16

 

Teil 1

 

„Wo ist Spock?“

 

McCoy sah nicht hoch als Kirk in das Labor stürmte. Er regelte die Einstellung des Mikroskops herunter und gestikulierte abwehrend mit einer Hand zur Tür ohne das Präparat aus den Augen zu lassen.

 

„In einem der anderen Labors. Schlecht gelaunt und der Prototyp einer vulkanischen Bombe. Wenn du nicht dein Sonntagsbild von ihm verlieren willst, rate ich dir nicht hinzugehen“, brummte McCoy kurz angebunden.

 

„Na du klingst auch nicht besser. Ich brauche ihn. Ich habe gerade zwei Stunden Bob Wesley hinter mir, inklusive einiger traxanischer Schreibtischhengste und Behörden. Spock muss nun doch noch die Brüder persönlich identifizieren und Wesley will ihn noch sprechen, dann können wir hier endlich weg.“

 

„Weg hier? Na Hallelujah.“

 

 „Ja, wird Zeit.“ Seufzend lehnte er sich neben McCoy an den Tisch und blickte über eine Schulter doch konnte nichts erkennen. „Was hast du dort?“

 

„Vielleicht ...“ McCoy sah abrupt hoch. „Die Brüder identifizieren? Jim, seit zwei Tagen läuft man wie auf rohen Eiern um unseren vulkanischen Ersten Offizier herum. Er kann dieses Mal nichts dafür und ich weiß, er bemüht sich aber ... er schwimmt inzwischen in dieser Droge und seine Kontrollen sind nicht gerade vom Besten. Du meinst, dass das eine gute Idee ist?“

 

„Nein und es ist auch nicht meine Idee. Wenn es nach mir ginge ... ach lass“, erwiderte Kirk stirnrunzelnd und sah sich um. „Hast du einen Kaffee hier?“

 

„Nein. Aber ich könnte auch einen gebrauchen wenn du einen holst.“

 

„Auch eine Art Droge ... gleich, ich will erst Spock sprechen, dann bringe ich auf dem Rückweg einen mit.“ Kirk seufzte und verschränkte die Arme vor der Brust und deutete mit einer Hand auf das Mikroskop. „Hast du was gefunden?“

 

McCoy zögerte und blickte auf das Mikroskop. „Vielleicht ...“

 

„Vielleicht?“

 

„Ich prüfe es gerade und Mr. Supervulkanier hat sich die andere Probe geschnappt und führt seine eigenen Test durch. Ich sagte schon, dass er sich irgendwo nebenan verkrochen hat?“ McCoy rollte mit den Augen. „Es war nicht auszuhalten ... entweder wäre er gegangen oder ich. Er ist dankenswerterweise selber gegangen bevor ich ihn rauswerfen konnte.“

 

Kirk runzelte besorgt die Stirn. „So schlimm?“

 

McCoy nickte düster. „Ja, und ... es ist wirklich keine gute Idee, wenn er da runter muss. Ich schätze, er hat sich immer noch nicht ausgemehrt, was genau dort vorgegangen ist oder sagt er erinnert sich nicht?“

 

„Er hat nur wenig erzählt, aber heute morgen war er relativ ... ausgeglichen.“

 

„Kunststück. Weil du da warst und er ausnahmsweise ausgeschlafen war. Er braucht mit diesem Zeug mehr Schlaf und ignoriert es. Im Moment wechselt er seine Launen von unnahbar zu gereizt innerhalb von Minuten. Ich weiß nicht, wie er diese Schwankungen dort unten kontrolliert hat. Vielleicht waren sie noch nicht so stark. Aber es wird Zeit, dass wir dieses Mittel aus ihm herausbekommen, bevor er sich selbst oder ich ihm die Kehle durchschneide.“

 

„Bones“, schnaufte Kirk. „Er hasst es und du weißt ...“

 

McCoy schüttelte den Kopf und fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare, lehnte sich dann im Stuhl zurück. Er machte eine Geste zum Mikroskop. „Ich hab etwas. Wenn die Ergebnisse stimmen, dann reagiert es mit diesem elendigen Zeug und hält die Folgeschmerzen zumindest leidlich in Schach, das gäbe ihm eine Chance davon weg zu kommen ohne sich dabei umzubringen. Er wird die Schmerzen aber dennoch haben ... abgemildert zwar und nur stoßweise ... aber noch immer ohne Möglichkeit sie zu kontrollieren oder mit einem weiteren Medikament zu unterdrücken. Ich untersuche gerade die Nebenwirkungen, die ich nicht brauche ...“

 

„Das klingt ... nach einer Möglichkeit. Keine angenehme ...“

 

„Ja. Aber eine Möglichkeit.“ McCoy nickte und blickte auf eine Uhr an der Wand. „Wann beabsichtigst du mit ihm runter zu beamen?“

 

„Termin ist um 13.30, also in etwas mehr als zwei Stunden“, antwortete Kirk.

 

„Wie lange wird das dauern?“

 

Kirk überlegte kurz. „Die Identifikation? Sollte schnell gehen. Vielleicht zehn Minuten, wie lange aber Wesley ihn in die Mangel nimmt kann ich dir nicht sagen. Du meinst wegen der Injektion?“

 

„Ja.“ McCoy runzelte die Stirn. „Dann komm ich besser mit. Er hat die letzte Injektion vor einer Stunde genommen und wird vielleicht über seine Zeit kommen. Er kann nicht einfach so eine Injektion mit Dogen mit sich herumtragen. Ich als Arzt schon. Ich bin mir auch nicht sicher ob er noch diesen drei Stunden Intervall hat. Es verkürzt sich zunehmend.“

 

„Okay, dann kommst du mit. Aber das wird ihm nicht gefallen.“ Kirk stand vom Tisch auf und seufzte. „Ich geh ihn suchen und die frohe Botschaft verkünden.“

 

„Mach das. Mir gefällt auch so einiges nicht.“ McCoy brummte und widmete sich wieder dem Mikroskop. „Er könnte ja wenigstens mal danke sagen oder so etwas profanes. Denk an den Kaffee, wenn du wieder kommst.“

 

 

***

 

Seit zwei Tagen waren sie nun im Orbit um Traxas, die Lexington inzwischen direkt im Orbit neben ihnen. Es gab Briefings, Lagebesprechungen und Personalabsprachen. Das meiste Enterprise Personal bis auf einige Techniker war inzwischen wieder von der Oberfläche abgezogen und fast alle Formalitäten erledigt, bis auf diese letzte.

 

Spock hatte bisher nicht erneut auf den Planeten beamen müssen und die Logistik seiner Abteilung von Bord aus gesteuert, während sowohl Kirk als auch McCoy sich abgewechselt hatten ihn zum einen so wenig wie möglich aus den Augen zu lassen und außerdem regelmäßig alle drei bis dreieinhalb Stunden mit Mekantin zu versorgen. Die Zeitspannen von anfänglich fast vier Stunden wurden immer kürzer, lagen inzwischen eher bei drei Stunden, doch McCoy hatte das Mittel nicht höher dosieren wollen.

 

Der Arzt hatte das Mekantin irgendwie organisiert. Kirk hatte nicht danach gefragt woher und wie er die Droge bekommen hatte, doch der Vulkanier hatte stets mindestens zwei Injektionen zur Verfügung gehabt, die er sich widerwillig selber gab. Nicht ohne es jedes Mal bis zum letzten Moment hinaus zu zögern. Die stetige unausgesprochene Überwachung machte ihn zusätzlich gereizt, mehr jedoch noch die Nebeneffekte des Mekantins.

 

Eine junge Lieutnant die mit hochrotem Kopf und einem unordentlichen Berg Datenträger aus dem Labor eilte, hätte Kirk beinahe aus dem Gleichgewicht gebracht als er den Korridor entlang ging und er sprang rasch aus dem Weg. Sie warf ihm einen gehetzten Blick zu und grüßte flüchtig.

 

„Was ist Lieutnant. Sie sehen verstört aus“, fragte Kirk.

 

„Nichts Sir. Entschuldigen Sie. Ich habe ... diese Daten müssen in ...“

 

Kirk winkte ab. „Gehen Sie nur. Ist Mr. Spock dort drin.“

 

Die junge Frau nickte mit einem undefinierbaren Blick und huschte den Korridor hinunter.

 

Kirk sah ihr verwundert hinterher und betrat das Labor.

 

„Spock?“, rief er in den verwinkelten Raum. Er bekam keine Antwort und umrundete einen Raumteiler, fand den Vulkanier über einen Datenauszug gebeugt, mit beiden Armen auf den Tisch abgestützt und den Kopf gesenkt.

 

„Spock, ah da bist du ... warum hast du nicht geantwortet?“

 

Er bekam erneut keine Antwort, nicht einmal eine Reaktion. Kirk kam näher und berührte ihn leicht an der Schulter. „Spock?“

 

Der Vulkanier zuckte unwillkürlich zusammen und riss den Kopf herum, wich zurück und ein stechender Blick durchbohrte Kirk. Erschrocken zog Kirk seine noch in der Luft hängende Hand weg. Hatte Spock ihn etwa nicht vorher bemerkt?

 

„Spock was ...“

 

„Was willst du?“, fragte der Vulkanier gereizt. „Ich habe zu tun.“

 

„Ich dachte ... McCoy sagte mir du bist hier. Hast du mich nicht gehört?“

 

Spock drehte sich steif weg. „Du weißt, dass ich momentan keine Präsenzen wahrnehmen kann.“

 

„Ich habe ... gerufen. Hören kannst du schon noch.“ Kirk runzelte die Stirn, sah plötzlich die angestrengten Gesichtszüge im Profil und die zu Fäusten geballten Hände. Etwas stimmte nicht. War er etwa schon wieder auf Entzug und zögerte es wieder hinaus? „Spock? Du siehst nicht gut aus. Hast du das Mekantin genommen?“

 

Spock antwortete nicht, bewegte keinen Muskel. Kirks Augen fanden das Täschchen mit den Injektionen auf dem Tisch und er griff langsam danach. Spock war schneller, erreichte es vor ihm und schnappte es, bevor Kirk es auch nur berührt hatte.

 

„Ich benötige keinen .... Babysitter“, zischte der Vulkanier und verengte die Augen. „Du überwachst mich, glaubst mir nicht?“

 

Kirk schluckte als er das Misstrauen und die Feindseligkeit in Spocks Stimme hörte. Ja, er überwachte seinen Freund und vertraute ihm im Moment nicht, zumindest nicht was das Mekantin anging. Er war in Sorge und mehr als nur gewarnt, bemühte sich, seine Stimme ruhig klingen zu lassen. „Du hast mir im Moment noch keine Antwort gegeben, die ich glauben oder nicht glauben könnte mein Freund“, antwortete Kirk ausweichend.

 

Eine der inzwischen für Kirk durch eigene Erfahrung bekannten Nebenwirkungen war, dass Spock vermehrt irrational und aggressiv wurde. Doch niemals so stark, dass er es nicht beherrschen konnte und wenn, dann nur kurz nach einer neuen Dosis oder während die Entzugserscheinungen einsetzten. Das sollte jetzt eigentlich nicht der Fall sein. McCoy hatte gesagt vor einer Stunde. Das war eigentlich zu lang. Es sei denn ...

 

„Was ist los mit dir?“, fragte Kirk vermittelnd und behutsam.

 

„Du weißt es.“ Spock drehte sich erneut weg und ging steif zu einer Kontrolleinheit. Jede seiner Bewegungen verriet, dass er Mühe hatte. Die Hände, die die Kontrollen bedienten zitterten. Kirks innere Alarmsirenen schrillten inzwischen ohrenbetäubend laut.

 

„Du hast es nicht genommen, nicht wahr? Du zögerst es wieder hinaus. Wie lange meinst du, hältst du dieses Mal durch?“, fragte Kirk nun leicht verärgert.

 

Er würde McCoy sagen müssen, dass Spock erneut die Einnahme verzögert hatte. Nicht zum ersten Mal. Wie lange schon? Wahrscheinlich stimmte McCoys Berechnung, dass er die letzte Injektion vor einer Stunde hätte nehmen müssen, bereits lange nicht mehr.

 

Spock reagierte nicht, arbeitete stoisch weiter und drehte ihm den Rücken zu. Der Arzt hatte also nicht übertrieben mit Spocks Launen. Vermutlich hatte der Vulkanier sein persönliches Toleranz Experiment bereits begonnen, als er noch im anderen Labor gewesen war. Daher die Gereiztheit. Es wäre nicht das erste Mal, das er eine Injektion hinausgezögert hätte.

 

Kirk seufzte, lehnte sich an den Tisch und visierte das Täschchen mit Injektionen an, was der Vulkanier wie McCoy seine Medizinischen Instrumente an seiner Uniformhose befestigt hatte. Im Notfall würde er es schnell benötigen und musste wissen, wo der Vulkanier die Spritze aufbewahrte. Doch er konnte im Moment nichts tun. Er konnte ihn allenfalls betäuben und es ihm gezwungenermaßen geben, doch wie? Spock war um ein vielfaches stärker. Ein Phaser war nicht in Reichweite. Also konnte er nur warten, bis der Vulkanier von selber aufgab, wenn ihn die Schmerzen übermannten.

 

„Wie lange schon?“, fragte Kirk schließlich wachsam, nachdem er mehrere Minuten zugesehen hatte, wie Spock mühsam Daten eingab und Proben vorbereitete.

 

Spock warf ihm einen ärgerlichen Blick zu. „Du störst mich. Ich kann mich nicht konzentrieren. Es ist besser wenn du gehst.“

 

„Ich werde nicht gehen. Bemüh dich nicht. Wie lange schon?“, wiederholte er seine Frage. In etwas weniger als zwei Stunden mussten sie herunter beamen. Kirk blickte quer durch das Labor und dann zur Wanduhr und ihm entging dadurch der plötzlich verkrampfte Rücken des Vulkaniers.

 

Hätte Spock nicht einen Träger mit Proben fallen gelassen, hätte er es nicht bemerkt. Kirk drehte gerade noch rechtzeitig den Kopf herum um zu sehen wie der Vulkanier wie in Zeitlupe in sich zusammensank und direkt auf den Tisch mit den offenen Proben zufiel. Er würde sich verletzen oder schlimmeres.

 

„Verd- ...“ Kirk reagierte sofort, sprang zu ihm und bekam ihn im letzten Moment an den Schultern zu fassen. Er riss ihn durch seinen eigenen Schwung mit sich und gemeinsam fielen sie hart zu Boden.

 

„Spock, es reicht mir ... kannst du es nicht einfach ...“ Kirk zog sich wütend unter dem schweren Vulkanier hervor und rollte ihn auf den Rücken. „... nehmen? ...“

 

Seine Worte blieben ihm im Hals stecken als er den Vulkanier ansah. Wachsweiß, die Augen halb geöffnet doch keine Pupillen sichtbar. Er atmete nicht und reagierte nicht. Leblos. Kirk fühlte panisch den Puls doch fand keinen. Ohne zu zögern sprang auf und hechtete an das Interkom.

 

„Kirk an McCoy. Komm sofort hierher. Lab 7. Sofort!“, schrie er hinein und eilte zurück zu dem reglosen Vulkanier.

 

„Spock.“ Er rüttelte ihn, doch es kam noch immer keine Reaktion. „Spock ... wach auf, verdammt.“

 

Nichts.

 

Kirk suchte hektisch an Spocks Uniform nach dem Täschchen und fand es. Zwei volle Injektionen waren darin, wie er vermutet hatte. Spock hatte die letzte Dosis nicht genommen. Kirk holte eine heraus und war unsicher ob er sie ihm geben sollte. Kein Puls, keine Atmung? Das waren keine Entzugserscheinungen, oder doch? Spock lag wie tot, die Lippen unnatürlich dunkel. Das konnte nicht sein.

 

Die Türen zischten auf noch währen Kirk panisch überlegte was zu tun wäre. „Jim? Was ist? Du klangst als ob ...“ Der Arzt kam um den Raumteiler geeilt und die Worte erstarben in seinem Mund als er ihn und Spock auf dem Boden sah.

 

Ohne weitere Zeit zu verlieren kniete er sich neben sie und untersuchte den Vulkanier, fühlte den Puls, suchte eine andere Stelle am Hals und schüttelte den Kopf. „Warum atmet er nicht?“ Er bog den schlaffen Kopf nach hinten, untersuchte die Luftröhre. Eine andere Hand tastete blind an Spocks Seite, fühlte das Herz und ein Fluch entkam dem Arzt. „Nichts ... was zum ...“

 

Er warf einen knappen Blick auf die Injektion in Kirks Hand und die andere in der geöffneten Tasche und fluchte wieder. „Das darf nicht wahr sein ... hast du nichts gemerkt? Wann ist das passiert?“

 

„Eben gerade“, stammelte Kirk. „Bones. Er ... atmet nicht und ...“

 

„Nein ...“ McCoy hatte bereits begonnen rhythmischen Druck dort auszuüben, wo das vulkanische Herz sein musste, sah gehetzt hoch zu Kirk. „Beatmen, ... wenn ich es sage und dann ... holst du ein Medteam her. Ich habe nichts hier ...“, schnaufte McCoy angestrengt.

 

Kirk hatte das Gefühl auf Autopilot zu laufen, suchte nach Erklärungen dass sein Freund wie ein gefällter Baum einfach umgekippt war. Es konnte nicht sein. „Er ist einfach ...“

 

„Jetzt! Halt ihm die Nase zu und Luft ... in den Mund ...“, befahl McCoy barsch, zwischen mehreren keuchenden Atemzügen.

 

Kirk tat was McCoy sagte. Seine Gedanken waren plötzlich wie ein weißes Tuch. Blank. Alles war irreal, in Watte gepackt und dumpf. Herzstillstand? Spock? Aber wie? Warum? Nicht denken, handeln. Beatmen. Spock brauchte Luft. Kirk blies dem Vulkanier so viel Luft in die Lungen wie er konnte.

 

„Genug. Schnell ... medizinisches Notfallteam“, schnaufte McCoy seine Kommandos und begann wieder die Herzmassage an der linken Seite des Vulkaniers.

 

Kirk stolperte zum Intercom. Er hatte Sterne vor seinen Augen durch seine eigene Hyperventilation, doch er ignorierte sie. „Medizinisches Notfallteam in Lab 7 ... sofort“, krächzte er in das Gerät und wartete nicht auf die Antwort, eilte wieder zu McCoy der verbissen versuchte den Vulkanier am Leben zu erhalten.

 

„Was ist mit ihm?“

 

„Beatmen. Noch mal ...“, gab McCoy die einzige schroffe Antwort.

 

Kirk zögerte. „Er hat das Mittel nicht genom-...“

 

„Diskutier nicht. Beatme ihn ... oder er hat keine Chance ...“, schnauzte McCoy ungehalten.

 

Kirk tat es, verdrängte den Gedanken daran, dass er diese Lippen gerne unter anderen Umständen berührt hätte. Er erkannte den Geschmack und Geruch wieder. Spock. Im Lift und ein weiteres Mal in der Kabine. Panik und Sorge breitete sich in ihm aus. Es konnte nicht sein.

 

„Gut ... hör auf, ... nicht zu viel“, japste McCoy.

 

Ein weiteres Mal zählte der Arzt bis 15 während er mit aller Kraft den kräftigen Herzmuskel bearbeitete. Schweißperlen zeichneten sich auf seiner Stirn ab und er sah hoch zu Kirk. „Jetzt ... noch mal .... Verdammt wo bleiben die?““

 

Kirk blies Spock erneut Luft in die Lungen. In dem Moment öffneten sich die Türen und das medizinische Team eilte herein.

 

„Beatmen, intubieren ... sofort und einen Scanner ... kein Cordrazin. Defibrilator. Jim geh aus dem Weg“, schrie McCoy sofort seine Anordnungen mit geübter Professionalität. Er schnappte ein Skalpell aus einer Tasche und schnitt unzeremoniell Spocks Uniform über der Brust auf, streckte eine Hand aus und einer der noch atemlosen Assistenten schlug ihm ein Gerät hinein.

 

„Scanwerte?“, forderte McCoy.

 

„Herzschlag ... Null, Blutdruck ... bei 12 rasch sinkend, Puls ... nahe Null ... kaum existent ... rasch sinkend. Sauerstoffsättigung ... sinkend, weit unter der Grenze ...”, kam sofort die Antwort einer jungen Medizinerin. „Doktor, es ist zu ...“

 

„Noch nicht ...“, schnappte McCoy.

 

Kirk stand wie gelähmt an der Seite, hielt sich verkrampft am Tisch fest und sah zu wie McCoy ein Gerät an Spocks Seite ansetzte.

 

Ein Assistent bog den Kopf des Vulkaniers in den Nacken, schob ihm eine Röhre in den Mund und Rachen und setzte eine Maske darüber, schloss es hastig an ein Gerät an. „Sauerstoff ... bereit ... intubiert. Fertig.“

 

„Okay ... aus dem Weg“, rief McCoy und sämtliche Hände verschwanden vom Körper des Vulkaniers. Spocks Körper bäumte sich auf, als elektrische Ströme durch seine Muskeln und Nerven gejagt wurden und sich hörbar statisch entluden. Kirks Magen drehte sich um und er kniff die Augen zusammen.

 

Stille und atemloses Schnaufen der Mediziner, sofern sie nicht die Luft anhielten. Ein leises ansteigendes Fiepen erfüllte den Raum, wurde lauter und zeigte den Ladungsstatus an.

 

„Negativ ...“, meldete eine Frauenstimme. „Nulllinie ...“

 

„Noch mal“, kam McCoys energische Stimme. „Komm schon du vulkanischer Dickkopf.“

 

„Sauerstoff jetzt bei 30 ... passiv“, meldete ein Assistent. „Hirnfrequenzen werden schwächer. Wir verlieren ihn ...“

 

„Nein! So einfach macht er sich nicht davon ... Hände weg ...“ McCoy setzte erneut an. Wieder bog sich Spocks Körper unter seinen Händen durch, als Spannung hindurch gejagt wurde. Er fiel schlaff wieder auf das Deck zurück. Die anschließende Stille dehnte sich aus. Nur das leise Zischen der Beatmung war zu hören.

 

Kirk starrte blind auf die Szenerie vor sich. Er hielt die Luft an, hörte überlaut das Fiepen des sich wieder aufladenden Defibrillators und wartete. Worauf? Starb sein Freund dort vor seinen Augen? War er schon ... Kirk horchte in sich hinein, doch fühlte nichts. Müsste er es nicht fühlen? Alles war dumpf, wie im Nebel. Spock lebe, schrie seine Seele.

 

„Positiv ...“, meldete plötzlich die Frauenstimme. Eine relativ junge Arzthelferin. Sie sah erleichtert hoch. „Wir haben ihn. Schwach ... noch .... unregelmäßig zwischen 20 und 30 ... zu wenig ...“

 

„Das reicht ... zum Überleben.“ McCoy ließ die angehaltene Luft entweichen, warf das Gerät auf den Boden und schoss Kirk einen kurzen ernsten Blick zu. Er nickte knapp, dann drehte er sich wieder zu Spock. „In die Krankenstation mit ihm, schnell ... Keine Medikamente ich brauche die Blutwerte. George, wie sind jetzt die Sauerstoffwerte?“

 

„Immer noch bei 30, das ist ...“

 

„... zu wenig. Ich sehe es. Irgend etwas blockiert die Atmung und verhindert die Sauerstoffaufnahme des Blutes.“ McCoy gab dem Mediziner den Scanner zurück und half den Vulkanier vorsichtig auf die Trage zu hieven und die Instrumente daran zu befestigen. „Intensiv. Er wird in einigen Minuten zu sich kommen aber er bleibt intubiert und ... er wird es nicht mögen und sich wehren. Bindet ihn fest. Verstanden? Schnell ...“

 

Die Assistenten nicken und ließen die Anti G Trage mit Spock zur Tür schweben.

 

„Ich komme sofort nach“, rief McCoy hinterher und wirbelte zu Kirk herum. Es war ihm anzusehen, dass er schreien wollte doch als er Kirks bleiches Gesicht sah runzelte er besorgt die Stirn.

 

„Du hast einen Schock. Komm mit Jim, den Termin mit Wesley kannst du erst mal vergessen.“ Ohne auf eine Antwort zu warten griff McCoy ihn am Oberarm und zog Kirk rennend hinter sich her aus dem Labor.

 

 

Teil 17