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Teil 1


„Okay, Jim? Was ist passiert?", fragte McCoy nachdem sie schweigend den gesamten Weg in die Krankenstation gegangen, mehr geeilt waren.

McCoy war voran gestürmt und Kirk war dem Arzt nur stumm und in sich gekehrt gefolgt. Nun schloss McCoy die Tür zu seinem Büro, stellte seine Tasche auf einen Tisch und holte eine Flasche mit zwei Gläsern aus einem Schrank. Er stellte eines lautstark vor Kirk um ihn aus seiner Apathie zu wecken. „Erzähl ... was war los?"

„Bones? Wenn du ..." Kirk sah auf das Glas und dann in die hellblauen Augen, die ihn nun argwöhnisch musterten. „Bist du unten fertig?"

„Ja!", antwortete McCoy herausfordernd. „Also?"

„Nun, bevor ... ich meine bevor wir etwas trinken, vielleicht siehst du dir meine Hand an. Ich glaube sie ist gebrochen und es schmerzt wirklich. Ich habe ..."

McCoy erschrak, stellte die Flasche polternd auf den Tisch ohne den Blick von Kirk zu wenden und griff nach dem ausgestreckten Arm. Er schob vorsichtig das Uniforhemd hoch und holte zischend Luft, als er die beginnende bläuliche Schwellung sah. „Das ist  gebrochen ..."

Blind griff er nach dem Intercom und schaltete es ein. „Christine? Bringen Sie mir einen Dermolaser und den Knochenregenerator ..."

„Ja, Doktor ..."

„Oder besser ... warten Sie. Ich mache das gleich selber in der Station."

„Ja, Doktor. Benötigen Sie meine ..."

„Nein. Ich mache das schon ...." McCoy sah bestimmend zu Kirk hoch. „Komm ..."

Kirk schluckte nervös, hatte den stummen Vorwurf in den blauen Augen gesehen. „Bones, ich kann nichts ..."

„Nein, ... nein ... Jim", murmelte McCoy und hob die Hände. „Ich ... muss nachdenken, okay?"

„Okay ..." Kirk folgte ihm in den Vorraum und setzte sich auf die Untersuchungsliege. McCoy begann stumm den Arm auf eine Vorrichtung zu legen und mit diversen Geräten den Knochen zu untersuchen, zu richten und den Bruch zu behandeln. Ab und an blickte er Kirk musternd an und wendete sich murmelnd wieder seinen Geräten zu.

„War das Spock?", fragte McCoy plötzlich, als er das Gerät angeschaltet hatte, in dem er Kirks Handgelenk platziert hatte.

Kirk verschluckte sich fast, als der Arzt überraschend sein Schweigen brach. „ Wie ... kommst du darauf?"

McCoy deutete mit dem Kopf auf die nun sichtbaren dunklen Male einer kräftigen Hand um das Gelenk, die gerade vom Dermo- und Knochenlaser behandelt wurden. „Weil nur er so viel Kraft hat und ... jeder andere säße inzwischen in der Sicherheitszelle."

Kirk presste geschlagen die Lippen zusammen, zog eine Grimasse und nickte. „Da hast du wohl Recht. Es war ... keine Absicht. Ein Versehen."

„Ein Versehen ..." McCoy sah wieder hoch, wirkte nicht überzeugt. „Weiß er es?"

Kirk schüttelte den Kopf. „Ich denke ... Nein. Ich habe es ihm nicht gesagt und habe es nicht vor. Er konnte nichts dafür."

„Okay. Das sollte reichen. Sei etwas vorsichtig die nächsten Stunden damit. Der Knochen ist erst in 24 Stunden richtig gefestigt und voll belastbar. Komm ..." McCoy schaltete das bläuliche Licht über Kirks Hand aus und nickte in Richtung Büro. „Geh schon mal vor. Ich räum das hier noch weg ... bedien dich ..."

Kirk sprang erleichtert vom Bett und ging ins Büro, setzte sich schwer auf einen Stuhl, bewegte und dehnte die Finger der eben noch gebrochenen Hand vor den Augen ohne sie wirklich zu sehen. Es fühlte sich noch etwas taub an, doch die Schwellung und auch der Bluterguß waren fort. Er blickte auf den Brandy und schob das Glas fort, als sein plötzlich flauer Magen ihn erinnerte, dass er noch kein Frühstück gehabt hatte.

„Keinen Brandy?" McCoy kam herein und schien den Gedanken zu ahnen. „Du hast noch nichts gegessen, oder?"

„Nein .... erraten." Kirk schüttelte den Kopf.

„Das war keine Kunst. Spock also ... auch nicht?"

Kirk sah den Arzt unschuldig an.

„Warum wusste ich das?" McCoy drehte sich brüsk um und ließ Kirk allein. Er kehrte Momente später mit zwei Tabletts zurück, gefüllt mit Kaffee, Früchten und Toast. Ein stationärer Replikator, der Luxus der Krankenstation.

„Iss ... und ich erzähle zuerst was geschehen ist, dann du. Ich denke, das wir deinem gerade eben sehr sehr vulkanischen Offizier seine vulkanische ´Stunde´ geben sollten. Für eine weitere Konfrontation mit diesem spitzohrigen Sturkopf habe ich heute ohnehin keine Energie mehr und er wirkte nicht, als ob er zum Kaffeekränzchen einladen möchte."

McCoy stellte ein Tablett vor Kirk und ein anderes auf seinen Platz, setzte sich dann schnaufend und begann sich einen Toast mit Butter zu schmieren. „Ich habe mit Braman gesprochen. Besser: Er hat ´mich´ angesprochen. Er weiß es. Das war aber auch so klar. Er hätte blind und ein schlechter Arzt sein müssen um nichts zu bemerken und das ist er beides nicht. Aber ...", gestikulierte McCoy mit einem Messer in der Luft. „Er hat natürlich die ärztliche Schweigepflicht, wie auch ich. Obwohl sie in diesem Fall, wenn es um eine Droge geht, natürlich etwas anders ausgelegt wird. Er wird es jedenfalls nicht melden und auch Fink nicht. Braman erwähnte etwas ... Fink sollte mit dir gesprochen haben?"

Kirk nickte kauend und runzelte die Stirn. „Hat er ... und ... es hat mir nicht gefallen."

McCoy schüttelte langsam den Kopf. „Nein ... sicher nicht. Ich habe die Verletzungen gesehen ... außerdem habe ich die Bänder vor Braman bekommen. Spock ist unter unserer ... nenn es Zuständigkeit oder Verantwortung .... jetzt und ..."

Kirk hielt es nicht mehr aus. „Ich war dort. In den Räumen eines dieser Brüder. Delek? Diese Mistkerle haben ihn gefoltert und ... noch mehr, was er nicht mehr weiß aber ..."

McCoy hob die Hand. „Sein Körper weiß es, Jim, und er wird es auch wieder wissen, wenn ... wenn er es zulässt."

„Was heißt: Wenn er es zulässt?" Kirk sah hoch und griff nach seinem Kaffee, doch McCoy schüttelte den Kopf.

„Nein ... erst einmal möchte ich jetzt wissen, was passiert ist. Er wirkte wie eine tickende Bombe, als ihr ins Labor kamt und ... er war auch eine. Das letzte Mal, dass ich ihn so erlebt habe, ist noch nicht allzu lange her. In seiner Kabine, Minuten bevor und auch nachdem er eine Dosis dieses Zeugs bekommen hat, oder besser ... sich selbst injiziert hat."

„Du hast noch nicht alles von Braman erzählt", unterbrach Kirk.

„Nein." McCoy sah ihn durchdringend an, gab keinen Zentimeter nach. „Also?"

Er deutete mit einer Hand auf Kirks Handgelenk. „Er war schon auf Entzug, hm? Daher?"

Kirk nickte bedrückt, als ihm die Szene im Lift wieder vor Augen war. „Ja ... ziemlich, er sagte ... eine halbe Stunde schon ... und es wurde minütlich schlimmer. Ich hab es ihm gegeben. Im Lift. Es ging ihm schon schlecht."

McCoy nickte nur stumm und wartete, beobachtete Kirk intensiv.

Kirk blickte auf die Kaffeetasse in seinem Schoss und wartete einen Moment. „Er ... will es absetzen. Er ist irgendwie ... durcheinander und fast wütend ... ich weiß es nicht. Vielleicht habe ich zu viel gesagt. Jedenfalls waren die Mauern erst unten ... dann wieder oben und ... er ist entschlossen, dass er dieses Zeug nicht mehr nehmen wird und .... ich kann es ihm nicht verdenken. Es ist eine Droge. Er ist Vulkanier und er ist ... Spock. Spock nimmt keine Drogen, wenn er nicht gezwungen wird."

Kirk sah hoch. „Bones ... es raubt ihm seine Sinne, seine Fähigkeiten und Kontrollen und ... vermutlich noch mehr."

„Noch mehr!" McCoy sah ihn ernst an und nickte langsam. „Was ... hast du ´zu viel´ gesagt? Ihr habt gestritten, oder?"

Kirk blickte zur Seite und schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht und selbst wenn ... Bones, ich denke, dass ist etwas was ...
zwischen uns bleiben sollte."

„Nun gut ..." McCoy lehnte sich bedächtig zurück. „Wie du meinst. Aber das andere ist nichts, was ihr oder er alleine schafft. Er kann das Mekantin nicht einfach so ... absetzen."

Kirk schwieg und sah den Arzt fragend an, der nun die Arme auf den Tisch stützte und die Hände vor dem Gesicht verschränkte. Einen Moment sprach niemand, dann wiederholte McCoy seine Worte, sanfter dieses Mal. „Er kann es nicht einfach absetzen."

„Warum?", brachte Kirk, plötzlich heiser, heraus.

„Weil das sein Tod wäre." McCoy ließ die Worte einen Moment im Raum hängen und faltete die Hände neu, visierte den Tisch an als er weiter erklärte. „Ich hatte Recht mit meinen Befürchtungen und ich wünschte, ich hätte es dieses Mal nicht gehabt. Die Schmerzen, wenn das Mekantin entzogen wird, dauern Stunden an, ziehen sich durch das komplette neurale System. Er hat keine Möglichkeit sie oder auch die verkrampfte Muskulatur dann zu kontrollieren. Sie würden ihn zunächst in den Irrsinn treiben und schließlich ... sein kompletter Metabolismus würde zusammenbrechen und ... Jim, muss ich dir mehr erklären?"

Kirk stellte sehr langsam die Kaffeetasse auf den Tisch. „Ich denke ... ja."


***


Der abschließende Bericht an Commander Fink war seit 15 Minuten fertig und Spock hatte ihn wie angekündigt abgeschickt. Er würde jetzt bereits bei dem Commander vorliegen, damit war sein Teil der SI Mission beendet und abgeschlossen. Eine Identifizierung der Gefangenen und überführten Kolonieleiter und ihrer Helfer seinerseits war nicht zwingend nötig, doch er sollte zur Verfügung stehen, falls doch.

Ein weiteres Mal fokussierte Spock seine Gedanken auf diesen Fakt, um sich auf einen Punkt konzentrieren zu können und veränderte leicht seine Position auf dem Kissen auf dem er kniete. Ein weiteres Mal war er erfolglos. Wieder schoben sich Bilder in sein Denken, die er hatte meistern wollen.

Drogen. Meditation war nicht möglich.

Spock verfolgte systematisch die Auswirkungen des Mittels in seinem Blutstrom und Nervensystem und kam wieder mit dem gleichen Ergebnis heraus, was er bereits vor Minuten erreicht hatte. Mekantin, eine mittlerweile gewohnte Dosis. Es war die Ursache und es war nicht akzeptabel. Er war Vulkanier. Sein Körper und seine Sinne waren sein Erbe. Er benötigte sie zum Denken, zum existieren. Die Droge veränderte dies. Nicht akzeptabel.

Sein Verhalten gegenüberJim war unangemessen gewesen. Der Mensch war sein Freund, sein Captain. Er hatte helfen wollen und er hatte erkannt, was Spock selbst ignoriert hatte. Das Verlangen seines Körpers. Wie lange hatte er es kontrolliert und sich verboten? Kontrolliert um Jim zu schützen. Zu schützen, was sein Freund aus Unwissenheit forderte. Der Mensch war nicht bereit sich für ein Leben zu binden. Nicht an ihn. An niemanden.

Die Droge hatte mehr verändert, als er zunächst wahrgenommen hatte. Das verbotene körperliche Verlangen war da, stark wie eh und je, vermutlich stärker. Schlechter zu kontrollieren. Es war da, nicht zu verleugnen, nicht mehr jedoch der Instinkt sich zu binden. An seinen Thyla zu binden. Das wäre die unmittelbare Folge eines intimen Kontaktes gewesen. Vorher ... ohne Droge.

Er hatte Jim schützen wollen, vor sich, seinem Instinkt, seiner vulkanischen Natur. Er hätte keine Kontrolle darüber gehabt. Die Droge hatte diese Instinkte mitsamt seinen telepathischen Wahrnehmungen eingelullt, unterdrückt, blockiert. Er konnte es kontrollieren? Einen intimen Kontakt kontrollieren? Intimer Kontakt ohne eine zwingende Bindung? Ohne Jim zu einer Entscheidung zu zwingen, die er nicht treffen konnte oder wollte? Eine andere Form von Kontrolle. Menschlich? Nur Menschen konnten intim miteinander verkehren ohne sich zu binden. Er auch? Trotz seines Instinktes? Kontrolle. Es war möglich? Zu viele Fragen.

Er hatte auch jetzt keine Kontrolle, gestand Spock sich ein.

Doch er hatte dem Verlangen nachgegeben. Jim geküsst, wie es Menschen taten. Sein Körper hatte reagiert, doch nicht seine Instinkte. Allein der Gedanke daran ließ Spock die Augen öffnen und mit zwei Fingern seine Lippen berühren. Er hatte Jim geküsst, auf die Art der Menschen und sein Körper hatte reagiert, wiederholte er diesen Fakt für sich. Etwas, was er sich zuvor seit langem verboten hatte. Die Reaktion. Eine Auswirkung der Droge, nicht seines Willens? Eine Reaktion seines Körpers, nicht seines Verstandes. Doch er hatte Jim nicht mental gespürt, wie es hätte sein sollen. Müssen. Kontrolle und doch nicht Kontrolle? Seine Gedanken waren chaotisch.


Nicht akzeptabel.

In etwas weniger als zwei Stunden würde sich die jetztige Mekantin Dosis abbauen. Sie würde nicht erneuert werden dürfen. Er würde den Entzug durchstehen müssen und wieder Herr seiner Entscheidungen sein, seiner Sinne und Fähigkeiten. Es war nicht logisch seine Natur zu verleugnen oder zu ... betrügen. Eine selbst zerstörerische Lüge. Nicht logisch.

Der Türsummer unterbrach seine wirbelnden Gedanken und Spock ließ die Hand sinken, die noch immer an seinen Lippen ruhte. Er holte tief Luft, wusste, dass es nur eine Person gab, die ihn jetzt aufsuchen würde.

Jim. Sein Freund. Sein Captain. Sein Thyla. Vertraut. Die einzige Person, die ihm näher war als es je ein anderes Individuum gewesen war. Die Auswirkungen der Droge und seine Entscheidung betrafen auch Jim. Fakt. Nur die Wahrheit war logisch.

„Komm herein", flüsterte er kaum hörbar und gab dem Computer die Anweisung die Tür zu öffnen.


***


Die Tür zum Quartier des Vulkaniers öffnete sich und Kirk trat in die halbdunkle Kabine. Er sah Spock nicht sofort, doch ahnte wo er seinen Freund finden würde.

Kirk legte die kleine Tasche, die ihm McCoy ausgehändigt hatte auf den Bürotisch und ging in den Schlafbereich. Der Vulkanier kniete auf einem breiten Kissen auf dem Boden vor der rötlich glühenden Statue. Er hatte ihm den Rücken zugewandt und den Kopf gesenkt. Meditation? Vermutlich benötigte er das.

Kirk setzte sich auf das Bett und wartete, dass Spock bereit war mit ihm zu sprechen. Es war selten, doch zwischen ihnen nicht ungewöhnlich, dass der Vulkanier minutenlang in seiner meditativen Starre verharrte bevor er bereit war zu sprechen oder ihn überhaupt zu registrieren. Die Bitte Spocks an ihn hereinzukommen dann eher eine rein reflexartige Reaktion auf seine Umwelt. Eine unbewusste Reaktion eines Vulkaniers der vertraute, eine die nur ihm, Kirk, vorbehalten war.

Heute war es anders. Spock hob sofort den Kopf und sah über die Schulter zweifelnd zu ihm, dann wieder auf seine gefalteten Hände.

„Ich wollte nicht deine Meditation stören, Spock."

„Ich ... meditiere nicht. Ich habe ... nachgedacht."

„Ah ... und?" Kirk blickte auf den angespannten Rücken seines Freundes, der mehrmals tief Luft holte, bevor er leise weitersprach. Lange Finger fanden ihre Position in gefalteten Händen und arrangierten sich mehrmals neu. Rastlos und unruhig.

„Mein Verhalten dir gegenüber war unangemessen. Es darf nicht erneut vorkommen."

„Ist das eine ... offizielle ... Entschuldigung, Spock? Oder ein Eingeständnis unter ... Freunden?"

Spock drehte sich um und musterte Kirk einen Moment. Nach einem kurzen Blinzeln blickte er auf den Boden. „Unter Freunden. Verzeih, Jim. Ich hätte dich nicht ..."

Blitzschnell lehnte sich Kirk vor und griff in Spocks Nacken, zog den überraschten Vulkanier zu sich und küsste ihn. Spock machte ein überraschtes Geräusch doch Kirk hielt ihn fest und schob seine Zunge fordernd zwischen warme Lippen.

Ein kaum spürbares Zittern lief durch den Vulkanier und er schob Kirk weg, griff nach der Hand in seinem Nacken und entfernte sie. „Nein ... Jim, nicht", flüsterte Spock leise.

„Warum Spock?", fragte Kirk und behielt die warme Hand in seiner. „Warum vorhin im Lift ... und warum jetzt nicht? Du weißt, dass ich es will ... doch ich warte. Natürlich warte ich ... aber du hast es angefangen. Weißt du denn was du willst? Ich bin nur ein Mensch, aber ich erkenne Verlangen, wenn ich es sehe. Warum? Oder will dein Körper etwas anderes als dein Geist?"

Spock blickte zur Seite. „Nein ... nein ... es war nicht angemessen. Jim, du verstehst nicht."

„Vielleicht nicht. Vielleicht doch." Kirk verschränkte die Arme auf der Brust und seufzte. „Spock. Du machst es mir nicht leicht und auch dir nicht. Ich weiß nicht viel von dem, was dich belastet, weil du es schlicht nicht sagst und deine Mauern oben sind aber ich weiß, was mich belastet. Ich liebe dich ... und ich habe nicht vor das zu ändern. Ich sehe nicht gern zu, wie es dich innerlich auffrisst und ich werde doch 100 Jahre warten, wenn du es so möchtest, aber ich habe auch in Mathematik aufgepasst. Du hast keine ... 100 Jahre."

Kirk wartete einen Moment, doch wich dem Blick der nun fast schwarzen Pupillen nicht aus und beugte sich etwas vor. „Ich weiß du empfindest ähnlich ... sehr ähnlich, doch ich weiß noch immer nicht, wie du ´Liebe´ interpretierst. Aber ... Spock .... wenn du dich nicht bald entscheidest, dir etwas einzugestehen und dich mit mir ... zu binden, dann hast du nicht einmal drei Jahre. Denn dann werde ich dich gehen lassen müssen, damit du einen anderen Bindungspartner findest. Einen den du vielleicht nicht so sehr schützen willst, dass du eine Bindung sogar fürchtest. Damit du überlebst ... denn ich werde nicht zulassen, dass du dich ..."

„Jim", krächzte Spock und schluckte nervös, sah ihn mit geweiteten Augen an. „Du willst, dass ich ... einen anderen .... dass ..."

„Nein! Aber wenn ich muss ... dann werde ich es. Vielleicht ist es meine Schuld, vielleicht hätte ich viel eher klar machen sollen, was du mir bedeutest oder ... Spock? Ich will es nicht. Ich will dich nicht gehen lassen aber ich will auch nicht zusehen, wie du dich zuerst selbst hinter dicken Wänden verkriechst und hinterher umbringst ... um mich zu schützen? Vor etwas, was ich ´will´? Und du ... Spock?"

Spock hatte die Augen geschlossen und öffnete sie nun langsam wieder. „Du verstehst nicht, kannst es vermutlich nicht verstehen. Ich bin ... Vulkanier. Ich kann nicht, wie du, mich einer vielleicht ... befristeten intimen Beziehung hingeben um sie nach einigen Monaten oder Jahren ... wieder zu beenden oder .... meine Instinkte und Natur und meine ... Wünsche würden das nicht zulassen. Ein intimer Kontakt zwischen uns ... würde bedeuten ..."

„Du würdest dich mit mir binden?" Kirk knetete die Hand in seiner und beobachtete seinen Freund, der mit seinen Worten rang. „Sofort und unwiderruflich? Für ein Leben? Ist es das? Ich habe es schon einmal gefragt."

Spock nickte und senkte den Blick.

„Es ist das, was du willst?"

Zunächst kam keine Reaktion, dann sah der Vulkanier hoch. Für Sekunden blitzte etwas Ärger in den dunklen Pupillen, doch wurde sofort sorgfältig kontrolliert. „Du weiß es. Du kennst mich vermutlich besser als ... besser als ich mich selber. Jim, warum fragst du etwas, was du bereits ...weißt?"

„Ja ... ja ... ich weiß es und ich weiß nicht wie lange bereits", flüsterte Kirk und griff nach Spocks Schultern. „Und ... ich war offensichtlich blind. Warum führen wir dieses Gespräch jetzt? Ausgerechnet jetzt, wenn du geschwächt bist ... wenn ... vielleicht deswegen. Vielleicht hätten wir längst darüber sprechen sollen mein Freund." Er legte eine Hand an Spocks Wange. „Du kannst mich jetzt im Moment nicht spüren, also kannst du dich auch nicht mit mir binden ... aber dein Körper verlangt dennoch ... und auch dein Geist?"

Spock nickte und griff nach Kirks Hand, nahm sie von seinem Gesicht. „Jim ... ich stehe unter Drogen. Es ist wirklich nicht der richtige Moment um dieses Gespräch ..."

„Ich glaube es gibt nie einen richtigen oder falschen Moment. Warum also nicht diesen?"

„Ich will es nicht ... nicht so ..."

Kirk blickte auf die sichtbare Erregung zwischen den schlanken Beinen des Vulkaniers. Deutlich zeichnete sich sein Geschlecht ab. Erregt. Fragend sah er wieder hoch in Spocks Augen.

Frustriert blickte der Vulkanier fort und fixierte eine Wand, seufzte. „Jim ... bitte ..."

„Verzeih, wenn ich das auch wieder nicht verstehe aber .... was tun Vulkanier mit diesem Geschlechtsorgan, wenn es derartig ... erregt ist, wenn nicht ... intimen Verkehr zu ha-..."

„Jim!", zischte Spock, wirkte fast verzweifelt und drehte den Kopf weiter fort. Er holte mehrmals tief Luft und sah wieder zu ihm. „Ja ... das gilt auch für Vulkanier und auch für mich. Aber nicht ... so. Nicht in diesem ... Zustand. Bitte versteh, Jim ... es
wäre nicht ehrlich, nicht angemessen."

„Kein Sex vor der Ehe, hm?", grinste Kirk und wurde sofort wieder ernst, als er den verwirrten und hilflosen Blick des Vulkaniers sah.

Er nahm eine warme Hand in seine und strich über die langen Finger. „Hast du noch immer nicht verstanden, was ich dir sagen wollte?"

Für einige Sekunden schien es, als wolle eine Augenbraue in die Höhe klettern und die dunklen Augen wanderten ungläubig über Kirks Gesicht. Stolz und Freude wechselten sich mit Unsicherheit und schließlich holte Spock tief Luft, sah auf ihre ineinander verschränkten Hände und wieder in Kirks Augen. „Du ... ziehst eine Bindung mit mir in Erwägung?"

„Ja aber ..." Kirk nickte ernst. „So habe ich es nicht ganz gemeint. Ich ´will´ es ... nur wenn es das ist, was auch du willst. Und auch wenn ich kein Telepath bin, meine ich zu wissen, dass es das ist."

„Jim ..." Spock ließ ihn nicht aus den Augen. Er hob eine Hand, wollte Kirks Gesicht berühren. Eine feines Zittern verriet seine
Nervosität. Unerwartet ließ er die Hand sinken. „Ich vertraue deinen Worten ..." Er neigte den Kopf, schien nachzudenken und nickte, mehr zu sich selbst, als hätte er einen inneren Entschluss gefasst.

„Ich habe den Bericht an Commander Fink komplettiert und bereits abgesendet. Meine Aufgaben bezüglich dieser Mission sind soweit erfüllt, die Bestätigung der SI liegt in den Akten vor. Ich unterstehe wieder vollständig der Hoheit der Enterprise als Erster Offizier."

Kirk nickte langsam. Nur Spock schaffte es einen derart abrupten Themenwechsel zu machen, doch es hatte einen Grund, vermutete Kirk. „Das ist noch nicht alles, hm?"

„Nein." Spock senkte kurz den Blick und sah ihn wieder an. „Ich werde noch für weitere zwei Tage zur Verfügung stehen und ansprechbar sein müssen, wenn erforderlich. Jedoch .... Jim, ich werde keine weitere Injektion dieser Droge mehr dulden." Abrupt veränderte sich Spocks Gesicht und der Blick der dunklen Augen wurde sehr hart.

„Ich weiß ... du hast es bereits gesagt. Ich verstehe dich und wenn es nach mir ginge, dann bist du halt einfach für einige Stunden nicht ansprechbar, beschäftigt oder ... was uns sonst einfällt, aber .... ganz so einfach ist es leider nicht."

Kirk holte tief Luft und ließ sie hörbar wieder entweichen. Er setzte sich wieder richtig auf das Bett des Vulkaniers, gab Spock damit etwas Freiraum. Es gab keinen Weg das was er sagen musste angenehmer zu machen. Er faltete die Hände und beugte sich vor, blickte in das vertrauensvolle Gesicht seines Freundes, hasste es was er sagen musste.

„Spock. Du wirst diese Droge nicht einfach so ... absetzen können."

Spock sah ihn sekundenlang an. Dunkle elegante Augenbrauen zogen sich über der Nase zusammen und eine steile Falte entstand auf dem eben noch völlig offenen Gesicht. „Warum?"

„Die Schmerzen würden ..."

„Ich werde die Schmerzen erdulden. Ich benötige lediglich einen Raum in dem ich ... niemandem gefährlich werden kann und ... mich niemand sieht." Die letzten Worte waren leise gesprochen.

„Spock, du verstehst nicht. Es geht nicht um ´erdulden´. Ich weiß, dass du das versuchen würdest um .... bitte lass mich einfach ausreden. Die Schmerzen verbunden mit den Entzugserscheinungen würden dich ´töten´. McCoy hat von Braman und wohl auch aus anderen Quellen inzwischen mehr Informationen über diese Droge und auch über ihre Wirkung und Opfer. Auch Vulkanier. Eigentlich sogar hauptsächlich Vulkanier oder zumindest Vulkanoide ..."

„Vulkanier nehmen keine Drogen ...", warf Spock stur ein. „Das ist ... undenkbar. Es ist nicht logisch wissentlich Drogen zu ..."

„Logisch? Spock, bitte ... Hör zu."

Stille breitete sich in der Kabine aus und dunkle Augen musterten Kirk stoisch. Kirk ignorierte den offensichtlichen Starrsinn darin. Selbst wenn sie unter sich waren, behielt Spock häufig seine steife Grundhaltung bei. Doch jetzt würde er daran rütteln müssen. Es war lebensnotwendig.

„Undenkbar ... nicht logisch ... nach den vulkanischen Grundsätzen?", fuhr Kirk sanft fort. „Vielleicht, ... aber es gibt sie, auch bei deinem Volk. Nicht alle leben nach diesen Grundsätzen Spock. Natürlich steht es nicht an der öffentlichen vulkanischen Pinnwand aber ... Vulkanier oder auch Vulkanoide ´sind´ von diesem Zeug abhängig geworden. Wie auch immer das passiert ist. Etwas, was du mit deiner Mission unter anderem auch verhindert hast, zumindest dass es weitere Opfer gibt. Es ist ein Fakt. Und ein weiterer Fakt macht mir weitaus mehr Sorgen. Es hat keiner dieser Vulkanier oder auch Vulkanoide einen simplen Entzug überlebt. Das ist ein Fakt. Du KANNST es nicht einfach so ... absetzen. Die Schmerzen, ... dein eigenes Nervensystem würde dich töten."

Spock sah ihn stumm an, rührte sich keinen Millimeter. Plötzlich ohne jegliche Vorwarnung stand er in einer eleganten Bewegung auf und ging in den Bürobereich. Er stoppte kurz und sah auf das kleine Täschchen mit von McCoy vorbereiteten Injektionen, was Kirk auf dem Tisch abgelegt hatte. Zögernd streckte er eine Hand aus und befühlte es und sah dann zu Kirk, der ihn vom Bett aus beobachtete.

„Es muss einen anderen Weg geben."

Kirk schüttelte bedrückt den Kopf. „Keinen bisher bekannten oder erprobten. McCoy sucht schon nach ... Möglichkeiten. Bis dahin muss du ..."

„Nein!" Spock presste die Lippen hart aufeinander und drehte sich weg.

„Spock, gib ihm die Zeit. Er versucht alles ..."

„Es ist meine Zeit, die dabei verstreicht. Mein Leben und meine Würde, die vernichtet werden. Ich werde nicht eine weitere Dosis ..."

„Dann werde ich es dir eben geben", schnaufte Kirk ärgerlich.

Der Vulkanier wirbelte herum. „Du würdest ... gegen meinen Willen ..."

„Ja! Ja! Verdammt noch mal ... das würde ich. Es geht, wie du es eben schon sagtest, um dein Leben", schrie Kirk seinen sturen Freund ungehalten an. „Ich sehe nicht zu wie du dich umbringst, nur weil du nicht warten kannst oder willst. Warum gibst du nicht McCoy die Zeit eine Lösung zu finden? Für dich ... für uns. Solange noch eine Chance und eine Möglichkeit besteht. Warum bist du ´jetzt´ so stur? Spock. Selbstmord. Ist das logisch? Oder Flucht ..."

Spock sah ihn stumm an, stand einige Sekunden wie versteinert im Raum. Urplötzlich stieß er ein hilfloses Stöhnen aus und drehte sich weg.

Kirk verharrte schweigend auf dem Bett und wartete. Minuten war es völlig still in der Kabine. Er beobachtete den steifen Rücken des Vulkaniers. Sah zu, wie sich schlanke Hände zu Fäusten ballten und wieder entspannten. Als Spock den Kopf senkte, stand er auf und ging leise zu ihm, drehte ihn an den Schultern zu sich.

„Ich werde ..." Spock räusperte sich und hob etwas den Blick. „Ich werde Dr. McCoy die Zeit geben", sagte er leise und widerstrebend. Er senkte wieder die Augen und atmete tief ein, hielt die Luft an.

Kirk nickte stumm, bemerkte die stille Resignation seines Freundes. Er zog etwas an den kantigen Schultern und Spock sah kurz hoch, wendete den Blick sofort wieder ab.

„Nein, nein ... nein, nein mein Freund. Es ist gut. Wir werden das schaffen, hörst du?" Kirk drehte Spocks Kopf am Kinn zu sich, zwang ihn ihn anzusehen. „Hast du verstanden?"

Ein zögerndes unsicheres Nicken, dann schlossen sich die gequälten Augen. Kirk zog ihn kurzerhand in seine Arme und dirigierte ihn zum Bett. Spock leistete keinen Widerstand und setzte sich schwer, starrte stumpf vor sich hin.

„Müde?", fragte Kirk nach einer Weile.

Spock sah ihn kurz von der Seite an. Langsam nickte er. „Ich benötige mehr Schlaf durch die fehlende Meditation. Eine der
Nebenwirkungen ..."

„Okay, dann schlaf ein paar Stunden. Ich bleibe hier."

„Jim ..."

Kirk schüttelte stumm den Kopf und deutete auf das Bett. „Schlaf Spock. Ich werde hier sein."

Es kostete den Vulkanier sichtbar Überwindung, doch schließlich legte er sich hin, rollte sich auf die Seite und nach einigen
Minuten schlief er.

 

Teil 16