14

 

Teil 1


McCoy sah kurz missmutig hoch, als Kirk mit Commander Fink einige Zeit später in das unterirdische Labor von Traxas schlenderte. Der Rundgang durch die Anstalt war alles andere als ersprießlich gewesen und so vermutete Kirk, dass auch McCoy dem nichts Positives beizusteuern hatte. Er verabschiedete sich mit einem kurzen Gruß von Fink, der sich zu Masteron und seinem Team gesellte und ging zu dem Arzt in den gläsernen Nebenraum. „Bones? Was machst du hier?"

„Was wohl ..." McCoy verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust. „Ich habe Braman geholfen alles zu katalogisieren und zu sichern. Immerhin sind das hier einige heikle ..." Er stoppte abrupt und blickte an Kirk vorbei als suche er jemanden. "Jim? Wo ist Spock?"

„Ich dachte, er wäre ..." Kirk blickte sich fragend um. „...hier? Er ist nicht hier?"

„Jim!", schnaufte McCoy. „Würde ich dann fragen? Nein! Er ist nicht hier ... also?"

Kirk hob unschuldig die Augenbrauen. „Ich dachte ..."

„Du dachtest ..." Unerwartet heftig warf McCoy einen Gummihandschuh auf den Tisch und zog sich den anderen wütend von der Hand ab. „Verdammt ... du weißt doch worum es geht. Vermutlich hat er auch noch immer nicht gegessen, da du ihm ja eh alles durchgehen lässt. Ich habe gesagt, einer von uns soll immer ..."

Kirk wurde in diesem Moment bewusst wie lange er tatsächlich mit Fink unterwegs gewesen war und begriff. Er hörte nicht weiter dem Geschimpfe des Arztes zu, drehte sich auf dem Absatz um, griff nach seinem Kommunikator und rief die Enterprise, wollte aus dem Raum gehen, als McCoy ihn am Arm aufhielt. Der Arzt nestelte etwas aus seinem Kittel und drückte Kirk ohne Worte eine Injektion in die Hand. Mekantin?

„Steck sie weg. Ich fürchte, er wird sie brauchen ... dringend."

Kirk starrte erschrocken auf die Spritze an, dann zum Arzt und hob den Kommunikator an den Mund. „Kirk an Enterprise. Uhura, geben Sie mir Mr. Spock."


***


Spock hatte bereits seit zwei Stunden verschiedene Codes und Umleitungen errechnet und ausprobiert, als das grüne blinkende traxanische Symbol auf dem Monitor endlich einen Zugang zu Deleks Daten bestätigte. Levy, die seit zwanzig Minuten wieder hinter ihm stand und aufmerksam zusah, stieß einen lauten Jubelschrei aus.

„Ja! Genau! Das ist es ... endlich ..."

Spock zuckte zusammen. Zeitgleich traf ihn eine erneute Welle von diffusem Schmerz und er ballte instinktiv die Hände neben der Tastatur in einem Versuch sie zu unterdrücken. Levy merkte es nicht, starrte wie gebannt auf den Monitor, der nun wie eine geöffnete Schleuse Daten und Namen anzeigte.

„Geschafft", schnaufte sie begeistert und klopfte dem stocksteifen Vulkanier überschwänglich auf die Schulter. Spock zuckte erneut zusammen, doch sie schien es nicht zu bemerken, war völlig abgelenkt von dem nun geöffneten Archiv eines Verbrechers.

Delek ... Spock schloss die Augen, nicht bereit sich mehr mit den unangenehmen Fakten zu beschäftigen als ohnehin nötig war. Die Schmerzen wurden stärker und erforderten nun bereits den Großteil seiner Aufmerksamkeit. Sein inzwischen getrübter Zeitsinn sagte ihm, das mindestens dreieinhalb Stunden vergangen waren, seit er die letzte Injektion bekommen hatte. Zwei Stunden davon hatte er in dieser unangenehmen Umgebung verbracht. Erinnerungen quollen hoch und mischten sich mit einer weiteren Attacke von Schmerzen. Die ersten Anzeichen. Nein, nicht die ersten. Entzugserscheinungen! Sie würden stärker werden. Er konnte hier nicht länger bleiben.

„Sir? ... Mr. Spock?"

Spock öffnete die Augen und blickte in Levys Gesicht. Sie sah ihn besorgt an und deutete mit dem Kopf auf seine Hüfte. „Ihr ... Kommunikator ..."

Spock blinzelte und nahm das Summen erst jetzt wahr, griff automatisch an seine Seite und hob das Gerät an den Mund. „Spock hier", brachte er heraus, überrascht, dass seine Stimme ihm noch normal gehorchte. Er drehte sich im Stuhl von Levy weg, die sich ungeduldig einen neuen Stuhl heranzog und die Tastatur des Computers auf ihre Tischhälfte zog, begierig die neuen Informationen zu sichten.

„Uhura hier. Der Captain für Sie, Mr. Spock ..."

„Spock?", klang Kirks Stimme sofort drängelnd aus dem Kommunikator. „Wo bist ...?"

„Ich bin in Deleks Räumen, Captain." ´Jim, ich brauche dich´, fügte er in Gedanken hinzu. Spock schluckte gegen plötzliche Heiserkeit und kämpfte eine weitere Welle Schmerzen nieder, spürte das nur zu bekannte beginnende feine Zittern seiner Muskeln. Er musste gehen, allein sein. Zu Jim? Sicherheit. „Ich ... werde hinun- ...."

„Nein, bleib wo du bist. Ich komme hoch."

Bevor Spock noch antworten konnte unterbrach Kirk die Verbindung, registrierte nicht einmal die vertraute Anrede über einen offenen Kanal. Jim würde hochkommen, das war das einzig wichtige nun. Hatte er eine Injektion? Hatte McCoy eine? Würde der Arzt dabei sein? Spock wusste, er benötigte das Mekantin und lehnte es zugleich ab, verabscheute es, dass seine Gedanken bereits begannen sich wie ein Kraken um dieses Wort zu wickeln. Mekantin. Abhängigkeit. Vielleicht sollte es hier und jetzt enden. Es war nicht akzeptabel. Seine Erziehung drängte ihn, es zu melden, eine weitere Injektion zu verweigern.

Emotionen. Spock kämpfte dagegen an und stand langsam auf, bevor seine rebellierenden Muskeln es nicht mehr zulassen würden. Er musste diesen Raum verlassen, bevor er schreiend auf dem Boden endete. Nicht hier, nicht erneut. Erinnerungen quollen ungefragt an die Oberfläche.

„Sir?" Levy stand plötzlich vor ihm und hielt ihn an einem Arm fest. „Sie sehen nicht gut aus, Mr. Spock. Kann ich Ihnen helfen?"

Er starrte sie unverwandt an, hatte ihre Gegenwart fast vergessen und atmete mühsam kontrolliert ein. „Mrs. Levy ... sicher kommen Sie ... ohne mich weiter mit den Daten."

„Natürlich", nickte sie rasch. „Danke für Ihre Hilfe und .... Sir kann ich ... Sie sehen wirklich nicht gut aus ... soll ich nicht
besser Dr. ..."

Spock befreite sich aus ihrem Griff und machte einen wackeligen Schritt zu Tür. „Nein. Danke ... ich werde ..."

„Spock?"

Kirk stand plötzlich in der Tür. „Mrs. Levy? Ich fürchte, ich muss Ihnen meinen Ersten Offizier jetzt entführen. Kommen Sie Spock?"

Kirks Blick blieb auf dem Vulkanier haften, der wie von einem Magneten gezogen ihn und die Tür ansteuerte und sich sichtbar nur noch mit Mühe auf den Beinen halten konnte. Schmerzen waren deutlich erkennbar in den dunklen Augen, die auf Kirk fixiert waren. Er war froh, das Spock Levy den Rücken zuwandte. Sie kannte den Vulkanier nicht gut genug um die feinen Anzeichen zu bemerken.

Levy nickte rasch. „Natürlich Captain. Mr. Spock hat den Code gerade geknackt und wir können ... Sir?" Sie deutete mit dem Kopf auf Spock, der sich am Türrahmen abstützte. „Vielleicht ist es besser wenn ... er ..."

Also doch, sie war aufmerksamer als er ihr zugetraut hatte. Kirk winkte beiläufig ab und machte Spock Platz, dass er durch die Tür konnte. Er schob ihn rasch und bestimmend auf den Flur, aus Levys Sichtfeld. „Wir kümmern uns schon darum Mrs. Levy."

Er ließ die Türen zuschnappen und machte zwei lange Schritte zu dem Vulkanier, der sich ächzend an die nächste Wand anlehnte und kurz davor schien zu fallen. „Spock ... verd- ..."

Der Vulkanier ging halb in die Knie und atmete einige schnelle Atemzüge. Kirk griff ihm kurzerhand um die schmale Taille und zog ihn mit sich zum Lift. „Ruhig ... Bones hat mir eine ..."

„Nicht ... hier ... Kameras ....", keuchte Spock und wankte mit Kirks Hilfe zum Lift.

Kirk schlug mit der freien Hand auf den Rufknopf und drückte den Vulkanier mit dem Rücken an die Wand, dass er aufrecht stehen konnte. „Halt durch ...." Er blickte auf die Anzeige des viel zu langsamen Liftes und in das schmerzverzerrte Gesicht seines Freundes. „Die Schilde sind wieder oben. Der einzige Beampunkt ist im Labor. Das ist zu weit. Ist der Lift ... sicher?"

Spock brachte ein Nicken zustande doch atmete nur noch rasch und flach und konnte ein gequältes Stöhnen nicht mehr verhindern als die langen vulkanischen Muskeln verkrampften.

„Gleich ... ruhig ... wie lange schon?" Kirk hielt Spock wieder fest, als der sich zusammen krümmen wollte. „Konzentrier dich ..."

„Halbe ... dreißig ... Minuten", flüsterte der Vulkanier stammelnd.

„Mist Lift, ... wo bleibt er ..." Das zischende Öffnen der Türen unterbrach Kirk und kurzerhand griff er den Vulkanier an den Schultern und schob ihn in die kleine Kabine.

Spock stolperte hinein und fiel unterdrückt stöhnend auf die Knie. Kirk stoppte sofort den Lift, sobald die Türen wieder zu waren und ihnen etwas Privatsphäre in der kleinen Zelle gewährten. Er rascher Blick über Decke und Wände reichte um zu sehen, dass es tatsächlich keine Kameras gab.

Er kniete sich vor den nun zitternden und schwer atmenden Vulkanier und fing ihn auf als der weiter in sich zusammensackte. „Ruhig Spock ... ich hab ..."

„Jim ..." Spock sank schwer mit dem Rücken gegen die Wand und kurz trafen sich ihre Blicke, als Kirk die Injektion aus der Tasche holte. Spocks gehetzter Blick fand die Injektion fast sofort und er schloss schmerzerfüllt die Augen. „Nein ...", flüsterte er und drehte den Kopf weg. Erneut wurde er von Schmerzen geschüttelt und begann zu zittern und leise zu ächzen.

Kirk schnappte nach Luft als er plötzlich Spocks Furcht und Scham an seinem Bewusstsein streifen fühlte. Kaum wahrnehmbar, dennoch existent. Je mehr der Einfluss des Mekantins nachließ, desto mehr kehrten also seine telepathischen Fähigkeiten zurück? Doch sie waren unkontrolliert und nun auf ihn, Kirk, seinen Freund gerichtet und Spock hatte Schmerzen. Sie würden schlimmer werden, wusste er von dem Vorfall an Bord der Enterprise. Es gab momentan keinen anderen Weg ihm zu helfen, als diese Droge. Kirk hasste es, was er tun musste.

„Spock ... es tut mir leid." Kirk griff hilflos nach einer zitternden Hand. „Ich ... es muss ..."

„Jim ..." Spock musste mehrmals nach Luft schnappen. Ein weiteres Beben lief durch seinen Körper. Er öffnete die Augen. Schmerz und Angst waren nicht nur sichtbar sondern nun auch fühlbar als sich impulsiv die warme Hand um Kirks klammerte. „Bitte ..."

Kirk japste erschrocken als realer stechender Schmerz durch seinen Arm schoss und versuchte aus einem Reflex seine Hand aus Spocks Griff zu lösen.

„Nein ...", stöhnte Spock und griff fester, hatte seine höheren Kräfte nicht mehr unter Kontrolle. „Jim ... lass ... nicht allein ..."


„Ich bin hier, okay? Ruhig. Ich helfe dir ..." Kirk presste ihm kurzerhand die Injektion, die er bereits in der anderen Hand bereit hatte in den Oberarm. Die Spritze entlud sich mit einem Zischen.

Spock zuckte zusammen, stieß einen leisen gequälten Schrei aus und schnappte hektisch nach Luft. Der verkrampfte Griff um Kirks Hand löste sich als der Vulkanier schützend seine Arme um den eigenen Körper schlang.

„Ich bin hier ... ich gehe nicht ... es wirkt gleich ..." Kirk zog den bebenden Vulkanier in seine Arme und strich über die dunklen Haare. Er schloss die Augen als er spürte, wie sich Spocks gerade noch fast panische und vage Präsenz langsam aus seinen Gedanken zurückzog. Wurden seine telepathischen Kräfte wieder unterdrückt vom Mekantin? Das hektische Atmen unter seinen Händen wurde von Mal zu Mal ruhiger.

Das Mittel wirkte schnell.

Spock machte nach nicht einmal einer Minute Anstalten sich hochzustemmen, doch Kirk hielt ihn fest und ließ ihm nur soweit Raum, dass er ihm ins Gesicht sehen konnte. Der Vulkanier blinzelte, wirkte wieder ansprechbar doch desorientiert, noch weit entfernt von seiner üblichen Kontrolle, wenn er sie überhaupt in diesem Zustand wieder erlangen konnte.

„Besser?", fragte Kirk vorsichtig und strich mit einer Hand wirre Ponysträhnen gerade, legte die Hand dann an eine Wange, wollte nicht zulassen, dass der Vulkanier sich sofort beschämt wieder zurückzog.

Spock schloss kurz die Augen, tolerierte diese vertrauliche Berührung und blinzelte wieder. Er nickte kaum merklich, wirkte erschöpft. „Ich ... benötige ein paar Minuten ...", krächzte er leise.

„Die sollst du haben ..." Kirk presste die Lippen zusammen und blickte besorgt auf die blinkende Bereitschaftsanzeige. Ein Countdown? „Ich weiß nicht wie lange diese Liftkabine auf eine Eingabe wartet, ohne Alarm zu schlagen. Ich habe keine Ahnung von traxanischen Codes. Aber das dort sieht aus wie ein Countdown und ..."

Spock nestelte sich etwas aus Kirks Griff heraus, reckte sich zum Display und gab wenige traxanische Ziffern ein, lehnte sich dann erschöpft und unterdrückt stöhnend an die Wand. „Es wird ... keinen Alarm geben", murmelte er und schloss die Augen.

Kirk lehnte sich ebenfalls an die Wand und massierte unbewusst sein Handgelenk. Er zuckte kurz zusammen, als wieder stechender Schmerz durch seinen Arm schoss. Gebrochen? Vermutlich bei Spocks zu kräftigem Griff. Er blinzelte zu ihm, doch der Vulkanier schien mit sich selbst beschäftigt, hatte es vermutlich nicht einmal bemerkt.

Kirk musterte seinen Freund und wartete bis sein Atem wieder regelmäßiger wurde und die verzerrten Gesichtszüge sich nach und nach entspannten. Er fuhr sich mit der anderen Hand erleichtert durch die Haare und brach schließlich das Schweigen. „Das war reichlich knapp. Warum hast du nicht eher ..."

Spock öffnete abrupt die Augen und sah zu ihm. Innerhalb von Sekundenbruchteilen huschten Schmerz, Qual und Scham durch die dunklen Augen, bevor er den Kopf wieder wegdrehte. „Dies ist nicht akzeptabel ...", flüsterte er leise.

„Nein ... sicher nicht." Kirk krabbelte umständlich zu ihm, bemüht sein gebrochenes Handgelenk nicht zu belasten. „Aber es ist im Moment ... Spock hör mir zu. Sieh mich an." Kirk drehte Spocks Kopf mit einer Hand zu sich, erntete einen sturen Blick aus zwei fast glasigen Augen, die ihm mehr über die dahinter liegenden Wunden verrieten als jedes Wort. „Verdammt ..."

„Ich kann das nicht fortsetzen ...", flüsterte der Vulkanier und wollte erneut den Kopf wegdrehen, doch Kirk hielt ihn fest. „Jim. Ich bin Offizier und kann nicht eine Bürde ..."

„Nein ... hör zu." Kirk strich mit einem Daumen über einen Wangenknochen und dann über zusammengepresste Lippen. „Ich liebe dich ... du weißt das ... und daran wird sich auch dadurch nichts ändern. Du bist hier raus und wir werden auch ... das ... irgendwie schaffen. Es sind nur noch ein paar Stunden. Dann gehen wir aus dem Orbit und Bones wird dieses Zeug aus dir rausholen und dann werden wir ..."

„Jim." Spock schloss die Augen und schluckte schwer, sah ihn wieder an. „Ich ... ich sah den Raum und ... das Wasser. Ich ... weiß was dort geschah und ich weiß was jetzt gerade mit mir geschieht. Ich bin Vulkanier. Es ist ... entwürdigend, beschämend ... nicht akzeptabel. Ich ... ich kann es nicht zulassen, dass du .. das ich .... Ich werde keine weitere ... Injektion ... dulden. Es ist ... eine Droge ... Bitte ..."

„Langsam ... Spock. Es gefällt mir auch nicht aber ... sei logisch. Was werden die Entzugserscheinungen anrichten?", fragte Kirk besorgt.

Spock senkte den Blick. „Schmerzen. Verlust aller Kontrollen. Du ... du hast es bereits erlebt. Es ist nur der Anfang." Er sah wieder hoch, entschlossener jetzt. „Es ist nicht möglich, dass ein Offizier ..."

„Nein, Spock ... hör endlich auf. Es ist möglich. Wir werden dich schützen und dir helfen, aber du musst es zulassen. Ich werde nicht zusehen, wie du ..."

Vehement schüttelte Spock den Kopf. „Jim, nein. Du setzte deine Karriere und die des Doktors leichtsinnig auf das Spiel. Das ist noch weniger akzeptabel. Ich werde meine Abhängigkeit in Folge des Einsatzes melden und ..."

„Du hattest eine Mission und du hast alles richtig gemacht. Du konntest es nicht verhindern. Es ist nicht richtig und es ist für ´mich´ nicht akzeptabel, dass du aufgrund der Dienstvorschriften dann ..." Kirk schüttelte ihn leicht an der Schulter, frustriert über die Sturheit seines Freundes. „Spock, weißt du, was das bedeutet?"

„Ja." Spock sah ihn engstirnig an. „Weißt du, was ... Abhängigkeit für mich bedeutet? Eine ... Lüge?"

Er sah ihn einen langen Moment durchdringend an und stemmte sich dann auf die Beine. „Wir müssen diesen Lift wieder in Betrieb
setzen ..."

Kirk hob die leere Spritze auf, die er fallen gelassen hatte und stand ebenfalls auf, sah in die unerbittlichen dunklen Augen. „Ich will dich nicht verlieren."

Spocks Gesicht bewegte sich lange Moment keinen Millimeter. Nicht einmal ein Zucken eines Muskels war zu sehen, dann plötzlich hob er eine Hand und strich sanft über Kirks Wange. Seine Hand zitterte leicht, als die warmen Fingerkuppen über Kirks Schläfen strichen. „Ich ... kann dich nicht mehr fühlen ...", flüsterte Spock, kaum hörbar.

„Benötigst du das, um zu wissen wie ich es meine?", fragte Kirk aus einem plötzlichen Impuls heraus. „Den mentalen Beweis?"

Spock sah ihn sekundenlang nur an. „Ich bin ... Vulkanier. Es ist ... essentiell. Die Droge raubt ... es ..."

„Solange wirst du meinen Worten glauben müssen, also höre sie dir noch einmal an: Ich liebe dich ... und ich will dich nicht verlieren."

Spock verengte die Augen und wollte seine Hand wegziehen doch Kirk hielt sie fest, presste sie an seine Wange und drehte den Kopf etwas um die Fingerspitzen mit den Lippen zu berühren. Spock schnappte überrascht nach Luft. „Jim ..."

Kirk sah hoch, sah ein Gesicht, was nur selten und nur wenn sie allein waren derart offen war. Einen Moment schien der Vulkanier unentschlossen, doch plötzlich griff er in Kirks Nacken und zog seinen Kopf zu sich. Warme Lippen schlossen sich über Kirks und eine noch wärmere Zunge forderte Einlass. Kirk hatte das Gefühl seine Beine würden unter ihm nachgeben und erwiderte den scheuen und doch fordernden Kuss.

Spock zog den Kopf zurück, sah ihm in die Augen und strich mit zwei Fingern über Kirks Lippen. „Ich kann dich berühren ... doch nicht ... spüren", murmelte er ernst, blickte auf Kirks Lippen. In kurzer Zeit huschten Verlangen und Erkennen durch die dunklen Augen, bevor er den Blick wieder hob.

„Ist es das, was du willst? Meinen Geist und ... mein Körper?"

Spock sah ihm nur stumm in die Augen, antwortete nicht.

„Und du kannst ... meinen Geist nicht haben, weil das Mekantin deine Sinne unterdrückt? Doch da ist mehr ... Spock, du hast mich gerade geküsst. Verlangen? Nach meinen Körper? Ich habe ihn dir nie vorenthalten. Du hast es verweigert, bist ausgewichen. Warum ... jetzt?"

Spocks Augen bekamen einen ärgerlichen Glanz, fast wütend, doch er rührte sich noch immer nicht.

„Es ist das vulkanische Band, die mentale Bindung auf eine Leben, was dich abgehalten hat ... nicht wahr?" Kirk musterte das starre Gesicht und ahnte, dass er nun zu weit gehen würde, doch er musste es. Klarheit. „Und jetzt ... wäre es sicher ... du könntest es tun ... ohne die Gefahr dich mit mir zu binden? Deine Instinkte ... diese speziellen Instinkte sind ebenfalls stumm geschaltet. Richtig?"

Langsam ließ Spock seine Hand sinken und drehte sich weg. Er gab wortlos einen Zahlencode in das Display ein und die Kabine setzte sich in Bewegung.

„Du willst es ... schon lange und ... es macht dir Angst? Und jetzt ..."

„Jim stopp das. Sofort!", schnappte Spock und schoss ihm einen ärgerlichen Blick zu.

„Spock ..."

„Kroykah!", rief der Vulkanier nun laut. Wut deutlich sichtbar in dem harten Gesicht.

Kirk zuckte zusammen. Schmerz, Verlangen und Unsicherheit fochten einen erbitterten Kampf mit jahrelangen Kontrollen hinter den dunklen Augen, die ihn wütend fixierten. Er war an der Grenze die Kontrolle zu verlieren. So hatte Kirk ihn nur einmal erlebt.

„Nicht ... so!", sprach Spock endlich, leise und nur mühsam beherrscht.

Fast in Zeitlupe strich eine zitternde Hand geübt dunkle Haare in die korrekte Position und verschwand dann im üblichen Schutzraum hinter dem Rücken. Spock atmete mehrmals tief ein, bevor er sprach. „Ich habe etwa ... drei Komma fünf Stunden, bis diese Mekantin Gabe ihre Wirkung verliert und erneut die ersten Entzugserscheinungen einsetzen. Ich weiß nicht, was passieren wird, doch ich benötige gute stabile Fesseln und einen separaten abgeschirmten Raum. Ich werde keine weitere Dosis Mekantin tolerieren."

Mit dieser Entscheidung drehte sich Spock zur Tür und starrte sie stoisch an. Bevor Kirk noch etwas erwidern konnte fuhr der Lift in den gläsernen Labortrakt ein und die Türen glitten sofort auf. Der Vulkanier stakte mit langen Schritten an einem wartenden McCoy vorbei und baute sich direkt vor Commander Fink auf.

„Commander Fink? Ich werde alle noch notwendigen Informationen in einen Bericht verfassen und Ihnen in einer Stunde zukommen lassen. Sollten Sie meine persönliche Anwesenheit darüber hinaus noch benötigen, erreichen Sie mich auf der Enterprise." Spock nickte dem überraschten Fink steif zu, hob seinen Kommunikator und kontaktierte die Enterprise. Er warf Kirk nur noch einen kurzen düsteren Blick zu, gab das Kommando und verschwand dann im Transportereffekt.

Einen Moment war Schweigen im Labor.

„Was ist ... passiert, Jim?", raunte McCoy leise neben Kirk.

Fink kam langsam zu Kirk und er sah Braman aus den Augenwinkeln, der langsam aus einem Labor kam und ebenfalls zu ihnen kam. „Was hat er vor?", fragte Fink vorsichtig.

„Einen Bericht schreiben, Commander. Sie haben es gehört", antwortete Kirk ebenso steif und sah warnend zu McCoy. „Bones, bist du hier fertig? Ich brauche dich oben ..."

McCoy nickte. „Lass mich meine Sachen zusammenholen. Ich denke wir sind hier durch. Dr. Braman?"

Braman nickte und McCoy eilte in den Nachbarraum, während Kirk die Enterprise kontaktierte. Er sah kurz zu Fink, der ihn besorgt musterte. Bevor er noch etwas sagen konnte, kam McCoy mit einer größeren Tasche zurück und stellte sie schnaufend neben sie. „Okay ... Energie Jim. Fertig."

Kirk nickte stumm und gab der Enterprise das Kommando sie hoch zu beamen.

 

 

Teil 15