse verzerrt. Schwach riss er an den Fesseln, stemmte sich sekundenlang dagegen und fiel mit leisem fast wimmernden Stöhnen wieder zurück. Er hatte Schmerzen.

 

„Spock ...“ Kirk wollte ihm die verschwitzten Haare aus dem vor Qual verzerrtem Gesicht streichen, doch McCoy hielt seine Hand mitten in der Bewegung auf.

 

„Nein. Nicht berühren. Er hat keine ... psychischen Kontrollen.“

 

„Was ist passiert Bones? Sind das .... er hat Schmerzen.“

 

McCoy zog Kirk etwas weg. „Oh ja ... nicht zu knapp. Ich habe etwa eine Stunde gebraucht um ihn überhaupt in den Griff zu bekommen. Und sobald er wieder auf den Beinen ist, werde ich ihm höchstpersönlich eine scheuern, dass ihm seine spitzen Ohren klingeln“, schnarrte er. „Ich war noch nie in meinem Leben so wütend ... komm, raus hier. Lass ihn ... Du kannst nichts tun ...“

 

McCoy zog und schob ihn aus dem Raum. Kirk blickte über die Schulter zu Spock. Unverändert. Er hatte sie überhaupt nicht bemerkt. „Wann wird er ...“

 

„Aufwachen?“, beendete McCoy den Satz und stieß dabei etwas angehaltene Luft aus. Er schloss die Tür, dirigierte Kirk in sein Büro. „Weiß ich nicht. Er erkennt im Moment niemanden. Seit vier Stunden ist der Zustand unverändert ... nur dass er dramatisch ... schwächer wird.“

 

Kirk ließ sich schwer auf einen Stuhl fallen. „Was ist überhaupt passiert? Warum ...“

 

„Das würde ich eigentlich gerne von dir hören. Du wusstest doch, dass er das Mekantin nicht genommen hat?“

 

Kirk nickte. „Ich habe es geahnt, als er so schroff war und wie er auf mich reagiert hat. Du hattest Recht mit deiner Warnung. Er hatte schlechte Laune, war gereizt wie immer kurz nach einer Gabe oder kurz bevor ... wenn er auf Entzug ist ... aber ... was sollte ich tun? Ihn mit einem Phaser betäuben? Ich hatte keinen ... und selbst wenn ... ich habe ... wie die letzten Male ... gewartet und ihn nicht aus den Augen gelassen ... bis er von selber ...“

 

„Von selber?“ McCoy stieß ein kehliges Lachen aus, was keins war. „Er hat sich ´von selber´ beinahe umgebracht. Hast du denn nicht gemerkt, dass etwas anders war? Er war fast eine Stunde über der Zeit. Wie lange denkst du, kann er die normalen Entzugserscheinungen unterdrücken? Wie lange wolltest du denn noch ... warten?“

 

“Eine ... STUNDE?“ Kirk sah McCoy perplex an. „Ich ... ich weiß es nicht. Er hat das ja immer verzögert ... vielleicht zehn Minuten, eine halbe Stunde ... ich weiß nicht einmal ob er die davor pünktlich genommen hat oder .... Bones. Plötzlich fiel er in sich zusammen, einfach so. Ich bekam ihn zu fassen, bevor er mitten in die Laborproben fällt und ...“

 

McCoy wirbelte herum und ballte die Hände zu Fäusten. Kirk hatte ihn nie so wütend gesehen. Der Arzt schnaufte, drehte sich um und wieder zurück, öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Dann schlug er frustriert mit der Faust gegen die Wand.

 

Kirk stand erschüttert auf. „Bones. Verdammt, sag mir was ist. Ich habe getan was ich konnte. Ich hatte die Injektionen im Visier und hätte ihm ...“

 

„Jim“, schnaufte McCoy und lehnte sich schwer gegen die Wand. „Hättest du ihm das Zeug gegeben, wäre er dir unter den Fingern weggestorben, so schnell kannst du nicht gucken. Er war schon fast tot. Das waren keine simplen ... Entzugserscheinungen. Es war ein Glück, dass ich nur ein paar Räume nebenan war.“

 

„Keine? Aber ... wenn nicht ... das ... was dann?“ Kirks Magen krampfte sich um Luft zusammen. „Was hat er denn gemacht? Bones, sag mir was los ist.“

 

McCoy öffnete die Augen, die er kurz hart geschlossen hatte. „Er hat sich ... du erinnerst dich an das Mittel, was ich gerade untersucht habe?“

 

Kirk verengte die Augen. „Du sagtest du hättest was und ... er hätte es ... einer eigenen Testreihe unterzogen und ...“ Kirk hielt unwillkürlich die Luft an schüttelte den Kopf als er verstand. „Er hat es sich selbst ... gegeben?“

 

McCoy nickte stumm und schloss wieder die Augen, unfähig ein Wort herauszubringen ohne es zu schreien. Einen Moment war es totenstill im Raum, dann stieß sich McCoy von der Wand ab und ging mit langsamen Schritten zum Wandreplikator, bestellte zwei Tassen Kaffee und stellte Kirk eine hin. „Er ist ein verdammter ... leichtsinniger ... vulkanischer .... ach verdammt. Hier, bevor du mir auch noch aus den Schuhen kippst. Du bist käseweiß.“

 

„Danke ... warum, verdammt ... Spock ist nicht so leichtsinnig. Warum?“

 

McCoy verzog das Gesicht zu einer Grimasse. „Frag ihn ... aber erst nachdem ich mit ihm fertig bin. Er wäre beinahe draufgegangen. Einer meiner Assistenten hat zwei gebrochene Rippen und ich bin gerade erst dabei meine Nerven wieder aufzuwickeln.“

 

Kirk trat zu McCoy und griff ihn an den Oberarm, drehte ihn etwas zu sich. „Bones, er wird es doch schaffen?“

 

McCoy sah ihn gehetzt an und blickte wieder weg. „Ich weiß es nicht. Er ist jetzt auf jeden Fall clean. Von ´allem´ Zeug, was nicht in sein Blut gehört. Ich habe vor einer halben Stunde auch das neue Mittel abgesetzt. Die erste Version, die er sich in voller Dosis gegeben hat, hat zwar den gewünschten Effekt gehabt und mit dem Rest Mekantin und den Abfallprodukten reagiert, die Schmerzen etwas gemindert ... dadurch hat er es überhaupt diese Stunde geschafft .... es hat jedoch nach und nach auch seine komplette Atmung ausgeschaltet, bis gar nichts mehr ging.“

 

Der Arzt holte wieder tief Luft, war noch immer in Rage. „Ich weiß nicht, warum er das in seinen Tests nicht bemerkt hat. Es war in seinen Daten klar ersichtlich. Idiot“, fluchte er ungehalten. „Vulkanier. Warum meinen die immer, sie wüssten alles besser und stehen über den Dingen. Vermutlich dachte er, er könne das mit irgendeinem Trick kompensieren und ...“

 

„Bones.“

 

McCoy fuhr ärgerlich herum, schrie nun wutentbrannt und war außer sich. „Nein ... ICH musste es kompensieren, mehr mit Gewalt ... als alles andere ... und er wäre fast draufgegangen. Er wäre fast eine sehr vulkanische Leiche gewesen, hörst du? Ich habe eine Stunde gebraucht um diese Faktoren erst aus seinem Blut zu bekommen und dann auch aus dem Mittel, um ihn zwei weitere Stunden mit einem gereinigten Mittel überhaupt im Griff zu behalten. Er war inzwischen auf totalem Entzug und ...“

 

Kirk griff ihn an den Oberarmen und stoppte ihn unsanft. „Doktor McCoy. Darf ich dich an eine Mission auf einem erdähnlichen Planeten erinnern, als du dir selber ein unerprobtes Mittel gegeben hast und dich damit fast umgebracht hättest wenn nicht er .... dieser ´Idiot und Dickkopf´.... Spock ... hat dich da rausgeholt.“

 

McCoy blinzelte erschrocken und sah einige Sekunden zur Seite. „Es ging um Leben und Tod. Es war ... meine Entscheidung.“

 

„Und dies ...“ Kirk ließ ihn etwas los, bemerkte seinen groben Griff und McCoys wachsweißes Gesicht. „... war seine! Nicht Leichtsinn. Er war ... verzweifelt. Wie du ... damals. Du solltest es verstehen ...“

 

„Verstehen ... verstehen? Wie oft noch bekomme ich ihn in Stücken hier her ... irgendwann wird es zu spät sein. Da gibt es nichts zu verstehen. Komm mir nie wieder mit einem ´Plan´“, konterte McCoy aufgebracht, plötzlich in die Enge getrieben. Es ärgerte ihn, dass er den Vulkanier überhaupt hatte mit dem Mittel davon spazieren lassen. Sorge und Schuldgefühle addierten sich dazu. „Eine Stunde später und ich hätte die Faktoren gehabt. ´Dies´ wäre nicht nötig gewesen“

 

„Ebenso wie damals mit dem Virus. Eine halbe Stunde später waren wir mit Kommunikatoren und kompletten Labor im Rennen. Dein ´Opfer´ wäre ebenso unnötig gewesen. Weißt du wie wütend ´ich´ war?“, warf ihm Kirk entgegen und kniff die Augen zusammen und sprach bedrohlich leise weiter. „Und vermutlich wirst du nie erfahren ´wie´ ärgerlich Spock war ... oder besorgt. Denn das war er ....“

 

McCoy riss sich ganz aus Kirks Griff los und ging einige Schritte in den Raum, drehte ihm den Rücken zu. „Das gibt ihm kein Recht, das selbe ...“

 

„Ich kann verstehen, dass du ärgerlich auf ihn bist. Es war vielleicht leichtsinnig. Verzweifelt. Ich bin selber mehr als ... wütend auf ihn und vielleicht komme ich dir mit deinem rechten Haken zuvor, aber ... kannst du ihn nicht auch ... verstehen?“, fragte Kirk etwas ruhiger.

 

„Sich lieber umzubringen, als noch eine Stunde zu warten? Nein. Das ist NICHT besonders logisch ...“

 

„... als noch eine Dosis einer verhassten Droge zu nehmen, sich einzugestehen davon abhängig zu sein, seine Kontrollen und Fähigkeiten zu verlieren, seinen Stolz und seine Würde? ...“, warf Kirk ein. „Weißt du, was ihn das gekostet hat? Die letzten Tage, die letzten ... Wochen? ... damit zu leben, dass er nicht er selbst ist?“

 

McCoy fuhr herum. „Willst du damit sagen, dass wir ihn hätten sterben lassen sollen? Dass ich ihm nicht dieses ...Zeug hätte besorgen sollen, damit er eine Chance hat? Wirfst du mir jetzt etwa vor, dass ich ...“

 

„Nein. Ich habe es ja selber von ihm gefordert“, lenkte Kirk ein und setzte sich schwer.

 

Er wollte sich nicht streiten. Nicht mehr. Es war der einzige Weg gewesen, dass wussten sie beide. Erst jetzt sah er bewusst den kälter werdenden Kaffee und nahm die Tasse in die Hand. „Es war richtig aber ... ich weiß nicht, wie lange ich das noch gekonnt hätte. Ich liebe ihn und  ... ich liebe nicht nur seinen Körper, sondern auch das was darin steckt. Hauptsächlich das und ... das ging zugrunde, vor meinen Augen. Ich hätte vielleicht ähnlich gehandelt, wäre ich ... Bones, ich ´kann´ ihn verstehen. Er ist ein Risiko eingegangen, muss verzweifelt gewesen sein.“

 

McCoy sah ihn nachdenklich an und fiel in den anderen Stuhl als wöge er plötzlich das doppelte. Nach einigen Sekunden fuhr er sich mit den Händen durch die ohnehin unordentlichen Haare und atmete langsam aus, schüttelte schwerfällig den Kopf. „Ich ... an seiner Stelle ... wäre verzweifelt gewesen. Ich vergesse vielleicht manchmal, dass in ihm auch ... ein sehr sensibler und verletzlicher ... ´Mensch´ steckt.“

 

„Nicht nur du“, murmelte Kirk. „Nicht nur du ... aber ich glaube, dass der vulkanische Teil weitaus verletzlicher ist.“

 

McCoy sah ihn überrascht an. „Du hast mit ihm gesprochen? Über eure ... über diese sehr ... vulkanische Seite?“

 

Kirk nickte stumm und trank einen Schluck von dem halbwarmen Kaffee, verfolgte die Bahn des warmen Getränks durch seinen Körper und fragte sich, wann er das letzte Mal gegessen hatte.

 

„Und?“

 

„Wir werden sehen. Erst mal ... erst mal muss er wieder auf die Beine kommen, diese Droge loswerden“, wich Kirk aus.

 

McCoy bog sich etwas zu einem Monitor. „Die ... Droge ... ist seit etwa drei Stunden komplett draußen und dank des Mittels, was auch seit einer Stunde aus dem System ist lebt er überhaupt noch. Er schläft in kürzeren Abständen ... jetzt seit ein paar Minuten. Unruhig zwar, aber er schläft. Es wechselt zwischen Schmerzattacken, Krämpfen zu kurzen völlig erschöpften Schlafzuständen, mehr Ohnmacht. Das wird bei dem Aufruhr in seinem System wohl noch ein oder zwei Stunden so weiter gehen.“

 

Kirk zog die Augenbrauen zusammen und sah von seiner Kaffeetasse hoch. „Und ... dann?“

 

McCoy seufzte und schob ein Datenpad über den Tisch. „Weiß ich ehrlich gesagt nicht. Seine Kräfte sind runter. Er hat nicht mehr viel zuzusetzen. Er wird groggy sein, platt ... kaum ansprechbar und ... Jim, ich weiß es nicht.“

 

Kirk musterte ihn einen Moment düster und unterdrückte ein Gähnen. Er war ebenfalls am Ende seiner Kräfte. Sein knurrender Magen lenkte McCoys Aufmerksamkeit zurück auf ihn.

 

„Okay, ... Wir essen etwas und ... du wirst hier bleiben wollen, nicht wahr? Ich versuche besser erst gar nicht es dir auszureden. Er scheint ruhiger zu werden. Ich kann dir das Bett neben ihm anbieten, bevor du im Sitzen in meinem Büro einschläfst. Was ist mit Commodore Wesley und den traxanischen Behörden geworden?“

 

„Wesley“, stöhnte Kirk. „Frag nicht ... und ... Ja, ich will bei ihm sein ... und Ja. Ich habe Hunger.“

 

McCoy grinste matt und stand auf. Er reckte sich, warf einen Blick auf den Monitor der Spocks Biowerte überwachte und ging dann zur Tür. „Ich hole etwas gegen den Hunger.“

 

 

 

Teil 18