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Teil 1



Kirk und Spock materialisierten inmitten eines von Glas und Computerschränken eingerahmten Labors. Es war ein größerer Raum von dem gläserne Türen in verschiedene Bereiche abzweigten. Dort konnte man Männer in weißen Kitteln an chemischen und medizinischen Geräten arbeiten sehen. Es war Enterprise und Caius Personal, registrierte Kirk und war innerlich erleichtert keine Sträflinge oder traxanischen Wachen vorzufinden. Direkt vor ihnen befand sich eine größere Kontrolleinheit mit mehreren Konsolen und Computern, an der Kirk Masterson und Fink sah. Beide wirkten, als hätte sie es sich bereits länger bequem gemacht und plauderten scheinbar engagiert und doch zwanglos.

Spock steuerte sofort unbeirrt darauf zu, schien sich hier auszukennen. Kirk folgte ihm. Als Fink sie sah, stand er rasch vom Stuhl auf, auf dem er bis eben bequem angelehnt gesessen hatte und grüßte sie sichtbar erfreut. „Ah ... die Rettung für unsere Probleme naht. Jon? Darf ich vorstellen? Commander Spock. Mr. Spock, es freut mich Sie so rasch wieder wohlauf zu sehen. Captain?"

„Commander Fink von der SI, nehme ich an?" Spock neigte höflich den Kopf und blickte zu Masterson. „Mr. ... ?"

„Lt. Masterson", salutierte Masterson angesichts des höheren Ranges des Vulkaniers und sah ihn neugierig an. „Sie haben sich schnell erholt. Als ich Sie das letzte Mal sah ..."

„Der äußere Schein kann trügen, Mr. Masterson", wich Spock elegant aus. „Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie demnach an meiner ... Rettung beteiligt waren?"

„War er." Fink nickte und legte eine Hand auf Mastersons Schulter. „Das hier ist mein Spezialist für sämtliche Computer und Maschinenprozesse. Er hat Sie durch die Löcher im Schild aufgespürt und hoch geholt. Sie haben jedoch nicht nur bei der Sabotage des Schildes gute Arbeit geleistet Mr. Spock – Ihre eigene und meine Abteilung beißen sich seit zwei Stunden die Zähne an Ihrem Viruspaket und Computerumleitungen aus."

„Der Virus ist dynamisch. Es ist nicht möglich ihn zu umgehen." Spock hob eine Augenbraue und sah kurz fragend zu Kirk, der nur stumm vor sich hinlächelte und sich umsah. Er kannte Spocks Künste zu gut und wusste, dass der Vulkanier innerhalb von wenigen Minuten wenigstens mit einem Teil seines Kopfes in Prozessoren stecken würde. „Captain? Es ist notwendig, die Programme wieder in ihren ursprünglichen ..."

Kirk nickte ihm zu und gestikulierte in Richtung Masterson. „Tun Sie das, Spock. Gehen Sie nur ... ich habe ohnehin noch einiges mit Commander Fink zu besprechen."

Er drehte sich zu Fink und trat mit ihm einige Schritte beiseite, während Masterson und Spock begannen sich mit diversen Fachbegriffen auszutauschen. „Commander, wie weit sind Sie vorangekommen mit den ... Untersuchungen?"

„Untersuchungen ist gut. Eher ... Aushebungen. Ziemlich, aber jetzt wird es schneller gehen. Mr. Spock wird einiges erheblich abkürzen, wenn er den Computer komplett zugänglich macht ... hoffe ich." Fink sah kurz prüfend zu dem bereits arbeitenden Vulkanier. „Wie geht es ihm, Captain?"

Kirk verzog den Mund und grinste. „Wenn Sie mich das hier drei Meter entfernt fragen, können Sie ihn gleich selber fragen, Mr. Fink. Er hat recht gute Ohren."

Fink rollte mit den Augen und sprach leiser. „Sie wissen, Captain, wir müssen später die Gefangenen identifizieren und mindestens ein Briefing machen, dazu benötigen wir unbedingt die Informationen, die uns Mr. Spock geben kann. Außerdem ..."

Wie auf Kommando blickte Spock hoch, entschuldigte sich bei Masterson und kam wieder zu ihnen. „Ich bin funktionsfähig, Commander Fink. Wann genau benötigen Sie meine Anwesenheit?"

„Zu aller erst müssen wir diese Computer hier wieder in Gang setzen", rief Masterson ungeduldig herüber und fügte noch ein Sir hinzu als ihn drei überraschte Augenpaare trafen. Offenbar waren er und Fink Freunde und sprachen sonst vertrauter miteinander.

Fink nickte ihm zu und drehte sich entschuldigend zu Spock. „Er hat Recht. Dies ist immer noch eine Strafkolonie und der Schild hat seinen Grund. Wir haben eine Menge Personal hier unten im Moment, das wir eigentlich dringender woanders benötigen um alles abzusichern. Erst Computer und Schild. Das nächste wären dann die Details, die Sie uns noch nicht mitteilen konnten."

„Selbstverständlich, Commander. Ich benötige mit Hilfe von Mr. Masterson etwa ein bis zwei Stunden um die wesentlichen Prozesse für die Sicherheitssysteme wieder frei zu schalten. Den Rest kann Ihre Abteilung dann sicher selber übernehmen. Danach stehe ich Ihnen für die Identifizierungen und anderen offenen Daten zur Verfügung."

Kirk nickte zustimmend auf Spocks fragenden Blick und sah sich erneut um, nahm die Umgebung in sich auf.

„Zwei Stunden ... gut." Fink sah zu Kirk. „Captain, da Sie zur Zeit der ranghöchste Offizier sind, bitte ich Sie an den Vernehmungen und Briefings teilzunehmen. Wir werden das auf der Caius machen, da ich ungern unsere Hauptverdächtigen mehr als nötig durch den Raum beamen möchte. Außerdem sind hier noch einige Dinge und ... Informationen, die Sie dazu kennen sollten."

„Natürlich." Kirk nickte und wechselte kurze Blicke mit Spock. Ein Schatten war über sein Gesicht gehuscht, doch der Vulkanier verbarg es sofort wieder. „Spock kümmern Sie sich erstmal um die Computer. Ich regele das hier."

Spock nickte und gesellte sich wieder zu Masterson. Kirk sah ihm kurz nach und dann zu Fink, der ihm bedeutete mitzukommen. Sie schlenderten zu einem Lift, während Fink leise sprach und erklärte.

„Dies hier sind die medizinischen Labors. Medizinische Substanzen. Reguläre Exportgüter von Traxas aber ... hier wurden auch Drogen in großem Maßstab hergestellt. Fein säuberlich getarnt durch den normalen Betrieb. Wir haben Torix, Drin-b, Mekantin und andere gefunden, manche von denen wir nicht einmal wussten welche Inhaltsstoffe sie besitzen. Sogar einige Neuentwicklungen. Die Rohstoffe dieses Wasserballons, den sie Planet nennen, die Lage und die Einrichtungen, bieten sich geradezu an. Ich denke es ist ratsam in unmittelbarer Nähe zukünftig einen festen Außenposten einzurichten, aber ... das werden wie immer andere entscheiden ..."

Fink seufzte als Kirk zustimmen brummte. Die Lifttüren öffneten sich und sie betraten die kleine Kabine. Fink befahl ihn auf Ebene vier.

„Die privaten Räume der Leitung", erklärte er mit ernstem Blick. „Wir sind noch dabei dort oben alles zu sichern. Die wissenschaftliche und medizinische Abteilung der Enterprise ist eine große Hilfe und so kommen wir recht flott voran. Doch dort oben haben wir nur ausgewähltem Personal Zugriff gewährt. Ich war mit Braman zu Begin kurz oben. Levy kümmert sich jetzt um die ... hm ... Inventur."

Kirk nickte und blickte abwesend auf die Anzeige des Lifts mit traxanischen Symbolen und Zahlen darauf, die er nicht entziffern konnte. „Wir haben Order hier zu bleiben und Sie zu unterstützen bis die Lexington eintrifft. Commodore Wesley wird dann übernehmen und die Enterprise wird auf Patrouille im Sektor bleiben, bis weitere Verstärkung eingetroffen ist. Es werden Piraten Aktivitäten befürchtet."

„Die werden sicher auch kommen, wenn ihr Nachschub und die Handelslinien so abrupt unterbrochen wurden." Fink trat aus dem Aufzug als er sich zu einem Korridor öffnete. „Ihr Mr. Spock hat ganze Arbeit geleistet. Wir haben vor zwei Stunden ein Datenpaket gefunden, was er heimlich im Computer abgelegt hat. Vielleicht erinnern Sie sich, dass er den Virus noch erwähnt hat? Der Virus hat uns erst hingeführt. Fein darin vernetzt und abgelegt, säuberlich katalogisiert alle Beteiligten, Zeiten, Orte, Prozesse und, und ... wir brauchten quasi nur dort nachschlagen und sie festzusetzen, bzw. die entsprechenden Sachen zu unterbinden. Was wir auch schon zu 90% getan haben ..."

Fink nickte anerkennend und hielt vor der Tür an, sah abschätzend zu Kirk. „Wir könnten einen Mann wie ihn auf der Caius gut gebrauchen, Sir."

Kirk zuckte zusammen und schoss einen warnenden Blick zu Fink. „Wollen Sie etwa meine Mannschaft abwerben? Mein Erster Offizier hätte bei Ihrem geplanten SI Einsatz beinahe mit seinem Leben bezahlt, vergessen Sie das besser nicht."

„Ich habe den Einsatz nicht geplant, Captain. Aber wir haben ihn letztendlich rausgeholt. Ich bin auch nur ein Rad im Getriebe ... und was wir hier gefunden haben, hatte auch meine Abteilung so nicht vermutet." Fink brummte ärgerlich. „Es war tatsächlich im letzten Moment. Zu knapp für meinen Geschmack. Ihre ... Sorge war berechtigt, Captain. Sie sind Freunde, nicht wahr?"

„Ja", war das einzige was Kirk zu antworten bereit war, noch immer mehr als ärgerlich, dass sein Freund und Erster Offizier in eine solche Gefahr und Situation geraten war.

„Dann wird Ihnen das hier nicht gefallen." Fink tippte einen Code in den Türmechanismus und die Türen glitten auf.

„Es gefällt mir schon jetzt nicht", murmelte Kirk und trat in einen übervoll wirkenden Raum, der scheinbar wahllos mit Antiquitäten und Sammlerstücken voll gestopft war. Drei Männer arbeiteten mit Handschuhen und katalogisierten die Gegenstände.

„Das glaube ich Ihnen zu gern." Fink sah zu Levy, die aus einem anderen Raum zu ihnen kam. „Levy, habt ihr was neues?"

„Sir? Captain Kirk?" Levy nickte ihnen zu und wendete sich an Fink. „Wir haben etliches Diebesgut gefunden. Vielleicht interessant dabei, dass einiges auch aus dem privaten Besitz von Lewinsky stammte. Entweder wurde er erpresst oder ... es gab andere Verbindungen."

„Kooperiert?" Finks Augen weiteten sich.

Levy nickte. „Das wäre theoretisch möglich."

„Ein Admiral der Sternenflotte?", fragte Kirk dazwischen und fixierte Levy. „Das sind harte Anschuldigungen, Mrs. Levy."

„An einen Toten", fügte Fink düster hinzu. „Levy, findet das heraus. Wir müssen wissen, wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass dieses Fass ohne Boden entstehen konnte. Das darf sich nicht wiederholen."

„Tun wir gerade ..." Levy nickte ernst und sah sich um. „Ansonsten ist das hier mehr das Folterkabinett, für das wir es halten. Dort drüben der Wassertank oder Bassin. Die Traxaner haben alle eins. Ich glaube sie schlafen sogar im Wasser aber das hier ..." Levy schüttelte sich etwas und erläuterte mehr in Kirks Richtung. „Dies hier sind die Räume von diesem Delek, der intelligentere der beiden Brüder und wie wir wissen wohl auch der tonangebende in diesem ... Unternehmen. Er hat einige Schätze angesammelt, von denen wir nicht wissen woher er sie hat oder auch über welche Verbindungen und eben diese wären interessant und sogar sehr wichtig. Wir kommen leider an seine Computerdateien noch nicht heran. Er hat sie mit einem Code gesichert, der die kompletten Daten vernichtet wenn man damit zu oft Unsinn betreibt und wir haben nicht gewagt, da noch mal ranzugehen."

„Mist", fluchte Fink leise.

„Vielleicht kann Mr. Spock Ihnen da helfen?", schlug Kirk vor. Er hatte während er aufmerksam zugehört hatte und sich beiläufig umgesehen. Dieser Raum bereitete ihm Unbehagen. „Er hat schon so einige Codes geknackt und eine recht hohe Qualifikation ...", wandte er sich direkt an Levy.

Levy sah ihn arrogant zweifelnd an. „Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, Captain, aber Ihr Erster Offizier machte auf mich nicht den Eindruck, als würde er in den nächsten Tagen überhaupt das Wort Code schreiben können. Ich weiß natürlich, dass er ein A7 Spezialist ist. Vielleicht ja später ... ich hoffe es geht ihm besser?"

Fink lachte leise. „Oh, Levy, es wird Zeit, dass du dein Wissen über Vulkanier etwas erweiterst. Dein A7 Spezialist ist unten bei Masterson und repariert mit ihm die vom Virus gebeutelten Prozesse. Geh doch einfach runter und frag ihn."

Levy starrte ihn perplex an.

„Unterschätzen Sie ihn nicht, Mr. Levy", fügte Kirk milde lächelnd hinzu und sah zu Fink. „Mr. Fink. Ihre Vize ist ein junger Wolf."

Levy presste die Lippen aufeinander und funkelte ihn wütend an, doch Fink klopfte ihr aufmunternd auf eine Schulter. „Seht zu was ihr heraus findet und dann geh runter und frag ihn. Wenn es einer knacken kann, dann er. Die SI hat ihn nicht ohne Grund gefragt hier in die Systeme einzudringen und ... er beißt schon nicht. Der Captain aber schon wie es scheint ..."

Levy nickte, warf Kirk einen ärgerlichen Blick zu und ging. Kirk lachte leise. „Mr. Fink, das ist Insubordination."

„Sie ist gut ...", murmelte Fink entschuldigend.

„Aber sehr jung", bemerkte Kirk als er ihr hinterher sah. „Erinnert mich manchmal sogar etwas an Spock, ... zumindest wenn sie die Vorschriften zitiert."

„Darin ist sie leider auch manchmal so pedantisch wie ein Vulkanier, ... na ja, sie wird es lernen. Sie ist noch nicht lange auf der Caius." Fink sah ihn neugierig an und gab sich dann einen Ruck.

Er deutete auffordernd mit dem Kopf in einen anderen Raum und Kirk folgte ihm. Sie standen kurz darauf vor einem Wasserbassin. Es hatte in etwa die Hälfte der Größe, die das Schwimmbad der Enterprise einnahm. Der Raum war kühl und Kirk fror sofort als feuchte Luft seine Haut traf.

„Das Bassin. Deleks ... Folterkammer, wie unsere geschätzte Mr. Levy es nennt. Wir haben mit einem der ersten Teams hier bereits die Spuren gesichert." Fink schloss die Tür hinter ihnen und ging etwas am Rand herum, trat mit dem Fuß gegen einen unordentlichen Haufen Bänder und Ketten. „Das Element der Traxaner ist zu einem großen Teil ... Wasser. Sie können darin Atmen und haben Schuppen. Das wissen Sie sicher?"

„Allerdings. Ich möchte nicht unbedingt genauer wissen, was diese Fische hier so treiben." Kirk nickte und schauderte. „Warum zeigen Sie mir das, Fink? Möchten Sie das ich schlechter schlafe, als ich es ohnehin seit einigen Nächten tue?"

Fink schüttelte bedrückt den Kopf und sah kurz zu Boden, dann unsicher zu Kirk. „Einerseits, weil Sie es wissen müssen. Sie sind der ranghöchste Offizier und sollten bei den Vernehmungen zumindest über alles informiert sein, was diese Typen hier getrieben haben ... andererseits ..."

„Was", fragte Kirk argwöhnisch als Fink erneut zögerte.

Fink kam wieder zu ihm. „Sir, Sie sind Captain. Ich bin Commander. Sie stehen im Rang über mir. Ich bitte frei und privat sprechen zu dürfen. Dieser Raum ist nicht überwacht und wir sind allein."

„Aus welchem Grund?", fragte Kirk steif.

„Dr. Braman hat mich – ebenfalls in inoffizieller Form – angesprochen über die Natur der Droge, die Ihrem Ersten Offizier
verabreicht wurde."


Kirk ächzte leise und fuhr sich durch die Haare, drehte sich weg und schloss die Augen. Braman wusste es also, dann natürlich ebenso Fink, wenn er und sein Bordarzt denselben Rapport hatten wie er und McCoy. Sie würden also Spock nicht schützen können vor den persönlichen Folgen, die sein Einsatz für Starfleet haben würde. Ein düsterer Gedanke kam ihm. „Haben Sie etwa deswegen angedeutet, dass Sie Ihn gern auf der Caius hätten?"

„Nein." Fink sah ihm hinterher, als Kirk sich schwer auf eine Steinbank setzte.

„Darf ich frei sprechen, Sir?", wiederholte er leise seine anfängliche Frage.

„Warum dieses Beharren auf die Etikette? Sprechen Sie schon, Fink", brachte Kirk heraus, nicht sicher ob das was kam ihm gefallen würde.

Fink räusperte sich und sah zu Boden, dann auf das absolut ruhige Wasser. „Delek, Konis und Rakal - die Drähtezieher in dieser ganzen unsauberen Sache - haben Ihren Ersten Offizier systematisch von Mekantin abhängig gemacht. Hier ..." Er deutete mit dem Kopf auf das Becken. „... bekam er außerdem mindestens drei Überdosen und wurde ... psychisch und physisch ... vermutlich sollte man es ´gefoltert´ nennen."

Kirk schloss langsam die Augen. Bilder eines gequälten Vulkaniers schoben sich vor sein inneres Auge und er öffnete sie wieder, fixierte starr das Wasser.

Der Commander holte tief Luft und sprach leiser weiter. „Diese Kerle haben sich gezielt seiner Kooperation versichert, besser sie ... erzwungen und ihn unter Druck gesetzt. Dr. Braman hat Blutspuren und genetische Rückstände im Wasser, an den Fesseln und auch an leeren Injektionen gefunden, die eindeutig sind."

Kirk starrte wie gelähmt auf das Wasser und dann auf den unsortierten Berg an Fesseln und Ketten. Im Wasser? Gefoltert? Das war es, an das sich Spock nicht erinnerte, wegen der Überdosis? Wegen mehrerer Überdosen? Die Träume? Kirks schlimmste Albträume wurden wahr.

„Ich weiß nicht, ob ich mehr hören will, Mr. Fink", krächzte er gegen den Kloß in seinem Hals an.

„Er hat kein Wissen preisgegeben, zumindest kein wesentliches, hat die Maskerade aufrecht erhalten. Wir haben die Bänder gesichert und Dr. Braman ist sie bereits durch gegangen ... möchten Sie sie ..."

Kirk sah ihn unverwandt an. „Sie sprechen nicht nur von meinem Offizier oder einem ihrer auserwählten Einsatzkräfte, die sie infiltriert haben, sondern ... auch von meinem Freund."

Fink drehte sich zu ihm und er wirkte besorgt. „Das ist der Grund, das ich ... inoffiziell mit Ihnen sprechen wollte."

„Kommen Sie zur Sache, Fink."

Der Commander machte eine Pause und blickte wieder auf den Boden, dann zu Kirk. „Ihr ... Freund, ... der derzeit sechs Etagen unter uns mit meinem Spezialisten an hochsensiblen Computerprogrammen arbeitet um eine Hochsicherheitskolonie wieder zu ... sichern, steht in der Folge dieser ganzen Mission unter dem Einfluss von gefährlichen, abhängig machenden, seltenen und zudem ... illegalen Drogen. Er ´ist´ abhängig. Jetzt, in diesem Moment. Sie wissen genauso gut wie ich ..."

„Er hat nicht danach gefragt ...", warf Kirk ein.

„Das weiß ich. Aber die Vorschriften sind klar und ich brauche nicht eine übereifrige Mrs. Levy, um sie zu zitieren. Sie kennen sie auch. Gründliche Psychoscans, Entwöhnung, Reha ... und er wird auch bei positivem Ausgang nie wieder ein Starfleet Schiff betreten - aufgrund der potentiellen Rückfall Gefahr."

Fink hob eine Hand bevor Kirk etwas einwenden konnte. „Nichts von alledem ist bisher passiert und wenn es nach mir geht wird es das auch nicht. Er hat hier einen Job gemacht, der vermutlich jedem anderen das Leben gekostet hätte ... aufgrund der nachlässigen Recherche. Ein ganzer Drogenring ist in der Folge aufgeflogen. Daswird Tausenden und mehr Menschen und anderen Spezies das Leben  retten. Das letzte was ich möchte ist, Mr. Spock damit zu danken, dass er sich mit einem Bodenposten anfreunden muss oder ..."

Kirk sah abrupt hoch, wusste allzu gut, was das bedeuten würde. „Fink ... ich werde nicht zulassen, dass das passiert."

Fink setzte sich neben ihn. „Braman weiß es und sprach mich an. Er wird nichts sagen, hat eine ärztliche Schweigepflicht und die Bänder sind bei ihm unter sicherem Verschluss. Ich gehe davon aus, dass er in diesem Moment mit Ihrem Bordarzt sprechen wird, ... und ... ihm die Hilfe anbieten wird, die er sicher benötigt. Unsere Erfahrungen mit Mekantin Opfern sind leider seit einem Jahr sehr umfangreich."

„Opfer?"

Fink nickte. „Das fachliche überlasse ich Braman und Ihrem Arzt. Ich spreche mit Ihnen wegen der ... dienstlichen Seite. Das ist schon schwer genug. Mr. Spock wurde durch seinen verdeckten Einsatz im Dienst in diese Gefahr und Situation gebracht, doch das Resultat ist dasselbe. Er ist ... abhängig. Es gibt einen offiziellen oder einen diskreten Weg. Da Sie bisher niemanden informiert haben und nur ihr Bordarzt und vermutlich Mr. Spock selber Bescheid wissen, gehe ich davon aus, dass Sie vorhaben, das auch selber zu ... regeln. Inoffiziell. Wenn Sie jedoch den offiziellen Weg bevorzugen, dann wird auf der Caius immer ein Platz für Mr. Spock sein. Wir laufen außerhalb der Starfleet Personal Strukturen, können unsere Spezialisten frei wählen und es wäre eine Schande ..."

„Er wird auf der Enterprise bleiben ...", zischte Kirk und rollte den Kopf zu Fink, musterte ihn abschätzend und fand nur ehrliche Besorgnis. Hatte er den Mann falsch eingeschätzt? „Wir bewegen uns hier auf sehr dünnem Eis ..."

Fink blinzelte und lächelte schräg. „Dann müssen wir ... balancieren!"

Kirk stieß ein leises Lachen aus, was keines war. Galgenhumor? Er beobachtete den nachdenklichen Mann neben sich, stellte fest, dass er ihn wirklich falsch eingeschätzt hatte. „Ich hätte nicht von Ihnen gedacht, dass Sie ..."

Fink lächelte und schüttelte mit dem Kopf. „Nein? Ich mag nur ein Commander sein, Sie ein Captain ... aber ich habe auch ein Schiff, eine Mannschaft. Ich würde genauso jeden meiner Offiziere schützen. Kirk, wir sitzen hier weit entfernt von der Admiralität und den Schreibtischplanern in einem Boot .. im Raum ... und umgeben von mehr Gefahren als uns lieb ist. Die Realität richtet sich nur selten nach den Vorschriften oder ... Plänen."

„Das ist richtig", nickte Kirk und schloss die Augen. Sie saßen eine Weile schweigend und Kirk fröstelte. „Eine verdammte Folterkammer. Wie kann so etwas passieren in einer Förderationskolonie?"

„Es liegt nahe, dass Admiral Lewinsky damit etwas zu tun hatte. Die rasche Verbreitung neuer Drogen bis tief in den Förderationsraum kommt nicht von ungefähr. Da wurde nachgeholfen und ... vermutlich geht es noch weiter. Wir haben alle Kanäle abgeschottet momentan, die uns nicht sicher erscheinen."

Kirk nickte brummend. „Wesley wird sich freuen", bemerkte er ironisch.

„Der Commodore?" Fink zuckte die Schultern. „Ich kenne ihn nicht. Bis die Lexington hier ist, haben wir hoffentlich das Gröbste durch."

„Bob ist okay. Aber er wird alles ganz genau wissen wollen und ich rechne damit, dass er uns nicht eher den Orbit verlassen lässt, bis er wirklich alles weiß, was er wissen will und ... ich habe vor, dass mein Erster Offizier dann kein Mekantin mehr benötigt. Wie lange werden die Vernehmungen dauern?"

„Ich ahne warum Sie fragen." Fink blickte auf seine Hände. „Da Mr. Spock das meiste bereits in Datenform abgelegt hat, nicht lange ... eine Gegenüberstellung, ein paar Fragen auf die vermutlich alle die Aussage verweigern. Ein Vertreter der traxanischen Regierung ist bereits herumgeschlichen und wird dabei sein. Aber wir haben mehr Beweise inzwischen als wir benötigen. Seine Aussage und ein genauer Bericht genügt. Wenn Mr. Spock nicht möchte, muss er nicht einmalanwesend sein."

„Er wird es vermutlich wollen", brummte Kirk. „In dem ist er Ihrer jungen Wölfin ähnlich. Pflichtbewusst bis in die Haarspitzen."

Fink nickte seufzend. „Wird er das durchhalten? Sagen Sie mir jetzt nicht, er ist Vulkanier. Ich kenne Vulkanier ... auch die haben Grenzen. Ein Mekantin Entzug ... ist in der Kürze der Zeit unmöglich also wird er regelmäßige Gaben Mekantin benötigen um überhaupt klar zu denken. Das ist etwas, was Menschen zerbricht und ich weiß nicht, was es mit dem vulkanischen Ehrenkodex anrichtet. Wie gut kennen Sie ihn?"

„Recht gut ... aber manchmal ..." Kirk ließ langsam die Luft entweichen. Es war nicht nötig engere Vertraulichkeiten zu offenbaren. „Er wird es schaffen ... müssen. So oder so ..." Sein Kommunikator unterbrach sie und Kirk nahm ihn vom Gürtel. „Kirk hier."

„Uhura. Sir, wir haben Nachricht von der Lexington, dass wir den Orbit halten sollen und alle Ermittlungen fortsetzen sollen. Sie treffen mit einigen Stunden Verspätung ein, da sie auf Piraten gestoßen sind."

„Es geht also schon los ..." Kirk warf Fink einen bedeutungsvollen Blick zu während Uhura weiter sprach.

„Außerdem soll ich von Mr. Spock ausrichten, dass die Schilde seit .. mmmh ... 15 Minuten wieder in Funktion sind und nur noch mit Frequenz gesteuertem Leitstrahl vom Labor aus gebeamt werden kann."


„Verstanden Uhura, Kirk aus." Er steckte den Kommunikator weg und stand auf.

„Das ging schnell. Masterson hat sich die Zähne aus gebissen an dem kleinen Paket was Ihr Vulkanier programmiert hat. Er ist wirklich gut."

„Das ist er. Sind schon zwei Stunden um?", fragte Kirk und sah auf die Uhr. „... und pünktlich wie immer. Eine Stunde zehn Minuten."

Er blickte zu Fink und reichte ihm die Hand. „Commander? Ich weiß gerade nicht was ich anderes sagen soll als ... Danke ... Sie haben einen gut bei mir, bei uns ..."

Fink lachte und ergriff die Hand. „Einen ´gut´ bei Captain Kirk? Wenn das nichts ist." Er wurde ernst und nickte. „Ich werde Sie bei passender Gelegenheit erinnern ... hoffentlich irgendwann, wenn die Enterprise zeitgleich mit der Caius im Orbit von Riga ist. Gehen wir? Auch wenn es nicht angenehm ist, aber Sie sollten noch einen Überblick von den anderen ... Stätten bekommen, an denen wir ... keine typische Strafkolonie entdeckt haben. "

Kirk warf einen Blick durch den kalten feuchten Raum. Er schauderte erneut. „Ja. Gehen wir ..."

 

Teil 14