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Teil 1



Die Caius war kein großes Schiff. Kirk hatte es nicht weit bis zu der Kabine die Fink ihm und McCoy zugewiesen hatte und war für einen Moment mehr als froh darüber. Spock war trotz seiner hageren Gestalt schwer und hielt sich fast verkrampft und bebend an ihm fest. Halbbewusstlos und schutzsuchend wirkte er fast wie ein Kind, empfand Kirk für einen kurzen Moment. Nur, dass der Vulkanier wesentlich schwerer war und noch unbekannt, wie ernst sein Zustand wirklich war. Kirk war mehr als besorgt, empfing noch immer nur die schwachen mentalen Sendungen seines Freundes. Angst.

"Ist gut, Spock. Du bist jetzt sicher", murmelte er zum wiederholten Mal in die dichten leicht strähnigen Haare Spocks, dessen Kopf an seinem Kinn ruhte. Er erreichte die Kabine nach einer kurzen Fahrt im Lift und einer Biegung im Korridor, bettete den zitternden Vulkanier vorsichtig auf eines der beiden gegenüberstehenden Betten. "Hier bist du zwar nicht auf der Enterprise, aber zumindest kannst du erstmal in Ruhe ..."

Spock stöhnte leise und schien noch immer nur halbwach. Er öffnete nicht einmal die Augen doch hielt Kirks Hand fest und wollte ihn scheinbar nicht weiter fort lassen. Wieder strömten diffuse Bilder in Kirks Bewusstsein, vermengt mit Angst und Chaos. Schwächer dieses Mal. Erschüttert über diese so offene Verletzlichkeit setzte sich Kirk kurzerhand mit aufs Bett, zog den Vulkanier auf seinen Schoß und ließ ihn zwischen seinen Beinen ruhen. Er lehnte sich an die dahinter liegende Wand und strich Spocks leicht zerzausten strähnigen Haare glatt. "Schon gut ... Ich bleibe hier. Okay?"

Der Vulkanier antwortete nicht, zog reflexartig die Beine an und schien kurz darauf wieder bewusstlos oder schlief. Nur ab und an lief ein leichtes Zucken durch den schlanken Körper und er schnappte leise nach Luft. Kirk zog ebenfalls die Beine an, stellte die Füße rechts und links von dem Vulkanier auf die Matratze und griff um Spocks Brustkorb nach den zu Fäusten geballten Händen, nahm sie in seine und betrachtete die deutlich frischen Male von Fesseln an den Handgelenken. Er würde herausfinden wer das gewesen war, nahm er sich wütend vor. Wer auch immer diesen stolzen Vulkanier, seinen Freund, in diesen Zustand gebracht hatte, würde dafür bezahlen müssen.

Erst jetzt bemerkte Kirk, dass seine Kopfschmerzen fort waren, ebenso die sporadische Verbindung zu dem Vulkanier in seinen Armen. Stille. Noch vor Minuten hatte er deutlich Spocks Flehen und Ruf gefühlt und nun war dort wieder das übliche kaum wahrnehmbare Gefühl seiner bloßen Existenz. Kirk konzentrierte sich darauf, doch kam nicht näher, hatte das Gefühl eines Katz und Maus Spiels, was er selbst in seinen Gedanken produzierte.

Müde lehnte er seinen Kopf an die Wand hinter sich, strich gedankenverloren über die weiche Haut an Spocks Händen und schloss die Augen. Sie hatten ihn dort rausgeholt, rechtzeitig, wie es schien. Doch weiteres würden sie erst wissen, wenn Spock erwachte.

Einige Zeit später glitten die Türen auf und McCoy kam herein, sah sich um. "Jim?"

"Sch, er schläft ..." Kirk machte eine Geste, dass der Arzt leise war.

McCoy hob überrascht eine Augenbraue und betrachtete für einige Sekunden das Bild was sich ihm bot. Kirk saß auf dem Bett, mit dem Rücken an die Wand gelehnt und zwischen seinen etwas angezogenen Beinen lag ein auf der Seite zusammengerollter besinnungsloser oder zumindest schlafender Vulkanier. Kirk umfasste ihn wie in einer Umarmung, ineinander verschränkte Hände auf Spocks sich langsam hebenden und senkendem Brustkorb und eine andere Hand lag schützend auf den schwarzen Haaren, strich unbewusst leicht darüber.

Der Arzt holte tief Luft, hatte diese beiden Männer niemals derart intim und vertraut gesehen und wusste zugleich, dass es er vermutlich auch niemals wieder sehen würde. Spock würde es in seinem normalen Zustand nicht dulden.

"Wie geht es ihm?", fragte McCoy leise, verdrängte den intensiven Wunsch etwas anderes zu fragen und kam näher, setzte sich auf die Bettkante neben sie.

"Ich dachte, du sagst mir das?", erwiderte Kirk und deutete besorgt mit dem Kopf auf den Vulkanier. "Er war ... ich weiß nicht, aber er ist ... still jetzt. Vielleicht seit ein paar Minuten. Ich vermute, er schläft. Was ist passiert mit ihm? Er hat sich an mich geklammert fast wie ein ... hilfloses Kind und ... wollte mich nicht gehen lassen, ist völlig weggetreten. Sind das diese ... Drogen?"

McCoy nickte stumm und stellte seine Tasche ab, holte einige Injektionen heraus und legte sie auf das Bett bevor er seinen
Scanner fand.

"Was ist das?" Kirk beäugte skeptisch die Spritzen.

"Oh, das ..." McCoy ließ den Scanner über Spock wandern, während er leise sprach. "Weiß ich noch nicht. Ich habe nur eine Ahnung. Einer von Finks oder Mastersons Muskelmännern hat sie mir gegeben, weil Dr. Braman gerade unten ist und für eine Analyse nicht zur Verfügung stand. Sie haben sie den ... Traxanern und dem Arzt abgenommen. Ich muss es noch im Labor untersuchen." 

Der Arzt ließ den Scanner zuschnappen und verstaute ihn mitsamt den anderen Gegenständen wieder in seiner Tasche. "Er wird noch ein bis zwei Stunden so ziemlich ausgeschaltet sein. Der Katalysator baut die Droge jetzt massiv ab, das macht ihm im Moment ziemlich zu schaffen. Es ist gut, wenn er schläft."

"Was ist das für eine Droge? Mekantin ... habe ich das richtig gehört?"

"Dann hast du gut gehört ... er hat es kaum herausbekommen." McCoy nickte und runzelte die Stirn. "Eine von der Sorte, die unangenehmer ist, aber ich weiß noch zu wenig. Ich hoffe nur, die haben ihn nicht davon abhängig gemacht. Dann wäre er in der Folge quasi auf Entzug und ich weiß nicht ..."

"Abhängig? Was ist das für ein Zeug? Was bedeutet das?", fragte Kirk besorgt und hielt unwillkürlich Spocks Hand fester als der leise ächzend zusammen zuckte. "Hat er Schmerzen?"

"Vermutlich ja ... ziemliche und es wird vielleicht noch schlimmer. Das kommt darauf an ob ... " McCoy stand auf und schüttelte den Kopf. "Ich weiß es selber noch nicht was genau in ihm vorgeht Jim, aber ich werde es herausfinden. Das beste ist, wenn er es uns selber sagen kann ... aber ich habe hier eine gute medizinische Datenbank entdeckt und die habe ich vor gleich mal anzuzapfen."

"Meinst du, dass sie ihn ..."

"Jim", wehrte McCoy ab und wich dem fast ängstlichen besorgten Blick Kirks aus. "Ich weiß es noch nicht. Okay?"

Er ging zur Tür und blickte wieder zurück, doch hatte nichts, womit er die offene Sorge Kirks mildern konnte. Im Gegenteil, er teilte sie. "Die Enterprise wird in 45 Minuten hier sein. Fink hat da unten scheinbar erstmal alles im Griff. Und für ihn hier ist es ganz gut, wenn er erstmal schläft. Bleibst du solange ..."

"Ich bleibe hier ..."

"Er sieht auch nicht so aus, als ob er dich gehen lassen würde." McCoy lächelte aufmunternd. "Sag ihm nicht, dass ich das gesagt habe ... Ich bin solange im Labor und komme dich hier ablösen bevor wir in Reichweite sind. Scotty wird mit dir sprechen wollen, ebenso Fink und es gibt Einsätze zu verteilen."

"Bones ..."

McCoy hob die Hand. "Jim ... Ich sehe schon zu, dass wir unseren Ersten Offizier wieder an Bord und ... auf die Beine bekommen. Das ist meine Aufgabe und ... deine Aufgaben sind dann dort."

Der Arzt hatte Recht. Seine persönlichen Wünsche würden warten müssen und Spock war zumindest erst einmal sicher und in den Händen des kompetenten Bordarztes gut aufgehoben. Kirk nickte geschlagen und lehnte den Kopf wieder an die Wand als McCoy die Kabine verließ, lauschte den flachen und zitternden Atemzügen seines Freundes.


***


"Jim ... Jim ..."

Kirk wurde wach als jemand sanft an seiner Schulter rüttelte. Er blinzelte und sah in McCoys Augen, der zufrieden nickte.

"Du bist eingeschlafen und da du sowieso seit fast 22 Stunden nicht geschlafen hast, dachte ich, ich lass dich noch etwas. Meine Labortests waren erst später fertig. Die Enterprise ist schon hier. Scotty hat vermutlich alles aus den Maschinen raus gequetscht, wartet auf dich und macht mit Commander Fink schon Einsatzpläne ..."

Kirk blinzelte die Müdigkeit aus den Augen und rieb sich über das Gesicht. Sämtliche Glieder und Gelenke waren steif und sein Rücken tat weh, außerdem war ihm warm. Spocks höhere Körpertemperatur war wie eine Heizung.  Besorgt sah er zu Spock, der nach wie vor auf seiner Brust ruhte. Er schlief noch immer, scheinbar still und atmete regelmäßiger jetzt. McCoy hielt bereits seinen Scanner über den Vulkanier und nickte zufrieden als er die Werte ablas.

"Wie geht es ihm?"

"Besser ... für den Moment. Er schläft. Ziemlich tief, mehr bewusstlos ... aber sein komplettes System ist auch immer noch kurzgeschaltet. Ich habe ihm ein leichtes Sedativ gegen die im Moment sporadischen Schmerzen gegeben, mehr kann ich erstmal nicht tun und ich will nicht noch mehr Chemie in seinem Blut. Komm ..." McCoy hob den Vulkanier sanft an und Kirk krabbelte vom Bett.

Er fuhr sich durch die Haare und blieb auf der Bettkante sitzen, sah zu McCoy. Der Arzt ließ den schlafenden Vulkanier vorsichtig auf das Bett in die Kissen sinken.

"Was hast du herausgefunden?", fragte Kirk, nicht sicher ob er seinen Freund allein lassen wollte.

McCoy und stand auf und ging zum Intercom. "Nicht viel leider ... dieses Zeug ist noch recht neu. Später Jim ... du wirst erwartet."

Kirk stand murrend auf, zog sein Uniformhemd erfolglos glatt und warf McCoy einen fragenden Blick zu. Es musste einen Grund haben, dass der Arzt wartete. "Mit wem willst du reden?"

"Chapel. Ich hab dir doch schon gesagt, dass dein Schiff da draußen ist? Da will ich dich jetzt hin haben und ihn sowieso. Außerdem braucht er andere Kleidung. Ich denke, wir bringen ihn erstmal in seine Kabine ..."

"Chapel?" Kirk verzog das Gesicht. "Ich helfe dir. Ich will nicht, dass sie ... ihn so sieht."

"Jim", seufzte McCoy und stemmte die Hände in die Seiten. "Sie ist auch eine professionelle Schwester, und sie hat ihn schon oft in einem weitaus schlechteren Zustand gesehen. Für deine Bedenken ist es bei weitem zu spät. Ich bin Arzt, Chapel gehört zu meinem Stab und das hier ist unser Patient. Nun geh ... lass mich das machen."

Kirk presste die Lippen aufeinander und warf Spock noch einen besorgten Blick zu, verließ dann widerstrebend die Kabine.

McCoy betrachtete einen Moment die geschlossene Tür. Erneut war dieses merkwürdige Flackern von Besitz ergreifender Eifersucht in Kirks Augen gewesen. Etwas hatte sich verändert in dem Captain. Er konnte nur hoffen, dass Jim es ebenso merkte. McCoy seufzte und setzte sich mit der Enterprise in Verbindung.

Es dauerte nicht lange und Chapel kam mitsamt einer sorgfältig gefalteten schwarzen vulkanischen Robe und einer Anti G Bahre mit einigen Utensilien darauf. Es würde vermutlich für immer ihr Geheimnis bleiben, woher sie genau wusste wo sie was fand, wenn der Vulkanier es benötigte.

Sie blieb einen Moment erschrocken stehen, als sie McCoy am Bett des bewusstlosen und blassen Vulkaniers sah, doch fragte nicht weiter, als sie den mahnenden Blick des Arztes sah.

"Ich dachte, die hier ist ...zumindest warm ...", sagte sie leise als sie die Kleidung auf dem Bett ablegte.

"Gut gedacht Christine", nickte McCoy. "Helfen Sie mir ... bringen Sie den Dermolaser und antiseptische Verbände."

Innerhalb einer halben Stunde hatten sie Spock aus der Anstaltskleidung raus, das restliche Blut abgewaschen, die wunden Handgelenke versorgt und in der wärmeren vulkanischen Robe gekleidet. Abgesehen von seiner Blässe und den noch immer leicht strähnigen Haaren, wirkte er fast wieder normal.

"Die haben ihn ganz schön zugerichtet", murmelte Chapel schließlich ärgerlich, als sie die Bahre mit dem fast bis zu den Haarwurzeln in Decken eingewickelten Vulkanier zum Transporterraum steuerten.

"Hm, hm ..." McCoy nickte. "Er hatte innere Blutungen, aber der hiesige Arzt der Caius - Dr. Braman - hat sie bereits versorgt. Um die Quetschungen der Handgelenke kümmern wir uns, sobald er etwas besser beieinander ist. Sein Kreislauf war völlig zusammen gebrochen als wir ihn zurück bekamen."

Chapel nickte nur, doch blickte weiterhin düster drein. Sie beamten auf die Enterprise und McCoy befahl einem überraschten Kyle die Korridore zu räumen, wollte dem Vulkanier bei seiner Rückkehr so viel Aufhebens wie möglich ersparen.

In Spocks Kabine angekommen, stellte Chapel die Frage die sie vermutlich seit einer halben Stunde unterdrückt hatte. "Doktor? Ist er ... ich meine ... bleibt er ... hier?"

"Was meinen Sie, warum seine Kabine nicht angetastet wurde?" McCoy nickte und breitete eine Decke über dem Vulkanier aus, nachdem sie ihn auf sein Bett gelegt hatten. "Er hatte einen Auftrag dort unten, wurde eingeschleust. Es war alles von der SI geplant. Und wie üblich bei solchen tollen Aktionen, ... bekommen wir ihn in Stücken zurück ...", murrte er. "Sie haben richtig vermutet. Christine, fragen Sie in Zukunft gleich und hören Sie auf das zu verdrängen. Das ist nicht gesund."

Sie lächelte und verzog dabei etwas das Gesicht. "Vielleicht ... Doktor, brauchen Sie noch etwas?"

McCoy schüttelte den Kopf und gestikulierte zur Tür. "Gehen Sie nur. Ich bleibe erstmal bei ihm und schätze, dass der Captain nicht lange auf sich warten lässt."

Chapel blieb einen Moment stehen, doch ging dann wortlos. McCoy drehte sich wieder zu dem Vulkanier und beobachtete ihn in seinem nun zunehmend unruhiger werdenden Schlaf. Dunkle Wimpern zuckten, als ob er träumen würde und impulsiv ballten sich die Hände ab und an zu Fäusten.

Schmerzen, die der Entzug der Droge auslöste, wenn der Körper daran gewöhnt war und vulkanische Disziplinen von der Droge eingelullt waren. Die Schmerzen würden schlimmer werden, wusste McCoy und es würde kein Mittel geben, sie zu mildern außer einer erneuten Gabe der Droge. Seine Sorge und die Werte, die er im Scanner bereits gesehen hatte wurden bestätigt. Die Traxaner hatten den Vulkanier also abhängig gemacht und Spock hatte es vermutlich geduldet, ertragen müssen, um seinen Auftrag zu erfüllen. Ein Teufelskreis und mitten drin ein Vulkanier.

McCoy beobachtete eine Weile das feine Zucken der dunklen Wimpern und Augenbrauen des Vulkaniers, das konvulsive Ballen der schlanken Hände zu Fäusten und ging in Gedanke die Informationen durch, die er in Bramans Akten gefunden hatte. Es waren nicht viele. Zu wenig. An die persönlichen Dateien würde er nicht herankommen, doch er beschloss den Arzt eventuell später zu fragen. Er schien zumindest mehr zu wissen.

Spock stöhnte leise und zuckte zusammen, wieder ballten sich die schlanken Hände zu Fäusten und die dunklen Augenbrauen zogen sich zusammen.

"Wir haben ein Problem ...", murmelte McCoy leise, mehr zu sich selbst und fühlte in seiner Tasche nach der Injektion, die er noch auf der Caius geprüft und beiseite genommen hatte. Mekantin. Eine volle Injektion, die bei einem der Traxaner gefunden wurde. Vielleicht das einzige, was dem Vulkanier für einige Stunden helfen konnte?

Es bestand keine andere Möglichkeit an das Mittel heranzukommen und McCoy hatte es sicherheitshalber anders deklariert und behalten, noch nicht sicher ob Spock es vielleicht benötigen würde. Er war die einzige Möglichkeit die kommenden Schmerzen für eine kurze Zeit zu beenden und mit dem Vulkanier überhaupt erst einmal rational zu sprechen. Eine Droge, fluchte McCoy innerlich. Doch mit Abhängigkeit war nicht zu spaßen, noch weniger mit abrupten Entzug. Er wusste zu wenig darüber, wusste noch nicht wie Spock reagieren würde.

"Mc ... Coy ...", murmelte Spock und blinzelte nun mühsam, war noch immer nur halbwach. "Enter- ... prise? .... nicht Krankenstation?"

"Hundert Punkte, Mr. Spock ...", antwortete McCoy freundschaftlich und beobachtete ein weiteres feines Beben des hageren Körpers. Kräftige Muskeln spannten sich unter dem dunklen Umhang an. "Sie sind in Ihrer Kabine. Schmerzen?"

Spock brachte ein Nicken zustande und schloss die Augen wieder. Sein Atem wurde harscher und es war seinem Gesicht anzusehen, dass seine Versuche die Schmerzen zu kontrollieren, erfolglos bleiben würden.

"Mr. Spock? Das ist der Entzug der Droge ... ich habe Ihnen einen Katalysator geben müssen. Gegen die Schmerzen kann ich Ihnen nichts geben, außer ..."

Die dunklen Augen schnappten auf, fixierten McCoy mit einer plötzlichen Wachsamkeit, die den Arzt erschrocken die Luft anhalten ließ. Ein Beben lief durch den schlanken Körper des Vulkaniers und er stieß einen leisen Schrei aus, doch wendete den Blick nicht ab, schnappte mühsam nach Luft.

"Spock", McCoy legte beruhigend eine Hand auf Spocks Schulter, doch der drehte sich stöhnend weg. "Können Sie es ... kontrollieren?" McCoy wusste die Antwort, bevor sie kam, spürte sie unter seiner Hand.

"Nein ...", schnaufte Spock. "Binden Sie mich .... fest ... oder .... geben Sie mir ..." Er wurde von einem weiteren Schub an Krämpfen und Schmerzen unterbrochen und drehte sich aufstöhnend weg, krümmte sich keuchend zusammen.

"Was ... soll ich Ihnen geben? " McCoy griff nach seinem Scanner und hielt ihn über den zitternden Körper, überlegte fieberhaft ob ein Sedativ überhaupt Wirkung zeigen würde in dem nun tobenden vulkanischen Nervensystem. Die Droge war das einzige was half und Spock würde es wissen. "Eine Droge? .... Spock? Mein Scanner sagt mir, dass ..."

Ehe er sich versah, drehte sich Spock herum und schlug ihm den Scanner aus der Hand, starrte ihn mit einer Mischung aus Wut, Schmerzen und Verzweiflung an. "Sie ... benötigen das nicht ... um zu sehen, ... dass ich Schmerzen ..."

Wieder konnte der Vulkanier nicht weiterreden holte einige entsetzte Atemzüge und griff sich an den Kopf. Seine Augen weiteten sich. "Nein ...", keuchte er verzweifelt und rollte sich wieder auf die Seite, krümmte sich zusammen und verbarg den Kopf zwischen den Armen. "Nein ..."

"Was geht hier vor?"

"Jim", McCoy wirbelte erschrocken herum, hatte Kirk nicht in die Kabine kommen hören. Der Captain eilte sofort an das Bett und griff nach Spock, der sich zu einem zitternden und leise unterdrückt schreiendem Ball zusammengerollt hatte.

"Jim, nicht anfas-..." McCoy wollte ihn aufhalten, doch es war zu spät. Blitzschnell hatte der Vulkanier mit einem schmerzerfüllten Aufschrei die Hand weg geschlagen und Kirk von sich gestoßen, war vom Bett gerollt und krümmte sich nun schwer atmend auf dem Boden zusammen.

Kirk war durch die Wucht unkontrollierter vulkanischer Muskeln an die Wand geworfen worden, starrte entsetzt auf das Bild was sich ihm bot. "Spock, was soll ..."

Der Vulkanier schrie plötzlich gellend, griff sich an den Kopf und kauerte sich weiter auf dem Fußboden zusammen.

"Bones ... was ... hat er?" Kirks geweitete Augen fanden den Arzt, der hektisch etwas aus seiner Tasche holte. Spock schrie wieder und es war als setzte sich der hilflose Schrei in seinen Gedanken fort.

"Tu etwas ...", brachte er heraus und befahl seinen Beinen sich zu bewegen. Er musste Spock helfen.

"Er hat Schmerzen, verdammt ... siehst du das nicht? Er ist nicht völlig rational." McCoy hatte eine Injektion in der Hand, näherte sich vorsichtig dem Vulkanier. "Spock ..."

"Nein ...", krächzte Spock und wich krabbelnd zurück. Er ächzte als sein Körper sich erneut verkrampfte und presste sich keuchend in eine Raumecke neben dem Bett.

"Spock, ich weiß nicht was ich Ihnen sonst ..."

"Bones, was willst du ihm da geben?", fragte Kirk argwöhnisch als er Spocks offensichtlich ablehnende und fast verängstigte Reaktion nicht deuten konnte. Nicht rational? Seine Augen schossen hektisch von Vulkanier zu Arzt.

McCoy sah verzweifelt zu ihm. "Jim, er ist auf Entzug. Sein komplettes Nervensystem feuert gegen ihn ... das hier ... hilft
zumindest für einige Stunden und wir können ..."

"Nein!", schrie Kirk aufgebracht als er verstand. Entzug? "Du wirst ihm keine ... verdammte Droge geben."

McCoy zuckte zusammen. "Jim ... ich HABE im Moment nicht anderes und das hilft zumindest ..."

"Du wirst meinem Ersten Offizier keine Drogen geben ...", schnappte Kirk warnend, seine Stimme ärgerlicher aufgrund der tobenden Kopfschmerzen.

"Jim,  ... sieh ihn dir an. Er ist ... abhängig davon, auch wenn er es nicht will und ... ich es nicht will ... er ´braucht´ es. Diese
Schmerzen sind erst der Anfang und sie werden ihn vielleicht töten, wenn wir keinen Weg finden ...."

Spock stieß einen wimmernden gequälten Schrei aus und vergrub den Kopf zwischen den Armen, kämpfte um Luft und gegen rebellierende und verkrampfte Muskeln. Kirk sprang zu ihm und griff nach den Armen des am ganzen Körper zitternden Vulkaniers, bog sie auseinander. "Spock ... ruhig ... wir helfen dir, aber ..."

Spock starrte ihn abrupt an, keuchte in hektischen Zügen. Kirk erstarrte, als er die Verzweiflung in den dunklen Augen sah. Verzweiflung und Schmerz, fast wild und als würde er ihn nicht erkennen. Spock anhängig von Drogen? Niemals. Blitzschnell schossen die dunklen Augen auf einen Punkt hinter Kirk. Entschlossenheit und Aggressivität. McCoy?

"Bones, nimm das Zeug weg ... er ..."

Es war zu spät. Kirk wurde grob beiseite gestoßen und noch während er hart an der Bettkante landete war der Vulkanier bereits bei McCoy und hatte ihn von den Beinen geholt.

"Spock ... nein ...", ächzte McCoy und fiel hart auf das Deck. Der Vulkanier hatte sein Ziel bereits erreicht und dem Arzt die Spritze aus der Hand gerissen. Er injizierte sich die Injektion selber und blieb schwer atmend zusammen gekrümmt neben dem Arzt auf dem Boden knien.

Für lange Sekunden war nichts anderes in der Kabine zu hören außer das schwere unregelmäßige Atmen des Vulkaniers.

Kirk stemmte sich erschüttert hoch und blickte zu McCoy, der sich ebenfalls langsam aufrichtete und am Hinterkopf rieb.

"Alles okay, Bones?", fragte er leise, wagte es nicht den Blick von Spock zu lassen. Freund oder nicht, doch ein irrationaler Vulkanier ohne Kontrollen war gefährlich. Das zumindest wusste er.

"Nein ...", murrte der Arzt und krabbelte steif zu Spock. "Nichts ... ist hier ... okay." Der Arzt verbog den Kopf um Spock ins vornüber hängende Gesicht zu sehen und nahm ihm dann sehr vorsichtig die Spritze aus einer zitternden und schlaffen Hand.

"Sie dickschädliger grünblütiger ... ach verdammt ... kommen Sie ..." Schnaufend zog McCoy den benommenen Vulkanier auf die Beine und warf Kirk einen düsteren Blick zu. "Hilf ihm ..."

Kirk kam aus seiner Starre, griff stützend nach einem Oberarm und sie setzten Spock aufs Bett. Sein Atem wurde gleichmäßiger und das feine Zittern ließ nach. Was auch immer ihn eben fast zum Berserker hatte werden lassen, verflog mit jedem Atemzug und Spock schien sich zu beruhigen. Der Vulkanier blinzelte schließlich, sah sie kurz an, schloss die Augen und drehte gequält den Kopf zur Seite.

"Oh nein, ..." Kirk griff ihm ans Kinn und drehte den gesenkten Kopf wieder zu sich. "Sieh mich an. Wir sind es. Deine Freunde. McCoy und Jim. Du bist hier sicher. Okay? Was ... geht hier vor?"

Spock sah ihn unsicher an, atmete schwer, visierte erst den Fußboden, dann einen Punkt hinter Kirk bevor die dunklen Augen ihn wieder fanden und sich erneut schlossen. Die Lippen zu einem dünnen Strich zusammengepresst.

"Er ist ... abhängig, Jim", kam McCoys leise Stimme von hinter ihnen, als offensichtlich war, dass Spock nicht antworten konnte oder wollte.

Kirk sah kurz zu dem Arzt, formte das Wort was undenkbar war lautlos mit den Lippen und sah wieder zu Spock, griff ihn fester an den Schultern, schüttelte ihn leicht, damit er reagierte. "Spock ... verdammt, das kann nicht ..."

"Mekantin ... macht abhängig", fuhr McCoy mit vor der Brust verschränkten Armen fort. "Und genau das, haben diese Typen da unten ... gewusst, getan ... und genutzt. Und er ... hat es vermutlich ... pflichtbewusst ... zugelassen oder besser ... erduldet."

"Es ... ist korrekt", krächzte der Vulkanier und sah Kirk wieder an. Seine sonst übliche Beherrschung schien langsam wieder zurückzukehren, doch er konnte die Verzweiflung nicht aus den Augen fernhalten, als er in Kirks sah. "Verzeih ..."

Kirk blinzelte, schüttelte ungläubig den Kopf und holte tief Luft. Er sah Hilfe suchend zu McCoy, dann wieder zu Spock, der erneut das Gesicht abgewendet hatte.

McCoys Scanner summte und schnappte mit einem leisen Klicken wieder zu. Spock hob den Kopf und sah den Arzt an, der den Blick ernst und prüfend erwiderte. "Mekantin ist relativ neu. Ich habe nicht viel darüber in der Datenbank der Caius gefunden. Mein Scanner sagt mir, dass Sie jetzt zumindest ..."

"Ich bin funktionsfähig", unterbrach Spock krächzend den Arzt, sichtbar unwillig mehr über seinen Zustand zu hören.

"Funktions- ... fähig?" Kirk stand schnaufend auf und ging einige Schritte in den Bürobereich, stemmte die Hände in die Seiten und ließ die angehaltene Luft langsam entweichen. Er drehte sich um und musterte Spock, der ihn mit den Augen verfolgt hatte. Der Vulkanier gewann von Sekunde zu Sekunde mehr seiner üblichen geradezu herausfordernd gelassenen Haltung zurück.

"Was ist passiert, Spock?"

Eine dunkle Augenbraue schoss in die Höhe und Spock sah sich bedeutungsvoll um, hüllte sich zunehmend wieder in seine unerschütterliche Aura. "Betreffend der letzten Stunden ... weiß ich die korrekte Antwort nicht. Betreffend der vergangenen ... Wochen, halte ich es für angebracht, wenn ich diese Auskunft auch an den zuständigen SI Commander gebe ..."

Kirk runzelte die Stirn als Spock sich erhob und nach einem kurzen Wanken das Bad fixierte. "Spock ... eben warst du noch ..."

"Sir", unterbrach Spock und sah kurz zu Boden, dann wieder hoch. Er wirkte kühl und es war fast spürbar, wie sich dicke Mauern um ihn errichteten. "Ich war aus einem Grund dort und ... solange ich dieses ... Mittel in meinem System habe, bin ich zumindest in der Lage meine Informationen an die notwendigen Stellen weiterzugeben. Es wäre logisch, diese Zeit zu nutzen und meinen Auftrag zu erfüllen. Dann können Sie mich den Behörden ..."

"Behörden? Spock verdammt noch mal ...", unterbrach Kirk ihn ärgerlich.

"Jim, er hat in einem Recht ...", kam McCoys nun ungewöhnlich ruhige Stimme dazwischen. "Auch wenn ich es nur ungern sage, aber ...."

Er sah prüfend zu Spock, der stocksteif dastand und hob die Injektion hoch. "Es waren etwa zwanzig Milligramm in dieser Injektion. Ich vermute, da sie von einem der Traxaner stammt, dass das eine ... normale ... Dosis ist? Wie lange wirkt das?"

Spock neigte den Kopf. "Etwa vier Stunden, dann benötige ich eine weitere Injektion oder ... Hilfe." Die dunklen Augen hefteten sich erneut auf Kirk, der ihnen den Rücken zugewandt hatte und blind eine Wand anstarrte, nicht reagierte.

McCoy spürte wie die Anspannung in der kleinen und viel zu warmen Kabine stieg und machte eine stumme Geste mit dem Kopf in Spocks Richtung zum Bad. Der Vulkanier verstand und wirkte für eine Sekunde fast dankbar. Er fischte eine Uniform aus einer Schublade und verschwand steifbeinig hinter der Tür, nachdem er noch einen undefinierbaren Blick auf Kirks Rücken geworfen hatte.

Nach wenigen Augenblicken war das Geräusch der sonischen Dusche zu hören.



Teil 12