12

 

Teil 1



McCoy sah einige Sekunden nachdenklich auf die geschlossene Tür zum Bad, steckte Scanner und die leere Injektion in seine Tasche und drehte sich zu Kirk, der noch immer stumm inmitten von Spocks Kabine stand. Er umrundete den Captain und baute sich vor ihm auf.

Kirk sah ihn erschüttert an. „Bones ... er ist ... abhängig? Von einer Droge? War das ... das gerade eben ... dadurch?"

McCoy nickte behutsam.

„Aber ..." Kirk drehte sich weg, machte eine hilflose Geste mit einer Hand in der Luft und sah wieder zu McCoy. Plötzlich verengten sich die Augen. „Und du hast ihm ... diese Droge ... gegeben ... eben? Woher hattest du das Zeug?"

Der Arzt seufzte und rollte mit den Augen. „Ich habe es dir schon gesagt und ... er hat sie sich selber ... , das ist jetzt wirklich nebensächlich. Er braucht Hilfe um es wieder loszuwerden. Jim, ich halte es für das Beste, wenn einer von uns immer bei ihm ist in den nächsten Stunden und ... ich werde runter beamen in diese Labors und sehen, was ich dort herausfinde um ... ihm zu helfen."

McCoy setzte sich schwer auf einen Stuhl am Schreibtisch des Vulkaniers. „Und ... es wäre besser, wenn dies hier noch im ... privaten ... Bereich bliebe ... trotz seines Geredes von Behörden und Dienstvorschriften ... du verstehst?"

Kirk runzelte die Stirn, fühlte sich plötzlich hin und her gerissen zwischen dem, was seine Pflicht als Captain war und dem was sein Herz verlangte. Sie würden erst mehr wissen müssen. Er nickte brummend und sah hoch, als sich die Tür zum Bad öffnete.

Spock war bis auf das blaue Shirt wieder in Uniform, die vorher strähnigen und leicht zerzausten Haare waren frisch gekämmt und er wirkte auch sonst wieder wie der übliche unerschütterliche Erste Offizier. Nur wenn man ihn gut kannte, sah man in den dunklen Augen noch die Schatten von Schmerzen und sorgfältig kontrollierter Unsicherheit.

Er kam in den Bürobereich und legte die Hände auf den Rücken, blickte von einem zum anderen. „Doktor? Captain?"

McCoy lehnte sich bequem in einem von Spocks Holzstühlen zurück, versuchte die plötzliche Spannung zu lösen. „Ich hätte nicht gedacht, dass Sie in nur zwei Wochen noch dünner werden Mr. Spock. Wann haben Sie zuletzt gegessen und ... was?"

Der Vulkanier hob irritiert eine Augenbraue und schien nachzudenken. „Davon ausgehend, dass mein Zeitsinn noch korrekt ist ... vor 16 Komma vier Stunden. Ein Frühstück, bestehend aus Tee und Obst."

McCoy brummte unwillig und sah zu Kirk. „Bevor ihr zu Fink geht und er seinen ... Bericht abliefert, solltest du zusehen, dass dieser Mann etwas zu Essen bekommt ..."

„Doktor, ich habe keinen Bedarf auf ..."

McCoy stieß ärgerlich Luft aus. „Sie werden essen, verstanden? Es reicht, wenn ich Sie mit einer Droge im Blut und frischen Eingriffen hier herumspazieren lasse, aber Sie werden zumindest essen, ... vulkanischer Dickschädel. Seien Sie froh, dass Sie da lebend raus sind und ..."

„Bones." Kirk zog eine Grimasse und nickte. „Ist gut, wir werden erst in der Messe vorbeigehen."

„... und ich bin ´froh´, dass ich aus der Strafkolonie wieder entfernt wurde", fügte Spock würdevoll hinzu. Seine Augenbrauen blieben jedoch unter dem Pony und er sah zu Kirk. „Sir? Ich bin in der Tat wider ... hier. Gehe ich richtig in der Annahme, dass ich offiziell ... rehabilitiert bin?"

„Lass es bei ´Jim´, okay?", gestikulierte Kirk bei der plötzlichen Förmlichkeit.

Spock neigte nachdenklich den Kopf und wartete auf die Antwort.

„Du bist natürlich rehabilitiert." Kirk nickte und entspannte etwas, lehnte sich an die Wand. „Die Nachricht ist raus und alle Einträge wurden entsprechend wieder geändert oder gelöscht, wenn nötig. In dem Moment, als du an Bord kamst, haben Uhura und Fink das gleich erledigt. Commander Fink, der zuständige SI Mann, hat seine und meine Leute momentan unten in der Strafkolonie, wartet und benötigt die Informationen, die du ihm noch geben kannst und ... möglicherweise musst. Es war notwendig ohne Rückendeckung der Admiralität einzugreifen und den Plan zu ändern um ... dich dort vorzeitig rauszuholen."

Spock nickte und sah kurz zur Seite, dann wieder hoch. „Ich kann mich nicht exakt daran erinnern, was in den vergangenen Stunden passierte. Ich bekam kurz nach dem letzten Kontakt eine Überdosis und ab dann ..."

McCoy und Kirk warfen sich beunruhigte Blicke zu. Spock bemerkte es und stoppte mitten im Reden, zog die Augenbrauen zusammen.

„Was ist geschehen?", fragte Spock argwöhnisch.

Einen Moment antwortete niemand.

„Mr. Spock", brach McCoy schließlich das Schweigen. „Sie waren voll gepumpt mit diesem ´Zeug´. Der Biosensor, den Sie injiziiert bekamen lieferte Ihre Daten endlich auf dem Schirm und plötzlich spielten die Werte verrückt. Wir wussten, Sie haben ein Problem ... ein ernstes. Überdosis kann man das kaum noch nennen ... dosiert war da jedenfalls nichts."

„Fink hat seine Leute mobilisiert", fügte Kirk hinzu. „Die haben dich durch die Löcher im Schild geortet und sind mit einem Polybeam - so heißt es – durchgedrungen, haben dich mitsamt einigen Wärtern und einem fast kompletten Raum hoch geholt. Eine Krankenstation oder so etwas ..."

Spock blickte fragend von einem zum anderen.

McCoy seufzte und lehnte sich zurück. „Sie waren komatös, mehr tot als lebendig, dazu verletzt. Ich bekam Ihren zusammen gebrochenen Kreislauf im quasi letzten Moment in den Griff und gab Ihnen einen Katalysator gegen die Droge, nachdem Sie mir so halbwegs mitteilen konnten welche. Fink hat noch einige Informationen aus Ihnen herausgequetscht, bevor Sie dann völlig weg waren." McCoy betrachtete prüfend die Reaktion des Vulkaniers. „Sie erinnern sich an ... nichts?"

Spock runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. „Nein. Nur vage Bilder und Eindrücke. Ich erwachte nicht völlig. Jim ..." Er sah zu Kirk. Wieder spiegelten sich Unsicherheit und Schmerzen in den dunklen Augen. "... war hier und dann ... Schmerzen, Dunkelheit und Durcheinander ... dann Sie, Doktor. Ich wusste zumindest, dass ich zurück war. Hier in meiner Kabine. Dann wieder ...."

Er drehte sich abrupt weg, starrte in den Schlafbereich auf die kleine nun dunkle Statue, die darauf wartete, dass ihr Besitzer das immer dort vorhandene Glühen wieder in Gang setzte. Eine Meditation wäre das, was sein aufgewühlter Geist benötigen würde, doch sie war nicht möglich. Nicht in diesem Zustand. Spock senkte den Kopf und sprach leiser weiter. „Mein Verhalten war ... unangemessen ... inakzeptabel ..."

Er drehte sich um und sah zu Kirk. Sorge in den Augen. „Jim, ich habe dich verletzt?"

Kirk schüttelte langsam den Kopf. „Nein ... nur ziemlich ... erschreckt."

Spock blickte besorgt fragend zu McCoy, der sofort abwehrend die Hand hob. „Sie waren nicht ... rational. Ihr Interesse galt nur der Injektion."

Der Arzt holte tief Luft und spielte mit einem Datenträger auf Spocks Schreibtisch, sah dann wieder zu dem Vulkanier hoch. „Diese Typen haben Sie von Mekantin abhängig gemacht, Mr. Spock. Es hat keinen Zweck drum herum zu reden oder zu verdrängen. Es ist ein Fakt und es ist im Moment wichtiger, wie wir das Zeug aus Ihnen wieder hinaus bekommen und davor ... wie es überhaupt wirkt. Mekantin ist noch recht neu und es gibt wenig bis gar keine Informationen. Ich weiß es nicht aber ich gehe davon aus, dass Sie durch eigene .. hm, Erfahrungen ... inzwischen mehr wissen. Zum Beispiel, was das Zeug mit Ihrem Nervensystem anstellt?"

Spock sah den Arzt einen Moment starr an, nickte dann steif. „Unglücklicherweise ... Ja."

„Also?", bohrte McCoy weiter. „Jetzt haben Sie eine, hm ... normale Dosis im Blut, mal unabhängig davon wie sie dazu gekommen sind. Es scheint Ihnen besser zu gehen und ..."

Anstatt einer Antwort drehte sich Spock abrupt zu Kirk und nahm Haltung an. „Sir? In Ausübung meiner Pflicht, war es mir nicht möglich zu verhindern dass die traxanische Leitung mich unter Drogen setzte in deren Folge ..."

„Stopp Spock", unterbrach Kirk, als er bemerkte wohin das führte. „Dies ist kein offizielles Briefing und ich habe auch nicht vor es zu einem zu machen. Sonst müsste ich es in eine Akte schreiben und auch das habe ich nicht vor. Also fang nicht wieder von Behörden und Dienstvorschriften an. Ich will es im Moment nicht hören ..."

„Captain, als ich mich bereit erklärte, diesen Auftrag zu übernehmen, kannte ich die Gefahren und habe sie akzeptiert. Es geschah im Rahmen des geplanten Auftrages und ..."

„Es war ja wohl kaum ´geplant´, dass Sie einer Droge ausgesetzt werden und davon abhängig gemacht werden", murrte McCoy.

Spock ignorierte seinen Einwand und sah steif zu Kirk. „... und ... es war mir nicht möglich anders mit den Verdächtigen zu kooperieren, also tolerierte ich es. In diesem Fall sind die Dienstvorschriften klar. Wenn ein führender Offizier nachweislich aus eigenem Verschulden ..."

„Spock ... verdammt ... hören Sie endlich auf diese unseligen Dienstvorschriften zu zitieren." Ärgerlich schlug McCoy mit der Hand auf den Tisch, doch der Vulkanier stand steif und fixierte Kirk, setzte seinen angefangenen Satz unbeirrt fort.

„... wenn ein führender Offizier nachweislich aus eigenem Verschulden in eine Abhängigkeit von, als solchen deklarierten ´illegalen und bewusstseinsverändernden´ Drogen, gerät, ist dies den zuständigen Behörden zu melden und ein dienstlicher Einsatz nur nach ausgiebigen Untersuchungen und der Feststellung der Unbedenklichkeit und indizierten ...."

„Stopp das", schnaufte Kirk und schlug mit einer Faust gegen die Wand.

Der Vulkanier sprach nicht weiter. Für einen langen Moment trafen sich ihre Blicke. Kirks besorgt und bittend. Spocks hart mit mühsam kontrollierter Haltung. Es war sichtbar, dass der Vulkanier begann sich abzuschotten.

„Spock ...", begann Kirk vorsichtig und schluckte schwer, begann erneut. „Spock ... ich kenne die Dienstvorschriften und ich habe nicht vor meinen Ersten Offizier und auch besten Freund den Behörden zu übergeben, wegen etwas, was er nicht verhindern konnte. Du hast in Ausübung deiner Pflicht gehandelt. Du hast dein Leben riskiert und es ist verdammt noch mal auch deine Pflicht dir nun von deinen Freunden helfen zu lassen. Wir werden das ´hier´ regeln. Diskret. Wenn nötig, ist das ein Befehl ..."

Wieder starrten sich Vulkanier und Captain sekundenlang an. „Spock .... bitte."

Spock senkte den Blick, drehte den Kopf zur Seite und schien einen innerlichen Kampf auszufechten. Schließlich setzte er sich leise ausatmend auf den anderen Stuhl, holte tief Luft und schloss die Augen. Nach einigen Sekunden und einem kontrolliertem Ausatmen öffnete er sie wieder und blickte zu McCoy, der ihm gegenüber saß.

„Doktor ... Ich ... benötige Ihre Hilfe."

„Nun ... es ..." McCoy räusperte sich und wog seine Worte sorgfältig ab, angesichts dieser für den Vulkanier so untypischen Bitte und offenen Verletzlichkeit. Er warf Kirk einen kurzen Blick zu, der vor dem Tisch stand und mit undefinierbarem Blick den Vulkanier beobachtete.

„Es ... würde schon mal helfen, wenn Sie mir meine Frage beantworten", brachte der Arzt seinen Satz zu Ende. „Sie haben seit zwei Wochen oder mehr ... wenn auch unerwünscht ... Erfahrung damit und ich kenne zumindest Ihren Metabolismus und auch einige andere Dinge in Ihrem System gut genug. Also? Was passiert mit Ihnen? Jetzt. Wenn Sie das Zeug hier ..." Er blickte auf die leere Injektion auf dem Tisch und wieder in die dunklen Augen. „... in Ihrem Blut haben."

Spock blickte auf seine im Schoß gefalteten Hände. „Meine mentalen Wahrnehmungen und Sinne sind zunehmend eingeschränkt, seit mehreren Tagen kaum noch vorhanden. Die Kontrollen meiner körpereigenen Systeme ist dafür um ein vielfaches gesteigert. Ich vermute, dass Mekantin ab einer bestimmten Dosierung partiell neurale Verbindungen unterdrückt und andere dagegen fördert", erklärte er sachlich als würde er das Aussehen einer chemischen Substanz erklären.

„Spezifische neurale Verbindungen? Ihre telepathischen Fähigkeiten leiden?"

„Sie sind ... eingeschränkt. Mehr als das." Spock nickte langsam. „Eine telepathische Verbindung zu einem Individuum wäre in diesem Moment unmöglich, auch eine Heiltrance nicht. Mein Zugriff auf diese Teile meines Nervensystems und Verstandes ist ... sie sind nicht zugänglich. Ich benötige jedoch auch keine mentalen Schilde, um die Emissionen anderer Präsenzen abzuschirmen, da ich sie ... schlicht nicht bewusst wahrnehme." Spock legte den Kopf schräg und blickte zu McCoy. „Unter anderen Umständen ein durchaus ... akzeptabler Zustand."

„Akzeptabel? Wenn Ihnen Ihre telepathischen Sinne geraubt werden?" McCoy sah ihn verwundert an. „Wenn ein Sinn fehlt, dann ist das auch für einen Vulkanier nicht akzeptabel."

„Doktor." Spock runzelte die Stirn. „Sie schließen Ihre Augen, wenn Sie schlafen, halten Ihre Ohren zu, wenn es zu laut ist. Dennoch sehen Sie Licht und Schatten, hören dumpf Geräusche. Das ist es, was ich empfange, wenn ich meine mentalen Wahrnehmungen für gewöhnlich abschirme. Stetiges Murmeln ... Hintergrundrauschen ... und es kostet konstante Aufmerksamkeit. Ich benötige jedoch momentan keine Abschirmungen. Es gibt kein Hintergrundrauschen. Der Zustand ´ist´
durchaus akzeptabel."

„Aber ... Spock", gestikulierte McCoy verunsichert mit den Händen. „Das ist einer der wichtigsten Sinne von Vulkaniern. Ihre kompletten körpereigenen Kontrollen sind davon abhängig und ..."

„Meine internen Kontrollen sind funktionsfähig und verfügbar, stärker sogar", erwiderte Spock stur. „Es sind nur die ..." Er suchte nach dem richtigen Wort, neigte den Kopf, was er dann immer tat. „... die nach außen gerichteten Fähigkeiten betroffen."

„Die nach außen gerichteten?" Kirk schüttelte den Kopf. „Das kann nicht sein. Ich habe dich ... gefühlt, gehört ... über ..." Kirk, tippte sich mit einem Finger an die Schläfe um seinen Satz zu beenden.

Spocks Kopf ruckte hoch und er sah mit geweiteten Augen zu Kirk. Sein Mund formte ein Wort, doch er sprach es nicht laut aus, starrte Kirk unverwandt an und schüttelte sichtbar schockiert den Kopf.

„Drei ... nein viermal ... und das letzte Mal, als wir dich da rausgeholt haben", fügte Kirk unsicher über Spocks intensive Reaktion hinzu. Der Vulkanier saß wie versteinert, sah ihn an und doch durch ihn hindurch.

„Spock? Du ... erinnerst dich nicht daran?"

Ein stummes rasches Kopfschütteln doch noch immer der fast entsetzte Gesichtsausdruck. Die internen Kontrollen des Vulkaniers schienen stärker beeinflusst, als er es sich einzugestehen schien. Gefühle waren deutlicher als normal ablesbar auf dem sonst so stoischen Gesicht.

„Sie vielleicht nicht, aber ich erinnere mich ..." McCoy beugte sich etwas über den Tisch. „Jim hatte erhöhte Gamma Werte, Kopfschmerzen und ... Spock, definitiv war da etwas ... nach ´außen gerichtetes´. Es liegt mir fern so weit in Ihre Privatsphäre vorzudringen, aber ..."

„Dann werden Sie es auch nicht tun", unterbrach der Vulkanier  schneidend und stand abrupt auf, drehte sich weg. Die Hände waren zu Fäusten geballt. „Gehen Sie bitte, Doktor."

„Jetzt hören Sie mal ..." McCoy stand wütend auf und kam hinter dem Schreibtisch hervor. „Wenn ich Ihnen helfen soll, dann ..."

„Nur zu dem Preis, dass Sie in meinem Privatleben herumschnüffeln? Nein Doktor", zischte Spock über die Schulter und ein sehr gefährlicher Seitenblick traf den Arzt aus dunklen glühenden Augen.

McCoy zuckte zurück und wollte ärgerlich etwas erwidern, doch eine Hand auf seinem Arm stoppte ihn. „Beam runter Bones und sieh was du findest. Wir ... kommen nach ...", murmelte Kirk leise und deutete angespannt mit dem Kopf zur Tür. „Bitte ..."

Der Arzt presste die Lippen zusammen, schnaufte und schnappte nach seiner Tasche. „Bessere interne Kontrollen? Hm? Ich sehe, was ich tun kann. Denk daran, dass er wenigstens etwas isst ..." Damit verschwand er aus der Kabine.


***


Kaum hatten sich die Türen hinter dem Arzt geschlossen, sank Spock lautlos auf die Knie und schlang die Arme um seinen Oberkörper. Er ließ sich vornüber fallen doch Kirk hatte bereits reagiert und war zu ihm gehastet. Er fing ihn auf und drückte ihn wieder etwas in eine aufrechte Position. „Spock? Was sollte das eben? ..."

Spock öffnete die Augen, sah direkt in Kirks. Er wirkte entsetzt und fast verängstigt. „Ich bin ... gerannt, ... war ... zu schnell ... körperlos ... es gab keinen Halt, kein Entkommen ...", stammelte er flüsternd. „... etwas ist in mich ... eingedrungen ... es ist nur der Körper ... doch es wollte in meinen Geist ... ich konnte nur ... flüchten, mich verbergen ... flüchten ... zu dir. Zur Sicherheit, Stabilität? Ich ... habe gesucht ... dich nicht gefunden ... alles was mir blieb, dehnte sich ... bis in die Unendlichkeit und fiel wieder zurück ... Chaos ... ich hatte ... keine Kontrolle ... es ... es muss da passiert sein ... ich weiß ... ich habe dich gesucht ... gesehen und ... verzeih ..."

„Passiert?" Kirk sah die nun unverborgene Angst in den Augen seines Freundes und zog ihn sanft zu sich. Er war froh, dass Spock diese Vertraulichkeit zuließ, die er sonst so oft abwehrte, doch er war auch besorgt über die gehörten Worte. An was erinnerte er sich wirklich? „Ich habe dich gehört mein Freund. Du ´hast´ mich gerufen ... und du hast mich auch gefunden. Es ist richtig so gewesen. Ich bin dein Freund und bin hier."

Spock senkte den Kopf. „Verzeih ..."

„Was genau soll ich verzeihen?", fragte Kirk irritiert und hob mit einer Hand Spocks Kopf, strich mit dem Daumen über das Kinn und blickte in zwei nun fast schwarze verzweifelte Augen. „Ich bin dein Freund ... mehr als das. Das weißt du, seit langem. Es gibt nichts zu verzeihen ..."

„Ich ... habe unsere Verbindung in einer Form genutzt, die nicht ... akzeptabel ist."

„Nicht ... akzeptabel? Für wen ... etwa für dich? Meinst du nicht, dass ich da auch ein Wörtchen mitzureden habe?"

Spock blickte wieder zur Seite, hatte sich etwas gefangen, doch trug noch immer einen inneren Kampf mit sich aus. „Ich werde es trennen müssen ...", flüsterte er leise, Schock und Entsetzen schwang mit und wieder sah er zu Kirk. „Verzeih ... ich hätte schon viel eher ..."

„Spock würdest du bitte aufhören dich zu entschuldigen?" Kirk setzte sich schnaufend auf das Bett, dem knienden Vulkanier gegenüber. „Und du wirst nicht trennen, was uns verbindet ... im Gegenteil. Genau darüber werden wir noch einmal in Ruhe sprechen müssen. Aber vorher ..."

Kirk griff nach einer warmen Hand die zur Faust geballt im Schoß des Vulkaniers lag und drückte sie vorsichtig, öffnete die verkrampften Finger und massierte sie. „Es tut mir leid ... aber ... Wie viel Zeit hast du noch? Mit dieser Droge. Ich weiß, dass du sie nicht willst und ... es geht im Moment nicht anders ... ich meine ... du weißt, was ich meine."

Spock sah ihn einen Moment irritiert an und betrachtete seine Hand, die von Kirk festgehalten wurde. „Ich ... spüre dich nicht", murmelte er mehr zu sich selbst und blinzelte verwirrt.

Düster blickte er plötzlich zu Kirk hoch, sammelte sich. „Etwa drei Stunden. Sir."

„Hör auf mit dem ´Sir´. Wir sind Freunde. Wir reden auch jetzt als solche." Kirk sah ebenfalls auf ihre Hände und strich Spock über den Handrücken. „Du sagtest, dass deine nach außen gerichteten Fähigkeiten dadurch herabgesetzt sind, seit Tagen quasi nicht mehr vorhanden. Du nimmst mich nicht telepathisch wahr? So sehr?"

Spock nickte stumm, die Augen noch immer düster. „Ich ... spüre dich jetzt nicht ..."

„Wird das ... wieder kommen? Wenn ... wenn ..."

„Wenn ich nicht mehr von Mekantin ... abhängig bin?", beendete Spock Kirks Frage und stand auf. „Jim, du hast Recht. Wir sind Freunde und ... vielleicht mehr. Es ist nicht angebracht ... wichtige Fakten zurückzuhalten. Nicht unter uns. Doch es ... fällt mir nicht leicht."

Spock ging einige Schritte in den Raum und stoppte am Raumteiler, blickte zurück zu Kirk. „Ja, meine Sinne kehren zurück. Sie sind lediglich ... unterdrückt. Ich spürte dich, als ich halb erwachte und als ... beim Entzug. Nur in dieser ... Dosierung sind sie beeinflusst, unterdrückt."

Er zog ein Schubfach auf und entnahm ein blaues Uniformhemd, befühlte den Stoff und zog es sorgfältig an, blickte dann einen Moment auf den Schreibtisch und die darauf liegende leere Injektion.

„Was du eben erzählt hast ... ´Es muss da passiert sein´... das waren deine Worte. Was ist ´da´ passiert?", fragte Kirk. „Auch die Auswirkungen eines ... Entzugs?"

„Nein ..." Spock holte tief Luft und blickte auf eine Stelle an der Wand, wickelte sich mitsamt seinem Uniformhemd scheinbar wieder in seine beherrschte Aura, doch sie hatte noch immer deutliche Risse. „Ich bekam zu gewissen ... Zeitpunkten ... eine höhere Dosis. Sie hatte immer fatale Auswirkungen auf mein Nervensystem und in der Folge auch auf meinen Körper."

„Eine Überdosis! Bones sagte, du hattest eine als wir dich hoch geholt haben. Du wärst fast daran gestorben und ... du bekamst sie ´mehrmals´?"

Spock spannte sich etwas an. „Ich erinnere mich ... kaum ... an diese Vorfälle. Es beeinflusst mein Gedächtnis oder zumindest die Wahrnehmung."

„Aber was du mir eben erzählt hast? Das waren Erinnerungen ..."

Der dunkle Kopf senkte sich und Kirk sah von der Seite wie Spock langsam die Augen schloss. „Diffuse Bilder ... nur vage. Ich zog meinen Geist zurück, um ihn zu schützen, um keine Informationen preiszugeben und ... Jim, es war mir kaum noch möglich rational zu denken. Delek ... wollte Informationen und ..."

„Delek?", horchte Kirk auf. „Den Namen habe ich gehört von Fink. Er ist festgesetzt."

„Er ist einer der Hauptverantwortlichen." Spock drehte sich herum. „Wo?"

„Drüben auf der Caius in einer Hochsicherheits Zelle. Zusammen mit seinem ... Bruder? Und noch weitere, die wir ... mehr zufällig mit dir zusammen hoch gebeamt haben. Fink hat schlicht alle festgesetzt die wir erwischt haben und deren Namen du nanntest, bis wir wissen, wer wer ist und wie tief verstrickt ist. Du wirst es ihm möglichst bald sagen müssen. Die traxanischen Behörden werden schon unruhig."

Spock verarbeitete die Information äußerlich ungerührt, doch ein Zucken in seinen Augenwinkeln verriet, dass er etwas verbarg, was ihm unangenehm war. Etwas was mit diesem Delek zu tun hatte? Kirk kannte seinen Freund gut genug. Er stand langsam auf und trat neben den Vulkanier, legte eine Hand auf seine Schulter.

„Spock?"

Vorsichtig griff Kirk nach einem inzwischen bandagiertem Handgelenk hob es in ihr Blickfeld und sah wieder in Spocks Gesicht. „Was haben die dir ... noch ... angetan? Wer? Dieser ... Delek?"

Ein feines Beben lief durch den Körper unter Kirks Hand und Spock blickte wieder an eine Wand. „Jim, ja .... aber ich weiß es nicht genau aber ... ich habe eine ... unangenehme Vorstellung, was es sein könnte."

Langsam trafen sich ihre Blicke und der gequälte Ausdruck in den dunklen Augen sagte Kirk mehr, als er wissen wollte. Er drückte Spocks kantige Schulter und strich dann sanft über das weiche Velours der blauen Uniform, froh dass der Vulkanier in diesem Moment nicht seine intensive Wut aufschnappen konnte.

Es würde nicht helfen. Sie hatten einen gefährlichen Beruf und auch ein noch so guter Plan konnte Lücken haben. Und dieser Plan hatte verdammt große Lücken gehabt, deren Konsequenzen sein Freund nun erdulden musste. Spock brauchte keine Wut sondern einen Freund. Ihn.

„Jim?", fragte Spock leise und musterte ihn aufmerksam. Er legte eine Hand über Kirks auf seiner Schulter. Sofort spürte Kirk die höhere Körperwärme. „Es ist gut ... wieder in Uniform zu sein."

„Es ist vorbei Spock. Du bist wieder hier."

Der Vulkanier nickte langsam. „Noch nicht ganz ...", flüsterte er leise. „Die Droge ..."

„Ich bin dein Freund. Wenn du ... ich meine. Ich bin hier, wenn du mich brauchst. Okay? Du weißt ..."

Spock schloss kurz die Augen, nickte sanft und sah ihn mit einem kaum merklichen Lächeln an, wirkte das erste Mal seit er zurück war erleichtert und sanft. „Ich weiß ... auch, wenn ich dich im Moment nicht spüre ... weiß ich es ... aber ... ich habe Pflichten und wir sollten gehen. Ich habe keinen Hunger und bin nicht sicher ob mein destabilisierter Magen mit den Wünschen des Doktors auf Nahrungsaufnahme ... einverstanden ist." Zwei dunkle Augenbrauen hoben sich bittend.

„Also kein Essen." Kirk erwiderte das feine Fast-Lächeln seines Freundes. „Ich bin froh, dass wir dich da raus haben. Den Rest schaffen wir jetzt auch noch. Komm ... und, du solltest dich bei McCoy entschuldigen."

Spock ging neben ihm her aus der Kabine und warf ihm einen ratlosen Seitenblick zu. „Entschuldigen? Weil ich keine Nahrung aufnehmen möchte?"

Kirk öffnete die Lifttüren und befahl die Kabine zum Transporterraum. „Du hast ihn recht hart abgewiesen eben. Er wollte helfen ..."

Die Miene des Vulkaniers verdüsterte sich. „Er verletzte meine Privatsphäre ... und die Deine."

„Er ist Arzt und ... Spock, er weiß, dass wir eine mentale Verbindung haben und vermutlich auch mehr. Er weiß es lange und besonders auch seit einigen Tagen, als er ... dabei war, als ... Spock ..." Kirk warf verzweifelt die Hände in die Luft. „Es war
nötig ..."

„Er weiß es? Mehr muss er nicht wissen", erwiderte Spock knapp und schritt fast eilig aus der Turbolift Kabine, als die Türen sich öffneten. „Es ist ... privat ..."

„Privat?" Kirk musste schneller gehen um mit den langen Beinen des Vulkaniers Schritt zu halten. „So privat, dass du auch mir noch einiges nicht erzählt hast?"

Spock hielt abrupt an und musterte ihn. „Ja", war die simple Antwort und er ging einige Schritte weiter, stoppte vor der Tür zum Transporterraum und sah zu Boden, drehte sich wieder zu Kirk der noch immer wie vom Donner gerührt an der selben Stelle stand. „Jim. Es war nicht geplant, dass es so ..." Spock stoppte, schluckte nervös und suchte nach Worten.

„Es war so einiges nicht ´geplant´! Wenn ich das Wort „Plan" noch einmal höre, schreie ich", knurrte Kirk und kam wütend näher. „Sind wir Freunde oder ... was?"

„Ich ... werde es dir erklären. Aber ... nicht hier ..." Spock sah sich unbehaglich auf dem leeren Korridor um. „Nicht jetzt und nicht ...so. Jim ..."

„Ich werde dich daran erinnern", brummte Kirk und griff instinktiv an einen Oberarm. „Aber du hast vielleicht Recht. Es ist nicht die richtige Zeit." Er ging an Spock vorbei in den Transporterraum.

Kyle sah hoch und nickte ihnen höflich zu, strahlte den Vulkanier an. „Sir, schön, dass Sie wieder an Bord sind. Wir konnten es alle nicht so recht glauben dass Sie ... ähm ... also wir sind froh, dass ..."

„Ihre Vermutungen bestätigt wurden?" Spock neigte den Kopf und trat auf die Plattform. „Ich hatte einen Auftrag, Mr. Kyle. Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen."

„Gern geschehen." Kyle lächelte und sah fragend zu Kirk. „Wohin,
Sir?"

„Wo ist Commander Fink?"

„Derzeit ..." Kyle forschte in den Scanndaten. „Im Labor der Strafkolonie, Sir. Zusammen mit einigem Personal unseres wissenschaftlichen Stabes und der medizinischen Abteilung der Caius."

Kirk nickte, warf Spock einen prüfenden Blick zu und trat auf die Plattform. „Dann dorthin, Mr. Kyle. Energie."

 

Teil 13